Schlagwortarchiv für: Gutachten

Mohr und kein Ende

Peinliche Professoren gibt es zu Hauf.

Professor Bernhard C. Schär, die (…)* für die Historikerzunft, hat ein «Gutachten» verbrochen. Darin ist er nicht mal in der Lage, den zu begutachtenden Begriff M*** auszuschreiben. Eine (…)*. Zudem sind ihm (und seiner Mitautorin) offenbar gravierende Fehler unterlaufen, wie ein Gegengutachten eines renommierten Historikers festhält.

Das ist peinlich. Auf Anfragen – auch von ZACKBUM – reagiert der Professor nicht oder verweigert jede Auskunft. Obwohl das Machwerk den Steuerzahler 33’000 Franken kostete.

Als die NZZ eine fundierte Kritik an dieser Mohrerei vorbrachte, benützte er das Angebot zur Stellungnahme nicht. Oberpeinlich. Aber das lässt sich noch steigern.

Peinliche Professoren werfen sich für Schär in die Schlacht. Eine Professorin Monika Dommann behauptet, dass kritische Artikel wie der in der NZZ und der von René Zeyer in der «Weltwoche» gegen eine angebliche «Offenheit» gerichtet seien und Vertrauen und Transparenz «erschweren». Was immer das bedeuten mag.

Schär selber behauptet nun, er sei von der NZZ vor Erscheinen des Artikels nicht mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Im Artikel steht hingegen, dass er nicht Stellung nehmen wollte. Also nur eine der beiden Darstellungen kann stimmen. ZACKBUM kann dazu beitragen, dass Schär selbst auf die relativ harmlose Frage, was das Gutachten denn gekostet habe, nicht mal zu antworten geruhte.

Nun haben 29 Historiker an der Uni und der ETH Zürich einen «offenen Brief» an die NZZ gerichtet.

Sein erbärmliches Niveau lässt das Schlimmste für die Qualität der historischen Lehre und Forschung an diesen beiden Institutionen befürchten. Sie behaupten in ihrem Schreiben, der NZZ-Artikel konzentriere sich «auf die gezielte persönliche Diffamierung eines Wissenschaftlers». Ein happiger Vorwurf, jemanden in seinem Ansehen herabsetzen, verleumden. Noch massiver: «Im Zentrum steht die Diskreditierung einer Person, nicht die Debatte oder die Entkräftung einzelner Argumente.»

Während aber der NZZ-Artikel argumentativ diverse Werke von Schär kritisch unter die Lupe nimmt und ihm belegt handwerkliche Fehler vorhält, verabsäumen es diese 29 Historiker, ihre Behauptungen auch nur mit einem einigen Sachargument zu untermauern. Stattdessen fabulieren sie:

«Bernhard C. Schär ist ein international renommierter Wissenschaftler … Die Darstellung in der NZZ steht in eklatantem Widerspruch zu … der hohen Anerkennung, die Bernhard Schär in Fachkreisen geniesst.»

Es ist ein jämmerliches intellektuelles Niveau, die Kritik der NZZ an Schär mit solchen Behauptungen entkräften zu wollen. Selbst wenn Schär diese Anerkennung geniessen sollte: das würde null und nichts von der Kritik entkräften, die die NZZ vorgebracht und untermauert hat.

Eine wissenschaftlich anerkannte Methode wäre, die Kritikpunkte des Artikels aufzuzählen – und zu widerlegen. Aber dazu sind diese Professoren nicht in der Lage.

Am Schluss behaupten sie: «Wir stehen ein für den offenen und respektvollen Dialog.» Aber «unser Kollege» dürfe seine «wissenschaftlichen Einschätzungen einbringen, ohne dafür auf persönlicher Ebene diskreditiert zu werden».

Das ist nun höherer Gaga. Für diese Professoren besteht ein «respektvoller Dialog» wohl nur in einer kritiklosen «hohen Anerkennung». In der Kritik an Schär geht es keineswegs um seine «Einschätzungen», sondern um seine handwerklichen Fehler, seine ideologische Voreingenommenheit und konkrete Vorwürfe gegenüber der Wissenschaftlichkeit seines Vorgehens.

Was daran eine «Diskreditierung auf persönlicher Ebene» sein soll, das wissen – wenn überhaupt – nur diese Professoren.

Wer sich dermassen öffentlich blamiert – ohne diskreditieren zu wollen –, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er wirklich für das Tragen eines Professorentitels (und das Verbraten von hübsch Steuergeldern) qualifiziert ist.

Schliesslich verdient ein Professor bis zu 300’000 Franken im Jahr. Nehmen wir hier einen Durchschnitt von lediglich 200’000 Franken, haben also 5,8 Millionen Franken diesen offenen Brief unterzeichnet. Rausgeschmissenes Geld?

*Diese Wörter wurden auf Anweisung des Regionalgerichts Bern-Mittelland zensiert.

Mohr lass nach

Jetzt wird die Mohrerei völlig gaga.

Die Welt hat so ein paar Probleme. Zürich hat so ein paar Probleme. Verkehrskollaps wegen Baustellenflut. Möglicher Wegzug der UBS. Offene Drogenszene. Überforderte und unterbesetzte Polizei.

Tamedia hat seine ganz eigenen Probleme und Prioritäten. Da würgt die derangierte Kolumnistin Gülsha Adilji Unverdautes und Unbekömmliches hoch und speit es in die Spalten:

Schon ab dem zweiten Satz löst das auch beim Leser Brechreiz aus: «Who are we kidding? Ich habe nicht nur was gegen sie, ich finde Männer scheisse. Not all men, bla bla, aber halt schon sehr viele.»

Die Zumutung aus dem Hause Tamedia, nannte das ZACKBUM bereits. Aber sie kann sich noch steigern, ZACKBUM findet’s scheisse.

Tamedia kann sich ebenfalls noch steigern, alleine schon mit einem Gaga-Fragetitel:

Hä? Ist es nicht so, dass zwei anerkannte Historiker auf mehr als 300 Seiten für mehr als 100’000 Franken Honorar akribisch nachgewiesen haben, dass die Holzköpfe in der Aula des Schulhauses Hirschengraben den Betrachter nicht mit Rassismus belästigen? Ist es nicht so, dass eine Gruppe von unqualifizierten Kleininquisitoren mit ihrem «Bericht: Möglichkeiten zum Umgang mit kolonialen Spuren im Stadtraum» dafür gesorgt haben, dass nach einem genauso unqualifizierten Gutachten, das nicht mal das Wort Mohr ausschreiben konnte, zwei traditionelle Hausinschriften in der Zürcher Altstadt verschwinden?

Doch, das ist alles so. Aber es ist auch so: wenn ein fehlerhaftes Gutachten ihre Vorurteile bestätigt, dann sind Linke und Woke gerne bereit, es zu akzeptieren. Wenn ein qualifiziertes Gutachten das nicht tut, treten sie nach. Oder in den Worten des Tagi-Journalisten Beat Metzler: «SP, Grüne und AL sowie der Verein Zürich kolonial vermissen bei den Gutachtern die fachliche Kompetenz.»

Die vermisst ZACKBUM auch bei Metzler, aber das wäre ein anderes Thema.

Dass SP, Grüne und AL zu diesem Thema viel Meinung, wenig Wissen und nur dummes Geschwätz zu bieten haben, mag nicht weiter erstaunen. Dann gibt es allerdings noch den «Verein Zürich kolonial».

Der plustert sich auf LinkedIn in wackeliger Syntax auf:

Dieser Verein führt Stadtrundgänge durch die schreckliche koloniale Vergangenheit Zürichs durch, obwohl er selbst einräumt: «Zwar verfügte die Schweiz selbst formal über keine Kolonien, dennoch war sie stark in die kolonialen Projekte anderer europäischer Nationen involviert

Lachen ist gut für die Gesundheit, das weiss sogar der Bundesrat. Einen wichtigen Beitrag leisten diese Historiker mit ihrer «kritischen Stellungnahme». Sie ist, im Gegensatz zum kritisierten Gutachten, anonym abgefasst («von Historiker:innen aus dem Umfeld ...»). Vielleicht fürchten die Autoren die Rache der Mohren.

Sie müssten aber eher das schallende Gelächter von Historikern fürchten, das sie mit solchem Geschwurbel auslösen:

«Das Gutachten suggeriert, dass rassistische Darstellungen notwendigerweise eine visuell oder räumlich ablesbare Rangordnung zwischen dargestellten Figuren voraussetzen und dass das Fehlen einer solchen Hierarchisierung einen rassistischen Gehalt ausschliesst. Rassistische Darstellungen sind nicht erst dann erkennbar, wenn Figuren explizit in eine Rangordnung gesetzt werden. Auch für sich genommen können Darstellungen rassistisch und diskriminierend sein …»

Lachtränen abwischen und weiter im Text: «Exotismus wird dabei als nicht-diskriminierendes Gegenstück zu Rassismus präsentiert, dass (!) sich dem stereotyp dargestellten “Fremden” mit scheinbar positiven Attributen und einer wohlwollenden Faszination annähert

Gibt es noch mehr «Probleme» bei diesen Schnitzwerken, ausser, dass die Autoren wirklich nicht gut Deutsch können? Aber sicher: Das «Problem der zeitgenössischen Perspektive, das Problem der Verweigerung von Gleichzeitigkeit, der widersprüchlichen Interpretation historischer Vorbilder, der Reproduktion rassistischer Sprache». Wohlgemerkt im kritisierten Fachgutachten.

Mit ihren eigenen historischen Forschungen sind diese anonymen Denunzianten allerdings auf einen veritablen Skandal gestossen, nämlich auf die

«Tatsache, dass Gutachter Joseph Jung und Auftraggeber des Gutachtens Filippo Leutenegger beide in den 60er-Jahren die Klosterschule Disentis besuchten».

Damit ist erwiesen, dass sowohl Jung wie auch Leutenegger disqualifiziert sind. ZACKBUM weist vorsorglich darauf hin, dass es auch zwischen dem Autor René Zeyer und Filippo diverse Berührungspunkte in der Vergangenheit gibt, was diesen Artikel sicherlich auch disqualifiziert.

Nichtsdestotrotz wollen wir für einen letzten Lacher in solch trüben Zeiten sorgen und zitieren die Forderungen der anonymen Historiker:innen:

»– ein neues Gutachten von unabhängigen Historiker:innen und anderen Wissenschaftler:innen, die mit den Forschungsfeldern des Kolonialismus und Rassismus vertraut sind. – ausreichende finanzielle Mittel zur fachgerechten Kontextualisierung der Figuren. – ein antirassistisches Vermittlungsangebot, das über das Anbringen einer Plakette hinausgeht. – potenzielle Verschiebung der Köpfe von einem schulischen in ein museales Umfeld.»

Mit anderen, klaren Worten: wir wollen massig Kohle für mehr Gutachten. Und wir wollen, dass die Köpfe abgesägt werden.

Geldgier, gepaart mit bilderstürmender Barbarei. So macht historische Wissenschaft Spass.

Wieso es allerdings Qualitätsjournalist Metzler unterlässt, diesen Schwachsinn kritisch zu würdigen, bleibt sein dunkles Geheimnis.

Gilt auch hier: Kopf ab?

 

Völlig durchgedreht

Holzköpfe aller Orten in Zürich. Nicht nur im Schulhaus Hirschengraben.

319 Seiten umfasst ein «Gutachten» des sogenannten «Atelier Jung». In Auftrag gegeben hatte das die Stadt Zürich, genauer der Stadtzürcher Schulvorsteher Filippo Leutenegger. Zu untersuchen war, ob Figurenköpfe in der Aula «rassistisch» seien, diskriminierend oder nicht. In diesem wunderprächtigen Raum symbolisieren acht Paare eine «Galerie der Völker».

Die Wurzel dieses Wahnsinns ist der Bericht «Möglichkeiten zum Umgang mit kolonialen Spuren im Stadtraum», der im März 2021 verfasst wurde. Dahinter steht die Projektgruppe «Rassismus im öffentlichen Raum» (RiöR). Dieser Haufen von Grossinquisitoren unterschied doch tatsächlich zwischen

  1. Objekte, die entfernt werden sollten
  2. Objekte, die aufgearbeitet werden müssen
  3. Objekte, die kontextualisiert werden können.

Diese Dunkelkammer wurde von anderen Dunkelkammern bestückt:

  • PRD – Fachstelle für Gleichstellung / Integrationsförderung

  • GUD – Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

  • SD – Sozialdepartement

  • SID – Sicherheitsdepartement (z. B. Stadtpolizei)

  • SSD – Schul- und Sportdepartement

  • Städtischer Ombudsmann

  • Denkmalpflege, Kunst, Archivierung, Liegenschaftenverwaltung (weitere Querschnittsfunktionen)

Wer masste sich diese Entscheidungsgewalt an, der schon einige Mohrenköpfe in der Stadt Zürich zum Opfer fielen? Hochqualifizierte Fachleute natürlich.

Unter der Leitung von Christof Meier (Bereichsleiter Integrationsförderung PRD) schlugen zu:

  • Shelley Berlowitz – Fachstelle für Gleichstellung (PRD)

  • Susann Birrer – Stadtpolizei (SID)

  • Michael Bischof – Integrationsförderung (PRD)

  • Myriam Fojtu – Stabsstelle Departementssekretariat (GUD)

  • Beat Haas – Inventarisation Denkmalpflege (HBD)

  • Pierre Heusser – Stadt-Ombudsmann

  • Anja Huber – Stadtarchiv (PRD)

  • Sara Izzo – Fachstelle Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) (TED)

  • Beat Kessler – Sozialdienst Liegenschaften Stadt Zürich (FID)

  • Selin Öndül – Schulamt (SSD)

  • Vithyaah Subramaniam – Integrationsförderung (PRD)

  • Bea Troxler – Departementsstab (SD)

Natürlich verwendeten sie niemals den Begriff Rassismus oder forderten Kopf ab. Heutzutage heisst das «kontextualisieren» oder «kritisch diskutieren». Sobald sich ein «Betroffener» oder gar ein Haufen Betroffener zu Wort meldet und seinem Unwohlsein Ausdruck verleiht, beginnt die sensibilisiert-woke Stadtregierung sofort mit Hyperventilieren und fordert ein «Gutachten» an.

Im Fall der problematisierten Köpfe kam der Historiker Joseph Jung zum Handkuss, bzw. sein «Atelier Jung». Der war Privatdozent an der ETH Zürich, Chefhistoriker der Credit Suisse sowie Geschäftsführer verschiedener Stiftungen. Seit 2015 ist er Geschäftsführer und einzig aufgeführter Mitarbeiter der Einzelfirma «Atelier Jung», steuergünstig in Zug domiziliert. Das sich natürlich auf «ein Netzwerk» abstützt, auf was denn sonst.

Dieses Riesenwerk hat der bislang nicht als Rassismus-Experte aufgefallene Jung (dafür als Autor des lesenswerten Buchs «Das Laboratorium des Fortschritts») mit einem Dr. phil. Matthias Frehner verfasst. Der ist Publizist, Kurator, Spezialist für Eisenplastik und Raubkunst. Ebenfalls völlig unbeleckt vom Thema Mohrenköpfe gestern und heute.

Zur grossen Erleichterung aller Beteiligten kam das mit wissenschaftlichem Gelaber aufgeblasene Gutachten zum Schluss, dass es sich bei diesen Figuren nicht um den Ausdruck von Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit handle. Sie seien «nicht diskriminierend». Uff. Andererseits: «Die Figurenköpfe basieren auf einem rassistischen Weltbild.» Ja was denn nun?

Daher wird eine – Überraschung – «Kontextualisierung» empfohlen. Mit Infotafel, QR-Codes, dazu Unterrichtsmaterialien, Workshops, Ausstellungen. Das übliche Gedöns, wenn man nicht so weit gehen möchte, diese kunsthistorisch wertvollen Bestandteile des Gesamtkunstwerks dieser Aula einfach abzuhacken.

Der NZZ ist aufgefallen, dass eine menschliche Fratze, die über dem Eingang des Schulhauses die Besucher anblickt, «für die Schulbehörden der Belle Époque der künstlerischen Freiheit zu viel war. Das Bildnis musste vorübergehend abgedeckt werden – wie die «Mohren»-Inschriften gut 130 Jahre später.»

Besser kann man diesen absurden Bildersturm nicht der Lächerlichkeit preisgeben.

Man könnte sich über den woken Wahnsinn lustig machen. Wenn der Zürcher Steuerzahler nicht dafür kräftig bluten müsste. Laut Jung hat das Gutachten 113’000 Franken gekostet. Er hält sich für das Thema Mohrenkopf qualifiziert, weil einer seiner «Forschungsschwerpunkte ist seit vielen Jahren das 19. Jahrhundert. Neben ganz unterschiedlichen Fragestellungen ist die Kulturgeschichte das übergreifende Thema».

Seine Wackelposition begründet er so: «Vereinfacht gesagt, sind nicht die Figurenköpfe (der Völker) das Problem – diese sind egalitär, gleichwertig in der Platzierung und Ausarbeitung, es gibt keine Karikaturen, alle sind exotisch typisiert usw. Das Problem ist der Zeitgeist: das rassistische Weltbild (Imperialismus, Kolonialismus) und damit die Einteilung der Menschen in Rassen (nach Hierarchien und mit entsprechenden Diskriminierungen).»

Schön, dass der rassistische Zeitgeist des 19. Jahrhunderts entlarvt wurde. Denn heute sind wir weiter: es gibt offenbar keine Rassen mehr. Denn nur schon das Eingeständnis ihrer Existenz wäre – rassistisch. Das muss dem Stadtzürcher Steuerzahler doch über 100’000 Franken wert sein. Darüber kann er dann im Stau in aller Ruhe nachdenken.

 

Der Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».