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Feheherien

Sollte nicht sein, muss aber mal sein.

Der Verleger, Herausgeber, Besitzer, Redaktionsleiter, Mitarbeiter, Bildchef, Produzent, Kommentarmediator, Rechercheur, Textchef, Copywriter, Community-Manager, Buchhalter, Spendenverwalter, New Markets Scout, CEO; Chief Content Officer, Chief of Chiefs macht mal Pause.

 

Aber nicht zu tief aufatmen,
Ihr Flachschreiber,
Verrichtungsboxenbewohner, Sprachvergewaltiger,
Ihr CCOs, CTOs, Storytellers, Digital-Irgendwas-Fuzzis,
Quotengewinner, Karrieristen dank Geschlecht,
Ihr Gesinnungsblasenbewohner, Büttel, Mietmäuler,
Ihr kenntnislosen, aber meinungsstarken
Überlebenden der Sparwellen.

Am 3. Dezember

geht’s weiter.

Erfrischt, verjüngt, einfühlsam, menschenfreundlich, mit der neuen Devise:

Wir wollen doch nur helfen.

Oder wie sagt Arnold Schwarzenegger so richtig: I’ll be back and you’re whack.

Wüstenlandschaft

Das ist die Kultur bei Tamedia.

Immerhin sieben Journalisten umfasst das «Team Kultur» bei Tamedia. Gut, darunter Alexandra Kedves, Andreas Tobler und Nora Zukker. Dennoch könnte ja so etwas wie Berichterstattung rauskommen, in einem «Qualitätsmedium». Das sieht allerdings so aus:

Status Wochenende. Am aktuellsten ist der sogenannte «News-Ticker Kultur». Das seien «Nachrichten, Personalien und Fundstücke aus der Welt der Kultur und Unterhaltung». Also ein Abfallhaufen, Pardon, Sammelgefäss für SDA-Tickermeldungen. Die «besten Bücher des Monats» wurden am 19. Juli zusammengestellt. Darunter auch nur auf Englisch erhältliche Werke, aber der Tagi-Leser ist sicherlich multikulti. «Die Alain-Berset-Show» stammt immerhin vom 5. August, die kulturelle Höchstleistung «Unsere Streaming-Tipps für diesen Monat» wurde am 4. August «aktualisiert».

Eigentlich wäre es ehrlicher, stattdessen ein Schild unter die Rubrik «Kultur» zu hängen: «Wegen Ferien und Unlust geschlossen, schauen Sie doch im September mal wieder rein.»

Kulturelle Wüste, die neuste Form der Leserverarschung.

«Hauptstadt»? Bern.

Eben. Weitere Folge der Serie «Unsere Leichen leben noch».

Die Idee war naheliegend. Als Tamedia mal wieder eines seiner Versprechen brach und die Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Der Bund» weitgehend zusammenlegte (die beiden Organe unterscheiden sich heute durch den Abopreis und dass in der BZ Hebeisen schreibt), sollte eine Alternative entstehen.

Schon ein Jahr später war es so weit. Am 7. März 2022 ging’s mit der «Hauptstadt» los. Der hohe Anspruch: mit zehn Nasen pro Tag einen Artikel rauspusten. Kleiner Dreisatz: wie viele Mitarbeiter bräuchte die «Hauptstadt», um auf den Output von ZACKBUM zu kommen?

Heute sind es auf jeden Fall 13 Mitarbeiter, Pardon, Mitarbeitende, die sich nach wie vor 5 Vollzeitstellen und ein Praktikum teilen. Sie ist nach wie vor werbefrei und «mehrheitlich leser*innenfinanziert». Das Online-Magazin ist im Netzwerk von we.publish. Dort trifft es sich mit «bajour», «Tsüri» und «Kultz». «Kultz» bettelt gerade um 300 neue Zahler, sonst sei dann mal Ende Gelände. «bajour» wird von einer reichen Mäzenin ausgehalten. Passt.

Nach vier Jahren soll keine «Anschubfinanzierung von Stiftungen und Privaten» mehr nötig sein. Falls doch, «bajour» fragen. «Kultz» eher weniger fragen.

Aber wichtiger als all das ist natürlich der Inhalt. Nun ist das gerade ein etwas blöder Moment dafür:

Verständlich, dass nach der übermenschlichen Anstrengung, pro Tag die Welt mit einem Artikel zu überraschen, mal drei Wochen Füssehochlegen angesagt ist. Hoffentlich ohne Flugscham.

Aber zuvor, mit welchen heissen News vermochte die «Hauptstadt» zu punkten? Nebenbei: Das Organ ist ja nicht ganz alleine auf dem Platz, es gibt das «Megafon» und «Journal B». Aber die haben natürlich nicht solche Hammerthemen:

Da hat einer in Wabern einen Verlag gekauft, der das Gratisblatt «Könizer Zeitung» herausgibt. Und will «hinter Bund und BZ zur Nummer drei werden». Diesen Anspruch hat die «Hauptstadt» realistischerweise nicht.

Womit punktet sie denn noch so?

Ba, Ba, Ballenberg. Immer wieder gut, wenn Not herrscht. Jetzt aber mal ernsthaft, wo ist denn der Content?

Nein, hier versteckt er sich auch nicht. Dann vielleicht «SP legt Finanzen offen»? Nun ja, die News haben andere herausgekitzelt, hier wird einfach nachgeschrieben. Oder dann das hier? «Abgewiesene Asylsuchende können im Kanton Bern bei Privaten wohnen. Eine Gesetzesänderung sollte ihre Situation verbessern. Doch Gäste und Gastfamilien erleben das Gegenteil.» Gut, das kann man gelten lassen.

Aber so als monatlicher Ausstoss, für 120 Franken Jahres- oder 240 Franken Gönnerabo? Oder gar das «Gönner-Abo Plus» für 600? Oder doch lieber «Ich kann mir das Abo nicht leisten, möchte aber gerne nach meinen Möglichkeiten für das Abo bezahlen»? Da kann man immerhin mit 1 Franken anfangen, das scheint eine realistische Einschätzung des Gegenwerts zu sein.

Man sei inzwischen bei knapp über 4000 Abos, vermeldete die «Hauptstadt» nach neun Monaten. Nach einem Jahr waren es dann noch 2650 «aktive Abos». Leider betrage die Erneuerungsrate nur 55 Prozent. Frohgemut wurde verkündet, dass man «weiter und nachhaltig wachsen wolle». Das nennt man wohl negatives Wachstum, das ist nie nachhaltig. Es wurde auch eingeräumt, dass man «leicht unter dem Businessplan» liege.

Das ist schönster Business-Bullshit. Eigentlich will man 6000 Abos nach vier Jahren. Nach einem Jahr hat man die Zahl fast halbiert. Läuft also super. Da kann man beruhigt mal in die Ferien gehen. Hat man nach dem Start schliesslich auch schon gemacht. «Nume nid gsprängt», sagt man zu Bern gerne. Auch auf dem Weg zum Friedhof.

 

Betriebsunterbruch

Nach 2462 veröffentlichten Beiträgen macht ZACKBUM etwas Ungewöhnliches:

Sendepause.

Aber nicht zu früh gefreut: am 10. Mai 2023 sind wir in alter und neuer Frische wieder da.

Vielleicht gibt es auch aus dem fernen Ausland das eine oder andere im Schweizer Mediensumpf (danke für den Ausdruck, Christof Moser) zu kommentieren. Aber im Allgemeinen wird Ruhe herrschen.

À bientôt. Hasta luego. Do skoroy vstrechi. Uf Widerluege. Bis bald.

Wumms: Christof Münger

Nochmal? Na und, Münger wiederholt sich doch auch.

Die Weltberichterstattung erledigt für den grossen Konzern Tamedia die vergleichsweise kleine «Süddeutsche Zeitung» in München. Denn eigene Korrespondenten kosten halt Geld, und das möchte Talmedia-Boss Supino lieber für eine Sonderdividende für die Aktionäre ausgeben.

Nun verfügt das Ausland-Ressort laut Impressum immer noch über ganze 5 Nasen. 3 Häuptlinge und 2 Indianer. Die dürfen dann das ß in ss verwandeln und so gut es geht bei Bezügen Deutschland durch die Schweiz auswechseln. Damit ihnen nicht das gleiche Malheur wie CH Media passiert, wo in einer Taiwan-Analyse die Auswirkungen auf Deutschland drinstanden. Aber CH Media hat auch nur insgesamt 2 Auslandredaktoren.

Nun wollte es offenbar das ungnädige Schicksal, dass der Oberhäuptling, ganz ermattet vom ständigen ß zu ss Stress, in den Ferien weilte, als die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi einen Kurzabstecher nach Taiwan machte. Das war vergangenen Dienstag. Im Anschluss daran meinte jeder, der schon mal mit Stäbchen gegessen hat, er müsse seinen Kommentar dazu abgeben.

Tamedia lieh sich seine Meinung, Überraschung, von der «Süddeutschen». Inzwischen scheint Christof Münger wieder aus den Ferien zurück zu sein. Oder jemand hat ihm am Ferienort erklärt, wie man ins Internet kommt. Eigentlich ist zum Thema Taiwan schon so ziemlich alles gesagt worden. Aber natürlich noch nicht von Münger.

Nun hat Häuptlingsein im Elendsjournalismus noch einen Vorteil. Keiner kann einem reinreden, wenn man einen Kommentar schreiben will. Weiter oben sind offenbar auch alle Entscheidungsträger in der Sommerfrische, also darf Münger am 6. August wie die alte Fastnacht noch seine Meinung absondern:

Dieser Ansicht kann man nun weder Originalität, noch Exklusivität, noch Intellektualität unterstellen. Sie ist einfach gähn. Sie ist nicht mal nur gähn, weil sie Tage nach dem kommentierten und überkommentierten Ereignis stattfindet. Sie ist auch gähn, weil sie mit den ewigen Worthülsen eines Heissluft-Kommentars arbeitet. Was hat denn  Pelosi gemacht? Genau, sie «hat ein Zeichen gesetzt». Gähn. Was hält Münger von der Reise? «Es ist gut, dass Nancy Pelosi nach Taiwan gereist ist.» Doppelgähn.

Was haben wir denn von Taiwan zu halten? «Dagegen ist Taiwan heute das leuchtende Beispiel einer lebendigen, jungen Demokratie». Nun, jung stimmt. Und was hält Münger von China, diesem Problemdrachen? Nicht Taiwan sei das Problem, «sondern China, wo sich seit der Teilung 1949 eine menschenverachtende Diktatur entwickelt hat.» Ganz im Gegensatz zu Taiwan, wo sich seit 1949 eine liebevoll-sanfte Diktatur entwickelt hatte. Schnarch.

Gibt es vielleicht Ähnlichkeiten mit einem anderen Staat, wie heisst der schon wieder? «Taiwan und die Ukraine sind zurzeit die Frontstaaten im globalen Wettstreit zwischen Diktaturen und Demokratien, der die kommenden Jahre prägen wird.»

Ob Münger nun Taiwan und die Ukraine eher unter Diktaturen oder Demokratien einreiht, das bleibt sein süsses Geheimnis bei diesem Satzbau. Und was ist die Ukraine eigentlich? «Eine geopolitische Grossbaustelle.» Hä?

Zurück zur anderen geopolitischen Baustelle, was soll, was muss nun getan werden, obwohl der Westen von China noch abhängiger ist als von Russland? Logo: «Davon muss der Westen wegkommen und gleichzeitig die Demokratie in Taiwan unterstützen, auch wenn es etwas kostet.»

Vielleicht führt ein Tamedia-Wirtschaftsredaktor Münger ganz sanft und langsam an wirtschaftliche Realitäten heran, zum Beispiel ans Thema Aussenhandel der Schweiz. Auch wenn es etwas kostet, das könnte sich lohnen.

Tamedia wiederholt sich, ZACKBUM wiederholt sich: wenn ein Auslandredaktor Tage nach einem Ereignis den Leser beim Wiederkäuen von Längst-Gesagtem zuschauen lässt, wo bleibt da die Qualitätskontrolle? Oder wird das ein weiterer Belastungstest: wie sehr kann man den Leser quälen, bis er das Abo kündigt?