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ZomBli?

So hätte der SoBli über sich getitelt. Früher.

Zunächst: Der Primeur stammt von der «Republik». «Vergangene Woche hat der Ringier-Verlag entschieden, den «SonntagsBlick» per Ende 2026 einzustellen. Das zeigen Recherchen der Republik.» Recherchen? Das hätten «verschiedene, voneinander unabhängige Quellen bestätigt». In Wirklichkeit war’s wohl ein Verräter mit Zugang zur Chefetage. Andere gefloppte Primeurs lassen aber einen Restzweifel.

Die Entwicklung der Auflage des SoBli ist tatsächlich selbst im Jammertal der Printmedien jämmerlich: im Jahr 2000 waren es noch 330’000 verkaufte Exemplare, 2010 dann 250’000, 2020 noch 125’000, und aktuell rund 74’000. Was der SoBli online einspielt, ist nicht bekannt, da das nie eigenständig gemessen wurde und er ab 2010 dort totalintegriert in blick.ch wurde.

Es ist allerdings nicht zu vermuten, dass die absurde Rechnung des Gerichts in Sachen Spiess-Hegglin zutrifft, dass Ringier dort Tausende von Franken pro Artikel verdient.

Also Rückgang um 78 Prozent seit 2000, nochmals fast eine Halbierung seit 2020. Das hat allerdings, wie überall sonst auch, nicht nur mit Internet, Google, Social Media, abwandernden Inseraten und anderem Leseverhalten zu tun. Das ist die übliche Entschuldigungsarie der unfähigen Verlagsmanager.

Die nicht  so glückliche «Blick»-Familie  hat’s allerdings besonders schwer getroffen. Schon ein halbes Jahr nach ihrem Eintritt wurde Ladina Heimgartner im Oktober 2020 CEO der Blick-Gruppe. Von da an ging’s noch steiler bergab.

Zum einen gab’s das übliche Bullshit Bingo:

«Wir wollen die relevanteste Medienmarke der Schweiz sein. … Der Journalismus bleibt das Herzstück unseres Geschäfts. … Digital first bedeutet nicht Print last. … Unabhängiger Journalismus ist für eine Demokratie unverzichtbar.»

Das sind nicht mal Gedanken im durchsichtigen Negligé, das ist luftiges Nichts.

Die Dame ohne jegliche Verlagserfahrung (sie kam aus der geschützten Werkstatt des rätoromanischen Staatsgebührensenders) stapelte dann mit Modewörtern wie «Resilienz» tief, verantwortete ein teures, aber völlig idiotisches Redesign mit Kästchen-Logos und einem l in Form eines Regenrohrs. Das sollte die Boulevardblätter angeblich weiblicher machen.

Und überhaupt  wurden sie enteiert; Boulevard ohne Boulevard, war die absurde Linie. Funktioniert etwa so, wie wenn man mit Platzpatronen in den Krieg zieht. Büsis, Blut, Busen? Igitt. Der ewige Renner Sex-Ratgeber? Weg damit. Blut? Nur noch in homöopathischen Dosen. Büsis? Gut, wenn’s sein muss. Aufreger, Kampagnen, Volkes Stimme, die ständige Eroberung der Lufthoheit am Stammtisch? Pfui.

Begleitet wurde das von einem rasanten Wechsel der Führungskräfte, denn irgend jemand musste ja die Verantwortung übernehmen, ohne am Schlamassel schuld zu sein. Christian Dorer, der mit seinem Schwiegersohn-Charme das menschliche Antlitz des noch einigermassen erfolgreichen Boulevards war: auf üble Weise abgesägt und entsorgt. Andreas Dietrich und Gieri Cavelty, erschreckt durch das Schicksal Dorers, reine Ja-Sager. Dann das letzte Aufgebot Rolf Cavalli und Reza Rafi, die sich wenigstens bemühen, zu retten, was zu retten ist.

Dazu die grösste Fehlbesetzung seit Christine Maier: Steffi Buchli, der erste «Chief Content Officer». Wenn man Form und Inhalt nicht mehr verschlimmbessern kann, dann fummelt man halt einen ganzen Zoo von absurden Titeln hin. Chiefs, Officers, Heads, die lange Zeit den halben Tag in Koordinierungssitzungen verbringen mussten, um herauszufinden, wer eigentlich wofür genau zuständig sei. Bei Absurd-Titeln wie «Head of Editorial Product & Innovation», im Unterschied zum «Head of Editorial Department». Hingegen der «Head of Growth Management» hat offensichtlich kläglich versagt. Kein Wunder, eine Frau. Ups, das war aber sexistisch.

Dazu kamen noch Blattmacher, Tagesleiter und Ressortleiter, plus eine vielköpfige Geschäftsleitung. Ach ja, und noch ein paar Indianer. Reporter, Aussenstellen, wo altbewährte Haudegen sassen und grossartige Storys herbeischleppten? Ach was, da kann man prima sparen. Reiner Slapstick, wenn’s nicht so tragisch wäre.

Ach doch, für eine Rückkehr des «Blick» zum alten, bewährten Logo reichte es dann doch, während der «SonntagsBlick» nochmal echt unter die Räder kam. Wie dichtete ZACKBUM damals? «Fällt dir gar nichts ein, mach doch ein Redesign».

Inzwischen lässt Ringier verlauten, dass es den SoBli weiterhin als «eigenständiges, starkes publizistisches Produkt» geben werde. Nur halt vielleicht nicht mehr am Sonntag. Das würde dann bedeuten: neu SaBli. Oder WoEnBli. Oder FaSoBli. Oder BlüBli. Eines ist sicher: es wird die schlimmstmögliche Variante werden.

Nur eines wird’s überleben, garantiert. Das Wort zum Sonntag (oder zu jedem beliebigen Wochentag) von Frank A. Meyer. Denn ohne seine lenkenden Eingriffe wäre Ringier, der Bundesrat, die Schweiz, Europa, ja die ganze Welt verloren.

Eng wird es allerdings auch für die noch zwei in der Deutschschweiz überlebenden Sonntagsblätter. Auch die SoZ ist dramatisch krankgeschrumpft worden, nur dank des Einzelkämpfers Arthur Rustishauser gibt sie manchmal Lebenszeichen von sich. Und die NZZaS? Man möchte fast meinen, wenn der Nachname des Chefredaktors mit B anfängt, dann wird’s zappenduster. Und hier heisst er Balzli. Mit Vornamen sogar Beat, doppeltes Vorzeichen.

Aber das ist nicht mal das Schlimmste. Die insgesamt rund 8000 Zusteller, die die Post beschäftigt, kosten trotz Subventionen nicht schlecht am Sonntag. Ging mal durch vier, zurzeit noch durch drei. Ob sich zwei das noch leisten und teilen können?

Von den grummelnden Redaktoren ganz zu schweigen, die am Samstagabend lieber ein vegetarisches Menü mit ihren Liebsten zu sich nehmen möchten, als noch die letzten News einzufangen, die fünf Stunden später sowieso Oldies sind.

Ist doch völlig klar, dass die drei Nulpen an der Spitze von Tamedia, Pardon, «Tages-Anzeiger», verflixt, dann halt TX, von «Blick» und von der NZZ bereits abgesprochen haben, wie das weitergeht. Einmal darf der Leser raten.

 

Panik macht sich breit

Keiner zu klein, Meinungsträger zu sein.

Es ist wie beim Referendum gegen die schon auf sicher geglaubte Subventionsmilliarde für reiche Medien-Clans. Zuerst überhebliches Grinsen, dann ernste Gesichter und schliesslich reine Panik beim Schlussspurt. Eine bescheuerte Werbekampagne mit einem Wilhelm Tell, der mit einer Zeitung eine Mauer kaputthaut. Haben wir gelacht.

Bei der 10-Millionen-Initiative spielt sich sehr Ähnliches ab. Zuerst meinten die Gegner, das Massieren der Anti-SVP-Reflexe, plus ein Sprutz «alles Rassisten und Fremdenfeinde», plus Panikmache (wenn ihr das annehmt, gibt es in den Spitälern kein Personal mehr; dann ist eure Rente futsch), das würde doch locker reichen.

Aber dann, ja dann, ergaben die Meinungsumfragen, dass sich doch tatsächlich eine Mehrheit abzeichnet. Nun geht’s wieder los. Die Medien tun ihr Möglichstes, die Menge der Befürworter der Initiative zu steigern.

Zunächst, das ist gefürchtet bei Freund und Feind, griff Tamedia-Chefredaktorin Raphaela Birrer in die Tasten und warnte: «Achtung: Die SVP will Sie täuschen». Die Täuschung bestand allerdings darin,  dass es sich hier um einen Leitartikel mit Sinn und Verstand handeln sollte.

Auch das Hausgespenst bei Ringiers gibt Laut und Frank A Meyer empfiehlt den Lesern seiner Besserwisserkolumne im SoBli, dass sie gefälligst ein Nein in die Urne zu legen hätten.

Nun kommt noch Stefan Schmid von CH Media. Stefan who? Bitte schön, der Mann am Fenster beim St. Galler Tagblatt, dessen Einzugsbereich ebenfalls die Weltblätter Werdenberger & Obertoggenburger umfasst. Der darf in der immerhin auflagenstärksten Zeitung «Schweiz am Wochenende» seine Erkenntnisse auf den Leser regnen lassen.

Allerdings braucht der keinen Regenschirm und dürfte sich schon beim Titel leicht indigniert abgewandt haben: «Die Schweiz sitzt auf einem hohen Ross». Ach was, wie macht das denn die Schweiz?

Nun, so: «Nur wir Schweizer debattieren über volle Züge, Wohnungsknappheit und Expats, die das Bier auf Englisch bestellen. Luxusprobleme in einem der reichsten Länder Europas». Hm, interessant, in keinem anderen Land Europas wird über Dichtestress, Wohnungsknappheit und Masseneinwanderung debattiert?

Ist es ein Wunder, dass in der Schweiz lebhaft debattiert wird? Nein, aber dazu müsste der IQ leicht angehoben sein, weil erstens im Gegensatz zu allen anderen Ländern im Haus Europa in der Schweiz Volksabstimmungen ständig stattfinden. Und zweitens, weil sich die Wohnbevölkerung Deutschlands in den letzten 5 Jahren um 1 Prozent gesteigert hat, in der Schweiz um 17 Prozent.

Aber wieso soll man sich durch Fakten Geschwurbel kaputt machen lassen.

Dann will sich Schmid didaktisch in die Kurve legen: «Man muss Wachstumsschmerzen ernst nehmen. Die Schweiz wächst schnell und die Politik ist langsam. Der Wohnungsbau etwa ist ungenügend». Aber das wäre dann doch zu verständnisvoll, also fährt er fort: «ein freilich selbst gemachtes Problem, das wir nicht den Asylbewerbern in die Schuhe schieben können». Was eigentlich auch keiner tut, aber was soll’s.

Dann spricht Schmid eine Binse gelassen aus: «Ein Ja zur 10-Millionen-Initiative würde man in unseren Nachbarstaaten nicht als freundeidgenössischen Wink über den Gartenhag interpretieren.» Nein, würde man nicht. Nur: na und?

Aber wenn Schmid schon bei Banalitäten und Plattheiten verweilt, wieso nicht noch eine: «Europa wird der vom Wohlstand verwöhnten Eidgenossenschaft nicht entgegenkommen.» ZACKBUM wiederholt sich: na und? Erwartet das jemand?

Dann erhebt er die Banalität des Gedankens zur Weltordnung:

«Wir riskieren stattdessen ausgerechnet in einer Zeit, in welcher man sich mit den Nachbarn lieber gut stellt, weil auf andere kein Verlass mehr ist, politische und wirtschaftliche Verwerfungen. In der Konsequenz gar das Ende der bilateralen Verträge. Das wäre unklug.»

Die Schweiz soll sich also mit den verlässlichen Nachbarn Frankreich, Deutschland oder Italien gutstellen? Mit Liechtenstein vielleicht, warum nicht.

Aber was sind Banalitäten ohne einen guten Schuss reinen Schwachsinns? «Aber Deutschland, dessen Bürger bitte nicht in die Schweiz emigrieren sollen, darf uns dann wenigstens vor Russland schützen. Widersprüche noch und nöcher.» Deutschland schützt die Schweiz vor Russland? Weil sonst der Alptraum aller kalten Krieger von anno dazumal wahr würde und der Iwan käme? Und nicht mehr länger der Deutsche droht, das kleine Stachelschwein im Rückzug einzunehmen?

Aber auch hier gilt: Zum Glück oder zum Pech ist mal der Platz alle, also hurtig noch eins draufgesetzt aus den wilden Gefilden von Absurdistan: «Ein Kleinstaat, selbst ein reicher wie die Schweiz, sollte demütig bleiben, solidarisch auch, freundlich zu den anderen. Erfolg ist nicht gottgegeben. Man kann herunterfallen, wenn man nicht aufpasst, vom hohen Ross.»

Lustigerweise nennt man diese Sprachmarotte Rechtsversetzung. So kann ZACKBUM nur demütig bitten: ist denn niemand so freundlich, Schmid vor sich selbst zu schützen?

Würden Sie diesem Mann ein Haarfärbemittel abkaufen?

Der SoBli macht auf «buhu, Geisterbahn».

Den «Friedensengel und Pharma-Schreck» Donald Trump gross als Aufmacher. Friedensengel, echt jetzt? Weil er so schönes Engelshaar hat? Und Schreck, weil er so böse gucken kann? Also wenn Boulevard, selbst wenn er nicht mehr Boulevard sein will, etwas können muss, dann Schlagzeile.

Wie man das macht, zeigt natürlich «Bild»:

Oder in der Version der «Bild am Sonntag»:

Wenn Boulevard noch etwas sein soll, dann kurz und knackig. Öhm. Die tragisches Geschichte des Falls von Viola Amherd auf sechs Seiten? Gratis-Kaffeeausschank nach Seite 4. Tja, den Chefredaktor Reza Rafi in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Und dann noch die überraschende Eröffnung von Hausgespenst Frank A. Meyer: «Viola Amherd tritt aus dem Bundesrat zurück. Ein neues Mitglied des Kollegiums ist zu wählen.» Verflixt nochmal, wie der Mann es immer schafft, uns auf ganz einfache Art verblüffend neue Erkenntnisse zu vermitteln.

Ach, wer immer noch nicht genug hat: Man könnte eine Meldung draus machen, dass die Amtseinführung wegen Arschkälte im Saale stattfindet. Oder man macht fast eine Seite mit Bildchen draus.

Also Crime hatten wir nun, Büsis zwar noch nicht, aber was fehlt sonst? Richtig; ein Thema, das nur noch auf Umwegen in die familientaugliche «Blick»-Familie geschmuggelt werden kann. Der «Langstrassenstrich» von Zürich, mit Bildern von gestern, vorgestern und heute. Endlich ein wenig Sex.

Ach ja, der «Stützli-Sex» von 1977, da lebten die ganzen Kindersoldaten im Newsroom doch noch nicht einmal als feuchter Traum.

Aber, nun kommt mal wieder das Einmann-Investigativteam, die menschliche Abrissbirne, der Journalist des Jahres, wenn nicht des Jahrhunderts Fabian Eberhard. Der findet zwar nicht mal ein Büro in einem Bürohaus, aber das kann er:

Bei den grossen Buchstaben fragt man sich einen Moment, ob damit Selenskyi gemeint sei. Scherz beiseite, natürlich handelt es sich um den Belarus-Herrscher Lukashenko. Der lässt nächsten Sonntag wählen und hat sich dafür, wenn man Eberhard glauben darf, drei Schweizer Wahlbeobachter geangelt. «Lukaschenkows Regime zahlt ihnen die Reise- und Hotelkosten, erwartet im Gegenzug aber freundliche Worte über den Diktator», weiss Eberhard.

Sicher ist es komisch, dass darunter ein Politiker ist, der bereits 2014 wegen Wahlfälschung verurteilt wurde, wie Eberhard schreibt. Andererseits könnte man ja sagen, dass so einer besonders sensibilisiert ist. Aber Scherz beiseite, dass der Basler Grossrat vom belarussischen Aussenminister höchstselbst und mit freundlichen Worten eingeladen wurde, kann man nun nicht gegen diesen Mann verwenden. Hätte der denn schreiben sollen: dann komm halt, wenn du’s einrichten kannst?

Dann gibt es noch einen SVP-Kantonsrat aus Zug, der wohlweisslich nicht mit dem SoBli sprechen will, und einen echten Putin-Fan und «Russland-Versteher», den man vielleicht vor sich selbst schützen sollte: «Die Wahlen sind frei und fair», Proteste dagegen seien «vom Westen eingefädelt». Meine Güte.

Kann man sonst noch jemandem etwas vorwerfen? Nun, der «Politquerulant» und Grossrat Eric Weber wurde doch tatsächlich bei seiner letzten Reise nach Minsk im Sommer von der Schweizer Botschafterin «persönlich begrüsst». Wie das halt so bei Auslandsreisli von Schweizer Parlamentariern üblich ist und von Molina abwärts auch immer gerne genommen wird.

Aber sicherlich hat sich Frau Botschafterin anschliessend die Hände gewaschen.

Und das war’s dann auch hier soweit. Oder interessiert sich jemand für das Knalleraufmacherthema unter «Gesellschaft»: «Notendruck statt Bewegungsfreude?» Himmels willen, reicht mens sana in corpore sano nicht mehr? Würden unsere Kinder nicht viel freier über den Schwebebalken hüpfen, das Pferd überspringen, die Kletterstange hochhangeln, wenn es nicht diesen elenden Notendruck gäbe?

Schliesslich wird der SoBli doch auch nicht benotet. So kommt er allerdings auch daher.

NZZ am Sinken

So muss man inzwischen NZZaS ausschreiben.

Wie tief kann’s noch gehen? Sagen wir so: wenn ein Kommentar von Frank A. Meyer im «SonntagsBlick» geistreicher und eleganter geschrieben ist als das meiste, was in der neusten Ausgabe der NZZaS steht, dann steht es schlecht um sie.

Meyer zieht hier über die jammernden Linken her, dass es eine Art hat und Leselust bewirkt.

Während sich die NZZaS mehr auf das Auslösen des Gähnreflexes konzentriert:

Wie erziehe ich mein Kind richtig, ein Cover-Aufmacher für die NZZaS? Und drunter die Reklame für ein Buch, das ein tieffliegender Tagi-Redaktor zusammen mit einem Ex-Redaktor geschrieben hat? Als grosse Aufmacher.Story? Wie verzweifelt muss diese Redaktion mal wieder gewesen sein.

Selbst dem stellvertretenden Editorial-Schreiber Daniel Foppa fällt nichts Bemerkenswertes ein, und dabei ist man sich von Beat Balzli schon Einiges gewohnt. Gesteigert wird das Elend wie üblich noch durch riesige Illustrationen im Post-Gaga-Dada-Stil:

Gut getroffen, dass das illustrierte Haus aber völlig gerade und waagrecht steht. Auch eine solche halbseitige Platzverschwendung lässt einen am gesunden Menschenverstand aller Beteiligten zweifeln:

Was die Platzverschwendung oberhalb des Fotos betrifft, scheint die NZZaS in einen Wettbewerb mit der Online-Ausgabe vom Tagi treten zu wollen: wer kann schlimmer?

Ich, ich, sagt die NZZaS:

Markus Bernath, die Unke aus Wien, scheint den Trump-Schock nicht ganz überwunden zu haben. So fantasiert er in seinem Aufmacherkommentar: Trump wolle «keinen ukrainischen Präsidenten Selenski, der vor der Kamera erklärt, dass die USA sein Land im Stich lasse, und der dann womöglich an die Front geht, um den Heldentod zu sterben». Selenski und Heldentod? Echt?

So labert es sich dahin; selbst die Autobiografie der Rapperin Loredana ist der NZZaS eine Seite wert.

Wie kann man das Elend noch beschreiben? Die «Reise»-Beilage, natürlich bezahlte Werbung, ist interessanter als das Hauptblatt. «Z, die Substanz des Stils», überbietet sich wieder mit absurd bepreister Mode. «Oberteil und Jupe aus Viskose von Bottega Veneta» schlappe 8000 Franken. Oder ein «Langhaar-Sportmantel», für dessen Tragen man Schmerzensgeld verlangen müsste, der aber 14’030 Franken kostet. Richtig beruhigend, dass wieder Diverses «Preis auf Anfrage» ist. Ein Collier von Chopard allerdings nicht, das nette Weihnachtspräsent kostet bloss 205’500 Franken.

Und wenn das «NZZ am Sonntag Magazin» mit der «Vermessung der Unterwelt» tatsächlich mal einen interessanten Beitrag hat, dann verdirbt Paula Scheidt, «Chefredaktorin Magazin», mit einem weiteren überflüssigen Editorial die gute Laune. Auch sie muss, Überraschung, noch ihren Senf zur Wahl von Trump geben und leitet dann zu einem hemmungslosen Lob über: «Meine kluge Kollegin Kerstin Netsch und ihr Lifestyle-Team kuratieren die Bellevue-Seiten Woche für Woche mit viel Detailliebe, Expertise und Stilbewusstsein für Sie».

Das gelingt ihnen so toll, dass sich ZACKBUM Mal für Mal aus reiner Qual darüber lustig macht. Wie auch dieses Mal. Als Aufmacher eine «Winter Vegan Capuche», die so aussieht, wie sie heisst. Ungeniessbar:

Dazu passend der «Vegipass» mit «150 Bons für 115 vegane Angebote», ein Deospray für müffelnde Turnschuhe (kein Witz) und ein Buch einer gewissen Jovana Reisinger: «eine atemberaubend eloquente Tour de Force durch die Luxus-Triade Schlaf (meterlange Hotelbett-Laken!), Nahrung (Schlemmermaus!) und Kleidung (Dior, aber fake!)» (Klappentext).

Kann man auch billiger haben, aber nach der Lektüre hilft sicher das hier:

Richtig, das ist ein elastischer Boxsack namens «Punch a Wall», ein weiterer Höhepunkt aus «Bellevue».

Es kann nur einen geben

Eric Gujer und Frank A. Meyer kolumnieren zum Nahen Osten.

Eine Koinzidenz, eine Peinlichkeit. Da haben wir den unermüdlichen Kolumnisten Frank A. Meyer, nicht mehr Hausgespenst bei Ringier, nur noch Gespenst seiner selbst.

Er steht vor dem Brandenburger Tor und betrachtet, der Tor, die Welt durch seine dunkel verschattete Brille. Durch die sieht er einfache Verhältnisse:

«Zwei Welten und zwei Zeiten prallen aufeinander: die westliche Freiheits- und Fortschrittszivilisation auf die muslimische Religions- und Rückschrittsideologie, der aufgeklärte Westen auf die unaufgeklärte Doktrin der Gläubigen Mohammeds und Allahs.»

Dass es in Israel mindestens so unaufgeklärte Doktrinen von orthodoxen Juden gibt, die sogar an der Regierung beteiligt sind, dass fanatische israelische Siedler ihre illegale Landnahme mit Mord und Totschlag verteidigen, dass die westliche Freiheit- und Fortschrittszivilisation zu widerlichen Kriegsverbrechen fähig ist, das passt nicht in sein Schwarzweiss-Raster der Welt.

Von Berlin aus mag man das mit getrübtem Blick vielleicht so sehen, von nahe betrachtet ist das eine Beleidigung der Schweiz: «So steht Israel seit gut 75 Jahren für alles, wofür, beispielsweise, die Schweiz steht: Freiheit, offene Gesellschaft, wirtschaftlichen Erfolg – und Wehrhaftigkeit.» Schon alleine der Unterschied, dass die Schweiz noch nie einen Regierungschef hatte, den nur die Immunität des Amtes vor dem Knast bewahrt, ist Unterschied genug. Von der Annexion fremder Länder ganz zu schweigen.

Schliesslich das klare Bekenntnis eines Salonkolumnisten, ein wohlfeiles Bekenntnis, das nichts kostet: «Es ist an der Zeit, dass für die Begriffe Israel und Juden einfach nur ein einziges Wort steht: Wir.» Seit Charlie Hebdo und «nous sommes Charlie» abgehalftert wie nur was.

Aber von den Tiefebenen des «SonntagsBlick» zum Luziden der NZZ und ihres Vordenkers Eric Gujer. Auch der macht sich so seine Gedanken zum Nahen Osten. Man mag mit ihnen einverstanden sein oder auch nicht, elegante Schärfe, Weit- und Tiefenblick ist ihnen nicht abzusprechen. «Die Zeit der Mässigung ist vorbei», titelt Gujer, und er belegt das mit einer historischen Reminiszenz: «Nach dem Libanonkrieg im Jahr 2006 formulierte der Hizbullah-Führer Hassan Nasrallah diese Sichtweise prägnant. Er sagte in einem Interview, hätte er gewusst, was die Entführung zweier israelischer Soldaten auslösen würde, hätte er nie seine Zustimmung gegeben.»

Ironie der Geschichte, nennt man das wohl. Und wie äussert sich das Fehlen der Mässigung:

«Die Invasion am 7. Oktober und der sadistische Blutrausch enthemmter Palästinenser änderten alles. Die Hamas liess den Geist aus der Flasche, der ab 2006 gebändigt schien. Jetzt gilt wieder Auge um Auge, Zahn um Zahn oder, etwas weniger alttestamentarisch ausgedrückt: Die fatale Neigung ist zurückgekehrt, Probleme ein für alle Mal lösen zu wollen.»

Auch hier beweist Gujer, im Gegensatz zu vielen Instant-Konfliktordnern, historische Kenntnisse: «Auch die Israeli hofften mit dem Einmarsch in Libanon 1982, den Unruheherd an ihrer Nordgrenze mit Stumpf und Stiel zu vertilgen. Die fürchterlichen Massaker in den Beiruter Palästinenserlagern Sabra und Shatila waren die Folge. «Ein für alle Mal» ist das todsichere Rezept für ein Desaster im Nahen Osten.»

Einer erinnert sich an Sabra und Shatila, schon dafür gebührt Gujer Lob. Die Dimension des Desasters ist den westlichen Verbündeten Israels offensichtlich nicht klar: «Einer Fehleinschätzung unterliegen auch die USA und die Europäer. Sie rufen zur Zurückhaltung auf und appellieren an den gesunden Menschenverstand, so als würden in diesem Grosskonflikt nicht längst andere, atavistische Kräfte walten

Viel Hoffnung für die Zukunft vermag Gujer nicht zu geben: «Das Feuer, das jetzt wütet, muss ausbrennen. Das System der relativen Mässigung ist kollabiert. Eine neue Ordnung für den Nahen Osten muss erst entstehen, und das geschieht in dieser Region meist mit Waffengewalt

Für den Nahen Osten sei der Moment der Wahrheit gekommen, orakelt Gujer. Entweder versucht der Iran, seinen Anspruch auf «die absolute Hegemonie vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer» zu erheben. Hätte Teheran damit Erfolg, stünden alle anderen im Nahe Osten als Verlierer da, inklusive USA und EU, was sie nicht zulassen könnten. «Muss aber Iran einen Rückzieher machen, steht es in den Augen seiner Verbündeten geschwächt da.»

Zu gelinde formuliert, als Verlierer. Neckisch dann, dass Gujer mit einem abgewandelten Zitat von Karl Marx endet, der das über Revolutionen sagte: «Im Nahen Osten tanzen die Machtverhältnisse

Während Meyer ärgerlich, im besten Fall mitleidserregend ist, liefert Gujer Food for Thought, Gedankennahrung, die erbaut, befremden mag, aber befruchtet. Er zeigt, was für Vorteile darin liegen, wenn man Geschichte nicht nur rezipiert hat wie Meyer, sondern auch gedanklich verarbeitet. Für Meyer gilt hingegen «si tacuisses», hätte er besser geschwiegen, dann wäre ihm diese Verzwergung erspart geblieben.

 

Zwei Flughöhen

Vielleicht sollte Reza Rafi keine Editorials mehr schreiben.

Wir besichtigen den Tatort. Er verteilt sich auf zwei Schauplätze. Zunächst dieser hier:

Als hätte Rafi nicht ausgiebig, häufig und unter der Gürtellinie gegen Fremdenfeinde, Rassisten, Isolationisten, gegen die Feinde alles Kulturfremden, mit einem Wort gegen die SVP gewäffelt. Aber vielleicht ist das nun seine Abbitte.

Allerdings beginnt er etwas dunkel: «Unser nördliches Nachbarland darf kein zweites Frankreich werden.» Leider löst er auch in seinem Editorial nicht auf, wodurch Deutschland denn zu einem zweiten Frankreich werden könnte, und was dann los wäre.

Aber gut, er repetiert die Bluttat von Solingen und erklärt dem ungebildeten Leser, was der Duden unter dem Wort Schock versteht. Vielen Dank dafür. Dann rhabarbert er Bekanntes: «Es ist die Vielfalt der westlichen Länder, von denen Fundamentalisten profitieren.» Phänomenale Erkenntnis. Schliesslich erinnert er den Staat an seine wichtigste Aufgabe:

«Bevor wir über Themen wie Gleichberechtigung, Kulturförderung, Kindererziehung oder Datenschutz debattieren können, müssen wir die Gewissheit haben, dass im Café, am Bahnhof oder an der Chilbi kein Irrer mit dem Messer auf uns losgeht

Leider, leider: diese Gewissheit kann kein Staat garantieren. Also was soll das dann? Auch die nächste Erkenntnis von Rafi ist Geeiertes: «auf der einen Seite zieht eine mit Blindheit geschlagene Szene jeweils reflexartig «gegen rechts» durch die Strassen. Auf der anderen Seite lauern Putin-Parteien wie AfD oder «Bündnis Sahra Wagenknecht», die bei den Wahlen in Thüringen und Sachsen nächsten Sonntag ein glanzvolles Resultat erwarten.» Putin-Parteien wie AfD oder BSW? In welcher Welt lebt der Mann?

Aber der Platz eines Editorials ist beschränkt; so wie der Inhalt. Deshalb muss er sich in die Schlusskurve legen. Und was macht  ein Chefredaktor eines Blatts, das ganz sicher nicht in deutschen Regierungskreisen gelesen wird? Er erteilt Ratschläge: «Bundeskanzler Olaf Scholz hat gestern angekündigt, mit «aller Härte des Gesetzes» gegen den Terror vorzugehen. Er wäre gut beraten, nicht bloss Lippenbekenntnisse von sich zu geben

Gut beraten, diese Worthülse hat sich Rafi von seinen deutschen Kollegen abgeschaut. Und welchen Ratschlag hat er denn auf Lager:

«Gefragt sind eine strikte Einwanderungspolitik, die erfolgreiche Integration aller Migranten und die Repression jeglichen Gewaltpotenzials.»

Oh je, «die erfolgreiche Integration aller Migranten», und alle Menschen werden Brüder, bevor wir ins irdische Paradies ziehen.

Ganz anders der zweite Tatort:

Hier nimmt Frank A. Meyer mit dem Zweihänder und der feinen Klinge (verbal, nur verbal!) einen seiner Lieblingsfeinde auseinander. Wobei er geschickt über die Bande spielt und den Namen des Aufgespiessten nicht einmal nennt. «Im Fall des Schweizer Publizisten Nachsicht zu üben, verbietet sich, nur seinen Namen zu nennen, wäre schon zu viel der Ehre.»

Was hat der Publizist – wir lehnen uns etwas aus dem Fenster und behaupten, dass sein Nachname mit K beginnt und mit l endet – denn getan? Er habe die Identifikation mit der westlich-amerikanischen Weltordnung als Verhalten von Sklaven bezeichnet. Zudem habe er gesagt: «Beim Thema der westlichen Wertegemeinschaft geht mir in der Hose das Sackmesser auf.»

Da hat der Ungenannte mal wieder einen rausgehauen, und das tat er nicht ungestraft:

«In der freien und offenen Gesellschaft des Westens, unter dem militärischen Schutzschirm der USA, wettern Maulhelden gegen die Nation, die ihnen das Wettern überhaupt erst möglich macht – Beschimpfung, Polemik und Beleidigung gegen die Garanten einer Freiheit, der man sich bedient, um zu beschimpfen, zu polemisieren, zu beleidigen

Dann erreicht Meyer, man macht sich Sorgen über seinen Blutdruck, denn er ist nicht mehr der Jüngste, seine Betriebstemperatur: «Der amerikafeindliche Reflex ist nicht neu. Die USA, eine mit vielen Fehlern behaftete Freiheitsmacht, steht seit je unter politischem Beschuss von Rechts- und Linksextremisten, die zu unterscheiden sich letztlich erübrigt. Es genügt die ebenso volkstümliche wie historische Einsicht: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

Das nennt man eine rechte (oder linke) Gerade, voll auf die Zwölf. Leider überbeisst Meyer dann, indem er auf einen dunklen Fleck auf der gar nicht weissen Weste der USA hinweist, den Vietnamkrieg, der für seine Generation traumatisch und politisierend war. Aber er fährt mit der Frage fort, was denn wohl wäre, hätten damals die USA (die kaum ein Kriegsverbrechen ausliessen und deren General Westmoreland angesichts der drohenden Niederlage nur mühsam davon abgehalten werden konnte, Atomwaffen einzusetzen), hätten also damals die USA gesiegt?

«Vietnam wäre heute eine freie Gesellschaft, wie Südkorea, wie Taiwan, wie Japan. Es wäre Teil der westlichen Wertesphäre.»

Das ist eine mehr als kühne These, das ein letzter Triumph kolonialistischen Verhaltens diese Wirkungen gehabt hätte. Würde Meyer vielleicht einen Blick auf den Irak werfen, wo die USA bekanntlich gesiegt haben, würde er nicht so einen Unsinn verzapfen.

Aber abgesehen von diesem kleinen Ausrutscher ist das wenigstens eine Polemik auf Niveau, gnadenlos, konsequent formuliert und den Herrn, der leider zu oft schneller schreibt, als er denkt, mit wenigen Handgriffen in den Senkel stellend. Das nennt man Niedermachen vom Feinsten, durchaus auf ZACKBUM-Niveau.

Also hier ein Tadel für Rafi, ein Lob für Meyer.

 

«Blick», reloaded

Das enteierte Bunt-Blatt hat doch seine Sternstunden und labt den Leser mit Oasen.

ZACKBUM vermutet, dass einzelne Leistungen gegen den Widerstand des Head-, Chief- und Führungssalats auf oberster Leitungsebene stattfinden, wo man sich gegenseitig auf der Leitung steht.

So ist es Raphael Rauch offenbar gelungen, einige Vorfassungen des Schlusscommuniqués der Birkenstock-Konferenz zu behändigen.

Und sie zeigen, dass auch hier kräftig enteiert wurde:

«Blick liegt eine Entwurfsfassung des Abschlusskommuniqués vor. Demnach sollten künftig «Vertreter der Russischen Föderation einbezogen werden». Und weiter: «Wir kamen überein, den zweiten hochrangigen Friedensgipfel in [***] abzuhalten.» Doch der Abschnitt musste umgeschrieben werden. Statt von Russland war nun von «allen Parteien» die Rede; der Ort für die Nachfolge-Konferenz fiel ganz weg.»

Gnadenlos zählt Rauch dann nochmal die Absagen auf – und den Ersatz. So sprang Kolumbien kurzfristig ab, dafür kam Mauretanien. Im letzten Moment liessen sich Jordanien, Irak und Ruanda (nach allen BRICS-Staaten) von der Unterzeichnerliste streichen.

«Hinzu kamen dafür das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, Antigua und Barbuda, die Organisation Amerikanischer Staaten, Sambia, die Republik der Marshallinseln und Barbados. «Lauter Schwergewichte, die Einfluss auf Putin nehmen könnten», lästert ein erfahrener EDA-Diplomat

Schliesslich habe es sogar eine «Operation Desperados» (Verzweifelte) gegeben, also verzweifelte Versuche in letzter Minute, Schwergewichte zur Teilnahme zu bewegen – vergeblich.

Und Chef Reza Rafi kam auf die originelle Idee, den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz zu interviewen. Der sich allerdings sicherlich alle Fragen zu seinem Rücktritt und laufenden Verfahren gegen ihn verbat.

Aber das wird überstrahl von einem Editorial Rafis, das sich wohltuend vom Gesülze in anderen Mainstreammedien abhebt, nicht zum ersten Mal.

Rafi nimmt sich vor, dass Selenskyj verkündete, dass die EU bereits diese Woche Beitrittsgespräche mit Kiew beginnen werde. Ha, ein Schlag in die Fresse für den Kremlherrscher. Oder nicht?

«Ist sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen der Risiken bewusst, wenn sich die Union dereinst bis zum Kaukasus erstreckt? Wenn ein Flächenstaat mit 38 Millionen Einwohnern und einem gravierenden Korruptionsproblem, der bis an den Osten des Schwarzen Meers reicht, zum Gebilde gehören wird

Das zudem mit einer Unzahl von Problemen zu kämpfen hat, auch ohne die Ukraine. Rafi vermutet, dass sich Beton-Uschi damit ein Denkmal setzen will. «Die negativen Auswirkungen einer solchen Übung werden jeweils den nächsten Generationen überlassen.»

Ach, und Frank A. Meyer echauffiert sich darüber, wo der Gipfel stattfand. Der Bürgenstock sei die «Freiheitskanzel im Herzen der Eidgenossenschaft». Allerdings: «im Besitz Katars». Grimmige Schlussfolgerung: «Geld hat auf dem Bürgenstock den Geist gekauft – Schweizer Geist

Und das bittere Fazit Meyers: «Hätten die sonst so tapferen Vaterlandsverteidiger da nicht sagen müssen: «Katar auf dem Bürgenstock? Kommt gar nicht infrage! Das Resort dort oben machen wir selbst. Das gehört zur Eidgenossenschaft – das i s t die Eidgenossenschaft.» Leider, leider steht der Bürgenstock für die Käuflichkeit der Schweiz.»

ZACKBUM ist flexibel, gerecht und lernfähig. Offenbar gibt es doch Leben in der Wüstenlandschaft «Blick». Kleine Oasen mit Quellen der Erbauung und Leserbefriedigung.

Wir werden ihn selektiv wieder in unser Lektüreprogramm aufnehmen; es gibt andere Organe, bei denen wir dafür weniger quälen lassen werden.

Der «Blick» aufs Wesentliche

Das Organ mit dem Regenrohr im Logo vermittelt wichtige News.

Zunächst einmal trauert ZACKBUM mit:

Es muss grauenhaft gewesen sein, obwohl es sich doch um einen «altdeutschen Schäferhund» handelt, der immerhin  12 Jahre alt wurde. Aber: «Wir hatten keine Zeit, uns auf seinen Tod vorzubereiten. Uns blieb nur wenig Zeit, Abschied zu nehmen.» Da lassen wir doch pietätvoll die Trauerfamilie sich von diesem schweren Schlag erholen.

Aber es gibt noch mehr beunruhigende Nachrichten:

Wahrscheinlich weicht sie nicht von der Seite ihres «Heinzi» und ist in «grosser Sorge», aber grosse Buchstaben, wenig Platz, das ist halt immer ein Problem.

Was die Welt und die Schweiz noch erschüttert:

Die Dame heisst erst noch Prapaporn Choeiwadkoh. Es ist nun aber so, dass sich mit einem adoptierten Sohn ins Bett zu legen, nicht unbedingt ein Verbrechen wäre. Es handle sich allerdings um einen buddhistischen Mönch, denen es nicht erlaubt sei, «alleine mit Frauen in privaten Räumen zu sein». Ts, ts.

Aber zurück zum traurigen Ernst des Lebens:

Das ist umso erstaunlicher, weil es sich um das Restaurant des Tennisclubs Riehen handelt. Ob das Lokal allerdings an Ambiente gewinnt, wenn diese Behauptung von «Blick» zutrifft: «Am 3. Mai wird der Gastgeber im legendären «Ceresio» beerdigt.» Man kann nur hoffen, dass er einen stillen Platz im Weinkeller findet.

Zwischendurch die Antwort auf eine Frage, die sich so viele Leser schon seit Jahren vergeblich gestellt haben:

Da bleibt höchstens noch die Frage offen, ob das auch für Erdbeer- oder Kirschtorten gilt.

Hingegen hat der «Blick» ein Herz für Leser mit mangelhaftem Kurzzeitgedächtnis. Denn nicht nur die Meldung über den betrauerten Kultwirt findet sich mehr als einmal auf der Webseite:

Wahrscheinlich gilt hier: «Blick+»-Storys kann man gar nicht genug anpreisen.

Und gute Storys kann man gar nicht lange genug auf der Webseite lassen. So steht die «russische Grossoffensive» bereits seit dem 29. April online. Und «So funktioniert das System Bobo» erfreut den Besucher bereits seit dem 28. April. Aber Aktualität wird online schwer überschätzt.

Eine Augenweide ist aber immer «frank&frei» von und mit Frank A. Frey, Pardon, Meyer:

Man beachte vor allem den virtuosen Einsatz des Kugelschreibers, farblich dezent abgestimmt auf Pochettli und Pullover.

Aber es ist ja nicht nur so, dass der «Blick» Fragen beantwortet, die niemand stellt, über Ereignisse informiert, die niemand interessieren, Plauderstunden veranstaltet, bei denen niemand zuhört. Er stellt auch die letzte und wichtigste Frage des Monats, wenn nicht des Jahres:

Das löst aber eine ganze Kette von Folgefragen aus. Wenn der Mai der neue April wird, wird dann der April der neue Juni? Oder der neue Februar? Und wenn alle Monate ab Mai eins nach vorne rücken, wird dann der Januar zum neuen Dezember?

So ratlos lässt einen dann doch das Organ mit dem Abflussrohr im Logo zurück.

«Blick» in die Abenddämmerung

Wie man ein einstmals erfolgreiches Boulevardblatt in den Abgrund führt.

«Manchmal beginnt man eine Kolumne am besten mit einer Zahl. Die Zahl lautet 74 852. Die Zahl ist die neuste beglaubigte Auflage des Blicks.» So startet Medienjournalist Kurt W. Zimmermann seine neuste Kolumne in der «Weltwoche».

Natürlich ist das ein wenig polemisch, denn alle Printtitel verzeichnen schmerzliche Auflageverluste im Print. Und versuchen, das mit Zugewinnen online schönzureden.

Aber nirgendwo ist’s so dramatisch wie beim «Blick». Der hatte mal, das waren noch Zeiten, eine Auflage von 380’000. Wie soll man das einordnen? Natürlich hat auch der Verkauf von Dampfloks nach der Elektrifizierung der Eisenbahn dramatisch nachgelassen. Ist das bei Newsmedien nach der Erfindung des Internets nicht vergleichbar?

Nein. Hier besteht nur insofern eine Ähnlichkeit, als die meisten Medienkonzerne versuchen, im Internet mit der Dampflok zu fahren. Sie verschenken dabei Inserateeinnahmen an Google, versuchen es mit Bezahlschranken und «Paid Content», wo sie die Beine spreizen und werblichen Inhalt wie redaktionelle Beiträge daherkommen lassen, bis es unappetitlich wird.

Besonders ungeschickt stellt sich auch hier der «Blick» mit seinem «Blick+» an. Trotz gewaltiger Werbekampagne mit dem bescheuerten Slogan «plussen» ist die Anzahl Abonnenten nur unter dem Mikroskop zu erkennen. «Blick am Abend», eingestellt. «Blick TV», enthauptet, skelettiert. SoBli, als eigenständige Marke ausgehöhlt. Den fähigen Oberchefredaktor Christian Dorer aufgrund einer Weiberintrige gegen ihn aus fadenscheinigen Gründen per sofort freigestellt. Dann eine gewichtige Untersuchung angekündigt, das Resultat aber verschwiegen.

Leute, die noch meinen, im «Blick» politisch relevante Themen aufgreifen zu können, ergreifen die Flucht, wie zuletzt Sermîn Faki und Pascal Tischhauser. Stattdessen gibt es eine Inflation von Chiefs, Heads und Officers, viele Häuptlinge, wenig Kindersoldaten als Redaktionsindianer.

So wie sich Tamedia von linksautistischen Gutmenschen in den Abgrund schreiben lässt, steuert der «Blick» das gleiche Ziel damit an, dass er sowohl politisch wie gesellschaftlich in die Bedeutungslosigkeit absinkt. Eine Oberchefin, die zuvor in einer geschützten Werkstatt einen zwangsgebührenfinanzierten Randgruppensender für 30’000 Rätoromanen betrieb, und ein «Chief Content Officer», der sich im Sport auskennt, ein Duo Infernal für ein Boulevard-Organ, das laut oberster Direktive gar keins mehr sein will.

Aber was ist ein Produkt, das sich durch grosse Buchstaben, kurze Texte und bunte Bilder definiert, wenn es kein Boulevardblatt mehr sein darf? Dann ist es nichts mehr. Das ist so, wie wenn einer Chilisosse die Schärfe genommen wird. Wie alkoholfreier Wein. Wie ein Auto ohne Motor.

Das Fatale daran ist, dass der «Blick» nicht etwa von Anfang an eine Fehlkonstruktion war. Sondern mit den klassischen Handgriffen zu einem Erfolgsmodell und zu einer sprudelnden Geldquelle wurde. Busen, Büsis, Blut. Plus Kampagnen, plus Lufthoheit über den Stammtischen, plus keine Angst vor einfachen Lösungen und Forderungen, wie es halt dem Volks gefällt. Plus Meinungsmacht. Wie sagte der Machtstratege Gerhard Schröder mal so richtig: «Man kann Deutschland nicht gegen die «Bild» regieren.»

Obwohl auch dieses Boulevardblatt schmerzlich an Auflage verloren hat, ist es immer noch Meinungsmacht geblieben. So wie der «Blick» in der Schweiz mal eine war. Gefürchtet von Politikern, aber auch von Promis und solchen, die es sein wollten. Denn er wendete das alte Prinzip an: hochschreiben, bejubeln, dann niedermachen. Wer willig für Interviews zu haben war, Intimes auf Wunsch ausplauderte, der wurde gehätschelt. Wer sich dem verweigerte, wurde geprügelt.

Auch Männerfreunschaften wurden gepflegt, wie die von CEO Marc Walder mit Pierin Vincenz, Alain Berset oder Philippe Gaydoul. Die durften sich in der Sonne wohlwollender Berichterstattung aalen. So wie bis vor Kurzem auch DJ Bobo, denn zu Ringier gehört ja ein Konzertveranstalter. Inzwischen ist da aber etwas kaputtgegangen, denn der Bäcker aus dem Aargau mit seiner klebrigen Stampfmusik wird inzwischen nach allen Regeln der Kunst in die Pfanne gehauen.

Nur: er verzichtet auf jede Stellungnahme, jeden Kommentar. Denn dieser René Baumann ist ein cleveres Kerlchen. Er weiss, dass man heutzutage Gewäffel vom «Blick» einfach abtropfen lässt. Wirkungslos.

Dass der «Blick» seit Jahren links an seinem Zielpublikum vorbeischreibt, ist das eine. Immerhin wurde die obsessive Fehde mit dem «Führer aus Herrliberg» beendet. Aber politische Bedeutung, die hat der «Blick» spätestens seit der Machtübernahme zweier Frauen nicht mehr. Obwohl das Hausgespenst Frank A. Meyer unermüdlich «Relevanz» fordert, was Ladina Heimgartner vielleicht mit «Resilienz» verwechselt.

Das Schicksal des «Blick» ist deswegen besonders tragisch, weil er eigentlich eine USP hätte. Würde er wieder richtigen, guten Boulevard machen, könnte das Blödelblatt «watson» einpacken, «20 Minuten» hätte endlich eine ernstzunehmende Konkurrenz. Denn es gibt schlichtweg kein Boulevardblatt mehr in der Schweiz.

Aber gegen ständige Fehlentscheide ist keine Zeitung der Welt auf die Dauer resilient. Und eines ist im Journalismus dann doch gewiss: Lächerlichkeit tötet. Wie ZACKBUM nicht müde wird zu belegen

Hoch lebe Meyer

Hätte ZACKBUM auch nicht gedacht. Aber wir sind fair und objektiv.

Eigentlich gehört Frank A. Meyer, das Hausgespenst des Ringier Verlags, zu den Unkommentierbaren bei ZACKBUM. Aber wer sein Interview liest, das er Michèle Binswanger gegeben hat, kommt nicht umhin, den Hut vor dem 80-Jährigen zu ziehen. Da formuliert er konzis, schlagend und mit messerscharfem Intellekt wie zu seinen besten Zeiten.

Daher ein kleines Best of:

«An einer Bauerndemonstration in Berlin wandte sich jüngst ein Landwirt gegen Leute, «die noch nie gearbeitet und noch nie geschwitzt haben». Er meinte damit jene linksgrüne, elitäre Akademikerschicht, die sich der Sozialdemokratie bemächtigt hat. In der Schweiz geben Cédric Wermuth und Mattea Meyer den Ton an, sozial beflissene Funktionäre, aber eben keine Genossen aus der Arbeiterschaft, weder Pfleger, Maurer noch Schreiner. Das ist das Problem: Erst wenn die Arbeiterbewegung wieder die Bewegung der Arbeiter ist, verschwindet der Rechtspopulismus, der von der Vortäuschung lebt, den Willen des einfachen Volkes zu vertreten.»

«Die linksgrüne Akademikerkaste schafft einflussreiche und einträgliche Positionen für sich und ihre Klientel. In Deutschland gibt es zum Beispiel über 170 Gender-Professuren, überall wimmelt es von NGOs, die heute ja weitgehend subventionierte Regierungsorganisationen sind. Der Aufstieg des Rechtspopulismus ist eine Reaktion auf diese veränderten Herrschaftsverhältnisse bei der Linken.»

«Das aktuelle Beispiel ist der Antikolonialismus der Wokeness-Ideologen: Sie gliedern den Holocaust ein in die Verbrechen des Kolonialismus – und bestreiten damit die Einzigartigkeit des millionenfachen Judenmordes durch die Nazis. Die Gaskammern werden zu einem Ereignis der Kolonialgeschichte – zu einer Untat untervielen. Gleichzeitig wird die Anschuldigung erhoben, auch Israel sei eine weisse, westliche Kolonialmacht und begehe Genozid an den Palästinensern. Der antisemitische Reflex gehört zur Wokenessbewegung wie die reaktionäre Cancel-Culture, die heute durch die Universitäten geistert, von Basel über Berlin bis Princeton und Harvard. Es ist der Versuch der kulturellen Machtergreifung durch ein Akademikermilieu, das sich links nennt, aber rechtsautoritären Aktivismus betreibt.»

«Der Streit ist doch unser Lebenselement – das müsste man meinen. Wenn das zutrifft, dann ist das auch unsere historische Stunde: die Stunde der Streitfreude – das Gegenteil von Anpassung und Korrektheit.»

Auch da, wo er irrt, tut er es mit Verve:

«In dieser Situation können wir nur eines tun: der Ukraine Waffen liefern. Sie muss die Russen so lange bekämpfen, bis sie aufgeben. Dieses Land kämpft um seine Freiheit – und diese Freiheit ist auch unsere Freiheit, denn sie ist unteilbar. Die Ukrainer haben den Westen besser begriffen als der Westen sich selbst.»

Aber wie er seine Rolle bei Ringier beschreibt, das hat dann wieder etwas fast Genialisches:

«Natürlich hatte ich Einfluss. Nicht Macht. Macht hat ein Pflichtenheft. Einfluss ist fliessend, wie es das Wort ja schon zum Ausdruck bringt. Sobald man über Einfluss spricht, schwindet er. Deshalb habe ich nie darüber gesprochen. Und natürlich bestimmte ich nichts, was mir nicht zukam. Ich mischte mich auch nicht ungebührlich ein. Ich war einfach da.»

ZACKBUM hätte auch nie gedacht, dass wir einmal schreiben: schön, dass er noch da ist.