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Wie viel Verlogenheit verträgt der Mensch?

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe.

Selten war dieser Satz wahrer als heute. Da überfällt der russische Präsident Putin die Ukraine und versucht, ihre Regierung mit einem Enthauptungsschlag zu entfernen. Das Land müsse entnazifiziert werden, die Anhänger des Kriegsverbrechers und Antisemiten Stepan Bandera, der im Westen der Ukraine bis heute mit Denkmälern geehrt wird, müssten in die Schranken gewiesen werden.

Das geschah unter dem Bruch verbindlicher Zusagen, gegen die Rückgabe sowjetischer Atomwaffen, die in der Ukraine stationiert waren, die territoriale Integrität des Landes zu garantieren. Die auf einige Tage geplante militärische Spezialoperation geht ins fünfte Kriegsjahr, ausser vielen Toten und etwas Geländegewinn hat Putin nichts erreicht.

Durch ganze acht Staaten, wenn man die EU als Ganzes nimmt, wurden Sanktionen verhängt, von den übrigen 187 nicht. Insgesamt wurden bislang rund 400 Milliarden Euro als Unterstützung an die Ukraine bezahlt. In westeuropäischen und angelsächsischen Medien wird Russland regelmässig als Staat bezeichnet, der Kriegsverbrechen begeht und sich zum Paria in internationalen Beziehungen gemacht hat.

Israel hat den Gazastreifen in eine Trümmerlandschaft verwandelt, mindestens 70’000 Menschen (zum grössten Teil Zivilisten) dabei umgebracht, unzählige Kriegsverbrechen begangen und als besonders widerliches Detail gezielt Journalisten getötet und untersagt bis heute jegliche unabhängige Berichterstattung aus dem Gazastreifen.

Israel verübt völkerrechtswidrige Bombardements in Jordanien, Syrien und im Libanon.

Die USA und Israel haben gezielt militärische und zivile Führungskräfte von Ländern liquidiert, die ihnen feindlich gesinnt sind.

Am 28. Februar, während noch Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA liefen, haben Israel und die USA ohne vorherige Kriegserklärung den Iran angegriffen. Mit Enthauptungsschlägen ist es ihnen gelungen, den obersten Führer und einige Mitglieder der obersten Landesführung zu töten. Offenbar gab es dabei auch Kollateralschaden wie die Bombardierung einer Mädchenschule, bei der nach iranischen Angaben über 100 Menschen getötet wurden.

Gegen Kuba haben die USA ein totales Ölembargo verhängt, unterbinden jegliche Lieferung auf die Insel und üben massiven Druck auf alle Länder wie Mexiko aus, die anfänglich erklärten, als souveräner Staat weiterhin diesen Rohstoff nach Kuba liefern zu wollen. Dadurch versinkt die letzte Insel des real existierenden Sozialismus im Chaos, brechen immer mehr grundlegende Dienstleistungen zusammen, zeichnet sich eine Hungersnot ab.

Wenn man die Berichterstattung alleine schon in deutschsprachigen Medien über all diese Ereignisse Revue passieren lässt und die Beurteilung der Invasion Russlands und der Invasionen der USA und Israels miteinander vergleicht, muss man, ohne für irgend eine Seite Partei zu ergreifen, eine unglaubliche Verlogenheit, Verluderung aller journalistischen Sitten und Gebräuche feststellen.

Auf der einen Seite scharfe Kritik, auf der anderen Seite Verständnis und Erklärungen. Alles, was Russland als Verteidigung seiner Handlungen anführt, wird in der Luft zerrissen. Alles, was Israel und die USA als Begründungen anführen, wird wohlwollend berichtet.

Gelegentliche, verschämte Hinweise darauf, dass es sich hier ebenfalls um den ständigen Bruch des Völkerrechts und um eine Abfolge von Kriegsverbrechen handelt, werden damit wegerklärt, dass im Kampf gegen das Böse doch eigentlich alles erlaubt sei.

Obwohl der Irak (oder Afghanistan) ein abschreckendes Beispiel ist, was mit einem Land passiert, das von den USA von seinem Diktator «befreit» wird, wird gegenüber dem Iran wieder behauptet, dass dieser Krieg doch eine gute Chance böte, die Schreckensherrschaft der Mullahs zu beenden und den Iran in eine demokratisch-freiheitliche Zukunft zu führen.

In den entsprechenden Echokammern und Gesinnungsblasen erzählen verantwortungslose Journalisten ihrem indoktrinierten Publikum diesen Unsinn und kritisieren gleichzeitig, wie die gelenkten Staatsmedien in Russland und anderswo die Wirklichkeit verzerrten.

Wie viel Verlogenheit verträgt der Mensch? Offensichtlich beliebig grosse Portionen.

So nebenbei

Macht anfänglich immerhin in deutschen Medien die Runde. In der Schweiz: so nebenbei.

Das sind die Kollateralschäden, über die begeisterte Anhänger von völkerrechtswidrigen Angriffen so gerne hinwegsehen. Das Repertoire ihrer Argumente ist so überschaubar wie widerlich.

Das erste Argument, naheliegend: dabei handelt es sich um Regierungspropaganda des Regimes in Teheran. Das war auch ein beliebtes Argument, der israealischen Regierung, wenn sie abstritt, im Gazastreifen Kriegsverbrechen begangen und Zehntausende von Zivilisten getötet zu haben. Dazu gezielt mehr als hundert Journalisten.

Als die Aufmerksamkeit nachliess, schob dann das Militär nach, dass die von der Hamas genannten Zahlen durchaus realistisch seien. Während die Anzahl Tote in Wirklichkeit noch viel höher war.

Also ist doch auch dieser angebliche Angriff auf eine Mädchenschule in Minab im Süden Irans Fake News. Dass dabei mehr nach neusten Erkenntnissen mehr als 100 Menschen getötet und mehr als 60 verletzt worden seien, das kann man doch schnell behaupten.

Das gilt doch auch für den 12-tägigen Bombenangriff auf den Iran im Juni 2025, bei dem angeblich Tausende von Zivilisten getötet oder verletzt worden seien.

Zweites Argument: alles in Zweifel ziehen. Mädchenschule? Gibt es so etwas überhaupt im fundamental-islamischen Iran? Und selbst wenn, könnte es nicht sein, dass darunter eine Uranaufbreitungsanlage versteckt war? Oder ein Waffenlager?

Drittes Argument: selbst wenn es zutrifft, dass es sich um eine Mädchenschule handelte, es kein militärisches Ziel war und es viele Opfer gab – nun ja, das sind halt Kollateralschäden, die sich nie vermeiden lassen. Die muss man aber um das höhere Ziel willen in Kauf nehmen.

Denn diese armen Mädchen wären sonst in einem mittelalterlichen, fundamentalmuslimischen Land aufgewachsen, wären von den Revolutionswächtern schikaniert worden, wenn sie es wagten, unverschleiert und ohne männliche Schutzbegleitung auf die Strasse zu gehen.

Wären sogar vielleicht getötet worden, was in diesem barbarischen Regime durchaus immer wieder vorkommt.

Statt das alles erleben zu müssen, ist es vielleicht gnadenvoller, das eben nicht erleben zu müssen.

Viertes Argument: das wird niemals öffentlich verwendet oder auch nur angedeutet. Aber gerne gedacht und zur Besänftigung des Gewissens verwendet. Ein iranisches Leben, ebenso wie ein palästinensisches, sudanesisches oder irgend ein Leben in all den vielen Shitholes, wie der US-Präsident diese Länder zu bezeichnen pflegt, ist doch eigentlich nichts wert.

Oder zumindest nicht so viel wie ein US-amerikanisches, europäisches, ukrainisches, israelisches, schweizerisches Leben.

Hinter der durchsichtigen Fassade von Bekenntnissen zur Unverletzlichkeit jedes menschlichen Lebens ist das doch nackte Realität.

 

Selber schuld

Wie Hirnwäsche funktioniert.

Nicht nur die Leserreaktionen bei ZACKBUM beweisen: Propaganda wirkt, Hirnwäsche funktioniert. Der Artikel über den Verschleierungs-Passiv hat fast unisono die Reaktion ausgelöst: selber schuld. Sie ist als Narrativ auch medial im Schwange.

Das ist ein interessantes Phänomen des Einfrierens der Hirnzellen durch ständige Vereisung. Es ist völlig klar, dass die fundamentalistischen Wahnsinnigen der Hamas für das Massaker an unschuldigen Zivilisten in Israel Schuld haben und ihre fanatisierten Schergen diese Kriegsverbrechen begangen haben.

Es ist müssig, die rund 1200 Toten dieses Verbrechens gegen die mindestens 70’000 Toten im beinahe völlig zerstörten Gazastreifen aufzurechnen.

Niemand, der noch alle Sinne beieinander hat, käme auf die Idee, dass Massaker an den Israelis zu rechtfertigen, zu legitimieren, dafür Verständnis aufzubringen, es mit israelischen Untaten zu begründen. Lediglich Zweifel, wieso es dem so kompetenten und effizienten israelischen Geheimdienst nicht auffiel, wie sich die Hamas mehr als ein Jahr lang auf diesen Überfall vorbereitete, sind erlaubt.

Wer sagen würde, dass die israelischen Zivilisten selber schuld seien, weil sie von der israelischen Armee als Schutzschilde oder als willkommene Opfer missbraucht wurden, um den Einmarsch in den Gazastreifen zu legitimieren, würde zu recht als empathieloser Unmensch und hirnloser Dummkopf beschimpft.

Geht es aber um die ungleich höhere Zahl von über 70’000 Toten im Gazastreifen, wovon nach belastbaren Schätzungen mehr als 70 Prozent Zivilisten waren, sieht es ganz anders aus.

Die hätten sich, ginge es nach der israelischen Armee und ihren Apologeten, halt am besten in Luft auflösen sollen. Oder spurlos verschwinden. Damit sie nicht als menschliche Schutzschilde von der Hamas missbraucht werden konnten.

Diese Pervertierung jeglicher Logik würde jedem Mörder gefallen. Nicht er ist am Mord schuld, sondern der Ermordete. Hätte halt nicht blöd rumstehen sollen, wo der Mord stattfand.

Was bei einer individuellen Tat Mord heisst, heisst in kriegerischen Auseinandersetzungen Kriegsverbrechen. Dafür gibt es, wie für Mord, klare Definitionen:

Dazu zählen unter anderem:

  • Tötung oder Misshandlung von Zivilisten

  • Folter oder unmenschliche Behandlung

  • Angriff auf Krankenhäuser oder Hilfseinrichtungen

  • Geiselnahme

  • Zerstörung ohne militärische Notwendigkeit

  • Einsatz verbotener Waffen

Zu ergänzen wäre noch die gezielte Tötung von Berichterstattern und das bis heute gültige Verbot, dass unabhängige Medienvertreter das Schlacht- und Trümmerfeld Gazastreifen betreten dürfen.

Es ist diese Doppelmoral, diese Heuchelei, dieser Zynismus, der es den auch vorhandenen Apologeten islamistischen Wahnsinns so leicht macht, Kritik an ihren Verbrechen als einäugig, einseitig, ungerechtfertigt zurückzuweisen.

Schlimmer noch: Hunderttausende von Toten und Millionen von Vertriebenen werden von der ach so sensiblen europäischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, wenn sie in falschen, weil uninteressanten Gegenden der Welt wie Sudan oder Äthiopien leiden.

Räumt selbst das israelische Militär ein – was es zuvor immer strikt als Hamas-Propaganda disqualifizierte –, dass der Vernichtungsfeldzug im Gazastreifen mindestens 70’000 Tote gefordert hat, dann eilen die Schönschwätzer herbei und verniedlichen dieses Massaker. Beziehungsweise schieben die Schuld am Tod den Toten zu. Beziehungsweise der Hamas.

Die Terrororganisation habe sie halt als «Schutzschilde» missbraucht, sie hätten sich halt missbrauchen lassen. Während die israelische Armee gar nicht anders konnte, als dieses Massaker zu verüben. Abschlachten als Notwehr, als unvermeidlicher Kollateralschaden.

Man fragt sich, wie tief das menschliche Wesen in seiner Verblendung, als Opfer von propagandistischer Hirnwäsche, noch sinken kann. Sich damit selbst aus dem Kreis von zivilisierten Mitmenschen ausschliesst. Wobei ihm zu wünschen ist, dass es nicht mal selbst als menschliches Schutzschild missbraucht und getötet wird. Denn dann wäre zu hoffen, dass es sich posthum jedes Mitempfinden und jede menschliche Regung verbitten würde und aus dem Jenseits herüberruft: macht euch keinen Kopf, ich war selber schuld an meiner Ermordung.

Erstaunlich, zu welcher Perversion das menschliche Denken fähig ist.

Verschleierungs-Passiv

So lässt man die Täter einfach verschwinden.

«Gaza: Israel bestätigt 70’000 tote Palästinenser», titelt die «Süddeutsche Zeitung». Zuvor meinte sie: «Israel gibt zu, dass in Gaza 70’000 Palästinenser getötet wurden». Natürlich versteckt das Qualitätsmedienhaus Tamedia die gleiche Meldung hinter der Bezahlschranke: «Israel gibt zu, dass in Gaza 70’000 Palästinenser getötet wurden».

Auch das Schweizer Farbfernsehen stimmt ein: «Die israelische Armee hat laut Medienberichten erstmals mitgeteilt, dass im Gaza-Krieg rund 70’000 Palästinenser getötet wurden.» Selbst tachles.ch vermeldet «IDF bestätigt 70’000 Tote». Und auch der «Spiegel»: «Israel: Armee bestätigt 70’000 Kriegstote in Gaza».

Das ist eine elende Murkserei.

Zum einen waren es sicherlich mehr Tote, zum anderen steigt der Blutzoll weiterhin täglich.

In erster Linie aber ist das ein Sprachverbrechen.

Denn die Passivkonstruktion lässt den Täter verschwinden. Wird formuliert «der Zivilist/das Kind/die Frau wurde getötet», handelt es sich um ein subjektloses Vorkommnis. Es bleibt lediglich übrig, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelte. Sondern irgendwas hat hier getötet.

Ein Erdbeben tötet, eine Flut, ein Sturm, eine Lawine. Auch Löwen, Hunde oder Schlangen töten. Im übertragenen Sinn kann sogar Lächerlichkeit töten.

Hier ist es aber nicht lächerlich, was die Mainstreammedien veranstalten. Im Ukrainekrieg werden niemals Menschen getötet. Sondern Russland, die russische Armee, der russische Angriff tötet Menschen. Was natürlich richtig ist.

Denn es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Journalismus, Tat und Täter zu benennen.

Wobei man es mit der Unschuldsvermutung nicht so genau nimmt.

Aber im Fall der israelischen Kriegsverbrechen im Gazastreifen ist das anders. Dort töten die fundamentalistischen Wahnsinnigen der Hamas. Aber die israelische Armee räumt höchstens ein, dass die von ihr lange bestrittenen Zahlen der palästinensischen Gesundheitsbehörde stimmen könnten.

Was vorher, als die Weltöffentlichkeit noch Kenntnis von diesem Vernichtungskrieg nahm, als Propagandalüge bestritten wurde, wird nun eingeräumt.

Während weiterhin internationale Medienvertreter daran gehindert werden, aus der Trümmerlandschaft Gazastreifen zu berichten. Nein, die israelische Regierung hindert sie daran.

Wurden also mehr als 70’000 Palästinenser getötet? Nein. Die israelische Armee hat mehr als 70’000 Palästinenser getötet.

Aktiv, als Täter. Nicht passiv als Zuschauer.

Wie viele Frauen, Kinder und Zivilisten sind unter den Toten? Darüber gibt es weiterhin keine belastbaren Zahlen. Schätzungen sprechen von 70 Prozent …

Bevor die übliche Reaktion der anderen Gesinnungsblase kommt: nein, das relativiert das Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten in keiner Form. Aber würden Medien schreiben: Am 7. Oktober 2023 wurden rund 1200 Israelis getötet, Hunderte verletzt und 240 entführt?

Nein, es wurde richtig geschrieben, dass das ein Terrorangriff der Hamas war. Ein Kriegsverbrechen.

Das mit der weitgehenden Zerstörung der Infrastruktur des Gazastreifens und Kriegsverbrechen auf israelischer Seite beantwortet wurde.

So viel Genauigkeit sollte schon sein. Statt Verschwiemelung durch Passiv-Konstruktionen.

Wieso nicht Trump?

Nicht nur die «Weltwoche» trägt Trauer. Der arme, gekränkte Narzisst …

Wer verdient eigentlich den Friedensnobelpreis? Geht man nach dem Testament vom Stifter Alfred Nobel, soll ihn derjenige bekommen, der sich in besonderer Weise um den Frieden in der Welt verdient gemacht habe.

Oder wörtlich «die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben […] und die am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere und für die Abhaltung oder Förderung von Friedenskongressen gewirkt haben.»

Da gibt es in der Vergangenheit tatsächlich eine ganze Reihe von Preisträgern, die zumindest sehr fragwürdig sind.

Eine unvollständige Liste:

1973 bekam der Kriegsverbrecher Henry Kissinger zusammen mit dem Nordvietnamesen Le Duc Tho den Nobelpreis für die Beendigung des Vietnamkriegs. Tho lehnte ab, weil der Krieg längst nicht beendet war, Kissinger nahm ungerührt an.

1978 bekamen Menachem Begin und Anwar as-Sadat, 1994 Jitzchak Rabin, Shimon Peres und Jassir Arafat den Preis.

1991 Aung San Suu Kyi, obwohl sie später die Verfolgung der Rohingya-Minderheit tolerierte und verteidigte.

2001 Kofi Annan und die Vereinten Nationen, 2012 die Europäische Union.

2009 Barack Obama, bereits nach wenigen Amtsmonaten, und obwohl er während seiner gesamten Präsidentschaft Kill-Listen unterzeichnete.

Oder wer erinnert sich noch an die Preisträger «Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons» (2013), das «Tunisian National Dialoge Quartet» (2015), an Abi Ahmed Ali (Äthiopien, 2019) oder an Nihon Hidankyo (Japan, 2024).

Der Preis wurde also schon an Unwürdige, präventiv und an Organisationen verliehen, deren Beitrag zur Friedenssicherung zumindest umstritten ist.

Nun ist María Machado unbezweifelbar eine sehr mutige Frau, und es ist zu hoffen, dass der Friedensnobelpreis ihre Chance steigert, die nächste Zeit zu überleben.

Allerdings hat sie sich nun wohl nicht für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung stehender Heere oder für das Abhalten von Friedenskonferenzen stark gemacht. Sondern sie führt die Opposition gegen einen korrupten und unfähigen Diktator an.

Donaldes kann nur einen geben, alle sagen das») Trump hingegen hat nur in seiner Parallelwelt sieben Kriege beendet. Und ob es ihm gelingt, das Massaker und die Kriegsverbrechen der israelischen Armee im Gazastreifen zu beenden, muss man erst noch sehen.

Allerdings ist es unbestreitbar, dass auf seinen Druck hin deutliche Fortschritte erzielt wurden. Ob das in einem «ewigen» Frieden für «die nächsten 3000 Jahre» enden wird, nun ja. Eher nicht.

 

Gibt es die halbe Wahrheit?

Sind die getöteten Journalisten im Gazastreifen gar keine?

Teil eins.

Daniel Rickenbacher beklagt in der NZZ vom 22. September ein «falsches Spiel mit getöteten Reportern». Die sind nämlich eigentlich keine, beziehungsweise: «Die Hamas hat ein Medienimperium aufgebaut und stellt ihre Anhänger als «Journalisten» dar

Reporter, Journalisten sind die erste Quelle unserer Informationen über Ereignisse, von denen wir nicht Augenzeuge sein können. In modernen Kriegen sind Siege bei Wortkriegen, vulgo Propaganda, für die Beherrschung der öffentlichen Meinung extrem wichtig.

Was für denen einen eine «militärische Spezialoperation» ist, ist für andere eine völkerrechtswidrige Invasion. Häufig werden Kriegsanlässe herbeigelogen. Dann wird «zurückgeschossen». Der Zwischenfall im Golf von Tonking, der Anlass für das Eingreifen der USA in Vietnam, durch die Pentagon Papers als Lüge entlarvt. Genauso wie die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak. Eine aufwendig produzierte Lüge, Schritt für Schritt enttarnt.

Aktuell tobt eine Informationsschlacht über die israelische Invasion im Gazastreifen. Ein Minenfeld im aufgeladenen Diskurs.

Dabei geraten nicht nur die Informationen ins Kreuzfeuer, sondern auch ihre Beschaffer. Organisationen wie das Committee to Protect Journalists (CPJ) werfen den israelischen Streitkräften (IDF) vor, Journalisten im Gazastreifen gezielt und systematisch zu ermorden.

Das CPJ wurde 1981 gegründet, hat seinen Sitz in New York und gilt als verlässliche, unabhängige Referenz zum Thema Pressefreiheit. Seine Daten werden weltweit als massgeblich genutzt.

Dieser Vorwurf gegen die IDF ist ungeheuerlich. Wenn er zutrifft. Das bezweifelt Rickenbacher stark. Geschickt beginnt er seine Verteidigungsrede mit zwei Einzelfällen, den am Tag des Hamas-Massakers getöteten Journalisten Roee Idan, israelischer Fotograf, und Mohammed Yarghun, Palästinenser. Der sei aber nicht in erster Linie Journalist gewesen, sondern laut Nachrufen von «Hamas-Unterstützern» sei es so gewesen: «Der Kommandokämpfer (Yarghun, Red.) ist beim Angriff auf die Siedlungen im Osten Rafahs als Märtyrer gestorben

Vom Einzelfall zur Verallgemeinerung, der geschickte journalistische Klimmzug: «Das israelische Intelligence and Terrorism Information Center beispielsweise schrieb im Februar 2024, von 131 aufgelisteten Journalisten seien mindestens 67 mit Terrororganisationen verbunden. Der umfangreiche Bericht enthält zahlreiche Indizien, die sich leicht nachprüfen lassen.»

«Den Bericht halte ich für relativ zuverlässig. Er deckt sich mit meinen eigenen Recherchen», unterstreicht Rickenbacher seine Verwendung von Informationen des ITIC. Über diese Quelle später mehr. Allerdings sagt der Bericht auch noch etwas anderes:

53 der getöteten Journalisten hatten auch laut dem ITIC keine «organisatorische Zugehörigkeit». Waren das auch keine «echten» Journalisten? Ausweichende Antwort: «Ich kann mich nur auf Fälle beziehen, die ich selber überprüft habe. Tatsache ist, dass zahlreiche Journalisten auf diesen Listen für Medien der Hamas des Islamischen Jihads arbeiteten

Gleiche Antwort auf die Frage, wieso er bei den letzten gezielten Liquidierungen der IDF nicht erwähnt, dass dabei unbestreitbar auch nicht der «Verbindung» mit Terrororganisationen verdächtige Journalisten ermordet wurden: «Ich kann mich nur auf Fälle beziehen, die ich selber recherchiert habe. Ich verlasse mich nicht auf die Angaben der NGOs oder anderer Institutionen. Auch bei Beschreibungen wie „unbestreitbar“ wäre ich vorsichtig. Im Gazastreifen herrscht ein „fog of war“

Dieser Logik folgenden wären dann auch Mitarbeiter von rechtsradikalen israelischen Medien, die eine völlige Zerstörung des Gazastreifens, die Vertreibung der Bevölkerung und die Annektierung samt Vertreibung der Palästinenser des Westjordanlands fordern, keine Journalisten, sondern Propagandisten – und vogelfrei.

Zweifellos ist, dass die Hamas mit ihrem Medienbüro oder mit dem Smart Media Center, für das auch Yarghun gearbeitet haben soll, die internationale Öffentlichkeit mit Berichten beeinflussen will, die die israelische Armee unzähliger Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigen. Sowie der gezielten Tötung von Journalisten.

Diese Berichterstattung findet auch deswegen statt, weil die israelische Regierung konsequent die Einreise und Berichterstattung durch unabhängige Journalisten verbietet. «Das stimmt so nicht», widerspricht Rickenbacher. «Wie ich im Bericht schreibe, kontrolliert das Regierungsmedienbüro der Hamas die Berichterstattung aus dem Gazastreifen schon lange. Auch zahlreiche Journalisten, die für internationale Medien tätig waren, wie BBC etc., liessen sich vom Regierungsmedienbüro lizenzieren und folgten deren Richtlinien.»

Die Antwort geht, gelinde gesagt, an der Frage vorbei. Zudem ist es überall auf der Welt so, dass sich Journalisten akkreditieren müssen, wollen sie auch mit offiziellen Gesprächspartnern in Kontakt kommen. Wer schon mal ein Journalisten-Visum für die USA beantragt hat, weiss, wie kompliziert das selbst im Land der Meinungsfreiheit ist. Wer schon mal dabei war, wie der begleitende Fotograf (ohne Visum) vom Immigration Officer in den Flieger zurück gesetzt wurde, weil der ihm nicht glaubte, dass die Fotoausrüstung für ornithologische Zwecke diene, weiss, wie schwierig Berichterstattung überall ist.

Die Hamas will die Berichterstattung aus dem Gazastreifen kontrollieren, die israelische Regierung will das auch. Gibt es da also nur halbe Wahrheiten? Oder wird eine halbe Wahrheit, wie sie Rickenbacher auftischt, zur ganzen Lüge?

Fortsetzung folgt.

5 ermordete Journalisten …

… sind Grund genug, die Pause zu unterbrechen.

Sie heissen Anas al-Sharif und Mohammed Qreiqeh. Dazu die Kameramänner Ibrahim Zaher, Mohammed Noufal  und Moamen Aliwa. Sie sassen in einem Zelt gegenüber dem zerstörten Al-Shifa Spital.

Dort wurden sie durch einen gezielten Luftangriff getötet.

Sie waren für den News-Sender Al Jazeera im Gazastreifen tätig. Unter ständiger Lebensgefahr. Schon Dutzende palästinensische und ausländische Journalisten sind dort getötet worden. Israel hat den Zugang internationaler Medien fast vollständig unterbunden.

Daher gibt es einerseits die israelische Kriegspropaganda, andererseits die kaum überprüfbaren Angaben der Hamas-Behörden vor Ort.

Sicher ist nur, dass über 80 Prozent der gesamten Infrastruktur zerstört sind, Israels Premierminister Netanyahu den Gazastreifen völlig unter militärische Kontrolle bekommen möchte und sogar der ehemalige israelische Ministerpräsident Olmert von Kriegsverbrechen spricht, die die israelische Armee (IDF) begeht.

Andere – auch israelische – Kriegsgegner sprechen von Völkermord durch Aushungern und kritisieren den Plan, die überlebende Bevölkerung in ein Konzentrationslager zu sperren, aus dem nur die Ausreise in ein anderes Land erlaubt sein soll.

Bei der ungenügenden Verteilung von Lebensmitteln soll es nach Zeugenaussagen von israelischen Militärangehörigen regelmässig zu gezielten Todesschüssen auf Hungernde kommen.

Vor diesem Hintergrund nun die gezielte Ermordung dieser fünf Journalisten.

Die israelische Armee hat das Verbrechen eingeräumt. Sie behauptet, Anas al-Sharif sei nicht nur als Journalist tätig gewesen, sondern hätte in enger Verbindung mit der Hamas gestanden. IDF beziehen sich dabei auf «Beweise» wie Trainingslisten oder Telefonverzeichnisse.

Am 11. August, dem Tag der Ermordung, behaupteten die IDF zudem, al-Sharif sei der Kopf einer Hamas-Zelle gewesen, die Raketenagriffe auf Israel «vorangetrieben» habe.

Keines dieser Dokumente konnte bislang von unabhängigen Stellen überprüft werden. Der Arbeitgeber Al Jazeera weist die Anschuldigungen kategorisch zurück.

Es ist nicht das erste Mal, dass Israel Journalisten oder deutlich als Sanitäter gekennzeichnete Personen im Gazastreifen gezielt tötet.

Ein Presseausweis sei kein «Schutzschild für Terrorismus», sagen die IDF. Das ist unbestreitbar richtig. Die Liquidierung von fünf Journalisten in einem Gebiet, zu dem die IDF den Zugang unabhängiger Medien unterbinden, ist Staatsterrorismus.

Ein offensichtlicher Versuch, jede lokale Berichterstattung, die nicht von der israelischen Armee kontrolliert wird, zu verhindern. Koste es, was es wolle.

Es ist dem israelischen Kriegskabinett inzwischen egal, welchen weltweiten Imageschaden es seinem Land zufügt. Augen zu und durch, scheint die Devise zu sein.

Sollten verifizierte Beweise auftauchen, dass der ermordete Al-Jazeeria-Korrespondent tatsächlich solche Verbindungen zur Terrortruppe Hamas unterhielt, dann handelte es sich dennoch um eine gezielte Liquidation, die ebenfalls vom Kriegsrecht nicht gedeckt ist.

Wobei die vier weiteren getöteten Journalisten dann halt Pech gehabt hatten und zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Gibt es diese Beweise nicht, ist es ein besonders widerliches Verbrechen, ein Anschlag auf den Journalismus, der aufs schärfste verurteilt werden müsste.

Während Amnesty International oder internationale Journalistenorganisationen dieses Anschlag verurteilen  herrscht in der Schweiz – Schweigen.

 

«Konzentrationslager»

So nennt einer den neusten Plan Israels. Aufschrei? Nix ist.

Beim Autor dieser rabiaten Kritik ist es schwierig, die Antisemitismuskeule zu schwingen (obwohl das sicher noch geschehen wird). Besser, ihn totzuschweigen.

Es handelt sich um den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Er hatte schon mehrfach die israelischen Kriegsverbrechen scharf kritisiert, nun ist er noch einen Schritt weitergegangen.

Einzig der «Spiegel» und etwas abgeschwächter «Die Zeit» haben darüber berichtet, was er der englischen Tageszeitung «Guardian» sagte.

Der israelische Verteidgungsminister, unterstützt vom Premier Netanyahu, plant, auf der Trümmerlandschaft von Rafah (inzwischen sind rund 90 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen beschädigt oder zerstört) eine sogenannte «humanitäre Stadt» zu errichten.

In ihr sollen am Anfang 600’000 Palästinenser zusammengepfercht werden, später die gesamte überlebende Bevölkerung. Rückkehr in den Gazastreifen verboten. Einzige Möglichkeit: Ausreise in ein anderes Land.

«Es ist ein Konzentrationslager. Es tut mir leid»,

sagt dazu Olmert. Er legt noch nach: «Wenn sie ein Lager bauen wollen, um mehr als die Hälfte Gazas zu ›säubern‹, dann ist die einzig logische Schlussfolgerung: Es geht nicht darum, Menschen zu retten. Es geht darum, sie zu vertreiben – sie wegzuschieben, sie loszuwerden.»

Der «Spiegel»: «Diese Kabinettsmitglieder, die Gewalt in Gaza und im Westjordanland befürworten, seien laut Olmert eine größere Bedrohung für die langfristige Sicherheit des Landes als jeder externe Feind: »Diese Leute sind der Feind von innen.»»

Man kann ohne weiteres anderer Ansicht als Olmert sein. Es sieht aber ganz danach aus, als ob Netanyahu mit dem Plazet Trumps dessen Idee, aus dem Gazastreifen eine neue Riviera zu machen, umsetzen will. Natürlich ohne Riviera – und ohne Palästinenser.

Die Eitelkeit Trumps ausnutzend, hat ihn Netanyahu deshalb für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Eine aberwitzige Idee. Trump konnte weder wie angekündigt den Krieg in der Ukraine innert 24 Stunden beenden, noch fand er bislang eine tragfähige Lösung für die israelische Invasion im Gazastreifen. Oder für die Kriegsverbrechen, die Israel im Westjordanland, im Libanon, in Syrien und im Iran begeht.

Selbst beteiligte sich Trump mit seiner big beautiful bomb am Versuch, das iranische Nuklearprogramm zu zerstören.

Niemand, der noch Reste von gesundem Menschenverstand besitzt, kann die Terrortaten der Hamas und anderer fundamentalistischer Wahnsinniger gutheissen. Genauso wenig die Rhetorik aus Teheran, dass Israel vernichtet werden müsse.

Aber es verschlägt den meisten deutschsprachigen Medien die Sprache, wenn die israelische Regierung Anstalten macht, die gesamte palästinensische Bevölkerung aus dem zusammengebombten Gazastreifen zu vertreiben.

Schon jetzt ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff oder Medikamenten nicht gewährleistet. Wer sich einer der wenigen Verteilstationen nähert, riskiert, beschossen oder erschossen zu werden.

Hunderttausende von Zivilisten in ein Konzentrationslager zu treiben, das ist eine neue Eskalationsstufe. Da es nicht verlassen werden darf (ausser zu einer Ausreise, aber wer will schon Hunderttausende von Palästinensern aufnehmen), hat es nichts mit einer «humanitären Stadt» zu tun, wie das der israelische Verteidigungsminister nennt, von dem Orwell noch etwas lernen könnte.

Nachdem Israel fast die gesamte Infrastruktur des Gazastreifens zerstört hat, immer wieder die Bevölkerung in sogenannte sichere Zonen jagte, die dann doch nicht sicher waren, soll so das Problem Gazastreifen einer endgültigen Lösung zugeführt werden.

Natürlich sind Vergleiche mit den Vernichtungslagern der Buren und der Nazis nicht angebracht. Wohin allerdings die in diesem Konzentrationslager vegetierenden Palästinenser ausreisen sollen, das ist völlig ungeklärt. Vielleicht nach Madagaskar?

Was völlig klar ist: Israel züchtet damit eine ganze Generation von neuen todeswilligen Terroristen heran. Um deren zukünftige Taten zu verhindern, gäbe es tatsächlich nur die Möglichkeit eines Völkermords. Obwohl auch so sicherlich nicht alle Palästinenser vom Angesicht der Erde getilgt werden können.

Auch diese Ansicht muss von niemandem in den Massenmedien geteilt werden. Aber vielleicht gäbe es neben der Frauenfussball-EM doch noch ein Plätzchen, darüber zu berichten.

 

Tote zählen im Gazastreifen

Ist es möglich, deren Anzahl überhaupt zu erheben?

Bislang war die einzige Quelle die Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen. Israel denunziert sie als «Terrorpropaganda», und tatsächlich sind solche Zahlen bezweifelbar.

Zudem ist es äusserst schwierig, im weitgehend zerstörten Gazastreifen, in dem es zudem No-Go-Zonen gibt und der Zugang ausländischen Journalisten versperrt ist, entsprechende Erhebungen zu machen.

Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftler versucht, unabhängig Daten zu erheben und ihre Ergebnisse auf «medRxiv, the Reprint server for Health Sciences» veröffentlicht. Die Studienergebnisse wurden von «Nature» übernommen. Die seit 1869 erscheinende Zeitschrift ist bekannt für ihre hohe wissenschaftliche Integrität.

Diese vorsichtige Einleitung ist nötig, weil die Ergebnisse der Studie schockierend sind und selbstverständlich sofort geframt und bezweifelt werden.

Sie kommt zum Ergebnis, dass die tatsächliche Zahl der Toten, zudem nur erhoben zwischen Oktober 2023 bis Anfang Januar 2025, bedeutend höher liegt als die Zahlen der Hamas. Laut der Erhebung starben in diesem Zeitraum beinahe 84’000 Menschen im Gazastreifen.

Mehr als die Hälfte der Getöteten seien Frauen im Alter von 18 bis 64, Kinder oder Menschen über 64.

Wer hinter der wissenschaftlichen Untersuchung steht, kann jeder selbst nachlesen und sich sein Urteil bilden.

Auf jeden Fall sind diese Zahlen um 60 Prozent höher als die vom Gesundheitsministerium angegebenen, während Israel keinerlei Zahlen veröffentlicht.

Selbst Zynikern verschlägt es langsam die Sprache, und nur noch ganz Verpeilte werfen Kritikern der Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Verstössen gegen Völker- und Kriegsrecht der israelischen Regierung vor, sie würden haltlosen Unsinn verzapfen.

So wie ein feige sich hinter Pseudonym versteckender Amok auf «Inside Paradeplatz», als Reaktion auf einen Artikel des ZACKBUM-Redaktors René Zeyer:

«Antisemiten können aber nicht anders, als immer wieder auf ihre rassistische, judenfeindliche Gesinnung zurückzufallen. Zeyer – ein williger Unterstützer von Hamas, Hisbollah, Iran, Nordkorea, Russland & China!»

Immerhin hatte Tamedia den Mut, einen entsprechenden Artikel der «Süddeutschen Zeitung» zu übernehmen. Wohlweisslich ohne Kommentarfunktion.

Quelle: «Tages-Anzeiger».

Sollten diese Zahlen stimmen, widerlegen sie die Behauptung der israelischen Armee, sie bemühe sich möglichst um eine Schonung der Zivilbevölkerung.

Obwohl die Studie bereits vor einer Woche erschienen ist, hat in den deutschsprachigen Medien bislang einzig die SZ (kopiert von Tamedia) diese Ergebnisse aufgenommen.

Medienkritisch geht es hier nicht um eine Diskussion der wissenschaftlichen Grundlage und der Plausibilität dieser Zahlen.

Sondern es geht darum, dass eine Debatte über den Gazakrieg im Sinne eines Meinungsaustauschs, basierend auf möglichen Erkenntnissen, kaum oder nicht möglich ist.

Verteidiger der israelischen Regierungspolitik verweisen auf die Greueltaten der Hamas, auf deren Massaker am 7. Oktober 2023. Da sie diktatorisch die Regierungsgewalt im Gazastreifen ausübt, sei die gesamte Bevölkerung mitschuldig daran – und letztlich selber schuld, wenn sie nun auch massakriert wird. Ein Zahlenvergleich sei obszön und nicht statthaft.

Noch erschreckender als diese Zahlen ist die meist fakten- und erkenntnisfreie öffentliche Debatte. Hilft alles andere nicht, schlägt die Antisemitismuskeule zu und wird an den Holocaust erinnert. Der deutsche Bundeskanzler Merz darf ungeniert davon sprechen, dass Israel hier die «Drecksarbeit» verrichte. In welchen Sprachduktus er sich damit begibt, fällt offenbar weder ihm noch breiten Teilen der Medien auf.

Wer auf der Einhaltung internationaler Regeln besteht, wird mit dem Argument niedergemacht, dass die gegen fundamentalistische Wahnsinnige und die Ayatollen im Iran nicht gelten würden. Wer Opfer eines Terrorangriffs und von den Mullahs in Teheran mit der Vernichtung bedroht wird, darf sich darum foutieren.

Dass sich damit die israelische Regierung und ihre Armee genauso zum Paria machen wie die von religiösen Wahnsinnigen regierten Staaten um das Land herum, genauso wie die Terrororganisationen Hamas und Hetzbollah, wird ignoriert.

Eine zivilisierte Gesellschaft kann sich nicht barbarisch gegen Barbaren wehren. Auch putative Notwehr hat ihre Grenzen. Sonst gilt einfach die Macht des Stärkeren, die alles Recht bricht.

Die Grundlagen zivilisierten Zusammenseins sind spätestens seit Kant bekannt. Wer sich aus Unkenntnis oder wissentlich selbst darüber hinwegsetzt, unterscheidet sich nicht mehr vom Barbaren und verliert jegliche Legitimation für sein Handeln.

 

Neuer Lichtblick beim Tagi

Auslandchef Christof Münger verurteilt die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung.

Seine Aufgabe ist es normalerweise, Gelaber der Redaktion der «Süddeutschen Zeitung» per copy/paste seinen Lesern zahlungspflichtig zu servieren. Mit schlechteren Titeln und Leads versehen.

Oder tatenlos zuzusehen, wie sein Redaktor Enver Robelli mit kosovarischem Hintergrund Gift über alles spritzt, was mit dem Wort Serbien verbunden ist. Oder den Besuch der kosovarischen Präsidentin in der Schweiz mit Lob überschüttet.

Dass sie Chefin eines selbst von einigen EU-Mitgliedern nicht anerkannten Mafiastaats ist, der nur auf Betreiben der damaligen Schweizer Aussenministerin zur Welt kam, obwohl das ein eklatanter Verstoss gegen die Serbien zugesicherte territoriale Integrität war (aber Serbien ist halt nicht die Ukraine), was soll’s.

Nun aber ermannt sich Münger, die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung zu kritisieren. Die ist – animiert vom US-Präsidenten Donald Trump, der Gaza gerne in eine neue Riviera verwandeln und möglichst viele Trump Towers bauen möchte – finster entschlossen, die Palästinenser von dort zu vertreiben – ins Nirgendwo, wie Trump. Auf zunehmenden internationalen Druck hin wurde eine obskure Organisation damit beauftragt, die wenigen Hilfslieferungen an die hungernde Bevölkerung zu managen. Deren Präsident ist sofort zurückgetreten, die Verteilung endete in einem Chaos mit Toten. Die Ausgabestellen liegen grösstenteils im Südwesten des Gazastreifens, nach der Devise: wenn ihr die Bombardements überlebt und etwas zu fressen wollt, dann macht euch doch dorthin auf den Weg. Eine «Schimäre» humanitären Handelns, wie Christof Münger konstatiert.

Das unterscheidet seinen Kommentar auch wohltuend vom haltlosen Leitartikel seiner Chefin.

Dagegen hält Münger in seiner «Meinung»:

«Das Vorgehen des israelischen Premiers im Gazastreifen lässt sich nicht mehr rechtfertigen. Den Preis dafür zahlen die Palästinenser – langfristig aber auch Netanyahus eigene Landsleute.»

Wobei diese Landsleute nach Meinungsumfragen mit dieser Vernichtungspolitik einverstanden sind. Und der isrealische Ministerpräsident im Windschatten dieses Verbrechens neue illegale Siedlungen im Westjordanland beschlossen hat.

Dass die Hamas eine Bande von fundamentalen Wahnsinnigen ist, die mit ihrem Massaker in Israel und den Geiselnahmen dafür den Vorwand geliefert hat, ist unbestritten. Wie es passieren konnte, dass der sonst so effektive israelische Geheimdienst und die Armee die mehr als ein Jahr andauernden Vorbereitungshandlungen übersehen haben könnten; Anlass für mehr als Verschwörungstheorien.

Aber immerhin, man muss auch loben können:

«Die israelischen Streitkräfte agieren dabei derart brutal, dass sie sich dem Vorwurf aussetzen, Kriegsverbrechen zu begehen. Für Israel ist das ein moralisches Desaster. … Dabei wäre es allein ein Gebot der Menschlichkeit, dass sich Israel zurückhält, da die Lage im Gazastreifen verheerend und das Leid evident ist.»

Münger weist auf eine Selbstverständlichkeit hin: Israel ist eine Demokratie und orientiert sich an Werten, die in der Erklärung der Menschenrechte verankert sind. «Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit», heisst es in Artikel 3 der UNO-Proklamation von 1948. Das gilt auch für Palästinenserinnen und Palästinenser

Und er benennt das einzige Motiv von Netanyahu: «Weshalb geht Israel so brutal vor? Die naheliegende Erklärung ist, dass sich Netanyahu nicht um die Sicherheit seines Landes, sondern um sein politisches Überleben kümmert. Der Regierungschef steht wegen mehrerer Korruptionsvorwürfe vor Gericht. Sein Amt ermöglicht es ihm, den Prozess in die Länge zu ziehen und einer möglichen Gefängnisstrafe zu entgehen.»

Er fordert den Schweizer Bundesrat auf, dem Beispiel von engen Verbündeten Israels wie Frankreich, England und anderen, zu folgen, und er schlussfolgert richtig: «Abbringen von seinem Krieg im Gazastreifen können ihn aber nur jene Bürgerinnen und Bürger Israels, die nicht mit dem Makel leben möchten, den ihnen ihr Premier auferlegt.»

Das ist mutig, denn der Gegenwind aller Israel-Verteidiger, die nicht zwischen Juden, Israel und seiner Regierung unterscheiden, sondern alle berechtigte Kritik an deren menschrechtswidrigem und verbrecherischem Handeln mit «Antisemitismus» niedermachen wollen, ist ihm gewiss.

Viel mehr haben sie nicht mehr zu bieten. Ausser: die Palästinenser im Gazastreifen seien selber daran schuld, dass die gesamte Infrastruktur in eine Ruinenlandschaft verwandelt wird, als Kollateralschaden Tausende von unschuldigen Zivilisten getötet werden, die Bevölkerung ausgehungert werden soll. Schliesslich hätten sie die Hamas mal «gewählt» und sollten sich gefälligst gegen ihre Überreste auflehnen. Tun sie das nicht, ereilt sie halt ihr wohlverdientes Schicksal.

Wie menschenverachtend ein solches Vorgehen der israelischen Regierung ist, ist evident.

Dass es sich bei der Hamas um fundamentalistische Irre handelt, ist unbestreitbar. Aber wer das zweifellos Böse bekämpft, darf nicht selbst mit seinen Mitteln unbezweifelbar böse werden. Damit verliert er seine Legitimation.

Die meisten Befürworter der kriminellen Regierungspolitik, die den Windschatten der Ereignisse im Gazastreifen dafür benützt, weitere illegale Siedlungen im Westjordanland zu beschliessen, können nur mit einer Gleichsetzung zwischen Regierung, Israel und den Juden argumentieren, um die Waffe «Antisemitismus» zu missbrauchen.

Und bevor die Nazikeule geschwungen wird: natürlich war der Krieg gegen den Hitler-Faschismus gerechtfertigt. Dass die Terror-Bombardements von Dresden und Hamburg Kriegsverbrechen waren, muss trotzdem festgehalten werden.

Denn der Zweck, selbst gegen das Böse, heiligt nicht alle Mittel. Wenn das Gute gesiegt hat, dabei aber grenzenlos böse geworden ist, was ist dann gewonnen? Wer den Mörder zum Tode verurteilt, ist auch ein Mörder. Selbst im Krieg, so pervers das einige anmuten mag, gibt es Regeln. Wer sich nicht daran hält, wie die Hamas, wie die israelische Regierung, begibt sich ausserhalb des zivilisierten Konsens in einer Welt, die schon zur Genüge darauf pfeift.

Die Welt ist nicht schwarzweiss, sondern bunt, chaotisch, widersprüchlich. Das menschliche Bedürfnis, zwecks Orientierung einfachen Narrativen zu glauben, sollte den Einzelnen nicht davon entheben, sich aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Informationen ein eigenes Bild zu machen. Ob die damit gewonnene Erkenntnis irgendeinen Nutzen hat, ist unerheblich.

Aber Erkentnnisgewinn ist ein Wert für sich, nur in ihm kann Fortschritt keimen. Dazu hat Münger einen Beitrag geleistet. Das ehrt ihn.