Schlagwortarchiv für: gratis

Zum Haareraufen

KI killt die Werber.

Das waren noch Zeiten, als es Starwerber wie Frank Bodin gab. Zwar mehrfach Konkurs gegangen mit seinen Firmen, aber grosses Image und Selbstbewusstsein.

Selbst wenn er der Blick-Familie ein völlig verunglücktes Logo mit Kästchen und Regenrohr verpasste, brachte er das durch. Für ein sagenhaftes Honorar.

Aber diese Zeiten sind bald ganz vorbei. Was früher Texter, AD, Projektleiter, Junior und Senior Consultants und jede Menge weiterer überflüssiger Kostenträger brauchte, die dann mit überlegener Miene eine Präsentation aufführten, lässt sich heute mit zwei Klicks in Sekundenschnelle und erst noch gratis erledigen.

Aufgabenstellung:

Schreibe einen Werbetext über ein Haarwuchsmittel namens Patrol. Slogan, Headline, kurzer knackiger Text. Vier Varianten, nach Zielgruppen. 1. Alle Betroffenen, 2. Jugendliche, 3. Männer, 4. Frauen.

Schwups:

1. Zielgruppe: Alle Betroffenen

Slogan: Patrol – Dein Haar. Dein Selbstbewusstsein.
Headline: Volles Haar beginnt mit einem Schritt: Deinem.
Text:
Patrol unterstützt dich auf deinem Weg zu stärker wirkendem, voller erscheinendem Haar. Einfach anzuwenden, angenehm im Alltag – und entwickelt für alle, die ihr Haarwachstum fördern möchten. Starte heute. Fühle morgen den Unterschied.


2. Zielgruppe: Jugendliche

Slogan: Patrol – Mehr Haar, mehr Style.
Headline: Sei du. Nur mit besserem Haar.
Text:
Patrol hilft dir, dein Haar kräftiger und voller aussehen zu lassen – ganz ohne Stress. Für alle, die ihren Look upgraden wollen. Schnell, easy, daily: Dein Boost für mehr Selbstvertrauen.


3. Zielgruppe: Männer

Slogan: Patrol – Bring Stärke zurück.
Headline: Wenn das Haar nachlässt, leg nach.
Text:
Patrol stärkt dein Haar dort, wo es zählt. Entwickelt für Männer, die dünner werdendem Haar entspannt entgegenwirken wollen. Kraftvoll, unkompliziert und zuverlässig – für einen Look, der Eindruck macht.


4. Zielgruppe: Frauen

Slogan: Patrol – Schönheit beginnt am Ansatz.
Headline: Mehr Fülle. Mehr Gefühl. Mehr Du.
Text:
Patrol pflegt, stärkt und unterstützt sichtbar volleres Haar – genau dann, wenn du es brauchst. Für Frauen, die Wert auf Natürlichkeit, Pflege und ein selbstbewusstes Auftreten legen. Entfalte dein Haarpotenzial.

Zusatzwunsch: Claims und Social Media Posts, auf das Angebot, eine ganze Kampagne zu entwickeln, wurde verzichtet:

1. Zielgruppe: Alle Betroffenen

Claims (5 Varianten)

  • Patrol – Für sichtbar volleres Haar, jeden Tag.

  • Vertraue deinem Haar. Vertraue Patrol.

  • Starkes Haar beginnt mit einer starken Routine.

  • Mehr Fülle. Mehr Selbstvertrauen.

  • Patrol – Die tägliche Kraft für dein Haar.

Social-Media-Posts (3 Varianten)

Post 1:
Volles Haar? Möglich. Patrol unterstützt dich täglich, wenn du deinem Haar etwas zurückgeben willst. 💪✨
#Haarwuchs #Patrol #SelfCare

Post 2:
Jeder verdient das Gefühl von starkem, vollem Haar. Starte heute – die Zukunft deines Looks beginnt jetzt. 🌱
#Haarpflege #PatrolPower

Post 3:
Neue Routine, neues Haargefühl. Patrol passt in jeden Alltag – und macht den Unterschied sichtbar. 🔥
#HairJourney #BoostYourHair


2. Zielgruppe: Jugendliche

Claims (5 Varianten)

  • Patrol – Dein Upgrade fürs Haar.

  • Mehr Haar, mehr Vibes.

  • Bring deinen Style auf Level Next.

  • Patrol – Einfach. Schnell. Stark.

  • Haarpower, die mit dir geht.

Social-Media-Posts (3 Varianten)

Post 1:
Weniger Volume? Mehr Patrol! 💥
Hol dir den Boost für deinen Look – easy, fresh, daily.
#GlowUp #PatrolHair

Post 2:
Neuer Style incoming! Patrol unterstützt dein Haar, stärker und voller auszusehen. 🚀
#TeensStyle #HairGoals

Post 3:
Dein Haar. Deine Confidence. Patrol gibt dir den Extra-Push! ✨
#PatrolBoost #LevelUp


3. Zielgruppe: Männer

Claims (5 Varianten)

  • Patrol – Für Männer, die nach vorne schauen.

  • Zurück zu kraftvollem Haar.

  • Mehr Stärke am Ansatz.

  • Patrol – Für einen Look, der bleibt.

  • Männlich. Markant. Mehr Haar.

Social-Media-Posts (3 Varianten)

Post 1:
Volles Haar muss kein Zufall sein. Patrol gibt dir die tägliche Unterstützung für ein kraftvolleres Auftreten. 💼💪
#MenCare #PatrolHair

Post 2:
Wenn du Gas gibst, sollte dein Haar mitziehen. Patrol stärkt – ohne Aufwand. 🔧
#ForMen #StrongerHair

Post 3:
Mach Schluss mit dünner werdendem Haar. Patrol bringt Power zurück. 🔥
#Männerpflege #HairRevive


4. Zielgruppe: Frauen

Claims (5 Varianten)

  • Patrol – Das Geheimnis für sichtbar volle Haare.

  • Fülle, die man fühlt.

  • Mehr Glanz. Mehr Stärke. Mehr Du.

  • Frauenpower beginnt beim Haar.

  • Patrol – Natürlich schön, natürlich voller.

Social-Media-Posts (3 Varianten)

Post 1:
Dein Haar verdient Liebe – und Patrol. Für sichtbar mehr Fülle und ein Gefühl von Stärke. ✨🌸
#HairCare #FemalePower

Post 2:
Gönn deinem Haar die Pflege, die wirkt. Patrol unterstützt dich jeden Tag – sanft und effektiv. 🌺
#BeautyRoutine #Haarwunder

Post 3:
Volles Haar ist mehr als ein Look – es ist ein Gefühl. Mit Patrol gehört es wieder dir. 💖
#PatrolForWomen #Haargefühl

Zusatzangebot: «Wenn du möchtest, kann ich dir auch Bildideen für Social Media, Hashtag-Sets, Storyboard-Ideen für Werbeclips, Landingpage-Texte oder eine komplette Kampagne erstellen.»

Das hören natürlich alle Werbefuzzis gar nicht gerne, ist aber die bittere Wahrheit: hätte Bodin & Co. auch nicht besser hingekriegt. Nur viel teurer …

Die gute Nachricht ist: er braucht kein Haarwuchsmittel.

«20min» – Tamedia: 7:0

Der Nahvergleich einer Gratis-Postille mit einem Bezahlblatt.

Das «Classic Plus»-Abo des «Tages-Anzeiger» kostet (inkl. «SonntagsZeitung», E-Paper und digitalem Zugang) 838 Franken im Jahr.

«20 Minuten» kostet (inkl. Papier bis Ende Jahr) 0 Franken.

Der Tagi bietet dafür hinter der Bezahlschranke Artikel wie «So stark nehmen Hitze­tage in Schweizer Städten zu – und das ist erst der Anfang», ««Es soll unmöglich aussehen», sagt der Mann, der am Zürichsee Steine balanciert», «Was bringt ein Social-Media-Verbot für Kinder wirklich?», copy/paste von der SZ, «Sie steht für Sex und Subversion», Debbie Harry zum 80., übernommen aus der SZ, oder «Frau Wiederkehr (94) aus Zürich trainiert täglich für die Seeüberquerung», Eigenleistung.

«20 Minuten» bietet «Trinkgeld-«Nötigung»: US-Verhältnisse an Schweizer Theken?», «300 Entlassungen drohen: Wird Impfstofffabrik dichtgemacht?», «Hickhack um UKW: Nationalräte wollen Radio doch nicht abschalten», «Das sind die sechs umstrittensten Punkte in den EU-Verträgen», dazu Sondergefässe wie «Faktenchecks», «AI» oder «Donald Trump». Ergänzt durch eine breite lokale Berichterstattung.

Was völlig fehlt ist das, was bei Tamedia Unmengen von Platz beansprucht: Meinung, Kommentar, gute oder weniger gute Ratschläge an alle Führer der Welt, per copy/paste übernommene Inhalte aus einer Münchner Zeitung, die hinter Bezahlschranke dem Leser verkauft werden.

Formal ist das Layout von «20 Minuten» dicht, der Platz wird konsequent ausgenützt, die Headlines sind optimiert für Clicks des modernen Lesers.

Nach dem letzten, verunglückten Redesign (der Schuldige machte sich anschliessend schnell vom Acker) lähmt bei Tamedia links grosser Weissraum, angefüllt mit ellenlangen Titeln, rechts jeweils ein herbeigeprügeltes Symbolbild, dazu Rubriken wie «Beliebteste Artikel», «Podcast», natürlich «Meinungen» oder, für eifrige Scroller, weit unten «Neuste Artikel».

Eine Lachnummer ist das, was von «Kultur» übrigblieb.

Tamedia beschäftigt (inklusive Westschweiz) rund 1400 Mitarbeiter. Noch. «20 Minuten» hat rund 300 Nasen auf der Payroll. Noch.

Frage: wenn es 300 Werktätigen gelingt, ein besseres Blatt zu machen, das zudem gratis angeboten wird, wieso braucht es dann 1400 Angestellte (ja, generisches Maskulin), die Minderwertiges herstellen,  und dafür wird erst noch ein exorbitanter Preis verlangt?

Zweite Frage: wie viele überbezahlte Verlagsmanager braucht es, um daraus nahelegende Schlussfolgerungen zu ziehen?

Bei beiden Blättern geht die Printauflage fast senkrecht das Loch runter. «20 Minuten» hat die Konsequenz gezogen und stellt per Ende Jahr auf rein digital um. Von Tamedia ist nichts Vergleichbares zu hören. «20 Minuten» lebt ausschliesslich von Werbeeinnahmen, Tamedia weitgehend, knöpft seinen Lesern aber kräftig Geld ab, um sie mit mageren Eigenleistungen und vielem aus Fremdquellen (SZ, SDA, etc.) zu ärgern.

«20 Minuten» war und ist so erfolgreich, dass es vom geschickten Oberboss Pietro Supino in ein eigenes Profitcenter ausgelagert wurde, damit der Gewinn nicht im Kopfblattsalat der übrigen Blätter versickert.

Nachdem er den «Stellenanzeiger» und alle Anzeiger dem «Tages-Anzeiger» amputierte, der sie gross gemacht hatte und dem nun schmerzlich diese Einnahmen fehlen.

Letzte Frage: Wie kann man die Dummheit dieser Verlagsmanager messen, und wie kann man sie beschreiben, ohne in Rechtshändel verwickelt zu werden?

Kann man nicht, man kann nur den Totengräbern bei der Arbeit zuschauen.

Ausgeknockt, ausgeloggt

Das haut selbst die Bärtschi-Peinlichkeitsskala durch die Decke.

Wer hat’s erfunden? Ringiers Marc Walder. Ein einziges Login für alle wichtigen Schweizer Medienmarken. Alles mit einem einzigen Eingang, ist doch super. Alles von Ringier, Blick & Co., Tages-Anzeiger, NZZ, CH Media. Der Hammer.

Sicher, einfach, zentral, praktisch, gut.

Nun ist der Burner aber durchgebrannt. Seit Donnerstag (!) letzter Woche geht nichts mehr. «Aufgrund eines Cyber-Angriffs», räumt OneLog zerknirscht ein. «Die mit dem OneLog-Login verbundenen Services sind ebenfalls nicht verfügbar. Nicht betroffen sind die Titel von NZZ und CH Media, da sie die Login-Lösung von OneLog noch nicht eingeführt haben.»

Offensichtlich sind alle registrierten Daten gelöscht, bzw. nicht mehr vorhanden. Ob die Hacker sie abgesaugt haben oder nicht, weiss man nicht. Man weiss eigentlich sowieso sehr wenig. Angefangen dabei, wie das überhaupt möglich war.

Natürlich ist nichts unknackbar, nicht einmal die NSA. Aber wie es möglich war, ausgerechnet dieses Teil zu killen, das ist schon unglaublich.

Erschwerend kommt noch hinzu: wer war das? Oder vielmehr: wer hat eine Interesse daran, wer hat das bezahlt? Denn ein Angriff vom Sohn des Nachbarn war das sicherlich nicht. Wenn doch, dann wäre es aber ein Riesenskandal. Es sind keine so sensiblen Daten, dass sich ein Erpressungspotenzial ergeben könnte. Und anscheinend wurden auch noch keine entsprechenden Forderungen gestellt.

Selbst wenn der Service irgendwann einmal wieder repariert werden sollte: das Vertrauen ist dahin, eigentlich kann man das Teil einstellen. Oder aber, es muss ziemlich viel Geld in die Hand genommen werden, um verlorenes Vertrauen wiederherzustellen. Wie jeder Marketing-Mensch weiss: schwierig, teuer, richtig scheisse.

NZZ und CH Media können sich auf die Schulter klopfen. Noch nicht dabei, nicht betroffen. Das bedeutet, dass hier die Bezahlschranken weiter funktionieren. Um die Leute nicht stinksauer zu machen, sind sie aber bei Ringier und Tamedia weggeräumt worden. Alle können alles lesen – gratis.

Gut, die Verluste bei «Blick+» werden sich in Grenzen halten. Auf jeden Fall ist das unterste Amateurliga.

Denn da sich hier keine Staatsgeheimnisse versteckt hielten, da es eigentlich keinen mächtigen Player gibt, der bereit wäre, für so einen Scherz viel Geld aufzuwerfen, muss es sich eher um einen Amateurangriff gehandelt haben. Und wer weiss, vielleicht fand zuvor ein Erpressungsversuch statt. So nach der Devise: drückt Bitcoin ab, oder wir killen euer Teil.

Möglicherweise war die Antwort darauf dann, dass der Erpresser sich seine Drohung rollen und hinten rein stecken soll. Was er nicht tat.

Aber eigentlich ist es von A bis Z symbolisch für den Zustand der Medienhäuser. Da wird eine Idee ausgebrütet und umfangreich beworben. Dann werden Kunden draufgelockt. Mit den üblichen Versicherungen von super, sicher, stabil.

Dann schaffen es Hacker – ohne Riesenaufwand, steht zu vermuten –, das Teil zu knacken, einzudringen und mal kurz alle Daten zu löschen (oder abzuräumen). Dann dauert es Tage (und ein Ende ist noch nicht absehbar), und das Teil ist immer noch nicht wieder in Funktion.

Eigentlich kann man es auch wegschmeissen, nach dieser Peinlichkeit. Denn das ist nicht weit davon entfernt, dass eine Bank ihren Kunden sagen müsste: sorry, das Geld ist noch da, aber alle Eure Zugangsdaten sind weg. Wir arbeiten zwar dran, bitten aber dennoch um ein paar Tage Geduld.

Die Bank könnte wahrscheinlich die Bücher deponieren. Bei OneLog wird aber das passieren, was immer passiert in den Medien: allerhöchstens ein Sündenbock wird in die Wüste gejagt. Dass es hier offensichtlich an Leitung und Controlling fehlte, dass irgend etwas von vornherein schräg und schief war, das hätte eigentlich die oberste Nase zu verantworten. Aber die ist unkaputtbar.

Dabei sollten Pietro Supino und Marc Walder gemeinsam einen langen Trip auf der Coninx-Yacht unternehmen. In die Südsee. Rückkehr unbekannt. Dann hätte der Schweizer Journalismus vielleicht noch eine Überlebenschance.

Alles neu oder alles Pfusch?

Statt viele Worte über ein leicht verändertes Logo zu verschwenden: wie wäre es mit Inhalt?

«Blick» hat sich mal wieder ein Redesign gegönnt. Grosse Worte, kleiner Effekt. Dabei wäre es doch viel sinnvoller, inhaltlich mehr Gas zu geben. Denn die Verpackung ist das eine, Mindere. Der Inhalt ist das andere, Grössere.

Wo allerdings Form und Inhalt unangenehm zusammenfinden, ist bei der unseligen Idee des waagerechten Sliders. Also durch Scrollen nach rechts kommen noch mehr Storys zum Vorschein. Selbst auf dem grossen Bildschirm eines Desktops sieht das bescheuert aus:

Im Mäusekino eines Smartphones, neben dem Tablet die häufigste Quelle, sieht’s noch schlimmer aus.

Das nächste Thema ist die Gewichtung. Sicherlich ist der Versuch von Stefan Raab, sich wieder ins Scheinwerferlicht zurückzuboxen, eine Meldung wert. Aber gleich vier, davon eine aus alter Gewohnheit doppelt?

So interessant, dass man es immer wieder lesen darf?

Dann ist der Ratgeber, der Lebenshelfer sicherlich eine wichtige Rubrik im Boulevard, auch wenn der «Blick» gar kein Boulevard mehr sein darf. Aber so?

Am Zapfen? Scherz beiseite, der Leser mag es immer sehr, wenn er für richtig dumm und unfähig gehalten wird. Das Gefühl wird nur übertroffen, wenn banale Ratgeber hinter der Bezahlschranke verborgen sind:

Echt gemein ist es, den nächsten Ratgeber ebenfalls nur dem Publikum angedeihen zu lassen, das hinter die Bezahlschranke sieht:

Was wohl nicht dazugehört: sich aufregen, wenn man ungefragt geduzt wird.

Trotz mehrfachem Durchscrollen ist es ZACKBUM allerdings nicht gelungen, eine einzige originelle, flott geschriebene, interessante Story zu finden. Stattdessen Flachheiten wie «Jetzt redet der Flusskreuzfahrt-Chef». Oder, immerhin unter «Das Beste von Blick+»: «Sogar Bill Gates mag die kuscheligen Tüechli aus Glarus.» Allerdings versteckt sich das bei «Blick+» hinter der Bezahlschranke, diese Top-Story.

Nun stammt sie allerdings nicht von der Top-Redaktion des «Blick», sondern aus der «Schweizer Illustrierte». Es ist nur rezykliert. Daher können Sparsame den Artikel auch gratis lesen. So erfährt man auch, was «Blick+» dem Leser vorenthält, wer denn die drei prominenten Tüechli-Träger auf dem Foto sind.

Das ist nun wirklich eine neue Dimension der Qualität. Ein Artikel wird aus einem anderen Organ des Ringier-Konzerns übernommen. Wo er gratis von jedem angeschaut werden kann. Beim «Blick» wird er dann hinter die Bezahlschranke verfrachtet und frech als «Das Beste von Blick+» angepriesen. Dabei ist dann allerdings unterwegs so eine Kleinigkeit wie eine Bildlegende verloren gegangen.

Ein neuer Höhepunkt in der Leserverarsche.

Aber dafür ist das Logo nun aus seiner Box befreit worden. Jedenfalls online:

Im Gegensatz zum Print:

Einmal Rot auf Weiss, einmal Weiss auf Rot. Das schärft den Wiedererkennungswert ungemein. Allerdings kennt ZACKBUM kein anderes Logo eines Massenprodukts, das in zwei verschiedenen Varianten daherkommt.

Aber dummen Verlagsmanagern schwatzen redegewandte Werbefuzzis jeden Schrott auf. Das gelang ja auch schon dem «Star-Werber», der nicht daran gehindert wurde, ein Regenrohr ins «Blick»-Logo zu pflanzen. Aber immerhin, das ist schon wieder weg.

Sparen, bis es quietscht

Tagi testet wieder die Leidensfähigkeit seiner Konsumenten.

Wenn ein sogenanntes Qualitätsorgan überall spart, vor allem an der Qualität, dann hilft das sicherlich, die Leser-Blattbindung zu erhöhen.

Zum Beispiel mit dieser Story:

Die gehört allerdings sowieso in den höheren Klatschbereich, wäre also eher etwas für die «GlücksPost» oder die SI. Aber in der Not und im Sommerloch …

Also hackt Andreas FreiOnline-Sitemanager und Nachrichtenjournalist») ein Rehash aus längst Bekanntem und Veröffentlichtem zusammen. Offensichtlich beharken sich Elon Musk und sein Trans-Sohn öffentlich. Wahnsinn, die wichtigste News aus dem Hause Musk (Tesla, Starlink, SpaceX, KI).

Aber es wäre ja nicht der Tagi, wenn damit schon der Boden des Niveaus erreicht worden wäre. So ein Artikel macht ja nur richtig Sinn, wenn er auch bebildert ist.

Dafür haben Qualitätsmedien normalerweise eine Bildredaktion. Die umfasst immerhin sieben Nasen: Jost Fetzer, Leitung. Monica Foresti, Joel Hanhart, Urs Jaudas, Jason Kleeb, Rebecca Pfisterer, Julian Rüthi. Dann gibt es noch eine muntere Schar von Fotografen, Zuständigen für Infografik und für «Daten & Interaktiv». Also geballte Sachkompetenz, hohe Kunst, Qualität, Niveau, der Leser dankt.

Theoretisch oder vielleicht in der Selbstwahrnehmung. In der Realität ist es so, dass dieser auch inhaltlich herausragende Artikel von herausragenden Fotos begleitet wird. Besser gesagt von Screenshots, denn die haben den Vorteil, dass normalerweise kein Copyright anfällt. Also sieht das dann so aus:

Nein, das wurde nicht mit dem Weichzeichner behandelt, das ist ein «Screenshot Threads/vivllainous». Und wenn der Tagi schon spart, dann richtig:

Von Musk mit Familie gibt es nun unzählige Fotos. Aber auch hier ist ein körniger Screenshot doch einfach billiger, weil gratis. Und bekanntlich ist es so: was nichts kostet, ist auch nichts wert (Ausnahme: ZACKBUM).

Aber der Tagi will nicht aufhören, den Leser zu quälen:

Das Foto ist offensichtlich so alt, dass es eigentlich vergilben müsste, könnte höchstens als Beleg dienen: so sah Musk vor vielen Jahren mal aus. Aber, auch dieses Bild hat einen unbestreitbaren Vorteil. Genau, gratis. Reicht’s? Aber nein, es gibt noch Beweissicherung:

Was das ist? Das ist ein Screenshot von Threads, wo sich Musks Sohn/Tochter abfällig über seinen/ihren Vater äussert.

Wer bislang dachte, man könne nur schreiberisch ganz tief gründeln und den Leser muff machen, wird hier eines Schlechteren belehrt. Es geht auch mit Schreiben und mit Fotos.

Die Frage bleibt: ist dort niemandem nichts mehr peinlich?

Auch Nachruf will gelernt sein

Donald Sutherland ist gestorben.  Ein ganz Grosser wird von Zwergen betrauert.

David Steinitz hat schon am Biopic über Leonard Bernstein rumgemeckertverschwitztes Dirigentengezappel»). Denn der Autor der «Süddeutschen Zeitung» hält sich für ein ganz grosses Licht bei Filmthemen.

Nun verbirgt Tamedia den Nachruf von Steinitz auf Sutherland hinter der Bezahlschranke. Für die armen Leser, die ihn nicht in der SZ genossen haben. Damit da kein Wiedererkennungswert entsteht, hat Tamedia den ursprünglichen Titel «Niemandes Nachbar» zu «Er spielte wie ein Berserker» verhunzt.

Aber unabhängig vom Titel, Steinitz spult die übliche Aufzählung von Rollen und Anekdoten runter. Dabei erwähnt er offenbar nach dem Zufallsprinzip grosse Rollen («Wenn die Gondeln Trauer tragen») und nebensächliche («Die Körperfresser kommen») und unwichtige («Outbreak», «Die Jury»).

Dafür sind Filme wie «Klute», «1900» und vor allem Fellinis «Casanova», seine wohl bedeutendste Rolle, dem Filmkenner keine Erwähnung wert. Dass Sutherland im Herbst seiner Karriere noch sich selbst in der «Tribute von Panem»-Reihe persiflierte und massig Kohle reinschob, nun ja.

Eher launig kann man auch den Nachruf von SRF bezeichnen: «Donald Sutherland war ein langer Mann mit einem langen Gesicht und einer langen Karriere.»

Immerhin ein gewisses Niveau erreicht Tobias Sedlmaier in CH Media:

«Oft spielte Sutherland düstere, komplexe und intensive Figuren, umweht von Tragik oder existenzieller Rätselhaftigkeit. Figuren, die zugleich irdisch waren und doch ein bisschen fernab über dieser Welt zu schweben schienen, als ob sie mehr ahnen würden vom Leben

Ziemlich lustlos geht hingegen Laszlo Schneider beim «Blick» zur Sache: «Die Filmwelt trauert um einen ihrer grössten Stars: Wie sein Sohn Kiefer Sutherland (54) auf X mitteilt, ist der kanadische Schauspieler Donald Sutherland am heutigen Donnerstag im Alter von 88 Jahren gestorben

Bluewin.ch übernimmt, wie so viele andere, schlichtweg ein Potpourri aus SDA und DPA, wozu sich selber etwas einfallen lassen.

Mit Nachrufen ist es so eine Sache. Früher war die Pflege des Nachruf-Archivs – neben der Betreuung der Leserbriefe – der Vorruhestandsjob für ausgebrannte Journalisten. Bei besonders wichtigen (oder alten) Persönlichkeiten musste darauf geachtet werden, dass die Bio up to date ist, im Fall der Fälle der Nachruf mit ein, zwei Handbewegungen ins Netz gestellt werden kann.

Heutzutage ist das mehr eine Aufgabe für einen Volontär, der zudem keine grosse Ahnung vom Nachgerufenen haben muss; alles richtig aus dem Netz kopieren können, das reicht.

Gewichtung, Einordnung, Mehrwert, es ist immer das gleiche Problem. Wer sich über Leben und Wirken von Sutherland informieren will, findet ein Meer von Darstellungen gratis im Internet. Wem Sutherland als ein Schauspieler ein Begriff ist, sucht Ergänzendes. Wer ihn erst in der «Tribute von Panem»-Reihe kennenlernte, ist für eine Erweiterung seines Horizonts dankbar.

Wer etwas für einen Text bezahlt, möchte schon gerne eine Qualität, einen Inhalt, der sich merklich von den Gratisangeboten unterscheidet.

Bekommt er das nicht geliefert, fragt sich der Konsument wieder einmal zu recht, wieso er für einen Egotrip eines Autors, für nicht unterhaltendes Gestammel, für unvollständige Bemerkungen etwas bezahlen soll.

Die Antwort ist ganz klar: soll er nicht. Muss er nicht. Tut er nicht.