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Lauter Lämpels

Tamedia ist voll von Oberlehrern. Angeführt von einer Plappertante.

Ehre, wem keine gebührt, oder zumindest Ladies first: Jessica Peppel-Schulz (oder ihr Avatar oder eine Sprechpuppe) hat dem österreichischen «Standard» ein Interview gegeben. Zwei Jahre Sabbatical, dann seit zwei Jahren CEO von Tamedia. Mancher fragt sich: wieso dieser Aufstieg? Das lässt sich nur damit erklären, dass der unkaputtbare Big Boss Pietro Supino keine Kompetenz-Konkurrenz möchte. Und da liegt die Latte ziemlich tief.

Die Frage hingegen, wo genau der Unterschied zwischen Sabbatical und Leitungsfunktion sei, zeugt von abgrundtiefem Sexismus und Misogynie, was ZACKBUM aufs schärfste verurteilt.

Peppel-Schulz verschmäht ihre eigenen Blätter und weicht nach Wien aus. Zum Einstieg versucht sie, witzig zu sein. So auf der Ebene von Arrigoni: «Als gefühlte Schweizerin tröstet mich immerhin: Wir sind bei der Fußball-WM weiter gekommen als andere. Aber im Ernst …» Im Ernst gesteht sie unbekümmert ihr Versagen: «Von vier Schweizer Franken Werbespendings gehen drei an die großen Tech-Plattformen.» So ein knackiges englisches Wort, wofür es problemlos auch ein deutsches gäbe – das macht das Bullshit Bingo des Managergequatsches aus.

Dazu gehört auch, Fake News zu verbreiten: «Unser digitales Werbegeschäft ist 2025 um 30 Prozent gewachsen – in einem Markt, der insgesamt schrumpft.» Display-Werbung ist in der Schweiz 2025 um 0,6 Prozent – gewachsen. Das hat auch damit zu tun, dass Google Änderungen an der Erfassung von Search-Werbung vorgenommen hat, sonst wäre das gemessene Wachstum noch stärker.

Das ist nur die Einleitung zum richtigen Hammer: «Aber strategisch zählt für uns nur eines: das Abonnement.» Ergänzt mit: «Wir hängen noch zu mehr als 85 Prozent von Print-Einnahmen ab.» Bei Tamedia. Bei TX stammen inzwischen zwei Drittel des Konzernumsatzes aus digitalen Geschäften.

Bei Ringier sieht es so aus, dass inzwischen 83 Prozent des operativen Gewinns aus dem Digitalgeschäft stammen. Werbung insgesamt (digital und Print) machen 82,5 Millionen des Gesamtumsatzes aus, «digitale Aktivitäten» insgesamt dagegen 459,4 Millionen. Print-Abos dürften noch für rund 130 Millionen Franken zuständig sein. Tendenz abnehmend.

Tagianer, fürchtet euch, oder sagten wir das schon? Im September läuft die Beschäftigungsgarantie für die überlebenden Journalisten ab. Und wie soll’s denn in die Zukunft gehen, mit dem einzigen Zähler Abo? Da läuft das Bullshit Bingo zu Höchstformen auf:

«Journalismus muss serviceorientierter, alltagstauglicher sein. Er muss unterschiedliche Perspektiven anbieten – «vielstimmig statt eintönig» ist der Claim unserer aktuellen Werbekampagne. Wir müssen Lokaljournalismus neu denken. Denn wenn wir die regionale, die lokale Geschichte nicht erzählen, erzählt sie niemand.»

Toll, also mehr Power ins Regionale? Jein, also eigentlich nein, aber dann doch irgendwie ja:

«Das heißt jetzt nicht, dass wir neue Regionalredaktionen eröffnen. Wir können nicht mehr in Büros denken und investieren, wir investieren in Reichweite vor Ort. Nähe zu den Menschen, das schafft Vertrauen – ergänzt um Hyperlokalität mithilfe von KI, die uns hilft, auch kleinste Gemeinden abzudecken, die wir mit klassischen Redaktionsstrukturen nie erreicht hätten.» Hä?

Und wie wirkt sich die nächste Qualitätssteigerung durch Rausschmeissen aus, wie das die journalistische Leiter nach unten Simon Bärtschi formulieren würde? «Das Medienunternehmen verändert sich dynamisch weiter. Und wer das ehrlich sagt, kann keine absoluten Garantien über die Zukunft geben. Was ich aber versprechen kann: Unser Fokus liegt klar auf Wachstum mit wirtschaftlich nachhaltigem, unabhängigem Journalismus», plappert Peppel-Schulz.

In Wirklichkeit liegt der Fokus auf penetranter Belehrung und eintöniger Rechthaberei, übernommen zu grossen Teilen aus München. Aber auch die wenigen Wortmeldungen aus dem Glashaus an der Werdstrasse kommen im Lehrer-Lämpel-Gestus daher. So schurigelt «Sportjournalist» Thomas Schifferle: «Infantino wird immer dreister – Europa muss ihn endlich stoppen». Los, marsch, Europa, tu endlich was. Damit sich Schifferle befriedigt zurücklehnen kann:

«Ach!“ spricht er, „die größte Freud
Ist doch die Zufriedenheit!“
Wilhelm Busch

Ganz anders gestimmt ist die SZ-Unke Hubert Wetzel. Er tut wieder  das Unglaubliche: «Trump tut im Ukrainekrieg doch noch das Richtige». Da wird Trump aber aufatmen und ZACKBUM fragt sich, ob das auch mit der Hitze zu tun haben könnte. Allerdings, da der Irre im Weissen Haus seine Positionen schneller wechselt als seine Bräunungscreme, kann es wieder passieren, dass Wetzel diesen hier macht:

Wer soll nun für Lämpel leiten
Seine Amtestätigkeiten
Wilhelm Busch

Die Wirklichkeit wäre dann sozusagen Max & Moritz, und die spielt Arrigoni, Supino, Peppel-Schulz, Bärtschi, Schiferle und Wetzel ständig böse Streiche. Das Sextett eint dabei eines: sie tun ihr Mögliches, den Journalismus aus dem Hause Tamedia abzuschaffen.

Täglich kläglich

Was kriegt man beim «Tages-Anzeiger» für Fr. 4.60?

Man bekommt 30 Seiten bedrucktes Papier. Schweifen wir kurz in die Vergangenheit. Im Jahr 2000 waren es noch 60 bis 80 Seiten, für Fr. 2.20. 2010 immerhin noch 50 – 70 Seiten für 3 Franken. Das hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass die Rubrikenmärkte (Stellen, Immobilien, Autos) Bestandteil der Print-Ausgabe waren.

Oder das Elend in anderen Worten: Die verkaufte Auflage sank seit 2000 um Zweidrittel, der durchschnittliche Umfang halbierte sich fast, während sich der Einzelverkaufspreis verdoppelte. Kein anderes Produkt am Markt hat einen ähnlichen Wahnsinn veranstaltet. Wer das als Manager zu verantworten hat, sollte vor Scham rot anlaufen und sich peinlich berührt Asche aufs Haupt streuen. Nicht wahr, Herr Pietro Supino.

Aber zurück zum aktuellen Elend. So sieht das verlockende Angebot auf der Front aus:

«Die Hitze wird zum Stromproblem», will der grüne Tagi seine Leser ängstigen. Dazu ist ein Foto des Grimselsees gestellt, der sei «wegen der Trockenheit weniger gefüllt». Hier handelt es sich um eine Tautologie. Die Aussage ist so sinnentleert wie: Der Grimselsee ist wegen der Schneeschmelze mehr gefüllt.

Als Textaufmacher meldet sich Isabel Strassheim zu Wort: «Wer wenig verdient, leidet häufiger an Krankheiten». Sie schreibt dafür eine «Analyse der Krankenkasse Helsana» ab. Das ist die Strassheim, die für einen der peinlichsten Flops des Tagi in der jüngeren Geschichte verantwortlich ist. Sie gehörte übrigens auch zu den Unterzeichnern des Protestbriefs von erregten Tamedia-Frauen, die sich über eine angeblich sexistische und demotivierende Arbeitsumgebung beschwerten. Kein einziger der anonymen Vorwürfe konnte anschliessend verifiziert werden.

Nicht zu vergessen die Lockangebote «Kultkellnerin», «Käse mit Salmonellen» oder «Gewaltiger Kurssturz bei Elon Musks Spacex». Riecht alles nach eingeschlafenen Füssen in ungewaschenen Socken.

Auf Seite zwei dann die grosse Recherche. Also zumindest ein grosses und aussagekräftiges Bild:

Allerdings: Der Autor Jens Flottau hat seinen Schreibtisch in München bei der «Süddeutschen Zeitung». Aber immerhin, daneben eine Spalte: «Bund will höhere Mindestfranchise». Selbstgebastelt. Fast: «Mit Material der SDA».

Dann der Brüller: «Verdorbener Käse: Wie eine Salmonellenwarnung des Bundes tagelang verzögert wurde». Heisser Scheiss – oder Uraltstory von Ostern dieses Jahres.

Dann ein kleiner Scherz zur Erheiterung des Lesers (und mangels Inseraten):

«Mehr lesen» bei geschrumpften Umfängen. «Mehr wissen» bei zum Skelett abgemagerten Redaktionen. «Mehr verstehen» bei ständigen besserwisserischen Belehrungen. Super-Kampagne.

«International» wird von der Unke Hubert Wetzel, im Solde der SZ, bestritten. Für deutsche Leser mag ein Porträt über die Aussenbeauftragte der EU durchaus von gewissem Interesse sein. Aber für Eidgenossen? Die interessiert hingegen sicher brennend, was der Deutschland-Korrespondent Simon Widmer aus Berlin zu vermelden hat, der schwitzend gegen das Sommerloch anschreibt: «Kein Deutsch, kein Zutritt ins Freibad» von Halle. Da kann man natürlich Diskriminierung vermuten – oder einfach das Walten des gesunden Menschenverstands, dass wer die Warnhinweise nicht lesen oder verstehen kann, gefährdet ist.

Dann ist wieder die SZ dran, Urunke Peter Burghardt aus Washington arbeitet sich an seinem zweitliebsten Feind ab: « J.D. Vance – der Konvertit, der den Papst belehrt». Weiter mit SZ-Autoren: «Zum Teil kennen nicht einmal die Partner sexuelle Fantasien. Aber Open AI schon». Sex sells, sagt sich auch der Tagi.

Wir kommen zum Thema Inzucht. In den «Buchtipps im Juni» lobt Tamedia-Redaktorin Nora Zukker ein Werk des ewigen Tamedia-Kolumnisten Max Küng über den grünen Klee («herrliche Beziehungssatire»). Ob er sie auch im Auftrag eines Möbelhauses geschrieben hat, ist hingegen nicht bekannt. Alexandra Kedves, wir ersparen uns frauenfeindliche Bemerkungen, legt dem multilingualen Leser tatsächlich ein Frauenbuch auf Englisch ans Herz. Gibt ja nicht genug Neuerscheinungen auf Deutsch. Au weia.

Lokales, auch hier zwei Aufreger: «Wer trägt die Schuld am Tod des Teenagers?» und «Restaurant Belvoirpark schliesst schon wieder – zwei Jahre früher als geplant». Übrigens trägt niemand eine Schuld, und das Restaurant ist bereits seit Mai geschlossen. Schnarch.

Wollen wir noch die Meldung erwähnen: «Lamborghini geht in Flammen auf»? Oder lieber nicht.

ZACKBUM fasst zusammen. Was bekommt der Konsument für Fr. 4.60? Fremdleistungen, Deutsches, Langweiliges und Verschnarchtes. Was bekommt er also? Ein klägliches Nachtschattengewächs im Vergleich zum früheren, dickeren und nur mit Eigenmitteln (abgesehen von SDA und so) hergestellten Tagi.

Weniger, schlechter, dafür teurer. Wer das für ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell hält, ist mit dem Klammerbeutel gepudert.

Hubert Wetzel ranzt und raunt

Der Fehlanalytiker und Fehlprognostiker darf weiterhin …

Nach dem Wahlsieg Trumps raunte er: «So sterben Demokratien». Er wiederholt sich, ZACKBUM wiederholt sich: Die Masseinheit ein Wetzel steht für die maximale Distanz zwischen einer Formulierung und der Wirklichkeit.

Nach diesem Prinzip geht er das Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum an. Wie viele waren es genau? Wie viele wurden abgeschossen? Waren die Drohnen bewaffnet oder nicht? War es bewusste Provokation oder Unfähigkeit auf russischer Seite? Genaues weiss man nicht.

Pardon, Wetzel weiss alles. Besser.

Am 12. September meint er in der «Süddeutschen Zeitung»: «Putins erster Streich». Brav dackelt Tamedia am 13. September hinterher: «Dies war Putins erster Streich. Doch der zweite…».

Die überdotierte und unterqualifizierte Auslandredaktion an der Werdstrasse waltete auch ihres Amtes. Heisst es im Original: «Die Verteidigung ihrer Ostflanke ist keine Milchmädchen-Rechnung – bei allem Respekt für alle Milchmädchen, sofern es die noch gibt –, auf der sich simple Geldbeträge gegenüberstehen», so wurde das tapfer eingeschweizert: «die Verteidigung ihrer Ostflanke ist keine Milchbüechli-Rechnung, auf der sich simple Geldbeträge gegenüberstehen».

Der Respekt für die Milchmädchen musste über die Klinge springen. Aber das sind nur lustige Nebensächlichkeiten.

Denn Wetzel geht ganz streng mit der NATO ins Gericht: «Wenn das ein Test war, dann hat die Nato versagt.» 19 Drohnen, so weiss Wetzel es als einziger genau, seien angeflogen. «Aber nur drei oder vier werden vom Himmel geholt – eine verheerend schlechte Abschussquote

So geht das nicht, donnert Wetzel:

«Wenn 19 Drohnen das Staatsgebiet und die Bewohner eines Nato-Mitglieds bedrohen, und das tat jedes dieser wackeligen Objekte, müssen alle 19 Drohnen abgeschossen werden.»

Nehmt das, ihr unfähigen NATO-Militärs. Aber, da gerät Wetzel vor Erregung leicht ins Stottern: Die NATO «kann mit enormem technischem Aufwand ein paar Drohnen abwehren, indem sie mit den sprichwörtlichen Kanonen auf die sprichwörtlichen Spatzen schiesst. Aber kann sie sich auch verteidigen, wenn nicht 19, sondern 190 Drohnen an einem Tag angreifen? Oder 1900 in einer Woche? »

Da fehlen einem sprichwörtlich die Drohnen, äh, Worte. Ja kann sie das? Muss sie das können? Reicht das deutsche Sondervermögen von 500 Milliarden Euro dafür aus? Also militärisch sieht das alles sehr wackelig aus, wenn der Iwan seine Drohnenschwärme losschicken würde.

Aber politisch sei’s auch nicht viel besser. Regierungschefs europäischer NATO-Länder hätten immerhin «Entrüstung» (statt Aufrüstung?) gezeigt. Aber was ist denn mit ihm? «Am Dienstagabend amerikanischer Zeit, als die Drohnen über Polen flogen, sass er (Präsident Trump, Red.) in einem Washingtoner Restaurant. Erst am Mittwochabend europäischer Zeit meldete er sich mit einer kryptischen Nachricht zu Wort. Was das denn nun sei mit diesen Drohnen, schrieb er. Und dann: «Here we go!» Jetzt gehts los! Wer oder was losgeht und wohin, das schrieb Trump nicht.»

So geht das ja auch nicht. Wohin’s gehen soll, das im Unklaren zu lassen, das darf nur Wetzel.

Für die Leser, die’s noch nicht kapiert haben, legt er noch eine Schippe drauf: «In einer Situation, in der Kampfjets unter Nato-Flagge zum ersten Mal in der Geschichte der Allianz mit scharfer Munition auf russisches Militärgerät schossen, das in feindseliger Absicht angeflogen kam, war der US-Präsident also mit seinem Dinner ausgelastet

Statt die Gabel fallenzulassen und sofort in den Situation Room unter dem Weissen Haus zu eilen und Gegenschläge vorzubereiten. Schliesslich lassen sich Hamburger doch auch liefern, wozu muss man sich dafür in ein Restaurant setzen.

Aber dieser Mann ist ja dermassen fahrlässig: «Auch scheint es Trump nicht zu kümmern, dass Russland und Belarus soeben ihr Militärmanöver «Sapad 2025» begonnen haben.» Das tun die zwei zwar alle vier Jahre, welche spezielle Kümmernis sollte das bei Trump auslösen?

Wir fassen kurz zusammen: die NATO, militärisch ein Haufen Vollversager. Von 19 Drohnen lediglich eine Handvoll abgeschossen. Während die anderen schlichtweg vom Himmel trudelten und weniger Schaden als die abgeschossenen anrichteten.

Die NATO, politisch führerlos. Nun nähert sich Wetzel mal wieder dem Höhepunkt, allerdings der Absurdität. Denn er schaut noch schnell ins Oberstübchen des Kreml-Herrschers und diagnostiziert: «Sollte der russische Diktator Wladimir Putin sich gefragt haben, wie wichtig Donald Trump die Verteidigung des Nato-Gebiets durch die USA ist, dann kann er aus dem Verhalten des US-Präsidenten durchaus eine Antwort ableiten: nicht so wichtig wie ein Steak mit Ketchup

Da erhebt sich die Frage: Hat Wetzel das recherchiert? Woher weiss er das? War’s wirklich ein Steak? Mit Ketchup? Kein Hamburger? Wieso fehlt die Angabe, ob das Steak well done oder medium rare serviert wurde? Und mindestens so wichtig: was ass oder trank Putin, während er sich diese Frage stellte?

Und was schliesst Wetzel aus dem Steak mit Ketchup? «Niemand sollte sich daher wundern, wenn Putins nächster Test bald folgt

Weder Trump noch Putin sind dafür bekannt, über einen ausgeprägten Sinn für Humor zu verfügen. Sollten sie aber dieses Stück Flachsinn lesen, würden sich beide die Lachtränen abwischen müssen.

 

Wetzel ist ein kluger Mann,

der nur nicht logisch denken kann.

Die Masseinheit ein Wetzel steht für die maximale Distanz zwischen einer Formulierung und der Wirklichkeit. Wenn also jemand beim Betrachten einer weissen Wand «die ist schwarz» sagt, dann drückt er damit ein Wetzel aus.

Sich selbst sieht der Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung», dessen Ergüsse dem zahlenden Tamedia-Leser zugemutet werden, sicherlich als Querdenker:

«Wenn Trumps Amerika den Europäern hilft, Chinas und Russlands hegemoniale Ansprüche in der Arktis einzudämmern, ist das eine gute Nachricht.»

Das meinte Hubert Wetzel zu Trumps Plänen, notfalls mit Waffengewalt Grönland einzunehmen.

Oder er sieht sich als Unke: «So sterben Demokratien», orakelte er 2020 nach dem ersten Amtsantritt Trumps. Dessen Wahlkampf zum zweiten Anlauf verfolgte er auf der erbitterten Suche nach jedem Fünkchen Hoffnung, dass Trump doch nicht der Kandidat der Republikaner werde.

Und überhaupt regelt Wetzel das gesamte Weltgeschehen: «Macron hat aussenpolitisch seinen Bankrott erklärt». Der französische Präsident hatte es gewagt, eine Meinung zu äussern, ohne Wetzel um Erlaubnis zu fragen, und dann war sie erst noch falsch, nämlich nicht seine. Da trifft ihn dann aber Wetzels volle Verachtung: «Er meint es also offenbar ernst. Allerdings fällt es schwer, den französischen Präsidenten auch ernst zu nehmen.»

Es fällt nicht schwer, sondern ist unmöglich, Wetzel ernst zu nehmen. Denn er hat schon wieder eine neue Idee, wie man den Inhalt des peinlichen Halbstarken-Chats höchster US-Regierungskreise sehen könnte.

Zunächst will er sich und dem Leser Angst einjagen: «Trotzdem kann einem natürlich der kalte Angstschweiss ausbrechen, wenn man sich vorstellt, über welche anderen Themen Amerikas wichtigste Aussen- und Sicherheitspolitiker noch so bei Signal chatten.»

Aber dann tut er etwas, was er wirklich lassen sollte. Er denkt nach:

«Solange die Europäer es aus Mangel an Geld, militärischer Kraft oder Interesse – die Amis machen das ja für uns – nicht schaffen, vor der eigenen Tür die eigenen Handelsinteressen gegen eine militärisch nicht besonders beeindruckende Truppe wie die Huthi zu verteidigen, müssen sie damit leben, im Klassenchat des Weissen Hauses verunglimpft zu werden. Höhnisches Kopfschütteln ist darauf die falsche Reaktion

Nun, wie soll man den Schwarzseher an die in Wirklichkeit weisse Wand heranführen? Zunächst einmal haben die Europäer die USA nicht darum gebeten, mal kurz – unter Inkaufnahme der üblichen Kollateralschäden – vermutete Huthi-Stellungen im Jemen zu bombardieren.

Dass die Huthi diesen Schiffsverkehr angreifen, könnte allerdings, so behaupten sie es zumindest, damit zu tun haben, dass in erster Linie die USA die israelische Armee dabei unterstützen, den Gazastreifen in Schutt und Asche zu legen und auch in Syrien oder dem Libanon Kriegsverbrechen zu begehen. Das alles angeführt von einem Ministerpräsidenten, der nur dank seines Amtes dem Knast entgeht und sich aller Justizorgane entledigen will, die ihm gefährlich werden könnten.

Wenn man schon beim Aufrechnen ist, wieso sollte Europa nicht den Kampfeinsatz seiner Truppen – auf Bitten der USA notabene – in Afghanistan in Rechnung stellen? Dort spielte sich ja ein weiteres Kapitel erfolgreicher US-Militärpolitik ab, so wie im Irak, in Libyen oder in Syrien.

Schliesslich könnte sich Wetzel auch fragen, in wessen Besitz eigentlich die Frachtschiffe sind, die via Suezkanal Waren von Asien oder Indien nach Europa transportieren.

Solche Überlegungen ergäben allerdings – um im Bild zu bleiben – eine bunt gesprenkelte Wand, die ungefähr so kompliziert, komplex und widersprüchlich aussehen würde – wie die Wirklichkeit.

Das ist aber für einen Schwarzweiss-Seher wie Wetzel viel zu anspruchsvoll und würde höchstwahrscheinlich Kopfweh auslösen.

Das ist sein Problem; wieso allerdings die gesamte Qualitätskontrolle von Tamedia, man denke nur an Raphaela Birrer oder an das Kommunikationsgenie Simon Bärtschi, ihren verbliebenen Lesern einen solchen Stuss zumuten, da ist gute Erklärung teuer. Oder vielleicht nicht.

Während sie nicht müde werden, ständige Sparmassnahmen als angebliche Qualitätssteigerung schönzuschwatzen, ist ihnen der Content, Hand aufs Herz, schlichtweg völlig egal. Solange irgendwelche Buchstaben unter oder neben irgendwelchen Fotos stehen.

 

Wetzel dreht durch

Tamedia übernimmt inzwischen jeden Schrott aus der Süddeutschen Zeitung.

Schon vor seinem Amtsantritt hat Donald Trump bekanntlich Interesse an diversen souveränen Staaten geäussert. Er hätte gerne Panama, Kanada und Grönland. Vorläufig, so als Anfang. Und bist du nicht willig, brauch ich Gewalt: dabei schliesst er die Anwendung militärischer Mittel ausdrücklich nicht aus. Also ein.

Das ist reiner Wahnsinn, ein Novum in der neueren Geschichte, dass der Oberbefehlshaber der mächtigsten Militärmacht der Welt in spe unverhohlen damit droht, sich andere Länder mit Gewalt anzueignen. Dagegen sind die Handlungen Putins und die Politik Chinas gegenüber Taiwan Kinderkram.

Würden die Herrscher Chinas oder Russlands solche Ansichten äussern, die westlichen Medien wären ausser sich. Aber Heuchelei und Doppelmoral erreichen neue, ungekannte Höhepunkte. Genauso, wie völkerrechtswidrige und verbrecherische Handlungen Israels im Libanon oder in Syrien kleingeredet oder nonchalant berichtet werden, vollziehen erste Journalisten bereits eine atemberaubende Kehrtwende und machen einen Bückling vor einem brandgefährlichen Mann.

Der bereits mehrfach verhaltensauffällig gewordene Hubert Wetzel, für die Süddeutsche Zeitung in Brüssel, hat völlig den Verstand verloren:

«Wenn Trumps Amerika den Europäern hilft, Chinas und Russlands hegemoniale Ansprüche in der Arktis einzudämmern, ist das eine gute Nachricht.»

Es fehlen einem die Worte. 2020 raunte Wetzel noch dunkel: «So sterben Demokratien», als Gruss zum Wahlsieg von Trump. Denn früher war diese Schande seines Berufs für die SZ für die USA zuständig. Dann rief er anlässlich der Ukraine bereits den dritten Weltkrieg aus. Und nun das.

«Trump darf sich gern für Grönland interessieren». Wie bitte? Das «wäre eine gute Nachricht für Europa», behauptet der Mann allen Ernstes, «wenn es ihm um die Sicherheit in der Arktis gehen würde». Man muss sich vor so viel geballtem Wahnsinn zuerst einen Moment sammeln. Da will ein Amok, noch bevor er die Mittel und die Möglichkeit dazu hat, ernsthaft fordern, dass Grönland, ein selbstverwalteter Bestandteil Dänemarks, den USA einverleibt wird. Ob als neuer Bundesstaat, als Kolonie oder einfach als imperiales Eigentum, ist völlig ungeklärt.

Und statt dass ein Aufschrei durch die Medien geht, schreibt der erste Wendehals eine »Analyse», dass man darüber durchaus ernsthaft nachdenken sollte, weil das gar keine schlechte Idee sei. Man kann es nicht oft genug wiederholen: dass Trump – im Duett mit Musk – der gefährlichste Mann der Welt ist, ist eine Sache. Das die ersten Schmierenjournalisten auch in deutscher Sprache versuchen, seine absurden imperialen Fantasien zu rechtfertigen, ist die andere, genauso erschütternde Sache.

Der Schluss von Wetzels Geschmiere ist so ungeheuerlich wie der ganze Rest:

«Bleibt die Frage nach der Methode, mit der Trump eine grönländisch-amerikanische Vermählung erreichen möchte. Wie Wladimir Putin, der die Ukraine durch eine Vergewaltigung in die Zwangsehe mit Russland führen will? Oder über eine andere, völkerrechtlich legale und politisch ausgehandelte Konstruktion, bei der es weder zum Krieg mit Dänemark noch zu einer imperialen Unterwerfung der Grönländer kommt

Die Annexion eines Landes über eine «völkerrechtlich legale Konstruktion»? Grossartig, wieso hat Trottel Putin eigentlich nicht daran gedacht, bevor der die Ukraine überfiel? Das wäre doch auch ein Königsweg für China, sich Taiwan einzuverleiben. Deutschland könnte daran denken, die nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen verlorenen Gebiete wieder heim ins Reich zu holen. Wieso dürfte sich Serbien nicht wieder den Kosovo oder Montenegro einverleiben? Schluss mit den von den Kolonialherren in Schwarzafrika gezogenen Landesgrenzen, da sollte wieder zusammenwachsen, was zusammen gehört.

Und wenn wir schon dabei sind: An der Vereinbarung des Zaren mit den USA, ihnen Alaska zu verkaufen, kann doch auch gerüttelt werden, das müsste endlich wieder in den Besitz Russlands überführt werden. Ist doch sowieso irr, dass die USA ausserhalb ihres Stammterritoriums noch so ein riesiges Stück Land besitzen, das ihnen eigentlich gar nicht gehört.

Sollte diese Irrwitzpolitik Trumps Schule machen, ist der Ukrainekrieg nur ein Vorgeschmack auf weltweite Metzeleien, Grenzverschiebungen, Kriege, Eroberungen und Rückeroberungen. Wobei dann der Einsatz von Atomwaffen diesem Irrsinn ein Ende bereiten würde, weil es nichts mehr gäbe, was sich zu erobern lohnt.

Dass solche Gedanken in einem kranken Hirn unter einer merkwürdigen Frisur keimen, nun ja. diesen Präsidenten haben die Stimmbürger der USA gewählt.

Dass aber ein Mitarbeiter einer angeblich seriösen deutschen Zeitung einen solchen Schwachsinn schreibt, ist nochmal eine Steigerung des Wahnsinns. Dass Tamedia sich nicht enblödet, das unkritisch einfach zu übernehmen, ist ein weiterer Tiefpunkt so weit unten, wie man ihn sich, trotz Abhärtung, nicht vorstellen konnte.

Sollte die Menschheit die Präsidentschaft Trumps überleben, muss dieses Machwerk an einen Schandpfahl des journalistischen Niedergangs genagelt werden. Es steht hurrapatriotischem Gebrüll vor und während des Ersten Weltkriegs in nichts nach.

Wenn sich gegen die Publikation dieser Monstrosität nicht hörbarer Widerstand in der Restredaktion von Tamedia entfaltet, ist es leider völlig klar, dass sie nur noch aus feigen Opportunisten besteht, denen ihr Pöstchen wichtiger ist als Haltung, Rückgrat und Anstand.

Wetzel dreht auf

Oder durch? Der Journalist der SZ Hubert Wetzel will immer vorne dabei sein. In der Twilight Zone.

Kriegerische Ereignisse, die schon eine Weile andauern, fordern geradezu eine sprachliche Nachrüstung, eine Aufrüstung. Denn immer nur schreiben «in der Ukraine ist Krieg, und alleine die Russen sind dran schuld und Putin ist ein irrer Verbrecher», das wird auf die Dauer auch langweilig.

Und die meisten sogenannten «Experten» haben gemerkt, dass Triumphgesänge, dass die Ukraine demnächst siegen wird, dass die russische Armee demnächst zusammenbrechen wird, dass die ganze russische Wirtschaft den Bach runter geht und Putin aus dem Kreml gejagt wird – nun, dass das vielleicht etwas zu tollkühn war.

Also probiert es Wetzel aus dem Kopf des Chaoshaufens EU berichtend, also aus Brüssel, mal mit was Neuem:

So fragt er bang in der «Süddeutschen Zeitung», und mangels eigener Meinung, Kompetenz oder schlichtweg wegen «kä Luscht» rupft Tamedia den Text ein wenig und publiziert ihn auch. Wieso sich auch gross Mühe geben dabei, Titel und Lead sitzen doch prima:

Man beachte den feinen Unterschied, dass Tamedia «dritter Weltkrieg» klein schreibt, ein kleiner Nasenstüber aus Banja Luka Richtung München. Wetzel, muss ZACKBUM einschieben, hat schon eine ganze Latte von verhaltensauffälligen – um kein stärkeres Adjektiv zu verwenden – Unkenrufen abgesetzt. Schon 2020 raunte er unheilschwanger: «So sterben Demokratien», weil Trump «offensichtlich» keine Ahnung habe, wie Demokratie geht. Auch da musste er sich bei der aktuellen Wahl steigern, also verglich er die Wahl Trumps seines Vizepräsidenten mit einer Szene aus dem «Weissen Hai». Ungelogen, der Mann ist nicht ganz dicht.

Aber neu hat er einen viel grösseren weissen Hai, sozusagen ein Überuntier entdeckt. Den Ukrainekrieg. Nun, das wäre so gesehen etwas langweilig, also rüstet Wetzel verbal gross auf. Er lässt aufrüsten, denn was eignet sich besser dazu als ein (erfunden oder echt, weiss man’s?) Zitat eines «Diplomaten in Brüssel», der leider keinen Namen hat: Wir seien noch nicht wirklich im Dritten Weltkrieg angelangt, ««aber man kann schon das Gefühl haben, zumindest in einer Art Vorkriegszeit zu leben. Als seien wir wieder in den Jahren 1912/13, als die Balkankriege stattgefunden haben» – die Vorboten des grossen europäischen Gemetzels, das dann 1914 begann.»»

Nun ja, vielleicht sollte Wetzel doch mal «Die Schlafwandler» lesen, aber wir wollen nicht zu viel historische Kenntnisse verlangen. Nun kommt eine Latte von Einschränkungen, es gebe in der Tat noch keine direkte militärische Konfrontation zwischen den Atommächten, aber immerhin unterstützten ja die USA, England und Frankreich die Ukraine. Und auf der anderen Seite sehe es auch ganz schön global aus:

«Moskau bekommt Militärdrohnen aus dem Iran und Artilleriegranaten aus Nordkorea, das dortige Regime hat zudem Tausende Soldaten an die Front bei Kursk geschickt. Am wichtigsten ist für Russland aber die Unterstützung durch China. Peking kauft Russland Rohstoffe ab, ermöglicht die Umgehung der westlichen Sanktionen und liefert verbotene Güter.»

Es ist nur wundersam so, dass es trotz diesen «Tausenden Soldaten» noch keinen einzigen belastbaren Beweis für deren Existenz gibt. Aber mit so Details hält sich ein Globalstratege wie Wetzel doch nicht auf. Nun kommt wieder eine anonyme Quelle zum Zug, wie es sich für gehobenen Qualitätsjournalismus gehört:

««Es ist völlig klar, dass Russland diesen Krieg ohne China so nicht führen könnte», sagt ein europäischer Diplomat. Man könne heute sicher feststellen, dass China von einem eher indirekt agierenden «Ermöglicher und Helfer» zu einem direkten «Kriegsbeteiligten» geworden sei

Damit habe, bietet Wetzel der gelben Gefahr die Stirn, «Peking nach westlichen Erkenntnissen mittlerweile die von der EU definierte rote Linie bei der Unterstützung Moskaus überschritten und versorgt Russland nicht mehr nur mit vom Westen sanktionierten Gütern, die zivil und militärisch nutzbar sind».

Es ist wirklich unverschämt. 30 Staaten, berichtet Wetzel stolz, versorgten die Ukraine mit Kriegsgerät und Finanzen. Und da kommt doch der Chinese daher und wagt es, mit Russland Geschäfte zu machen. Ohne Wetzel (oder anonyme Diplomaten) vorher zu fragen, ob damit nicht eine rote Linie überschritten werde.

Dann noch die Beschädigung von Pipelines und Datenkabeln in der Ostsee, mutmasslich durch chinesische Schiffe. Da braut sich Ungeheuerliches zusammen, weiss Wetzel.

Nun muss er didaktisch werden und die Frage in den Raum stellen: «Was bedeutet das?» Ja waseliwas? Auch das kann Wetzel leider nicht selbst beantworten, daher kommt schon wieder diesmal ein «ranghoher Brüsseler Diplomat» zu Wort; seine Vorgänger waren offenbar nur Fussvolk. Der raunt, das heisse, «dass das chinesischeuropäische Verhältnis sich in einem riskanten Zwischenzustand befindet. «Wir sind nicht im klassischen Sinn im Krieg miteinander», sagt der Diplomat. «Aber zwischen uns herrscht bestimmt kein Frieden.»»

Ohä, das ist die Entdeckung eines vierten Zustands, eine Weltsensation. Zuvor gab es Krieg, Frieden und kalten Krieg. Jetzt gibt es auch noch «im klassischen Sinn» keinen Krieg, aber im nichtklassischen Sinn auch keinen Frieden.

Und ZACKBUM fragt mal wieder matt, ob es wirklich Leser gibt, die gerne für solchen Stuss etwas bezahlen, damit ihnen eine Reihe von anonymen Diplomaten vorgeführt werden, die Unverständliches labern.

 

Märchenstunde beim Tagi

Wenn der SZ-Märchenonkel Hubert Wetzel aus einem Paralleluniversum berichtet …

Eigentlich ist die Schande des Berufs der Süddeutschen Zeitung für die USA zuständig. Dort warnt er so inbrünstig wie vergeblich vor Donald Trump. Aber auch die übrige Welt bedarf seinen strengen Zurechtweisungen. Diesmal berichtet er aus einem EU-Parlament in Brüssel.

Nicht aus dem realen; Wetzel hat es offenbar geschafft, sich in eine Parallelwelt zu beamen. In dieser soll der ungarische Regierungschef Viktor Orban eine Abreibung durch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekommen haben.

Schon mit dem Einstieg beweist Wetzel, dass seine Beobachtungen nicht von dieser Welt sind:

«Die ungarische EU-Ratspräsidentschaft begann am 1. Juli, und eigentlich dauert sie noch bis zum 31. Dezember. Uneigentlich war sie allerdings am 5. Juli schon wieder vorbei. Das war der Tag, an dem Viktor Orban auf «Friedensmission» von Budapest nach Moskau flog und Wladimir Putin, dem Diktator, Kriegstreiber und Vergewaltiger der Ukraine, im Kreml die Hand schüttelte.»

Putin wurde ja schon viel vorgeworfen, aber dass er die Ukraine vergewaltigt (wie hat man sich das wohl vorzustellen?), das ist neu. Aber das ist ja nur der Einstieg in ein uneigentliches Paralleluniversum, wo offenbar auch für den Journalismus andere Regeln und Gesetze gelten:

«Seither tut der rechtspopulistische ungarische Regierungschef zwar gern so, als sei von seiner mit Pomp und Fanfaren angekündigten Ratspräsidentschaft noch etwas übrig. Am Mittwoch etwa stellte Orban sich vor das Europaparlament und erläuterte in einer für seine Verhältnisse sogar recht gemässigten Ansprache sein «Programm»

In einer Welt, wo noch ein paar Grundregeln des Journalismus gelten, könnte man eigentlich von Wetzel erwarten, dass er nun kurz den Inhalt dieser Rede zusammenfasst. Aber doch nicht in seiner Parallelwelt. Auch die Gegenrede von der Leyens kann Wetzel nicht wiedergeben, er behauptet, sie habe Orban «de facto als Vasallen der Russen und Chinesen bezeichnet». Was sagte sie dann wirklich? Unwichtig für Wetzel.

Nun muss Wetzel aber knirschend einräumen, dass Orban gar nicht so der Paria ist, als den ihn der Schmierenjournalist gerne darstellen möchte: «Bei dem Thema, das die EU seit Jahren wie kaum ein anderes beschäftigt, quält und spaltet – dem Umgang mit illegalen Einwanderern –, ist Orban längst kein geächteter Rechtsaussenseiter mehr. Im Gegenteil, er gibt Europa den Takt in der Migrationspolitik vor: Abschottung, Abwehr, Ausweisungen.»

Was Wetzel in seinem Paralleluniversum zu erwähnen vergisst: während der Rede Organs führten sich EU-Parlamentarier ungebührlich bis unmöglich auf. Sie keiften hinein und wedelten sogar mit Transparenten. Aber was hatte Orban denn so Fürchterliches gesagt? Da schweigt Wetzel verkniffen – und ist damit nicht alleine. Wer den Inhalt anhören will, muss schon weit suchen, denn keines der grossen Massenmedien hielt es für nötig, die durchaus bedenkenswerten Bemerkungen wenigstens zusammenzufassen.

Das tut einzig und alleine die «Weltwoche»: «Er reihte Binsenwahrheit an Binsenwahrheit: Die ungezügelte Migration habe Antisemitismus, Homophobie und Gewalt gegen Frauen befeuert. Die Abkoppelung von billiger Energie aus Russland habe eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Er forderte weniger Bürokratie und Regulierung, dafür mehr Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit, damit Europa international bestehe

Und nur die «Weltwoche» dokumentiert inzwischen die durchaus staatsmännische Rede Orbans im Wortlaut …

Was dann folgte, kann man nur jenseits von unserer Welt als «Abreibung für Orban» bezeichnen. Von der Leyen keilte tatsächlich zurück, worauf sie aber anschliessend von Orban deutlich in die Schranken gewiesen wurde.

Nun geht es nicht darum, die Richtigkeit der Positionen von Orban hier zu bewerten. Aber die Qualität der Berichterstattung von Wetzel kann durchaus gemessen werden.

Sie ist unterirdisch; in jedem Anfängerkurs für angehende Journalisten würde ein solch demagogisches Machwerk, das nichts mit den tatsächlichen Ereignissen zu tun hat, hochkant als völlig ungenügend in den Papierkorb wandern. Und dem Autor würde nahegelegt, es vielleicht mal mit einem anderen Beruf zu versuchen; Märchenonkel hat immer Konjunktur.

So wäre das, wenn im Tagi noch Qualitätsjournalismus betrieben würde. Da der aber – ausser in Worten von Bärtschi – weggespart, abgeräumt, niedergemacht, vergessen ist, kommt ein solches Stück second hand ins Blatt.

Das ist nicht nur geistlos, sondern geradezu schamlos. Wie die dafür Verantwortlichen dem Leser noch ins Auge blicken können, ohne rot anzulaufen? Aber darin haben die bislang überlebenden Leichenfledderer des seriösen Journalismus Übung. Sie leben wohl alle selbst schon in einem Paralleluniversum, in dem der Tagi noch eine ernstzunehmende Qualitätszeitung ist. Und morgen erzählen wir ein anderes Märchen.

Wumms: Hubert Wetzel

Der Schwarzseher von der «Süddeutschen» sieht rot.

Der USA-Korrespondent der SZ, der in seiner eigenen Gesinnungsblase und nicht in der Realität lebt, ist immer mal wieder für einen Knaller gut: «So sterben Demokratien», raunte er unheilsschwanger – im November 2020. Denn: Trump habe «offensichtlich» keine Ahnung, wie Wahlen in den USA funktionieren. Aber weil er «(zumindest rechtlich) volljährig» sei, ein Brüller, könne er bedauerlicherweise vor Gericht ziehen.

War damals gaga, ist in der Retrospektive mehr als gaga. Aber trotz all den Bemühungen von Wetzel liess sich Trump als Präsidentschaftskandidat nicht verhindern. Und es finden tatsächlich wieder Wahlen statt, die Demokratie ist in den USA doch noch nicht gestorben.

Fraglich, ob Wetzel das mitgekriegt hat. Denn inzwischen hat er jedes Mass und jede Mitte verloren. Denn der knapp einem Attentat entronnene Donald Trump hat seinen Vizepräsidenten benannt. Den Schriftsteller («Hillbilly Elegie») David Vance. Das macht Wetzel fassungslos-, aber nicht sprachlos: «Ein Spalter holt sich einen Spalter an die Seite» titelt er in der SZ, echot Tamedia mangels eigener Auslandberichterstattung.

Um dem schreckensbleichen deutschsprachigen Leser zu erklären, wie furchtbar diese Wahl ist, schreckt Wetzel vor nichts zurück. So hebt er an: «Im amerikanischen Kinoklassiker «Der weisse Hai» gibt es eine Szene, die einen Moment der Einsicht in ein unabänderliches, furchtbares Schicksal darstellt.» Das Schicksal hat die Form eines gigantischen Gebisses eines Hais. Der Mann, der dieses Monstrum sah, stolpert «ins Steuerhäuschen und sagt zum Kapitän: «You’re gonna need a bigger boat.»»

Soweit die Nacherzählung, dann die Pointe: «Für Europa sollte die Ernennung von James David Vance zum Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten so ein Moment der Einsicht sein.»

Im Ernst? Ist nun Trump der weisse Hai oder Vance? Oder beide? Auf jeden Fall: «Die Berufung von Vance ist eine letzte Warnung an die Europäer, endlich ihre Verteidigung ernst zu nehmen

Es ist eher unangenehm, als Leser damit belästigt zu werden, dass ein Journalist langsam den Verstand verliert – und das ganze Publikum daran teilhaben lässt. Der Mann braucht dringend Hilfe, denn er reitet seine misslungene Metapher als Schlussknaller zu Tode: «Europa hat kein Steuerhäuschen, in dem ein Kapitän steht, aber es hat Hauptstädte. Und in jeder Regierungszentrale sollte spätestens jetzt jemand laut schreien: Unsere Kutter sind zu klein

Weder die SZ noch Tamedia haben ein Steuerhäuschen. Und einen Kapitän gibt es auch nicht wirklich. Aber irgend jemand, der etwas zu sagen hat, sollte jetzt laut schreien: lasst diesen Wetzel nicht länger Hunderttausende von Lesern quälen. Oder wollen die SZ und Tamedia wirklich ihre Medienkutter versenken?

Worte zum Sonntag

Nein, mal nichts Religiöses. Eher Verwirrtes.

ZACKBUM sieht in dieser Gegenüberstellung eine feinsinnige Ironie des Blattmachers. Aber wahrscheinlich täuschen wir uns, denn Ironie und Selbstkritik sind nicht die starken Seiten der überlebenden Tamedia-Journalisten.

Dann kommt allerdings echtes 08/15, obwohl der Tamedia-Journalist im Allgemeinen auch nicht weiss, woher dieser Ausdruck für durchschnittliche Massenware kommt. Der Psychologe denkt über die Ursachen der Gewalttätigkeit von Eritreern nach. Arthur Rutishauser denkt über Flüchtlinge drinnen und draussen nach. Adrian Schmid und Mischa Aebi denken über das Schicksal der Flüchtlinge auf Lampedusa und Flüchtlingsströme zwischen der Schweiz und der EU nach.

Adrian Schmid, Multitasking, die Entlassungen fordern ihren Tribut, denkt auch über den möglichen Nachfolger von Alain Berset nach. Nun ist zu diesem Thema eigentlich von fast allen fast alles gesagt worden. Also braucht es eine knackige Headline, denn darunter ist bloss Rehash, das Aufquirlen von Bekanntem. Her damit; einer, der im bürgerlichen Lager nicht wählbar ist und selbst nicht einmal erklärt hat, ob er überhaupt antreten will, wird zum «heimlichen Favoriten» ernannt. So heimlich, dass ausser Schmid niemand Cédric Wermuth auf dem Zettel hat. Aber es gilt: nur, was du selbst erfindest, ist ein schneller Primeur.

Dann hat Rico Bandle Johannes Läderach, Sohn und CEO der gleichnamigen Firma, zum Interview überredet. Zwei Kalküle haben sich bestens getroffen. Man wäre natürlich gespannt darauf zu erfahren, welche Tänze vor, während und nach dem Interview aufgeführt wurden.

Aber auch Bandle muss gleich nochmal ans Gerät. Ein Zürcher Amt, das wie viele Ämter nichts Sinnvolles zu tun hat, empfiehlt, «genderneutrale Formulierungen» zu verwenden, also «Kind, Elternteil oder Betreuungsperson». Dieser Schwachsinn ist einem Buch von Ravena Marin Siever entnommen. Der/die/das (ist etwas kompliziert) schwafelt über sich: «Sier ist Elter von drei Kindern und lebt mit siener Familie ..

Siever widmet sich dadaistischen Sprachscherzen. Das wäre lustig, würde «sier» das nicht ernst nehmen: «Mampa», «Elli» (von «Elter»), «Tankel» oder «Onte». Oder «Ompapa». Vokabular wie aus einem Kinderbuch voller Sprachverulkungen. Bei den «Mumins» war das sehr erheiternd. Aber hier …

Darüber zieht natürlich Bandle her. Wohlweislich verzichtet Bandle beim Suchen nach dem Splitter im Beamtenauge auf Hinweise auf den Balken im SoZ-Sehorgan.

So lange ist es schliesslich noch nicht her, dass Aleksandra Hiltmann (ja, die, der es bei einer Kreuzfahrt so furchtbar schlecht wurde) und Andreas Tobler (ja, der, der schon mal die Absage von Rammstein-Konzerten forderte) ganze drei Seiten des angeblichen «Kultur»-Bundes (Heute «Leben & Kultur») der SoZ darauf verschwendeten, den Leser mit korrektem Gendern zu quälen.

Dazu schwurbelte es, dass es nur so krachte: «Gendern ist also nicht einfach eine Modeerscheinung oder ein Sprachspiel – sondern ein Wirtschaftsfaktor. Diversität ist zu einer Frage der gesellschaftlichen Verantwortung geworden, ähnlich wie Nachhaltigkeit oder Umwelt.»

Nimm das, Bandle.

Dann übernehmen die Deutschen das Zepter. Hubert Wetzel, schon mehrfach verhaltensauffällig geworden, macht sich zur Abwechslung mal keine Sorgen um das Sterben der Demokratie in den USA. Hier serviert die SoZ dem Schweizer Leser ein Thema, das vielleicht den Leser der Süddeutschen interessieren könnte. Aber auch nur vielleicht: «Brüssel fragt sich: Lässt die Hilfe für Kiew nach?» Soll das doch die EU mit Polen oder Ungarn ausmachen; was geht das eigentlich die Schweiz an?

Dann kommt ein Artikel zur Steigerung des Sozialneids. Eigentlich handelt es sich um eine kreative Stellenbewerbung von Chris Winteler bei der «Schweizer Illustrierten» oder der «GlücksPost»: «Das grösste und teuerste Wohnmobil der Schweiz». «Hans und Beatrice Heer» möchten gerne gekidnappt werden, Pardon «zeigen stolz ihre Landjacht, die eine Million Franken kostete».

Wer sich allerdings von solchen Themen oder Gendern mit einem absoluten Nonsenstext ablenken will, muss unbedingt die Kolumne von Gülsha Adilji lesen. Dass sie ein solch misslungen Dada zu Papier bringt, ist das eine. Dass sich mal wieder keine Qualitätskontrollstelle traut, ihr zu sagen: «wie wäre es, auf die Löschtaste zu drücken und einfach ganz ruhig nochmal von vorne»? Unglaublich.

Unter dem Gaga-Titel «Nieder mit dem Kapitalismus» blubbern Gaga-Sätze in einem zusammenhanglosem Wortbrei. Wir ersparen dem Leser nur den Anfang nicht: «Tschiises f*cking kreist! Wie kann man nur so ausrasten, weil ein kleines Kind wegen kurzer Koordinationsprobleme auf die falsche Velospur gerät? Letzte Woche war ich Teil eines absurden Schauspiels: Eine junge Frau, etwa in meinem Alter, stanzte einem kleinen Mädchen ein Fahrradtrauma ins limbische System.»

Sonst noch was? Interessiert uns das «Wohnglück unterm Dach»? Wie ein «Murmeli-Burger» schmeckt? Oder eine Lobeshymne auf eine US-Reality-Soap: «Wenn der Silikonbusen nicht ins Brautleid passt»? Wollen wir wissen, wie sich ein «Voyah»-Elektro-SUV  (neue chinesische Automarke) fährt? Oder der neue «Giotto von Bizzarini»? Das ist leider sowieso nicht möglich, der erste Prototyp käme 2024, ab 2026 werden die ersten Schlitten ausgeliefert. So, wie der Sportflitzer aussieht, muss das Portemonnaie viel dicker als der Bauch sein. Sonst kann man sich nicht reinfalten:

Gretchenfrage (nein, nicht, wie es der Leser mit der Religion halte) am Schluss: Ist das Fr. 6.40 wert? Nun, Arthur Rutishauser geht weiter gnadenlos auf die CS/UBS-Geschichte los, diesmal hat er sich die KPMG vorgenommen. Das zeigt immerhin von Mut und Ausdauer. Aber der grosse Rest? Also wer sich einen Camper für eine Million leisten kann oder ganz giggerig auf den neuen Bizzarini ist, schmeisst dieses Trinkgeld locker auf.

Hubert Wetzel regelt die Welt

Und der Tagi bringt seinen Stuss ungefiltert.

Wetzel muss mal wieder ganz streng werden: «Macron hat aussenpolitisch seinen Bankrott erklärt». Wetzel ist kein Freund differenzierter Analysen. Als USA-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» unkte er schon 2020: «So sterben Demokratien».

Wie das? Nun: Trump habe «offensichtlich» keine Ahnung, wie Wahlen in den USA funktionieren, behauptete er. Aber weil der «(zumindest rechtlich) volljährig» sei, ein Brüller, könne er bedauerlicherweise vor Gericht ziehen. Gut, dass wenigstens Wetzel wusste, wie dort Wahlen funktionieren. Und wir können aufatmen, bislang ist die US-Demokratie noch nicht gestorben.

Inzwischen sitzt er in Brüssel und kläfft von dort aus den französischen Präsidenten an. Der habe ein autorisiertes Interview gegeben: «Man muss daher annehmen, dass Macron wirklich der Ansicht ist, die «grösste Gefahr» für Europa sei, von Amerika in einen Konflikt mit China gezogen zu werden, der «nicht der unsere ist»

Interessante Idee, allerdings: «Er meint es also offenbar ernst. Allerdings fällt es schwer, den französischen Präsidenten auch ernst zu nehmen.» Abgesehen davon, dass es noch schwerer fällt, Wetzel ernst zu nehmen; wieso denn das?

Nun, wenn Wetzel auf dem Kriegspfad ist, hält ihn weder Ochs noch Esel auf: «Macron verwendete dafür das dümmste und staubigste Argument aus der gaullistischen Mottenkiste – dass die Europäer sich aus der vermeintlich ewigen amerikanischen Bevormundung lösen müssten. Mit seinem Interview hat der französische Präsident einen Keil in Europas Beziehung zu den USA getrieben und zugleich einen Graben quer durch Europa aufgerissen. So viel Schaden mit ein paar Sätzen anzurichten, muss man erst mal schaffen.»

Dann bekommt Wetzel aber irgendwie Angst vor seiner eigenen Courage: «Macrons Analyse ist dabei gar nicht falsch.» Ja was denn nun?

Wetzel versucht es mit einem eingesprungenen doppelten Rittberger: «Die feste Anbindung an Amerika ist eine Voraussetzung für Europas Stärke, kein Hindernis – Macron torpediert mit seinen Äusserungen sein eigenes Ziel.»

Beim Lesen leidet man mit, so wie wenn der Eisläufer statt auf den Kufen brutal auf dem Hintern landet. Wenn sich Europa fest an die USA bindet, das zeigt ja gerade der Ukraine-Konflikt, dann wird es zum Helfershelfer und zum Hauptbetroffenen der US-Machtpolitik degradiert – und von China nicht für voll genommen, wie die bewusst würdelose Behandlung der EU-Chefin von der Leyen beweist, die gleichzeitig mit Macron in China war und demonstrativ als Besucherin in der zweiten bis dritten Bedeutungsstufe behandelt wurde. Was sie sich im Übrigen klaglos gefallen liess.

Wetzel nimmt Anlauf zum letzten Sprung ins Nichts: «Emmanuel Macron galt vor seinem Besuch in Peking schon als innenpolitisch gescheiterter Präsident. Jetzt hat er auch aussenpolitisch seinen Bankrott erklärt

Sagen wir so: Wetzel galt schon vor diesem Kommentar als gescheiterter US-Kommentator. Jetzt hat er noch europäisch seinen Bankrott erklärt.