Verschleierungs-Passiv
So lässt man die Täter einfach verschwinden.
«Gaza: Israel bestätigt 70’000 tote Palästinenser», titelt die «Süddeutsche Zeitung». Zuvor meinte sie: «Israel gibt zu, dass in Gaza 70’000 Palästinenser getötet wurden». Natürlich versteckt das Qualitätsmedienhaus Tamedia die gleiche Meldung hinter der Bezahlschranke: «Israel gibt zu, dass in Gaza 70’000 Palästinenser getötet wurden».
Auch das Schweizer Farbfernsehen stimmt ein: «Die israelische Armee hat laut Medienberichten erstmals mitgeteilt, dass im Gaza-Krieg rund 70’000 Palästinenser getötet wurden.» Selbst tachles.ch vermeldet «IDF bestätigt 70’000 Tote». Und auch der «Spiegel»: «Israel: Armee bestätigt 70’000 Kriegstote in Gaza».
Das ist eine elende Murkserei.
Zum einen waren es sicherlich mehr Tote, zum anderen steigt der Blutzoll weiterhin täglich.
In erster Linie aber ist das ein Sprachverbrechen.
Denn die Passivkonstruktion lässt den Täter verschwinden. Wird formuliert «der Zivilist/das Kind/die Frau wurde getötet», handelt es sich um ein subjektloses Vorkommnis. Es bleibt lediglich übrig, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelte. Sondern irgendwas hat hier getötet.
Ein Erdbeben tötet, eine Flut, ein Sturm, eine Lawine. Auch Löwen, Hunde oder Schlangen töten. Im übertragenen Sinn kann sogar Lächerlichkeit töten.
Hier ist es aber nicht lächerlich, was die Mainstreammedien veranstalten. Im Ukrainekrieg werden niemals Menschen getötet. Sondern Russland, die russische Armee, der russische Angriff tötet Menschen. Was natürlich richtig ist.
Denn es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Journalismus, Tat und Täter zu benennen.
Wobei man es mit der Unschuldsvermutung nicht so genau nimmt.
Aber im Fall der israelischen Kriegsverbrechen im Gazastreifen ist das anders. Dort töten die fundamentalistischen Wahnsinnigen der Hamas. Aber die israelische Armee räumt höchstens ein, dass die von ihr lange bestrittenen Zahlen der palästinensischen Gesundheitsbehörde stimmen könnten.
Was vorher, als die Weltöffentlichkeit noch Kenntnis von diesem Vernichtungskrieg nahm, als Propagandalüge bestritten wurde, wird nun eingeräumt.
Während weiterhin internationale Medienvertreter daran gehindert werden, aus der Trümmerlandschaft Gazastreifen zu berichten. Nein, die israelische Regierung hindert sie daran.
Wurden also mehr als 70’000 Palästinenser getötet? Nein. Die israelische Armee hat mehr als 70’000 Palästinenser getötet.
Aktiv, als Täter. Nicht passiv als Zuschauer.
Wie viele Frauen, Kinder und Zivilisten sind unter den Toten? Darüber gibt es weiterhin keine belastbaren Zahlen. Schätzungen sprechen von 70 Prozent …
Bevor die übliche Reaktion der anderen Gesinnungsblase kommt: nein, das relativiert das Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten in keiner Form. Aber würden Medien schreiben: Am 7. Oktober 2023 wurden rund 1200 Israelis getötet, Hunderte verletzt und 240 entführt?
Nein, es wurde richtig geschrieben, dass das ein Terrorangriff der Hamas war. Ein Kriegsverbrechen.
Das mit der weitgehenden Zerstörung der Infrastruktur des Gazastreifens und Kriegsverbrechen auf israelischer Seite beantwortet wurde.
So viel Genauigkeit sollte schon sein. Statt Verschwiemelung durch Passiv-Konstruktionen.




