Schlagwortarchiv für: Glaskugel

Goldenes Gelaber

Auch NZZ Pro kocht nur mit Wasser.

Gold Gold, Gold. Wie geht’s weiter? Geht der Preis weiter hoch – oder runter? Spekulationsblase oder vorhersehbare Steigerung? Das sind natürlich brennende Fragen, nicht nur für Anleger.

Gleich zwei tiefe Denker der NZZ bemühen sich um Antworten. Catherine Bosley und Michael Rasch variieren die alte Börsianerweisheit:

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert der Goldpreis oder bleibt, wie er ist.

Natürlich drücken sie das etwas gelehrter aus: «Die fundamentalen Treiber der Entwicklung sind die geopolitischen und geoökonomischen Unsicherheiten.» Allerdings ist das nun auch eine Binse. Dicht gefolgt von der nächsten: «Gold bleibt sicherer Hafen für Anleger». Dafür muss man wirklich viel studiert und vertieft nachgedacht haben.

Statt solchem Geplapper gäbe es allerdings vielleicht ein paar Tatsachen in Erinnerung zu rufen, die durchaus interessant sind. Die erste: der Goldpreis steigt keinesfalls. Lediglich der Wert der wichtigsten Währungen sinkt. Wegen einer Überproduktion an Neugeld und turmhoher Staatsverschuldung.

Ausgeschlossen, dass die goldenen Zeiten zurückkehren, als eine Golddeckung Garantie für verantwortliches Handeln der Notenbanken bot. Damit war der US-Dollar zur Weltwährung geworden, bis 1971 der damalige Präsident Nixon einräumen musste, dass der Vietnamkrieg dermassen viel Geld verschlang, dass sie aufgegeben werden muss.

Von den rund 216’000 Tonnen, die in der Weltgeschichte gefördert wurden, ist fast die Hälfte für Schmuck verwendet. Der Rest des Goldwürfels mit einer Kantenlänge von rund 20 Metern teilt sich zu 17 Prozent auf die Reserven der Zentralbanken und zu 20 Prozent auf Investments auf. Von privaten und institutionellen Anlegern.

Die streben ins Gold, weil es knapp, dauerhaft, schuldenfrei und weltweit anerkannt ist. Und vor allem die Besitzer unabhängig von ihrer Landeswährung macht. Weswegen der Privatbesitz an physischem Gold nicht so gern gesehen wird. Und 1933 in den USA sogar verboten wurde.

Allerdings ist der Goldpreis nicht erst in letzter Zeit kräftig gestiegen. 1976, vor 50 Jahren, kostete eine Feinunze 134 Dollar (inflationsbereinigt 763 Dollar). Aktuell liegt der Preis bei 5311 Dollar. Alleine in den letzten zehn Jahren hat er sich fast verfünffacht. Während sich im Vergleich der MCI, also der Weltbörsenindex, sich lediglich um 155 Prozent gesteigert hat.

Viel entscheidender als der Blick in die Glaskugel, wo’s denn hingeht, wäre die Information der Leserschaft, dass es bei Gold ein entscheidendes Kriterium gibt: nur was man physisch besitzt, gehört einem auch.

Ein Goldzertifikat oder ein ETF oder was auch immer ist lediglich ein Stück Papier oder eine flimmernde Zahl auf dem Bildschirm. Also im Ernstfall wertlos. Auch das Lagern in einem Bankschliessfach ist ohne Zusatzversicherung nur bis zu einem Wert von 10’000 Franken empfehlenswert.

Also ab unter die Matratze, hinten in den Kleiderschrank, in die Erde oder was auch immer.

Was für Private gilt, gilt auch für Notenbanken. Seitdem Guthaben der russischen Zentralbank im Wert von über 300 Milliarden US-Dollar eingefroren wurden, ein ungeheuerlicher Vorgang, muss mit allem gerechnet werden.

Deutschlands Bundesbank ist nach den USA der zweitgrösste Besitzer von Goldbarren. Die lagern zwar zur Hälfte in Frankfurt, aber 37 Prozent bei der US-Notenbank in New York und 12 Prozent bei der Bank of England.

Die schlaue Schweiz lagert hingegen 70 Prozent selbst ein, 20 Prozent bei der Bank of England und 10 Prozent bei der Bank of Canada.

Zu den allgemeinen Unsicherheiten heutzutage gehört eben, dass Selbstverständlichkeiten wie die Unantastbarkeit von Notenbankeinlagen keinesfalls mehr garantiert sind. Also sind solch Faktoren wohl entscheidend wichtiger als das Werweissen, ob der Goldpreis weiter nach oben rauscht, seinen Höhepunkt erreicht hat oder gar nach unten schnurrt.

Die beiden Autoren eignen sich ausgezeichnet als Händler von Trompetengold, wenn sie mit der fürchterlichen Banalität enden:

«Allerdings zeichnet sich derzeit in keinem dieser Bereiche eine nachhaltige Beruhigung ab. Insofern könnte der globale Goldrausch mit weiteren Rekordhochs anhalten

Könnte, würde, falls nicht, von heute aus gesehen. Das Dummgequatsche von vorsichtigen Prognostikern.

Neues Jahr in alten Schläuchen

ZACKBUM schaut in die Glaskugel.

Es kann natürlich Unvorhersehbares geschehen. Diese Packungsbeilage bei Prognosen muss vorangestellt werden. Dafür verzichtet ZACKBUM auf alle Schwurbeleien wie «wenn nicht, falls, unter Voraussetzung, dass».

In der überschaubaren Medienlandschaft der Schweiz gibt es vier grosse Player. In einer Liga für sich spielt die SRG, da zwangsgebührenfinanziert. Ringier, Tamedia und CH Media müssen sich am Markt behaupten – und versagen vor den Herausforderungen des Internets.

Dann haben wir noch kleine und kleinste Player wie die NZZ, die «Weltwoche», Das Lebrument-Imperium, Randgruppenorgane wie die WoZ, die «Republik» und mehr oder minder erfolglose lokale Internet-Plattformen. Und wir haben den in seiner Bedeutung noch viel zu wenig erforschten Bereich der Community-Plattformen, über die immer grössere Teile der Gesellschaft, vor allem Jugendliche, ihr Informationsbedürfnis abdecken.

Das ist die Landschaft im Jahr 2024, was erscheint nun im wolkigen Inhalt der Glaskugel? Das:

  1. Die drei privatwirtschaftlichen grossen Player werden weiterhin sparen. Also teure Mitarbeiter abbauen und sie zunehmend durch KI ersetzen.
  2. Durch ihre Kamikazepolitik, für weniger Leistung mehr Geld zu fordern, werden sie weiter deutlich an Lesern und Einnahmen verlieren, der Teufelskreis dreht sich schneller.
  3. Die tägliche Printausgabe wird zum Auslaufmodell. Bereits ist aus dem «Sonntag» die «Schweiz am Wochenende» geworden. Die ehemals unabhängigen Redaktionen der Sonntagszeitungen werden vollständig in die höllischen Newsrooms integriert, die Sonntagsausgaben werden im Print verschwinden.
  4. Der Anteil der Lokalberichterstattung in den zahlreichen Kopfblättern wird weiter reduziert. Statt in Content zu investieren, wird in die Quadratur des Kreises Geld verpulvert, die zentral gekochte Einheitssauce ein Dutzend mal anders einzufärben, damit sie in Basel, Bern, St. Gallen, Luzern oder Aarau verschieden daherkommt.
  5. Es wird allgemein mehr administriert, weniger produziert. Die kabarettreife Anzahl von Heads und Chiefs bei Ringiers «Blick»-Familie gibt den Kurs vor.
  6. Nachdem Ringier die Organe von Axel Springer Schweiz geschluckt hat und verdauen muss, wird Tamedia versuchen, den angeschlagenen Wannerkonzern zu schlucken.
  7. In der Medienwelt hat 2024 das kapitalistische Prinzip – die Ausgaben werden durch die Einnahmen gedeckt – abgedankt. SRG ist zwangsfinanziert, die drei grossen Konzerne werden einen neuen Anlauf nehmen, die Steuersubventionen heraufzuschrauben. Nischenorgane wie die «Republik» werden weiterhin nur dank grosszügiger Mäzene und Spender existieren. Beim Markttest, gibt es genügend zahlungsbereite Nachfrage für das Angebot, sind sie gescheitert.
  8. Durch diese Konzentration bekommen ganz wenige Personen eine ungeheuerliche Machtfülle in den Medien. Das wäre Gilles Marchand als Generaldirektor der SRG, Pietro Supino als Boss von Tamedia und Vertreter des Coninxclans, CH-Media-CEO Michael Wanner als Vertreter des Wannerclans, Michael Ringier, Marc Walder und Ladina Heimgartner bei Ringier. Auch nicht unbedeutend ist Eric Gujer als Geschäftsführer und Oberchefredaktor der NZZ. Von denen (ihren Fähigkeiten und Interessen) hängt es ab, wie schnell die Talfahrt der Deutschschweizer Medien weitergeht. Was sie bisher geboten haben, stimmt nicht optimistisch.
  9. 2024 wird der Anspruch der Massenmedien, die öffentliche Meinung zu repräsentieren und zu manipulieren, immer weiter  abbröckeln. Der «Blick» als entkerntes ehemaliges Boulevardblatt hat sich bereits davon verabschiedet, CH Media will gar nicht diesen Anspruch erheben, Tamedia wird auch 2024 nicht bemerken, dass seine Einschätzungen, Kommentare und Meinungen nicht mehr interessieren. Auch die NZZ überschätzt sich hierbei gewaltig.
  10. Die unglaublich schrumpfende Bedeutung der Massenmedien macht die Beantwortung der Frage dringlich, ob es ein Kontrollorgan wie ZACKBUM Ende 2024 überhaupt noch braucht.

Wohin mit dem Geld?

Börse, Krise, Zähneklappern? Die NZZ ist gefordert.

Die alte Tante ist nunmal das Organ des Kapitals. Also muss sie Kapitalisten gute Ratschläge geben, was die mit ihrem Kapital anfangen sollen. Besonders in turbulenten – Finanzspezialisten bevorzugen den Ausdruck volatil – Zeiten, wo die Anlagemärkte Achterbahn fahren.

Leider verfügt aber nicht einmal die NZZ über eine Glaskugel, mit der sie in die Zukunft sehen kann. Das machte sich schon schmerzlich bemerkbar, als sie beim Grounding der Swissair einen grossen Stiefel voll rauszog.

Aber zurück in die Gegenwart und die Zukunft. Auch in volatilen Zeiten, wo ein Atomkrieg alle Anlagechancen unangenehm beeinflussen könnte, ist in erster Linie Optimismus gefragt:

Lobenswert und viel optimistischer als der Titel auf der Front.

«Korrekturen, Einstiegschancen», so muss man das sehen. Korrekturen hört sich doch viel besser an als Massaker, und wer einsteigen kann, sollte das als Chance sehen – und nicht als Aufforderung, seine Kohle zu verrösten.

Die NZZ wirft gleich drei Fachredaktoren in die Schlacht: Michael Ferber, Lorenz Honegger und Werner Grundlehner. Geballte Kompetenz, grosse Vision, sattelfest, wunderbar. Allerdings: besser ist’s, die Ratschläge sogenannten «Experten» zu überlassen. Denn sollten auch die über keine Glaskugel verfügen, hat man nur berichtet, sollte es in die Hose gehen. Und wer hätte denn ahnen können, dass ausgewiesene Experten wie der «Chef des Research-Bereichs Schweiz bei Vontobel» und ein «Finanzprofessor und geschäftsführender Partner bei Zugerberg Finanz» nicht die Zukunft vorhersehen können.

Zunächst einmal tun sie ihr Mögliches, überlegenes Wissen zu versprühen: «Im Unterschied zum amerikanischen Leitbarometer S&P 500 befinden sich im Swiss-Market-Index weniger Wachstumstitel, daher sind die Kursverluste bei den Standardwerten im Durchschnitt bis jetzt eher verhalten ausgefallen.»

Gut, das ist der Blick in die Vergangenheit, das kann eigentlich jeder. Aber wie sieht’s in der Zukunft aus?

«Die Korrektur an der Börse eröffnet phantastische Einstiegschancen für Leute, die ihr Geld anlegen wollten und bisher von den hohen Bewertungen am Aktienmarkt abgeschreckt wurden.»

Das ist endlich mal eine optimistische Prognose, wunderbar. Schliesslich würden alleine in der Schweiz «700 Milliarden Franken darauf warten, am Aktienmarkt investiert zu werden».

Die wollen wir ja nun nicht weiter ungeduldig im Geldsäckel klimpern lassen. Obwohl, so viel Warnung muss sein: «Natürlich könne die Börse morgen oder übermorgen nochmals 5 Prozent nachgeben, meint der Finanzprofessor.» Das wäre natürlich blöd für die 700 Milliarden, denn  dann wären 35 futsch. Aber: «Wissenschaftliche Studien haben allerdings gezeigt, dass «Market Timing» – also das Ein- und Aussteigen an der Börse zu bestimmten Zeitpunkten – die Anleger im Allgemeinen Rendite kostet und diese nicht etwa verbessert.»

Wissenschaftliche Studien, das hört sich immer gut an, auch wenn man die Aussage nicht wirklich versteht. Aber man ist ja auch kein Wissenschaftler, nicht wahr.

Wohin denn nun mit all dem Geld?

Nun aber Butter bei die Fische, wie der norddeutsche Finanzwissenschaftler sagen würde, wohin mit dem Geld? «Am besten gehalten haben sich im bisher schwierigen Börsenjahr 2022 im SMI die Aktien des Telekomkonzerns Swisscom (+9,4 Prozent), die Titel des Versicherers Zurich (+8,4 Prozent), diejenigen des Pharmakonzerns Novartis (+6,7 Prozent) sowie die Papiere der Grossbank UBS (+3,8 Prozent) und jene des Zementkonzerns Holcim, die mit 0,8 Prozent im Plus notieren.»

Das ist enttäuschend, denn wir blicken in die Vergangenheit. Nun ist aber genau das das Problem jeder Prognose. Entweder hält der Prognostiker den feuchten Finger in den Wind, oder aber, er leitet aus Vergangenem mögliches Zukünftiges ab. Das macht allerdings nur dann Sinn, wenn etwas nicht passiert: das Unvorhergesehene. Aber leider passiert das ständig. Finanzkrise eins, Eurokrise, Ukraine-Krise, da kann man doch gar keine ordentliche Zukunftsprognose abgeben.

Zudem gibt es immer das «einerseits, andererseits»: «Allerdings haben sich nicht alle dieser defensiven Titel in diesem Jahr gut gehalten. Die Genussscheine von Roche haben beispielsweise seit Jahresanfang 16,4 Prozent an Wert verloren. Auch die ebenfalls schwergewichtigen Nestlé-Aktien haben mit 11 Prozent beinahe so stark nachgegeben wie der SMI.»

Höchste Zeit, wieder etwas Wissenschaft herabregnen zu lassen: «Grundsätzlich gilt: Je weiter das Gewinnwachstum eines Unternehmens in der Zukunft liegt, desto stärker reagieren seine Aktien auf Zinsänderungen

Noch verwirrender ist allerdings: «Einige der grössten Verlierer in diesem Jahr finden sich derweil in der Liste der grössten Gewinner der vergangenen fünf Jahre im SMI.»

Konkret: «Die Aktien des erfolgsverwöhnten Unternehmens Partners Group sind in diesem Jahr bei der Performance das Schlusslicht im SMI und verbuchen ein Minus von rund 34 Prozent. Hart erwischt hat es auch die Titel der Bauchemie-Gruppe Sika (–33 Prozent), des Sanitärtechnik-Unternehmens Geberit (–31,3 Prozent) sowie die Aktien von Lonza und Givaudan mit Verlusten von 29,9 Prozent beziehungsweise 27,4 Prozent seit Anfang des Jahres.»

Was schliesst denn der Experte daraus: «Für die Aktien von Sika, Holcim und Partners Group sieht der Research-Chef eine rosige Zukunft.»

Was lernen wir von den Experten?

Also, lieber anlagewilliger Leser. Wer gewann, verliert. Wer verliert, wird gewinnen. Also einsteigen und sich nicht irritieren lassen, wenn man sofort verliert. Denn anschliessend gewinnt man. Oder umgekehrt. Oder doch nicht. Aber das ist sicher. Wenn nicht, vorausgesetzt, dass. Und ein Atomkrieg würde natürlich alles ändern. Obwohl der, komisch aber auch, nicht ganz unvorhersehbar wäre.

Aber Zukunftsdeutungen sind nun wirklich nur was für Experten. Wie man hier sieht.