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Wieder mal ein Zerr«spiegel»?

Ein Medienanwalt nimmt die «Spiegel»-Skandalstory auseinander.

Zunächst der Abbinder: Sollten die Vorwürfe gegen den Schauspieler Christian Ulmen tatsächlich zutreffen, ist er unabhängig von der Strafbarkeit seines Handelns ein mieser und widerlicher Typ.

Auf der anderen Seite zeigt auch diese «Spiegel»-Story – wie ihre Vorgänger – bei genauer Betrachtung, dass sie geschickt hochgezwirbelt wurde und mit Assoziationsketten beim Leser spielt.

In der «Berliner Zeitung» weist der Medienawalt Carsten Brennecke auf solche Propagandaelemente hin. Er ist übrigens Mitglied bei den deutschen Grünen.

Zunächst bestreitet er, dass es in Deutschland eine Verschärfung des Strafrechts brauche: «Tatsächlich sind die gegenüber Christian Ulmen geäußerten Verdachtsmomente, nämlich das Verbreiten sexuell konnotierter Deepfakes, als öffentliche Verleumdung bereits jetzt mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bedroht. Es gibt hier also keine Strafbarkeitslücken, sondern diese sind konstruiert.»

Zur «Spiegel»-Titelstory: «Wenn man sich den Bericht genau ansieht, dann wird deutlich: Bei genauer Betrachtung ist keinesfalls klar, dass Collien Fernandes gegen Christian Ulmen überhaupt den Verdacht geäußert hat, dass dieser sexuell konnotierte Deepfakes von Fernandes hergestellt und verbreitet hat. Es scheint vielmehr so zu sein, das Magazin in seinem Bericht lediglich durch geschickte Insinuierungen und wolkige Wertungen beim Leser den Eindruck erweckt hat, dass Fernandes gegen Ulmen solche Verdachtsmomente äußere, sich das Magazin aber am Ende tatsächlich darauf zurückziehen könnte, man habe solches als Tatsache gar nicht berichtet.»

Und weiter:

«Umgekehrt bringt der Spiegel in der nachstehenden Passage versteckt zum Ausdruck, dass Ulmen die Herstellung und Verbreitung von Deepfakes bestreitet: Er habe, schrieb er, in den vergangenen zehn Jahren „leider einen sexuellen Fetisch“ entwickelt: Immer wieder habe er auf den Namen seiner Frau Fakeprofile auf sozialen Medien angemeldet, über die Accounts habe er mit Männern gechattet, geflirtet, „bis hin zum Sex-Talk“. Er habe den Gesprächspartnern Videos geschickt, die auf frei zugänglichen Pornoseiten erhältlich gewesen seien und deren Protagonistinnen seiner Frau ähnlich gesehen hätten. Man muss das wohl so verstehen, dass er solche Videos aber nicht selbst erstellt hat.»

Eine toxische Beziehung kann den oder die Beteiligte in einer Art Schockstarre halten, das ist unbestreitbar. Aber es kommen immer mehr Fragezeichen auf.

Wieso dauerte es fast ein Jahr nach dem angeblichen Geständnis von Ulmen, dass seine inzwischen Ex-Frau Fernandes Klage einreichte?

Sie behauptet, die deutsche Staatsanwaltschaft habe bei ihrer Klage das Verfahren eingestellt und nicht mal mit ihr Kontakt aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft behauptet, sie habe mehrfach brieflich um weitere Unterlagen gebeten, aber nie eine Antwort erhalten. Nur eine der beiden Versionen kann stimmen.

Die spanischen Untersuchungsbehörden sagen, dass das Verfahren vorläufig sistiert sei, weil Fernandes eine notarielle Beglaubigung nicht beigebracht habe.

Die Anwälte von Ulmen sagen, dass diverse Anschuldigungen unwahr seien, ohne das genauer zu belegen. Sie hätten auf jeden Fall rechtliche Schritte gegen den «Spiegel» eingeleitet.

Der Sänger von Rammstein konnte sich das finanziell leisten, der ehemalige Chefredaktor des «Magazin» nicht, kann es Ulmen?

Was ist davon zu halten, dass Fernandes zunächst eine Teilnahme an einer Demonstration in ihrer Sache absagt, weil sie Morddrohungen erhalten haben will – und dann doch auftritt, unter Hinweis darauf, dass sie eine schusssichere Weste trage?

Unabhängig von der absonderlichen Abscheulichkeit, wenn die Vorwürfe zutreffen: lernen die Medien nie etwas aus vergangenen, peinlichen Flops?

Sollte sich wieder einmal herausstellen, dass hier kein strafbares Verhalten vorliegt, die Unschuldsvermutung einmal mehr mit Füssen getreten wurde, wäre es dann nicht an der Zeit, neue Gesetze zu erlassen, die die Medien zu schmerzlichen Zahlungen an jemanden zwingen, dessen Ruf, Reputation und Karriere wie auch immer schwer beschädigt bis unrettbar verloren sind?

Es gibt unzulängliche Gesetze gegen Falschbeschuldigung, es gibt keine Gesetze gegen eine solche Medienhatz.

Aber vielleicht sollten der «Spiegel» und alle seine Abschreiber das hier ernst nehmen:
«… unzulässige Verdachtsberichterstattung, … von einer Übernahme einseitiger Vorwürfe Abstand nehmen».

Manosphere ist Wahnosphere

Männer sind Schweine. Wollen nur das eine. Sich selbst beschimpfen.

Thore Rausch ist ein Jungredaktor bei der «Süddeutschen Zeitung». Er findet Sophie Passmanns neustes Machwerk gut. Als ob ihn das nicht schon genügend disqualifizieren würde, gönnt das Qualitätshaus Tamedia seinen masochistischen Lesern Rauschs neustes Machwerk und empfiehlt es sogar.

100 Prozent der wenigen verbliebenen männlichen Leser dürfen dafür zahlen, dass sie allesamt beschimpft werden. Ungefähr 90 Prozent aller Leser (auch Frauen und everybody beyond) werden mit dem ihnen unbekannten Ausdruck «Manosphere» belästigt.

Für Nixverstan: Die Manosphere ist eine breite, gemischte Online-Szene von harmloser Selbsthilfe bis hin zu stark kontroversen Ideologien. Für Rausch ist es hingegen das Reich des Bösen, die dunkle Männermacht, sie «infiltriert seit Jahren die Köpfe junger Männer und attackiert so Gesellschaft, Bildung und Demokratie».

Himmels willen, keiner hat’s gemerkt, und nun haben wir den Salat: «Frauenhass im Internet beeinflusst Wahlen, Werte und Beziehungen.» Aber Rettung naht, Rausch hat den Durchblick:

«Der Hass auf Frauen trendet immer und überall. Er passt sich an, er trägt neue Masken, er will erniedrigen und zerstören.»

Spätestens seit #metoo sind zwei Tatsachen unbestreitbar. Viele Frauen haben zu recht männliche Übergriffe und sexistisches Verhalten angeklagt. Manche Frauen haben diese Welle missbraucht, um Männer zu denunzieren und mit Falschbeschuldigungen fertigzumachen. Die Liste ist lang und wird weiterhin länger.

Ein ehemaliger Chefredaktor des «Magazin», der Sänger von Rammstein, der Schauspieler Kevin Spacey, und, und, und. Das ändert nichts daran, dass es widerwärtige Sexisten gibt. Aber der Vorwurf «sexueller Übergriff, auch verbal» ist eine Anschuldigung, bei der nicht die Unschuld-, sondern die Schuldvermutung gilt, der Beschuldigte sich (meist vergeblich) um den Beweis des Gegenteils bemühen muss. Es ist eine Anschuldigung, bei der keine objektivierbaren Tatsachen und Beweise zählen, sondern der Eindruck, das Empfinden des angeblichen Opfers.

Nun kommt eine neue Dimension hinzu. Im einschlägig bekannten «Spiegel», der schon Falschbeschuldigungen in mehreren Fällen veröffentlichte, beschwert sich eine bislang weniger bekannte Moderatorin, dass ihr Ex-Ehemann ihr gestanden habe, Fake-Accounts unterhalten zu haben und dort auch pornografische Deepfake-Videos von ihr verschickt zu haben. Er habe sich dabei beim Telefonsex mit Männern als Frau ausgegeben. Ihre Anschuldigung: «Du hast mich virtuell vergewaltigt.»

So nebenbei als kurzer Lacher: Es gilt die Unschuldsvermutung, der Anwalt des Beschuldigten spricht von «unwahren Tatsachen».

Aber so leicht kommen wir alle Männer natürlich nicht davon: «Trotzdem fällt es – mit Blick auf die verhaltenen öffentlichen Reaktionen von Männern auf den Fall Fernandes – vielen Männern offenbar immer noch leicht, wieder zum Alltag überzugehen. Sinngemäss: schlimm, klar, aber hat doch nichts mit mir zu tun.»

Falsch, donnert Rausch. Da müssen wir Männer von ZACKBUM und herum ihm klar entgegenhalten: natürlich hat das nichts mit uns zu tun, Sie Dummschwätzer. Wir verwahren uns dagegen, wegen ein paar durchgeknallten Triebtätern im Internet in Sippenhaft genommen zu werden. Und noch eine Kleinigkeit, Herr Rausch: wenn das allgemein gilt, dann sind Sie selbst doch auch betroffen.

«Toxische Männlichkeit», verbreitet in Netzwerken, die neue Gefahr. Was früher in der realen Welt beklagt wurde, findet nun im Virtuellen statt: «In Deutschland erlebte in den vergangenen fünf Jahren jede fünfte Frau digitale Gewalt – in der Schweiz dürfte es ähnlich sein.»

Dass eine angebliche Qualitätszeitung einen solchen Schwachsinn publiziert, ist ein weiteres Armutszeugnis. Ein unscharfer (Pardon) Begriff, eine aus der Luft gegriffene Zahl ohne jeglichen Beleg, fertig ist die Drohkulisse. Andere behaupten, jede zweite Frau in der Schweiz habe schon mal unverlangt ein Dickpic zugeschickt bekommen, Habakuk.

Aber Rausch insistiert: «Und ja, Gewalt ist das richtige Wort.» Wirkliche Gewaltopfer in der realen Welt werden sich dafür bedanken, dass das, was ihnen angetan wird, so missbraucht wird.

Aber damit ist noch nicht der Gipfel der Absurdität erklommen. Der kommt erst am Schluss: «Auf weiblicher Seite diskutiert man längst über Heterofatalismus und die Frage, wie man überhaupt noch mit Männern leben soll.» Zunächst für die absolute Mehrheit, die auch diesen Begriff nicht kennt: Heterofatalismus beschreibt die Einstellung, dass Beziehungen zwischen Männern und Frauen zwangsläufig problematisch, kompliziert oder zum Scheitern verurteilt sind.

Das ist ungefähr so schwachsinnig wie die Möglichkeit, nach innerem Empfinden sein Geschlecht wählen zu dürfen und zu behaupten, dass eine biologische Definition unzulänglich sei.

Wir sind hier nicht in einer Manosphere, sondern in einer Wahnosphere, wo negative Männerfantasien herrschen, unbedarfte Jungschreibkräfte sich Asche aufs Haupt streuen, weil sie halt leider als Mann geboren wurden und unter dieser Last fast zusammenbrechen.

Männer sind Schweine. Manchmal aber auch arme Schweine.

Mythos «Dickpic»

Wir müssen uns eines sehr unappetitlichen Themas widmen. Das ist bei Jolanda Spiess-Hegglin unvermeidlich.

Vielleicht wissen das viele Leser, Leserinnen und alles Diverse dazwischen nicht. Aber es geht in der Schweiz eine widerliche Unsitte um. Ein unerträglicher Ausdruck dieser sexistischen, männerbeherrschten, frauenfeindlichen Gesellschaft, in der wir hier und heute leben.

Täter sind, das ist hier naturgegeben, ausschliesslich Männer. Opfer sind fast ausschliesslich Frauen, es könnten aber auch Männer darunter sein. Aber das sollen die unter sich ausmachen. Hier geht es immerhin um die Mehrheit in unserer Gesellschaft. Die leidet.

Unter uns Männern. Also unter mir nicht, aber ich muss hier ein Zeichen setzen. Ich muss mich distanzieren. Solidarisieren. Ich kann nicht länger schweigen. Denn es gibt ein Thema, das noch wichtiger ist als der Rahmenvertrag. Noch bedeutender als der Klimawandel.

Männer sind Heuchler, Frauen Opfer

Mit Abscheu tippe ich dieses Wort hin: Dickpics. Nein, Ihr heuchlerischen, lesenden Männer: tut nicht so, als ob ihr das nicht kennt. Das kann nicht sein. Denn schon die Hälfte aller Frauen in der Schweiz hätten so ein Dickpic erhalten. Darunter versteht man die unaufgeforderte Zusendung eines Fotos des männlichen Geschlechts.

Genau, das, was der Stadtammann von Baden gerne von seinen Amtsräumen verschickte. Die Hälfte aller Frauen? Ach was, das Recherchierorgan «zentralplus» ist, nun ja, tiefer in das Thema eingedrungen.

Isabelle Dahinden, die laut Selbstauskunft «Vorurteile bekämpfen möchte, mit Klischees brechen. Minderheiten & Schwachen eine Stimme geben», hat auch mit diesem Vorurteil gebrochen. Denn die Wirklichkeit ist noch viel schlimmer:

«Dickpics waren bei vielen Mädelsabenden schon Thema. Wohl jede Frau hat schon einmal ein Dickpic – ein Bild eines Penis – bekommen, ohne dass sie danach gefragt hätte. Manche könnten schon ganze Alben damit füllen. Das irritiert, lähmt, hemmt – und löst auch Ekel aus.»

Allerdings. Nicht zuletzt deswegen, weil es noch in der Bildlegende zum Artikel heisst: «Studien zufolge hat fast jede zweite Frau schon einmal ein Dickpic bekommen.» Nun klafft doch zwischen «fast die Hälfte» und «wohl jede Frau» ein Abgrund, den nicht mal das längste Glied zu überspannen vermöchte, wenn ich das so formulieren darf.

Eine umrepräsentative Umfrage

Aber wie auch immer, das ist natürlich eine Sauerei. Allerdings: eine völlig unrepräsentative Umfrage in meinem Bekanntenkreis hat ergeben: kein einziger Mann hat gestanden, schon mal ein Foto seines Gemächts ungefragt verschickt zu haben (angefragt wurde auch keiner). Nun wissen wir ja, dass Männer lügen. Aber auch alle befragten Frauen haben bestätigt, dass ihnen der Anblick eines unverlangt zugestellten Penis-Bildes noch nie den Tag versaut hat.

Aber das muss dann einfach die andere Hälfte gewesen sein. Auf jeden Fall hat die Kämpferin gegen Hassreden im Internet (ja, die gleiche, die einen Wettbewerb um «das Arschloch des Monats» ausrief und gleich auch ihren Lieblingskandidaten bekannt gab), also die nicht ganz widerspruchsfreie Jolanda Spiess-Hegglin hat die Webseite «netzpickcock.ch» gebastelt. Dabei handle es sich um «einen Service vom Verein «#Netzcourage».

Der Service besteht darin, dass diese Webseite einen Anzeigengenerator enthält, mit dem von diesem üblen Männerbrauch betroffene Frauen «innert 60 Sekunden» eine Anzeige herstellen können. Sogar das Porto fürs Einreichen wird grosszügig übernommen. Es braucht nur die Tatwaffe, Angaben zum Besitzer, und ab geht die Strafanzeige.

Unter dem Kleingedruckten im Impressum findet man allerdings diesen Satz:

«Ebenso lehnt sie (#netzcourage, R.Z.) jede Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich durch die Benutzung von netzpigcock.ch ergeben, ab

Verantwortungslose Bombe gezündet …

Das ist ein wohl nicht unnötiger Hinweis, denn auch Falschbeschuldigung ist strafbar. Aber reden wir von den Erfolgen: «Das Tool schlug ein wie eine Bombe. Erst einen Monat im Einsatz, wurden bereits 1178 Anzeigen generiert, wie Spiess-Hegglin auf Anfrage sagt.»

Und zentralplus exklusiv vermelden darf. Wir wollen den Freudentaumel ja nicht mutwillig in Frage stellen; aber rund 1200 Anzeigen nach 30 Tagen? Also rund 40 am Tag? Laut neusten erhältlichen Zahlen leben 4,25 Millionen Frauen in der Schweiz. Und 4,17 Millionen Männer.

Wenn nun bereits jede Frau so eine Schweinerei zugeschickt bekam, muss es offensichtlich unter den Männern Mehrfachtäter geben. Hat nur die Hälfte aller Frauen, da ist die weibliche Wissenschaft noch unsicher, so einen Schweinskram erhalten, dann wären das immer noch mehr als 2 Millionen Betroffene.

Wie man angesichts dieser Zahl behaupten kann, gekleckerte 40 Anzeigen am Tag sei der Beweis, dass das Tool richtig eingeschlagen habe, zeigt die Abgründe zwischen männlicher und weiblicher Logik, die ebenfalls nicht vom längsten …, aber das sagten wir schon.

Wie häufig ist dieses Phänomen nun in der Realität?

Anstatt ein Denunziationstool ins Netz zu stellen, für seine Benützung jede Verantwortung abzulehnen, wäre es doch eine gute Idee, die Häufigkeit dieses Phänomens mal ernsthaft zu eruieren. Denn offensichtlich haben weder alle, noch die Hälfte aller Frauen schon mal unverlangt ein Penisbild zugeschickt erhalten.

Aber das ist natürlich nur eine sexistische, diskriminierende, frauenfeindliche, rechthaberische Ansicht eines unbelehrbaren Machos. Der tatsächlich noch nie im Leben ein solches Foto verschickt hat, ja seines Wissens nicht mal so eins knipste. Aber das salviert ihn natürlich nicht.

 

 

Die unbefleckte Schändung

Das wahre Opfer eines Medienskandals ist ein Mann.

Über Jahrhunderte zerbrachen sich viele Denker den Kopf über der Frage, wie eigentlich eine unbefleckte Empfängnis möglich sei. Unbefleckt von der Erbsünde, eine Jungfrauengeburt, die Jungfrau Maria gebar Jesus, empfangen durch den Heiligen Geist.

Nein, zu dieser kniffligen Frage gibt es nichts Neues beizutragen. Aber es dauerte rund 2000 Jahre, bis ein neues Wunder geschah: das Wunder der unbefleckten Schändung.

Zu Bethlehem gab es damals noch keine Zeitungen

Auch hier gibt es einige Unklarheiten. War es eine Vergewaltigung, eine Schändung, ein sexueller Missbrauch? Gab es Falschbeschuldigungen, wurde das eigentliche Ereignis durch die Medien perpetuiert? Glücklicherweise gab es ja zu Bethlehem noch keine Zeitungen, man stelle sich vor, was da alles herumgeboten worden wäre.

Im neuzeitlichen Fall ist es aber so, dass die, nun ja, dass das Opfer gerade wieder einmal betont hat, dass sie den als mutmasslichen Täter herumgebotenen Mann «ausdrücklich und zum wiederholten Male nicht» beschuldige. Das muss das Opfer einer unbefleckten Schändung auch sagen, denn es hat sich verpflichtet, «sich ab sofort in keiner Weise mehr so zu äussern, dass daraus bei Dritten irgendwelche Vermutung entstehen oder impliziert werden kann, dass sie je Opfer eines strafbaren Verhaltens, begangen durch P.K.*, geworden sein könnte».

Das eine Opfer war naiv

Mit diesem Vergleich entging das eine Opfer einer weiteren Verfolgung durch das andere Opfer in Sachen Ehrverletzung und so.

Nun haben es Märchen, mit Logik und Rationalität eigentlich nicht zu erklärende Vorkommnisse, so an sich, dass sie mit viel Gehirnschmalz und gewaltigen Anstrengungen mit einer ganzen Wolke von möglichen Erklärungen, Theorien, mit Rabulistik, Vermutungen und Strapazierung von Logik und Schlüssigkeit umhüllt werden.

So sagt Opfer P.K. bitter: «Vielleicht war es einfach naiv von mir, zu glauben, dass ein Ehrenwort etwas gelten sollte.» Denn es hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass das andere Opfer sich zwar an den Teil «begangen durch P.K.» hält. Das hindert es aber nicht daran, sich als Opfer «eines strafbaren Verhaltens» zu sehen. Wobei in diesem Zusammenhang mittelalterliche Sophisten, ja ein Thomas von Aquin vor Neid erblassen würden.

Ohne Täter auch kein Opfer

Denn die Formulierung, dass hier P.K. ausdrücklich nicht beschuldigt werde, ist ungefähr so sinnvoll wie der schöne Satz: «Ich sage ja ausdrücklich nicht, dass Sie ein Idiot sind.» Denn es hilft ja nichts; wo es ein Opfer gibt, muss es einen Täter geben. Wenn jemand sexuell missbraucht wurde, geschändet wurde, einen Übergriff erleiden musste, einen Verstoss gegen seine körperliche Integrität, dann ist etwas unabdingbar nötig: ein Täter.

Ohne Täter kein Opfer. Ohne Schänder keine Schändung. Ohne Vergewaltiger keine Vergewaltigung. Ohne Übergriffigen kein Übergriff. Ohne K.-o.-Tropfen keine Willenlosigkeit. Ohne Missbraucher kein Missbrauch. Ohne Filmriss kein Dunkel über Ereignissen.

War’s Zeus oder gar der Heilige Geist?

Wenn hier notwendig der Logik gehorchend «tertium non datur» gelten muss, also etwas Drittes gibt es nicht, dann kann, ausserhalb von Wunderglauben, unbefleckter Schändung und Zauberkräften nur ein Entweder-Oder gelten: Wenn P.K. ausdrücklich nicht beschuldigt wird, aber die Beschuldigung aufrechterhalten wird, dann muss es jemand anders gewesen sein. Nur: wer? Es gibt bekanntlich keine Anhaltspunkte, die auf einen bislang noch nicht entdeckten Täter hinweisen. Daraus folgt, wenigstens für Gläubige, nur eine mögliche Erklärung: Es war entweder der einschlägig bekannte Zeus – oder der Heilige Geist.

*Name der Redaktion bekannt.