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Realsatire

«Expertin» Claudia Franziska Brühwiler fühlt sich unwohl.

Sie lässt sich von den Alumni der HSG über den grünen Klee loben: «Brühwiler ist die meistgesuchte Forschende der HSGSie erwähnen allerdings als jüngstes Werk ein Stück in der NZZ von 2021.

Wie auch immer, das Qualitätsorgan aus dem Hause Tamedia hat sie aus reiner Verzweiflung mal wieder interviewt. Dabei hat es folgende tierschürfende und originelle Erkenntnisse von ihr zutage gefördert:

«Donald Trump wolle die Kontrolle über Grönland erlangen, sagt Brühwiler.» Potz tausend, welch luzider Gedanke. Sie lässt auch weitere Erkenntnisse auf die zahlenden Leser herabregnen, die das Abo-Geld mehr als wert sind. Obwohl sie sich an Sokratesich weiss, dass ich nichts weiss») orientiert. Auf die Frage, was denn der Plan Trumps für Grönland sei, antwortet sie: «Das wissen wir nicht

Und wie verhält sich denn Trump? Die Expertenmeinung: «Das ist sehr drohend, sehr herablassend auch, es kommt wenig respektvoll daher.» Wie geht’s dem Mann denn so? «Er fühlt sich gering geschätzt. Und er will Grönland.» Auch auf diese Erkenntnis wäre ein Laie niemals gekommen.

Auch Experten haben Gefühle, muss man respektieren: «Ich hatte das Gefühl, dass er sich bewusst ist, dass er innenpolitisch sehr geschwächt ist.» Dieses Gefühl hat aber eigentlich niemand mit ihr geteilt. Daneben hat sie auch Hoffnungen: «Erhoffen würde man sich einen anderen wirtschaftspolitischen Kurs, der weniger wirtschaftlich destruktiv und weniger unberechenbar ist. … Aber ich möchte da berufsoptimistisch bleiben und auf das Beste hoffen

Hingegen zeichnet den echten Experten aus, dass er glasklare Schlussfolgerungen aus der Kritik Trumps an der Schweiz zieht: «Es hat mich nicht sonderlich überrascht

Schliesslich haben Experten wie Brühwiler auch Gefühle, oder sagten wir das schon: «Aber natürlich hat es mich negativ berührt, vor allem der sehr despektierliche Ton, als er über unsere ehemalige Bundespräsidentin sprach

Oder sagte sie das schon und sagt es halt nochmals: «Ich glaube, wir dürfen nicht auf die Goldwaage legen, was Trump in den Nebenverästelungen der Rede brachte. Und wir wollen es auch nicht hoffen, dass die Rede nun solche Implikationen hat.»

Bei so viel geballtem Sachverstand, Expertenwissen und überlegener Analysekompetenz kann der gequälte Leser nur GoetheFaust») zitieren: «Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor

Hätte Tamedia nur den geringsten Qualitätsanspruch an das, was es publiziert, irgend jemand, vielleicht Qualitätspapst Simon Bärtschi, hätte dem Autor Fabian Fellmann den Rat geben sollen: bevor wir uns hier blamieren, versorgen wir dieses Interview als Realsatire im Rundordner.

Aber vielleicht wurde es in der Hoffnung publiziert, mit einem solchen Feuerwerk von tiefschürfenden Erkenntnissen etwas Heiterkeit in den trüben Alltag zu bringen.

NZZaS, quo vadis?

Ein beliebter Spruch der alten Tante, mal auf sie selbst angewendet.

Wer auf eine solche, riesige Illustration kommt, bietet Anlass zu Sorge:

Denn was will uns die NZZaS mit dieser Sanduhr sagen?

Dass sie die hier abgekupfert hat?

Denn das Problem dieser Symbolik ist immer: soll das nun bedeuten, dass die Zeit für die FDP abläuft? Oder soll es bedeuten, dass sich immer mehr Sandkörner, also Wähler, für die FDP entscheiden? Und ist dem begabten Illustrator Dario Veréb nicht bekannt, dass man so eine Sanduhr einfach umdrehen kann, und schon geht das Geriesel wieder von vorne los?

Aber wir wollen auch das Positive sehen. Chefredaktor Beat Balzli will sich nicht die Finger am klaren Bekenntnis der FDP zum Europavertrag und gegen das Recht der Stände, darüber mitzubestimmen, verbrennen. Also schimpft er wohlfeil über die Erbschaftssteuer-Initiative der Rotsocken.

Aber das hat immerhin noch einigermassen Niveau. Auf das Niveau einer schlechten Schülerzeitung sinkt die NZZaS allerdings mit dieser Kolumne von Nicole Althaus: «Warum der Herbst viel mehr ist als bloss eine Jahreszeit». Das dümpelt in der Reihe «Sieben ist mehr als eine Zahl», «eine Hose ist mehr als ein Kleidungsstück» oder gar «Liebe ist mehr als ein Wort».

Utta Danella oder Hedwig Courths-Mahler hätten es nicht besser hingekriegt:

«Sommer für Sommer wundert man sich aufs Neue, wie man die Zeichen seines Endes einfach verdrängen konnte.»

Aber die Antwort kennt nur der Wind, leise spielt die Musik der Zeit, der Duft der Steinkrabbe verweht, und wo sind die Schatten der Vergangenheit?

Aber immerhin, auf Seite 35, Aufmacher Wirtschaft, macht die NZZaS dem Geeier der NZZ ein Ende: «Über Nacht 16 Milliarden weg». Sie zitiert sogar den teuren Satz unserer Finanzministerin an der denkwürdigen Pressekonferenz vom 19. März 2023: «This is not a bailout. This is a commercial solution». Womit einer der Trigger für das Abschreiben der AT1 Bonds futsch wäre.

Dieser Satz könnte ähnlich teuer werden wie die berühmte Abqualifizierung der Kirch-Gruppe durch den damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Der Finanzsektor sei nicht mehr bereit, sagte Rolf Breuer 2002, dem angeschlagen Medienkonzern weiter Kredit zu geben. Daraufhin brach die Firma zusammen.

Der Satz kostete die Deutsche Bank so alles in allem knapp eine Milliarde Euro. Der Satz von Karin Keller-Sutter kann für den Steuerzahler noch viel teurer werden. Dabei galoppiert die NZZaS dem vifen Finanzblog «Inside Paradeplatz» hinterher, der die Story, wann und wie überhaupt dieser Riesenabscheiber aufs Tapet kam, nachzeichnete.

Was nochmals bleibt, ist das Erschrecken, wie stümperhaft agiert wurde. Noch am 16. März bekräftigten FINMA und SNB, dass die Credit Suisse tipptopp aufgestellt sei, alle Anforderungen ans Kernkapital erfülle. Noch einen Tag zuvor, am 15. März, war von dem 16-Milliarden-Abschreiber im Forderungskatalog der UBS keine Rede.

Am nächsten Tag war er drin, SNB-Chef Thomas Jordan alles andere als begeistert darüber. Und erst am 19. März erfuhren die Spitzenkräfte der CS davon. Zudem musste das Recht der FINMA für diesen Abschreiber noch nachträglich, am 19. März, in die Notverordnung zur Liquiditätshilfe vom 16. März hineingeschrieben werden.

Ein Desaster.

Nach so viel kritischer Anspannung geht’s dann beim Aufmacher von «Wissen Kultur» etwas ruhiger zu: «Raus aus der Gewichtsspirale». Man fragt sich allerdings, wieso die NZZaS dieses Stehsatz-Thema für die Feiertage jetzt schon verballert.

Die «Kultur» wartet auch mit einem abgehangenen Topos auf. Hast du sonst nichts im Hemd, erfinde einfach einen Trend. Alte Journalistenregel; neuste Anwendung: «Die Herrschaft der Gefühle. Emotionen bestimmen unseren Alltag …»

Da sagt ZACKBUM ganz emotionsfrei: Quatsch. Nicht mehr oder weniger als vorher.