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Wo die Pressefreiheit wirklich gefährdet ist

Credit Suisse contra «Inside Paradeplatz»: Das Schweigen der Lämmer.

Tamedia faselt ständig von irgendwelchen Lecks, «Blick» will von niemandem beeinflusst sein, was normalerweise nur ausgesprochen verbohrte, arrogante und selbstgenügsame Medien von sich behaupten. Dann haben wir noch das WEF (wie sagte mal ein nicht unbekannter und sehr intelligenter Banker: «sollte ich einmal dorthin eingeladen werden, weiss ich, dass ich etwas falsch gemacht habe»), natürlich und selbstverständlich die Ukraine.

Also sind die beiden Zentralredaktionen, die mit ihren Erzeugnissen flächendeckend die Deutschschweiz beschallen, restlos ausgelastet.

Immerhin gibt es noch die NZZ, die innerhalb all dieses Wiederkäuens an eine Front erinnert, wo zurzeit die wirkliche Schlacht um die Pressefreiheit in der Schweiz stattfindet. Nämlich im Kampf der Credit Suisse gegen den Finanzblog «Inside Paradeplatz».

«Der Credit Suisse droht ein Pyrrhussieg», titelt sie gelehrt einen Riesenriemen von über 12’000 Anschlägen. Anfang Dezember machte der Finanzblog bekannt, dass ihm eine 264-Seiten umfassende Klageschrift der CS ins Haus geschneit sei. In der Zeit zwischen Ende Juli und Ende Oktober, also seit dem Amtsantritt des neusten Dreamteams bei der CS, werden rund 50 Artikel und über 200 Leserkommentare eingeklagt. Sie seien persönlichkeitsverletzend und/oder geschäftsschädigend, verstiessen also gegen das UWG.

Damit hat die CS sozusagen den juristischen Flammenwerfer, die Stalinorgel, das Maschinengewehr auf Dauerfeuer gegen IP gerichtet. Zur Sicherheit hat die CS auf die Zivilklage noch eine Strafanzeige draufgelegt, damit da kein Gras mehr wachse.

Da in einem Zivilverfahren nicht nur jeder Vorwurf akkurat aufgelistet und begründet werden muss, sondern genauso akkurat vom Angegriffenen widerlegt, kommen selbst im besten Fall happige Kosten auf IP zu. Obwohl die CS behauptet, sie klage hier «zum Schutz unserer Mitarbeitenden», ist wohl der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass es ihr in erster Linie darum geht, den Finanzblog finanziell fertigzumachen.

In aller gebotenen Objektivität zählt die NZZ die Meriten auf, die sich der Betreiber Lukas Hässig zuschreiben kann, wofür er auch zum Journalisten des Jahres gewählt wurde, als dieser Titel noch etwas bedeutete. Die Aufdeckung eines Mulimillionen-Abgangsbonus für den damaligen Novartis-Chef Daniel Vasella, die Aufdeckung des Geschäftsgebarens des gefallenen Raiffeisen-Stars Pierin Vincenz im Alleingang – nur zwei Beispiele von Hässigs Wirken.

Als One-Man-Show hat er bereits dermassen häufig die verbliebenen Wirtschaftsredaktionen abgetrocknet, dass ihm deren tiefempfundener Neid gewiss ist. Daher wird in den Schweizer Medien nur zurückhaltend berichtet, während es Hässig dank der CS immerhin bis in den «Spiegel» und auf die Frontseite der «Financial Times» kam.

Dieser Bekanntheitszuwachs ist ein Punkt, wieso die NZZ einen möglichen Pyrrhussieg der CS vermutet. Dazu kommt natürlich die klassische David und Goliath Geschichte und schliesslich die Frage, ob die krisengeplagte und schlingernde Bank wirklich nichts Besseres zu tun habe, als einen unliebsamen Kritiker mit einer teuren Monsteranklage zu überziehen.

Auf der anderen Seite ist es so, dass Hässig tatsächlich gelegentlich eine Art Borderline-Journalismus betreibt. Er haut mal einen raus, wenn dann die Rechtsabteilung der betroffenen Bank anruft und aufheult, lässt er sich zu partiellen Löschungen überreden.

Aus langjähriger Erfahrung weiss er aber meistens, wo die Grenzen liegen, hinter denen die juristische Todeszone im Journalismus beginnt. Das gilt aber nicht für seine Leserkommentare. Hier toben sich unter Pseudonym eine ganze Latte von grösstenteils frustrierten Bankern und Ex-Bankern aus, für die eigentlich alle führenden Bankenlenker auf dem Platz Schweiz ausgemachte Pfeifen und Versager sind. Diese Auffassungen vertreten sie im Schutz der Anonymität recht ungeniert.

Es ist leider eine bekannte Tatsache, dass bei einem Kommentar nicht nur der Kommentator, sondern auch derjenige haftet, der ihm seine Plattform zur Verfügung stellt. Ausser auf sozialen Plattformen wie Facebook, aber das ist eine Schlaumeierei für sich.

Anonym macht mutig, das weiss jeder. Das ZACKBUM-Redaktor René Zeyer auch gelegentlich auf IP publiziert, kennt er die Kläffer und Belferer zur Genüge, die sich unter durchaus interessante Kommentatoren mischen. Wir sind immer der Auffassung, dass der, der kräftig austeilt, kein Glaskinn haben darf. Ausserdem geht uns das Gewäffel frustrierter Versager, auf die noch nie im Leben jemand gehört hat, schwer am Allerwertesten vorbei.

Wenn man aber übelnehmen will, und das will die CS, findet man dafür genügend Anlass. Wieso Hässig schon seit Jahren diese Flanke offenlässt, in geradezu fahrlässiger Weise Kommentare freischaltet, die auch für den Laien erkennbare Beleidigungen enthalten, bleibt sein süsses Geheimnis.

Prozessökonomisch wäre es klar die bessere Strategie für die CS gewesen, sich auf zwei drei Textstellen in Artikeln und fünf, maximal zehn Kommentare zu beschränken, wo es in jedem einzelnen Fall glasklar gewesen wäre, dass hier Recht verletzt wurde.

Es mag sein, dass der federführende Anwalt Daniel Glasl einfach möglichst viele Stunden aufschreiben wollte. Es ist aber wahrscheinlicher, dass sich dieser Wunsch mit der Absicht der CS traf, durch eine Monsterklage dem Finanzblog einfach das Wasser abzugraben. Völlig egal, welche Zahl an eingeklagten Textstellen die CS gewinnen wird – für IP bedeutet die Verteidigung horrende Ausgaben.

Dass es mehr um fertigmachen als um Gerechtigkeit geht, beweist auch der Antrag der CS auf Gewinnherausgabe. Das ist im ZGB so vorgesehen und keinesfalls Neuland. Auch die hasserfüllte Kämpferin gegen Hass im Internet versucht das gegenüber Ringier. Aber alleine ihr Fall beweist, wie verdammt schwierig es ist, den Gewinn aus einzelnen Artikeln zu berechnen. Eine solche Berechnung ist aber die Voraussetzung, dass überhaupt die Forderung nach Herausgabe gestellt werden kann.

Seitdem JSH verkündete, dass sie Ringier zur Herausgabe von Zahlen und Unterlagen gezwungen habe, ist es eigenartig ruhig geworden. Im Vorfeld hatte ein völlig verpeilter Hansi Voigt noch behauptet, Ringier habe mit Artikeln über JSH über eine Million Gewinn gemacht, wobei das Finanzgenie Umsatz und Gewinn einfach gleichsetzte. Aber seitdem JSH über die geforderten Zahlen verfügt, gibt es Sendepause.

Auch die CS spekuliert nicht ernsthaft darauf, durch eine Gewinnherausgabe bei IP endlich ihre finanzielle Schieflache begradigen zu können. Es geht ihr einzig und alleine darum, eine weitere Kampffront zu eröffnen, um Hässig weitere Unkosten zu verursachen.

Hier fällt also ein ganz Grosser über einen ganz Kleinen her. Der daran zwar nicht ganz unschuldige ist. Aber dennoch von allen Medienorganen unterstützt werden müsste, die auch morgen noch wagen wollen, gelegentlich aufmüpfige Dinge über potente Finanzhäuser mit Geld zum Verstreuen zu sagen.

Aber offenbar ist Nabelschau, Neid und konstante Ablenkung auf Nebensächliches so verbreitet, dass ausser der nochmals ausdrücklich gelobten NZZ nach anfänglicher, dezenter Berichterstattung weder CH Media noch Tamedia es für nötig halten, diesem Anschlag auf die Pressefreiheit solidarisch entgegenzutreten.

Sich mit der weidwunden und daher brandgefährlichen CS anzulegen, das bräuchte Mut. Blau-gelbe Fahnen als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine flattern zu lassen, das braucht überhaupt keinen Mut. So schaut’s aus.

Ach, der Tagi

Spät kommt er, dafür schlecht.

Zunächst war Tamedia der grösste Medienskandal des Jahres nur eine Tickermeldung wert. Schliesslich beschloss man, ihn doch nicht gänzlich zu ignorieren: «Will die zweitgrösste Schweizer Bank dem Blog «Inside Paradeplatz» und dem Journalisten Lukas Hässig maximalen Schaden zufügen, oder geht es um ein berechtigtes Anliegen?», fragt schön ausgewogen Jorgos Brouzos.

Und lässt Hässig Absicht vom «Basler Medienanwalt Jascha Schneider-Marfels» unterstellen: «Er hat die CS gereizt, bis sie die Nerven verloren hat. Damit erzielt er seine Klicks. Das ist sein Geschäftsmodell.»

Damit der Bösartigkeit nicht genug. Den letzten Drittel seines Artikels verwendet Brouzos dazu, der «Fintech-Unternehmerin Patrizia Laeri» eine Plattform zu geben. Die war wegen ihrer fragwürdigen Geschäftspolitik und einer mageren Performance von «Inside Paradeplatz» kritisiert worden. Der Autor des Beitrags hatte sich dabei auch einige spitze Bemerkungen über Laeri als Person erlaubt.

Daraufhin klagte sie mehrfach – und verlor mehrfach, aber nicht vollständig. Die Klagen führte die einschlägig bekannte Anwältin Rena Zulauf. Sie versuchte es am Handelsgericht Zürich, wo sie krachend verlor. Zugleich vor dem Bezirksgericht Meilen: «Demnach müssen Laeri respektive die ElleXX von den 6’000 Franken Gerichtskosten definitiv 4’000 Franken übernehmen. Zudem muss die ElleXX IP eine Parteieinschädigung von 800 Franken zahlen», fasste IP unter dem Titel «Laeri vs IP: 1:2» zusammen.

Es war offenkundig, dass Laeri die berechtigte Kritik an ihren Angeboten angeblich «feministischer Investitionen» auf eine Debatte über Sexismus umbiegen wollte. Nicht einmal das gelang ihr besonders beeindruckend.

Ausser beim Tagi, der höchstens im Streubereich der Wahrheit behauptet: Laeri habe «selbst jüngst einen Rechtsstreit gegen das Medium wegen beleidigender und sexistischer Passagen in einem Artikel teilweise gewonnen». Näher an der Wahrheit wäre: grösstenteils verloren.

Dabei entblödet sich Laeri nicht, sich mit der Aussage zitieren zu lassen, sie begrüsse die Klage der CS gegen «Inside Paradeplatz».

Was ihr vergeblicher Ablenkungsversuch von mageren Resultaten mit dem Versuch der Grossbank zu tun haben soll, eine kritische Stimme plattzumachen, erschliesst sich nicht. Dass Brouzos diesen Schlenker macht, um IP zu diskreditieren, disqualifiziert ihn als ernstzunehmenden Journalisten.

IP: Das Schweigen der Belämmerten

Die Credit Suisse will ein unliebsames Medium killen.

Noch nie wurde so grobes Geschütz gegen einen Finanzblog, gegen ein Publikationsorgan in der Schweiz aufgefahren. Die Credit Suisse haut Lukas Hässig eine 265 Seiten dicke Klageschrift um die Ohren, plus unzählige Beilagen. Insgesamt 52 Beiträge und rund 200 Leserkommentare hätten ihre Persönlichkeitsrechte verletzt, Ruf- und Geschäftsschädigung verursacht.

Dafür will die CS Rache. In Form der Ansetzung des Streitwerts auf mindestens 300’000 Franken. Davon berechnen sich die Gerichts- und letztlich auch Anwaltskosten. Plus Gewinnherausgabe, was bislang nur eine hasserfüllte Kämpferin gegen Hass im Internet probiert hat. Eingehüllt ist das in Blabla, wie wichtig die Pressefreiheit sei, aber … Der Blog habe das Geldhaus «schlichtweg totgeschrieben», entblödet sich die Krisenbank nicht zu behaupten.

Hässig bemängelt zu Recht, dass sich die CS aber nicht traut, gegen die grosse «Financial Times» vorzugehen, die immer wieder auf Insiderinformationen beruhende Berichte veröffentlicht hat.

Es ist tatsächlich die Frage, was von einer Führungscrew zu halten ist, die mit existenzbedrohenden Problemen konfrontiert ist, Assetabflüssen in Milliardenhöhe, mit Baustellen in Milliardengrösse, mit Skandalen, Bussen und happigen Verlusten. Der nach langem Grübeln präsentierte «Rettungsplan» wurde weder von der Börse, noch von kompetenten Beobachtern goutiert. Die Aktie notierte teilweise unter 3 Franken, eine Schande. Das einzige, was üppig sprudelt bei der Bank, das sind die Boni. Eine zweite Schande.

Anstatt sich also um diese Unzahl von Baustellen zu kümmern, hält es die Bank für wichtig und nötig, eine teure externe Anwaltskanzlei zu beauftragen, einen Rundumschlag gegen «Inside Paradeplatz» zu führen. 265 Seiten plus Beilagen plus interne Zulieferdienste, für das Reiten dieses Steckenpferds hat die CS sicherlich um die 500’000 Franken ausgegeben. Bis jetzt.

Die Absicht ist dabei sonnenklar: persönlich betroffene Versager in der Chefetage wollen ihr Mütchen kühlen. Aber nicht bei einem einigermassen finanzstarken Gegner wie der FT, sondern bei der One-man-Show IP. Es geht ihnen auch überhaupt nicht um Persönlichkeitsverletzung, Geschäftsschädigung oder gar «totschreiben». Es geht um beleidigte Leberwurst, Nuggi rausgehauen, Exempel statuieren, hässig auf Hässig sein.

Das ist ein Frontalangriff auf die Medien in der Schweiz. Mit bislang ungekannter Energie, Wucht und Finanzstärke vorgetragen. Unabhängig davon, wie die übrigen Medien zu Hässig stehen: das sollte ein breites Echo, einen Aufschrei auslösen. Nicht, um die Inhalte von Hässig zu verteidigen. Sondern um die Absicht dieses Angriffs zu denunzieren.

Sollte. Aber natürlich kennen wir unsere Elendsmedien besser.

Tamedia: tiefes Schweigen bislang, abgesehen von einer Tickermeldung. NZZ: eine Kurzmeldung der Feuilleton-Redaktion (!). Offenbar hält man den Vorfall hier für ein Unterhaltungsprogramm. Das Demokratierettungsblatt «Republik»? Tiefes Schweigen. watson.ch: Immerhin «Monsterklage: Credit Suisse will 52 «Inside Paradeplatz»-Artikel gelöscht haben». Allerdings auch die spitze Anmerkung: «Das forsche Vorgehen der Bank lässt sich wohl auch mit Frust erklären. Hässig sei in den vergangenen Jahren regelmässig an seine Verantwortlichkeit ermahnt worden, heisst es aus dem CS-Umfeld. Und zwar auch in Bezug auf die inhaltliche Überwachung der Leserkommentare. «Allerdings ohne Erfolg.»» Das bedeutet: watson. ch liess sich von der Corporate Communication der Bank diese Sätze einflüstern.

Besser gesagt: watson.ch übernahm wortwörtlich, was Florence Vuichard, die Wirtschaftschefin von CH Media, dort publizierte. Kein Wunder, gehört beides dem Wannerclan. Auch der «Walliser Bote» schreibt von einer «Monsterklage». Er hat immerhin ein wenig recherchiert, zitiert einen Artikel des Medienanwalts Matthias Schwaibold und hat die Bank um Stellungnahme gebeten: «Auf Anfrage begründet die Grossbank ihr Vorgehen folgendermassen: «Credit Suisse hat sich entschieden, die Rechtmässigkeit von Leserkommentaren und Texten rechtlich überprüfen zu lassen. Dies geschieht zum Schutz unserer Mitarbeitenden, die auf dem Blog regelmässig beschimpft und verunglimpft werden.» Mehr will die CS nicht sagen, auch zur Frage nicht, wieso sie gerade jetzt aktiv wird. Und ob das forsche Vorgehen etwas mit Markus Diethelm, dem ehemaligen UBS-Rechtschef, zu tun hat, der nun seit 2022 für die CS in gleicher Funktion tätig ist.»

Aber sonst? Wo bleiben die Gutmenschen von Ringier? Interessiert das weder den «Blick» noch die versammelte Wirtschaftspresse von Axel Springer Ringier Mobiliar? Und die Staatsfunker von SRF? Sendepause, wichtiger scheint zu sein: «Reicht einmal Duschen pro Woche?»

Wieder einmal zeigen die Medien, dass sie weder zu Solidarität, noch zur Verteidigung ihrer ureigensten Interessen fähig sind. Denn ein solcher Angriff auf einen Blog ist eine Bedrohung für alle Newsmedien. Für alle, die kritische Berichte, auch über immer noch mächtige Banken, veröffentlichen.

Wenn Hässig diesen Prozess auch nur teilweise verliert, ist er pleite. Wenn ihn nicht schon vorher die Kosten seiner Verteidigung totgemacht haben. Selbst wenn er – oder frustrierte Banker, die bei ihm anonym in Kommentaren vom Leder ziehen – nicht nur die Grenzen des Anstands, sondern auch des gesetzlich Erlaubten überschritten haben sollten: es kann doch nicht sein, ihn dann einfach finanziell plattzumachen.

Gäbe es einen allgemeinen Aufschrei gegen dieses Vorgehen der CS, die Bank würde es sich nochmal überlegen, denn noch mehr Reputationsschaden kann sie wirklich nicht gebrauchen. Aber den wird es nicht geben …

Volles Rohr gegen «Inside Paradeplatz»

Die Credit Suisse hat nichts Besseres zu tun.

Eines der grossen Probleme im aktuellen Elendsjournalismus ist die Verrechtlichung medialer Arbeit. Schon immer versuchten Opfer oder Objekte medialer Aufmerksamkeit, mit dem Gang zum Kadi unliebsame Berichterstattung zu verhindern, zu unterdrücken, zu bestrafen.

Aber in den letzten Jahren ist das endemisch geworden. Einzelne Betroffene versuchen es mit einer Zangenbewegung, einer zivilrechtlichen Klage und einer Strafanzeige. Auch ZACKBUM ist Opfer dieser Unsitte. Die Absicht dahinter ist klar erkennbar. Es geht häufig nicht um die Wiederherstellung von Gerechtigkeit, auch nicht um die Ahndung eines Unrechts. Es geht schlichtweg darum, ein Organ durch die entstehenden Kosten fertigzumachen.

Auch grosse Medienhäuser ducken sich immer häufiger feige weg, wenn mit juristischen Schritten gedroht wird. Der Tamedia-Konzern machte dem Autor dieser Zeilen schon mal anheischig, einen ohne dessen Kenntnis aus dem Netz genommenen Artikel wieder online zu stellen – wenn der kleine Journalist für den grossen Konzern das Prozessrisiko übernehmen würde. Auch das «Tagblatt» aus St. Gallen löschte einen unangreifbar recherchierten Artikel aus dem Netz – ohne dass der Autor vorab darüber informiert worden wäre. Ein reicher in St. Gallen beheimateter Clan hatte einen Büttel auf die Redaktion geschickt, der zum Ausdruck brachte, dass die Sherkatis nicht amüsiert seien. Das reichte.

Wie gross das Prozessrisiko war, bewies dann «Die Ostschweiz». Sie publizierte den unveränderten Artikel aufs Neue – ohne Reaktion der Betroffenen.

Drohungen mit finanziellen Forderungen nehmen heutzutage Überhand. So versucht eine hasserfüllte Kämpferin gegen Hass im Internet schon seit Längerem, den Ringier-Verlag zu einer Gewinnherausgabe zu zwingen, den er angeblich mit Artikeln über sie erzielt habe.

Genau diese Nummer probiert nun auch die grosse Credit Suisse gegen den kleinen Finanzblog «Inside Paradeplatz». Es geht um einen Streitwert von mindestens Fr. 300’000.- und die Herausgabe des Gewinns, den Lukas Hässig mit seiner unermüdlichen Berichterstattung über die Abwärtsspirale dieser Bank erzielt haben könnte.

Laut seiner Darstellung umfasst die Klageschrift satte 265 Seiten, plus Beilagen. Wie er konservativ ausrechnet, dürfte alleine das Erstellen externe Anwaltskosten von einer Viertelmillion verursacht haben.

Diese «Monster-Klage» richte sich gegen 52 Beiträge auf IP, also alle, die zwischen Ende Juli und Ende Oktober erschienen seien und das Wort CS enthielten. Die Persönlichkeitsrechte der Kläger, also der CS Group, der CS AG und der CS Schweiz AG, seien durch den Autor, durch Gastautoren oder durch Leserkommentare verletzt worden.

Natürlich wird auch Geschäftsschädigung ins Feld geführt, in der Schweiz umständlich als Verstoss gegen das Gesetz über unlauteren Wettbewerb (UWG) abgehandelt. Um die Gewinnherausgabe beziffern zu können, verlangt die CS zudem die Gesamtumsätze und die «Umsatzrendite», also einen vollständigen Einblick in die finanziellen Verhältnisse von IP.

Präventiv singt die CS zunächst das hohe Lied der Pressefreiheit, wie IP zitiert: «Die Klägerinnen sind dezidiert für die freie Presse und anerkennen die Medien als vierte Gewalt im Staat.» Dann kommt das dicke Aber: «Die Führungsequipe und damit die Klägerinnen werden der Lächerlichkeit preisgegeben, mit Beleidigungen überzogen und blossgestellt, und die Bankengruppe wird verächtlich gemacht, ja schlichtweg totgeschrieben, Kunden und Mitarbeiter werden gar aktiv zum Verlassen der Bank animiert.»

Damit will die Bankengruppe den aufmüpfigen Finanzblog totklagen. Als ob IP für den Niedergang der CS ursächlich verantwortlich wäre. Seit über 10 Jahren betreibt Hässig seine Plattform und hat in dieser Zeit eine beeindruckende Menge von Primeurs gesammelt. Unvergessen die Aufdeckung der Millionenabfindung für Vasella, einzig und allein dafür, dass der nicht bei einer anderen Pharma-Bude anheure. Dann der Skandal um den Starbanker Pierin Vincenz, den Hässig sozusagen im Alleingang zu Fall brachte, während die anderen Wirtschaftsmedien lange Zeit mit offenem Mund zuschauten. Dafür wurde Hässig zu recht als «Journalist des Jahres» ausgezeichnet, als dieser Preis noch etwas bedeutete.

Es ist richtig, dass Hässig in vielen seiner Artikel an die Grenzen des Erlaubten schreibt, das Wort Borderline-Journalismus fällt einem ein. Es ist auch richtig, dass sich frustrierte Banker unter Pseudonym in den Kommentaren austoben, dass es eine Unart hat. Leider ist der Betreiber einer Plattform – wenn es kein Social Media wie Facebook ist – auch für den Inhalt der Kommentare haftbar.

Einerseits ist es verständlich, dass es der CS mal den Nuggi herausgehauen hat, der von der UBS eingewechselte juristische Mastermind Markus Diethelm ist der wohl beste Legal Council, über den der Finanzplatz Schweiz verfügt. Auf der anderen Seite müsste man meinen, dass eine Bank, die in der gleichen Zeit, die ihre Klage bestreicht, nochmals 45 Prozent ihres Aktienwerts verlor und sich zeitweise auf dem Weg zum Billigpapier von unter drei Franken befand (von einmal über 90 Franken!), eine Bank, die von einem Skandal zur nächsten Bussenzahlung und zum nächsten Milliardenverlust wankt, eine Bank, die mit Asset-Abflüssen im Multimilliardenbereich zu kämpfen hat, eine Bank, deren Führungscrew nicht zu erkennen gibt, wie sie aus dieser Abwärtsspirale herausfinden will, eine Bank, bei der eigentlich nur noch die Boni üppig fliessen, dass eine solche Bank Wichtigeres zu tun hätte als ihren Frust an einem Finanzblog auszulassen.

Aber vielleicht ist das genau das Problem. Wenn’s im Grossen harzt und knarzt, wenn die Bank ständig mediale Prügel von grossen Finanzblättern wie der «Financial Times» oder dem «Wall Street Journal» einstecken muss, dann kommt sie auf die Idee, ihr Mütchen an einem kleinen Player zu kühlen.

Das hilft der CS in keiner Art und Weise aus der Krise. Viel Hirnschmalz, interne Ressourcen und die Dienste einer Grosskanzlei zu bemühen, um akkurat Dutzende von angeblichen Regelverstössen aufzuführen, das ist schlichtweg schäbig. Ärmlich. Und noch einiges mehr, was hier nicht formuliert werden kann, weil ZACKBUM nicht das Schicksal von IP teilen möchte.

Nicht nur, weil René Zeyer immer mal wieder (auch über die CS) auf IP schreibt, seien auch ZACKBUM-Leser dazu aufgefordert, kräftig auf das Konto zu spenden, das Hässig sicherlich demnächst veröffentlichen wird. Hier machen Spenden, im Gegensatz zu linken Furzprojekten, wirklich Sinn. Dass zumindest einzelne Kommentatoren mindestens die Grenzen des guten Geschmacks weit hinter sich gelassen haben – und dass Hässig ihnen eine Plattform bietet –, ist leider unbestreitbar.

Sollte es aber der CS gelingen, diese Perle der Wirtschaftsberichterstattung mundtot zu machen, wäre die Medienlandschaft der Schweiz deutlich ärmer und die Wirtschaftsberichterstattung noch lausiger, als sie es ohnehin schon ist.

 

Lügen-Kosmos

Es ist offenbar alles noch viel schlimmer. Wer übernimmt Verantwortung?

Wie meist, wenn ein Potjemkinsches Gebäude zusammenkracht, kommt in der Ruinenlandschaft Hässliches zum Vorschein. So wie hinter der glitzernden Fassade des «Kosmos», wo sich Schickeria, reiche Erben und viele Dummschwätzer darin sonnten, hier ganz furchtbar alternativ eine Insel der guten Kultur, des Engagements für Unterdrückte und Beleidigte zu bewirtschaften, und überhaupt einen Beitrag zur Verbesserung der Welt zu leisten.

Allerdings spielte weniger eine Rolle, dass Gutsein auch kostet. Die Miete, der Unterhalt, die Events, eine Payroll, auf der sich bis zu 120 Mitarbeiter tummelten, was soll’s, irgend einer wird schon zahlen. Wir leben lieber unsere Flips aus, sagten sich die verantwortungslosen Verantwortlichen.

Matthias Ackeret von persoenlich.com steuert die Anekdote bei, dass er dort Veranstaltungen durchführte. Mit einer Ausnahme. Im Rahmen von «Zürich liest» wollte Ackeret über das Buch «Das Blocher-Prinzip» mit dem Namensgeber ein Gespräch führen. Feste Vereinbarung, gedruckte Plakate. Bis dann plötzlich Samir fand, «aus ideologischen Gründen» gehe das nicht.

Ort der Begegnung, Austausch, Inklusion, keine Ausgrenzung, selten demaskierte sich solches Gedöns klarer als hier.

Letztlich geht es auch den Linken, und vor allem denen, ums Geld. Denn wer räumt nun das Schlamassel auf, gibt es Haftbarkeiten? Wie «Inside Paradeplatz» berichtet, ist durch den Konkurs ein Gesamtschaden von rund 20 Millionen Franken entstanden. Da erhebt sich natürlich die Frage, ob jemand wenigstens für offene Handwerkerrechnungen oder das Schicksal der 71 Angestellten gerade steht.

Dass von der SBB 8 Millionen, von der ZKB 1,5 Millionen, ein noch offener Covid-Kredit von 1,5 Millionen und rund 8 Millionen von Aktionären durchs Kamin rauschen, ist das so? Muss da (Staatsknete!) der Steuerzahler die Rechnung zum Teil übernehmen?

Die wirtschaftlich nicht ganz unbeleckte Monica Glisenti, die vorletzte VR-Präsidentin, unter deren Herrschaft das «Kosmos» offenbar ungebremst in den Abgrund rauschte, versucht sich bereits in Schadensbegrenzung:

«Wenn nun Roberto Feusi und Valentin Diem (die letzten VR-Mitglieder, die die Bücher deponierten, Red.) beklagen, sie seien nicht ausreichend informiert gewesen, liegt es vermutlich eher daran, dass sie sich nicht informiert haben.»

Allerdings behauptet das auch François Chappuis: «Die fünf Frauen im alten VR stellten immer alles glänzend dar, doch der gezeichnete Zustand entsprach überhaupt nicht den Tatsachen.»

Hier wird die Story nun schräg, anrüchig und unappetitlich. Denn der Psychotherapeut Chappuis hatte still und leise die Aktienmehrheit am Kosmos übernommen und den neuen VR installiert, der dann Kassensturz machte und sofort Konkurs anmeldete.

Wer hatte verkauft? Laut IP in erster Linie Steff Fischer, Vorzeigelinker, Immobilienmillionär und Geburtshelfer des «Kosmos», aber auch Komiker Patrick Frey, sowie Ruedi Gerber, Sohn von Roche-Gerber und typischer Erblinker. Offenbar schwant hier einigen, dass es Zeit sei, das sinkende Schiff zu verlassen.

Auch der letzte VR Robert Feusi beschwert sich: «Uns wurde nie reiner Wein eingeschenkt, erst die externe Analyse brachte das gigantische Loch zum Vorschein. Die Zeche zahlen nun 71 Angestellte und viele Gewerbler.»

Vorher zugedecktes gigantisches Loch, fliehende und verkaufende Renommier-Linke, alles sei offen und transparent gewesen, sagt die vormalige VR-Präsidentin, einem blauäugigen Investor werden Schrottaktien angedreht, was stimmt nun? Vielleicht sollte man hier darauf hinweisen, dass Konkursverschleppung ein Straftatbestand ist …

Gleichzeitig beginnt bereits das grosse Zusossen, Rundquatschen, Nebelpetardenwerfen. Exemplarisch der Reserve-Co-Chefredaktor des Tagi. «Zu wenig Geld», konstatiert Mario Stäuble, «der Spirit des Anfangs» sei dann mal verpufft, und natürlich, «hinzu kam dann die Pandemie». Als sei «Kosmos» nicht dagegen versichert gewesen. Und «zu wenig Geld»? Im Gegenteil, zu viel Geld wurde ausgegeben. Aber eben nicht das eigene, sondern es wurde gebettelt und gemurkst, deswegen sitzen alleine die SBB auf 8 Millionen unbezahlter Miete.

Eine wichtige Frage muss hier beantwortet werden: wer übernimmt Verantwortung für dieses Desaster? Freiwillig oder gezwungenermassen?

Und: kümmert sich jemand um die offenen Handwerkerrechnungen und das Schicksal der Angestellten? Oder zeigen diese Linke mal wieder, dass wohlfeile Sprüche ihre Sache sind, die Konsequenzen des eigenen Versagens zu tragen, hingegen weniger?

Wird es eine Kollekte geben, wird Solidarität gelebt, werden Verwaltungsräte endlich einmal haftbar gemacht? Spannende Fragen.

So nebenbei: ob es den alten und dem frischgebackenen VR der «Republik» noch ganz wohl in der Haut ist? Denn auch hier könnten sich interessante Verantwortlichkeit- und Haftungsfragen stellen. Man denke an den ständigen Warnhinweis der Revisionsstelle über die Gefährdung der Weiterexistenz der «Republik». Die Lektüre würde sich vor allem für Roger de Weck lohnen  …

Die «Republik» korrigiert sich ins Elend

Eine Bitte, die besser nicht ausgesprochen worden wäre.

Auf «Inside Paradeplatz» erschien der Artikel «Die Steuerhinterzieher-«Republik». Nach längerem verkniffenen Schweigen haute es nun der stellvertretenden Geschäftsführerin des Rechthaber-Organs aus dem Rothaus in Zürich den Nuggi raus. Sie bat René Zeyer um eine Korrektur einiger Passagen seines Artikels.

Abgesehen davon, dass sie vieles nicht korrigiert haben wollte, schrieb sie sich damit zusätzlich ins Elend. Da diese Bitte an René Zeyer persönlich gerichtet ist, veröffentlichen wir hier die gewünschten Korrekturen. Samt ihren Korrekturen.

Zum besseren Verständnis: Originalzitate aus dem Artikel sind in Normalschrift. Korrekturwünsche der «Republik» kursiv, deren Korrekturen zur Richtigstellung sind rot ausgezeichnet.

Lieber Herr Zeyer

Liebe Frau Hemmer 

Im gestrigen Artikel in „Inside Paradeplatz“ zu den von uns vorgenommenen Steuerrückstellungen sind Ihnen einige Fehler unterlaufen. Wir bitten um Korrektur: 

In diesem Korrekturwunsch sind der «Republik» einige Fehler unterlaufen. Wir korrigieren am gegebenen Ort.

«Rund einen doppelten Jahresumsatz hat das Organ der guten Denkungsart offensichtlich nicht korrekt versteuert.“

«Seit Gründung bis zum Jahr 2020 wurden viele Millionen vereinnahmt, ohne dass darauf ein Rappen an den Staat abgeführt wurde.“

Die Summe an erhaltenen Beiträgen, die mit der Gewinn- anstatt der Schenkungssteuer erfasst wurden, beläuft sich über alle Jahre auf rund CHF 2 Mio. Dabei handelt es sich um Zahlungen von Dritten. Die Zahlungen von Genossenschafterinnen und Genossenschafter wurden alle korrekt erfasst. Es handelt sich nicht um viele Millionen. Und die Zahlungen wurden, wie auch im Newsletter geschrieben, durchaus versteuert, fälschlicherweise bei den Gewinn- anstatt bei den Schenkungssteuern.

Für CHF 2 Millionen falsch deklarierte Einnahmen CHF 830’000 als Steuernachzahlung zurückstellen? Das wäre eine zusätzliche Steuer von 41,5 Prozent nach schon bezahlten Gewinnsteuern von 8 Prozent im Kanton Zürich. Absurd. Zumal die Schenkungssteuer 16 Prozent beträgt …

Wir rechnen vor: Laut ihrer Behauptung müsste die «Republik» auf «rund CHF 2 Mio.» noch maximal 8 Prozent nachzahlen (Differenz zwischen 8 Prozent bezahlter Gewinnsteuer und 16 Prozent Schenkungssteuer). Das macht nach Adam Riese CHF 160’000. Wofür ist dann die Differenz von CHF 670’000 zurückgestellt, wenn keine Strafsteuern fällig werden?

«Allerdings war es dann doch etwas tollkühn, auf im Maximum 13,4 Millionen Franken keine Steuern zu zahlen.“

Siehe oben. Die von Ihnen genannte Maximalsumme existiert nicht. 

Siehe oben. Die von Ihnen genannte Zahl kann nicht stimmen.

«Im Juni 2022 traten der ehemalige Chefredaktor Christof Moser sowie Tobias Asch aus dem Verwaltungsrat der Republik AG zurück.

Unter anderen Katharina Hemmer als stellvertretende Geschäftsführerin und Oliver Fuchs, der Chefredaktor a.i., traten dafür ein.

Wohl nach der Devise: Einen nächsten Dummen findest du immer. Die Deutsche Hemmer ist auch im Vorstand der „Project R Genossenschaft“, ein weiterer Bestandteil des Konzerns.“

Wie Sie ebenfalls unseren Newslettern entnehmen können: Christof Moser trat im Juni 2019 aus dem Verwaltungsrat aus. Tobias Asch ist im November 2021 nicht mehr zur Wahl angetreten. Und ich selbst bin nicht im Vorstand. 

Laut SHAB Publikation vom 9.6.2022 ist zu diesem Datum «Asch, Tobias Hans, von Basel, in Zürich, Mitglied des Verwaltungsrates, mit Kollektivunterschrift zu zweien; Moser, Christof, von Arni (BE), in Zürich, mit Kollektivunterschrift zu zweien», zurückgetreten.

Laut derselben Publikation ist neu «Hemmer, Katharina, deutsche Staatsangehörige, in Zürich, stellvertretende Geschäftsführerin, mit Kollektivunterschrift zu zweien; Fuchs, Oliver, von Hägendorf, in Zürich, mit Kollektivunterschrift zu zweien» eingetreten.

«Denn die neckische Formulierung „wir haben im letzten Jahr festgestellt“ soll darüber hinwegtäuschen, dass hier im schlimmsten Fall Steuerhinterziehung vom Gröbsten veranstaltet wurde.

Dafür dürften die Rückstellungen von 930’000 Franken höchstens dann ausreichen, wenn das Steueramt beide Augen zudrückt und die Ohren verschliesst.

Offensichtlich wurden mehrere Jahre lang – um es sanft zu formulieren – unvollständige Steuererklärungen abgegeben.“

Bei der zurückgestellten Summe handelt es sich, wie auch im Newsletter erwähnt, um einen Maximalbetrag. Unsere Steuererklärungen waren nicht unvollständig, vielmehr haben wir einige gespendete Beträge vermutlich steuerlich falsch (als steuerbaren Ertrag statt Schenkung) qualifiziert.“ 

Das ist reine Rabulistik und keine Korrektur.

«Hier ist nun die Frage, ob Genossenschaft und AG eine Selbstanzeige eingereicht haben und der Tatbestand den Steuerbehörden vorher nicht bekannt war.

In diesem Fall ist es möglich, dass keine Strafe ausgesprochen wird. Andernfalls sind neben der Steuernachzahlung noch Strafsteuern fällig.“

Wie wir auch im Newsletter schrieben: Den Fehler haben wir selber festgestellt, die entsprechenden Nachdeklarationen haben wir mittels Selbstanzeigen in den entsprechenden Kantonen proaktiv bei den Steuerverwaltungen eingereicht. Es fallen keine Strafzahlungen an, was bereits von den Kantonen bestätigt wurde, die die Eingaben behandelt haben.

Weil das die «Republik» bisher nicht kommuniziert hat, wurde es als Frage formuliert. Dass die doppelte stv. Geschäftsführerin davon schreibt, dass «wir Selbstanzeigen in den entsprechenden Kantonen proaktiv bei den Steuerverwaltungen eingereicht» hätten, macht aber hellhörig. Alles Plural, also kein Verschreiber. Aber wieso versteuert die Genossenschaft und die AG, beide mit Sitz in Zürich, in mehreren Kantonen? Gibt es da noch zusätzliche Steuersitze, vielleicht in Freienbach SZ oder einer anderen Steueroase?

«exorbitanten Salärs von im Schnitt 150’000 Franken im Jahr (auf eine Vollzeitstelle berechnet)“

Diese Berechnung ist falsch. Sie finden die genauen Zahlen im Geschäftsbericht. Die Republik zahlt zwar einen guten Einheitslohn, doch er liegt deutlich unter 150’000 Franken im Jahr. 

Laut Geschäftsbericht beträgt die Lohnsumme fürs «Personal» und ohne Freelancer CHF 4’927’680. Ebenfalls laut GB hat die «Republik» durchschnittlich 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter respektive 34,5 Vollzeitäquivalente. Macht nach Adam Riese CHF 142’831 pro Vollzeitstelle. Dazu kommen noch Fringe Benefits usw., was locker CHF 150’000 ergibt und keineswegs einen Einheitslohn, der «deutlich» darunter liege.

«der aktuell 11-köpfige Verwaltungsrat der AG und der 9-köpfige Vorstand der Genossenschaft“

Wie Sie sowohl dem Newsletter auch unserer Website entnehmen können, bestehen Verwaltungsrat und Vorstand nach Abschluss der laufenden Urabstimmung voraussichtlich aus drei Personen: Sylvie Reinhard, Alfonso von Wunschheim und Roger de Weck. Vor der Urabstimmung waren es fünf (Peter Schmid, Sylvie Reinhard, Constantin Seibt, Regina Meier Güntert und Alfonso von Wunschheim.

Wie Sie dem Zefix entnehmen können, besteht der VR aus sechs Personen, nicht aus fünf.  Kollektivunterschrift zu zweien bei der Genossenschaft Project R haben 9 Personen, darunter Hemmer. Sie ist sowohl in der AG wie in der Genossenschaft «stellvertretende Geschäftsführerin».

Besten Dank und freundliche Grüsse,

Katharina Hemmer

Bitte um Kenntnisnahme und ebenfalls freundliche Grüsse

René Zeyer

«Republik»: Nicht steuerbar

Nach der Existenzkrise ist vor der Existenzkrise.

Beni Frenkel hat das Problem auf «Inside Paradeplatz» weitgehend auf den Punkt gebracht: «Irgendwann fiel den „Republik“-Buchhaltern aber auf, dass sie keine Schenkungssteuer auf die Zuwendungen bezahlt hatten.»

Das ist sehr milde formuliert. Denn die «Republik» leistet sich nicht nur schreibende Schmachtlocken, einen gewaltigen Overhead, einen «Bildberater», eine «Stabsstelle Chefredaktion», einen «Community Support», einen ewigen «Chefredaktor a.i.» also insgesamt 51 Nasen, dazu noch 19 «regelmässige Mitarbeiter», drei «Gestalter», vier Mitglieder des «Departement des Inneren», eine doppelköpfige Geschäftsleitung und (noch) fünf Mitglieder des Verwaltungsrats.

Sondern auch eine eigene Revisionsbude (BDO) sowie Profi-Buchhalter und Finanzmenschen, die so ziemlich jeden Trick, jede Öse und jede Abkürzung bei einer Bilanz kennen. Und all denen soll es über Jahre nicht aufgefallen sein, dass man Schenkungen versteuern müsste? Dass man Abos nicht einfach als Spenden deklarieren kann?

Bei der «Republik» und im Zusammenhang mit Zahlen ist nun wahrlich (fast) alles möglich. Inklusive kreative Buchhaltung, Zahlensalat, sich widersprechende und völlig unklare Angaben. Aber dass so etwas dem gesammelten Sachverstand dieser Cracks entgangen sein sollte, ist so unwahrscheinlich wie lachhaft.

Die einzige logische Erklärung: Man hat eine Schlaumeierei versucht und darauf gehofft, damit durchzukommen. Das widerspricht nun allerdings schon mal den Brandreden, die die «Republik» gegen alle «Steuervermeider» und ähnliche Schlawiner gehalten und geschrieben hat:

Mit gewohntem Sprachdurchfall hatte Constantin Seibt sich mal des Themas Steuern angenommen, in einer dreiteiligen Serie unter dem hübschen Titel «Die Weltrevolution». Da warf er wie üblich mit Kraut und Rüben, mit Demokratie, Faschismus und überhaupt um sich.

In die gleiche Trompete bliesen noch viele weitere Artikel:

Der Grundtenor war und ist immer der Gleiche. Reiche Säcke, schlitzohrige Unternehmen mit cleveren Beratern ziehen alle Register, um zu vermeiden, was ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung entsprechen müsste: nämlich anständig und üppig Steuern zu bezahlen.

Denn Steuern sind doch ein selbstverständlicher Dienst an der Allgemeinheit, mit ihr werden all die notwendigen und über jeden Zweifel erhabenen staatlichen Leistungen bezahlt. Nur rechte Hetzer (oder Mitglieder der SVP, wobei das eigentlich das Gleiche ist) wollen den Staat zu Tode sparen, wollen Steuern senken, Reiche und Firmen steuerlich entlasten.

Pfui, sagt da die «Republik» regelmässig, und schüttelt sich vor Abscheu.

Nun gab sich das der Transparenz, der gnadenlosen Offenheit und der Wahrhaftigkeit verschriebene Magazin eher zugeknöpft, als ihm Frenkel Gelegenheit geben wollte, zu diesem Problemhaufen Stellung zu nehmen: «„Die Nachdeklarationen“, schreibt die „Republik“ auf Anfrage, „sind zurzeit bei den Steuerbehörden in Abklärung.“ Dem Magazin sei es ein Anliegen, dass „dieser Prozess in Ruhe stattfinden“ könne. Darum keine Antwort auf Fragen.»

Nachdeklarationen? In Abklärung? Dieser kleine «Formfehler», wie ihn Luftikus Seibt schon mal nannte, macht nun wahrlich «seriösen Ärger». So viel Ärger, dass die Rücktritte der gesamten Gründungsmitglieder in einem neuen Licht erscheinen. So seriösen Ärger, dass auch Seibt selbst als letzter Mohikaner im Verwaltungsrat seinen Rücktritt erklärte.

Er könne ja schlecht gleichzeitig beratender Untergebener des beratungsbedürftigen Chefredaktors a.i, sein und handkehrum als VR dessen Chef. Das ist eine lustige Erklärung, das muss man der «Republik» lassen. Weniger lustig ist, dass es in der Schweiz beim VR gewisse Haftbarkeiten gibt. Und besonders bei Bilanzen, Erfolgsrechnungen oder Steuererklärungen kann das schnell sehr heikel – und teuer werden.

Sehr teuer. Denn die «Republik» gesteht ein, mal kurz eine Rückstellung von 930’000 Franken gemacht zu haben. Eine runde Million. Natürlich immer vorausgesetzt, dass es nur zu Nach- und nicht zu Strafsteuern käme.

Wie auch immer: auch ohne Strafsteuern könnte dieser Betrag die nächste Bettelaktion auslösen. Abgesehen davon, dass dann Spenden oder Schenkungen hoffentlich ordentlich versteuert werden: sollte sich tatsächlich herausstellen, dass es sich hier einfach um einen schlaumeierischen Versuch gehandelt haben sollte, Steuervermeidung zu betreiben, wäre das wohl das Ende der «Republik».

Denn so viel Heuchelei würde nicht mal der abgehärtete «Republik»-Spender vertragen. Dann gingen ganz schnell ganz viele «Verleger» von Bord, dann könnten die neueingestellten Sprecher nur noch hysterische Durchhalteparolen verlesen, bevor sie wieder eingespart würden.

Ist das Anlass zur Häme? Nein. Es ist Anlass zu Trauer, dass so ein letzter Sargnagel in ein Unternehmen eingeschlagen würde, das mit so vielen Versprechungen begann. Wie schreibt ein Kommentator auf IP: «Verkauft uns nicht für blöd. Die Republik war nicht dumm, nicht naiv, nicht uninformiert, sondern abgeschlagen, raffiniert und von einem Steuer-Vollprofi beraten.»

Da gibt’s nun mal gewaltigen Aufklärungsbedarf. Aber in eigener Sache.

 

Ach, Credit Saudi

«Inside Paradeplatz» spricht Klartext, die anderen eiern.

Am Donnerstag wurde die lang erwartete «neue Strategie» der zweitgrössten Bank der Schweiz verkündet. Nur die «Weltwoche» löste das Problem der Berichterstattung souverän: nach wiederholten Lobhudelei-Interviews mit dem Versagerrat Urs Rohner verfällt sie in tiefes Schweigen.

Aber alle anderen Medien müssen ja wohl oder übel etwas zur üblen Lage sagen. Immerhin 12 Meldungen (inkl. auf Französisch) widmet der «Blick» dem Thema. Sein Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe ist nicht amüsiert: «Die Schweiz im Namen schafft international Vertrauen – das darf die Credit Suisse nie vergessen!», kommentiert er. Gleichzeitig wirft er der Bank vor: «Um die tiefe Krise zu überwinden, hätte die Bank jedoch noch radikaler vorgehen müssen.» Was er allerdings mit diesen beiden Ratschlägen sagen will und wie man das anwenden könnte, da schweigt des Sängers Höflichkeit, bzw. endet dann doch das Fachwissen.

9 Meldungen ist das CS-Desaster der NZZ wert. Auch sie bleibt sich treu und kommentiert mit einem veritablen «einerseits – andererseits»: «Der Umbau ist riskant und wird Jahre dauern. Aber die Bank hat den richtigen ersten Schritt getan.» Mit einer solchen Aussage ist man eigentlich nie auf der falschen Seite. Muss die CS demnächst Staatshilfe verlangen, war’s halt zu riskant. Röchelt sie weiter vor sich hin, hat sie immerhin einen richtigen Schritt getan.

Keine sonderliche Bemerkung ist der alten Tante wert, dass mit der Saudi Bank nun ein weiterer übler Investor an Bord kommen wird, womit arabische Fonds dann mal 20 Prozent der CS halten werden. Natürlich stinkt Geld nicht, aber ob es umbedingt ein Investor sein muss, der auch vor der ruchlosen Ermordung von Dissidenten in einer eigenen Botschaft nicht zurückschreckt, in dessen Land trotz gegenteiligen Ankündigungen immer noch in der Geschlechterfrage mittelalterliche Zustände herrschen – und der seit Jahren in einen schmutzigen Krieg im Jemen verwickelt ist, in den er ohne Not hineinstolperte – nun ja.

Immerhin ist der NZZ ein nicht unwichtiges Detail nicht entgangen, im Zusammenhang mit dem Teilverkauf des Verbriefungsgeschäfts «an den Vermögensverwalter Pimco und an die Private-Equity-Firma Apollo Global Management. Die CS-Verwaltungsrätin Blythe Masters wirkt seit 2021 auch bei Apollo als Beraterin. Auch hier gilt: Alle Beteiligten müssen weiterhin Vorkehrungen treffen, dass die Interessen sauber getrennt bleiben».

Wie da allerdings eine saubere Trennung der Interessen funktionieren soll, verrät die NZZ nicht.

Sehr bedeckt hält sich hingegen Niklaus Vontobel von CH Media. Auch ihm ist der Einstieg eines weiteren unappetitlichen arabischen Diktators keine Zeile wert, dafür kommentiert er: «Ob die neue «radikale» Strategie nun unter den gegebenen Umständen das Beste ist für die Credit Suisse oder nicht, das vermögen Ausstehende nicht wirklich zu beurteilen.»

Super, dabei dachte der Leser immer, verstehen, analysieren und einordnen seien drei Dinge, für die er Geld bezahlt. Aber nicht für Sätze, die er selbst gratis auch von sich geben könnte.

Etwas mehr aus dem Fenster lehnt sich Holger Alich für Tamedia: «Der Plan der CS ist zu knapp kalkuliert». Was will er uns damit sagen? «Allein die Umsetzung des geplanten Umbaus der Bank wird für anhaltende Unruhe sorgen. Weitere Sorgen um die Kapitalausstattung kann sich die Bank vor diesem Hintergrund nicht erlauben. Der am Donnerstag vorgestellte Plan droht hier zu kurz zu springen.»

Ein Plan droht, zu kurz zu springen? Tja, wer solche Nonsens-Sätze von sich gibt, springt auch nicht gerade souverän über die Hürde der Verständlichkeit.

Es ist schon verblüffend, dass es immer wieder nur einen gibt, der die Sachlage knackig, richtig und auf den Punkt formuliert. Dabei hat der keine Wirtschaftsredaktion zur Seite und bietet seine Erkenntnisse sogar gratis an. Eigentlich sollten sich die übrigen Wirtschaftsjournis eins schämen, wenn sie einen solchen Titel und Lead bei «Inside Paradeplatz»* lesen:

«CS wird Credit Saudi. Öl-Scheichs übernehmen 10 Prozent der Escher-Bank, null Hemmung vor Brutalo-Herrscher vom Golf. 4 Mrd. Verlust, Kapital kracht, 9’000 Jobs weg.»

Genauso flott geht’s bei Lukas Hässig auch weiter:

«Die Credit Suisse verkauft heute ihre Seele. Nach 4 Milliarden Verlust im dritten Quartal verramscht sie 9,9 Prozent an die Saudi National Bank. Dort herrscht mit Mohammed bin Salman einer der brutalsten Weltleader, der nicht vor Mord an Kritikern zurückschreckt

Bis hin zum bitteren, aber logischen Fazit:

«Der Preis für die Cash-Infusion in extremis ist der Ausverkauf einer einst glorreichen Zürcher Paradeplatz-Bank 166 Jahre nach ihrer Gründung nach Arabien. What a shame.»

Der Schreiber des beliebtesten Kommentars auf IP bringt es nochmal glasklar auf den Punkt: «Bravo Herr Rohner, bravo Thiam, Dougan und all ihr Komplettversager. Millionen kassiert und die Bank zugrunde gerichtet.»

Gegenüber diesem Klartext ist alles Geschwurbel in den Mainstream-Medien wirklich kläglich. Was auch kein Wunder ist. Denn wo regeln wohl die grossen Medienkonzerne ihren Finanzhaushalt? Bei der Alternativen Bank? Beim Sparhafen? Bei der Hypothekarbank Lenzburg? Eben.

*Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer schreibt gelegentlich für «Inside Paradeplatz».

Schweizer Finanzplatz in Gefahr

Es ist nicht nur die Chefetage …

«Inside Paradeplatz» wird vorwiegend von Bankern, Finanzleuten und Back-Office-Hirschen gelesen. Die haben, bevor die nächste Entlassungswelle sie rausspült, offenbar viel Freizeit am Co-Working-Schreibtisch, zu dem sie jeden Morgen ihr Rollköfferchen schieben dürfen.

Diese Freizeit nützen sie kräftig, indem sie Kommentare schreiben. Natürlich unter Pseudonym, denn das macht mutig und ist ein willkommenes Ventil für den geknechteten Bürogummi, der vergeblich von einem eigenen Eckzimmer mit Pflanze und Besprechungsbeule am Schreibtisch träumt. Es ist beelendend zu lesen, welche Hemmungslosigkeit ausbricht, wenn der Wäffler meint, aus dem geschützten Hinterhalt schiessen zu dürfen. Dabei ist er zu blöd zu wissen, dass man ihn über seine IP-Adresse problemlos identifizieren kann …

Wenn ZACKBUM-Autor René Zeyer dort publiziert, geht’s meistens rund; im Kommentarmorast blubbern die Blasen, dass es eine Unart hat. Das ist ausgesprochen erheiternd, wenn man sich die zurzeit über 160 Kommentare zu einem aktuellen Artikel anschaut. Zunächst ist festzuhalten, dass Kritik erlaubt und erwünscht ist; im Gegensatz zu allen Kommentarschreibern sind wir keinesfalls der Auffassung, die einzig richtige, unantastbare und ewige Wahrheit zu verkünden.

Aber das Gelächter verkümmert etwas, wenn man sich überlegt, dass diese Kommentarschreiber wohl einen repräsentativen Querschnitt der Angestellten in der Schweizer Finanzbranche darstellen. Was da an Frust, Unkenntnis, wildem Gehampel, krakeelender Rechthaberei losgelassen wird, ist Anlass zu schwersten Bedenken, wie diese Nulpen denn eigentlich ihrem Beruf nachgehen. Auffällig ist auch die fast immer völlige Abwesenheit von Sachverstand und Argumenten. Natürlich gibt es einige strahlende Ausnahmen, aber wenn man sich folgende, kommentarlos dargebotene Blütenlese anschaut (in Original-Rechtschreibung), dann fürchtet man schon das Schlimmste für die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz …

«Der mit Abstand schwachsinnigste Kommentar den ich in den letzten Jahren gelesen habe.»

«Mit Verlaub Sie sin ein Loch Dumm Arsch & S. Wenn Sie nicht raffen, dass eine Axpo nicht den Auftrag hat im Casino Geld zu verlieren, sondern die Grundversorgung von Strom sicherzustellen. Dann sollte man Ihnen einfach den Stecker ziehen.»

«Germanist & Berliner erklärt Stromkonzerne ;-))) Brüder Grimm für Nebelspalter, Weltwisch & Zackbum Freunde der Morgenröte …»

«Der Autor (und die allermeisten) verstehen das wirkliche Ausmass dieser Tragödie nicht

«Wer keinen blassen Schimmer hat von Stromhandel, soll gefälligst nicht darüber schreiben. Auch wenn er dafür dreissig Silberlinge bekommt

«So ein Quatsch. Schönreden kann man ja irgendwie alles.»

«Warum zum Teufel behauptet die Axpo GL dass eine Absicherung notwendig war??? Entweder glaubt man am eigenen Business oder macht man zu!!»

«Die Axpo hatte nie die Aufgabe, mit Strom zu spekulieren, sondern die Stromversorgung in den beteiligten Kantonen sicherzustellen.»

«Ich glaube, der Herr Zeyer schreibt sich einfach den Frust über seine eigenen Fehlleistungen vom Leib

«Herr Zeyer, hatten Sie mit dem Mathe-Fach Logik ihre Probleme? Das erahne ich aus ihrem wirren Geschreibsel

«Welche Schande, dass Sie sich „Journalist“ nennen! Sie demaskieren sich selbst: Weder Ahnung vom Strommarkt, noch von der internen „Strombarone“-Kultur in allen grösseren EVUs. Wie viel Geld erhalten Sie von Axpo & Co?»

«Leider wird nicht geklärt, ob der Autor von der Axpo, vom Bund, von involvierten Kantonen, von einschlägigen Verbänden, etc. direkt oder indirekt Mandate erhalten hat.»

«Sie, Herr Zeyer, haben keine Ahnung.»

«Auftrag der Axpo ist die Stromproduktion Handel waere meines Erachtens nur mit evtl Ueberschuss Produktion erlaubt»

«Wieviel hat Ihnen die AXPO bezahlt für dieses Märchen

«Danke Zeyer, besser kannst Du den Schrott, den Du hier regelmässig vom Stapel lässt, nicht beschreiben

«Ein weiterer oberflächlicher Artikel zum Thema. Bitte zurück an den Start. Machen Sie Ihre Aufgaben und erklären Sie weshalb wir in dieser miserablen Situation sind

«Eine kurze aber sehr präzise Antwort von Herrn Zeyer erwarte ich an dieser Stelle in den nächsten 48 Stunden

ZACKBUM hat sich getäuscht

Die Sache mit Axpo ist anders.

Wir bitten um ehrfürchtiges Schweigen der Leserschaft und anschliessenden donnernden Applaus. Denn ZACKBUM macht hier etwas, was im Rechthaber-Journalismus äussert selten ist und meistens mit einer Gegendarstellung erzwungen werden muss: wir räumen ein, uns fundamental getäuscht zu haben. Ist uns nicht sonderlich peinlich, denn einmal im Leben kann sich jeder irren.

Im Ernst: ZACKBUM hat Axpo und das Führungspersonal kräftig in die Pfanne gehauen. Damit sangen wir im anschwellenden Chor der Mainstream-Medien mit, während Lukas Hässig von «Inside Paradeplatz» der Vorsänger war. Der Staat müsse wieder Zockern unter die Arme greifen, behaupteten wir.

Tiefere Erkenntnis ist der Feind oberflächlicher Betrachtungsweise. Einmal mehr, wir können nichts dafür, müssen wir das Loblied der NZZ singen. Auch das Blatt für die besseren Stände und die grösseren Köpfe ist nicht unfehlbar. Aber dieses Stück von Hansueli Schöchli ist nun erste Sahne:

 

Er tut nämlich genau das, wozu Qualitätsmedien eigentlich da sein sollten und Geld heuschen: er denkt nach, analysiert, macht sich kundig und ordnet ein. Ein Lehrstück, wie Journalismus sein sollte. Und ein Belehrstück.

Schöchli stellt schon am Anfang die richtige Frage: Wenn Stromkonzerne wie Axpo massig Gewinn machen und auch die Gewinnaussichten rosig sind, dabei aber einfach ein kleines Liquiditätsproblem haben, wieso werfen ihnen dann die Banken nicht Kredite nach?

Zunächst einmal: was ist ein Liquiditätsproblem? Das kann sich zum Beispiel so äussern, dass eine Bude Ende Jahr mit einem Supergewinn dastehen wird. Würde, denn vorher ist sie mal kurz pleite, weil sie die laufenden Ausgaben nicht begleichen kann. Daher ist eine Finanzflussplanung etwas vom Wichtigeren im Finanzhaushalt.

Die Stromhändler, nicht nur die Axpo, stehen nun vor folgendem Problem. Der Stromhandel funktioniert so, dass Terminkontrakte mit langer Laufzeit abgeschlossen werden. Also beispielsweise: Axpo liefert 2024 Strom an einen Kunden. Letztes Jahr wurden dafür 100 € vereinbart. Vorteil für beide: Planungssicherheit. Man kann mit einem fixen Preis rechnen. Nun aber das Problem:

«Springt aber in der Zwischenzeit der Marktpreis von 100 auf 1000 Euro, muss der Verkäufer zusätzlich 900 Euro als Sicherheit hinterlegen – damit sich der Käufer am Markt frisch eindecken könnte, wenn der Produzent 2024 nicht für 100 Euro liefern kann. Liefert der Verkäufer wie vereinbart, erhält er die 900 Euro zurück

Da man davon ausgehen kann, dass die Axpo normalerweise in der Lage ist, den Strom wie zugesagt zu liefern, bekommt sie also die Sicherheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zurück. Aber sie muss sie zuerst auf den Tisch legen. Daher das Liquiditätsproblem. Dazu muss man auch noch verstehen, dass Strom eben nicht problemlos gelagert werden kann. Im Prinzip wird der gerade erzeugte Strom gehandelt und verkauft.

Dann bliebe also noch die Frage zu beantworten, wieso die Axpo sich nicht mit Krediten auf dem normalen Kapitalmarkt eindeckt, sondern zum Bund rennt und einen Rettungsschirm, bzw. eine Kreditlimite von 4 Milliarden fordert.

Zur Erklärung führt Schöchli diverse Faktoren eher finanztechnischer Art an. Um dann zusammenzufassen:

«Die genannten Hemmfaktoren sollten theoretisch keine entscheidende Rolle spielen, wenn Engagements bei den Stromkonzernen risikofrei wären. Doch das sind sie naturgemäss nicht: Niemand kann garantieren, dass der Spruch «es gibt kein Solvenzproblem» künftig noch stimmen wird. Die Ratings diverser Finanzmarktteilnehmer für die Axpo Holding sind nicht schlecht (BBB+ oder A-), aber sie liegen wesentlich unterhalb der Höchstnote AAA.»

Der Bund geht also durchaus ins Risiko, vor allem auch, weil er einen nachrangigen Kredit anbietet. Das heisst, zuerst werden alle andere Gläubiger bedient, sollte die Axpo dennoch pleite gehen. Und erst, wenn dann noch etwas übrig ist, bekäme der Bund sein Geld zurück. Dafür dürfte er aber – Schätzung von Schöchli – auch rund 10 Prozent Zins kassieren.

Also kann und muss man, in Widerspruch zu unserem dummen Geschwätz von vorgestern, eindeutig sagen: es hat sich hier niemand verzockt. Es ist durch eine in der Dimension tatsächlich nicht vorhersehbare Preisexplosion auf dem Strommarkt eine Situation entstanden, in der vor längerer Zeit abgeschlossene Terminkontrakte mit exorbitanten Sicherheiten unterlegt werden müssen. Das hat die Axpo tatsächlich in ein Liquiditätsproblem gestürzt, das eine kurzfristige Lösung brauchte.

Da die Axpo wohl aber zumindest zum grössten Teil den auf Termin versprochenen Strom liefern wird, wird das meiste der Sicherheiten wieder ausbezahlt werden. Hinzu kommt, dass die Axpo als Stromproduzent selbst von den gewaltig gestiegenen Strompreisen profitiert und ihre Gewinne wohl explodieren werden.

Ein paar Randfragen bleiben. Wieso konnten die Kantone als Besitzer nicht in die Bresche springen? Wieso gibt es ein Dividenden-, aber kein Bonusverbot? Hat die Axpo tatsächlich alle Anstrengungen unternommen, sich auf dem freien Kapitalmarkt die nötigen Kredite zu besorgen? Erschien es ihr einfacher, in Bern ein Laken überzustreifen, buhu zu machen und dann von einer Energieministerin Staatsknete zugesagt zu bekommen, die nicht mal Axpo und Alpiq auseinanderhalten kann?

Aber das sind Nebenfragen. ZACKBUM hofft natürlich, dass diese freiwillige Richtigstellung in die Mediengeschichte eingehen wird.