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Schlagwortarchiv für: Henry Kissinger

René Zeyer

Ach, Löpfe

20. Mai 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was der «watson»-Leser alles aushalten muss.

Weil der Wanner-Clan nicht zugeben kann, dass seine einzige Neuerfindung nicht nur ein Flop ist, sondern auch inhaltlich alle Grenzlinien nach unten durchschlägt, darf sich hier ein Philipp Löpfe ungeniert austoben.

Mal eine Sammlung von all time favorites:

«Die Demokratie stirbt in einem Feuerball.
Die SVP übernimmt das ganze Trump-Programm – auch die Lügen.
Eliten, Konzerne oder Rechte «verkaufen die Menschen für dumm».
Das System fliegt uns um die Ohren.
Ein politisches Monster, das wir selbst geschaffen haben.
Die Untoten der Finanzkrise sind zurück.
Ein fauler Kern, der alles vergiftet.
Hier wird ein Krieg gegen die Wahrheit geführt.»

Wie wahr. Oder ein paar Müsterchen aus dem aktuellen Schaffen. Am 10. Mai «analysierte» Löpfe: «Warum Trump eine Dynastie will».

Zunächst lässt er etwas pseudo-klassische Bildung auf den kopfschüttelnden «Watson»-Leser regnen: «Schon die Römer wussten, dass Ruhm vergänglich ist. «Sic transit gloria mundi», lautet ein bekanntes lateinisches Zitat.» Blöd nur: das wussten die alten Römer nicht, denn der Spruch lässt sich erst bei Papstkrönungen ab dem 15. Jahrhundert belegen. Und da waren die alten Römer nicht mehr alt, sondern schon längst tot.

Macht nix, weiter mit mit den wirklich alten Römern: «Und schon die römischen Imperatoren taten alles, um gegen den Zerfall ihres persönlichen Ruhms anzukämpfen. Caligula beispielsweise liess Tempel nach sich benennen, goldene Statuen von sich in Rom aufstellen und machte – um seine Verachtung der politischen Kaste zu demonstrieren – ein Pferd zum Konsul.»

Auch das enthält Spurenelemente von Wahrheit. Wobei das mit dem Pferd üble Nachrede ist; er soll höchstens damit gedroht haben. Aber macht nix.

Aus der Verlorengegangenheit in die Gegenwart: «Donald Trump singt aus dem gleichen Gesangsbuch.» Man kann über den Mann vieles sagen, aber gesungen hat er noch nie.

Dafür: «Nur wenn es ihm daher gelingt, ein Mitglied aus der eigenen Familie ins Oval Office zu hieven, besteht die Chance, dass sein grandioser Kitsch ihn überleben wird. Mit anderen Worten: Trump braucht eine Dynastie. Zu diesem Schluss kommt auch Edward Luce in der «Financial Times».» Na dann, wenn’s nicht auf Löpfes eigenem Mist gewachsen ist, muss es doch stimmen.

Dieser edlen Absicht stünden aber Aussenminister und Vizepräsident entgegen. Daher würden sie «regelmässig gedemütigt». Zum Beispiel, indem nicht DJ Vance als bekehrter Katholik nach Rom reisen durfte, sondern Marco Rubio. Der ist zwar auch Katholik, aber macht ja nix.

Oder in den Worten Löpfes: «obwohl dieser als Aussenminister und Sicherheitsberater in Personalunion angesichts des Irankrieges wohl dringendere Dinge zu tun hätte. Trump will damit aller Welt zeigen, dass Rubio kein Henry Kissinger ist».

Jetzt kommt, Fanfare und Trommelwirbel, der absolute Liebling von ZACKBUM:

«und – um das noch zu unterstreichen – lässt er ihn viel zu grosse, hässliche Schuhe tragen».

Haben wir gelacht. Rubio muss auf Anordnung von Trump zu grosse und hässliche Schuhe tragen, damit niemand denkt, er habe Ähnlichkeiten mit dem Kriegsverbrecher Kissinger. Dem kann man auch vieles vorwerfen, aber zu grosse und hässliche Schuhe hat er tatsächlich nie getragen.

Nun noch eine zusammenfassende Analyse der Zustände in Trumps Regierung:

«Dabei gehören Vance und Rubio zu den Mitgliedern des Kabinetts, denen man zwar mangelnde Moral, nicht jedoch mangelnde Intelligenz nachsagen kann. Für andere Mitglieder der Regierung trifft dies nicht zu, etwa für Verteidigungsminister Pete Hegseth oder FBI-Direktor Kash Patel. Ihr Wirken ist in einem Mass peinlich, dass in Washington derzeit Wetten laufen, nicht, ob, sondern wann sie – wie bereits die Justizministerin Pam Bondi, die Heimatschutzministerin Kristi Noem und die Arbeitsministerin Lori Chavez-Deremer – gefeuert werden.»

Also, entweder gebricht es den Mitgliedern an Moral – oder an Intelligenz. Oder vielleicht an beidem.

Woran es Löpfe gebricht, nun, da gibt es leider juristische Schranken, die eine Aufzählung verbieten.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-13-um-18.19.56.png 523 1180 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-05-20 05:00:512026-05-18 13:31:51Ach, Löpfe
René Zeyer

Wieso nicht Trump?

12. Oktober 2025/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Nicht nur die «Weltwoche» trägt Trauer. Der arme, gekränkte Narzisst …

Wer verdient eigentlich den Friedensnobelpreis? Geht man nach dem Testament vom Stifter Alfred Nobel, soll ihn derjenige bekommen, der sich in besonderer Weise um den Frieden in der Welt verdient gemacht habe.

Oder wörtlich «die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben […] und die am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere und für die Abhaltung oder Förderung von Friedenskongressen gewirkt haben.»

Da gibt es in der Vergangenheit tatsächlich eine ganze Reihe von Preisträgern, die zumindest sehr fragwürdig sind.

Eine unvollständige Liste:

1973 bekam der Kriegsverbrecher Henry Kissinger zusammen mit dem Nordvietnamesen Le Duc Tho den Nobelpreis für die Beendigung des Vietnamkriegs. Tho lehnte ab, weil der Krieg längst nicht beendet war, Kissinger nahm ungerührt an.

1978 bekamen Menachem Begin und Anwar as-Sadat, 1994 Jitzchak Rabin, Shimon Peres und Jassir Arafat den Preis.

1991 Aung San Suu Kyi, obwohl sie später die Verfolgung der Rohingya-Minderheit tolerierte und verteidigte.

2001 Kofi Annan und die Vereinten Nationen, 2012 die Europäische Union.

2009 Barack Obama, bereits nach wenigen Amtsmonaten, und obwohl er während seiner gesamten Präsidentschaft Kill-Listen unterzeichnete.

Oder wer erinnert sich noch an die Preisträger «Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons» (2013), das «Tunisian National Dialoge Quartet» (2015), an Abi Ahmed Ali (Äthiopien, 2019) oder an Nihon Hidankyo (Japan, 2024).

Der Preis wurde also schon an Unwürdige, präventiv und an Organisationen verliehen, deren Beitrag zur Friedenssicherung zumindest umstritten ist.

Nun ist María Machado unbezweifelbar eine sehr mutige Frau, und es ist zu hoffen, dass der Friedensnobelpreis ihre Chance steigert, die nächste Zeit zu überleben.

Allerdings hat sie sich nun wohl nicht für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung stehender Heere oder für das Abhalten von Friedenskonferenzen stark gemacht. Sondern sie führt die Opposition gegen einen korrupten und unfähigen Diktator an.

Donald («es kann nur einen geben, alle sagen das») Trump hingegen hat nur in seiner Parallelwelt sieben Kriege beendet. Und ob es ihm gelingt, das Massaker und die Kriegsverbrechen der israelischen Armee im Gazastreifen zu beenden, muss man erst noch sehen.

Allerdings ist es unbestreitbar, dass auf seinen Druck hin deutliche Fortschritte erzielt wurden. Ob das in einem «ewigen» Frieden für «die nächsten 3000 Jahre» enden wird, nun ja. Eher nicht.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/10/Bildschirmfoto-2025-10-11-um-14.06.28.png 490 839 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-10-12 05:00:172025-10-12 09:15:02Wieso nicht Trump?
René Zeyer

Deutliche Fallhöhe

14. Dezember 2024/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Auch der NZZ-Chefredaktor greift zum Griffel. Da wird’s peinlich.

Aber nicht für Eric Gujer. Während sich seine Kollegin Raphaela Birrer quengelig und widersprüchlich in Kleinklein verliert, zeichnet God Almighty der NZZ mal wieder die ganz grossen Bögen.

Schon die Illustration, eine animierte Erdkugel mit Bildstörung, ist nicht schlecht. Denn Gujer versucht mit seinem »anderen Blick», den ganz grossen Überblick im Durcheinandertal zu behalten, wie das Dürrenmatt nannte:

«Die grosse Weltunordnung: Kriege und Chaos sind die neue Normalität. Worauf müssen wir uns noch einstellen?»

Für das Haus der ordnungspolitischen Zwischenrufe ist der Zustand der Welt ein desolater: «Die Welt ist ein Kartenhaus. … Solche Zäsuren sind die Signatur unserer Epoche: der überstürzte Abzug der Amerikaner aus Kabul, der russische Überfall auf die Ukraine, die sadistische Orgie der Hamas. Über Nacht werden neue, meist blutige Fakten geschaffen.»

Da gab es die Nachkriegszeit von 1945 bis 2022. Kalter Krieg, Zusammenbruch des sozialistischen Lagers, Pax Americana. Vorbei: «Wer bereit ist, maximale Gewalt anzuwenden, wer bereit ist, dafür notfalls auch einen hohen Preis zu zahlen, der kann viel Macht an sich reissen.»

Knallhart analysiert Gujer Russlands Stärke, vielmehr Schwäche: «Sie ist gross genug, um ein wehrloses Nachbarland zu überfallen. Aber sie genügt nicht für einen überlegenen Gegner oder einen weiter entfernten Schauplatz. So erscheinen die Warnungen, Putin werde sich nach der Ukraine dem Baltikum zuwenden, als masslos übertrieben.»

Noch ein hübscher Satz: «Putin ist ein Meister darin, grösser zu erscheinen, als er ist.» Das ist ziemlich bösartig, denn bekanntlich ist Putin auch körperlich nicht gerade grossgewachsen.

Aber auch die USA wirkten inzwischen häufig hilflos. Sie konnten Israel nicht im Zaum halten, sie wagen es nicht, massiv gegen die Mullahs in Teheran vorzugehen. Schlussfolgerung: es gebe heute «keine globale Ordnung» mehr: «Alle Machtverhältnisse sind flüchtig; es herrscht Weltunordnung.»

Soweit kann man Gujer kritiklos folgen. Dann aber setzt er zu einem Loblied auf Israel an. Seine Verbündeten hätten unablässig vor einer Eskalation gewarnt, aber: «Hätten sie sich durchgesetzt, hätte Israel keines seiner Kriegsziele erreicht. Ohne Risikobereitschaft werden keine Konflikte gewonnen. Die Warnung vor einer Eskalation indes verkommt zur Ausrede für westliche Untätigkeit.»

Die ununterbrochene Reihe von Kriegsverbrechen, die Israel begeht (wie andere Akteure im Nahen Osten auch), dass der sogenannte Wertewesten sich nur dann als moralisch überlegen aufspielen dürfte, wenn er es auch wäre – das verliert Gujer doch recht massiv aus dem Blick.

Stattdessen setzt er zum Lob des skrupellos Handelnden an: «Damit sich die Lage verbessert, muss man aktiv etwas dafür tun und auch bereit sein, Risiken einzugehen. Wer nur abwartet, gewinnt nichts.
Die USA haben im Nahen Osten zu lange zugeschaut. Das genügt nicht. Die Europäer wiederum vertrauen darauf, dass der grosse amerikanische Bruder mit Moskau eine Lösung für die Ukraine aushandelt. Das genügt erst recht nicht. Eine stabile Ordnung stellt sich nicht von alleine ein.»

Nun traut sich aber Gujer nicht, konkreter zu werden, was denn aktiv getan werden müsse. Militärisches Eingreifen in den Nachbarländern ohne Kriegserklärung? Bombardieren von ausgewählten Zielen in Grossstädten ohne Rücksicht auf Kollateralschäden? Ist das nicht ganz furchtbar, wenn es Russland in der Ukraine tut? Ist es dann vertretbar, wenn es Israel im Libanon und in Syrien tut?

Oder könnte man sich nicht darauf einigen, dass reine Machtpolitik immer amoralisch ist, schmutzig und skrupellos? So wie sie der Nobelpreisträger und Kriegsverbrecher Henry Kissinger mit offenem Zynismus betrieb. Das wäre dann den «anderen Blick» zu Ende gedacht. Was Dürrenmatt konnte, wovor Gujer zurückschreckt.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/12/Bildschirmfoto-2024-12-13-um-09.21.05.png 494 899 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-12-14 05:30:422024-12-13 09:45:04Deutliche Fallhöhe
René Zeyer

Und die Kommunisten?

20. Juli 2024/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Geschichtsschmiere und verklebter Blick auf die Gegenwart in der NZZ.

«Der 20. Juli sollte zum Feiertag werden», fordert Ulrich Schlie im Organ der gepflegten Denke und des kenntnisreichen Diskurses. Schön wär’s. Leider ist diese Suada ein überzähliger Beweis dafür, dass Geschichte nicht einfach vergangen ist. Sondern immer und immer wieder umgeschrieben, umgedeutet, durch ideologische Brillen gesehen wird. Viel berechtigter wäre die Ernennung des 8. November 1939 zum Feiertag. Aber ob Schlie der Name Georg Elser ein Begriff ist?

Schlie benützt den üblen Taschenspielertrick,  Parallelen zur Gegenwart zu ziehen, indem er in die Vergangenheit etwas hineinprojiziert, um dann Heureka zu sagen: ich hab’s in der Geschichte gefunden. Selten ist es aber so niveaulos, oberflächlich, einseitig wie bei ihm. «Das ukrainische Volk kämpft gegen den Wahnsinn der russischen Invasoren.» Das ist mal ein Satz. Was hat der nun mit dem schmählich gescheiterten Attentat einer Militärkamarilla um den überzeugten Nazi Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler zu tun? Gemeinsam sei beiden Ereignissen die Antwort auf die Frage «Wer hält stand?», die Dietrich Bonhoeffer stellte.

Für diesen Missbrauch eines historischen Zitats sollte man dem Historiker Schlie die Schulterklappen herunterreissen. Aber eigentlich ist er genügend gezeichnet, denn er sei «Henry-Kissinger-Professor für Sicherheit- und Strategieforschung an der Universität Bonn». Wer einen Lehrstuhl bekleidet, der nach einem Kriegsverbrecher benannt ist, was ist von dem schon zu erwarten.

Reine Geschichtsschmiere. Schlie lobhudelt den späten Versuch des Nazimilitärs, Hitler loszuwerden. Als längst klar war, dass Deutschland den Krieg verlieren würde und die Alliierten mit dem Gröfaz nur über eine vollständige Kapitulation verhandeln würden. Wieso also nicht ihn beiseite räumen, um dann zusammen mit den Westalliierten nochmals auf die UdSSR losgehen? Das war der feuchte Traum der Wehrmacht; von Stauffenberg hatte während seines Einsatzes im Osten genügend Erfahrung mit den bolschewistischen Untermenschen gesammelt, während des Vernichtungsfeldzugs, an dem er klaglos teilnahm. Und nicht nur Churchill fragte sich nach dem Zweiten Weltkrieg, ob man nicht «das falsche Schwein geschlachtet» habe.

Schlie sieht das ganz anders, das seien alles nur «Klischees»: «Dazu zählt vor allem auch die Auffassung, Stauffenberg und seine Freunde hätten sich nur zum Äussersten entschlossen, weil die militärisch kaum noch abzuwendende Niederlage nur durch einen Regimewechsel hätte verhindert werden können, und ihr massgebliches Motiv sei «das kollektive Eigeninteresse der alten Eliten» gewesen, wie es der Historiker Peter Longerich formulierte.»

Allerdings fällt Schlie nun keine Erwiderung auf diese korrekte Feststellung ein, die nicht nur ein einziger Historiker formuliert, sondern die weitgehend Konsens  ist. Aber was heisst auch schon Konsens. In Deutschland gab und gibt es immer wieder Historiker, die Hitlers Überfall auf die Sowjetunion zu einem durch Stalin provozierten Präventivschlag umlügen. Sie werden immer wieder in die Schranken gewiesen, kriechen aber immer wieder aus ihren Löchern.

Schlie macht nun noch einen weiteren Ausflug in die Gegenwart, der völlig zusammenhangslos aufpoppt: «Vieles von dem, was wir zu den Bedingungen des Widerstands gegen Hitler in den Zeiten der deutschen Diktatur analysiert haben, kann im heutigen Russland beobachtet werden.» Hä? Was will uns das dunkle Historikerwort sagen? «Der Einsatz des Einzelnen, die Frage, wie man standhält und nicht untergeht, ist heute so aktuell wie damals.»

Das mag so sein. Aber gerade von einem Historiker kann man auch bei einer Feier zum missglückten Attentat doch erwarten, dass er wenigstens ein Wort über den Widerstand verliert, der am massivsten war, der die meisten Opfer gebracht hat: den Widerstand der Kommunisten in Deutschland. Sie füllten neben den Juden die Konzentrationslager.

Wilhelm Knöchel, Willi Seng, die Herbert-Baum-Gruppe, die Uhrig-Römer-Gruppe, die Schulze-Boysen-Gruppe, die Widerstandgruppe Lechleiter, der Hitler-Attentäter Georg Elser, diese tapferen Kämpfer und so viele namenlose Antifaschisten, die ihr Leben liessen, das sind die wahren Helden des Widerstands gegen Hitler.

Die haben dem Wort von Bonhoeffer nachgelebt, selbst im Wissen um die Vergeblichkeit, die Alfred Andersch in seinem Roman «Sansibar oder der letzte Grund» beschrieben hat.

Aber das passt nicht ins ideologische Raster von Schlie, so wie ganz allgemein ungern erwähnt wird, dass die Sowjetunion mit Abstand den grössten Blutzoll bei der Befreiung Europas vom Hitlerfaschismus geleistet hat. Immer wieder werden dabei Gräueltaten beklagt, die die Rote Armee bei ihrem Vormarsch gegen Westen beging. Was diese Soldaten allerdings zuvor sehen mussten, als sie zuerst die Sowjetunion von den deutschen Barbaren befreiten, welches Leid, welche Zerstörung, welche namenlosen Verbrechen sie ertragen mussten (neben den Ungarn und den Österreichern waren nebenbei die Ukrainer um den Kriegsverbrecher und Antisemiten und heute noch umjubelten Stepan Bandera die fleissigsten Helfershelfer der Nazis), das wird gerne unterschlagen.

Wenn man Geschichte à la Schlie betrachtet, dann lernt man nichts daraus. Im Gegenteil, eine solche Verfälschung, eine solche Klitterung, eine solche Schmiere verklebt den Blick auf die Gegenwart. Schlie, das ist Geschichtsschreibung à la Hollywood, wo Tom Cruise, der Scientologe, einen heldenhaften Stauffenberg spielte, eine Karikatur der Karikatur.

Ein weiterer Beweis, dass auch bei der NZZ die Qualitätskontrolle schwere Lücken aufweist.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/07/Bildschirmfoto-2024-07-19-um-08.48.06.png 311 691 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-07-20 05:00:042024-07-20 15:20:15Und die Kommunisten?
René Zeyer

Wumms: Peter Rásonyi

21. Mai 2024/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der NZZ-Auslandchef als Besserwisser.

Der Internationale Strafgerichtshof in den Haag hat einen schweren Fehler gemacht. Er hat sich den Unwillen von Rásonyi zugezogen. Denn der richtet höchstamtlich: «Die Haftbefehle gegen israelische Regierungsmitglieder sind überheblich. Der Internationale Strafgerichtshof ignoriert die politischen Realitäten.»

Das ist zwar nicht justiziabel, aber nur deswegen, weil Dummheit nicht strafbar ist.

Die tropft aus ziemlich jeder Zeile dieses Kommentars, beim Titel angefangen: «Der ICC greift auf kontraproduktive Weise in den Nahostkonflikt ein». Wie äussert sich die? Die Juristen am Strafgerichtshof «pochen auf ihre institutionelle Unabhängigkeit, ihr juristisches Mandat und die Allgemeingültigkeit des internationalen Rechts. Das ist ein Fehler».

Diesen Satz muss man wirklich abschmecken. Die Juristen eines internationalen Strafgerichtshofs bestehen darauf, unabhängig zu sein? Ja hoffentlich, was denn sonst? Sie haben ein juristisches Mandat? Ja hoffentlich, was denn sonst? Und sie bestehen auf der Allgemeingültigkeit des internationalen Rechts? Ja hoffentlich, was denn sonst?

Das sei «ein Fehler»? Nein, der Fehler ist, dass so jemand Auslandchef bei der NZZ ist. Seine Schlussfolgerung besteht dann aus juristischen Gründen nicht Qualifizierbarem: «Die Leidtragenden werden die Menschen in Gaza sein, welche das Gericht eigentlich schützen will. Unsinniger kann sich eine internationale Organisation kaum verhalten.»

Die wirklich Leidtragenden sind die Leser der NZZ, die einmal mehr zur Kenntnis nehmen müssen, dass neben geistig Hochstehendem auch ein Sandkastengeneral mit notorisch falschen Prognosen und gelegentlich ein Auslandchef auf bedenklich niedrigem intellektuellem und moralischem Niveau schreibt. Leider das Privileg ausnützend, dass sich ja keiner traut, ihm Einhalt zu gebieten.

Nachdem er den ganzen Kommentar hindurch nur gegen die angebliche Unsinnigkeit eines Haftbefehls gegen die mutmasslichen israelischen Kriegsverbrecher gewettert hat, fällt ihm so in einem Nebensatz noch ein: «Mit Haftbefehlen gegen Netanyahu, Gallant und die Hamas-Schergen wird der ICC viel Aufsehen erregen, aber seine juristischen Ziele verfehlen, denn die Auslieferung dieser Personen ist völlig unrealistisch.»

Das ist ungefähr so intelligent wie die Behauptung, der Erlass eines Strafbefehls gegen einen flüchtigen Verbrecher verfehle seine «juristischen Ziele», wenn der sich ins auslieferungsfreie Ausland abgesetzt hat. Nach der Absurd-Logik von Rásonyi sollte die Justiz besser darauf verzichten.

Dass weder Israel, noch die USA (und auch nicht Russland) die Zuständigkeit des ICC anerkennen, muss nicht als angeblich realpolitische Tatsache hingenommen werden, sondern als das bezeichnet, was es ist: ein Skandal. Nur dank dieser Abstinenz musste ein Kriegsverbrecher wie Henry Kissinger nie befürchten, für sein Handeln haftbar gemacht zu werden. Das ist eine Schande, nichts, was man einfach so hinnehmen sollte.

Für einmal, so tief ist die NZZ gesunken, trocknet Tamedia die alte Tante ab, indem hier die richtige Meinung vertreten wird. Der Medienkonzern leiht sich zwar seinen Kommentar von der «Süddeutschen», aber den Überlegungen von Ronen Steinke merkt man an, dass der Autor im Völkerstrafrecht promoviert hat. Und deshalb zum klaren Urteil gelangt: «Diese Anklage ist richtig».

Steinke begründet das sachlogisch korrekt: «Das humanitäre Völkerrecht mit seinem zentralen Appell, Zivilisten zu schonen, bindet alle Seiten in einem Krieg, oder es ist wertlos. Es geht dem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs erkennbar nicht um die Tatsache, dass Israel sich verteidigen muss. Sondern allein um die Art und Weise, wie es dies tut.»

Denn selbst diese banale Tatsache ist Rásonyi nicht geläufig: ein Kriegsverbrechen ist ein Kriegsverbrechen. Egal, aus welchen Motiven oder in welchen Zusammenhängen es verübt wird. Egal, ob es von fundamentalistischen Wahnsinnigen oder einem Regierungschef, der nicht in den Knast will, begangen wird. Egal, ob es von einer Organisation fundamentalistischer Irrer verbrochen wird, die ihr Verständnis von Demokratie damit beweisen, dass sie gewählte Volksvertreter von Dächern stürzen. Oder ob es von Vertretern eines demokratischen Staates verbrochen wird, die aus egoistischen Gründen die eigene Verfassung umbiegen wollten. So liegen sich Rásonyi und Markus Somm («die Isrealis sind die Guten») in den Armen. Was für ein trauriges Paar.

Natürlich muss der Strafgerichtshof beiden mutmasslichen Verbrechen nachgehen, wenn er genügend Indizien und Anhaltspunkte für einen Haftbefehl sieht.

Das ist ein Lichtblick. Was manchmal in der NZZ erscheint, ist eine Schande.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-05-21 05:30:252024-05-21 00:16:58Wumms: Peter Rásonyi
René Zeyer

Wumms: Christof Münger

21. Februar 2023/11 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Gestatten, Münger, militärischer Logiker.

Jetzt hat sich auch noch der Ausland-Chef ohne Ausland von Tamedia zu Wort gemeldet. Christof Münger diagnostiziert knüppelhart:

«Dessen ungeachtet wird im Westen der Ruf nach Verhandlungen wieder lauter. Erhoben wird er vor allem von Putin-Apologeten, beispielsweise von der radikal linken deutschen Abgeordneten Sahra Wagenknecht oder dem radikal rechten Schweizer Nationalrat Roger Köppel – Antiamerikanismus verbindet. Wenn jedoch Exponenten der politischen Pole unisono Verhandlungen mit dem russischen Machthaber fordern, leuchtet die Alarmlampe auf.»

Man kann für Münger nur hoffen, dass er sich nicht ganz im Klaren darüber ist, was das Fremdwort Apologet eigentlich bedeutet. Dann schaltet er die Alarmlampe ab und konstatiert: «Dabei ist es so, dass die meisten Kriege irgendwann am Verhandlungstisch enden.»

Aber ein doppelter Rittberger ist ihm nicht genug, er legt noch eine Schraube drauf: «Ob und wann dieses Leid zu gross ist, entscheidet jedoch Kiew und nicht irgendeine Politikerin oder ein Strategieexperte im Westen, selbst wenn er Henry Kissinger heisst.»

Das wiederum entscheidet Münger, weil er Münger heisst. Da leider ohne weitere biografischen Angaben oder Eintrag in Wikipedia, weiss man nicht, ob der Mann überhaupt gedient hat und wenn ja, in welchem Rang.

Interessant, wie sich Münger diese «Apologeten» zurechtschnitt. Dass auch der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas (der mit der Hasenscharte, wie Kläffer Rafi bemerkte) für Verhandlungen ist, lässt Münger weg, ebenso wie die Mitinitiatorin des Friedensmanifests Alice Schwarzer.

Dieses Leid der Ukrainer wird aber in erster Linie durch westliche Rüstungslieferungen verlängert; sollten die Hauptlieferanten USA, England und Deutschland beschliessen, sie einzuschränken, entscheiden sie, nicht Kiew.

Der US-Präsident Biden habe dabei Grossartiges geleistet, aber obwohl doch Kiew die alleinige Entscheidungsgewalt haben soll, meckert Münger: «Die ukrainischen Streitkräfte dürfen den Krieg nur auf eigenem Territorium führen, strategisch korrekt sozusagen. Das widerspricht der militärischen Logik: Die angemessene Reaktion wäre, jenseits der eigenen Grenzen die Nachschublinien, Munitionsdepots und Treibstofflager des Aggressors zu bombardieren.»

Was dann möglicherweise nahtlos in einen Dritten Weltkrieg münden könnte, aber diese militärische Logik ist dem Spielzeuggeneral Münger offenbar nicht geläufig. Dafür hat er noch einen guten Ratschlag für die Schweiz zur Hand:

«Auch was die humanitäre Hilfe, die grosszügige Aufnahme von Flüchtlingen und den milliardenteuren Wiederaufbau betrifft, sollte sich die Schweiz grosszügig zeigen. Sonst zählt auch sie früher oder später zu den Verlierern dieses Kriegs.»

Die Schweiz als Verliererin des Ukrainekriegs, auf diese Idee muss man erst mal kommen. Das tut man, wenn man eigentlich als Ressortleiter nicht viel mehr zu tun hat, als die ß und andere Germanismen aus den Texten zu pulen. Das engt irgendwie das Blickfeld ein.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-02-21 06:00:402023-02-20 11:20:25Wumms: Christof Münger
René Zeyer

Kleinintellektueller am Werk

17. Februar 2023/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Stephan Israel vergreift sich an Grösserem.

Wenn ein Sesselfurzer aus dem Hause Tamedia sich mit den grossen Dingen beschäftigt, so Liga Krieg und Frieden, dann kann nur Kleingehacktes herauskommen.

Einer der letzten überlebenden Korrespondenten des einstmals dem Journalismus verpflichteten Konzerns hebt an: «Wer ist schon gegen Frieden, wer hätte nicht lieber Verhandlungen als noch mehr Krieg?»

Genau, selbst die grössten Kriegsgurgeln behaupten, mit ihrer Kriegsrhetorik wollten sie nichts anderes als ein bisschen Frieden. Aber natürlich kommt es darauf an, ob man den gestrengen Israel-Test besteht, also richtig für den Frieden ist.

Da fällt schon mal der «deutsche Grossintellektuelle Jürgen Habermas» durch. Er ist allerdings in guter, schlechter Gesellschaft: «Die Alt-Feministin Alice Schwarzer und die Linkenpolitikerin Sahra Wagenknecht sammeln innert kurzer Zeit eine halbe Million Unterschriften unter ihr «Manifest für den Frieden».»

Grossintellektueller, Alt-Feministin, Linkenpolitikerin. Ist dann Bärfuss ein Kleinintellektueller für Israel, Schutzbach eine Jung-Feministin und Silberschmidt ein Rechtenpolitiker?

Wie auch immer, was bewirken denn diese Friedenstauben? «Im Kreml kann sich der mutmassliche Kriegsverbrecherpräsident freuen.» Immerhin quetscht Israel, wohl aus Furcht vor dem langen Arm des FSB, noch ein «mutmasslich» vor den Kriegsverbrecher. Das sind allerdings auch so Lichtgestalten wie Barak Obama (Friedensnobelpreis mit «Kill List») oder Henry Kissinger (Friedensnobelpreisträger mit blutigen Händen).

Was bewirken denn diese Diversanten, wie Israel sie nennen würde, wenn er dieses Wort kennte? «Die Kakofonie in den Talkshows und Feuilletons lenkt davon ab, dass die russischen Streitkräfte gerade eine massive neue Grossoffensive vorbereiten.»

Man stelle sich nur vor, da zupfen Putin-Erfreuer die Friedensschalmei, während der Iwan eine Offensive plant. Statt wie Israel mutig in den Schützengraben zu springen und «Helm auf!» zu rufen. Stattdessen ist er aber leicht verwirrt: «Was die Intellektuellen und Nationalpazifisten genau verhandeln wollen, bleibt ohnehin nebulös.»

Nationalpazifisten? Das ist wenigsten originell, hört sich auch zum Verwechseln ähnlich wie Nationalsozialisten an. Allerdings könnte dem im Nebel stehenden Schwätzer ein Blick ins Manifest für den Frieden helfen. Dort herrscht kein Nebel. Hier wird der höchste Militär der USA zitiert, dass in der Ukraine eine militärische Pattsituation existiere, die nur durch Verhandlungen gelöst werden könne. Dem hätte der Sandkastengeneral Israel wegen Defätismus längst die Schulterklappen abgerissen.

Dann wird überhaupt nicht nebulös geendet:

«Wir fordern den Bundeskanzler auf, die Eskalation der Waffenlieferungen zu stoppen. Jetzt! Er sollte sich auf deutscher wie europäischer Ebene an die Spitze einer starken Allianz für einen Waffenstillstand und für Friedensverhandlungen setzen. Jetzt! Denn jeder verlorene Tag kostet bis zu 1.000 weitere Menschenleben – und bringt uns einem 3. Weltkrieg näher.»

Aber so weit hat Israel wohl nicht gelesen, weil er schon rot sah. Der «Grossintellektuelle» kriegt dann im Vorbeilaufen auch noch sein Fett ab: «Jürgen Habermas setzt auf einen für beide Seiten «gesichtswahrenden Kompromiss»».  Was für ein Dummkopf, nicht nur Israel weiss doch, dass bei einem Kompromiss immer eine Seite das Gesicht verlieren muss, logo.

Israel ist dafür aber Meister der Geschichtsklitterung, wenn er schreibt, «im Donbass hätte man zudem beobachten können, was ein Frieden für die Bevölkerung unter russischer Besatzung bedeutet, nämlich Deportation, Folter und Vergewaltigungen». Was dort die russischsprachige Bevölkerung zuvor von ukrainischer Seite erleiden musste, Schwamm drüber.

Aber im wilden Geturne und Gekurve mit partieller Wahrnehmung historischer Ereignisse trägt es Israel dann völlig aus der Bahn: «Die Sowjetunion wird da schnell mal mit Russland gleichgesetzt. Dabei geht vergessen, dass unter den Sowjetrepubliken die Ukraine Schauplatz der schlimmsten Kriegsverbrechen von Wehrmacht und Waffen-SS war.»

Dabei geht Israel vergessen, dass im Westen der Ukraine heute noch der Nazi-Kollaborateur und Kriegsverbrecher Bandera mit Denkmälern gefeiert wird, denn wie kaum woanders haben Teile der Bevölkerung die Nazis bei ihren Kriegsverbrechen so sehr unterstützt wie in der Ukraine. Die dann von der Roten Armee in verlustreichen Kämpfen von den Faschisten befreit werden musste, was vielen Ukrainern heute noch unangenehm ist.

Nach diesem wilden Ritt durch Kannitverstan lobhudelt Israel sich selbst: «Es gäbe also für Intellektuelle auch gute Gründe, entschlossen an der Seite der Ukraine zu stehen und zögerliche Regierungen an ihre Beistandspflicht zu erinnern.» Das kann man im Rahmen der Meinungsfreiheit durchaus sagen. Denn man soll niemandem im Weg stehen, wenn er sich öffentlich zum Deppen machen will.

Israel tut das zum Schluss mit Anlauf und Energie: «Wie würden wir heute rückblickend einen Appell renommierter und bekannter Persönlichkeiten im Sommer 1940 an den britischen Premier Winston Churchill bewerten, doch bitte in Verhandlungen mit Adolf Hitler einzutreten?»

Am 3. September 1939 hatten Frankreich und England dem deutschen Nazi-Reich den Krieg erklärt. Nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen. Weder zu diesem Zeitpunkt noch danach wären «Persönlichkeiten» auf die Idee gekommen, Churchill um Verhandlungen mit Hitler zu bitten. Welch absurder Vergleich.

Welch hilfreicher Vergleich. Denn er zeigt überdeutlich den Niveau-Unterschied zwischen einem Habermas, einer Schwarzer, einer Wagenknecht und der halben Million Unterzeichner des Manifests – und Israel.

Wie schreibt er so schön vor diesem Bauchklatscher am Schluss: «Etwas Polemik sei deshalb hier auch erlaubt.» Ganz richtig: was für ein arroganter, ungebildeter, historisch unbewanderter Kriegskläffer, der gerne zusieht, wie noch Hunderttausende von Ukrainern sterben werden. Wenn es nach ihm ginge. Glücklicherweise tut es das aber nicht.

Die überwältigende Mehrzahl hat nicht deswegen Recht, weil es so viele sind. Aber vielleicht könnte Israel etwas zu denken geben, dass die «Nationalpazifisten» etwas mehr Zuspruch erhalten als ein «Gegenmanifest», das bei krümeligen 100+ Unterschriften steht:

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/09/Frieden.jpeg 372 536 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-02-17 05:00:172023-02-16 21:55:33Kleinintellektueller am Werk
René Zeyer

Schuss nach hinten

9. September 2022/11 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wir wollten uns an der «Weltwoche» laben. Aber …

Manchmal sagt ein Titelbild mehr als tausend Worte:

Ein auch schon von ZACKBUM verwendetes Symbolbild; da fehlt nur noch die Hand des WeWo-Redaktors, der den Revolver abfeuert. Aber der Reihe nach. Zunächst: Die WeWo behauptet, das sei eine «Illustration von Wieslaw Smetek für die Weltwoche». Vielleicht müsste sie mal ein ernstes Wörtchen in Sachen copy/paste mit ihm reden, denn dieses Symbolbild geistert in x Varianten durchs Internet:

Zuerst, wir sind unparteiisch, streng, aber gerecht, müssen wir Roger Köppel loben. Er schreibt nicht über Religion in seinem Editorial. Sondern über Churchill, die Geschichte und überhaupt. Ach, und als SVP-Nationalrat gegen den FDP-Parteichef Thierry Burkart. Wobei Köppels politisches Amt natürlich überhaupt nichts mit seiner Position als Journalist zu tun hat.

Aber es sei ihm diesmal alles verziehen, denn dieses Bonmot von Henry Kissinger, dem alten Kriegsverbrecher und Friedensnobelpreisträger, kannten wir nicht:

«Um sich einer Sache absolut sicher zu sein, muss man entweder alles darüber wissen oder nichts.»

Wenn sich das die WeWo doch nur auch öfter zu Herzen nähme.

Allerdings hat Köppel ja ein neues Steckenpferd, und das müssen nun seine Untergebenen zu Schanden reiten. Also echot Beat Gygi in der Titelgeschichte brav: «Besonders in der Gasversorgung wird klar, dass die Russland-Sanktionen das Dümmste sind, was Europa machen konnte.» Die steile These: Russland merke gar nicht viel von den Sanktionen, dagegen habe sich «Europa nicht nur eine selbstverschuldete Energiekrise eingebrockt. Man unternimmt nun alles, um bei deren Bewältigung die Marktkräfte auszuschalten …»

Das ist in etwa so blühender Unsinn, wie Putin als den «Missverstandenen» aufs Cover zu heben, als er gerade in die Ukraine einmarschieren lässt, oder der UBS zu ihrer Krisenbewältigung zu gratulieren, als sie gerade wieder angekrochen kam und um Staatshilfe betteln musste. Nun geht’s also um die steile These, dass die Sanktionen dumm seien. Kontraproduktiv. Ein Schuss ins eigene Knie. Falsch, Unsinnig.

Es herrscht (noch) Meinungsfreiheit in der Schweiz, daher sei diese Meinung unbenommen. Nur ist ist fragwürdig, weil zu ihrer Stützung die Auswirkungen in Europa dunkelschwarz, in Russland blendend weiss gemalt werden. Sicherlich hühnert das politische Personal in der EU (und in der Schweiz) aufgeregt gackernd herum. Aber die versammelte Wirtschaftskraft wird diese Krise mehr oder minder problemlos stemmen. Russland hingegen siecht merklich, zunehmend dahin. Denn es ist heutzutage halt so, dass nur ein winziger Chip fehlen muss, und eine Riesenmaschine, ein Kampfflieger, die ganze Aeroflot, Produktionsstrassen und Massenprodukte fallen flach.

Die Zerstörung der Beziehungen zwischen Russland und Europa wird mittelfristig der Atommacht mit angeschlossener Rohstoffproduktion viel mehr schaden als dem energiehungrigen Westen. Russland könne «Lieferbeziehungen in den Osten, etwa nach China aufbauen», fantasiert Gygi. Vielleicht sollte er sich einmal schlau machen, wie lange der Aufbau der dafür nötigen Infrastruktur dauert. Ausserdem: für Russland wäre es viel besser, über Wirtschaftsbeziehungen mit dem liberalen und marktwirtschaftlichen Westen verbandelt zu sein – als in Abhängigkeit vom rabiat-egoistischen chinesischen Regime zu geraten.

Auch der Schlusssatz des Auftragsartikels zeugt nicht gerade von tiefer Durchdringung der Materie; der Staat nehme dem Stromriesen Axpo «mit Milliarden  Strompreisrisiken ab». Na und, kann man da nur sagen, das Geld wird wie bei UBS wieder zurückkommen.

Und sonst? Mörgeli wandert in den Fussspuren von ZACKBUM und faltet den Konzernjournalisten Philipp Loser zusammen. Wolfgang Koydl jubiliert, dass die Demonstration in Prag ein «Vorbote für einen heissen Herbst in Europa» sei. Alles so schrecklich erwartbar.

Dann reitet ein weiteres Steckenpferd Köppels durchs Blatt. Niemand sonst will noch etwas vom Münchhausen-Imitator Tom Kummer veröffentlichen – oder lesen. Auch die WeWo beendete schon mal die Zusammenarbeit. Aber Köppel muss eine verborgene Ader als Sozialarbeiter haben. Vielleicht ist er eben doch ein Gutmensch, der versteht und verzeiht, Gefallenen die Hand reicht, seinen Mantel teilt wie weiland St. Martin auf der alten Hunderternote. Auf jeden Fall darf Kummer wieder mal «basierend auf wahren Begebenheiten» irgendwas über irgendwen schreiben. ZACKBUM ist nicht weiter als bis zur Autorenzeile gekommen. Und zweifelt seither, ob es Irène Kälin wirklich gibt. Ob sie sich mit Kummer getroffen hat. Und ob es ihn wirklich gibt. Drei wertvolle WeWo-Seiten verschwendet, wie schade.

Dann ist natürlich die SP und die ehemalige CVP für das «Schlamassel in der Stromversorgung verantwortlich». Schweden wird zum «gefährlichsten Land des Kontinents», wegen «Bandenmorden». Das wird aber diverse südöstliche Staaten Europas ungemein freuen, dass sie angeblich von Schweden überholt wurden.

Dann interviewt Pierre Heumann ausgerechnet John Bolton über das Vermächtnis von Gorbatschow. Bolton ist der Flachdenker, der zuerst allen politischen Schwachsinns Trumps durch alle Böden verteidigte, dann dennoch von ihm gefeuert wurde und auf dem Absatz kehrt machte und seinen ehemaligen Herrn und Meister in allen Tonlagen beschimpfte. Das hat Gorbi nun wirklich nicht verdient.

Überraschend wird Liz Truss zur «richtigen Frau zur richtigen Zeit» ernannt. Bei der Trefferquote der WeWo bei solchen Prognosen dürfte sie eine eher kurze Karriere vor sich haben.

Und schon kann man wieder im Feuilleton durchatmen, um «Leben heute» zu überblättern. Also Hand aufs Herz, im Reich der blinden Kolumnisten der Mainstream-Medien sind die Einäugigen Könige. Aber im Ernst, Huisseling, Reichlin, Burchill, Schnapp als Gourmet-Autotester und schliesslich Häfliger als «wer war wo und wollte warum gesehen werden»-Kolporteur, von David Schärer oder Dania Schiftan (diesmal über Analsex, den angeblich eine Frau will, während es ihn «davor graust»), plus das schon vor 30 Jahren angestaubte «indiskrete Interview»: da entwicklen sich ganze neun Seiten der WeWo doch zu verwehten Wanderdünen, in denen abgehalfterte, leergeschriebene und ausgebrannte Nulpen nicht mal anständig eine Locke auf einer Glatze drehen können.

Auch schade.

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/02/WeWo1.jpeg 588 645 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-09-09 05:30:362022-09-08 21:53:52Schuss nach hinten
René Zeyer

Wumms: Markus Somm

31. Mai 2022/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Damit verabschieden wir uns von der Berichterstattung über den verpeilten Historiker.

Das Blatt, von dem er Chefredaktor ist, lesen im Schnitt 4000 Nasen. Oder haben’s zumindest abonniert. Höchstwahrscheinlich aus Mitleid. ZACKBUM hat mehr Leser …

Aber Markus Somm darf weiterhin in der «SonntagsZeitung» unter Beweis stellen, dass er sich nicht nur bis heute für seine linke Vergangenheit schämt, sondern der Meister der schrägen Geschichtsvergleiche ist.

Neuster Streich: «Wer sich aber gleicht, ist Kissinger & Co. und Neville Chamberlain, der glücklose britische Premierminister, der in den 1930-Jahren die Politik des Appeasements erfand.» Da sei dem Brachialvergewaltiger historischer Fakten doch einfach die Lektüre von «München» empfohlen. Das sehr genaue Werk von Robert Harris wurde auch verfilmt, da versteht man dann die Zusammenhänge noch besser.

Womit hat sich denn der uralte Henry Kissinger diesen Vergleich eingehandelt? Er empfahl am WEF, realpolitisch zu werden und die Annektion der Krim sowie des Donbass plus die Neutralität der Ukraine zu akzeptieren.

Oder in der Version von Somm: «Kurz, Herr Selenski, geben Sie endlich auf», sei der Ratschlag dieser Appeaser. Wahrscheinlich mag Somm den grossen deutschen Stückeschreiber Bertolt Brecht auch nicht besonders. Aber ein Zitat zum Thema des grossen Dialektikers könnte er sich hinter die Ohren schreiben:

«Das grosse Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.»

König Pyrrhos I soll 279 v.u.Z. nach einer Schlacht gesagt haben: «Noch so einen Sieg über die Römer, dann sind wir vollständig verloren.» Vielleicht hätte hier ein guter Rastschlag auch Schlimmeres verhindern können.

Aber der Vorteil eines Historikers ist ein doppelter. Er kann beliebig mit den historischen Fakten spielen. Und er ist in keiner Form für seine Ratschläge verantwortlich zu machen. Allerdings: Irgendwann wird’s dann einfach zu blöd.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-05-31 06:00:242022-05-31 07:16:19Wumms: Markus Somm

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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