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«watson» widerlich

Der Titel sagt schon alles: «History Porn». Aber das ist erst der Anfang.

Im ewigen Bemühen, aus allem ein Listical zu machen, ist «watson», die Online-Plattform für die Armen im Geist, beim «History Porn» (nicht fragen, wie krank man sein muss, um auf so einen Titel zu kommen) bei Folge LXXXVII angelangt. Das führt zur Frage, wieso unbedingt römische Ziffern verwendet werden müssen – und wie viele Mitarbeiter von «watson» in der Lage sind, die Zahl richtig zu sagen.

Diesmal geht es um «Geschichte in 25 Wahnsinnsbildern». Das ist die Fortsetzung von «Geschichte in 28 Wahnsinnsbildern». Vom Titel der Serie will man sich nicht trennen, auch wenn nachdenklich eingeräumt wird:

«Wir können verstehen, dass es teilweise etwas respektlos anmuten mag, von geschichtlichen Tragödien in Verbindung mit dem Begriff «Porno» zu lesen.»

Nein, «teilweise etwas respektlos» ist weit von der richtigen Qualifikation entfernt, wenn in dieser widerlichen Folge unter anderen diese Fotos gezeigt werden:

Knapper Kommentar darunter: «Junge Kriegsveteranen

Wer «watson» kennt, weiss, dass damit noch nicht der Gipfel der Geschmacklosigkeit erreicht ist. Der kommt hier:

Soll das also eine Serie über die Grauen von Kriegen und Faschismus werden? Ach was, es herrscht die völlige Beliebigkeit:

Das sind «die beiden Schwestern Dagmar und Alexandra von Dänemark». Ist’s Wahnsinn, so hat’s doch keine Methode. Üble Pornographie wirkt geradezu geschmackvoll, anständig, erbaulich und verführerisch im Vergleich zu diesem Sammelsurium. Um es anzurichten, braucht es wenig:

Keinen Geschmack, Schmerzfreiheit, Schamlosigkeit und Indolenz. Pardon, für «watson»-Mitarbeiter: Gleichgültigkeit.

 

Tagi sensibel und geschmacklos

Draussen geht’s feinfühlig zu. Im Blatt geschmacklos.

Feinfühlig wird ein Podcast über eine «Diversitäts-Beauftragte» gesendet. Der beschäftigt sich mit einem Interview, das mit Mandy Abou Shoak geführt wurde: «Jedes Theater bräuchte eigentlich eine Diversitätsbeauftragte.» Das Zürcher Theater hat eine, und die weiss:

«Der Titel «Bullestress» spielt auf Racial Profiling an. Also auf die Problematik, dass Schwarze Menschen überdurchschnittlich oft von Polizeikontrollen betroffen sind, weil sie als Gefahr für die öffentliche Sicherheit wahrgenommen werden und das wiederum hat mit Rassismus zu tun.» Nun fand dieses Interview bereits am 18. Januar statt, aber immerhin 2022.

Was «Berner Zeitung/Der Bund» recht ist, soll doch dem Tagi nicht Unrecht sein: rezyklieren ist das neue Zauberwort des Qualitätsjournalismus. Auf überflüssige Berufe kann man nicht häufig genug hinweisen.

Ganz anders geht es zu, wenn im Sport berichtet wird. Wem es bei dieser Titelzusammenstellung nicht übel wird, braucht mehr als eine Diversitätsbeauftragte:

Kind verlieren, Match verlieren, so ist das halt im Sport. Anstand und Geschmack hat man halt – oder nicht.