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Schlagwortarchiv für: Financial Times

René Zeyer

Bravo, Münger

12. August 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Es begab sich, dass der Auslandchef ohne Ausland von Tamedia wieder einmal eine «Meinung» oder eine «Analyse», was ja nicht ganz das Gleiche sein sollte, publizierte.

Oh je, dachte ZACKBUM, und dann mussten wir kichern. Denn das sei ja die Reaktion auf eine enttäuschte Erwartungshaltung, sagte Sigmund Freud.

Aber es ist kein Witz, was Christof Münger hier schreibt. Eigentlich alles richtig, so viel Arroganz in der Beurteilung muss sein.

Präsident Donald Trump hat bei seinem Amok-Angriff auf den Iran die von ihm vollmundig angekündigten Kriegsziele – Atomprogramm zerstört, Regime gestürzt – krachend verfehlt. Er hat die US-Abschreckung zusätzlich beschädigt – wenn wir zuschlagen, dann gewinnen wir auch. Er hat das US-Waffenarsenal beschädigt und musste mangels schwindender Vorräte auf angedrohte Militärschläge oder gar die völlige Zerstörung Irans verzichten.

Dass der Iran die Strasse von Hormuz als Druckmittel verwenden kann (sie ist keineswegs «zu 100 Prozent» unter US-Kontrolle), wollte er entgegen dem Rat seiner Geheimdienste nicht wahrhaben. Neben dem Regime selbst sind Russland und China die grossen Profiteure dieses Debakels.

Die Golfstaaten wenden sich von den USA ab; Saudi-Arabien schliesst einen Pakt mit der Türkei und Pakistan, kooperiert verstärkt mit der Ukraine. Andere werden folgen.

Trumps Selbstüberschätzung hat aus einem vermeintlich schnellen militärischen Triumph eine strategische Niederlage gemacht. Die Optionen sind allesamt schlecht. Eine neuerliche Eskalation wäre riskant, die Fortführung seinerseits der Blockade von Hormuz wäre wirtschaftlich teuer. Rückzug unter Siegesgeschrei glaubt ihm keiner.

So weit Münger. Genauso ist es, und ZACKBUM fragt sich, ob Münger ein strategisches Genie gefrühstückt hat, durch einen Avatar ersetzt wurde – oder eine Sternstunde erlebte.

Aber nachdem er reichlich – und zu Recht – Prügel bezog, muss auch gelobt werden, wo es angebracht ist. Wir rufen ihm ein aufmunterndes «weiter so» zu, das wird noch was.

Dass Trump ein notorischer Lügner ist, weiss man. Dass er auch ein Feigling ist, weiss man seit seiner Scharade beim Rückflug vom Nato-Gipfel in Ankara. Dass er ein Versager mit sechs Bankrotten ist, weiss man auch. Dass er ein – zwar straflos – verurteilter Verbrecher ist, ebenfalls. Dass er mit seiner Zickzack-Zollpolitik ein unglaubliches Schlamassel angerichtet hat, ebenfalls.

Seine nicht unberechtigte Hoffnung besteht zurzeit einzig darin, dass sich die Demokraten vor den Zwischenwahlen selbst unwählbar machen.

Was kann Trump eigentlich? Eine Sache, Geld scheffeln. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit hat sein «Raubzug am helllichten Tag» («Financial Times») Milliarden in die Kassen seines Familienclans gespült. Unterstützt durch den Paten im Weissen Haus.

Wenn gemeckert werden will, und wann will man das nicht: der hergeprügelte Ein- und Ausstieg mit Referenzen zum aktuellen «Odysseus»-Film, das hätte vielleicht nicht sein müssen. Aber damit üben wir angesichts der übrigen Leistung Nachsicht.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-11-um-17.00.35.png 338 968 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-12 05:00:072026-08-11 17:49:01Bravo, Münger
René Zeyer

Ach, Löpfe

20. Mai 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was der «watson»-Leser alles aushalten muss.

Weil der Wanner-Clan nicht zugeben kann, dass seine einzige Neuerfindung nicht nur ein Flop ist, sondern auch inhaltlich alle Grenzlinien nach unten durchschlägt, darf sich hier ein Philipp Löpfe ungeniert austoben.

Mal eine Sammlung von all time favorites:

«Die Demokratie stirbt in einem Feuerball.
Die SVP übernimmt das ganze Trump-Programm – auch die Lügen.
Eliten, Konzerne oder Rechte «verkaufen die Menschen für dumm».
Das System fliegt uns um die Ohren.
Ein politisches Monster, das wir selbst geschaffen haben.
Die Untoten der Finanzkrise sind zurück.
Ein fauler Kern, der alles vergiftet.
Hier wird ein Krieg gegen die Wahrheit geführt.»

Wie wahr. Oder ein paar Müsterchen aus dem aktuellen Schaffen. Am 10. Mai «analysierte» Löpfe: «Warum Trump eine Dynastie will».

Zunächst lässt er etwas pseudo-klassische Bildung auf den kopfschüttelnden «Watson»-Leser regnen: «Schon die Römer wussten, dass Ruhm vergänglich ist. «Sic transit gloria mundi», lautet ein bekanntes lateinisches Zitat.» Blöd nur: das wussten die alten Römer nicht, denn der Spruch lässt sich erst bei Papstkrönungen ab dem 15. Jahrhundert belegen. Und da waren die alten Römer nicht mehr alt, sondern schon längst tot.

Macht nix, weiter mit mit den wirklich alten Römern: «Und schon die römischen Imperatoren taten alles, um gegen den Zerfall ihres persönlichen Ruhms anzukämpfen. Caligula beispielsweise liess Tempel nach sich benennen, goldene Statuen von sich in Rom aufstellen und machte – um seine Verachtung der politischen Kaste zu demonstrieren – ein Pferd zum Konsul.»

Auch das enthält Spurenelemente von Wahrheit. Wobei das mit dem Pferd üble Nachrede ist; er soll höchstens damit gedroht haben. Aber macht nix.

Aus der Verlorengegangenheit in die Gegenwart: «Donald Trump singt aus dem gleichen Gesangsbuch.» Man kann über den Mann vieles sagen, aber gesungen hat er noch nie.

Dafür: «Nur wenn es ihm daher gelingt, ein Mitglied aus der eigenen Familie ins Oval Office zu hieven, besteht die Chance, dass sein grandioser Kitsch ihn überleben wird. Mit anderen Worten: Trump braucht eine Dynastie. Zu diesem Schluss kommt auch Edward Luce in der «Financial Times».» Na dann, wenn’s nicht auf Löpfes eigenem Mist gewachsen ist, muss es doch stimmen.

Dieser edlen Absicht stünden aber Aussenminister und Vizepräsident entgegen. Daher würden sie «regelmässig gedemütigt». Zum Beispiel, indem nicht DJ Vance als bekehrter Katholik nach Rom reisen durfte, sondern Marco Rubio. Der ist zwar auch Katholik, aber macht ja nix.

Oder in den Worten Löpfes: «obwohl dieser als Aussenminister und Sicherheitsberater in Personalunion angesichts des Irankrieges wohl dringendere Dinge zu tun hätte. Trump will damit aller Welt zeigen, dass Rubio kein Henry Kissinger ist».

Jetzt kommt, Fanfare und Trommelwirbel, der absolute Liebling von ZACKBUM:

«und – um das noch zu unterstreichen – lässt er ihn viel zu grosse, hässliche Schuhe tragen».

Haben wir gelacht. Rubio muss auf Anordnung von Trump zu grosse und hässliche Schuhe tragen, damit niemand denkt, er habe Ähnlichkeiten mit dem Kriegsverbrecher Kissinger. Dem kann man auch vieles vorwerfen, aber zu grosse und hässliche Schuhe hat er tatsächlich nie getragen.

Nun noch eine zusammenfassende Analyse der Zustände in Trumps Regierung:

«Dabei gehören Vance und Rubio zu den Mitgliedern des Kabinetts, denen man zwar mangelnde Moral, nicht jedoch mangelnde Intelligenz nachsagen kann. Für andere Mitglieder der Regierung trifft dies nicht zu, etwa für Verteidigungsminister Pete Hegseth oder FBI-Direktor Kash Patel. Ihr Wirken ist in einem Mass peinlich, dass in Washington derzeit Wetten laufen, nicht, ob, sondern wann sie – wie bereits die Justizministerin Pam Bondi, die Heimatschutzministerin Kristi Noem und die Arbeitsministerin Lori Chavez-Deremer – gefeuert werden.»

Also, entweder gebricht es den Mitgliedern an Moral – oder an Intelligenz. Oder vielleicht an beidem.

Woran es Löpfe gebricht, nun, da gibt es leider juristische Schranken, die eine Aufzählung verbieten.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-13-um-18.19.56.png 523 1180 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-05-20 05:00:512026-05-18 13:31:51Ach, Löpfe
René Zeyer

Die Zocker-Lobby

29. April 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die UBS lobbyiert im roten Bereich.

Eigentlich geht es nur um eine Winz-Witz-Eigenkapitalerhöhung von 20 Milliarden Franken, bei einer Bilanzsumme von 1600 Milliarden. Peanuts, viel zu wenig bei dem systemischen Risiko, das von dieser Monsterbank ausgeht, die ein viel grösseres Rad als das gesamte BIP der Schweiz dreht (einsamer Weltrekord).

Weil aber vom gehebelten EK der Bonus abhängt, wehren sich CEO Sergio Ermotti & Co. mit Händen und Füssen gegen dieses symbolische Pflästerchen. Und setzen Lobbying in einer für die Schweiz bislang ungenannten Dimension ein. Drohen sogar mit Wegzug, als ob sie anderswo eine Gratis-Staatsgarantie (von wegen too big to fail) kriegen würden.

Natürlich ist es auch eine mediale Schlacht, mit interessanten Kampflinien. Dass ein Dumpfschwätzer wie Markus Somm auf die UBS-Propaganda reinfällt, nun ja, bedauerlich, nicht überraschend, so what.

Bedenklicher ist schon, dass die NZZ sich plötzlich zum Sprachrohr der UBS aufschwingt und einen kritischen Kommentar nach dem anderen veröffentlicht, dass diese durch Aktienausgabe kinderleicht zu finanzierende Kapitalerhöhung eigentlich des Teufels sei und unbedingt vermieden werden müsse.

Sonst drohe mehr oder minder der Untergang der Eidgenossenschaft. Sogar ehemalige UBS-Direktoren dürfen hier als «Experte» verkleidet dagegen anstänkern.

Währenddessen ist der «Blick» das Sprachrohr der Kritiker der UBS geworden, wo wahre Experten wie Marc Chesney die dürftigen Argumente der UBS zerpflücken dürfen und sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter in gewählten Worten über die Propagandaschlacht der UBS erregen darf: «Es entspricht aber nicht dem gängigen Stil, dass man so dezidiert gegen unsere Institutionen antritt. Das ist ein eher neuer Stil im Umgang eines Unternehmens mit dem Staat.»

Chesney geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert die nächste Bankenkrise. Aus einem einfachen Grund. US-Präsident Donald Trump lockert wieder einmal die Regulierungsvorschriften für Banken in den USA: «Erste Erleichterungen sind bereits in Kraft, die zentralen Punkte wie eine tiefere Eigenkapitalquote sollen bis Anfang 2027 folgen. Darüber hinaus werden die Aufsichtsbehörden zurückgebunden und wird ihr Personalbestand erheblich gekürzt», fasst der «Blick» zusammen. Chesney setzt noch einen drauf: «Die Zutaten für die nächste akute Krise sind vorhanden, die Frage ist nur, wann sie kommt.»

Denn die letzte von 2008 begann genau mit solchen Lockerungsübungen.

Aber auch Gegner der Kapitalerhöhung wie der emeritierte Bankenprofessor Martin Janssen kommen zu Wort, er spricht gar von «einer Erpressung des Parlaments». Allerdings nicht durch das Lobbying der UBS, sondern durch die Finanzministerin.

Die NZZ unkt: «Keller-Sutter droht eine Niederlage im Parlament». Auch Beat Balzli steuert einen seiner verpeilten Kommentare bei: «Die UBS-Phobie oder warum die reine Fixierung auf das Kapital von gestern ist».

Tamedia tut das, was das Qualitätshaus an der Werdstrasse am besten kann: es eiert herum und interviewt. Auch CH Media ist sich nicht sicher, ob sich der Wannerclan das Wohlwollen der UBS verspielen will oder nicht. «Scharfe UBS-Regulierung würde Kredite verteuern», darf hier der Gastkommentator Urs Furrer schreiben. Er ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und offenbar von Finanzkenntnissen eher unbeleckt.

Redaktorin Florence Vuichard flüchtet sich ebenfalls in ein gepflegtes Einerseits-Andererseits: «Der Bundesrat verschärft die Eigenkapitalvorschriften für die Grossbank, macht aber auch Konzessionen.» Ist das gut oder schlecht? Eben, einerseits, andererseits.

Und «20 Minuten» macht ebenfalls das, was das Pendlerorgan am besten kann: es zitiert Artikel der anderen. So habe die «Financial Times» geschrieben, «Parlamentarier hätten führenden UBS-Managern zugesichert, die strengen neuen Vorschriften würden abgeschwächt».

Was die UBS hier tut, ist tatsächlich ein professionelles, nicht gerade billiges Lobbying mit allen Schikanen. Direktkontakte zu Parlamentariern und Medienschaffenden. Einsatz von Verbänden als Multiplikatoren. Drohung mit Abstrichen bei der Parteienfinanzierung.

Zugleich werden die Narrative gesetzt («Schweiz verliert Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalregeln gefährden Jobs»). Dazu typisches Framing. Diese Reform gefährde die Schweiz (weniger Kredite, teurere Hypotheken, Schwächung Finanzplatz). «Experten» werden mobilisiert, Reputations- und Elitennetzwerke aktiviert.

Klare Drohungen werden umgeschminkt (Vermeidung des Worts Bestrafung, Ersatz durch «Überdenken» von Optionen).

Bei den Medien ist die Drohung mit Inserateboykott bei unbotmässiger Berichterstattung Vergangenheit. Heute kommen andere Formen von Sponsoring zum Einsatz:

  • Konferenz-Sponsorings (Wirtschaftsforen, Debattenformate)
  • Content-Partnerschaften / Thought Leadership
  • Podcast- und Video-Sponsoring
  • Beilagen, Themen-Specials, Roundtables

Die Drohung mit einem Streichen dieser Anlässe wirkt genauso …

All das belegt ironischerweise genau das, was die Monsterbank abstreitet: sie hat offensichtlich viel zu viel politische Macht, weil sie systemrelevant ist.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-28-um-11.18.16.png 553 1180 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-29 05:00:152026-04-28 12:08:36Die Zocker-Lobby
René Zeyer

Alles Zoll oder was?

23. Februar 2026/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Das teuflische Gift der Handlungsunsicherheit.

Trump-Hasser triumphieren. «Trumps Zollhammer trifft ihn selber», kommentiert Charlotte Walser in der «Süddeutschen» und im Kopfblattsalat Tamedia, weitgehend unbeleckt von Kenntnissen. Das gilt auch für andere: «Linke fordern sofortigen Stopp der Verhandlungen mit Donald Trump».

«Trumps Niederlage ist ein Erfolg für die Welt», nimmt ein Simon Book im «Spiegel» die ganze grossen Worte aus dem Schrank. Selbst die NZZ kann sich ein abtemperiertes Trump-, Pardon, Triumphgeheul nicht verklemmen: «Das wichtigste Signal des Zollurteils: Amerikas totgesagte Demokratie lebt – auch unter Donald Trump». Wieso man das aus einer Entscheidung der Judikative schlussfolgern kann, das verrät das Blatt der tiefen Denke allerdings nicht.

Ein Winand von Petersdorff-Campen ernennt in der FAZ die Entscheidung gar zum «Tag der Befreiung». Die «Frankfurter Rundschau» hopst von einem Bein aufs andere: «Grösste Pleite der Amtszeit». Der «Blick» hingegen denkt schon einen Schritt weiter: «Diese Optionen bleiben Trump, um weitere Zölle zu erheben». Da packt der «Redaktor News» Gabriel Knupfer die grosse Wissenskanone aus. Was eine kurze Konsultation von ChatGPT nicht alles ans Tageslicht fördert …

Und «20Minuten» schliesslich greift auf Bewährtes zurück: «US-Wahlkampfexperte: «Zoll-Urteil ist Trumps schwerste Niederlage in zweiter Amtszeit»». Wofür es nicht alles Experten gibt. Der hier hat eine besonders weitreichend zurückliegende Expertise: «Politberater Guido Weber hat viele Abstimmungskampagnen in der Schweiz mitgeprägt. Er kennt aber auch die USA und den Washingtoner Politbetrieb, seit er für das Wahlkampfteam des Demokraten Gary Hart arbeitete, dem demokratischen Hoffnungsträger für die US-Wahl 1988.» Und lebt …

Die «Weltwoche» hingegen, die ansonsten Trump für die grösste Gabe an die Menschheit seit Elon Musk und der Erfindung des Rades hält, muss sich erst sortieren und beschränkt sich ungewohnt zurückhaltend auf die Vermeidung des Faktischen.

Nur bis zum Blatt der korrekten Denkungsart und der Rettung der Demokratie hat es sich noch nicht durchgesprochen. Die «Republik» erfreut ihre Leser stattdessen mit lustigen Tiergeschichten: «Warum Kakadus Abfall klauen und Fische vergnügt in giftigen Gewässern planschen – eine Exkursion ins Reich der klugen Tiere».

Könnte man doch nur eine Exkursion ins Reich der klugen Journalisten machen. Nun, die «Financial Times» hat gleich eine ganze Salve von Artikeln über «Trumps tariffs» abgefeuert. Darin die wirklich wichtigen Aspekte, die im Triumphgeheul hierzulande weitgehend untergehen.

Da das Urteil absehbar war – denn Trump mag ein Amok sein, völlig verblödet ist er nicht – hat er schnell neue Zölle aus der Tasche gezogen, basierend auf den zahlreichen in der langen Geschichte der US-Legislative verborgenen gesetzlichen Bestimmungen.

Die nicht ganz unwichtige Frage, ob dieses Urteil nun bedeutet, dass die zu Unrecht erhobenen Zölle im Multimilliardenbereich zurückgezahlt werden müssen, beantworten die obersten Bundesrichter in ihrer grossen Weisheit hingegen nicht. Oder vielleicht sehen sie das realistisch-pragmatisch. Kommt doch und versucht, es aus uns rauszuleiern, würden die USA sagen, und viel Spass dabei.

Auf jeden Fall jubilieren können Anwälte, Berater und Experten. Die werden Jahre damit beschäftigt sein, dieses Schlamassel einigermassen aufzuräumen.

Zwei wichtige Aspekte dieses Desasters werden aber viel zu wenig beleuchtet. Der erste: Trump scheint diese Entscheidung zu akzeptieren. Was nicht selbstverständlich ist. Denn welche Mittel hätte der oberste US-Gerichtshof gehabt, sein Urteil durchzusetzen, wenn Trump gesagt hätte: wisst ihr was, steckt es euch sonstwohin?

Der wichtigste: damit setzt sich fort, was reines Gift für gesundes Wirtschaften ist. Handlungsunsicherheit. Wer investiert, wer unternehmerische Entscheidungen zu treffen hat, braucht bei aller Unwägbarkeit der Zukunft wenigstens ein paar Entscheidungsgrundlagen. Zum Beispiel die, dass gesetzgeberische und andere Rahmenbedingungen während der Payback-Zeit stabil bleiben.

Wer ein Produkt herstellt und exportiert, kann schlecht voraussehen, dass er plötzlich mit 39 Prozent Zöllen belegt wird. Oder doch nicht. Oder nur 15. Oder vielleicht 30. Oder 100. Ab heute. Oder morgen. Oder rückwirkend. Das ist die reine Hölle, Chaos, Unübersichtlichkeit. Ganz abgesehen von den zusätzlichen Kosten, die durch die Beschäftigung von Beratern entstehen, die versuchen müssen, in diesen Amokläufen des US-Präsidenten den Überblick zu bewahren.

Da aber die meisten Journalisten von Wirtschaft nur verstehen, dass man dort ein Feierabendbier (oder zwei oder drei) runterkippen kann und ansonsten ein Naturgesetz garantiert, dass spätestens am 25. der Zapfen auf dem Konto ist, lassen sie diese Aspekte beiseite.

___________

Dieser Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz». 

https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg 0 0 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-02-23 05:00:262026-02-22 17:19:26Alles Zoll oder was?
René Zeyer

Alte und neue Medien

27. Januar 2025/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Joe Rogan & Co.? Noch nie gehört? Schwerer Fehler.

Während sich die klassischen Medien aufplustern und über mangelnde Resonanz staunen, sind die neuen schon da.

Die «Financial Times» (FT) widmet fünf «Schlüssel-Podcastern» eine lesenswerte Analyse. Bei der Inauguration Donald Trumps sassen sie auf den besten Plätzen. Denn Trump bespielt die Medien wie kein anderer. Er liess Klassiker wie die berühmten «60 Minutes» aus und verbrachte geschätzte 1000 Minuten, rund 17 Stunden, im Gespräch mit einem Cluster von Podcastern in den USA, schreibt Anna Nicolaou.

Joe Rogan, mit insgesamt 34 Millionen Abonnenten auf YouTube und Spotify, ist der grösste von allen. Dazu gehören auch Theo Von, Lex Friedman, Andrew Schulz und Logan Paul. Wer noch nie von ihnen gehört hat, hat die Wahlen in den USA schon verloren.

Die FT schreibt: «Es gibt eine riesige und wachsende Medienwelt, die dem Mainstream-Publikum verborgen bleibt. Die heutigen Podcast-Stars sind einerseits sehr berühmt – sie füllen zum Beispiel den Madison Square Garden –, andererseits aber einem großen Teil der Amerikaner unbekannt. Meine Eltern, die in ihren Siebzigern sind und immer noch den ganzen Tag „die Nachrichten“ im Fernsehen laufen lassen, haben noch nie von ihnen gehört. Für die jüngeren Generationen hat YouTube das Kabelfernsehen abgelöst.

Stilistisch ist die „Manosphere“ in vielerlei Hinsicht das Gegenteil dessen, was die traditionellen Medien zu tun lernen. Als Journalisten werden wir gebeten, kurz und prägnant zu sein. Fernsehnachrichten sind eine raffinierte und weitläufige Produktion: Die Moderatoren sind mit Make-up bestäubt, sitzen in aufwendigen Kulissen und sprechen formell und überlegt.

Diese neuen Shows bestehen dagegen größtenteils aus mäanderndem Geplauder. Ein Livestream auf Twitch kann acht Stunden oder länger dauern. Die Moderatoren sind keine Journalisten und wollen es auch nicht sein.

Medienumwälzungen gehen normalerweise auf ein neues Format oder eine neue Technologie zurück. Podcasts und YouTube gibt es jedoch schon seit Anfang der 2000er Jahre. Stattdessen erleben wir radikale Veränderungen durch die Schattenseite eines Internets, das zunehmend Nischeninteressen bedient und es den Menschen ermöglicht, ihre Mediendiät und Informationsquellen zu verfeinern.»

Wie sangen die Buggles 1972 in ihrem einzigen grossen Hit: «Video killed the Radio Star». Also MTV entmachtete die DJs der Radiostationen. Obwohl Bewegtbild natürlich viel teurer ist als Radio, profitierte MTV davon, dass Musikfirmen Gratis-Videos zur Promotion zur Verfügung stellten.

Bei Podcasts fällt das weg, aber die Einkommenslage ist disruptiv im Vergleich zu den grossen TV-Stationen:

«Podcasts verdienen hauptsächlich durch Werbung Geld. Wenn der Moderator selbst eine Produktempfehlung vorliest, ist der Gewinn beträchtlich. Für Podcaster mit einer großen Fangemeinde ist viel Geld zu verdienen. Galloway schätzt, dass die Leute in den Top 10 der beliebtesten Podcasts 10 bis 50 Millionen Dollar pro Jahr verdienen. „Bei einer Million Downloads verdient man 50.000 bis 100.000 Dollar pro Monat“, schätzt er.

Ohne die Kosten für die Infrastruktur – Hauptsitz, Anwälte, Buchhalter, Sicherheit – sind die Gewinne „riesig“, sagt Galloway. „Allein das Einschalten des Lichts für eine [Fernseh-]Sendung kostet wahrscheinlich mindestens 2 oder 3 Millionen Dollar im Jahr. Einen Podcast kann man für Zehntausende von Dollar starten.“ Der Pivot-Podcast soll dieses Jahr 7 bis 10 Millionen Dollar Umsatz machen.»

Interessante Sache. Hat man darüber in deutschsprachigen Medien schon etwas gelesen? Nein; die breite Hutkrempe von Melania Trump ist doch viel wichtiger und umfangreicher Beschreibung wert.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/01/Bildschirmfoto-2025-01-25-um-12.37.00.png 630 1286 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-01-27 05:00:252025-01-25 12:55:28Alte und neue Medien
René Zeyer

Verschwörungs-Spinner

20. Oktober 2024/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Simon Kuper ist eigentlich Sportjournalist. Aber er schiesst auch gerne Eigentore.

Wie kommt Tamedia dazu, einen Beitrag des Sport-Kolumnisten der «Financial Times» zu publizieren? Ganz einfach: weil er inhaltlich bestens in die Gesinnungsblase der Redaktion passt.

Natürlich sind die meisten Rechten Rassisten, halten Neger im Allgemeinen für unterbemittelt und träumen von der Reinheit und Überlegenheit der weissen Rasse. Nur sagen sie das halt leider nicht so offen.

Aber da kommt Kuper und deckt bislang verborgene biographische und andere Zusammenhänge auf: «Und Paul Furber, ein obskurer südafrikanischer Softwareentwickler und Technikjournalist, der in der Nähe von Johannesburg lebt, wurde von forensischen Linguisten als Urheber der QAnon-Verschwörung identifiziert, die dazu beigetragen hat, Trumps ­MAGA-Bewegung («Make America Great Again»)aufzubauen. (Furber bestreitet, «Q» zu sein.)»

Oder mit anderen Worten: Kuper entwickelt selbst eine hübsche Verschwörungstheorie. Die Wurzeln dieser Verschwörung von Musk, Thiel & Co. liegen in Südafrika. Genauer im Apartheid-Südafrika, bevor der ANC damit begann, das Land herunterzuwirtschaften und selbst in Korruption zu versinken. Nachdem die Jahrhundertgestalt Nelson Mandela gestorben war.

Aber zurück zum Kern der Verschwörungstheorie von Kuper:

«Vier der einflussreichsten Stimmen der MAGA-­Bewegung sind weisse Männer in den Fünfzigern mit prägenden Erfahrungen im Apartheid-Südafrika. Das ist wahrscheinlich kein Zufall – sage ich als weisser Mann in den Fünfzigern, mit prägenden Kindheitsbesuchen bei meiner Grossfamilie im Apartheid-Südafrika.»

Denn Kuper weiss, wovon er spricht: «Wir schwammen im Pool meiner Grosseltern, während das Hausmädchen und ihre Enkelkinder in der Garage wohnten. Diese Erlebnisse waren so schockierend, so anders als alles, was ich in Europa erlebt hatte, dass sie meine stärksten Kindheitserinnerungen sind.»

Aber während dieser Schwumm im Swimmingpool für Kuper schockierend und prägend war, nahmen diese vier einflussreichen Stimmen der «Make America Great Again»-Bewegung ganz andere Prägungen aus Südafrika mit. So war Peter Thiels Vater Manager in einer Mine, die laut Thiels Biograf «für Bedingungen bekannt (war), die nicht weit von der Schuldknechtschaft entfernt waren».

Kommilitonen von Thiel behaupten, dass er ihnen gegenüber Südafrikas Apartheid verteidigt hatte, er selbst bestreitet das. Auch Elon Musk verbrachte seine Jugend in Südafrika und habe 2023 vor einem «Völkermord an den Weissen in Südafrika» gewarnt. Und auch der Investor David Sacks «verliess das Land im Alter von fünf Jahren und wuchs in einer südafrikanischen Familie in Tennessee auf».

Schlimmer noch: «1995, ein Jahr nachdem der ANC in Südafrika mit genau diesem Versuch (Rassismus zu bekämpfen, Red.) begonnen hatte, veröffentlichten Thiel und Sacks, die sich in Stanford kennen gelernt hatten, das Buch «The Diversity Myth». Es ist eine gut geschriebene Verteidigung der «west­lichen Zivilisation» gegen den «Multikulturalismus» (oder das, was die Rechte heute «woke» nennt), verfasst von zwei weissen Mittzwanzigern, die sicher sind, dass Rassismus nicht das Problem ist. Tatsächlich verkünden sie: «Es gibt fast keine echten Rassisten in Amerikas junger Generation.»»

Und heute? «Drei Jahrzehnte später unterstützen nun die beiden gemeinsam mit Elon Musk, mit dem sie sich in der sogenannten Paypal-Mafia von Silicon Valley zusammenschlossen, eine weisse republikanische Partei, die erfundene Geschichten über schwarze Einwanderer aus Haiti, die Haustiere essen, herumreicht.»

Musk & Co. seien sicherlich auch noch anderen Einflüssen ausgesetzt, räumt Kuper immerhin ein. Aber: «Dennoch lebt im Trumpismus die alte, weisse Mentalität Südafrikas weiter.»

Hier haben wir alle Elemente einer absurden Verschwörungstheorie versammelt. Es werden Realitätssplitter zusammengeklebt und mit dunklem Raunen unterlegt. Es werden Zusammenhänge konstruiert, die zuvor niemandem ausser dem Verschwörungstheoretiker aufgefallen sind. Es wird Koinzidenz fleissig mit Kausalität verwechselt. Und dann kommt noch ein Sprutz Unsinn dazu:  «Die Demokraten schicken zum dritten Mal in fünf Wahlen eine dunkelhäutige Präsidentschaftskandidatin ins Rennen.» Also in unserer Welt schicken sie zum zweiten Mal eine Frau und zum ersten Mal eine dunkelhäutige Frau ins Rennen. Aber vielleicht war Hillary Clinton nur weiss geschminkt und Bill Clinton in Wirklichkeit eine Frau.

Da muss Kuper noch nacharbeiten.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/10/Bildschirmfoto-2024-10-19-um-10.53.52.png 522 899 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-10-20 05:30:392024-10-20 14:12:31Verschwörungs-Spinner
redaktion@zackbum.ch

China-Missversteher, Teil 1

2. November 2023/11 Kommentare/in Allgemein/von redaktion@zackbum.ch

Und gefürchtete Agenda-Journalisten.  Ein Versuch, Missverständnisse zu klären.

Von Felix Abt

In Zeiten, in denen Verstehen verpönt ist – man denke nur an die vielgeschmähten Putin-Versteher – sind die China-Missversteher gefragt. Selbst die in China ansässigen «Spiegel»-Journalisten müssen sich dem China-Narrativ ihrer auf strikt atlantisch (d.h. antichinesisch) getrimmten Redakteure in Deutschland unterordnen. Deshalb lesen sich Artikel über China im «Spiegel» so, als wären sie in Hamburg von ausgewiesenen China-Missverstehern geschrieben worden.

Ich habe auch über China geschrieben. Aber kann jemand, der sieben Jahre lang in Nordkorea gelebt hat, China verstehen? Nein, sagt der Ökonom und freie Autor Thomas Baumann, der auch für die NZZ schreibt, in seinem Zackbum-Artikel «Ein Breitbandantibiotikum namens KPCh«. Auf den ersten Blick hat er recht. Aber lassen Sie mich dieses und einige andere Missverständnisse ausräumen, um gleichzeitig zu einem etwas ungetrübteren Bild von China zu kommen.

Unvermeidbares China

Wenn ein Ausländer wie ich eine Fabrik in Nordkorea aufbaut und Maschinen und andere Ausrüstungen, Verbrauchsmaterialien und Software benötigt, die er in Nordkorea nicht finden kann, wo bekommt er sie dann? Genau, in China, wo alles verfügbar ist. Wo schult er seine nordkoreanischen Mitarbeiter, bevor die Fabrik in Betrieb geht? Auch in China, bei befreundeten Unternehmen, denn in keinem anderen Land kann man das modernste Produktions- und Logistik-Know-how besser erlernen als dort (zu den Freunden komme ich gleich noch). Wenn die Produktion anläuft, aber schlecht ausgelastet ist, weil der heimische Markt noch zu klein ist, sucht er sich anderswo einen guten Absatzmarkt, also wieder China. Wenn es im Verwaltungsrat des Joint-Venture-Unternehmens unterschiedliche Meinungen über die Unternehmensstrategie und -führung gibt, was macht dann der Ausländer: In meinem Fall habe ich einen erfahrenen und kompetenten chinesischen Geschäftsmann in den Verwaltungsrat geholt. Während der Kulturrevolution wurde der neue Verwaltungsrat, der damals Chef eines großen chinesischen Unternehmens war, von den damaligen roten Wächtern – heute wären sie wohl grün – abgesetzt und zu einem Arbeiter an einem Arbeitsplatz degradiert, an dem er giftigen Dämpfen ausgesetzt war. Als Chinas woke Kulturrevolution vorbei und sein Unternehmen ruiniert war, wurde er zurück an die Spitze des Unternehmens geholt, um es wieder aufzubauen. Er war der erste in seiner Branche, der ein Joint Venture mit einem ausländischen (amerikanischen) Unternehmen einging. Henry Jin wurde ein enger Freund von mir, dem ich den Artikel im “Diplomat” gewidmet habe: “When Capitalism came to North Korea. How a Chinese businessman helped spark North Korea’s pharmaceutical industry.”

Außerdem habe ich vereinzelte VR-Sitzungen in China abhalten lassen. Dies gab uns die Möglichkeit, für meine nordkoreanischen VR-Kollegen Informationsbesuche bei chinesischen Unternehmen zu organisieren.

Bei einem Treffen mit dem Vorstandsvorsitzenden eines großen Staatsunternehmens fragten die Nordkoreaner ihn, welche Anweisungen er von der Partei und der Regierung erhalte. Der Vorstandsvorsitzende wusste, worauf sie anspielten: Auch in China mischten sich in der Vergangenheit Ministerien und andere staatliche Stellen in das Tagesgeschäft ein, und der Vorstandsvorsitzende war lediglich ein Befehlsempfänger, kein Gestalter. Die Antwort verblüffte meine nordkoreanischen Kollegen: «Die einzige Erwartung der Regierung ist, dass wir das Unternehmen so führen, dass es rentabel und nachhaltig bleibt. Wenn nicht, bin ich meinen Job los.»

Gefürchtete Agenda-Journalisten

Ich hatte schon lange vor meiner Nordkora-Zeit geschäftlich mit China zu tun. Jahrelang hatte ich eine in Hongkong registrierte Firma, die für die Geschäfte in China zuständig war. Wir bauten ein in diesem Teil der Welt unverzichtbares, und deshalb wertvolles Netzwerk von Freunden und Bekannten im Reich der Mitte auf, über das ich auch all die Informationen bekam, die in westlichen Zeitungen nicht zu finden sind. In einer Karaoke-Halle hatte ich einmal ein Gespräch mit einem chinesischen CEO eines erfolgreichen Unternehmens. Er erzählte mir: «Der Satz ‚Kein Zutritt für Hunde und Chinesen!‘, den westliche Kolonialisten am Eingang ihrer Banken und in chinesischen Parks angebracht hatten, ist in die Seele vieler Westler eingebrannt.» Ich fragte ihn, ob er westlichen Journalisten keine Interviews gebe, worauf er antwortete: «Wir haben kein Interesse daran, denen zu helfen, die uns schlecht machen wollen.» Auf meine Frage, warum er mit einem Westler wie mir spreche, antwortete er: «Sie und ich sind Geschäftsleute, die keine politischen Ziele verfolgen. Wir haben Geschäftsinteressen, die sich gegenseitig ergänzen, also sind wir Partner und können Freunde sein. Und alles, worüber wir sprechen, bleibt unter uns.» Andere chinesische, koreanische, indonesische und vietnamesische Unternehmer haben sich mir gegenüber so oder ähnlich geäußert.

Als Anna Fifield, eine Journalistin der «Financial Times«, eine mehrteilige Reportage über Nordkorea machen wollte, half ich ihr, das einzige Interview zu führen, das ein nordkoreanischer Geschäftsmann jemals einem westlichen Medium gegeben hatte. Der Chef eines Industriekonglomerats, das damals in Südkorea als das nordkoreanische Pendant zu Samsung angesehen wurde und das bereits erfolgreich Produkte in China vermarktete, war auf der Suche nach weiteren Exportmärkten. Ich sagte dem fließend Englisch und Chinesisch sprechenden Geschäftsmann, dass die Financial Times sicher Leser hat, die sich für sein Unternehmen und seine Produkte interessieren könnten. Selbst wenn das Produkt und der Preis stimmen, gibt es in den ostasiatischen Ländern noch eine weitere Bedingung, um Geschäfte zu machen oder die Türen zu öffnen: Vertrauen. Wenn der Nordkoreaner mir nicht vertraut hätte, wäre das Treffen mit der Journalistin nicht zustande gekommen. Und wenn die Journalistin ihn in die Pfanne gehauen hätte, wäre das als Vertrauensbruch meinerseits gewertet worden mit den entsprechenden Konsequenzen für mich. Was für Asiaten gilt, gilt auch für Westler in diesem Teil der Welt: Man lässt nicht jeden an seine wertvollen Kontakte heran.

Zusammen mit dem Chef des nordkoreanischen Industriekonglomerats, das nach seinen Worten auch «coole Motorräder» herstellt. Ausnahmsweise sprach er mit der Financial Times.

Fortsetzung folgt.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/10/Bildschirmfoto-2023-10-29-um-13.25.30.png 435 820 redaktion@zackbum.ch https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg redaktion@zackbum.ch2023-11-02 05:00:502023-10-29 13:39:38China-Missversteher, Teil 1
René Zeyer

Prioritäten setzen

25. Juni 2023/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Nirgendwo versagen die modernen Medien so wie hier.

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Überthemen werden zum Selbstläufer. Keine Redaktionskonferenz seit mehr als einem Jahr, an der nicht gefragt wird: und was haben wir heute zur Ukraine? Das ist und bleibt die absolute Artikelschleuder.

Dann gibt es die Hoch-und-runter-Themen. Rammstein ist so eins. Bad News sind immer good news («Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen»). Good News sind no news; Staatsanwaltschaft hat Untersuchung eingestellt. Auch hier wird ein ganzer Teppich von Kollateralartikeln ausgerollt. Was sagen Groupies? Was sagen Experten über Groupies? Was sagt uns die Existenz von Groupies? Sind die Herrinnen ihres Willens? Ist ein Ja ein Nein? Oder umgekehrt? Wieso beisst Til Lindemann in einen Apfel? Was hatte Chris von Rohr im Schweizerhof zu suchen?

Auch hier beginnt alles mit der täglichen Frage: was haben wir heute zu Rammstein? Aber das vergeht. So wie die Frage: was haben wir heute zum U-Boot?, inzwischen untergegangen ist. Noch etwas Nachbearbeitung, wer ist dran schuld, wer warnte schon früh, Milliardäre und ihre Sucht nach Gefahr, aber auch das geht vorbei.

Alain Berset, perfekte Gelegenheit, auf der Glatze Locken zu drehen. Mann und Werk, was hat er vollbracht, wo ist er gescheitert, was macht sein Liebesleben, lernt er nun ernsthaft fliegen, wer wird sein Nachfolger, was macht er eigentlich mit dem Rest seines Lebens? Aber auch das vergeht und verweht.

Aber nichts kommt an das Überthema heran, unter dem Stichwort «Ukraine» findet man in den letzten sechs Monaten in der SMD über 100’000 Treffer.

Es gibt aber auch Überthemen, die sehr stiefmütterlich behandelt werden, obwohl sie für die Schweiz von herausragender Bedeutung sind. Beispiel? Über die Credit Suisse sind in den letzten sechs Monaten etwas mehr als 27’000 Artikel erschienen, rund ein Viertel des Ausstosses bei der Ukraine.

Obwohl das einige behaupten, sind die Interessen der Schweiz durch den Ukrainekrieg nicht zentral berührt. Bleibt der Krieg lokal, sowieso. Wird er nuklear, ist es sowieso egal.

Aber selbst das Grounding der Swissair war Peanuts gegen das Schlamassel bei der CS. Selbst die Staatsrettung der UBS war im Vergleich harmlos – und gewinnbringend. Aber durch den Ausverkauf der CS zum Schnäppchenpreis an den Überdinosaurier UBS sind die Interessen der Schweiz zentral berührt. Selbst das Parlament hat das gemerkt und  eine PUK einberufen, das schärfste Instrument zur Aufklärung.

Insgesamt stehen 275 Milliarden an Staatsgarantien im Feuer, ungeheuerlich. Aber die Journaille verfolgt das nur mit mässigem Interesse. Das liegt einerseits an mangelnder Kompetenz. Wer sich erst durch die «Financial Times» darüber aufklären lässt, dass die Liquidierung von 16 Milliarden AT1-Anleihen per Federstrich der Bankenaufsicht FINMA international bei den Geprellten ein Riesengebrüll auslöst, sollte sich umschulen lassen. Wer sich ständig vom Einzelkämpfer Lukas Hässig abtrocknen lässt, hat seinen Beruf verfehlt.

Diese Fusion zu verstehen, ist sicherlich schwieriger, als sich gegen ein gesponsertes Abendessen auszusprechen. Aber mehr als drei Monate nach der Ankündigung der Fusion sind die meisten Fragen offen, haben die Schweizer Medien kaum etwas Eignes gebacken gekriegt, immer mit der löblichen Ausnahme Hässig und sein IP.

Seit wann bereitete sich die UBS auf die Übernahme vor? Welche (klägliche) Rolle spielen Bundesrat, Nationalbank und Bankenaufsicht? Wieso übernimmt der Steuerzahler Risiko ohne Entgelt? Wie hoch sind die Kollateralschäden durch diesen schwerwiegenden Eingriff in die Eigentumsgarantie? Wie kann es sein, dass der letzte CEO der CS zuerst von der UBS zur Konkurrenzbank wechselte, an der letzten GV der Bank abgewatscht und um sein Gehalt gebracht wird – um dann wieder ein warmes Plätzchen bei der UBS zu finden?

Das ist nur eine kleine Auswahl von Fragen, auf die die Schweizer Medien keine Antwort gefunden haben. Da zurzeit das Interesse von FT, «Wall Street Journal» und anderen ernstzunehmenden Wirtschaftsmedien nicht gerade riesig ist, macht eigentlich nur Hässig auf IP damit weiter, unangenehme Zusammenhänge auszuleuchten und unangenehme Fragen zu stellen.

Selbst die NZZ scheint mehr mit sich selbst und mit den Wirren um eine Nachfolge des Ex-Chefredaktors der NZZaS beschäftigt zu sein, als dass die Schreibkräfte sich auf das Thema «275 Milliarden im Feuer, na und?» kümmern würden.

Natürlich ist ein implodiertes U-Boot spannender als eine implodierte Bank. Natürlich kann man im gegendarstellungsfreien Raum der Ukraine immer wieder angeblich Neues behaupten. Natürlich ist eine Prozessbeobachtung bei Trump ergiebiger, weil man da problemlos von den US-Medien abschreiben kann. Aber eigentlich wären die Umstände, wie die CS verscherbelt wurde, für den Schweizer Leser und Steuerzahler entschieden interessanter. Wenn man sie ihm darbieten würde.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Sonntag_Header.jpeg 313 683 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-06-25 05:30:022023-06-24 11:20:08Prioritäten setzen
René Zeyer

Neuer Knaller bei der CS/UBS

1. April 2023/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die frisch geborene Monsterbank kommt nicht zur Ruhe.

Gerade wurde der UBS-CEO Ralph Hamers mit einem Goldenen Fallschirm vom Chefsessel geschupst. An seine Stelle wurde der Dressman und Italo-Schweizer Sergio Ermotti gehievt. Nach der Devise: «play it again, Serge».

Ermotti kassierte 2020, seinem vorläufig letzten Jahr bei der UBS, alles in allem rund 11 Millionen Franken. Sein Nachfolger und Vorgänger Hamers sogar 11,5 Millionen. Also hätte Ermotti angesichts einer deutlich grösseren UBS und seiner Herkules-Aufgabe, den aus allen Löchern tropfenden Kahn CS ins Trockendock zu bugsieren, sicher noch mehr verdient.

Hätte, denn wie die «Financial Times» vor fünf Minuten mal wieder weltexklusiv meldete: Auch Ermotti ist bereits wieder Geschichte und hat sein gerade bezogenes Chefbüro schon wieder geräumt. Dabei hatte er seine wenigen Mitbringsel – Kamm, Kleiderbürste, Schuh-Polish, Ersatzkrawatte und zweiter Satz Manschettenknöpfe – gar noch nicht richtig ausgepackt. Nun mussten dem Vernehmen nach diverse Termine beim Schneider zum Massnehmen und die bereits beauftragte Installation eines Solariums wieder abgeblasen werden.

Denn der UBS-Big-Boss Colm Kelleher hat sich schon wieder umbesonnen. Er will offenbar keine feste Bindung eingehen, obwohl sein irischer Name Céileachar wörtlich «ehepartnerliebend» bedeutet.

Aber das interessiert hier natürlich weniger. Auch der neuste CEO der CS/UBS ist ein alter Bekannter. Er erfüllt noch besser als Ermotti die Voraussetzung, beide Banken zu kennen. Denn Oswald Grübel ist der einzige Banker, der sowohl bei der CS wie bei der UBS CEO war.

«He’s the guy, an excellent choice», lobt sich Kelleher in einem kurzen Statement. «I can do that», ergänzt Grübel in seiner gewohnt trockenen Art. Als wollte er Kritiken an seinem fortgeschrittenen Alter von 79 zuvorkommen, fügte er noch hinzu: «The US-President is one year older and only in his first term.»

Ermotti soll in einer der Banker-Tränken beim Paradeplatz gesichtet worden sein, wo er zusammen mit Hamers einen Black Russian nach dem anderen runterkippte.

Wieder einmal ist es der «Financial Times» gelungen, die gesamte Schweizer Wirtschaftspresse abzutrocknen. Und ZACKBUM erweist sich des heutigen Datums würdig …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirm­foto-2023-03-31-um-14.26.43-e1680265717145.png 179 627 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-04-01 05:30:172023-04-01 11:48:15Neuer Knaller bei der CS/UBS
René Zeyer

Die Medien kriegen’s nicht hin

26. März 2023/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Und der Journalist ist der Rechthaber im Nachhinein.

Es gibt wenige Ausnahmen, Arthur Rutishauser gehört dazu. Aber da Kompetenz (und Loyalität) im Hause Tx keinen besonders hohen Stellenwert geniesst, wurde er trotz seiner ständigen Warnrufe Richtung CS als Bauernopfer degradiert. Weil Pietro Supino auch die Kommunikation in der Affaire Roshani versemmelt hatte.

Die übrige Journaille tat das Gleiche, was sie nun dem Bundesrat und der Aufsichtsbehörde FINMA vorwirft: Sie schaute mehr oder minder tatenlos zu, wie die Credit Suisse gegen die Wand geklatscht wurde. Ringier versank in Lobhudeleien der Kurzzeit-Chefs, unvergesslich das Doppelinterview mit dem Alptraumpaar Gottstein Horta. Plisch und Plum waren ein Dreck dagegen.

Ansonsten zeigten weite Teile der Wirtschaftsjournalisten, was sie können. Nämlich nichts. Den Geschäftsbericht einer Bank lesen, das überfordert 90 Prozent von ihnen. Die Zusammensetzung des Eigenkapitals verstehen: Fehlanzeige. Erklären können, was ein CoCo ist: nur im Abschreibemodus. Die wichtigsten Indikatoren identifizieren, um den Zustand einer Bank messen zu können: hä?

Aber damit wissen sich die Mainstream-Medien mit ihrer Regierung einig: frei von Sachverstand kann man am besten vom Blatt lesen. Das war der Zustand bis kurz vor dem Exitus der Bank.

Währenddessen wurde weiterhin ab Blatt gelesen, ab der «Financial Times». Denn im fernen London war man besser über die Verhandlungen, den Inhalt und vor allem die heiklen Punkte informiert als die geballte Fachkraft der Schweizer Medien in Bern.

Auf welches Notrecht stützt sich der Bundesrat genau, was bedeutet der Abschreiber von 16 Milliarden Franken, wieso musste die UBS läppische 3 Milliarden Franken bezahlen, erhält ein Risikopolster von 9 Milliarden plus Liquidität bis zu 200 Milliarden? Kann man Aktionärsrechte so aushebeln? Riskiert der Bundesrat keine Staatsklagen, steht er eventuell in der Verantwortung für diese Entscheidungen – und ihre Kostenfolgen?

Und vor allem: war das mal wieder alternativlos? In welchem Schweizer Medium las man vor dem grossen Showdown vor einer Woche, wie Alternativen aussehen könnten? Dass die Bank schlecht geführt war, das war spätestens seit dem Amtsantritt von Urs Rohner offenkundig. Aber forderte je – ausser dem Autor dieser Zeilen – jemand seinen Rücktritt, mahnte Haftbarkeit an?

Aber nach dem Fall, da kommen nun alle Besserwisser aus den Löchern und überschlagen sich mit Kritiken, basteln grosse Zusammenstellungen von Fehlern und Flops, von dummen Sprüchen der Bankenlenker. Der Lobhudel-«Blick» räumt plötzlich dem alten Schlachtross Oswald Grübel die Spalten frei, der auch kräftig losgaloppiert – nachdem auch er zuvor mit Kritik gelinde gesagt sehr zurückhaltend war. Sicher, als ehemaliger CEO beider Banken, der CS und der UBS, musste er aufpassen, was er sagt.

Aber eigentlich gab es mal wieder nur einen Einzelkämpfer, der sogar so viel Gas gab, dass ihn die CS mit einer mehrhundertseitigen Klageschrift fertigmachen will. Denn Lukas Hässig fährt auf seinem Finanzblog «Inside Paradeplatz»* einen scharfen Reifen. Und lässt regelmässig die gesamte Konkurrenz alt aussehen. Er erlegte fast im Alleingang Pierin Vincenz und veröffentlichte ein Jahr lang eine Bombenstory nach der anderen über den einstmals strahlenden Banker – ohne dass jemand das Thema aufnahm.

Hässig steht auch auf der Shitlist von Daniel Vasella ganz, ganz oben, seit er verhinderte, dass der Pharma-Boss 72 Millionen hätte kassieren sollen – für süsses Nichtstun.

Irgendwie ist die «Blick»-Penisgeschichte symptomatisch für den aktuellen Zustand der Medien. Eigentlich möchte man gerne ein heikles Thema aufgreifen, das nun (fast) jeden Mann interessiert. Denn Nullwachstum in der Hose, das ist auch für Banker schlimmer als Nullzinsen.

Aber früher hätte der Fachmann höchstens als Feigenblatt dafür gedient, den Voyeurismus von weiblichen und männlichen Lesern zu befriedigen. Die Schlagzeile wäre auf der Hand gelegen: «Wenn Sie dieses Foto nicht erregt, sollten Sie zum Arzt». Welcher Art das Foto gewesen wäre, nun, wir breiten den Mantel des Schweigens darüber.

Aber wie löst das der «Blick» heute? Das einzige Boulevard-Organ mit einem Regenrohr im Logo zeigt doch tatsächlich einen Kaktus als Penissymbolbild. Wobei der Kaktus durchaus erigiert erscheint. Allerdings dürfte er weder bei Männern, noch bei Frauen erotische Empfindungen auslösen. Das gilt höchstwahrscheinlich auch für alle anderen Genderklassen, vielleicht mit Ausnahme von Masochisten.

«Der Penis ist die Antenne des Herzens», der Satz ist so blöd, der könnte glatt von diesem Kim irgendwas sein. Nein, so blöd ist er dann auch nicht.

Wieso nicht «Die UBS ist die Bank der Schmerzen», «von der Credit Suisse zur Debit Suisse zur Debil Suisse».  Oder gleich «Der Kontostand ist der Messfühler des Portemonnaies», «Die Kreditkarte ist die Windfahne der Begierde», «Der Zeigefinger ist das Instrument am Bankomat», «Die Credit Suisse ersetzt den Bankomat durch den Dankomat». Und nur echt mit dem Foto eines kompetent dreinblickenden Fachmanns.

Das kann man alles machen. Aber noch Geld dafür verlangen und behaupten, man sei unverzichtbar als Vierte Gewalt in der Demokratie – das ist nicht nur lachhaft, wenn es die «Republik» behauptet.

*Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer schreibt gelegentlich auf IP.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/03/Bildschirm­foto-2023-03-24-um-19.46.31.png 407 938 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-03-26 05:00:092023-03-26 15:09:05Die Medien kriegen’s nicht hin
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