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Der IQ des Schweizer Bankers

Die Erklärung, wieso es dem Finanzplatz so schlecht geht.

Bankenversagen, Staatsversagen, Monsterbank, der Steuerzahler hat keine Ahnung, in welche Haftung er hineinlaufen könnte.

Woran liegt das? Nun, zum Beispiel am durchschnittlichen IQ der Schweizer Banker. Wie misst man den? Schwierig, denn welcher Banker würde sich schon freiwillig einem solchen Test stellen. Die Resultate wären sehr ernüchternd.

Glücklicherweise gibt es aber einen anderen Messfühler, der ziemlich exakte Ergebnisse liefert. Man muss nur ein Momentchen Zeit aufwenden, aber es lohnt sich, weil es unterhaltsam ist. Der Messfühler heisst «Kommentare zu Artikeln auf Inside Paradeplatz.» Besonders entlarvend sind die, wenn der Inhalt des Artikels ein paar Kenntnisse voraussetzt, die dem normalen Banker (die Hauptleserschicht) nicht eigen sind. Das macht aber nix, denn schliesslich weiss es ein Banker immer besser. Und wenn sich im Nachhinein wie meist herausstellt, dass selbst Schimpansen, die auf eine Drehscheibe mit Farben Pfeile werfen, eine bessere Trefferquote bei Zukunftsprognosen haben, dann ist der Banker halt mal wieder «überrascht», murmelt etwas von «unvorhersehbar» und macht sich an die nächste Fehlprognose.

Als Beispiel will ZACKBUM hier ein Werk aus eigenem Schaffen nehmen:

In den ersten 24 Stunden generierte der Artikel bereits 117 Kommentare. Darunter sind durchaus einige, die von einem gewissen Niveau und Vorkenntnissen zeugen. Allerdings auch solche:

«Der Energie-Mangel existiert nicht, es ist der massive Bevölkerungs-Überschuss in der Schweiz, der sich zeigt. 4 Mio. (eingebürgerte) Einwanderer und ihre Nachfahren sind überzählig, und müssen repatriiert werden … Hier ein paar Fakten, denn davon hat es in diesem polemischen Beitrag praktisch keine … Wieder so ein Schnellfurz eines Journis vom sicheren, gut beheizten Homeoffice aus … Zackdumm und Journalist wie Ackeret beim Blocher … Genau…..und den Fischen im Meer gehts belendend. Man sollte sie ihnen auf dem Teller servieren!……en Guete, Sie Trottel! … Von Zeyers Furz bleibt ein übler Geruch ! … der Typ ist doch total Banane! …   Als Furz ist dieser Beitrag zu werten … Wenn der Strom im Winter knapp wird kann man ihn rationieren … René Zeyer übertrifft noch JKS mit seinen primitiven Ausdrücken … Und wieder singt der Leierkastenmann das hohe Lied vom Atomstrom und vom Loser Bodenmann … AKWs pusten radioaktiven Rauch in die Luft und sind giftig … Herr Zeyer baut sein AKW Bezahlt und Entsorgt selber. Strahlende Zukunft eines erloschenen Geistes.»

Und so weiter. Natürlich werden alle Kommentare – mit einer löblichen Ausnahme – unter dem Schutz der Anonymität verfasst; mutig wird der Banker nur, wenn er sich hinter dem letzten Rest des Bankgeheimnisses verstecken kann.

Weil Lukas Hässig sehr liberal mit dem Freischalten ist (durchaus lobenswert), sind dadurch Sittenbilder des durchschnittlichen Denkvermögens des Schweizer Bankers möglich. Dass und wie der Autor hier angerempelt wird, ist nicht das Problem, sondern sehr erheiternd. Aber man stelle sich nur vor, dass der ZACKBUM-Leser vor seinem Bankangestellten sitzt (vorausgesetzt, er hat genügend Kohle, dass er überhaupt persönlich bedient wird), und der schwärmt ihm etwas von fantastischen Anlagemöglichkeiten vor, einem massgeschneiderten Produkt genau für solche Investoren wie Sie, da kann ich ausgewählten Kunden ein besonders lukratives Angebot machen, Blabla. Und dann stellt sich der ZACKBUM-Leser vor, dass der Schlingel vor ihm, dessen Krawattenknopf normalerweise intelligenter ist als der Besitzer, nebenbei solche Schwachsinnskommentare absondert.

Das dürfte dann allerdings sein Vertrauen – bekanntlich das wichtigste Gut im Banking – doch leicht erschüttern.

 

Aktualität ist relativ

Auch zusammenschreiben will gelernt sein.

Zugegeben, die Lokalberichterstattung stellt den «Tages-Anzeiger» vor grosse Herausforderungen. Da kann die «Süddeutsche Zeitung» schlecht helfen, da wäre man auf eigene Leistungen angewiesen. Aber das wiederum wäre mit einem erhöhten Energieaufwand verbunden. Und Energie sollte man bekanntlich sparen.

Das sagt sich auch Sascha Britsko, die als «Reporterin bei «Das Magazin» und im Ressort Zürich Politik & Wirtschaft des «Tages-Anzeiger»» arbeite. Oder so. Das will sie mit einem Artikel über das Kino «Frame» unter Beweis stellen. Bekanntlich hat das «Zurich Film Festival» die Säle des konkursiten Erblinken-Desasters «Kosmos» übernommen. Dafür musste zwar extra die Ausschreibung geändert werden, aber who cares.

Nun seien hier die Besucherzahlen «eingebrochen», weiss Britsko. Woher weiss sie das? Nun, sie weiss schon mal, dass es den Zürcher Kinobetreibern ganz allgemein eher mies geht; deshalb werden sie mit fast 600’000 Franken Steuergeldern unterstützt. So weit, so bekannt.

Dann kupfert sie eine Meldung des Regionaljournals SRF ab, dass «die Leitung des «Frame» auch zwei Monate nach der Eröffnung «noch nicht da, wo wir gerne wären», sei. Von dieser Meldung geht es mit wehenden Fahnen zu nächsten Quelle:

«Nun will das Onlineportal «Inside Paradeplatz» konkrete Zahlen zum Geschäftsgang haben: Im Oktober sollen mit rund 1200 Eintritten nur halb so viele Zuschauer und Zuschauerinnen wie im Vorjahr das Kino besucht haben. Im November soll in einer Woche gar nur ein Drittel der Vorjahreszahlen erreicht worden sein, 1000 nämlich.»

Immerhin, sie nennt in ihrem Artikel tapfer die Quellen. Allerdings verwendet sie hier zur Einleitung das dehnbare Adverb der Zeit «nun». Wobei man doch eher «dieser Tage, kürzlich» assoziiert, also «Inside Paradeplatz» habe die Zahlen taufrisch vermeldet. Es geht; der Artikel erschien bereits am 23. November, immerhin in diesem Jahr.

Alle selbstkritischen Zitate der Leiterin des Kinos übernimmt Britsko dann wieder aus dem Regionaljournal. Worin besteht denn nun ihre Eigenleistung? Hm. Sie hat – wie nicht wenige der Leser – dem Regionaljournal gelauscht. Sie hat sich an den einen Monat zurückliegenden Artikel auf IP erinnert. Sie hat beides zusammengestöpselt. Das ist der Qualitätsjournalismus von heute, für den der Leser gerne bezahlt.

Wobei, der Zusammenschrieb ist nicht mal hinter der Bezahlschranke. So nach der Devise: ist’s nichts wert, so kostet es auch nichts.

Rechnen mit der «Republik»

Es ist nicht «alles gut». Es ist grauenhaft.

Die «Republik» hat viele Probleme. Sie hat drei gravierende Probleme.

  1. Eigentlich ist sie pleite.

  2. Sie hat einen Irrwisch als VR-Präsidenten.

  3. Steuerschummelei, Sexismus-Affäre und internes Gerangel führen in den Abgrund.

Dazu nur ein weiteres Beispiel. Der irrlichternde VR-Präsident nennt das «Klimalabor» einen Anlass zur Hoffnung. Schon der Tagi bemängelt im Interview, dass das doch eine Community-Sache sei, kein publizistisches Projekt. Hinzu kommt, dass das «Labor» seit einem Jahr im Wesentlichen an sich selbst laboriert und null nennenswerten Output hat. Dazu kommt, dass es bereits dafür einen Bettelaufruf mit der üblichen Drohung gab: 250’000 Eier her, oder wir müssen den Stecker ziehen und Leute entlassen. Aber noch schlimmer:  die Kohle kam nur zusammen, weil gegen Schluss ein unbekannter Mäzen schwer nachschüttete, so lau war das Publikumsinteresse. Wer das ist, will die transparente «Republik» erst «zu gegebener Zeit» enthüllen.

Geht’s noch schlimmer? Oh ja, Lukas Hässig von «Inside Paradeplatz» hat sich die Mühe gemacht, den Jahresabschluss 22- 23 unter die Lupe zu nehmen. Die Lektüre seiner Ergebnisse braucht starke Nerven. Denn das Organ der Demokratieretter hat nicht nur interne und inhaltliche Probleme. Sondern vor allem finanzielle. Es wird immer klarer, wieso der Kurzzeit-VRP Roger de Weck so schnell Reissaus nahm. Der hat die Zahlen gesehen, nachgeschlagen, welche Verantwortlichkeiten auf einen VRP im Falle einer Konkursverschleppung zukommen können – und sagte sich: nix wie weg.

Mit freundlicher Erlaubnis übernimmt ZACKBUM die erschütternde Abrechnung von Hässig.

Als letztes Vorwort: seit dem Beginn am 14. 1. 2018 hat die «Republik» bis zum 11. 11. 2023 haargenau 7400 Stücke (Artikel kann man das meiste nicht nennen) veröffentlicht. Dafür 30 Millionen in den Sand gesetzt. Das sind rund 4000 Franken pro Stück. In den allermeisten Fällen rausgeschmissenes Geld. Aber im Einzelnen:

Grün-urbane „Republik“ ist mit 2,2 Millionen überschuldet

„Project R Genossenschaft“ als Finanziererin des Zürcher Online-Magazins hat seit 2018 über 30 Millionen in Sand gesetzt.

Von Lukas Hässig*

Die „Republik“ will die Demokratie retten. Ohne guten Journalismus keine Zukunft, so der Anspruch des Zürcher Online-Mediums, das damit 29’000 zahlende Leser anzieht.

Tendenz sinkend. Jetzt zeigt der soeben erschienene Jahresabschluss 2022-23, dass mit dieser Anzahl zahlender Kunden die Rechnung nicht aufgeht.

Hinten und vorne nicht.

Per 30. Juni hat die „Project R Genossenschaft“, deren Hauptziel die „Trägerschaft“ der Republik AG und damit deren „Republik“-Mediums ist, ein negatives Eigenkapital.

Und zwar in der Höhe von 85’000 Franken.

Die Genossenschaft ist die alles entscheidende juristische Person für das Überleben und die Zukunft des Magazins.

Bei diesem sieht die Lage noch düsterer aus. Die „Republik AG“, die Herausgeberin des Online-Mediums, wies per Mitte 2023 ein Eigenkapital von minus 2,2 Millionen Franken aus.

Dies nach einem Nettoverlust im zurückliegenden Geschäftsjahr von 1,5 Millionen.

Das negative Kapital hat in der Buchhaltungs- und Konkurssprache einen Namen: Überschuldung.

Die Guthaben decken die Schulden nicht mehr. Das eigene Kapital, das die Differenz zwischen den beiden Grössen ausmacht, mehr als aufgezehrt.

Damit müssten die „Republikaner“ gemäss Gesetzt schnurstraks zum Richter rennen. Dass sie das nicht tun, hängt mit möglichen Ausnahmen zusammen.

Da Gläubiger der Republik AG im Betrag von CHF 2’411’434 Rangrücktritt erklärt haben, hat der Verwaltungsrat von der Benachrichtigung des Richters abgesehen“, so die Revisorin.

Es handelt sich um die Zürcher BDO. Diese hat schon die Kulturstätte Kosmos revidiert, die keine 300 Meter Luftlinie vom Sitz der Republik entfernt liegt.

Die Kosmos AG krachte vor 12 Monaten zusammen: Konkurs mit Finanzloch in zweistelliger Millionenhöhe.

Der Kino- und Gastro-Tempel, wie die Republik ein grün-urbanes Vorzeigeprojekt und finanziert von den teils gleichen Grossinvestoren, war seit Jahren ein hoffnungsloser Fall.

So hoffnungslos wie jener der Republik?

Deren finanzieller Einbruch geht gleich wie jener beim Kosmos seit Jahren vonstatten.

Im Geschäftsjahr 2022-23 erlitt die fürs Geld entscheidende „Project R Genossenschaft“ einen Verlust vor Minderheiten von 6,8 Millionen.

Löhne für die rund 50 Leute an Bord summierten sich auf 5,7 Millionen, hinzu kamen 700’000 für die selbst entwickelte Informatik, 300’000 für Werbung, 200’000 Miete.

Abos von den Lesern deckten umgekehrt gerade mal Miet- und IT-Aufwände: knapp 900’000 Franken.

Hinzu kamen als Zuflüsse Spenden von rund 300’000. Nach „Erlösminderungen“ strömten der Genossenschaft 1,1 Millionen in die Kasse.

Eine Schere, die nicht hätte weiter aufgehen können. Die Spuren dieses kompletten Missmanagements zeigen sich in „Eigenkapitalnachweis“ der Project R Genossenschaft.

Dort wird klar, dass die „Project R Genossenschaft“ seit der Lancierung am 14.1.2018 des „Republik“-Online-Magazins mit 3 täglichen Artikel, von dem jeder 10 Mal so lang ist wie eine NZZ-Story, ein Fass ohne Boden ist.

Per Mitte 2023, also dem Zeitpunkt des jüngsten Jahres-Abschlusses, wies die Genossenschaft ein „Konsolidiertes Eigenkapial“ von 30 Millionen aus.

Davon zog sie ab: für 2022-23 erzieltes „Konzernergebnis“ von minus 6,9 Millionen, einen „Ergebnisvortrag“, sprich die in den Vorjahren aufgelaufenen Verluste, von 23,7 Millionen.

Das führte dann zusammen mit weiteren Positionen im Kapitalnachweis zu den erwähnten 85’000 Franken Minuskapital.

Dank der Berücksichtigung einer Position namens „Anteil Minderheiten“ resultierte schliesslich doch noch ein positives Eigenkapital von 1,2 Millionen.

Revisorin BDO redet die Lage nicht schön. In ihrem Testat der Republi AG, also der Herausgeberin des Medien-Erzeugnisses mit dem hohen Anspruch der Demokratie-Retterin, hält sie fest:

Wir machen darauf aufmerksam, dass die Republik AG im Sinne von Art. 725b OR überschuldet ist.“

Laut „Bericht“ zur „Project R Genossenschaft“, alles nachzulesen im 89 Seiten starken Jahresbericht, besteht für die BDO eine „wesentliche Unsicherheit der Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung“.

Dass das ganze „Republik“-Konstrukt überhaupt noch am Leben ist, hängt mit den Haupt-Gläubigern zusammen.

Die haben mittels sogenanntem „Rangrücktritt“ erklärt, dass sie im Fall eines Konkurses sich ganz hinten in die Schlange der Gläubiger einreihen.

Insgesamt geht es um 2,4 Millionen, welche die „netten“ Geldgeber auf diese Weise praktisch à fonds perdu den „Republikaner“ für deren Rettung des Schweizer Journalismus bereitstellen.

Retter der „Republik“ in Not soll jetzt der langjährige Chef der Eidgenössischen Finanzkontrolle sein, Michel Huissoud.

Der versteht viel von Zahlen. Aber offenbar wenig von Journalismus. Jedenfall schwadronierte Huissoud in seinem ersten grossen Interview gestern im Tages-Anzeiger von 100’000 Abos.

Statt mit harten Schnitten das Unternehmen radikal auf gesunde Beine zu stellen, sendet der frische Kapitän in seiner Auftakt-Vorstellung das Signal aus, noch viel stärker als bisher auf die Ausgabetube zu drücken.

Huissoud im Wonderland. Auf Fragen per SMS reagierte der Mann auf der Brücke der „Republik“ nicht.

*Mit freundlicher Genehmigung.

Ein paar gute Nachrichten

Auch der «Blick» konnte Rimoldi nicht helfen.

«Meine Komfortzone ist der Pranger», holpert Nicolas Rimoldi auf «Inside Paradeplatz». Man wundert sich, wieso Lukas Hässig den beiden Schwachstrom-Publizisten Joyce Küng und Nicolas Rimoldi Platz dafür einräumt, aneinander vorbei zu schreiben.

Küng will sich ihren Frust wegschreiben, dass sie beim Witz-Verein «Mass-Voll» mitmachte. Wie jede ehemalige Sektiererin war sie zunächst vollbegeistert, um dann furchtbar enttäuscht zu sein. Rimoldi nützt seine Replik dazu, Unverständliches und Zusammenhangsloses zu brabbeln.

Er nahm jede Gelegenheit wahr, um auf seine Kandidatur zum Nationalrat aufmerksam zu machen. Eine seiner vielen Kehrtwenden; zunächst hatte er trompetet, dass die Teilnahme an Wahlen völlig sinnlos sei und für ihn nicht in Frage komme. Dann Kommando zurück, ist doch eine gute Sache. Umso näher der Wahltermin rückte, desto klarer wurde es, dass der Irrwisch keine Chance an der Urne hat. Nach ersten Hochrechnungen hat er schlappe 10’000 Stimmen bekommen.

Da nützte auch der letzte PR-Stunt in Basel nichts. Trotz Demonstrationsverbot demonstrieren, welch originelle Idee. Sich dann kamerawirksam von der Polizei verhaften lassen, super Idee. Dann zu behaupten:

Terroristen sollen es auf Rimoldi abgesehen haben? Was für ein Dummschwätzer, dessen Komfortzone das Anprangern ist, die hirnlose Provokation, die sinnentleerten Behauptungen. Er weiss die Trigger zu bedienen, bei denen der «Blick» zu sabbern und zu hecheln beginnt, er weiss sich in Szene zu setzen, denn zufällig ist ein Wackelvideoakrobat zur Stelle, wenn die Polizei ihn abführt und fürsorglich sogar mit Regenschirm gegen Tropfen auf das Jesus-Haupt beschützt.

Wenn in der Schweiz jemand versucht, Donald Trump nahezukommen, dann ist es Rimoldi.«Zwangsmassnahmen», «autoritäres Diktat», «Gewalt», dann vor Eskalation warnen, weil «leidbringende Politik Gewalt und Unruhen» provoziere, kein Spruch ist zu dumm, um nicht verwendet zu werden. Einer der Höhepunkte:

«Die Schweiz ist auf dem Weg in eine dystopische Hölle. Die freie Schweiz ist am Sterben. Wir sind die letzte Chance, um den weltweiten ‹grossen Reset› zu verhindern.»

Grössenwahn, gepaart mit Verwirrtheit: eine beunruhigende Mischung.

Aber immerhin, genutzt hat’s nix, was insofern beruhigt, als dass Politik im Trump-Stil (wobei Rimoldi von seinem Vorbild meilenweit entfernt ist) in der Schweiz nicht funktioniert. Wer das Recht auf verdecktes Tragen von Waffen in der Schweiz fordert, sollte eigentlich sowieso von der Kandidatur für politische Ämter ausgeschlossen werden. Aber das wäre natürlich undemokratisch.

Dann gibt es noch eine zweite mittelgute Nachricht. Eigentlich zwei. Die Webseite von «Netzcourage» ist nach tagelanger Pause wieder online. Die wenigen Hilfesuchenden können sich dort wieder melden. Das ist die gute Nachricht für Netzcourage. Die schlechte: ausser ZACKBUM ist es niemandem aufgefallen, dass die Webseite weg war. Niemand interessierte sich, sorgte sich. Auch Geschäftsführerin und Präsident hielten es nicht für nötig, auf den von ihnen sonst überreichliche bedachten Social Media Kanälen Erklärungen zu liefern.

Wahrscheinlich, weil sie zu peinlich für einen angeblichen Internet-Crack wie Hansi Voigt wäre: es wurde verschlammt, das Sicherheitszertifikat rechtzeitig zu erneuern. Verblödelt man das, weigern sich die Browser, die Webseite aufzurufen. Ist das peinlich.

Swissaid wird ranzig

Lustige Zufälle gibt’s aber auch.

ZACKBUM-Redaktor René Zeyer veröffentlicht gelegentlich auf «Inside Paradeplatz», dem munteren Finanzblog von Lukas Hässig. Meistens zu Wirtschaftsthemen. Unlängst einen Beitrag über die Schweizer Entwicklungshilfsorganisation Swissaid, die in diesem Jahr ihr 75. Jubiläum feiert.

Wer die (meist sinnlose) Tätigkeit von Entwicklungshelfern, die in erster Linie sich selbst helfen, kritisiert, bekommt Gegenwind. Das ist normal. Aber auf den Beitrag «Swissaid verdient goldene Nase mit Gold-Bericht» gab es nicht nur die übliche Anzahl von wäffelnden Kommentatoren, sondern auch eine Reihe von – natürlich anonymen – Kritikern, die nicht nur den Inhalt hemmungslos- und argumentelos beschimpften, sondern ganze Lobesarien über die verdienstvolle Tätigkeit von Swissaid, die durchaus angemessenen Saläre (monatelang 10’000 Fr. pro Monat für Jungspunde für «Recherchen») und die bedeutsame Wichtigkeit dieses Goldreports sangen. Auch rund 600’000 Franken Jahresgehalt für eine vierköpfige Geschäftsführung wird als durchaus angemessen verteidigt.

Das ist nun interessant – und verdächtig. Vielleicht sind sich diese Kommentatoren nicht bewusst, dass sie zwar feige unter Pseudonym schreiben können, aber über ihre IP-Adresse lokalisier- und identifizierbar sind. Darüber ist schon so mancher gestolpert, der meinte, völlig unerkannt an einer kleinen Kampagne teilnehmen zu können, was ihm von seinem Arbeitgeber nahegelegt wurde.

Das ist natürlich haltloser Vermutungsjournalismus, also genau das, was auch in den Mainstreammedien immer mehr um sich greift. ZACKBUM könnte sich nun noch auf mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen berufen, die aber natürlich aus Gründen der Arbeitsplatzsicherheit anonym bleiben müssen. Aber solchen Quatsch lassen wir; das überlassen wir so Qualitätsorganen wie der «Zeit», CH Media oder Tamedia.

Aber ins Bild passen könnte es schon. Denn auf journalistische Anfragen reagiert Swissaid wie eine Auster. Man habe sich entschlossen, auf Fragen von René Zeyer nicht mehr zu antworten, wurde auf einen ausführlichen Fragenkatalog – unter anderem über die üppigen Gehälter der staatlich subventionierten Swissaid – zurückgerotzt.

Auch bei IP gilt: anonym macht mutig. Da wäffeln Leute mit dem Namen «IP am Ende», «Realist», «Zené Reyer», «Zackbum auch dramatisch!!» oder «Denus». Interessant ist, dass es auf ZACKBUM (meistens) entschieden gesitteter zugeht, obwohl auch hier anonyme Kommentare zugelassen sind. Pro Monate fallen vielleicht zwei oder drei der Zensurschere zum Opfer, weil sie juristisch Anstössiges enthalten, nur auf die Person zielen oder nichts zur Sache beitragen. Ja, das ist ein Lob der Leserschaft …

Ist schon interessant, wie sich eine Stiftung verhält, die vom Staat und von Spendern am Leben gehalten wird  und sich das Wort «Transparenz» ganz gross auf die Fahnen geschrieben hat. Offenbar, um etwas damit zu wedeln, ohne es ernst zu meinen.

Altes aus dem Abfallhaufen

Kommentare sind (meistens) eine Pest.

(Auch) die eigenen Leser – zumindest die Kommentatoren – beschimpfen, das ist vielleicht keine gute Idee. Muss aber sein. Es ist auch nicht wirklich eine Beschimpfung, sondern ein Seufzer.

Nicht nur ZACKBUM ist in langwierige, teure und nervige juristische Auseinandersetzungen verwickelt, weil mutige Kommentatoren – meistens im Schutz der Anonymität – so richtig vom Leder ziehen. Und der Betreiber der Webseite nicht sorgfältig genug darauf achtete, dass sich darin keine justiziablen Formulierungen befinden.

Geradezu todesmutig ist in dieser Beziehung Lukas Hässig mit seinem Finanz-Blog «Inside Paradeplatz». Dort verwandelt sich der Kommentarteil nicht allzu selten in eine Kloake*. Wer das liest, ist erschüttert. Weil man doch davon ausgehen kann, dass hier ein repräsentativer Querschnitt von Angestellten im Schweizer Finanzsektor kommentiert. Nicht zuletzt deshalb ist es wohl kein Wunder, in welch desolatem Zustand sich die Schweizer Banken befinden.

Die Quittung: Credit Suisse klagt ihn ein, was das Zeug hält. Für einige seiner Artikel, vor allem aber für viele Kommentare. Diese Klage überlebte sogar den Aufkauf der CS, man ist nachtragend. Zuletzt geht es dabei um die Wiederherstellung einer verletzten Ehre oder Persönlichkeit. Es geht einfach darum, Hässig mit den Gerichts- und Anwaltskosten fertigzumachen.

Inzwischen sind eigentlich alle Plattformen, die Kommentare zulassen, dazu übergegangen, alles zu moderieren. Also Geld dafür auszugeben, dass der schlimmste Schlamm, das Übelste, Widerwärtiges, Beleidigendes und Krankes nicht publiziert wird. Glücklicherweise ist das bei der Leserschaft von ZACKBUM nicht der Fall. Natürlich, kleines, schleimiges Kompliment. Ist aber so. Pro Monat muss vielleicht ein Kommentar, maximal zwei gelöscht werden. Gelegentliche Spam-Versuche können heutzutage problemlos durch Sperren der IP-Adressen abgewehrt werden.

ZACKBUM will hier nicht die bekannten Forschungsergebnisse wiederholen, was sich in Kommentarspalten abspielt, was die Motivation der Schreiber ist, wieso mindestens die Hälfte die eigene Meinung kundtun will, aber keinesfalls auf den Inhalt des Kommentierten eingehen.

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, der gewisse Hygienevorschriften bei den Kommentaren unabdingbar macht. Gleicht dort das Niveau mehr einer Wirtshausschlägerei kurz vor der Sperrstunde, bei der ein hoher Alkoholspiegel und nichtige Anlässe zu gröberen Beschädigungen von Mensch und Mobiliar führen, sind feinnervigere Kommentatoren abgeschreckt, die vielleicht wirklich interessante Beiträge leisten könnten.

Ein aktuelles, abschreckendes Beispiel ist leider «Weltwoche online». Recht trocken und korrekt veröffentlichte sie den Inhalt der Rede, die Selenskyj vor dem Schweizer Parlament halten durfte. Darüber ergossen sich (Stand Donnerstagabend) 332 Kommentare.

Einige Müsterchen (in Originalversion):

«Sauhund! – Sie wollen sich vorstraengeln zum klatschen, damit der Verbrecherstaat USA sie sehen kann. – Bundesrat Ständerrat sowie der Nationalrat hat unser Land ins jenseits Befördert. – parlament auflösen bevor sie noch mehr schaden anrichten können – Eine Schande für die Schweizer Landesvertreter. Mehrheitlich leider Landesverräter. Nur, bald ist Wahltag = Zahltag. Wir müssen denen endlich zeigen wer hier das Sagen hat! – Nun, wenn die erste Kinschal das dieses Bundeshaus pulverisiert, mit samt dem Inhalt, werde ich eine Flasche Prosecco öffnen und es feiern. – Drecksparlamentarier, vor euch soll man noch Respekt haben? Ihr Neutralitätsverräter und Verfassungsbrecher! – Standing ovations? Ich glaub’s nicht! Alle ab an die Front, ihr lieben Volksdiener. ich kann nur noch kotzen ab unseren erbärmlichen Parlamentariern – PFUI DEIBEL !!!! Schweizer, schämt euch. !!!!»

Ist es jemandem noch nicht schlecht? Selbstredend sind all diese Kommentare von feigen Wäfflern verfasst, die sich hinter einem Pseudonym verstecken und nicht einmal wissen, dass man sie über ihre IP-Adresse identifizieren könnte.

Immerhin einen kleinen Lichtblick-Kommentar gibt es. «Das Niveau der WW und ihrer Anhänger ist ja schon absolut unterirdisch!»

Ds ist nun auch etwas pauschal, aber angesichts dieser Ladung Jauche verständlich. Unverständlich ist hingegen, wieso die WeWo das zulässt. Damit senkt sie tatsächlich das Niveau bis auf den Nullpunkt. Da anonyme Belferer meistens feige sind, ist auch nicht zu befürchten, dass ohne diese Bedürfnisverrichtung mit amoklaufenden Schützen zu rechnen wäre.

Eigentlich gibt es zwei einfache Abhilfen für all das. Erstens, der Kommentar wird nur publiziert, wenn er von einem verifizierten Absender stammt, der mit seinem richtigen Namen dahintersteht. Zweitens, für die Benützung der Plattform wird bezahlt. Viele Kommentarschreiber haben das Gefühl, es sei ihr unveräusserliches Menschenrecht, öffentlich ihren Senf absondern zu dürfen, und krähen sofort lautstark Zensur, wenn man sie daran hindert. Das ist ein Irrtum.

*Packungsbeilage. René Zeyer publiziert gelegentlich auch IP und auch bei der «Weltwoche». 

Medien Suisse

Ein repräsentativer Querschnitt durch die Niederungen.

Wir könnten nun die «Financial Times», das «Wall Street Journal» oder «The Economist» genauer anschauen, wie die über die CS-Pleite berichtet haben. Dabei würden wir aber blau und grün vor Neid, was im angelsächsischen Raum für Qualitätsjournalismus möglich ist.

Also lassen wir das und schauen, was am 11. April 2023 über die CS erschienen ist. Am späten Vormittag zählt die Mediendatenbank SMD insgesamt 96 Treffer für das Stichwort «Credit Suisse». Darin sind natürlich all die Doppeltreffer durch den Kopfblattsalat bei Tamedia und CH Media inbegriffen.

cash.ch macht etwas ganz Originelles; es erteilt dem «Chefdenker Andrew Garthwaite» von der CS das Wort: Wie er schreibe, sei «die Stimmung unter Aktienanlegern gar nicht mal so pessimistisch. Der Stratege wähnt die Aktienmärkte deshalb auch weiterhin in einem schleichenden Bärenmarkt».

Schleichender Bärenmarkt, eine Auskunft des «Chefdenkers» einer gescheiterten Bank? Schleich di, wie der Bayer da sagt.

Sowohl Tamedia wie die NZZ erfreuen den Leser mit einem Erklärstück zur Sondersession zur CS, die an diesem Tag begann. Da wird dieses und jenes erklärt, dabei wäre die Zusammenfassung ganz einfach: «Im Vorfeld zeichnet sich ab, dass die Parlamentarier die Kredite billigen dürften», schreibt die NZZ wie immer vornehm zurückhaltend.

Oder anders formuliert: nachdem die SP mit einer Kehrtwende den einzig sinnvollen Vorschlag der SVP abgeschossen hat, dass das Parlament den Bundesrat beauftragen soll, eine Gesetzgebung auszuarbeiten, mit der die sogenannten systemrelevanten Banken so gesundgeschrumpft werden, dass keine Staatsrettung mehr nötig ist und man sie im Fall der Fälle wie jedes andere Unternehmen auch abwickeln könnte, wird an dieser Sondersession genau nichts passieren.

Das mäandert sich dann durch den Medienkuchen. «zentralplus», «blick.ch», «finews.ch», «watson», «20 Minuten», «srf.ch», «nau.ch», «bluewin.ch», «Handelszeitung», SDA, man wähnt sich wieder einmal in Nordkorea, so uniform ist die Berichterstattung.

Tamedia wagt sich sogar zur Frage vor: «Was bei einem Nein des Parlaments zu den Milliardenkrediten passiert». Abgesehen davon, dass es das nicht geben wird: nichts.

Einzig «Inside Paradeplatz» bringt etwas Farbe ins Druckergrauschwarz: «In Einladung zu Aktionärsversammlung schrieb Grossbank von 24 Mrd. Jahresverlust. Offiziell sprach sie stets von 7,3 Mrd. Verlust.» Denn Lukas Hässig hat sich nochmal die Einladung zur letzten GV der CS genauer angeschaut. Und behauptet kühn: «Die Geschichte mit der CS, die noch am Freitag vor ihrem Verschwinden alle Kapital- und Liquiditätsvorgaben erfüllt habe, muss möglicherweise neu geschrieben werden.»

Das ist erfrischend. Aber es ist auch beelendend, weil daneben keinerlei Hintergrundberichte erscheinen. Die muss man dann wohl wieder in der FT, dem WSJ oder dem «Economist» lesen. Beziehungsweise die deutschen Versionen, wenn die hiesigen Medien dort abgekupfert haben …

Erschütternd

Messfühler Kommentare: unfähiges Personal …

«Gemäss Leuten, die die Anleihenbedingungen gelesen haben, wird ein Ausfall der Bonds ausgelöst, wenn der Staat zur Rettung der Bank einspringen muss. Somit alles in Butter.»

Das ist einer von vielen Kommentaren unter einem Artikel auf «Inside Paradeplatz». Thema ist die skandalöse Abschreibung von Zwangswandelanleihen im Buchwert von 16 Milliarden Franken auf null. Getan hat das die Bankenaufsicht FINMA, die sich wiederum auf das vom Bundesrat angewendete Notrecht abstützte.

Das Ganze ist finanztechnisch nicht ganz einfach zu verstehen, angefangen damit, was solche Bonds eigentlich sind, und vor allem, unter welchen Umständen sie ihren Wert verlieren. Der Artikel selbst, das sagt ZACKBUM in aller Objektivität, ist hervorragend geschrieben und durchdacht.

Interessant sind allerdings auch die Kommentare. Denn es ist bekannt, dass sich auf IP vor allem Schweizer Banker tummeln, die geschützt durch Anonymität unverblümt ihre Meinung sagen. Neben den üblichen frustrierten Kläffern («Du bisch eifach ganz en dumme Plauderi Zeyer») gibt es allerdings eine erschreckende Anzahl von Kommentatoren, die schwere Kenntnislücken vorführen.

Das fängt auch hier mit Gekeife an «Den Coco Gag bringt er gefühlt zum 10. Mal und er ist noch genauso falsch wie bei der ersten Erwähnung», geht aber mit ernsthaften Behauptungen weiter: «Es sind Pflichtwandelanleihen und die würden unter den gegebenen Umständen sowieso in Aktienkapital gewandelt und hätten im Fall CS (ohne Intervention) praktisch auf Null abgeschrieben werden müssen.» 

Ein anderer Banker behauptet: «Es wäre hilfreich, wenn der Autor wenigstens kurz einen Blick in den Prospekt der AT1 geworfen hätte, dann wüsste er nämlich, welchen Unsinn er hier zusammengeschrieben hat.»

Oder: «Wer diese Papiere erworben hat wusste oder hätte wissen sollen, dass es sich um scharfgestellte Handgranaten handelte, wieso sonst dieser Zins. Im Prospekt stehen seitenweise Trigger-Events.»

Und so weiter. Erschütternd ist: kein Einziger dieser Tiefflieger hat offensichtlich den Prospekt gelesen, geschweige denn verstanden. Sonst wüssten nämlich alle: höchstwahrscheinlich war keine der dort genannten Bedingungen erfüllt, um die Anleihen auf null abschreiben zu können. Zumindest gäbe es keine internationale Klagewelle, wenn alles so eindeutig wäre. Allerdings ist der Prospekt im üblichen internationalen Banglish abgefasst, bei dem die meisten Schweizer Bänker schon mal abschnallen.

Sie kapieren höchstens noch, dass das Kriterium des Unterschreitens einer gewissen Schwelle des Eigenkapitals nicht erfüllt wurde. Die übrigen wohl auch nicht, wenn man hier kurz einen Auszug zitieren darf:

«A “Viability Event” will occur if prior to a Statutory Loss Absorption Date (if any) either:
(a) the Regulator has notified CSG that it has determined that a write-down of the Notes, together with the conversion or write-down/off of holders’ claims in respect of any and all other Going Concern Capital
Instruments, Tier 1 Instruments and Tier 2 Instruments that, pursuant to their terms or by operation of law, are capable of being converted into equity or written down/off at that time is, because customary measures to improve CSG’s capital adequacy are at the time inadequate or unfeasible, an essential requirement to prevent CSG from becoming insolvent, bankrupt or unable to pay a material part of its debts as they fall due, or from ceasing to carry on its business; or …»

Alles klar, alles verstanden? Der Laienleser muss das nicht verstehen, ein Schweizer Bänker müsste es kapieren.

Es wird so viel über die Unfähigkeit in den Chefetagen der Banken geschimpft. Dagegen werden immer die hart arbeitenden einfachen Mitarbeiter im Maschinenraum gestellt, die aufrecht, kompetent und tapfer ihren Dienst verrichten.

Was sich hier aber zeigt (man kann diese Kommentare durchaus als repräsentativ bezeichnen): ein bedeutender Prozentsatz dieser kleinen Bänker hat eine starke Meinung, aber nicht einmal eine schwache Ahnung, worüber er schreibt. Auch das ist ein Grund dafür, dass der Finanzplatz Schweiz in einem so desolaten Zustand ist.

Man stelle sich nur vor, dass Schweizer Käse oder Schokolade auch von solchen Pfeifen hergestellt würde. Dann wäre es schnell mit deren Image und Reputation vorbei.

 

Klag dir eins

Die juristische Keule gegen den Journalismus.

Gerade haben wir den eigentlich witzigen Fall, dass eine Bank sich durch Artikel und Kommentare auf «Inside Paradeplatz» in ihrer Persönlichkeit verletzt sieht. Das sei in 29 Artikeln und in 287 Kommentaren erfolgt, behauptet die Zivilklage. Ihr ging eine Strafanzeige in der gleichen Sache voraus.

Alleine die Zivilklage umfasst 265 Seiten. Da in einem Zivilprozess jeder einzelne Klagepunkt kommentiert und widerlegt werden muss, sonst gilt er als eingestanden, bedeutet das entsprechenden Aufwand für IP. Und genau das dürfte die Absicht der Bank gewesen sein. Schutz der Mitarbeiter oder die Forderung nach Gerechtigkeit wirken hingegen lächerlich und als vorgeschobene Gründe, um einen unliebsamen Kritiker finanziell fertig zu machen.

Witzig an diesem Fall ist, dass die kritisierte Bank inzwischen faktisch aufgehört hat zu existieren, denn es handelt sich um die Credit Suisse. Damit stellt sich die Frage, ob auch die UBS nichts Besseres zu tun hat, als diese Klage weiterzuverfolgen. Vielleicht wäre es mit der CS nicht so weit gekommen, wenn sie sich statt um solchen Pipifax um wirklich wichtige Dinge gekümmert hätte.

Auf jeden Fall ist hier Licht am Ende des Tunnels für Lukas Hässig, der zugegebenermassen einen scharfen Reifen in seinen Artikeln fährt. Und in den Kommentaren vielen gefrusteten Bankern Gelegenheit gibt, unter Pseudonym abzulästern – statt was Sinnvolles für ihre Bank zu tun.

Aber während diese Klage möglicherweise mitsamt der CS beerdigt wird, ist die Drohung mit der juristischen Keule inzwischen ein probates Mittel geworden, um kritische Berichterstattung zu erschweren – oder gar zu verunmöglichen. Dazu trägt auch bei, dass die Schwelle für das Erlangen einer superprovisorischen Verfügung dank geschickter Lobbyarbeit im Parlament gegen den erbitterten Widerstand vieler Juristen gesenkt wurde.

Superprovisorisch – als Fremdkörper in der Rechtssprechung – bedeutet, dass auf Antrag ein Gericht eine Massnahme beschliessen kann, ohne dass die betroffene Seite vorab Gelegenheit bekäme, sich dagegen zu wehren. Natürlich kann das dann in einem ordentlichen Verfahren nachgeholt werden. Aber in der journalistischen Praxis hat das ganz üble Auswirkungen.

Denn im seriösen Journalismus, also ausserhalb der «Republik», ist es normal und üblich, dass nach der Recherche der oder die Betroffenen Gelegenheit bekommen, sich dazu zu äussern. Man konfrontiert sie also mit den wichtigsten Vorwürfen. Das kann zu verschiedenen Reaktionen führen. Zu einem trockenen «kein Kommentar, und das ist kein Zitat» über längliche Gegenreden bis zum Gang ans Gericht mit der Forderung, die Publikation des geplanten Artikels zu verbieten, weil seine Veröffentlichung nicht wiedergutzumachenden Schaden anrichten würde.

Natürlich ist es widerlich, wenn wie im Fall eines Schweizer-angolanischen Geschäftsmanns ein im roten Bereich drehender Tamedia-Journalist aus gestohlenen Geschäftsunterlagen wilde Anschuldigungen herausmelkt, darauf die Mühlen der Justiz in Gang kommen – und am Schluss der Geschäftsmann von allen Vorwürfen auf ganzer Linie und überall entlastet, freigesprochen wird. Aber er selbst und seine Firmen sind danach kaputt.

Solcher Borderline-Journalismus schadet natürlich dem Metier und bringt es zusätzlich in Verruf. Glücklicherweise sind Christian Brönnimanns nicht allzu häufig unterwegs. Aber auch nach der Publikation eines Artikels wirkt das Erheben der juristischen Keule manchmal Wunder.

Auch dem Autor dieser Zeilen ist es schon mehrfach passiert, dass Artikel – ohne sein Einverständnis oder seine Kenntnis – urplötzlich online verschwanden. Auf Nachfrage wurde jeweils erklärt, dass der im Artikel Kritisierte seinen Rechtsanwalt den üblichen Textbaustein absondern liess. Man zeige die Vertretung von an, müsse diese und jene Textstelle bemängeln, verlange Löschung oder Korrektur plus Entschuldigung, sonst kracht’s.

Das letzte Mal scheint das in Deutschland funktioniert zu haben, als dort ein kritisches Buch über die hasserfüllte Kämpferin gegen Hass im Internet erscheinen sollte. Die Intervention eines teuren und entsprechend beleumdeten Anwalts genügte, dass der Verlag einknickte und das Buch nicht auslieferte. Als die Autorin das dann im Eigenverlag in der Schweiz tat, passierte – nichts. Ein Beispiel, wie man mit leeren Drohungen Wirkung erzielen kann.

Auch grosse Verlage wie CH Media oder Tamedia scheuen rechtliche Verwicklungen wie der Teufel das Weihwasser. Eine Superprovisorische verschiebt zumindest die Veröffentlichung eines Artikels, ihre Bekämpfung kostet. Selbst wenn sie weggeräumt wurde, kann es sein, dass der Artikel inzwischen seine Aktualität eingebüsst hat. Viel Geld für nix.

Auch bei nachträglichen Beanstandungen gibt es immer das Prozessrisiko, dass der beklagte Verlag verlieren könnte. Und selbst wenn er gewönne, die Gegenseite zahlt nie den tatsächlich angefallenen Aufwand des eigenen Anwalts.

Früher, in den besseren Zeiten, war es noch eher eine Prinzipiensache, dass sich Medien nicht so einfach einschüchtern liessen. Heutzutage ist die Abklärung des möglichen Prozessrisikos ein fester Bestandteil der Prozeduren bei der Veröffentlichung eines Artikels.

Damit kann die sogenannte Vierte Gewalt immer weniger ihren Kontrollaufgaben nachgehen. Denn es ist schon so, wie es in einem George Orwell zugeschriebenen Zitat heisst: «Journalismus bedeutet, etwas zu drucken, von dem irgend einer will, dass es nicht veröffentlicht wird. Alles andere ist PR.»

Wumms: Beni Frenkel

Mit Zahlen, mit Frauen und mit Fakten hat er’s nicht so.

«elleXX Gender Equality Basket» verbindet gnadenlos schlechte Performance mit üppigen Gebühren. Die in ihm enthaltenen Unternehmen sollen frauenfreundlich sein. Sind sie aber nicht besonders.

Dieses Fazit zog Beni Frenkel auf «Inside Paradeplatz». Allerdings konnte er es nicht lassen, den Artikel mit sexistischen Sprüchen aus der unteren Schublade zu garnieren. Gelegenheit für Patrizia Laeri, sich darauf zu stürzen und Anwältin Rena Zulauf mal wieder Gelegenheit zu geben, sich eine Doppelklatsche abzuholen. Aber Laeri konnte damit von ihrem Geschäftsgebaren ablenken, zudem war peinlicherweise auch noch eine Zahl falsch.

Also schrieb IP zerknirscht: «Entschuldigung, Patrizia Laeri». Plus eine milde Spende von 2500 Franken an die Frauenhäuser Schweiz. Peino.

Schon zuvor hatte Frenkel auf «Blick TV» eingedroschen, kaum Zuschauer, Megaflop. Nur: «Der Artikel basierte auf einer falschen Basis, er wurde gelöscht.» Peino.  Ähnlich erging es ihm bei seiner Hinrichtung des Ringier-Blatts «Fritz + Fränzi». Das fanden die Herausgeber überhaupt nicht komisch: «Herr Frenkel hat der Stiftung Elternsein in der vergangenen Woche über verschiedene Kanäle drei Fragen schriftlich zukommen lassen. Wir haben diese Fragen ausführlich beantwortet und uns darüber hinaus Zeit genommen, auch Rückfragen zu beantworten. Wir sind ausserordentlich erstaunt, feststellen zu müssen, dass ganz offensichtlich vorsätzlich unsere Antworten in keiner Weise in den Text eingeflossen sind, sondern gezielt Falschinformationen gestreut werden.» Peino.

Man kann «never let the truth spoil a good story» auch zu wörtlich nehmen. Sein jüngster Streich geht allerdings in die andere Richtung, aber ebenfalls in die Hose. «Walder vs. Blog: Sieg für Klein-Journalistin», jubilierte Frenkel einmal auf der Seite der Frau. Allerdings schon wieder Fake News. Denn die Absicht des Ringier-Verlags, dass drei Textstellen in einem Beitrag gelöscht werden sollten, wurde erreicht. Nur passt das Frenkel nicht in seinen Feldzug gegen Ringier, also lässt er dieses entscheidende Detail aus. Leider vermochte IP nicht, einen richtigstellenden Kurzkommentar zu veröffentlichen.

Auch Roger Schawinski rempelte er mal an, dafür jubelte er einen Journalisten als den «wohl talentiertesten Jungredaktor im Grossraum Zürich» hoch. Der hatte allerdings eher talentfrei ein dermassen vor Klischees strotzendes Porträt über eine jüdische Kandidatin für den Zürcher Stadtrat geschrieben, dass er deswegen entlassen wurde, nachdem sich der Tagi-Chefredaktor für diese Entgleisung entschuldigt hatte.

Lustigerweise handelte es sich um ein Porträt über Sonja Rueff-Frenkel. Richtig geraten, die Schwester von Beni Frenkel. Er selbst hat es wohl wie kein Zweiter im Grossraum Zürich geschafft, immer wieder einen unheimlich schwachen Abgang hinzulegen, wo immer auch er journalistisch tätig war. Das war bedauerlicherweise auch bei ZACKBUM so.

Von der Korrektur- und Kostenseite her kann ZACKBUM diesen Verlust verschmerzen.