Schlagwortarchiv für: Google

Vom Aussterben bedroht

Was ist der Unterschied zwischen einer Zeitungsredaktion und dem RAV?

Im Prinzip existiert keiner. Ausser, dass es auf den Redaktionen (noch) mehr Journalisten gibt.

Wie viele genau? Da hört’s mit der vielgepriesenen Transparenz schon mal auf. Nur CH Media veröffentlicht die Zahl von 650 Redaktoren. Während Tamedia früher auch die Gesamtzahl auswies, spricht der TX-Konzern inzwischen nur noch von einer 300-köpfigen Redaktion, die die Einheitssauce über den Kopfblattsalat des Medienhauses ausgiesst.

Nach diversen Rausschmiss-Runden zur Qualitätssteigerung dürften es insgesamt in allen Redaktionen von TX  ungefähr rund 740 sein. Bei Ringier, allerdings weltweit tätig, handelt es sich um 900 bis 1000. Und die NZZ schliesslich hat zwischen 320 bis 350 Nasen auf der Payroll.

Also alles in allem rund 2700. In den letzten fünf Jahren wurden die Stellen von rund 750 Journalisten eingespart. Diese Zahl enthält nicht die freiwilligen Abgänge, also Redaktoren, die einsahen, dass sie es bis zur Frühpensionierung nicht schaffen werden.

Abbau-King ist, wie könnte es anders sein, Tamedia; zusammen mit «20 Minuten» wurden in den letzten fünf Jahren rund 200 Stellen rasiert. Zudem trennte man sich von fast allen Freien ausserhalb der Verichtungsboxen im Newsroom.

Täglich werden bis zu 8 Artikel aus der «Süddeutschen Zeitung» übernommen, an Wochenenden bis zu 12. Das Auslandressort wird zur Hälfte von SZ-Autoren bespielt. Dazu kommen noch die Agenturmeldungen von SDA, dpa, Reuters oder AFP. Die machen online alleine schon bis zu 45 Prozent des Inhalts aus. Also kann man bei Tamedia Print von ca. 45 Prozent gesamtem Fremdanteil ausgehen, online bis zu 60 Prozent.

Fürs volle Programm (Classic Plus, sieben Tage Print plus online) verlangt der «Tages-Anzeiger» den stolzen Preis von 846 Franken im Jahr. Dafür ist aber auch die «Spiele-App» inbegriffen, und man kann Artikel «verschenken». Womit man sich allerdings bei der gebotenen Qualität nicht unbedingt Freunde macht.

Während es 2010 noch täglich bis zu 80 Printseiten waren, ist das inzwischen auf 36 bis 44 geschrumpft. Online werden rund 150 Beiträge täglich rausgepustet, darunter bis zu 70 Agenturmeldungen, bis zu 25 Beiträge der SZ und maximal 35 eigene Werke.

2010 kostete das gleiche Abo noch 580 Franken. Also eine Preissteigerung von 46 Prozent für rund die Hälfte des damaligen Angebots. Wobei 2010 erst ganz vereinzelt Beiträge aus der SZ übernommen wurden.

Gleichzeitig holzte CEO Peppel-Schulz Regionalausgaben zusammen und sparte beim kostenintensiven Lokaljournalismus. Wobei sie nun als Zukunftsperspektive «wir müssen Lokaljournalismus neu denken» ausgibtAber nicht etwa, indem wieder mehr lokale Büros oder Stellen geschaffen werden. Sondern: «Wir können nicht mehr in Büros denken und investieren, wir investieren in Reichweite vor Ort. Nähe zu den Menschen, das schafft Vertrauen – ergänzt um Hyperlokalität mithilfe von KI».

Nähe durch Reichweite und «Hyperlokalität» durch KI, absolut unverständliches Geplapper. Hyperlokalität, ein neuer Modebegriff Liga «Resilienz», würde bedeuten, dass viele Lokalreporter ans Werk gingen. Denn KI kann nicht an einer Gemeinderatssitzung teilnehmen, mit Anwohnern sprechen, Missstände recherchieren oder lokale Netzwerke aufbauen. Also all das nicht, was Lokalität oder halt auch Hyperlokalität ausmacht.

Die Einnahmen gehen runter, der Online-Werbekuchen ist nach wie vor fest in der Hand von Google & Co., die redaktionellen Eigenleistungen gehen senkrecht runter. Genährt durch Bedeutungsverlust und Existenzangst nimmt dafür Meinung, Belehrung und Rechthaberei exponentiell zu. Ebenso das Schreiben in einer Gesinnungsblase unter Luftabschluss.

Dafür – und das soll die wichtigste Einnahmequelle bleiben – gehen die Abopreise durch die Decke. Nach dem schönen Prinzip: weniger Inhalt, weniger Qualität, weniger Rücksicht auf den Leser – dafür wird der schamlos gemolken.

Man muss nicht den Black Belt in Accounting oder einen HSG-Abschluss haben, um klar zu prognostizieren: im September kommt das nächste Rausschmeissen. Dann wird die Sonntagsausgabe auf den Samstag verlegt. Dann wird der tägliche Print-Rhythmus in Frage gestellt. Und irgendwann macht der Letzte das Licht aus, nachdem er seinen letzten Meinung- und Belehrungsartikel geschrieben hat.

Lauter Lämpels

Tamedia ist voll von Oberlehrern. Angeführt von einer Plappertante.

Ehre, wem keine gebührt, oder zumindest Ladies first: Jessica Peppel-Schulz (oder ihr Avatar oder eine Sprechpuppe) hat dem österreichischen «Standard» ein Interview gegeben. Zwei Jahre Sabbatical, dann seit zwei Jahren CEO von Tamedia. Mancher fragt sich: wieso dieser Aufstieg? Das lässt sich nur damit erklären, dass der unkaputtbare Big Boss Pietro Supino keine Kompetenz-Konkurrenz möchte. Und da liegt die Latte ziemlich tief.

Die Frage hingegen, wo genau der Unterschied zwischen Sabbatical und Leitungsfunktion sei, zeugt von abgrundtiefem Sexismus und Misogynie, was ZACKBUM aufs schärfste verurteilt.

Peppel-Schulz verschmäht ihre eigenen Blätter und weicht nach Wien aus. Zum Einstieg versucht sie, witzig zu sein. So auf der Ebene von Arrigoni: «Als gefühlte Schweizerin tröstet mich immerhin: Wir sind bei der Fußball-WM weiter gekommen als andere. Aber im Ernst …» Im Ernst gesteht sie unbekümmert ihr Versagen: «Von vier Schweizer Franken Werbespendings gehen drei an die großen Tech-Plattformen.» So ein knackiges englisches Wort, wofür es problemlos auch ein deutsches gäbe – das macht das Bullshit Bingo des Managergequatsches aus.

Dazu gehört auch, Fake News zu verbreiten: «Unser digitales Werbegeschäft ist 2025 um 30 Prozent gewachsen – in einem Markt, der insgesamt schrumpft.» Display-Werbung ist in der Schweiz 2025 um 0,6 Prozent – gewachsen. Das hat auch damit zu tun, dass Google Änderungen an der Erfassung von Search-Werbung vorgenommen hat, sonst wäre das gemessene Wachstum noch stärker.

Das ist nur die Einleitung zum richtigen Hammer: «Aber strategisch zählt für uns nur eines: das Abonnement.» Ergänzt mit: «Wir hängen noch zu mehr als 85 Prozent von Print-Einnahmen ab.» Bei Tamedia. Bei TX stammen inzwischen zwei Drittel des Konzernumsatzes aus digitalen Geschäften.

Bei Ringier sieht es so aus, dass inzwischen 83 Prozent des operativen Gewinns aus dem Digitalgeschäft stammen. Werbung insgesamt (digital und Print) machen 82,5 Millionen des Gesamtumsatzes aus, «digitale Aktivitäten» insgesamt dagegen 459,4 Millionen. Print-Abos dürften noch für rund 130 Millionen Franken zuständig sein. Tendenz abnehmend.

Tagianer, fürchtet euch, oder sagten wir das schon? Im September läuft die Beschäftigungsgarantie für die überlebenden Journalisten ab. Und wie soll’s denn in die Zukunft gehen, mit dem einzigen Zähler Abo? Da läuft das Bullshit Bingo zu Höchstformen auf:

«Journalismus muss serviceorientierter, alltagstauglicher sein. Er muss unterschiedliche Perspektiven anbieten – «vielstimmig statt eintönig» ist der Claim unserer aktuellen Werbekampagne. Wir müssen Lokaljournalismus neu denken. Denn wenn wir die regionale, die lokale Geschichte nicht erzählen, erzählt sie niemand.»

Toll, also mehr Power ins Regionale? Jein, also eigentlich nein, aber dann doch irgendwie ja:

«Das heißt jetzt nicht, dass wir neue Regionalredaktionen eröffnen. Wir können nicht mehr in Büros denken und investieren, wir investieren in Reichweite vor Ort. Nähe zu den Menschen, das schafft Vertrauen – ergänzt um Hyperlokalität mithilfe von KI, die uns hilft, auch kleinste Gemeinden abzudecken, die wir mit klassischen Redaktionsstrukturen nie erreicht hätten.» Hä?

Und wie wirkt sich die nächste Qualitätssteigerung durch Rausschmeissen aus, wie das die journalistische Leiter nach unten Simon Bärtschi formulieren würde? «Das Medienunternehmen verändert sich dynamisch weiter. Und wer das ehrlich sagt, kann keine absoluten Garantien über die Zukunft geben. Was ich aber versprechen kann: Unser Fokus liegt klar auf Wachstum mit wirtschaftlich nachhaltigem, unabhängigem Journalismus», plappert Peppel-Schulz.

In Wirklichkeit liegt der Fokus auf penetranter Belehrung und eintöniger Rechthaberei, übernommen zu grossen Teilen aus München. Aber auch die wenigen Wortmeldungen aus dem Glashaus an der Werdstrasse kommen im Lehrer-Lämpel-Gestus daher. So schurigelt «Sportjournalist» Thomas Schifferle: «Infantino wird immer dreister – Europa muss ihn endlich stoppen». Los, marsch, Europa, tu endlich was. Damit sich Schifferle befriedigt zurücklehnen kann:

«Ach!“ spricht er, „die größte Freud
Ist doch die Zufriedenheit!“
Wilhelm Busch

Ganz anders gestimmt ist die SZ-Unke Hubert Wetzel. Er tut wieder  das Unglaubliche: «Trump tut im Ukrainekrieg doch noch das Richtige». Da wird Trump aber aufatmen und ZACKBUM fragt sich, ob das auch mit der Hitze zu tun haben könnte. Allerdings, da der Irre im Weissen Haus seine Positionen schneller wechselt als seine Bräunungscreme, kann es wieder passieren, dass Wetzel diesen hier macht:

Wer soll nun für Lämpel leiten
Seine Amtestätigkeiten
Wilhelm Busch

Die Wirklichkeit wäre dann sozusagen Max & Moritz, und die spielt Arrigoni, Supino, Peppel-Schulz, Bärtschi, Schiferle und Wetzel ständig böse Streiche. Das Sextett eint dabei eines: sie tun ihr Mögliches, den Journalismus aus dem Hause Tamedia abzuschaffen.

Kein Markt für die SMG?

Hat Pietro Supino schon wieder einen Fehler gemacht?

Eine solche Kursentwicklung der mit grossem Trara gestarteten Swiss Marketplace Group (SMG) sieht kein Aktionär gerne:

IPO, gestartet mit knapp 50 Franken an der Börse, 4,5 Milliarden Gesamtwert der Ansammlung von Handelsplattformen wie Homegate, Autoscout, Tutti, usw. Das grosse Joint Venture von Tx Group und Ringier.

Die neue Geldquelle, die Zukunft, nachdem Tamedia langsam aber sicher der Schnauf ausgeht. Daher gab es schon zum Start der SMG eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken für die Tx-Aktionäre, also in erster Linie den Coninx-Clan. Dann in Champagnerlaune ein grosses Aktienrückkaufprogramm.

Während die SMG-Mitbesitzer Ringier und Mobiliar vom Höchstkurs profitierten und Cash machten, meinte Big Boss Supino, dass er keine einzige Aktie hergeben wolle. Denn das Teil würde doch sicher weiter fliegen, the sky is the limit und so.

Tja. Stattdessen innert nur acht Wochen seit Börsengang ein Absturz um 30 Prozent, von 48.25 auf um die 33 Franken. 1,4 Milliarden haben sich in Luft aufgelöst.

Nach dem IPO-Hype ein Taucher, dann geht’s sicher wieder aufwärts? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber es gibt viele Faktoren, die dagegen sprechen.

Der Immobilien- und Onlinemarkt kühlt sich ab. Investitionen in Technologie und Kosten der Zusammenlegungen belasten das Ergebnis. Die Integration kostet halt Zeit und Geld. Wichtiger noch: der Markt ist hoch kompetitiv, und bislang sind die grossen Player wie Google & Co. noch gar nicht richtig eingestiegen.

Sollte das passieren, gilt im Internet immer: the biggest is the winner and takes it all. Niemand geht auf die zweit- oder drittgrösste Plattform …

Als wären das nicht schon genug schlechte Nachrichten: welche Bedeutung KI auf diesem Gebiet gewinnen wird, ist zurzeit unabsehbar. Als persönlicher Agent eines Suchenden oder Anbietenden. Womit der Marktplatz, der Vermittler, knallhart ausgeschaltet würde.

Zudem haben die happigen Preissteigerungen auf den Marktplätzen der SMG auch nicht viele neue Freunde gemacht. Newhome und andere Anbieter profitieren davon.

Die P/S Ratio, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, liegt momentan bei 11. Stagniert der Gesamtumsatz (statt erwarteter Steigerungsraten von bis zu 10 Prozent), fällt die Gewinnmarge von 35 auf 25 Prozent, dann fällt die P/S Ratio dadurch auf 5 bis 6. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von maximal 1,8 Milliarden Franken. Und einem Aktienkurs von rund 20 Franken …

Schliesslich gibt es noch einen Soft Factor, der gar nicht so soft ist. Was ist von einem wohlbezahlten Management zu halten, das sich seit Jahren in der Online-Werbung von Google & Co. die Butter vom Brot nehmen lässt – ohne dass ihm eine Gegenstrategie einfällt? Die meisten Herren (und wenigen Damen) in der obersten Führungsetage sind zudem nicht gerade Digital Natives.

Oder einfacher gesagt: sie kapieren bis heute das Internet nicht.

Wenn also der vermeintliche Goldesel SMG Verstopfung kriegt und keine Dukaten mehr scheisst, woher sollen dann noch die Gewinne kommen, um den Coninx-Clan bei Laune zu halten? Von Tamedia sicher nicht, das wilde Zusammenkaufen eines Kopfblattsalats hat sich nicht rentiert und erinnert etwas an die Hunter-Strategie der Swissair.

Goldbach ist auch nicht gerade ein ewigwährender Strom von Profit.

Was bleibt dann noch? Als letzte Option der Verkauf des ganzen Ladens, solange man noch genügend Geld verlangen kann.

Ach, Supino

Der Tx-Boss macht sich wieder lächerlich.

Es ist noch nicht so lange her, dass Pietro Supino unter strikter Beachtung der Trennung von Verlag und redaktionellem Inhalt im Tamedia-Kopfblattsalat das Wort ergriff und für die Ablehnung des Referendums weibelte, das den Verlegerclans die schon sicher geglaubte Steuersubventionsmilliarde vor der Nase wegzog.

Dass Tx fast gleichzeitig eine Sonderdividende ausschüttete und den milliardenschweren Zusammenschluss seiner Handelsplattformen mit Ringier bekannt gab, hatte dabei sehr geholfen.

Nun hält er in den gleichen Organen ein 17’000 A schweres «Plädoyer für eine aufgeklärte Medienpolitik». Nicht zu vergessen, dass er damals den Untergang der kontrollierenden Vierten Gewalt an die Wand malte, sollte sie keine Staatssubventionen in Milliardenhöhe kriegen. Der Mann kennt kein Schamgefühl.

Denn jetzt schreibt er: «Die Aufgaben der SRG … liessen sich mit 200 Franken Gebühren pro Haushalt erfüllen.» Er ist also für die Halbierungs-Initiative. Bis er zu diesem Schluss kommt, eiert er Tausende von Buchstaben lang um die Bedeutung der Medien für die Demokratie herum, als habe er eine Schnupperlehre bei der «Republik» absolviert.

Er holt bis ins 19. Jahrhundert aus, erklärt nochmal Banalitäten wie die veränderten technologischen Möglichkeiten der Newsdistribution. Und bläst in die grosse Trompete: «Unabhängige Medien sind wichtig für das Funktionieren des demokratischen Gemeinwesens.» Im Gestus tiefsinniger Bedeutung Flachheiten absondern, das ist sonst nur Politikern eigen.

Er versteigt sich sogar dazu, Thomas Jefferson zu zitieren, und den englischen Verleger Lord Northcliff. Hübsch versteckt in diesem Brimborium ist sein Kernsatz:

«Angesichts dieser Realität ist der vom Parlament beschlossene Ausbau der indirekten Presseförderung von existenzieller Bedeutung für die Zukunft der gedruckten Zeitung

Kleiner hat er es dabei nicht: «Es stehen die Errungenschaften der Aufklärung auf dem Spiel.» Wenn es nicht neuerlich Staatsknete gibt, obwohl der erste Versuch abgeschmettert wurde. Nun fürchtet er bei der Wiederholung eine neuerliche Klatsche.

Dann schreibt er sich noch in eigener Sache um Kopf und Kragen: «Die Forderung, dass der damit erzielte Gewinn zur Querfinanzierung rückläufiger oder gar unrentabler Aktivitäten eingesetzt werden sollte, ist nicht überzeugend.»

Im Gegenteil. Es ist nicht überzeugend, dass Supino seinem Stammblatt die Einnahmequellen der Stellen- und anderes -anzeiger wegnahm, die nur durch den Tagi gross geworden sind, dazu «20 Minuten» in ein eigenes Profitcenter auslagerte, weil es immer noch  ertragreich ist. Und die restlichen Medien ins Elend stiess, denn auch Tagi & Co. müssen seine sportlichen Renditevorstellungen erfüllen.

Das geht nur mit runtersparen, rausschmeissen, grosse Teile des Inhalts aus München übernehmen. Mit dem Verkauf von Blättern, die für mehr Geld weniger Content liefern. Dafür hat er sich mit dem Quartet Jessica Peppel-Schulz, ihrem plappernden Avatar, dem Kommunikationsgenie Simon Bärtschi und der farblosen Raphaela Birrer eine Mannschaft geholt, die das Ziel, Aufgabe der Printherstellung, sicher erreichen wird.

Das ist die Realität, alles andere ist Nonsens.

Aber er hat noch mehr Gejammer auf Lager: «Die globalen marktmächtigen Plattformen betreiben ihr Geschäft mit journalistischen Inhalten, die sie von regionalen und nationalen Medienanbietern übernehmen, ohne dafür zu bezahlen.»

Das tun sie deswegen, weil die Verlage zu blöd sind, dafür ein ausreichendes Entgelt zu verlangen. Sie träumen von grösseren Reichweiten, haben aber keine Erklärung, was ihnen das bringen soll. Sie sind insbesondere in der Schweiz so blöd, sich über 80 Prozent der Erträge des Online-Marketings von den Plattformen Google, Facebook und Amazon wegnehmen zu lassen.

Statt sich mit Google-Ads vollklatschen zu lassen und dafür ein Trinkgeld zu kassieren, hätten Verlagsführer wie Supino so in den letzten 15 Jahren vielleicht mal eine Idee haben können, wie man das ändert. Den Middle Man ausschaltet, der sich in der normalen Distributionskette von Herstellung zum Konsumenten vielleicht maximal 10 Prozent abschneidet. Aber sicher nicht 80.

In seinem «Fazit» sorgt Supino nochmals für grosse Heiterkeit: «Die Medienbranche ist mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Sie wird sich weiter fundamental ändern, aber aus Nutzersicht besteht kein grundlegendes Angebotsproblem.»

Aus Nutzersicht der zahlenden Konsumenten der papierdünnen Inhalte seines Hauses besteht allerdings ein grundlegendes Problem. Wieso sollen sie für diesen Dünnpfiff immer mehr bezahlen? Was ist die geldwerte Leistung? Selbst die Migros, in schweren Turbulenzen, käme nie auf die Idee, ein halbes Gipfeli für mehr Geld als zuvor ein ganzes anzubieten. Und das mit «Fokussierung, Qualitätssteigerung, noch näher an den Bedürfnissen des Konsumenten» schönzuschwatzen.

Statt wenigstens eine brauchbare Digitalstrategie zu entwickeln, wurden Bruchpiloten wie Mathias Müller von Blumencron geholt, der nach einer abgekupferten Flop-Idee und viel heisser Luft wieder das Weite suchte. Genau wie der AD, der das verunglückte Redesign des Internet-Auftritts verbrach.

Supino selbst profitiert davon, dass er als Mitglied des Coninx-Clans unkaputtbar ist. Und sich seine vor dem nächsten Rausschmeissen fürchtende Redaktionen nicht trauen, ihm zu sagen, dass er seinen Stuss doch bitte wenn schon als bezahltes Inserat unter die Leute bringen soll. Denn selbstverständlich dürfe auch der Big Boss eine Meinung haben und die auch so länglich absondern, wie es ihm drum ist. Aber Geld genug hätte Supino, sich dafür ein Inserat zu leisten.

Im Tagi kostet eine Doppelseite schlappe 43’560 Franken. Bei einem Jahreseinkommen (inkl. Bonus) von 7,5 Millionen wären das aufgerundet 7 Prozent eines Monatsgehalts. So viel sollte ihm seine Meinung doch noch wert sein. Dazu käme noch, dass er seinen Organen einen Reputationsschaden ersparte, wenn sie nicht einfach «his master’s voice» publizieren müssten.

Der Treppenwitz dabei: einen Tag, bevor der Deutschschweizer Verlegerverband eine Einigung mit der SRG bekannt gab und offiziell verkündete, dass er gegen die Halbierungsinitiative sei, veröffentlichte Supino sein Pamphlet, dass er dafür sei. Um diese Einigung wissend. Das nennt man einen veritablen Blattschuss. Dabei ist Tx Mitglied bei «Schweizer Medien». Noch. Das nennt man kompetente Vereinspolitik. Oder einfach: wie blöd ist das denn.

Aber immerhin wurden damit nicht die schlappen 32 Seiten des Print-«Tages-Anzeiger» gefüllt, für die das Blatt stolze Fr. 4.60 heuschen will. Was immer weniger Leser zu zahlen bereit sind, wie die Auflage beweist …

Tx steht wohl für «täglich ein X für ein U vormachen.» U wie unfähig.

OneLog: war da mal was?

Ende Oktober gehackt, 10 Tage ausser Betrieb. Na und?

Die Idee hörte sich grossartig an: ein einziges Login, damit man sich bei allen teilnehmenden Schweizer Verlagen authentifizieren und anmelden kann. Damit man nicht jedes Mal das Prozedere dafür durchstehen muss. Einmal die notwendigen Daten angegeben, und schon flutscht das.

Dann flutschte es allerdings tagelang nicht. Damit die zahlenden Gäste nicht sauer wurden, mussten Ringier und Tamedia sämtliche Artikel frei zugänglich machen. Die NZZ und CH Media blieben davon verschont, weil sie noch nicht auf diese Plattform gehüpft waren.

Man kann sich natürlich fragen, welche Verluste dadurch bei «Blick+» entstanden sind. Aber bei Tamedia dürften sie deutlich über null liegen. Auf jeden Fall wurde OneLog nach zehn Tagen wieder online gestellt. Und seither herrscht das grosse Schweigen.

«Den Schaden können wir derzeit noch nicht beziffern», schreiben TX-Sprecherin Iris Blättler und Kollegin Johanna Walser von Ringier wortgleich auf Anfrage des Medienmagazins «Edito». In der sonst doch so auskunftsfreudigen und auskunftsheischenden Medienbranche herrscht also seit dem 4. November Sendepause. Damals wurde verkündet, dass das Teil wieder funktioniere.

Seither behauptet die Plattform:

«OneLog geht von einem Sabotageangriff aus, nicht von einem Diebstahl oder unerlaubten Aneignung (Exfiltration) von Daten.
Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass persönliche Daten, einschliesslich persönlicher Informationen oder Passwörter, gestohlen wurden»

Seither «laufen die forensischen Untersuchungen». Und laufen und laufen, ja wo laufen sie denn? War das nun ein merkwürdiger Hackerangriff, der einfach diese Plattform lahmlegen sollte? Wenn ja, wer tut so etwas? Die liebe Konkurrenz, aber welche? Oder wollte hier ein Amateur-Hacker unter Beweis stellen, dass es kinderleicht ist, diese Plattform in die Knie zu zwingen? Was schon peinlich genug wäre.

Oder aber, noch peinlicher, es sind zudem Daten abgesaugt worden. Dazu gebe es «derzeit keine Hinweise», steht auf der Homepage von OneLog unverändert seit Wochen. Das wäre dann allerdings der GAU, denn welcher Nutzer wollte schon persönliche Daten auf eine Plattform hieven, die so dicht wie ein Sieb ist?

Trotz all diesen Merkwürdigkeiten und Unsicherheiten scheinen alle grossen Medienhäuser der Schweiz weiterhin wildentschlossen, sich OneLog anzuschliessen oder an Bord zu bleiben.

Mit ihrer eher nordkoreanischen Informationspolitik leisten sie sicherlich einen grossen Beitrag zur Glaubwürdigkeit von OneLog. Denn wenn etwas peinlich ist im Internet, dann personenbezogene Daten, die einem anvertraut wurden, zu verlieren oder geklaut zu bekommen. Wobei man eben nicht einmal genau weiss bis heute, ob das Teil einfach nur kaputtgemacht wurde – oder ob es einen Diebstahl gab.

Da wird es dann allerdings ganz heikel. Sollte sich herausstellen, dass es einen Datenabfluss gab, müsste OneLog sofort die Betroffenen darüber informieren.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass es sich hier eigentlich um einen Nebenschauplatz im Online-Schlachtfeld der Medienhäuser handelt. Die ganz grosse Auseinandersetzung spielt sich auf dem Gebiet Werbeeinnahmen im Onlinebereich ab.

Da lassen sich alle grossen Verlage weiterhin von Facebook, Google & Co. die Butter vom Brot und das Brot wegnehmen und begnügen sich lediglich mit Krumen vom grossen Laib. Denn solange über 80 Prozent dieser Einnahmen von den US-Giganten abgezügelt werden, sind die Content-Provider, die sozusagen die Plattform für diese Einnahmen zur Verfügung stellen, die Gelackmeierten.

Aber eben, es gibt in der gesamten Volkswirtschaft wohl nichts unfähigeres als die Teppichetage der grossen Medienhäuser in de Schweiz.

Wimmel-Wumms bei Tamedia

Es ist ein Graus. Das kann man visualisieren.

Internet für Anfänger ist: wir lassen uns die Werbebutter von Google, Facebook & Co. vom Contentbrot nehmen. Wir präsentieren auf unserer Homepage kunterbunte Content-Wimmelbilder, nach der Devise: wird’s dir ganz blümerant, hast du dich beim Tagi verrannt.

Das fängt oben an (nur eine Momentaufnahme, da wechselt der Content alle Minuten):

Für jeden etwas, für alle nichts. Längst Überholtes («Wo ist Melania?», man ist sexistisch mit Trumps Frau per du), LGBTQ-News («Coming-out von Ralf Schumacher») oder «Analyse» («Europas Rechte wollen als dem Attentat auf Trump Kapital schlagen», ein ganz tiefer Gedankengang).

So wimmelt es weiter:

Das ist nun der Versuch, aus aktuellen Heulern eine eigene Rubrik zu machen. Kleines Problem hier: Rezycling («Wo ist Melania?»), Pipifax, den man schon überall gesehen hat («Schnappschuss während Attentat»), Doppelmoppel («Dieses Bild wird den US-Wahlkampf verändern», «Vom Opfer zum Helden – mehr Medienprofi geht nicht»).  Zusätzliches Problem: zurzeit ist zum Attentat ziemlich alles gesagt …

Nächstes Wimmelchaos. Blitzhochzeiten in Stäfa, Badran und Tonga wollen was, eine Frau macht einen Kleiderladen auf, Darmkrebs. Auch diese Empfehlungen wechseln ständig, je nach Klickrate. Weil es dem Leser meistens eher an einem gewissen Körperteil vorbeigeht, was für Pipifax die Redaktion (nach welchen Kriterien?) empfiehlt.

Dann der «Ratgeber» auf einem Niveau, wo sich selbst «Blick+» schämen würde. Richtiges Zahlungsmittel im Ausland, darf mich der Chef anrufen, Reisegadgets. Vorteil: lässt sich jedes Jahr rezyklieren. Ist wahrscheinlich auch aus dem Stehsatz.

Dann der «Zürich»-Teil, eigentlich die Paradedisziplin vom Tagi, denn hier ist er zu Hause. Aber das Porträt einer «Zürcher Künstlerin», von denen es viele, ach so viele gibt? Aber es gibt nur eine «Teamleiterin im Ressort Zürich», das erklärt einiges. Immerhin, «Mauch zu Bührle im Kunsthaus Zürich». Endlich mal eine eigene Leistung, die Teflon-Stadtpräsidentin wird mit einem Interview genagelt (Pardon, also keine Missverständnisse hier). Leider nein, das schaffte CH Media, der Tagi klappert nur nach. Peinlich. Und schliesslich «Schlauchbootfahrer tot geborgen», «Festbesucher verletzt Sicherheitsmitarbeiter schwer», für diese News muss man den Tagi haben.

Nach dieser Gewaltsanstrengung muss der Tagi etwas verschnaufen. Das mit den Sommerferien hatten wir zwar schon, und viel weiter unten droht dann noch die Rubrik «Reisen». Aber wieso nicht in der Mitte das Mittelmeer? Passt doch, nach der Devise: einer geht noch.

Ein besonderer Leckerbissen im Wimmelwumms. Multichannel. Video. Plus Audio. Wow, den Leser dort abholen, wo er sich langweilt. Mit Brüllern. «Erfolgreiches Anbaggern». Mit echten Flirt-Tipps von «Dr. Love». Wieso unternimmt da die hauseigene Genderpolizei nichts? Das «Hawk Tuah»-Girl. Was das ist, wollen Sie nicht wissen. «Drei Menschen reden offen über ihre Trennungen». Wenn das Sommerloch bis zur Kieferstarre gähnt.

Nein, sorry wir sind noch nicht fertig (doch eigentlich schon, aber da müssen wir gemeinsam durch). Claudia Schumacher, meine Güte. Markus Somm versteht nichts von nichts, das aber mit aller Schreibkraft, Gülsha Adilji darf tatsächlich immer noch, und der Autor der «Süddeutschen Zeitung» Christoph Koopmann darf  seinem Lieblingszeitvertreib frönen: reine Gerüchte zu hübschen Titeln aufblasen («Putin, der Pate»). Reimt sich zwar, ist aber schon ziemlich abgelutscht. Sein Gekeife basiert Koopmann auf «Erkenntnissen westlicher Nachrichtendienste». Darüber lacht nicht mal die Mainzer Karnevalsgesellschaft.

Nach all diesem Graus nun noch etwas zum Lachen. Für einmal kein Wimmelwimmel, sondern sozusagen ein Doppelwumms:

Nein, liebe ZACKBUM-Leser, Ihr seht nicht doppelt, weil Ihr Euch vielleicht in den Alkohol geflüchtet habt. Das ist nicht nur das gleiche Foto, es ist auch die gleiche Story. Unterschied? Nun, einmal erzählt sie Fabian Fellmann, das andere Mal ist’s ein Zusammenschrieb von AFP/DPA durch einen gewissen «ij». Der mündige Leser hat die freie Wahl.

Wir könnten nun noch fortfahren. Aber während der Tagi gnadenlos ist und diese Wimmelsammlungen fortsetzt und fortsetzt, haben wir ein Einsehen mit unseren Lesern und hören auf.

Nicht ohne Resümee: Wer sich bis heute online abzocken lässt, wer null Komma null Digitalstrategie hat (trotz ständigen anderslautenden Behauptungen), wer diesen ungeordneten Wildwuchs auf der Homepage zulässt, wer leitende Mitarbeiter ohne Begründung feuert, wer sich dabei dumm und krumm verdient, ist nicht die Lösung, sondern das Problem.

Nicht nur, dass mit einer Massenentlassung hier ungeheuerlich Geld gespart werden könnte. Jeder Praktikant könnte das Erscheinungsbild vom Tagi besser hinkriegen.

Aber wer ein Widerwort gegen all diese Peinlichkeiten wagt, die überwiegend von peinlichen Frauen verantwortet werden, kriegt eins aufs Dach. Intern. Oder Schreibverbot (extern). Kann nicht ewig gut gehen. Wird nicht ewig gut gehen. Man stelle sich nur vor, was man Sinnvolles anfangen könnte, wenn man zum Beispiel ein Gehalt von 700’000 Franken einsparen würde. Das hätte zwei Effekte. Niemandem würde etwas fehlen (ausser der Amtsinhaberin, natürlich). Und man könnte ein sinnvolles Aufräumen der Homepage finanzieren. Weil das keine Cracks aus London oder Deutschland bräuchte. Sondern nur einen Blick auf die NZZ online.

Wie vertrottelt sind die Internet-Nutzer?

Das kann man messen.

Denn es gibt immer wieder neue Wellen solcher Inserate:

Die Bauart ist immer die gleiche. Ein Promi, eine knackige Schlagzeile, das Ganze kommt daher, als sei es eine Meldung des «Blick». In Wirklichkeit handelt es sich schlichtweg um den Versuch, am Ende diejenigen, die so blöd sind, draufzuklicken, zu einer Zahlung für einen angeblich todsicheren Anlagetipp zu bewegen.

Ein ähnliches Werbemittel ist Direct Mailing, im Internet eher kostengünstig. Daher ist auch die überwiegende Mehrzahl aller Mails, die weltweit versendet werden, Spam. Abfall, der untaugliche Versuch, den Empfänger zu überreden, den Inhalt zu lesen und im besten Fall sogar den Call to Action zu befolgen.

Je nachdem, wer misst, reden wir hier von Rücklaufquoten von 1 Promill oder bis zu vier Prozent.

Auch hier gilt: den nächsten Dummen findest du immer. Deshalb sind auch Ankündigungen, dass ein afrikanischer Prinz oder George Soros  beschlossen hätten, dich, ja, genau dich, mit ein paar Hunderttausend oder besser noch ein paar Millionen zu bedenken, immer noch im Umlauf. Wer darauf reinfällt, wird mit inzwischen dank KI ziemlich guten Antworten daran herangeführt, dass das Geld eigentlich schon auf dem Empfängerkonto gelandet sei, es gebe da leider nur noch ein klitzekleines Problem, das aber mit 2000 $ kinderleicht zu lösen sei. Fällt jemand darauf rein, wird der Betrag gesteigert, bis der Trottel dann endlich aufgibt.

Im Internet ist allerdings bei Spam Sex immer noch die unbestrittene Nummer eins. Auf Facebook und anderen asozialen Plattformen wollen ständig lüsterne Frauen deine Bekanntschaft machen, selbst auf LinkedIn greift das um sich. Und bei Spam-Mails sind ebenfalls unendlich viele scharfe Weiber ganz heiss auf dich. Damit du dem Ansturm auch gewachsen bist, gibt es jede Menge Angebote von potenzsteigernden Mittelchen, oder wieso nicht gleich eine garantiert wirksame Penisverlängerung?

Aber diese Schrottinserate wie oben spielen auf einer anderen Klaviatur.

Besonders peinlich ist, dass man ihnen in (fast) allen Medien begegnet. Das hat seinen einfachen Grund darin, dass die Medienhäuser immer noch so blöd sind, sich von Google die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Anstatt ihre Inserate selbst zu bewirtschaften (und selbst zu kassieren), lagern sie Werbeplätze ihrer Online-Auftritte an Google aus, die werden dann mit von Google geliefertem Werbeschrott bespielt. Woran Google am meisten verdient, das Medium im Vergleich Peanuts.

Während aber die Kommentarspalten übersorgfältig kontrolliert und moderiert werden, behaupten die Medienkonzerne, dass sie auch hier alles Mögliche täten, aber leider, leider, sei es nicht möglich, dem Leser diese Fake-Inserate zu ersparen.

Ach, vielleicht zur Sicherheit: nein Nemo wollte das Land nicht verlassen. Leider.

Kläglich klagen

Verlage wollen 2,3 Milliarden Euro von Google.

Es gibt seit Jahren die Steigerung: dumm, dümmer, Verlagsmanager. Denn seit vielen Jahren sind diese Stümper nicht in der Lage, ihre Werbeflächen im Internet selbst zu bespielen.

Stattdessen treten sie sie an Google ab. Das führt im Extremfall dazu, dass Fake-Inserate mit Prominenten wie Roger Federer, einer Meteorologin oder einer ehemaligen «Tagesschau»-Sprecherin erscheinen, vor denen dann die Verlage warnen, die zuvor damit Geld kassierten.

Im Normalfall kassieren die Verlage ein Trinkgeld – und Google fährt den Löwenanteil ein.

Nun könnte man nach vielen Jahren vielleicht Möglichkeiten evaluiert haben, wie die Verlage an ihren eigenen Werbeflächen verdienen. Oder man könnte herausgefunden haben, was die Verlage Sinnvolles dafür tun, dass die Verwurstung ihrer Nachrichten durch Google nicht nur bei Google zu Einnahmesteigerungen führt. Oder die Verlage könnten sinnvolle Konzepte anbieten, wie das Training von KI mit gigantischen Textmengen aus ihren Archiven abgegolten werden könnte.

All das könnten die überbezahlten und unterbelichteten Verlagsmanager tun. Stattdessen klagen sie. Klagen im Sinn von jammern und klagen im Sinn von Prozess.

Gerade wieder wurde eine solche Sammelklage von über 30 Medienunternehmen in den Niederlanden gegen Google eingereicht. Die Verlagshäuser, darunter auch Ringier aus der Schweiz, andere Verlage hingegen nicht, wollen 2,3 Milliarden Euro Schadenersatz. Eigentlich ein Klacks gegen die 224,5 Milliarden Dollar, die Google mit Online-Werbung erzielt.

Nun wollen aber die Verlage mal wieder ein «faires Wettbewerbsumfeld» erreichen. Google hingegen ballert zurück: «Die vorliegende Klage ist von spekulativer und fragwürdiger Natur, und wir werden energisch und sachlich dagegen vorgehen.»

Dahinter steckt das ewig ungelöste Problem der Werbung auf Medienwebseiten im Internet. Früher, im Print, was die meisten Manager heute noch verstehen, war’s einfach. Wer in einer Zeitung oder Zeitschrift inserieren wollte, ging zu deren Inserateverwaltung, bestellte und löhnte. Dann wurde das den Medienhäusern zu aufwendig und anstrengend. Sie lagerten die Inserateakquisition aus und bezahlten dem Dienstleister einen Prozentsatz, ein Trinkgeld  der so generierten Einnahmen.

Dann überfiel das Internet die Print-Verlagsmanager, die erst einmal eine Weile mit offnen Mündern dastanden und sagten: hm, um da Traffic zu kriegen, muss man scheint’s alles umsonst anbieten. Und Inserate, meine Güte, ist das kompliziert, da sollen doch Profis ran. Da gibt’s doch diese Suchmaschine, wie heisst die noch gleich, die finanziert sich scheint’s über Werbeeinnahmen im Internet, obwohl ihr Angebot auch gratis ist. Dann soll die das doch bei uns auch machen, Problem gelöst.

Problem wunderbar gelöst. Nun kassiert der Dienstleister Google den Löwenanteil der Einnahmen und speist die Verlage mit einem Trinkgeld ab.

Da hätte man nun viele Jahre Zeit gehabt, sich eine Alternative für dieses idiotische Geschäftsmodell einfallen zu lassen. Stattdessen kratzte man sich ausgiebig am Kopf und versucht mit immer neuen und absurderen Modellen von Bezahlschranken, doch noch etwas für die geldwerte Leistung zu kassieren, selbst hergestellte News ins Internet zu pusten.

Aber verflixt auch, geht die Bezahlschranke hoch, geht der Traffic runter. Und Pay per View (oder per Click) ist die feste Währung bei Online Ads.

Das ist das eine Problem, ungelöst. Das andere: wie kassieren wir anständig bei Ads ab, die von unseren Reichweite profitieren, die angeschaut werden, weil wir den Content dazu bieten? Verflixt nochmal, keine Ahnung, sagen die Verlagsmanager, halten wichtige Konferenzen ab, jetten um die Welt, verursachen Spesen ohne Ende – und kriegen nix gebacken.

Ausser klagen. Jammern, klagen und einklagen. Gegen etwas, was sie selbst jahrelang geduldet haben. Und nun hoffen sie, nicht aus dem Gericht gelacht zu werden. Statt sich endlich etwas einfallen zu lassen.

Die unaufhaltsame Absenkung des inhaltlichen Niveaus, die brutalen Sparrunden ohne Preisnachlass für den Konsumenten und mit der Behauptung, der Inhalt sei nun zwar kleiner, aber dafür konzentrierter und besser, die inzwischen keiner mehr ernst nimmt, sind der eine Grund für das Abserbeln der klassischen Medien. Der andere, mindestens so wichtige, ist die flächendeckende Unfähigkeit, sich an Gewinnen angemessen zu beteiligen, die durch die Verwendung des Produkts durch Dritte, in erster Linie Google, entstehen.

Google wird den Verlagen ein paar Brocken hinwerfen, dazu ein ernstes Gesicht machen und anschliessend hinter verschlossenen Türen in homerisches Gelächter ausbrechen. Und die Verlagsmanager werden mit ernstem Gesicht verkünden, dass ihnen hier ein grandioser Vergleich gelungen sei. Ohne zu merken, dass das genauso lachhaft ist wie der aufs Skelett abgemagerte Content.

 

Fake-Inserate

Immer wieder ganze Wellen auch in den seriösen Qualitätsmedien.

Der Trick ist immer der gleiche. Ein Online-Inserat lockt mit einer Hammer-Schlagzeile. «Der Skandal um Alain Berset», Roger Federer habe unglaubliche Gewinne erzielt (nein, nicht mit On), usw.

Früher oder später werden die Neugierigen, die darauf reinfallen, auf eine Seite gelotst, wo man ihnen Angebote macht, die eines gemeinsam haben: wird Geld gezahlt, ist es weg.

Hier ist eine neue Ausgabe:

Sieht aus wie eine Meldung vom «Blick», könnte sogar online im «Blick» aufpumpen. Oder bei Tamedia. Oder bei CH Media. Oder wo auch immer. Eine Runde widerwärtiger ist dann diese Variante:

Die zirkuliert auf Facebook und Instagram, natürlich ohne den Aufkleber «Fälschung».

Was soll das, wie ist das möglich? Ganz einfach, die meisten Qualitätsmedien sind bis heute nicht in der Lage, ihre Inserateplätze online selbst zu verwalten. Also stellen sie sie Google zur Verfügung, und das Datenmonster bespielt die dann mit Inseraten, die bei Google in Auftrag gegeben werden. Weniger Arbeit für die Medien, aber viel weniger Geld. Denn den Löwenanteil der Einnahmen kassiert natürlich Google, nicht etwa das Medium, bei dem die Inserate erscheinen.

Nun ist die überwiegende Mehrheit harmlos, der übliche Werbeschrott halt. Der Werbetreibende hat dabei einen gigantischen Vorteil gegenüber Werbung in der realen Welt. Während ein Printinserat oder -plakat im Schrotschussverfahren alle potenziellen Leser anspricht (oder eben nicht, Streuverlust gigantisch), kann der Inserent bei Google selbst bestimmen, wie sein Zielpublikum aussehen sollte. Er kann auch bestimmen, was ihm ein Klick auf sein Inserat wert ist, oder er wählt «pay per view», also jedes Mal, wenn die Webseite aufgerufen wird und auf ihr sein Inserat aufpoppt, zahlt er etwas.

Je mehr er aufwirft, desto häufiger und prominenter erscheint sein Inserat, desto höher die Einschaltquote, desto grösser die Chance, dass jemand draufklickt.

Nun ist die attention span, die Aufmerksamkeitsspanne im Internet, bekanntlich knackkurz, ein paar Sekunden höchstens. Also muss ein Inserat sofort einen Klick-Reflex auslösen, sonst ist es verpulvertes Geld. Und natürlich kann der Inserent, auch im Gegensatz zur realen Welt, auf den Klick genau nachvollziehen, welche Resonanz sein Inserat hatte.

Nun gibt es aber, wie die beiden obigen Beispiele zeigen, auch – wie überall im Kapitalismus – Beschiss und Missbrauch. Im ersten Beispiel sollen User einfach auf betrügerische Abzockseiten gelenkt werden. Im zweiten Beispiel geht’s ums Gleiche, zudem soll noch einer bestimmten Nationalität eine reingewürgt werden.

Oliver Zihlmann beschwert sich auf Tamedia wortreich darüber, dass «internationale Techkonzerne wie das Instagram-Mutterhaus Meta viel zu wenig gegen solche Inserate» vorgingen. Und: «Der zweite Grund ist die Untätigkeit unserer Behörden.» Den dritten Grund lässt Zihlmann aber wohlweislich beiseite: auch sein Medienhaus tut und investiert viel zu wenig, um solche Inserate zu verhindern.

So absurd und einfach ist es nämlich: würden die grossen Medienkonzerne die Inserate ihrer Online-Auftritte selbst bespielen, würden solche Fake-Werbungen bei ihnen gar nicht auftauchen. Aber selbst versagen und dann vorwurfsvoll Richtung Techkonzerne und Behörden mopsen – typisch Journalist.

Ein grauenvolles Jahr

Tiefseebohrung. Das beschreibt den Zustand der Schweizer Medien im Jahr 2023.

Dass nach der Entlassungsrunde vor der Entlassungsrunde ist, daran mussten sich die verbliebenen angestellten Redakteure gewöhnen. Die grossen Verlagshäuser Tamedia, CH Media und Ringier zeigen damit den überlebenden Journalisten, was sie von ihnen halten: nichts.

Sie sind ein unangenehmer Kostenfaktor, bis die KI die meisten ihrer Aufgaben übernimmt. Den gutbezahlten Managern in der Teppichetage ist auch 2023 nur ein einziges Heilmittel gegen die Arglist der Zeit eingefallen: sparen, feuern, letzte Fleischreste vom Knochen abschaben. Das ist erbärmlich.

Allerdings tun auch die Journalisten nicht gerade viel, um die wichtigsten Assets, Glaubwürdigkeit und Vertrauen, zu schützen und zu bewahren. Nabelschau, kreischige Rechthaberei, Bedienung der Gesinnungsblase, Schwarzweiss-Verblödung. Wer dachte, man sei noch nie so schlecht über einen Krieg informiert gewesen wie in der Ukraine, sah sich eines Schlechteren belehrt. Was im Gazastreifen tatsächlich passiert, niemand weiss Genaueres.

In beiden Fällen versagt die Journaille auf einem ihrer wichtigsten Handlungsfelder: analytische Einordnung liefern, Argumente zur Bildung einer eigenen Meinung bei den Lesern. Da vielfach ältere und damit teurere Journalisten weggespart werden, sinkt das allgemeine Niveau der Berichterstattung auf erschreckend bildungs- und kulturlose Minusgrade. Historische Zusammenhänge, Kenntnis von Kultur und Literatur, was nicht im schnellen Zugriff mit Google aufpoppt, existiert nicht.

Wenn die Sprachverbrecher Lukas Bärfuss und Kim de l’Horizon als die zwei bedeutendsten Vertreter der Schweizer Gegenwartsliteratur angesehen werden, dann ist wohl der Boden der Geschmacklosigkeit erreicht. Wobei man mit solchen Vermutungen vorsichtig sein sollte. Bevor Kim auftauchte, meinte man den mit Bärfuss alleine schon ausgelotet.

Wer meinte, die Sprachreinigungshysterie, die Verhunzung der deutschen Sprache durch Gender-Sternchen und andere Methoden zur angeblichen Inkludierung habe einen dermassen hysterischen Höhepunkt erreicht, dass es nur noch vernünftiger werden könne, sah sich ein weiteres Mal getäuscht. Das gilt auch für alle Post-#metoo-Schwurbeleien.

Unbelegte Anschuldigungen öffentlichkeitsgeiler Weiber oder anonymer Denunzianten reichten auch 2023 aus, um Karrieren zu vernichten oder Menschen fertigzumachen. Trotz vielen Flops haben die Scharfrichter in den Medien nichts dazugelernt. Schnelle Vorverurteilung, grosse Entrüstung, dann peinlich berührtes Schweigen, wenn der Skandal mal wieder keiner war. Aber auf zum nächsten, der kommt bestimmt.

Auch als Jahresbilanz muss man festhalten: Dass sich die Medienproduzenten weiterhin von Google, Facebook & Co. online die Werbebutter vom Brot nehmen lassen, ist an Unfähigkeit und Dummheit nicht zu übertreffen. Das Gejammer über wegfallende Print-Inserate und der anhaltende Ruf nach staatlicher Unterstützung der Vierten Gewalt sollen nur übertönen, dass die Krise der Medien nicht den Umständen geschuldet ist, sondern selbstverschuldet.

Kein vernünftiges Distributionsmodell, das aberwitzige Geschäftsmodell, für immer weniger immer mehr zu verlangen, seichte Inhalte, sich im Hamsterrad der Online-Produktion bis zur Bewusstlosigkeit drehende News-Abdecker – wie kann man für diese klägliche Leistung ernsthaft Geld vom Konsumenten verlangen?

Geradezu autistisch richten viele Redakteure ihren Blick an diesen Problemen vorbei, schauen in sich hinein und langweilen den Leser mit der Leere, der sie dort begegnen. Oder regen ihn auf, indem sie ihre politischen und sozialen Steckenpferde auf offener Bühne zu Tode reiten. Ein Kommentar zur Gratis-Abgabe von Tampons, wieso traut sich keiner mehr, die einzig richtige Antwort an der Themenkonferenz zu geben: «Aber nicht im Ernst

In diesem Niedergang wird das Schweizer Farbfernsehen, die mit Gebühren alimentierten Radiosender immer wichtiger. Aber das Angebot der SRG ist dermassen lausig, dass die 200-Franken-Gebühreninitiative intakte Chancen hat. Auch hier ist es den privaten Unternehmen nicht gelungen, eine valable Konkurrenz dazu auf die Beine zu stellen. Das sei eben die Übermacht der SRG, jammert der Wannerclan von CH Media. Anstatt zuzugeben, dass die Einkaufstour in den elektronischen und Printmedien als deutlichstes Resultat lediglich eine Massenentlassung gebracht hat.

Völlig von der Rolle sind Tamedia und Ringier. Der Tagi war einmal eine ernstzunehmende, linksliberale Stimme, seine Leitartikel und Forderungen hatten Gewicht. Aber heute? Das nimmt doch keiner mehr ernst, wenn sich die Oberchefredaktorin zu Wort meldet und absurde Forderungen zu den nächsten Bundesratswahlen aufstellt.

Der «Blick» als wichtigstes Organ des Hauses Ringier wurde seines Wesenskerns beraubt, die Führungsriege geköpft, dafür ein Rudel von Heads und Chiefs installiert, deren Funktionsbezeichnungen kabarettreif sind. Weniger lustig sind allerdings ihre Leistungen. Springer zieht weiter in die Zukunft und trennt sich konsequent von seinen Printtiteln. Ringier kauft sie auf. Mathias Döpfner mag persönlich ein eher unausstehlicher Mensch sein, was er mit Marc Walder gemein hat. Aber der Unterschied im Wirken und in der Performance der beiden an ihren Unternehmen beteiligten CEOs ist unübersehbar.

Ach, und die NZZ? Ein Leuchtturm mit einigen blinden Flecken auf der Linse, das Bild ist schwer zu schlagen, so zutreffend ist es. Häufig Labsal und Kopfnahrung, manchmal aber auch ärgerliche Ausflüge ins Unterholz der vorgefassten Meinungen und neuerdings auch üblen Rempeleien in einer Tonlage, die die alte Tante seit Ende des Kalten Kriegs nicht mehr verwendete.

Auch der ruppige Umgang mit Chefredaktoren ist neu. War die Absetzung von Markus Spillmann zwar ein absolutes Novum, aber dennoch gerechtfertigt, wurde die Absetzung von Luzi Bernet und sein Ersatz durch Jonas Projer eher ruppig durchgeführt. Das war aber noch geradezu stilvoll und zartbesaitet im Vergleich dazu, wie dann Projer entsorgt wurde.

Dabei, wie bei der Nicht-Inauguration von Markus Somm als NZZ-Chefredaktor, spielte die Redaktion eine üble Rolle. Bei Somm stellte sich im Nachhinein heraus – als er mit der Absurd-Idee, aus dem «Nebelspalter» ein bürgerlich konservatives Kampforgan zu machen, baden ging –, dass der NZZ doch einiges erspart blieb. Aber der Zwergenaufstand in der Redaktion gegen Projer führte nur erwartungsgemäss dazu, dass die NZZaS viel näher an das Stammblatt gebunden wurde. Der notfallmässig installierte Beat Balzli ist noch viel mehr von der Gnade Eric Gujers abhängig als sein Vorgänger.

Allerhand Betrübliches und Besorgniserregendes ist von den Medien im Jahr 2023 zu vermelden. Gibt es Hoffnung für 2024? Für die klassische Medien nicht. Vor allem bei Jugendlichen haben sie längst die Meinungshoheit als Newslieferant verloren. Wenn der Bezahl-Inhalt qualitativ sich kaum von Gratis-Angeboten unterscheidet, wieso soll ein vernünftiger Mensch noch etwas bezahlen?

Natürlich sollte der Content einer Newsplattform nicht gratis sein. Eine Bezahlschranke macht aber nur dann Sinn, wenn dieser Inhalt auch etwas wert ist. «Blick+» ist das beste Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Die Idee wurde bei «Bild+» abgekupfert, aber jämmerlich umgesetzt. Tamedia macht ähnlichen Unsinn, indem es beim Berliner «Tagesspiegel» die Idee übernimmt, sauteure Angebote für spezifische Zielgruppen zu machen. Wer einen  fantasielosen Verwaltungsrat mit einer digitalen Offensive betraut, der sich dann an seine frühere Wirkungsstätte erinnert, ist selber schuld.

Nein, das ist kein Aufsteller,diese Jahresbilanz. Aber zum Jammertal, durch das der Journalismus wankt, passt eben auch, dass solche offenen Worte nurmehr hier auf ZACKBUM möglich sind.

Für das anhaltende Leserinteresse, liebe Worte (immer hinter vorgehaltener Hand) und auch (wenige) Widerworte danken wir ganz herzlich.