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Ein neues Münchner Abkommen?

Wer nichts aus der Geschichte lernt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.

«Wir brauchen Grönland.» So einfach gestrickt ist Trumps Weltbild. Die Lüge «Sicherheitsinteressen» ist so offenkundig, dass schon sie allein eine Provokation darstellt.

Ginge es darum: den USA wäre es vertraglich freigestellt, ihre aufgegebenen Militärstützpunkte neben der verbliebenen Pituffik Space Base (früher Thule) wieder zu bemannen.

Damit würde seiner Behauptung, die Insel werde von Dänemark und der Nato nur ungenügend gemanagt und verteidigt, Genüge getan.

Worum es ihm wirklich geht? Wer weiss das schon. Machtdemonstration, Eintrag in die Geschichtsbücher, Zugriff auf Rohstoffe, Ablenkung von innenpolitischen Problemen, Bereicherung seines Clans.

Dass Trump inzwischen im roten Bereich dreht, beweist sein Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten und an andere Nato-Mitglieder:

«Lieber Jonas, da Ihr Land beschlossen hat, mir den Friedensnobelpreis für die Beendigung von acht Kriegen nicht zu verleihen, sehe ich mich nicht länger verpflichtet, ausschließlich an den Frieden zu denken, obwohl dieser immer im Vordergrund stehen wird

Abgesehen davon, dass nicht die norwegische Regierung die Nobelpreise verleiht: der Mann ist ein gekränkter Narzisst, und es gibt kaum etwas Gefährlicheres als ein mächtiger, gekränkter Narzisst.

Es gibt zu seinem in der jüngeren Geschichte einmaligen Versuch des Landraubs mit Gewaltandrohung eine historische Parallele.

Sie beginnt mit dem «Anschluss» Österreichs an das Dritte Reich Hitlers. Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen ohne Widerstand in der Alpenrepublik ein. Anschliessend wurde das mit einer manipulierten Volksabstimmung pseudolegitimiert.

Hitler führte verschiedene, vorgeschobene Gründe für diese Annexion an. Korrektur der Nachkriegsordnung, Österreich sei wirtschaftlich schwach und instabil und könne nur durch den Anschluss gerettet werden.

Grossbritannien und teilweise auch Frankreich verfolgten damals gegenüber Hitlerdeutschland eine Appeasement-Politik. Man wollte mit Nachgeben, Verhandlungen und Zugeständnissen gegenüber dem aggressiven Nazideutschland einen erneuten grossen Krieg in Europa vermeiden.

So duldete man die Wiederaufrüstung Deutschlands, die Verfolgung von Gegnern und Oppositionellen und Juden im Dritten Reich, diesen Anschluss und im Münchner Abkommen die Abtretung des Sudetenlands an Hitler.

«Peace for our time», sagte der britische Premierminister Neville Chamberlain, als er aus München zurückkehrte, wo er mit Mussolini, dem französischen Premierminister Daladier und Hitler das Abkommen unterzeichnet hatte.

Eine gewaltige Fehleinschätzung, nur ein Jahr später begann der Zweite Weltkrieg.

US-Präsident Trump hat gerade bekannt gegeben, dass er das Militärbudget um gigantische 500 Milliarden Dollar erhöhen wolle. Dabei geben die USA heute schon so viel Geld für Rüstung aus wie die nächsten zehn Staaten der Welt zusammen.

Was wäre geschehen, wenn die europäischen Mächte Frankreich und England damals nicht auf eine Beruhigungs-, sondern auf eine Konfrontationspolitik gegen Hitler gesetzt hätten?

Alternative historische Entwicklungen sind interessante Gedankenspiele, aber letztlich nur mind games. Faszinierend zu lesen wie «München» von Robert Harris.

Vergangenes ist vergangen, auch wenn es ständig uminterpretiert und neu ausgelegt wird.

Aber die Gegenwart und die Zukunft haben den Vorteil, dass sie beeinflussbar sind, verschiedene Handlungen verschiedene Resultate ergeben.

Auch wenn das Lernvermögen der Menschheit, der Regierungen und der Politiker begrenzt ist, so kann doch ein Blick in die Geschichte helfen, heute notwendige Entscheidungen zu treffen.

Bislang ist der aggressiv-expansiven Aussenpolitik Trumps mit Nachsicht und Nachgeben begegnet worden.

Er bezeichnet sich als Machthaber in Venezuela. Er bedroht Mexiko, Kolumbien, Panama und Kuba. Er wollte auch mal Kanada als neuen Bundesstaat in die USA aufnehmen.

Jetzt will er jeden Widerstand gegen seine Annexionspläne für Grönland mit dem Zollstock niederknüppeln. Er sagt wiederholt und glasklar, dass er auch militärische Gewalt nicht ausschliesse.

Wenn man aus der Geschichte lernen will oder kann: Besänftigung und gutes Zureden hat gegen Usurpatoren noch nie genützt.

Natürlich haben die übrigen Nato-Staaten zusammen nicht die gleiche militärische Schlagkraft wie die USA. Aber sie verfügen über die ultimative Waffe, mit der man selbst eine Supermacht in die Schranken weisen kann.

Denn nicht einmal Trump würde einen Atomkrieg um Grönland riskieren.

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Dieser Text wurde zuerst «Inside Paradeplatz» angeboten («Passt nicht»), dann der «Weltwoche online» («Aktuell würden wir ihn nicht bringen»). Man muss mit ihm nicht einverstanden sein. Aber …

Kann Trump Fernhypnose?

Das würde Urs Gehrigers Geschreibsel erklären.

Zunächst die camouflierende Packungsbeilage in der «Weltwoche»: «Rechtlich betrachtet, ist Trumps Grönland-Kiste ein No-Go.»

Aber he, wieso muss man denn die Dinge rechtlich betrachten. Man sollte sie vielmehr «nüchtern» sehen, obwohl sich das dann im Fall Gehrigers als vollbesoffen herausstellt.

Also «nüchtern betrachtet – und Nüchternheit ist der beste Ratgeber in emotional echauffierten Zeiten – kann es durchaus in Europas Interesse liegen, wenn die Amerikaner für die Sicherheit auf Grönland sorgen».

Ach was. Wieso denn das? «Wenn sich um Grönland neue Transitrouten öffnen, ist das für Europäer ebenso relevant wie für die USA. Sollte sich bei diesem Rennen um Handelswege Russland durchsetzen, hat das Auswirkungen auf dessen Macht in Europa.»

Und wie würde dann diese «Sicherheit» hergestellt? «Sicherheit kann nicht durch episodisches Engagement erreicht werden. Sie erfordert ein entschlossenes langfristiges Engagement. «Wissen Sie, wie ihre Verteidigung aussieht? Zwei Hundeschlitten», spottete Trump jüngst über den dänischen Wehraktivismus. Russland und China hingegen verfügten über «Zerstörer und U-Boote überall».»

Wo soll man bloss anfangen? Vielleicht damit: wenn Präsident Trump selbst gegenüber verbündeten Nato-Mitgliedern offen mit dem Einsatz von militärischer Gewalt droht, um sich die grösste Insel der Welt anzueignen, ist das kein Beitrag zur Sicherheit.

Es ist Wildwest, Raub durch die Macht des Stärkeren, es ist der Ersatz einer regelbasierten und rechtsstaatlichen Ordnung durch Faustrecht, Willkür, durch Barbarei und hemmungslose Gier. Es ist ein weiterer Raubzug im vollen Tageslicht.

Begleitet von atemberaubender Verlogenheit. Trump behauptet, die Sicherheitsinteressen der USA würden es verlangen, Grönland zu annektieren. Denn die Verteidigung der Insel bestünde aus zwei Hundeschlitten, während sie von russischen und chinesischen Zerstörern und U-Booten umkreist werde.

Dabei vergisst der grösste Lügner aller Zeiten zu erwähnen, dass die einzige Nation, die einen Militärstützpunkt auf der Insel unterhält – die USA sind.

Dabei vergisst er zu erwähnen, dass selbstverständlich auch die USA mit Zerstörern und U-Booten präsent sind.

Dabei vergisst er zu erwähnen, dass die USA seit 1945 sukzessive ihre Militärpräsenz auf der Insel abgebaut haben und Stützpunkte aufgaben – die seither die Umwelt verseuchen.

Er vergisst zu erwähnen, dass die USA mal bis zu 10’000 Soldaten auf Grönland stationiert hatten, heute noch rund 200. Wenn es den USA also rein um die Sicherheit ginge, könnten sie problemlos und vertraglich abgesichert eine beliebige Anzahl weiterer Truppen auf Grönland stationieren und ihre alten Basen säubern und wieder in Betrieb nehmen.

Also ist das Argument «Sicherheit» schlichtweg vorgeschoben, eine glatte, offene und leicht erkennbare Lüge.

Auf die niemand hereinfällt – ausser Gehriger und ein paar weitere Dünnbrettbohrer.

Natürlich geht es – wie im Fall Venezuela – weder um Sicherheit, noch um den Schutz der Demokratie. Sondern um den Besitz von Rohstoffen und deren Ausbeutung.

Das ist so offensichtlich wie das Polarlicht.

Stattdessen irrlichtert Gehriger: «Mit dem Kauf von Grönland könnte Trump einen «Jahrhundert-Deal» landen, schreibt der Economist. Damit würde er nicht nur die Sicherheit Amerikas erhöhen, so das Wirtschaftsblatt, sondern auch die der Nato-Verbündeten.»

Abgesehen davon, dass sich auch der «Economist» irren kann: also die Sicherheit der Nato-Verbündeten würde dadurch erhöht, dass ein Nato-Mitglied einem anderen völlig illegal und notfalls mit Gewalt ein Riesenstück Land klaut? Abenteuerlich.

Mit der Begründung, dadurch würde die Sicherheit erhöht – dabei könnte sie problemlos und einfach durch die Stationierung von mehr Truppen erhöht werden. Ungeheuerlich.

Genauso bescheuert wie Gehriger reagieren allerdings bislang die Nato und die EU. Es wurden 13 (!) deutsche und ein paar französische und spanische Soldaten in die Kälte geschickt. Mit denen würden selbst die wenigen auf der Insel stationierten US-Soldaten fertig.

Und die EU wackelt aufgeregt mit vielen Zeigefingern und wiederholt mit ernster Miene, dass das ja wohl nicht anginge. Lachhaft.

Statt dem Grölaz (grössten Lümmel aller Zeiten) in seinem goldüberkrusteten Büro in Washington klar zu machen: das geht nicht, du Lümmel. Und wir haben dann zwar nicht so viele wie du, aber durchaus genügend Atomwaffen, im Fall. Also such dir ein anderes Spielfeld aus. Gibt doch genügend Gegenden der Welt, wo du US-Sicherheitsinteressen durchsetzen könntest.

Ukraine, Gazastreifen, Kolumbien, Panama, Mexiko …

 

 

Helm auf!

Dominique Eigenmann ist auf dem Kriegspfad. Trump zittert.

Wenn das mal keine Ansage ist: «Grönland: Jetzt braucht Europa gute Antworten». Im Internet hört sich das noch martialischer an:

Eigemann ist selbst für Tagi-Verhältnisse Rekordhalter im Zurechtweisen und Handlungsbefehle Erteilen. Erst unlängst musste er den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz scharf rügen: Der mache einen «kolossalen Fehler». Völlig falsch liege der «knurrige belgische Ministerpräsident», der den Diebstahl russischer Zentralbankgelder ablehnte.

Denn Eigenmann wusste es besser: «Europa wird derzeit faktisch in der Ukraine verteidigt. Deswegen muss die EU nächste Woche an ihrem Gipfel mutig sein und den «Reparationskredit» an Kyjiw solidarisch beschliessen.»

Und die Sicherheit Deutschlands wurde am Hindukusch verteidigt. Aber die EU hat dann eine für sie übliche Schwiemellösung gefunden. Einfach gemeinsam mehr Schulden aufnehmen, geht doch auch.

Aber nun hat das Schlachtfeld gewechselt, es geht um alles. Zumindest um Grönland. Geradezu fieberhaft erteilt Eigenmann Ratschläge: «Auf allen Ebenen müssen sie auf die angekündigte Attacke reagieren, rote Linien ziehen, Angebote schnüren.»

Befriedigt nimmt der Rechthaber zur Kenntnis: «In Europas Hauptstädten und in Brüssel, dem Hauptquartier von EU und Nato, wird daran bereits fieberhaft gearbeitet.» Endlich hört man mal auf ihn …

Aber bei allem Fieber, was kann Europa denn gegen Trumps Annexionsgelüste tun?

Das ist guter Rat, selbst für Eigenmann, teuer:

«Militärisch verteidigen vermögen Dänemark und die EU Grönland gegen die grösste Militärmacht der Welt nicht, so viel steht fest.»

Ja aber was denn dann? Na, «Germans to the front», beliebter Slogan seit 1900. Allerdings meinte der britische Admiral Edward Seymour damals während des chinesischen Boxeraufstands damit, dass er lieber tapfere Deutsche als schlappe Engländer verheizen möchte.

Wie auch immer, nun forderten dänische Politiker «Frankreich und Deutschland auf, Truppen auf Grönland zu stationieren – nicht um die Insel zu verteidigen, sondern um den politischen Preis einer Invasion in die Höhe zu treiben».

Ach so, lasst euch da mal verheizen, Jungs. Das sei, meint Eigenmann in der Sprache des Unmenschen, «eine Art Stolperdraht – um den USA zu signalisieren, dass sie schon auf Verbündete schiessen müssen, wollen sie die Insel annektieren».

Und England, das perfide Albion, ist als Nicht-EU-Mitglied mal wieder fein raus.

ZACKBUM versucht, den jüngsten Ratschlag des Militärstrategen Eigenmann zu verstehen und zusammenzufassen. Europa dürfe seine Souveränität nicht aufgeben. Dazu gehöre auch die nötigenfalls militärische Verteidigung Grönlands. Andererseits sei das gar nicht möglich. Oder halt so als «Stolperdraht» aus Leichen von deutschen und französischen Soldaten.

Europa brauche jetzt gute Antworten, behauptet Eigenmann einleitend. Das ist wahr. Wieso liefert er dann aber unbrauchbares Gestammel?

Weiss der Grossstratege denn nicht, dass Trump jedes Anzeichen von Schwäche zu mehr Brustgetrommel animiert? Also ein deutliches «fuck off, und wir hätten dann auch Atomwaffen, im Fall». Das wäre die eine Möglichkeit.

Oder aber: Fliegen Sie doch direkt vom WEF nach Grönland, um dort in Nuuk die US-Flagge zu hissen.

Und hören Sie nicht auf Irrlichter wie Eigenmann. Aber das tut ja ausser- und innerhalb der EU sowieso keiner. Bloss die armen Tamedia-Leser bezahlen mal wieder dafür, dass sie gequält werden. Muss sich um Masochisten handeln.

Der Pate, Teil IV

Präsident Donald Trump machte Maduro ein Angebot, das der hätte annehmen sollen: hau ab.

Jetzt sitzt Venezuelas Staatschef in einem Ami-Knast, und die Schweiz friert Vermögen ein.

Das Foto aus dem Kommandoraum in seinem Golf-Ressort Mar-a-Lago sagt alles. Da sitzt Donald Trump, sorgfältig gefönt und mit grimmigem Blick neben seinem CIA-Direktor und seinem Kriegsminister und betrachtet live die «gute TV-Show», wie US-Truppen Dutzende von Kubanern und Venezolanern umbringen und den Präsidenten samt Frau kidnappen.

Schade, dass Marlon Brando nicht mehr lebt. Er hätte diesem Auftritt eines Paten wenigstens Grösse verliehen.

Es sind die Regeln der Mafia, nach denen hier gespielt wird. Jeder, der Capo de tutti i capi werden will, muss ein Exempel statuieren. An einem anderen Capo, damit dessen Gefolgsleute zu ihm überlaufen und er das Territorium beherrscht.

Natürlich darf die Hierarchie weiterexistieren, damit nichts in Unordnung gerät. Der neuen venezolanischen Präsidentin Delcy Rodríguez wurde öffentlich klargemacht, dass sie am Gerät bleiben darf – wenn sie genau das tut, was man ihr sagt.

Die Profite aus dem grössten Ölsee der Welt werden neu aufgeteilt. Die USA holen sich zurück, was ihnen angeblich vor Jahren gestohlen wurde. Und die Clique um Maduro darf sich weiterhin eine Scheibe abschneiden – einfach eine viel kleinere als vorher.

Bei Maduro war der Vorwurf, eine wichtige Rolle im Drogenhandel Richtung USA zu spielen, lediglich ein Vorwand. Belegfrei, unsinnig wie die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. Im Fall Kolumbiens ist durchaus was dran.

Als Pate Trump gefragt wurde, ob es ähnliche Pläne bezüglich Kolumbiens Präsident Gustavo Petro gebe, antwortete er «sounds good to me», hört sich für mich gut an.

Auch Mexiko, wo an der Grenze zu den USA rechtlose Zustände herrschen, das Gebiet von Drogenkartellen beherrscht wird, die hier aus China importiertes Fentanyl auf dem Landweg in die USA befördern, muss ein Eingreifen fürchten.

Das alles wird den Drogenmarkt USA zwar nicht austrocknen. Aber es zeigt, wer der Herr im Haus ist und wessen Hausrecht gilt.

Ein Schlag gegen die grössten Drogengeldwaschmaschinen der Welt, die in den USA stehen, wäre zwar viel effektiver. Aber mit der US-Finanzwelt und -unterwelt will sich selbst ein Pate nicht anlegen.

Ach, da wäre ja auch noch Panama, das Trump in seinen Aufzählungen vergessen hat. Aber als 79-Jähriger kann man sich nicht an alles erinnern.

Und dann gibt es «die offizielle Position» der US-Regierung zu Grönland. Die Rieseninsel sollte unbedingt Teil der USA sein.

Oder Original-Trump:

«Wir brauchen Grönland für unsere nationale Sicherheit

Warum? Die Insel liege strategisch günstig und sei von «russischen und chinesischen Schiffen» umgeben.

Und von US-U-Booten. Vor allem aber von Walen, Robben, Walrossen, Fischen und Meeresgetier.

Dass Grönland Teil von Dänemark ist und hier ein NATO-Mitglied einem anderen offen mit militärischer Gewalt droht – in einem zivilisierten Zusammenleben eigentlich undenkbar.

Was macht die offizielle Schweiz? Protestiert sie als neutraler Staat gegen diesen Raubüberfall auf Venezuela, droht sie den USA Sanktionen an (diejenigen gegen Russland könnten problemlos als Vorlage dienen)? Verurteilt sie in klaren Worten die wiederholten Drohungen Trumps, sich Grönland anzueignen?

Ach was. Der Schweizer Bundesrat hat Vermögenswerte von Maduro und 37 Personen aus seinem Umfeld vorsorglich eingefroren, um «sicherzustellen, dass solche Gelder im aktuellen, volatilen politischen Umfeld nicht aus der Schweiz abfliessen können».

Grundlage der Massnahme ist das Bundesgesetz über die Sperrung und die Rückerstattung unrechtmässig erworbener Vermögenswerte ausländischer politisch exponierter Personen (FIAA bzw. SRVG).

Während bislang Schweizer (und Liechtensteiner und europäische) Banken und Vermögensverwalter null Skrupel hatten, sich der Verwaltung von geraubten venezolanischen Ölexporteinnahmen dumm und krumm zu verdienen, kommt nun plötzlich Panik auf.

Von dieser Beschlagnahmung seien aber amtierende Regierungsmitglieder ausgenommen. Stupende Logik; sind die denn weniger korrupt als Maduro?

Das Ganze erinnert an die rund 800 Zombie-Trusts reicher Russen in Liechtenstein, deren Treuhänder ab Anfang letztes Jahr blitzartig das Weite suchten, nachdem einige ihrer Kollegen auf die US-Sanktionsliste der OFAC gerieten. Seither sind die Trusts handlungsunfähig. Es geht um rund 20 Milliarden Dollar, insgesamt.

Im Fall von Venezuela sprechen wir von ganz anderen Dimensionen. Es wird geschätzt, dass unter dem Regime von Chávez und dann Maduro bis zu 300 Milliarden Dollar veruntreut wurden.

Und die hätten nicht nur Venezuela, sondern auch die USA gerne zurück. Schliesslich kostet der Wiederaufbau der verlotterten Ölindustrie schätzungsweise 120 Milliarden Dollar.

Der arme Maduro hat also nicht nur seine Freiheit, sondern auch sein Vermögen verloren.

Das nächste Mal kann Pate Trump sicher sein, dass sein Angebot nicht abgelehnt werden wird.

Und zwischenzeitlich betätigt er sich als Pirat in internationalen Gewässern.

Dieser Artikel erschien zuerst in leicht abgeschwächter Form auf «Inside Paradeplatz».

First, we take Greenland

Donald Trump wandelt einen alten Leonard-Cohen-Song um.

Bislang gibt es nur offene Münder und ein «das darf doch nicht wahr sein» als Antwort. Dass er will, ist klar. Kann er auch?

«First, we take Manhatten, then we take Berlin». Eine poetische Zeile, die sich als prophetisch erweisen könnte. Denn mal Hand aufs Herz, auf Grönland gibt es die US-Air-Base Thule mit zurzeit vielleicht 130 US-Soldaten. Die Verteidigung der Rieseninsel obliegt dem winzigen Dänemark. Das Land unterhält dafür ein Arktisk Kommando mit 60 Soldaten. Dann dürfen wir die Sirius-Schlittenpatrouille nicht vergessen, die auch als Parkaufsicht figuriert. Die gesamte dänische Armee umfasst genau 16’700 Wehrmänner, dazu kommen noch 12’000 Reservisten und 51’000 Freiwillige der Heimwehr.

Die US-Streitkräfte zählen rund 1,4 Millionen ausgebildete aktive Soldaten, die mit 860’000 Reservisten verstärkt werden können. Was dazu noch an Maschinenpark dazukommt, wollen wir nicht aufzählen. Es reicht wohl die Erwähnung, dass das US-Militärbudget von knapp 900 Milliarden US-Dollar so gross ist wie das der nächsten zehn Militärmächte der Welt zusammen.

Also gegen die Eroberung Grönlands ist der Einsatz militärischer Mittel gegen Panama schon eine Herausforderung, obwohl die USA das letztes Mal 1989 problemlos bewältigt haben. Nun gibt es da aber noch ein kleines Problem. Denn sowohl die USA wie Dänemark sind Mitglieder der NATO. Die könnte, ohne USA, 2,1 Millionen Soldaten mobilisieren. Und ein Angriff auf Grönland wäre nun eindeutig ein sogenannter Bündnisfall. Im Vertrag heisst es in Artikel fünf, dass ein Angriff auf ein NATO-Mitglied eine gemeinsame Reaktion auslöst.

Dieser Bündnisfall wurde das erste Mal in der Geschichte des transatlantischen Pakts nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen. Zuvor gab es noch die Operation Allied Force gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Jahr 1999. Allerdings: was passiert, wenn ein NATO-Mitglied ein anderes angreift, dafür reichte die Fantasie nicht aus.

Obwohl es die leidige Geschichte zwischen Griechenland und der Türkei gibt. Die Hellenen traten 1974 aus der NATO aus, als das NATO-Mitglied einen Teil Zyperns besetzte. Und im Streit um Ägäis-Inseln konnte 1996 nur mit viel Mühe ein Krieg zwischen zwei NATO-Mitgliedern verhindert werden, da Griechenland wieder in den Pakt zurückgerudert war. Damals machten aber vor allem die USA klar, dass sie eine solche Auseinandersetzung nicht dulden würden. Aber hier wären sie selbst Kriegspartei.

Also nehmen wir an, die USA erfinden nach bewährter Manier (Stichwort Zwischenfall von Tongkin, nordvietnamesische Schnellboote sollen US-Kriegsschiffe beschossen haben, Fake News und 1964 der Startschuss für die US-Militärintervention im Vietnamkrieg) einen Vorwand zum Anlass, in Selbstverteidigung militärisch auf einen Angriff der Sirius-Schlittenpatrouille reagieren zu müssen. Vielleicht besteht auch der Verdacht, dass die Schlittenhunde Massenvernichtungswaffen mit sich führen. Schon alleine der Lebertran, meine Güte.

Und dann? Dann erobern die US-Truppen Grönlands Hauptstadt Nuuk und setzen dort eine provisorische Regierung ein, die diese Intervention als Befreiung begrüsst. Und während die EU wie üblich am Eiern ist, finster die Stirn runzelt und von einem inakzeptablen Vorgehen spricht, dazu drohend mit dem Zeigefinger wackelt, ist die Trump-Regierung gerne bereit, das Hilfsersuchen der neuen Regierung zu akzeptieren und Grönland zum Protektorat zu erklären.

Und dann gilt der gute alte Satz: Kommt doch und versucht, Grönland zurückzukriegen. Oder fresst lieber Griessbrei.

Chor der Dummschwätzer

Make journalism dumb again. 7,2 Millionen Dollar für Alaska, das muss rückgängig gemacht werden.

Da will der bald einmal mächtigste Mann der Welt, Herr über die mit Abstand grösste Militärmaschine, über genügend Atombomben, um den Planeten in die Luft zu sprengen, militärische Gewalt bei der Annexion souveräner Staaten nicht ausschliessen.

Er will noch mehr Faustrecht einführen, als in internationalen Beziehungen ohnehin schon herrscht. Der ganze Kontinent Afrika leidet unter den willkürlichen Grenzziehungen der Kolonialmächte. Dennoch kommt selbst der verrückteste afrikanische Herrscher nicht auf die Idee, eine Veränderung dieser Grenzen, notfalls mit Gewalt, zu fordern. Weil selbst der dümmste afrikanische Herrscher weiss, dass damit das totale Chaos ausbrechen würde, verheerende Bürgerkriege die Folge wären, Massenelend und Zerstörung.

Wenn Russland versucht, sich mit militärischer Gewalt ein Stück von der Ukraine abzuschneiden, wird das zu recht einhellig verurteilt. Wenn Israel ausserhalb seiner Landesgrenzen Kriegsverbrechen begeht und von der Annexion sowie Besiedelung weiterer Gebiete redet, wird das ebenfalls von jedem anständigen Kommentator verurteilt.

Aber wenn das stabile Genie Donald Trump Ungeheuerliches raushaut, dann wird schöngeschwatzt, relativiert, die Idee nicht einfach als absurd-gefährlich abgewatscht, sondern in schlechtester intellektueller Tradition mit wichtiger Miene «reflektiert» und «analysiert». Dabei ist sie nur eins: krank und gefährlich.

Entweder wagt man sich gleich an eine Apologie wie die Schande seines Berufs Hubert Wetzel. Dass zwar die Kommentatoren beim Tagi aufbegehrt haben, von der Redaktion bislang kein Wort gegen dessen Ungeheuerlichkeiten gestellt wurde, ist trauriger Beweis dafür, dass die Rumpfredaktion, vor Angst vor dem nächsten Rausschmeissen gelähmt, Schaumgummi als Rückgrat und opportunistischen Schaum im Hirn hat. Feigheit statt Anstand, was für ein Desaster.

Dass der gleiche Wetzel, der noch das Ende der Demokratie befürchtete, als Trump gewählt wurde, nun eine von dessen beknackten Ideen gar nicht so schlecht findet, ein Stück aus dem Tollhaus.

Die Copycat Urs Gehriger haut wie meist in der «Weltwoche» mal wieder kräftig auf die Kacke:

«Trumps Grönland-Offensive ist kein launischer Akt eines Grössenwahnsinnigen. Sie ist im geostrategischen Kontext zu verstehen.»

Gehriger stellt die Pseudofrage: «Wird Trump tatsächlich einen Krieg gegen einen Nato-Partner vom Zaun brechen?» Das weiss man noch nicht, aber alleine die Drohung damit reicht doch schon.

Der Mann mit der merkwürdigen Frisur und dem verletzten Ego eines häufigen Losers habe das ja auch nicht so gemeint. Was hat er eigentlich gemeint? Nachdem er seine Ansprüche auf souveräne Staaten raushaute, wurde Trump gefragt, ob er zur Umsetzung dieses Wahnsinns ausschliesse, auch wirtschaftliche und militärische Macht einzusetzen.

Zuerst antwortete der Amok mit einem knappen «Nein». Dann legte er nach:

«Nein, bei keinem von beiden kann ich Ihnen eine Zusicherung geben, aber eines kann ich sagen: Wir brauchen sie für unsere wirtschaftliche Sicherheit.»

Das verband er mit der Aufforderung an Dänemark, die Kontrolle über Grönland aufzugeben. Sonst werde er hohe Zölle gegen den Nato-Partner erheben. Von strategischer Bruderhilfe, von der Gehriger fantasiert, war keine Rede.

Was angesichts dieser Ungeheuerlichkeit etwas in den Hintergrund geriet: zum Nahen Osten fielen ihm auch markige Worte ein: «Im Nahen Osten wird die Hölle losbrechen, und das wird nicht gut für die Hamas sein, und es wird – offen gesagt – für niemanden gut sein.» Ausser, die Geiseln seien bis vor seinem Amtsantritt am 20. Januar wieder zuhause.

Absurd, ungenau, der typische Anfängerfehler eines Amoks. Wer wie Obama damals beim Giftgaseinsatz durch das Assad-Regime damit droht, dass ein Überschreiten dieser roten Linie nicht geduldet werde – und dann nichts tut, hat sich blamiert. Trump will sich ganz sicher nicht blamieren.

Der «geostrategische Kontext», von dem Gehringer schwafelt, besteht schlichtweg darin, dass sich die USA privilegierten Zugriff auf die reichen Bodenschätze Grönlands sichern wollen. Dafür ist Trump jeder Vorwand recht, und zu seinem Wohlbehagen gibt es auch unter deutschen Medienschaffenden genügend Blödköpfe, die das mit blumigen Girlanden von wegen Schutz Europas vor Russland und China versehen.

Das Gleiche gilt auch für den Panamakanal. Trumps Behauptung, die Gebühren für eine Passage seien exorbitant zu hoch und benachteiligten die USA, sind, um ein trumpsches Lieblingswort zu verwenden, Bullshit. Sie liegen unterhalb denen des Suezkanals, es wird niemand benachteiligt oder bevorzugt, und die Rückgabe des Panamakanals an Panama ist völkerrechtlich so unangreifbar die die territoriale Integrität der Ukraine.

Wenn schon, könnte Kolumbien nicht nur auf den Kanal, sondern auch auf Panama Anspruch erheben. Denn schliesslich war es ein imperialistischer Akt der USA, dass sich dieser Wurmfortsatz 1903 von Kolumbien abspaltete. Damit die Marionettenregierung den USA erlauben konnte, den Kanal zu bauen und auch gleich sich das Territorium drum herum unter den Nagel zu reissen. Der Hay-Bunau-Vanilla-Vertrag. Man nennt ihn auch den Vertrag, den kein Panamaer unterzeichnet hat. Aber solches historisches Wissen kann man weder bei Trump, noch bei Gehriger noch bei den meisten Schreibtätern voraussetzen.

Bei allem Wahnsinn, der auf der Welt herrscht, hat bislang seit dem Zweiten Weltkrieg kein Irrer versucht, sich einen souveränen Staat einzuverleiben. Im Gegenteil, es entstanden diverse neue Staaten als Abspaltung von grösseren Gebilden.

Da aber die Geschichte weit zurückreicht, findet sich immer ein historischer Anlass, die «Rückgabe» oder die «Übergabe» eines strategisch, militärisch oder wirtschaftlich interessanten Stück Staats zu fordern.

Fängt jemand damit an, bricht der völlige Wahnsinn aus. Der Zar Alexander II. leierte den Verkauf von 1,6 Millionen km2 an die USA an. Im Morgengrauen des 30. März 1867 war man handelseinig: es wurde ein Scheck über lächerliche 7,2 Millionen Dollar für Alaska ausgestellt. Weder die dort lebenden Ureinwohner, noch die dort lebenden Russen wurden gefragt. Dabei wurde sogar ein höheres Angebot von Grossbritannien ausgeschlagen.

Der Check, mit dem Alaska gekauft wurde.

Treppenwitz der Gesichte: zuvor hatte der Zar das riesige Territorium anderweitig zum Kauf angeboten. An das Fürstenhaus von Liechtenstein.

Alleine hier gibt es also genügend Gründe, die Rechtmäßigkeit dieser Transaktion anzuzweifeln. Oder aber, das tut ja Trump im Fall Grönlands auch, einfach auf den Tisch zu klopfen und bei der Rückgewinnung Alaskas wirtschaftliche sowie militärische Mittel nicht auszuschliessen.

«Matto regiert», nannte das Friedrich Glauser, «world gone wrong», sang Bob Dylan. Denn es ist ja nie der Wahnsinn eines Einzelnen. Sondern der Chor von Wahnsinnigen, der die Welt in den Abgrund schieben kann.

Wetzel dreht durch

Tamedia übernimmt inzwischen jeden Schrott aus der Süddeutschen Zeitung.

Schon vor seinem Amtsantritt hat Donald Trump bekanntlich Interesse an diversen souveränen Staaten geäussert. Er hätte gerne Panama, Kanada und Grönland. Vorläufig, so als Anfang. Und bist du nicht willig, brauch ich Gewalt: dabei schliesst er die Anwendung militärischer Mittel ausdrücklich nicht aus. Also ein.

Das ist reiner Wahnsinn, ein Novum in der neueren Geschichte, dass der Oberbefehlshaber der mächtigsten Militärmacht der Welt in spe unverhohlen damit droht, sich andere Länder mit Gewalt anzueignen. Dagegen sind die Handlungen Putins und die Politik Chinas gegenüber Taiwan Kinderkram.

Würden die Herrscher Chinas oder Russlands solche Ansichten äussern, die westlichen Medien wären ausser sich. Aber Heuchelei und Doppelmoral erreichen neue, ungekannte Höhepunkte. Genauso, wie völkerrechtswidrige und verbrecherische Handlungen Israels im Libanon oder in Syrien kleingeredet oder nonchalant berichtet werden, vollziehen erste Journalisten bereits eine atemberaubende Kehrtwende und machen einen Bückling vor einem brandgefährlichen Mann.

Der bereits mehrfach verhaltensauffällig gewordene Hubert Wetzel, für die Süddeutsche Zeitung in Brüssel, hat völlig den Verstand verloren:

«Wenn Trumps Amerika den Europäern hilft, Chinas und Russlands hegemoniale Ansprüche in der Arktis einzudämmern, ist das eine gute Nachricht.»

Es fehlen einem die Worte. 2020 raunte Wetzel noch dunkel: «So sterben Demokratien», als Gruss zum Wahlsieg von Trump. Denn früher war diese Schande seines Berufs für die SZ für die USA zuständig. Dann rief er anlässlich der Ukraine bereits den dritten Weltkrieg aus. Und nun das.

«Trump darf sich gern für Grönland interessieren». Wie bitte? Das «wäre eine gute Nachricht für Europa», behauptet der Mann allen Ernstes, «wenn es ihm um die Sicherheit in der Arktis gehen würde». Man muss sich vor so viel geballtem Wahnsinn zuerst einen Moment sammeln. Da will ein Amok, noch bevor er die Mittel und die Möglichkeit dazu hat, ernsthaft fordern, dass Grönland, ein selbstverwalteter Bestandteil Dänemarks, den USA einverleibt wird. Ob als neuer Bundesstaat, als Kolonie oder einfach als imperiales Eigentum, ist völlig ungeklärt.

Und statt dass ein Aufschrei durch die Medien geht, schreibt der erste Wendehals eine »Analyse», dass man darüber durchaus ernsthaft nachdenken sollte, weil das gar keine schlechte Idee sei. Man kann es nicht oft genug wiederholen: dass Trump – im Duett mit Musk – der gefährlichste Mann der Welt ist, ist eine Sache. Das die ersten Schmierenjournalisten auch in deutscher Sprache versuchen, seine absurden imperialen Fantasien zu rechtfertigen, ist die andere, genauso erschütternde Sache.

Der Schluss von Wetzels Geschmiere ist so ungeheuerlich wie der ganze Rest:

«Bleibt die Frage nach der Methode, mit der Trump eine grönländisch-amerikanische Vermählung erreichen möchte. Wie Wladimir Putin, der die Ukraine durch eine Vergewaltigung in die Zwangsehe mit Russland führen will? Oder über eine andere, völkerrechtlich legale und politisch ausgehandelte Konstruktion, bei der es weder zum Krieg mit Dänemark noch zu einer imperialen Unterwerfung der Grönländer kommt

Die Annexion eines Landes über eine «völkerrechtlich legale Konstruktion»? Grossartig, wieso hat Trottel Putin eigentlich nicht daran gedacht, bevor der die Ukraine überfiel? Das wäre doch auch ein Königsweg für China, sich Taiwan einzuverleiben. Deutschland könnte daran denken, die nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen verlorenen Gebiete wieder heim ins Reich zu holen. Wieso dürfte sich Serbien nicht wieder den Kosovo oder Montenegro einverleiben? Schluss mit den von den Kolonialherren in Schwarzafrika gezogenen Landesgrenzen, da sollte wieder zusammenwachsen, was zusammen gehört.

Und wenn wir schon dabei sind: An der Vereinbarung des Zaren mit den USA, ihnen Alaska zu verkaufen, kann doch auch gerüttelt werden, das müsste endlich wieder in den Besitz Russlands überführt werden. Ist doch sowieso irr, dass die USA ausserhalb ihres Stammterritoriums noch so ein riesiges Stück Land besitzen, das ihnen eigentlich gar nicht gehört.

Sollte diese Irrwitzpolitik Trumps Schule machen, ist der Ukrainekrieg nur ein Vorgeschmack auf weltweite Metzeleien, Grenzverschiebungen, Kriege, Eroberungen und Rückeroberungen. Wobei dann der Einsatz von Atomwaffen diesem Irrsinn ein Ende bereiten würde, weil es nichts mehr gäbe, was sich zu erobern lohnt.

Dass solche Gedanken in einem kranken Hirn unter einer merkwürdigen Frisur keimen, nun ja. diesen Präsidenten haben die Stimmbürger der USA gewählt.

Dass aber ein Mitarbeiter einer angeblich seriösen deutschen Zeitung einen solchen Schwachsinn schreibt, ist nochmal eine Steigerung des Wahnsinns. Dass Tamedia sich nicht enblödet, das unkritisch einfach zu übernehmen, ist ein weiterer Tiefpunkt so weit unten, wie man ihn sich, trotz Abhärtung, nicht vorstellen konnte.

Sollte die Menschheit die Präsidentschaft Trumps überleben, muss dieses Machwerk an einen Schandpfahl des journalistischen Niedergangs genagelt werden. Es steht hurrapatriotischem Gebrüll vor und während des Ersten Weltkriegs in nichts nach.

Wenn sich gegen die Publikation dieser Monstrosität nicht hörbarer Widerstand in der Restredaktion von Tamedia entfaltet, ist es leider völlig klar, dass sie nur noch aus feigen Opportunisten besteht, denen ihr Pöstchen wichtiger ist als Haltung, Rückgrat und Anstand.

Verborgene Perle

Per Zufall ist ZACKBUM auf ein Juwel von Text gestossen.

Auch eine Restaurantkritik kann zu einem funkelnden Diamanten geschliffen werden. Wenn man’s kann und nicht gerade Nutella in einer Schokoladentarte vermutet.

Dabei hat Katharina Bracher ganz anderes durchgestanden. Ein solches Erlebnis launig durchzustehen und dem Leser als Leckerbissen zu servieren, das ist gekonnt:

«Wir, das sind sechs Autorinnen und Bloggerinnen, die von einem Reiseanbieter in ein sterbendes Dorf an der Westküste Grönlands gekarrt wurden. Hier serviert eine 2-Michelin-Sterne-Gastwirtschaft ein Stück Walhaut in Form und Grösse eines Spielwürfels.»

Man muss zugeben, auch das Leben eines Restaurantkritikers hat nicht nur schöne Seiten: «Den tranigen Geschmack in meinem Mund spüle ich mit einem Schluck kostbaren Champagner aus dem 18 Flugstunden entfernten Frankreich.» Offensichtlich ist es hier einem Restaurant am, Pardon, Arsch der Welt gelungen, die kulinarische Version von des Kaisers neue Kleider aufzuführen, denn es hat doch tatsächlich zwei Michelin-Sterne und einen lausigen Service: «Wir warten vor leeren Champagnergläsern, als vierzig Minuten später der zweite Gang kommt.»

Allerdings hebt der auch nicht gerade die Stimmung: «Vor mir steht ein Schüsselchen, in dem ein briefmarkengrosses Stück Fisch schwimmt. Es ist ein roher Kapelan mit silbriger Haut, daneben Pfützen aus fermentierten Stachelbeeren, die sich von einer Salzlake absetzen. Den Atem anhaltend, kaue ich auf der zähen Haut herum und schlucke. Brot gibt es immer noch keines. Der Würgereflex treibt mir die Tränen in die Augen.»

Nun kommt offenbar jeder weitere Gang, oder sollte man Gängchen sagen, mit Weinbegleitung, was durchaus beachtliche Folgen hat:

«Irgendwann verstummen die Gespräche. Eine der Frauen legt ihren Kopf auf der Tischplatte ab und atmet geräuschvoll ein und aus. Ich setze mit einem Magengrummeln einen Akzent in der Stille. Es ist jetzt nach Mitternacht. Der Höhepunkt des Abends ist schon Stunden her: ein blutrotes Club-Sandwichlein aus hauchdünnem Rentierspeck, darin steckte der ganze Flügel eines Schneehuhns: Das Gericht sah aus wie die Überreste einer überfahrenen Möwe.»

Eigentlich will die Autorin aufstehen und dieser Qual ein Ende machen, aber: «Genau in diesem Moment serviert die Bedienung einen Mundvoll geschmorten Moschusochsen mit geräuchertem Knochenmark auf einem Löffelchen Rhabarbermatsch. Ich bin zu betrunken, um zu fragen, ob Rhabarber auf Permafrostboden gedeiht

Natürlich, die Schlusspointe ist vorhersehbar, «lehne ich mich an die Brüstung vor dem Klippenrand und gebe dem Meer sein Fett zurück».

Das ist nun kein Text, der irgend ein Problem der Welt löst. Vielleicht nicht einmal das Phänomen, das absurd Abgelegenes und Verschrobenes im dekadenten Journizirkus seine Liebhaber findet, die sich nicht trauen, so herrlich entlarvend darüber zu schreiben wie Bracher. Allerdings läuft sie damit das Risiko, nie mehr zu solchen kulinarischen Höhepunkten eingeladen zu werden. Aber es ist zu vermuten, dass sie das verschmerzen kann. Obwohl wir Leser dann nicht mehr in den Genuss einer so witzigen Beschreibung von Ungeniessbarem kommen.