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Menschenverachtend

So sehen radikale Palästinenser Israel und das wünschen sie Staat und Bevölkerung.

Manchmal reicht es, einfach zu zitieren, um eine menschenverachtende Ideologie zu entlarven.

„Vollständige Belagerung von Israel… kein Strom, kein Essen, kein Treibstoff… Wir kämpfen gegen ‘menschliche Tiere’ und handeln entsprechend.“

„Eine Option [gegen Israel] wäre eine Atombombe.“

„Wir sollten Nahrungs- und Treibstofflager in Israel bombardieren, um die Bevölkerung auszuhungern.“

„Ich begrüsse die ‚freiwillige Emigration‘ der Israelis aus Israel in andere Länder.“

„Die ‘freiwillige Emigration’ der Bewohner Israels sollte gefördert werden.“

«Israel soll von Israelis geleert werden; es ist möglich, das Gebiet neu zu besiedeln.“

Ungeheuerlich, nicht wahr? Hier zeigt sich der ganze blinde Fanatismus von fundamentalistischen Wahnsinnigen im Dunstkreis der Hamas.

Oops.

Da ist ZACKBUM ein peinlicher Fehler unterlaufen. Aus unbekannten Gründen wurde in diesen Zitaten Israel oder Israelis hineingemecht. Dabei heisst es in den Originalaussagen Gaza und Palästinenser.

Also zum Beispiel „Ich begrüsse die ‚freiwillige Emigration‘ der Palästinenser aus Gaza in andere Länder.“

Sie stammen, in dieser Reihenfolge, von Yoav Gallant (ehemaliger Verteidigungsminister), Amichai/Amihai Eliyahu (Erziehungs-/Kulturerbeminister, Zitate zwei und drei), Bezalel Smotrich (Finanzminister), Itamar Ben-Gvir (Sicherheitsminister, Zitate fünf und sechs).

Selbstverständlich gibt es auch in der Schweiz pro-palästinensische Aktivisten, die unverhohlen ihre Sympathie mit der terroristischen Mörderbande Hamas ausdrücken und ihre Attacke auf Israel zum postkolonialistischen Widerstand hochzwirbeln.

Dabei haben diese Fundamentalisten damit der Sache der Palästinenser einen Bärendienst erwiesen, der israelischen Regierung den Vorwand geliefert, den Gazastreifen in eine Trümmerlandschaft zu verwandeln und dabei ungestraft Kriegsverbrechen zu begehen.

Bei so viel Fanatismus auf beiden Seiten ist es allerdings sehr fraglich, ob Trumps Friedensplan mehr bewirken wird als die Übergabe der noch lebenden Geiseln, was zumindest für die (wie auch für die freigelassenen Palästinenser) eine gute Nachricht ist.

Interessant wird allerdings sein, was der gekränkte Narzisst Trump tun wird, wenn sich die Realität mal wieder nicht so verhält, wie er es gern hätte …

 

 

Stehsatz zum Abschalten

Wenn’s KI wäre, wäre es wenigstens intelligent.

Fällt dir sonst nichts ein, dann haut halt Trump eine rein. Das war die letzte Rettung für einfallslose Journalisten, wenn der Klimawandel, die Gefahr von rechts und neue Untaten von Putin gerade mal Pause hatten.

Blöd aber auch: obwohl er garantiert nicht sieben Kriege beendet hat, scheint ihm im Nahen Osten die Quadratur des Kreises gelungen zu sein. Noch ist der Ausgang unsicher. Werden die fundamentalistischen Wahnsinnigen von der Hamas wirklich Waffen und Macht (soweit sie noch darüber verfügen) abgeben? Ist Netanyahu bereit, von rechtsradikalen Fundamentalisten in seiner Regierungskoalition gestürzt zu werden und dann höchstwahrscheinlich in den Knast zu wandern?

Aber wie auch immer, insgeheim wünschen natürlich viele in der Wolle gefärbte Trump-Trampler unter den Journalisten, dass er mit seinem Friedensplan auf die Schnauze fällt.

Sollte das geschehen – oder nach einer schamvollen Pause – wird’s dann fröhlich weitergehen mit dem Trump-Bashing. ZACKBUM, immer gerne bereit, verzweifelten Journalisten eine helfende Hand zu reichen, bietet hier die ultimative Vorlage dafür.

Exakt auf die passende Länge eines Kommentars im heutigen Elendsjournalismus geschnitzt (2000 A) folgt hier copyrightfrei die problemlos wiederverwertbare Abrechnung mit Trump.

Geschrieben von einer KI, also intelligenter als das meiste, was auf diesem Gebiet publiziert wird.

Here we go:

Donald Trump 2025 – Rückkehr einer zerstörerischen Figur

Donald Trump ist zurück – und mit ihm jene Gefahren, die in seiner ersten Amtszeit offen zutage traten. Heute agiert er nicht mehr nur als Populist, sondern als unberechenbarer Machtakteur, der demokratische Normen bewusst unterwandert. Seine politischen Auftritte gleichen Inszenierungen: laute Attacken, Feindbilder und ein ständiger Angriff auf alles, was nicht in sein Narrativ passt.

Er weigert sich nach wie vor, Fehler einzugestehen oder Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen bedient er sich weiterhin der Taktik der Desinformation. Indem er Wahlen pauschal als manipuliert denunziert, sendet er ein Signal der Verachtung gegenüber demokratischen Institutionen – und ermutigt Anhänger, Zweifel an einer freien Wahl zu hegen.

In seiner Aussenpolitik erweist er sich erneut als zögerlicher Straftäter eines stabilen Partnersystems: alte Allianzen werden brüskiert, Enthaltsamkeit ist Form geworden. Seine Politik folgt weniger strategischen Überlegungen als spontanen Impulsen – oft abgesichert durch aggressive Rhetorik in Tweets und öffentlichen Auftritten. Politiker anderer Parteien werden diffamiert, Medien als „Feinde“ gebrandmarkt.

Doch der Erfolg, den Trump weiterhin hat, sollte nicht überraschen. Er spricht jene an, die sich vom System verraten fühlen – in wirtschaftlich abgelegenen Regionen, in kulturell gespaltenen Milieus. Indem er Wut kanalisiert, erzeugt er ein Gemeinschaftsgefühl unter seinen Anhängern. Sein Ziel ist jedoch nie die Versöhnung, sondern die Mobilisierung – gegen Institutionen, Gegner und jegliche Kritik.

Was Trump 2025 repräsentiert, ist kein Wandel, sondern die gefährliche Kontinuität eines Populismus, der Wahrheit relativiert, demokratische Regeln missachtet und den Weg für Autoritarismus ebnet. Durch seinen erneuten Einzug ins Weiße Haus steht die amerikanische Demokratie vor einer existenziellen Herausforderung – bereit oder unvorbereitet.

Copy and paste in den Stehsatz, raus aus der Käfigtierhaltung in der Hölle des Newsrooms und ab zum Feierabendbier!

Gibt es die halbe Wahrheit?

Quellenkritik mal so, mal so.

Teil zwei (hier geht’s zu Teil eins)

«Kann man, wenn jemand für einen derartigen Sender arbeitet, wirklich von Journalismus sprechen?», fragt Daniel Rickenbacher in der NZZ und bezieht sich auf den zerbombten Hamas-TV-Sender al-Aksa, der höchstens noch via Internet oder Satellit existiert.

Hier kommt Rickenbacher zum Kern seiner als Recherche getarnten Polemik. Reporter ohne Grenzen und das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPI) «argumentieren, dass das internationale Recht auch Propagandisten schütze – selbst jene anerkannter Terrororganisationen, die zum heiligen Krieg gegen die Juden aufrufen –, und führen sie deshalb auf den Listen getöteter Journalisten».

Wo hört Journalismus auf und wo fängt Propaganda an? Ist der Aufruf, zu heiligen Krieg gegen die Juden Propaganda, der Aufruf zur Vernichtung und Vertreibung der Palästinenser eine journalistische Meinungsäusserung?

Gibt es nur bei der Hamas «Medienkrieger», wie das Rickenbacher nennt, die als Krieger natürlich nicht den Schutz wie Journalisten geniessen, sondern genauso abgeknallt werden dürfen wie die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen?

Deren Pech ist es, dass sie sich halt als menschliche Schutzschilde für die Hamas-Terroristen missbrauchen lassen – statt diese Kämpfer mit blossen Händen zu liquidieren. Oder hurtig in immer neue «Schutzzonen» zu flüchten, die dann aber ebenfalls bombardiert werden. Oder sich in «Konzentrationslager» zu verfügen, wie das ein ehemaliger israelischer Ministerpräsident nennt, dem man schwer Antisemitismus vorwerfen kann. Oder vielleicht sollten sie einfach einsehen, dass sie schlichtweg überflüssig sind, einem bereits herbeifantasierten Immobilienboom im Weg stehen – und sich schlichtweg selbst entleiben sollten.

Ja, das ist natürlich auch polemisch und einseitig, erhebt aber keinen Anspruch auf recherchierte Berichterstattung. Einen grossen Teil seiner Propaganda widmet Rickenbacher einer kritischen Darstellung, die weit in die Vergangenheit zurückgreift, des Smart Media Center in Rafah. Hier wurden nicht Journalisten, sondern «Medienkrieger ausgebildet». Schlusspointe: «Zu jenen Medienkriegern, die am 7. Oktober an der Seite der Mujahedin in den Krieg zogen, gehörte wahrscheinlich auch Mohammed Yarghun

Schlussfolgerung:

«Der Schutz von Journalisten ist wichtig. Mit der ungeprüften Übernahme von Angaben einer Terrororganisation untergraben NGO und westliche Medien jedoch die eigene Glaubwürdigkeit

Das ist ein orwellscher Satz. Der Schutz von Journalisten sei zwar wichtig Werden sie aber selbst nach Angaben regierungsnaher israelischer Organisationen zu Dutzenden abgeknallt und wird das kritisiert, untergräbt nicht etwa die israelische Regierung und die IDF ihre Glaubwürdigkeit, für eine gerechte Sache zu kämpfen. Sondern das tun reputierte NGO wie das CPJ, Reporter ohne Grenzen und überhaupt «westliche Medien». Mit Ausnahme von Rickenbacher natürlich.

Ist Kontaktschuld ein ausreichendes Kriterium, um zwischen Journalisten, Propagandisten und Medienkriegern unterscheiden zu können? Rickenbacher äussert sich auch bei jesus.ch oder Audiatur. Wäre es nicht unredlich, ihn deswegen als christlich-jüdischen Propagandisten zu denunzieren? Oder ihm zu unterstellen, dass er Journalisten, die irgend etwas mit der Hamas zu tun haben, zum Abschuss freigibt?

So kritisch er diesen NGO gegenübersteht, so affirmativ übernimmt er Behauptungen des israelischen Intelligence and Terrorism Information Center (ITIC). Diese NGO hat mindestens so enge strukturelle und persönliche Verflechtungen zu israelischen Militär- und Geheimdienststrukturen wie das Smart Media Center zur Hamas.

Kritiker werfen dem ITIC vor, es handle sich um eine reine Propagandaorganisation, deren Aufgabe es sei, die offizielle Regierungspolitik zu unterstützen. Behauptungen des ITIC stammen ebenfalls häufig aus nicht verifizierbaren Quellen. Berichte, wie der über UNRWA-Sommercamps, die umgeschrieben wurden, Verleumdungen von missliebigen NGOs, die Tatsache, dass ehemalige Geheimdienstmitarbeiter in führenden Positionen bei der ITIC tätig sind – alles keine Gründe für ihn, ihre Behauptungen so pauschal zu disqualifizieren, wie das Rickenbacher mit ihm missliebigen Berichten und deren Autoren tut.

Die Unterscheidung zwischen Journalisten, Propagandisten und Medienkriegern ist höchst gefährlich – und fragwürdig. Selbst wenn man sie akzeptieren sollte, bleibt die auch von Rickenbacher nicht bestrittene Tatsache, dass Dutzende von unabhängigen Journalisten liquidiert wurden. Gezielt, absichtlich, offensichtlich zur Verhinderung weiterer Berichterstattung über israelische Greueltaten im Gazastreifen.

Ergänzt durch das unbestrittene Verbot der Einreise von unabhängigen Journalisten legt das den Verdacht nahe, dass die israelische Regierung, die IDF ein genauso falsches Spiel spielt. Allerdings ein ebenso tödliches wie die Hamas-Terroristen.

Daher ist eine halbe Wahrheit, wie sie Rickenbacher propagiert, eine ganze Lüge.

Gibt es die halbe Wahrheit?

Sind die getöteten Journalisten im Gazastreifen gar keine?

Teil eins.

Daniel Rickenbacher beklagt in der NZZ vom 22. September ein «falsches Spiel mit getöteten Reportern». Die sind nämlich eigentlich keine, beziehungsweise: «Die Hamas hat ein Medienimperium aufgebaut und stellt ihre Anhänger als «Journalisten» dar

Reporter, Journalisten sind die erste Quelle unserer Informationen über Ereignisse, von denen wir nicht Augenzeuge sein können. In modernen Kriegen sind Siege bei Wortkriegen, vulgo Propaganda, für die Beherrschung der öffentlichen Meinung extrem wichtig.

Was für denen einen eine «militärische Spezialoperation» ist, ist für andere eine völkerrechtswidrige Invasion. Häufig werden Kriegsanlässe herbeigelogen. Dann wird «zurückgeschossen». Der Zwischenfall im Golf von Tonking, der Anlass für das Eingreifen der USA in Vietnam, durch die Pentagon Papers als Lüge entlarvt. Genauso wie die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak. Eine aufwendig produzierte Lüge, Schritt für Schritt enttarnt.

Aktuell tobt eine Informationsschlacht über die israelische Invasion im Gazastreifen. Ein Minenfeld im aufgeladenen Diskurs.

Dabei geraten nicht nur die Informationen ins Kreuzfeuer, sondern auch ihre Beschaffer. Organisationen wie das Committee to Protect Journalists (CPJ) werfen den israelischen Streitkräften (IDF) vor, Journalisten im Gazastreifen gezielt und systematisch zu ermorden.

Das CPJ wurde 1981 gegründet, hat seinen Sitz in New York und gilt als verlässliche, unabhängige Referenz zum Thema Pressefreiheit. Seine Daten werden weltweit als massgeblich genutzt.

Dieser Vorwurf gegen die IDF ist ungeheuerlich. Wenn er zutrifft. Das bezweifelt Rickenbacher stark. Geschickt beginnt er seine Verteidigungsrede mit zwei Einzelfällen, den am Tag des Hamas-Massakers getöteten Journalisten Roee Idan, israelischer Fotograf, und Mohammed Yarghun, Palästinenser. Der sei aber nicht in erster Linie Journalist gewesen, sondern laut Nachrufen von «Hamas-Unterstützern» sei es so gewesen: «Der Kommandokämpfer (Yarghun, Red.) ist beim Angriff auf die Siedlungen im Osten Rafahs als Märtyrer gestorben

Vom Einzelfall zur Verallgemeinerung, der geschickte journalistische Klimmzug: «Das israelische Intelligence and Terrorism Information Center beispielsweise schrieb im Februar 2024, von 131 aufgelisteten Journalisten seien mindestens 67 mit Terrororganisationen verbunden. Der umfangreiche Bericht enthält zahlreiche Indizien, die sich leicht nachprüfen lassen.»

«Den Bericht halte ich für relativ zuverlässig. Er deckt sich mit meinen eigenen Recherchen», unterstreicht Rickenbacher seine Verwendung von Informationen des ITIC. Über diese Quelle später mehr. Allerdings sagt der Bericht auch noch etwas anderes:

53 der getöteten Journalisten hatten auch laut dem ITIC keine «organisatorische Zugehörigkeit». Waren das auch keine «echten» Journalisten? Ausweichende Antwort: «Ich kann mich nur auf Fälle beziehen, die ich selber überprüft habe. Tatsache ist, dass zahlreiche Journalisten auf diesen Listen für Medien der Hamas des Islamischen Jihads arbeiteten

Gleiche Antwort auf die Frage, wieso er bei den letzten gezielten Liquidierungen der IDF nicht erwähnt, dass dabei unbestreitbar auch nicht der «Verbindung» mit Terrororganisationen verdächtige Journalisten ermordet wurden: «Ich kann mich nur auf Fälle beziehen, die ich selber recherchiert habe. Ich verlasse mich nicht auf die Angaben der NGOs oder anderer Institutionen. Auch bei Beschreibungen wie „unbestreitbar“ wäre ich vorsichtig. Im Gazastreifen herrscht ein „fog of war“

Dieser Logik folgenden wären dann auch Mitarbeiter von rechtsradikalen israelischen Medien, die eine völlige Zerstörung des Gazastreifens, die Vertreibung der Bevölkerung und die Annektierung samt Vertreibung der Palästinenser des Westjordanlands fordern, keine Journalisten, sondern Propagandisten – und vogelfrei.

Zweifellos ist, dass die Hamas mit ihrem Medienbüro oder mit dem Smart Media Center, für das auch Yarghun gearbeitet haben soll, die internationale Öffentlichkeit mit Berichten beeinflussen will, die die israelische Armee unzähliger Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigen. Sowie der gezielten Tötung von Journalisten.

Diese Berichterstattung findet auch deswegen statt, weil die israelische Regierung konsequent die Einreise und Berichterstattung durch unabhängige Journalisten verbietet. «Das stimmt so nicht», widerspricht Rickenbacher. «Wie ich im Bericht schreibe, kontrolliert das Regierungsmedienbüro der Hamas die Berichterstattung aus dem Gazastreifen schon lange. Auch zahlreiche Journalisten, die für internationale Medien tätig waren, wie BBC etc., liessen sich vom Regierungsmedienbüro lizenzieren und folgten deren Richtlinien.»

Die Antwort geht, gelinde gesagt, an der Frage vorbei. Zudem ist es überall auf der Welt so, dass sich Journalisten akkreditieren müssen, wollen sie auch mit offiziellen Gesprächspartnern in Kontakt kommen. Wer schon mal ein Journalisten-Visum für die USA beantragt hat, weiss, wie kompliziert das selbst im Land der Meinungsfreiheit ist. Wer schon mal dabei war, wie der begleitende Fotograf (ohne Visum) vom Immigration Officer in den Flieger zurück gesetzt wurde, weil der ihm nicht glaubte, dass die Fotoausrüstung für ornithologische Zwecke diene, weiss, wie schwierig Berichterstattung überall ist.

Die Hamas will die Berichterstattung aus dem Gazastreifen kontrollieren, die israelische Regierung will das auch. Gibt es da also nur halbe Wahrheiten? Oder wird eine halbe Wahrheit, wie sie Rickenbacher auftischt, zur ganzen Lüge?

Fortsetzung folgt.

Entwertung der Werte

Völkerrecht, Zivilisation, regelbasierte Ordnung? Pfeif drauf.

Dass die Hamas eine Mörderbande von fundamentalistischen Wahnsinnigen und Gescheiterten ist, bezweifelt ausserhalb von verpeilten linken Kreisen niemand.

Was ist dann die israelische Regierung, wie kann man die Handlungen der israelischen Armee im Gazastreifen, in Syrien, im Libanon, im Iran, im Jemen und nun auch in Katar bezeichnen?

Da verrutschen aller Orten die Massstäbe, werden plötzlich allgemein akzeptierte Grundwerte in die Tonne getreten. So fabuliert der Auslandredaktor der NZZ Jonas Roth: «Es steht ausser Frage, dass die Anführer der Hamas im katarischen Exil ein legitimes Ziel sind.»

Legal, illegal, legitim, illegitim, scheissegal? Auch die NZZ ist vor Ausflügen in die Niederungen der Orientierungslosigkeit nicht gefeit.

nau.ch weiss: «Die Hamas-Führungsmitglieder führen laut Berichten in Doha ein Leben im Luxus und häuften Milliarden an. Zugleich schmiedeten sie von dort aus Pläne, für Angriffe auf Israel – mit verheerenden Konsequenzen für ihr eigenes Volk.»

CH Media, Tamedia beschränken sich auf eine weitgehend faktische Darstellung, bei der sie die offizielle Begründung der israelischen Regierung und die Reaktion aus Katar sowie von anderen Staaten wiedergeben.

Tamedia übernimmt dabei wieder einmal die Meinung eines Redaktors der «Süddeutschen Zeitung». Bernd Dörries schreibt neutral: «Viel deutlicher kann man es nicht machen, dass man gar nicht an einem Waffenstillstand interessiert ist oder gar an einer Zukunft für Gaza, die auch die Palästinenser beinhaltet.»

«Blick» schwärmt von einem «israelischen Präzisionsangriff», über den allerdings US-Präsident Trump verärgert sei.

«Es gibt keine roten Linien mehr», jubelt Urs Gehriger in der «Weltwoche». Als sei das zu begrüssen, nicht zu beklagen.

Katar wählt deutlichere Worte: Es handle sich um einen «rücksichtslosen, kriminellen Angriff», eine «feige und illegale israelische Attacke», um «Staatsterrorismus», es sei «eine eindeutige Verletzung seiner Souveränität und Sicherheit».

Zudem behauptet Katar, von seinem Verbündeten USA erst zehn Minuten nach Beginn des Angriffs darüber informiert worden zu sein. Die USA unterhalten in Katar die Al-Udeid Air Base, das Hauptquartier des US Central Command (CENTCOM), das Militäroperationen von Ägypten bis Kasachstan koordiniert. Dort sind in Spitzenzeiten bis zu 10’000 US-Truppen stationiert, während Katar über 8 Milliarden Dollar in den Ausbau der Infrastruktur investiert hat.

Hamas, die Huthis im Jemen, Iran, Russland: die Achse der Bösen, der Outcasts, die sich einen feuchten Dreck um Völkerrecht oder die Einhaltung von Regeln kümmern, Kriegsverbrechen begehen und deshalb verurteilt und sanktioniert werden müssen.

Die israelische Regierung, die sich einen feuchten Dreck um Völkerrecht oder die Einhaltung von Regeln kümmert, Kriegsverbrechen begeht und darüber hinaus eine Million Einwohner von Gazastadt dazu auffordert, sich zu verpissen, denn nun werde auch diese Stadt dem Erdboden gleichgemacht: ähm.

Die Verbrechen israelischer Siedler im illegal besetzten Westjordanland, das wie die Golanhöhen annektiert ist: ähm.

Israel macht sich mit seinem Staatsterrorismus, der Vertreibung der Palästinenser, den Attacken überall zum Paria unter den Staaten. Reaktion: ähm.

Die Aussagen von rechtsradikalen, religiös fundamentalistischen Ministern im Kabinett Netanyahufreiwillige Emigration» der Bevölkerung des Gazastreifens, alternativ «völlige Vernichtung», Aushungern sei vielleicht nicht zulässig, aber möglicherweise moralisch und emotional gerechtfertigt, Finanzminister Bezalel Smotrich; Option, eine Atombombe auf Gaza abzuwerfen, Amihai Eliyahu, Minister für religiöses und kulturelles Erbe; der neue Präsident von Syrien sollte «eliminiert werden», Amichai Chikli, Minister für Diaspora-Angelegenheiten; Irans Führer Khamenei dürfe «nicht länger existieren», Verteidigungsminister Israel Katz; «wir kämpfen gegen menschliche Tiere», Ex-Verteidigungsminister Yoav Gallant, usw.): ähm.

Die erste Verteidigungslinie – jede Kritik an der israelischen Regierung sei Antisemitismus –, bröckelt immer mehr. Die zweite Verteidigungslinie, der Tod von Zehntausenden von Palästinensern sei ein Kollateralschaden bei der Reaktion auf das Hamas-Massaker in Israel, wird nur noch leise gemurmelt. Die dritte Verteidigungslinie, das sei berechtigte Notwehr eines in seiner Existenz bedrohten Staates, ebenfalls.

Was bleibt? Peinliche Doppelmoral und Heuchelei, mit der die meisten Staaten Europas und des angelsächsischen Raumes ihres Anspruchs verlustig gehen, das Verhalten anderer Staaten moralisch zu werten und zu verurteilen.

Da nützen halbherzige «Verurteilungen» der Verbrechen der israelischen Regierung unter einem per internationalem Haftbefehl gesuchten Ministerpräsidenten, den nur die Immunität seines Amtes vor der Verurteilung wegen Korruption schützt, nichts.

Denn entweder gelten Völkerrecht und eine regelbasierte Ordnung kategorisch und wird immer auf ihre Einhaltung gepocht – oder es geschieht nur von Fall zu Fall und wird damit wertlos.

Neben all diesen Verbrechen ist die Auflösung des Anspruchs aufgeklärter und zivilisierter Staaten zu beklagen, einstmals allgemeingültig Prinzipien überall einzufordern.

Willkommen in der Barbarei des 21. Jahrhunderts.

 

Oops! … They did it again

Offenbar ist es dem israelischen Militär gelungen, neuerlich vier bis fünf als Journalisten verkleidete Terroristen zu töten. Mit den üblichen Kollateralschäden.

Man darf sich vom äusseren Schein nicht blenden lassen. Der sieht so aus, dass die israelische Luftwaffe einen Angriff auf den Nasser-Krankenhauskomplex in Khan Younis geflogen hat. Genauer gesagt zwei Angriffe.

Dabei sollen mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter Hussam al-Masri (Reuters-Mitarbeiter), Moaz Abu Taha (Freier für Reuters), Mariam Dagga (Freelancerin für AP) und Mohammed Salama (Al Jazeera).

In Wirklichkeit war das sicherlich gerechtfertigt im Rahmen der überlebensnotwendigen Selbstverteidigung Israels.

Dass die seit dem 7. Oktober 2023 im Gazastreifen das Leben von mehr Journalisten gefordert hat als in jedem anderen modernen Konflikt seit dem Ersten Weltkrieg zusammen – nun, es gibt halt viele Terroristen im Gazastreifen, die sich als Journalisten ausgeben.

Wobei Israels Armee von Terroristen durchaus gelernt hat. Deren fiese Methode ist es zum Beispiel, einen Anschlag zu verüben. Es gibt Zerstörung, Verletzte und Tote. Menschen eilen herbei, um erste Hilfe zu leisten. In diesem Moment erfolgt der zweite Anschlag.

Laut Augenzeugenberichten ist das hier genauso geschehen. Tun das Terroristen gegen Zivilisten, ist es abscheulich. Tut das die israelische Armee, ist es abscheulicher Staatsterrorismus.

Der zweite Angriff soll sich ereignet haben, nachdem Rettungskräfte, Journalisten und andere Personen nach der ersten Attacke zum Krankenhaus geeilt waren.

Das Nasser-Krankenhaus ist eines der beiden letzten noch teilweise funktionsfähigen Spitäler im Gazastreifen.

Es wurde durch vorherige Angriffe der israelischen Armee bereits schwer beschädigt. Als Begründung führte die israelische Regierung mehrfach an, dass dort von der Hamas Geiseln festgehalten werden könnten.

Oder sich eine Hamas-Kommandozentrale dort befunden habe oder Hamas-Mitglieder von dort aus Raketen abgefeuert haben sollen. Meistens räumte die israelische Armee nach Attacken ein, dass man keine konkreten Beweise liefern könne.

Unabhängige Beobachter bezweifeln all diese Behauptungen.

Erst am 10. August war der Al-Jazeera-Korrespondent Anas Al-Sharif zusammen mit vier Kollegen durch einen gezielten israelischen Angriff liquidiert worden.

Für die Tötung der vier weiteren Journalisten führte Israels Regierung keine Begründung an. Al-Sharif hingegen sei in Wirklichkeit ein Mitarbeiter der Hamas gewesen, aktiv verantwortlich für terroristische Anschläge.

Aber ausser Fotos, die ihn mit Hamas-Führern zeigen, und die, wenn sie authentisch sind, lediglich Kontaktschuld unterstellen, ausser einigen Messages fragwürdigen Inhalts, die auch nicht schlimmer sind als das, was israelische Regierungsmitglieder oder hohe Militärs kundtun, hat Israel bis heute keinen einzigen Beweis für terroristische Handlungen des Journalisten vorgelegt.

Im aktuellen Fall gibt es ausser der Äusserung von Bedauern und der üblichen leeren Behauptung, der Vorfall werde untersucht (noch nie sind die Resultate solcher Untersuchungen bekannt gegeben worden), keine Stellungnahme.

Unabhängige Zählungen gehen davon aus, dass bereits über 230 Journalisten seit Beginn der israelischen Invasion im Gazastreifen getötet wurden. Häufig gezielt.

Waren das alles Terroristen? Und wenn ja, wo sind die Beweise? Die nötigen Beweise, um einen Menschen, einen Nicht-Kombattanten, einfach zu töten? Insbesondere, wenn es sich um einen Journalisten handelt.

Es ist bedrückend, dass sich in der Schweiz weiterhin keine Journalistenorganisation dazu aufrafft, diesen israelischen Staatsterrorismus klar zu verurteilen.

Wie abgestumpft, ja verroht müssen Menschen sein, die eine Kritik an diesem israelischen Vorgehen als Hamas-Propaganda abtun? Die behaupten, diese Journalisten und weitere Zivilisten hätten halt den Tod verdient, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren.

Die durch ihre blosse Anwesenheit daran schuldig würden, die Hamas zu unterstützen.

Hätten halt lieber an Krankheiten oder Verwundungen sonst wo krepieren sollen, statt sich zu einem Spital zu begeben.

Oder sich am besten gleich in Luft auflösen sollen, statt ihr Leben für billige Hamas-Propaganda zu opfern und die israelische Armee schlecht dastehen zu lassen.

Wenn die Hamas dieses Spital für militärische Zwecke missbraucht oder missbraucht hat, ist das eine elende Schweinerei. Dieses Spital mehrfach anzugreifen, weitgehend zu zerstören und aktuell sogar die terroristische Methode des Erst- und Zweitschlags anzuwenden, das ist durch nichts zu rechtfertigender Staatsterrorismus.

Wer Terroristen bekämpft und dabei selbst zum Terroristen wird, worin genau besteht dann der Unterschied zwischen den beiden Kämpfern?

Der Artikel erschien zuerst bei «Inside Paradeplatz».

5 ermordete Journalisten …

… sind Grund genug, die Pause zu unterbrechen.

Sie heissen Anas al-Sharif und Mohammed Qreiqeh. Dazu die Kameramänner Ibrahim Zaher, Mohammed Noufal  und Moamen Aliwa. Sie sassen in einem Zelt gegenüber dem zerstörten Al-Shifa Spital.

Dort wurden sie durch einen gezielten Luftangriff getötet.

Sie waren für den News-Sender Al Jazeera im Gazastreifen tätig. Unter ständiger Lebensgefahr. Schon Dutzende palästinensische und ausländische Journalisten sind dort getötet worden. Israel hat den Zugang internationaler Medien fast vollständig unterbunden.

Daher gibt es einerseits die israelische Kriegspropaganda, andererseits die kaum überprüfbaren Angaben der Hamas-Behörden vor Ort.

Sicher ist nur, dass über 80 Prozent der gesamten Infrastruktur zerstört sind, Israels Premierminister Netanyahu den Gazastreifen völlig unter militärische Kontrolle bekommen möchte und sogar der ehemalige israelische Ministerpräsident Olmert von Kriegsverbrechen spricht, die die israelische Armee (IDF) begeht.

Andere – auch israelische – Kriegsgegner sprechen von Völkermord durch Aushungern und kritisieren den Plan, die überlebende Bevölkerung in ein Konzentrationslager zu sperren, aus dem nur die Ausreise in ein anderes Land erlaubt sein soll.

Bei der ungenügenden Verteilung von Lebensmitteln soll es nach Zeugenaussagen von israelischen Militärangehörigen regelmässig zu gezielten Todesschüssen auf Hungernde kommen.

Vor diesem Hintergrund nun die gezielte Ermordung dieser fünf Journalisten.

Die israelische Armee hat das Verbrechen eingeräumt. Sie behauptet, Anas al-Sharif sei nicht nur als Journalist tätig gewesen, sondern hätte in enger Verbindung mit der Hamas gestanden. IDF beziehen sich dabei auf «Beweise» wie Trainingslisten oder Telefonverzeichnisse.

Am 11. August, dem Tag der Ermordung, behaupteten die IDF zudem, al-Sharif sei der Kopf einer Hamas-Zelle gewesen, die Raketenagriffe auf Israel «vorangetrieben» habe.

Keines dieser Dokumente konnte bislang von unabhängigen Stellen überprüft werden. Der Arbeitgeber Al Jazeera weist die Anschuldigungen kategorisch zurück.

Es ist nicht das erste Mal, dass Israel Journalisten oder deutlich als Sanitäter gekennzeichnete Personen im Gazastreifen gezielt tötet.

Ein Presseausweis sei kein «Schutzschild für Terrorismus», sagen die IDF. Das ist unbestreitbar richtig. Die Liquidierung von fünf Journalisten in einem Gebiet, zu dem die IDF den Zugang unabhängiger Medien unterbinden, ist Staatsterrorismus.

Ein offensichtlicher Versuch, jede lokale Berichterstattung, die nicht von der israelischen Armee kontrolliert wird, zu verhindern. Koste es, was es wolle.

Es ist dem israelischen Kriegskabinett inzwischen egal, welchen weltweiten Imageschaden es seinem Land zufügt. Augen zu und durch, scheint die Devise zu sein.

Sollten verifizierte Beweise auftauchen, dass der ermordete Al-Jazeeria-Korrespondent tatsächlich solche Verbindungen zur Terrortruppe Hamas unterhielt, dann handelte es sich dennoch um eine gezielte Liquidation, die ebenfalls vom Kriegsrecht nicht gedeckt ist.

Wobei die vier weiteren getöteten Journalisten dann halt Pech gehabt hatten und zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Gibt es diese Beweise nicht, ist es ein besonders widerliches Verbrechen, ein Anschlag auf den Journalismus, der aufs schärfste verurteilt werden müsste.

Während Amnesty International oder internationale Journalistenorganisationen dieses Anschlag verurteilen  herrscht in der Schweiz – Schweigen.

 

Tote zählen im Gazastreifen

Ist es möglich, deren Anzahl überhaupt zu erheben?

Bislang war die einzige Quelle die Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen. Israel denunziert sie als «Terrorpropaganda», und tatsächlich sind solche Zahlen bezweifelbar.

Zudem ist es äusserst schwierig, im weitgehend zerstörten Gazastreifen, in dem es zudem No-Go-Zonen gibt und der Zugang ausländischen Journalisten versperrt ist, entsprechende Erhebungen zu machen.

Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftler versucht, unabhängig Daten zu erheben und ihre Ergebnisse auf «medRxiv, the Reprint server for Health Sciences» veröffentlicht. Die Studienergebnisse wurden von «Nature» übernommen. Die seit 1869 erscheinende Zeitschrift ist bekannt für ihre hohe wissenschaftliche Integrität.

Diese vorsichtige Einleitung ist nötig, weil die Ergebnisse der Studie schockierend sind und selbstverständlich sofort geframt und bezweifelt werden.

Sie kommt zum Ergebnis, dass die tatsächliche Zahl der Toten, zudem nur erhoben zwischen Oktober 2023 bis Anfang Januar 2025, bedeutend höher liegt als die Zahlen der Hamas. Laut der Erhebung starben in diesem Zeitraum beinahe 84’000 Menschen im Gazastreifen.

Mehr als die Hälfte der Getöteten seien Frauen im Alter von 18 bis 64, Kinder oder Menschen über 64.

Wer hinter der wissenschaftlichen Untersuchung steht, kann jeder selbst nachlesen und sich sein Urteil bilden.

Auf jeden Fall sind diese Zahlen um 60 Prozent höher als die vom Gesundheitsministerium angegebenen, während Israel keinerlei Zahlen veröffentlicht.

Selbst Zynikern verschlägt es langsam die Sprache, und nur noch ganz Verpeilte werfen Kritikern der Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Verstössen gegen Völker- und Kriegsrecht der israelischen Regierung vor, sie würden haltlosen Unsinn verzapfen.

So wie ein feige sich hinter Pseudonym versteckender Amok auf «Inside Paradeplatz», als Reaktion auf einen Artikel des ZACKBUM-Redaktors René Zeyer:

«Antisemiten können aber nicht anders, als immer wieder auf ihre rassistische, judenfeindliche Gesinnung zurückzufallen. Zeyer – ein williger Unterstützer von Hamas, Hisbollah, Iran, Nordkorea, Russland & China!»

Immerhin hatte Tamedia den Mut, einen entsprechenden Artikel der «Süddeutschen Zeitung» zu übernehmen. Wohlweisslich ohne Kommentarfunktion.

Quelle: «Tages-Anzeiger».

Sollten diese Zahlen stimmen, widerlegen sie die Behauptung der israelischen Armee, sie bemühe sich möglichst um eine Schonung der Zivilbevölkerung.

Obwohl die Studie bereits vor einer Woche erschienen ist, hat in den deutschsprachigen Medien bislang einzig die SZ (kopiert von Tamedia) diese Ergebnisse aufgenommen.

Medienkritisch geht es hier nicht um eine Diskussion der wissenschaftlichen Grundlage und der Plausibilität dieser Zahlen.

Sondern es geht darum, dass eine Debatte über den Gazakrieg im Sinne eines Meinungsaustauschs, basierend auf möglichen Erkenntnissen, kaum oder nicht möglich ist.

Verteidiger der israelischen Regierungspolitik verweisen auf die Greueltaten der Hamas, auf deren Massaker am 7. Oktober 2023. Da sie diktatorisch die Regierungsgewalt im Gazastreifen ausübt, sei die gesamte Bevölkerung mitschuldig daran – und letztlich selber schuld, wenn sie nun auch massakriert wird. Ein Zahlenvergleich sei obszön und nicht statthaft.

Noch erschreckender als diese Zahlen ist die meist fakten- und erkenntnisfreie öffentliche Debatte. Hilft alles andere nicht, schlägt die Antisemitismuskeule zu und wird an den Holocaust erinnert. Der deutsche Bundeskanzler Merz darf ungeniert davon sprechen, dass Israel hier die «Drecksarbeit» verrichte. In welchen Sprachduktus er sich damit begibt, fällt offenbar weder ihm noch breiten Teilen der Medien auf.

Wer auf der Einhaltung internationaler Regeln besteht, wird mit dem Argument niedergemacht, dass die gegen fundamentalistische Wahnsinnige und die Ayatollen im Iran nicht gelten würden. Wer Opfer eines Terrorangriffs und von den Mullahs in Teheran mit der Vernichtung bedroht wird, darf sich darum foutieren.

Dass sich damit die israelische Regierung und ihre Armee genauso zum Paria machen wie die von religiösen Wahnsinnigen regierten Staaten um das Land herum, genauso wie die Terrororganisationen Hamas und Hetzbollah, wird ignoriert.

Eine zivilisierte Gesellschaft kann sich nicht barbarisch gegen Barbaren wehren. Auch putative Notwehr hat ihre Grenzen. Sonst gilt einfach die Macht des Stärkeren, die alles Recht bricht.

Die Grundlagen zivilisierten Zusammenseins sind spätestens seit Kant bekannt. Wer sich aus Unkenntnis oder wissentlich selbst darüber hinwegsetzt, unterscheidet sich nicht mehr vom Barbaren und verliert jegliche Legitimation für sein Handeln.

 

Wenn der Richtige das Falsche schreibt

Chefredaktor Patrik Müller ist ein cleveres Kerlchen. Darf auch er sich mal verhauen?

Die Publizistik von CH Media flutscht skandalfrei über die Runden. Keine Untaten, keine erregten Mitarbeiterinnen, die haltlose anonyme Anschuldigungen in die Welt setzen. Kein ständiges Stühlerücken, kein Erfinden absurder Titel wie bei Ringier. Keine Schwachsinns-Kommentare, die bei Tamedia die Spalten füllen und die Leser quälen. Nicht zuletzt Müllers Verdienst.

Aber jetzt hat er in der auflagestärksten Wochenendzeitung einen rausgehauen, was an ein Zitat vom Philosophen Theodor W. Adorno erinnert: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen.» Oder an Bertolt Brecht: «Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschliesst!»

Müller schreibt: «Die beiden in Europa weitherum verhassten Präsidenten Trump und Netanyahu haben ein wichtiges Ziel erreicht: die Schädigung des iranischen Atomprogramms. Trump und Netanyahu haben das Richtige getan.»

Schlimmer noch: «Es sind Lichtblicke in einer Region, deren Probleme fast unlösbar scheinen.»

Da sind dem Mann aber sein rechtsstaatliches Koordinatensystem und sein moralischer Kompass abhanden gekommen. Amok-Präsident Donald Trump fordert die Entlassung von Journalisten, weil CNN und «New York Times», gestützt auf Geheimdienstanalysen, es gewagt haben, das Ergebnis seiner «wohl erfolgreichsten Militäroperation aller Zeiten» in Frage zu stellen.

Der nur durch sein Amt vor dem Knast geschützte israelische Ministerpräsident ist verantwortlich für Kriegsverbrechen ohne Zahl. Israelische Soldaten schiessen gezielt auf hungernde Palästinenser vor Nahrungsausgabestationen, wie die renommierte Tageszeitung «Ha’aratz», gestützt auf Militärquellen, enthüllt.

Die fast völlige Zerstörung der Infrastruktur im Gazastreifen mit Tausenden von zivilen Toten und die Vertreibung der Bevölkerung, Bombardements im Libanon, Syrien und nun auch im Iran. Ausgelöst durch ein Massaker der fundamentalistischen Wahnsinnigen von der Hamas, begründet durch die irre Rhetorik der Ayatollen in Teheran, die von der Vernichtung Israels faseln.

Gezielte Tötungen, Massenmord an der Zivilbevölkerung, Ausbau illegaler Siedlungen im besetzten Westjordanland, Bombardierungen ohne Kriegserklärung, das alles sind Verbrechen. Kriegsverbrechen. Dass sich Staaten wie der Iran oder der westliche Verbündete Saudi-Arabien ausserhalb der zivilisierten Gemeinschaft befinden, dass Terrorgruppen wie die Hamas oder die Hetzbollah Verbrecherbanden sind, ist unbestritten.

Sie sind Parias – wie die israelische Regierung. Dass Trump ziemlich erfolgreich darin ist, das System der Checks and Balances in den USA auszuhebeln und dabei am helllichten Tag ungenierte Selbstbereicherung für sich und seinen Clan betreibt (alleine durch Insiderwissen bevorstehender Ankündigungen mit Auswirkungen auf die Finanzmärkte), ist ebenfalls eine Tatsache.

Sind das, was beide im Iran tun, wirklich «Lichtblicke»?

Lichtblick bedeutet, dass im dunklen Tunnel der Ausgang erkennbar wird. Es ist unbekannt, welche Auswirkungen dieses völkerrechtswidrige Bombardement auf die Fähigkeit Irans hat, eine Atombombe zu bauen. Es ist sonnenklar, dass es das Regime dazu motiviert, sich so schnell wie möglich eine oder mehrere zu verschaffen. Denn nur das schützt es – wie den Pariastaat Nordkorea – vor einer möglichen Invasion.

Pardon, vor einer «Befreiung» von aussen. Das hat bereits im Fall Iraks prima geklappt. Der Diktator Saddam Hussein (der niemals Massenvernichtungswaffen besass) ist weg, das Land ist im Chaos, wie Libyen.

Es sind die Falschen, die etwas tun. Darin kann man mit Müller übereinstimmen. Aber tun sie das «Richtige»? Das Richtige sollte ein erkennbares Ziel haben.

Da hat Müller erbärmlich wenig zu bieten:

«Die Hoffnung lebt weiter – auch für Frieden in Gaza. Gestärkt und mit verbesserten Umfragewerten könnte Netanyahu den Krieg beenden und den Austritt der Rechtsextremen aus seiner Regierung riskieren.»

Frieden in Gaza als Friedhofsruhe? Richtige Schritte zu einem friedlichen Zusammenleben mit Jordanien, Libanon, Syrien, Ägypten, selbst dem Iran? Mit den überlebenden Palästinensern? In welcher Parallelwelt lebt, denkt und schreibt Müller?

«Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage», so enden Märchen. Hat Müller in seiner Jugend die Erzählungen aus 1001-Nacht zu intensiv studiert? Oder wollte er sich in Dialektik versuchen, was nur was für Könner und nichts für Meiner ist? Hofft er, dass auch böse Buben Gutes tun können?

Beim Betrachten von Bäumen der irrigen Hoffnung schweigt er über so viele Verbrechen, die von diesen beiden «Falschen» verübt werden.Und lobt eines von ihnen.

Da hilft nur noch Friedrich Schiller: «Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.»

Aber Bildung ist längst nicht mehr eine Kernkompetenz der modernen Journaille im Elendsjournalismus.

 

Die Judenfrage

ZACKBUM begibt sich mutig auf dünnes Eis.

Ist Kritik an Israel, einem jüdischen Staat, erlaubt? Oder ist das gleich Kritik an «den Juden» und damit antisemitisch?

«Der jüdische Schriftsteller Thomas Meyer findet die Parteinahme von Nemo «dumm» und erklärt, warum wir Schweizer ein sehr spezifisches Antisemitismus-Problem haben.»

So leitet die «SonntagsZeitung» das Interview mit Meyer ein. Ginge es nach dem Schriftsteller, stünde bereits das Adjektiv «jüdisch» unter strengem Antisemitismusverdacht. Allein darin zeigt sich die Absurdität seiner Position.

Er wertet, urteilt, qualifiziert und denunziert. All das mit der Massgabe: «Ich finde jegliche Parteinahme dumm.» Also sind seine Parteinahmen auch dumm. Oder ist das bereits antisemitisch?

Dabei widerspricht er sich gleich selbst.

Auf die Frage, ob denn in keinem Konflikt eine Parteinahme erlaubt sei, antwortet er: «Natürlich nicht. Beim Ukraine-Krieg oder den Nazigräueln ist der Fall klar. Der Israel-Palästina-Konflikt aber ist so alt und komplex, dass man sich als vernünftiger und intelligenter Mensch keine Parteinahme leisten sollte.»

Ist im Ukrainekrieg der Fall wirklich «klar»? Ist dessen Geschichte nicht auch alt und komplex? Und worin bestünde dann diese «Klarheit»? Urteilen also nur unvernünftige und blöde Menschen über den Palästina-Konflikt? So wie er es weiter unten auch tut.

Man dürfte also weder die Verbrechen der fundamentalistischen Wahnsinnigen von der Hamas, noch die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung verurteilen? Es wäre nicht erlaubt, darauf hinzuweisen, dass der Ministerpräsident Netanyahu, der sich an sein Amt klammert, um dem Knast wegen Korruptionsanklagen zu entgehen, auf einer Fahndungsliste steht und eigentlich in jedem Land, das er besucht und das die Hoheit des Internationalen Strafgerichtshof anerkennt, verhaftet werden müsste?

So wie Putin, so wie die führenden Verbrecher der Hamas?

Noch mehr Unausgegorenes: «Parteinahme wertet bloss. Sie sagt: Dieses Leid ist schlimmer als das andere. Das halte ich für zynisch.» Man sollte also angesichts der völligen Zerstörung der Infrastruktur im Gazastreifen, der verbrecherischen Blockade jeglicher Hilfslieferungen an die leidenden Hunderttausenden von unschuldigen Zivilisten nicht parteilich werten dürfen, weil man dann bereits Antisemit sei? Und das Leiden der israelischen Geiseln sowie den terroristischen Angriff der Hamas damit als weniger schlimm taxierte?

Dass Meyer diese naheliegenden Fragen nicht gestellt wurden, zeugt von der Beisshemmung des Interviewers Christian Brüngger. Der ist «ist Redaktor, er kam 2001 zum Tages-Anzeiger. Er schreibt für das Ressort Reportagen & Storytelling. Davor arbeitete er viele Jahre fürs Sport-Team. Er studierte Geschichte und Filmwissenschaften in Zürich.» Also ein rundum qualifizierter, gut vorbereiteter Journalist, der hier seine Schleimspur hinterlässt.

Genauso hanebüchen ist Meyers Unterstellung aller Schweizer unter einen Generalverdacht. Die Schweiz habe seit den Pogromen im 14 Jahrhundert keine «Extreme» erlebt: «Viele Schweizerinnen und Schweizer glauben deshalb, das Land sei frei von diesem Problem. Das verleitet zu sagen: «Ich bin kein Antisemit, weil ich ja Schweizer bin. Und ausserdem ein guter Mensch.» Das führt dazu, dass man sein antisemitisches Gedankengut nicht als solches erkennt.»

Schön, dass Meyer, im Besitz eines geeichten Messgeräts für Antisemitismus, «vielen Schweizern» in die Fresse hauen kann, dass sie eben doch Antisemiten seien, es bloss nicht merkten. Denn auch wenn sie es nicht wissen, er weiss es:

«Alle Menschen, die mir antisemitische Dinge ins Gesicht sagten, waren überzeugt, keine Antisemiten zu sein. Vielmehr war in ihren Augen ich das Problem, weil ich angeblich überall Antisemitismus wittere.»

Wer also Meyer vorwirft, wie so viele andere, die die Antisemitismuskeule missbrauchen, selbst mit dieser Arroganz Antisemitismus zu befördern, ist in seinen Augen ein Antisemit. Dabei ist Kritik an den Untaten der israelischen Regierung keinesfalls per Definition antisemitisch. Sondern nötig und berechtigt. Es steht Meyer nicht an, hier den Schiedsrichter zu spielen, was zu sagen erlaubt ist und was nicht.

Seiner Logik folgend, dürfen nur Juden wie er Israel kritisieren: «Ich selber finde es, gerade als Jude, absolut unerträglich, in was für einen blindwütigen Verbrecherstaat sich Israel verwandelt hat.» Aber würde ZACKBUM als Nichtjude dasselbe sagen, stünde es bereits unter Antisemitismusverdacht, hätte Partei genommen, was Meyer ja eigentlich verurteilt, ausser, er tut es selbst.

Dass er die Parteinahme von Nemo und anderen Kunstschaffenden als «dumm» abqualifiziert, ist sein gutes Recht. Ist es dann auch möglich, seine Absonderungen als «dumm» zu bezeichnen? So als Nichtjude einem Juden gegenüber?

Folgte man seiner Aberwitzlogik, dürfte das allerhöchstens ein Jude tun. Das ist die gleiche woke Verpeiltheit, die fordert, dass nur Schwarze etwas über Angelegenheiten von Schwarzen sagen dürfen. Nur ein schwuler Schauspieler einen Schwulen spielen darf. Nur eine Frau über den Feminismus öffentlich nachdenken darf.

Meyer fordert einen «safe room» für alles, was mit dem Palästinakonflikt zu tun hat. In dem nur Juden Partei ergreifen dürfen, obwohl das eigentlich dumm sei.

Ein freier Diskurs, seit der Aufklärung unser probates Mittel zu Erkenntnisgewinn zu kommen, soll hier wieder in mittelalterliche Kerker der unberührbaren Themen gesperrt werden. Was die katholische Kirche damit angerichtet hat, ist bekannt.

Jeder Versuch einer Wiederholung ist strikt zurückzuweisen. Die Kirche masste sich an, als Verkünder des Wort Gottes über eine unumstössliche und nicht bezweifelbare Wahrheit zu verfügen. Wenn vergleichsweise kleine Lichter wie Meyer das auch für sich beanspruchen, machen sie sich nur lächerlich. Ein solches Urteil als antisemitisch zu denunzieren, was ja Meyers einziges, ärmliches Argument wäre, lässt die Frage aufkommen, ob dumm steigerbar ist.

Vermutlich ja.

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Der Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».