Faktencheck Feuer in LA
Fürio. Es brennt. Furchtbar. Aber kümmert sich ein einziges Qualitätsmedium um die Hintergründe?
Sicherlich, wenn es nicht genügend Löschwasser und Feuerwehrleute gibt, dann ist die Bekämpfung eines Brandes schwierig. Da scheint viel Schlamperei im Spiel zu sein.
Was aber flächendeckend ignoriert wird in den Qualitätsmedien: nicht nur die Infrastruktur in den USA ist in weiten Teilen auf Dritt-Welt-Niveau. Nicht in den Stadtzentren, aber selbst in vornehmeren Vorstädten ist es immer noch Gang und Gebe, dass die elektrischen und die Telefonleitungen an Holzpfosten hängen. Eine scharfe Brise knickt den Pfosten, der Blitzeinschlag während eines Gewitters lässt den Kondensator in einem hübschen Feuerwerk explodieren.
Aber viel schlimmer noch ist die weitverbreitete Konstruktion von Einfamilienhäusern. Sie werden in ihrer überwiegenden Mehrzahl in Holzrahmenbauweise erstellt. Ohne Fundament oder Keller. Auf dieses Holzgerüst werden dann Pappkartons gebostitcht. Oder getackert, wenn man’s lieber deutsch hat. Darauf kommt dann häufig aus Plastik ein Imitat von Ziegeln, Steinen oder anderen eleganten Formen von Illusionen.
US-Schiebefenster oder Fenster, die aus einer Art Glasjalousie bestehen, die sich nie richtig schliessen lassen, sorgen zudem dafür, dass Heizung oder Kühlung die ganze Umgebung mitversorgt.
In solchen Häusern ist es von Vorteil, über den Bauplan zu verfügen, bevor man ein Bild an der Wand aufhängen will oder gar etwas Schwereres befestigen. Schlägt man da den Nagel nicht in der Holzverstrebung ein, kann es ohne Weiteres passieren, dass das Bild samt Nagel runterkracht und einen Schranz in die Wandpappe reisst.
Natürlich gilt das nicht für die Hochhäuser in den Stadtzentren, und in besonders vornehmen Wohngegenden sind tatsächlich einige Häuser auch aus Steinen oder Beton gebaut und verfügen sogar über einen Keller.
Aber wie man den flächendeckenden Reihen von abgefackelten Häusern in Los Angeles deutlich ansieht, steht von denen höchstens noch der Kamin, wenn sie überhaupt einen haben. Holz, Karton und Plastik brennen wie Zunder, oftmals noch schneller als umgebende Bäume.
Ein typisches US-Haus ist in drei Wochen zusammengenagelt, es ist keinesfalls für die Ewigkeit gedacht und auch nicht als Mehrgenerationenhaus angelegt. Es kann genauso schnell zusammengeklappt werden, wie es zuvor zusammengesägt wurde.
Immerhin, das Qualitätsmedium «20 Minuten» hat dem Phänomen, dass man auf vielen Aufnahmen völlig zerstörte Häuser sieht, die von noch einigermassen intakten Bäumen gesäumt werden, einen Artikel gewidmet.

Neben dem Problem, dass die Wasserversorgung der Stadtmonster Los Angeles oder San Francisco schon immer ein Problem war (man schaue sich mal wieder «Chinatown» von Roman Polanski an), genügt offensichtlich schon ein Funke, um ein gewöhnliches US-Holzhaus in Brand zu setzen.
Der eigentliche Skandal besteht also nicht in der Schlamperei der Behörden, nicht genügend Vorkehrungen zur Bekämpfung von immer wieder in dieser Jahreszeit ausbrechenden Bränden getroffen zu haben. Sondern dass zur Verwirklichung des klassischen amerikanischen Traums, das Eigenheim, immer noch eine solche Billigst-Bauweise geduldet wird.
Wenn’s brennt, wird das Haus abgefackelt. Ab einem mittelstarken Sturm fliegt es weg. Grösseren Wassermassen bei einem Starkregen kann es auch nicht standhalten. Wird es nicht regelmässig mit wahren Giftbomben fumigiert, breiten sich Schädlinge aus, fressen Termiten und anderes Ungeziefer das Holz weg. Sofern es nicht schon vorher zu schimmeln begonnen hat.
Neben der allgemein verlotternden Infrastruktur (man holpere mal über einen US-Highway) sind das Probleme, die vielleicht etwas dringender angegangen werden sollten als die Eroberung von Grönland.
