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Wirkung wie eine Stubenfliege

Jacqueline Badran will die grosse Mieterkämpferin sein. Es darf gelacht werden.

Die Heckenschützin und mögliche Ständeratskandidatin der SP Zürich trompetet immer und überall, dass sie die grosse Verteidigerin der Rechte der Mieter sei. Unermüdlich im Kampf gegen Miethaie, ausbeuterische Vermieter, die sich auf Kosten des Menschenrechts Wohnen dumm und krumm verdienen.

So zieht Badran in ihrem neusten «#Korrigendum» in der «SonntagsZeitung» mal wieder zu ihrem Lieblingsthema vom Leder. Also eigentlich hat sie zwei. Mieten – und sich selbst. Das ergänzt sich hier:

««Ihr seid kein Einzelfall», erzählte ich – traurig und verärgert gleichzeitig – vorgestern an einem Solidaritätsfest vor leergekündigten Bewohnerinnen in Witikon (UBS-Fond).»

Dass sie selbst den SVP-Vorschlag, die UBS mehr an die Kandare zu nehmen, abgeschossen hat, das erwähnt sie lieber nicht. Genauso wenig, dass man ständig versuchen muss, ihr «Korrigendum» zu korrigieren.

Sie hat eine neue Variante in ihrem ewig gleiche Gezeter entdeckt: «Leerkündigungen haben epidemische Ausmasse angenommen, und zwar in der ganzen Schweiz.»

Leider muss man hier ihre beiden Lieblingsworte verwenden: inakzeptabel und falsch. Im Kanton Zürich lagen die Zahlen von 2022 und 2023 sogar unter denen des Vorjahrs. Und Basel-Stadt, nicht gerade im Verdacht, vermieterfreundlich zu sein, hält ausdrücklich auch fest: «In den Jahren 2022 und 2023 sind Leerkündigungen zurückgegangen.»

Was zugenommen hat, ist die mediale Beachtung. Und da es Badran im Prinzip auch genau darum geht, poltert sie halt mal wieder los. Und plaudert und schnaubt ohne Rücksichten auf Fakten oder Zahlen.

Mitten im Geplapper lässt sie noch zwei weitere Zahlen auf den Leser regnen, die sie irgendwo aufgeschnappt – und nicht verstanden hat:

«Die Wohneigentumsquote ist von 42 auf 36 Prozent gesunken.»

Inakzeptabel, falsch und Quatsch. Einer hat das mal genau angeschaut und auseinandergenommen, besten Dank dafür:

Diese Aussage ist falsch und beruht auf einem offensichtlichen Unverständnis der Materie der Autorin.
Der Unterschied zwischen der Wohneigentumsquote des Bundesamts für Statistik (BFS) (etwa 36 %) und der von Eurostat (rund 42 %) in der Schweiz liegt an der unterschiedlichen Bezugsgrösse der Statistik.
BFS: Rechnet auf Haushaltsebene. Rund 36 % aller dauerhaft bewohnten Privathaushalte in der Schweiz leben im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung.
Eurostat: Rechnet auf Personenebene. Rund 42 % der Bevölkerung leben in Wohneigentum.
Gemäss BfS lag sie 2010 bei 36.8% und 2024 bei 35.7%, was sich vor allem durch die Zuwanderung erklären lässt, da diese hauptsächlich Mieter sind.
Gegen Schluss kommt allerdings ein Satz von Badran, den ZACKBUM mit beiden Händen unterschreiben kann: «Wir können uns wohl alle darauf einigen: Das ist inakzeptabel und schädigt die Volkswirtschaft.»
Richtig. Eine lautstarke Vertreterin der Interessen der Mieter, die sich ständig lächerlich macht, indem sie Zahlen falsch verwendet, falsch interpretiert, falsche Schlussfolgerungen daraus zieht, schadet schlussendlich den Mietern und schädigt damit auch die Volkswirtschaft.
Erschwerend kommt hinzu, dass so jemand offensichtlich in den Ständerat strebt, wo man sich viel mehr als im Nationalrat darum bemüht, sinnvolle Kompromisse zu finden. Allerdings basieren die auf einer kompetenten Analyse von richtigen Zahlen. Stiesse da jemand dazu, der solchen Stuss schreibt, dann wäre dessen Wirkung ungefähr gleich gross wie die einer Stubenfliege.

Der Nebelspalter und die Zahlen

Rechnen ist Glückssache.

Von Thomas Baumann
Dass im Nebelspalter hin und wieder abgeschrieben wird, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch nicht nur im Umgang mit Quellen, sondern auch im Umgang mit Zahlen hapert es dort öfters.
In seinem Newsletter Somms Memo erklärt uns der spätdoktorierte Grossintellektuelle Markus Somm gerne die Welt. So auch, zum Beispiel, am 29. Mai.
Da schrieb er über den Unternehmer Fredy Gantner, der sich seit kurzem genussvoll ins politische Getümmel stürzt: Ihn als «Klimakriminellen» zu bezeichnen, «dürfte den Straftatbestand der Verleumdung erfüllen». Wir lernen daraus: Seinen Doktor hat Somm ganz bestimmt nicht in Jurisprudenz gemacht.
Immerhin, im selben Artikel hatte es noch zwei Grafiken — und Somm hatte mächtig Dusel, dass er sich bei einer Quelle bediente, die tatsächlich alles richtig machte: Facts4Future hat nämlich in der Grafik, welche den CO2-Ausstoss mit dem BIP in Verbindung setzt, das BIP deflationiert.
Auch so zeigt sich in der Schweiz noch eine Halbierung des CO2-Ausstosses pro realem BIP-Franken zwischen 2000 und 2025.
Was herausgekommen wäre, hätte man nicht deflationiert, zeigt ein Hinweis auf die Inflationsraten gewisser Länder: Türkei rund 8500% seit 2000, im Libanon eine Verzechzigfachung und in Argentinien und im Sudan eine Verdreissigfachung der Preise seit 2020 alleine. Im Iran haben sich die Preise seit 2012 vervierzigfacht und die Hyperinflation in Zimbabwe und Venezuela schenken wir uns.
Kurz: All diese Länder hätten es geschafft, den CO2-Ausstoss pro BIP-Einheit um einen Faktor 10 oder 100 zu senken — alleine aufgrund der Inflation.
Für einmal durfte Somm also das Glück der Tüchtigen für sich in Anspruch nehmen.
Dass es sich dabei tatsächlich eher um Glück im (zufälligen) Finden der richtigen Quelle als um ausgeprägtes mathematisches Verständnis handelte, bewies Somm bloss ein paar wenige Tage zuvor.
Da widmete er sich dem Zusammenhang zwischen Unternehmenssteuern und Arbeitsplatzwachstum. Mit einer hübschen Grafik, die er sich aus Daten von PWC zusammengebastelt hatte.
Wir sehen auf der linken Achse den Unternehmenssteuersatz und auf der rechten Achse die neu geschaffenen Arbeitsplätze pro Kanton.
Und was entnehmen wir der Grafik? Zweierlei: Die Tiefsteuerkantone Unterwalden, Appenzell, Glarus und Uri haben fast keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, der Hochsteuerkanton Zürich hingegen (in absoluten Zahlen) sehr viele. Und daraus zieht Somm messerscharf den Schluss: An der Steuern (alleine) liegt es nicht, wenn Menschen zuwandern.
Damit hat er allerdings recht. Trotzdem ist die Grafik purer Unsinn. Würde es einzig von der Höhe des Unternehmenssteuersatzes abhängen, wo sich Unternehmen ansiedeln, müssten sich alle (ohne Ausnahme) im Kanton mit dem tiefsten Steuersatz drängen.
Was sie natürlich nicht tun. Denn der Unternehmenssteuersatz ist ein Gewinnsteuersatz und ohne fähige Mitarbeiter kein Gewinn. Schon das alleine verbietet, dass sich alle Unternehmen im Kanton Luzern (dem Kanton mit dem aktuell tiefsten Unternehmenssteuersatz) ansiedeln.
Wenn schon, hätte man die Höhe des Steuersatzes mit dem prozentualen (anstatt absoluten) Arbeitsplatzwachstum in Verbindung setzen müssen. Oder — noch einen Schritt weiter — hätte man untersuchen können, ob Kantone durch eine Senkung des Unternehmenssteuersatzes ihr Arbeitsplatzwachstum im Vergleich zu anderen Kantonen überdurchschnittlich in die Höhe treiben können.
Kleine und grosse Kantone beim Arbeitsplatzwachstum in absoluten Zahlen über einen Kamm zu scheren, ist hingegen glatter Unsinn.
Kommt Somm hier noch mit einem knappen «ungenügend» davon, rechnet sich sein Vize Dominik Feusi so richtig ins Nirvana.
In einem Artikel vergleicht er nämlich Zuwanderung und Arbeitsplatzwachstum und stellt fest: Es braucht fast sechs Zuwanderer für eine Vollzeitstelle.
Wie das? Indem er die Bruttozuwanderung mit den ausländischen Beschäftigten vergleicht. Und da findet Feusi eben: Von Anfang 2016 bis Ende 2025 sind brutto 1,84 Millionen Ausländer in die ständige Wohnbevölkerung zugewandert, während die Zahl der ausländischen Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) «nur» um 330’000 zugenommen hat.
Ergibt ergo, dass auf 5,6 Zuwanderer nur eine Vollzeitstelle besetzt wird. Faule Ausländer! Wandern nur in den Sozialstaat anstatt in den Arbeitsmarkt ein! Pfui! All diese deutschen Professoren und Ärzte: Keiner arbeitet, alle auf dem Sozialamt!
Nun, dass an der Rechnung etwas faul sein muss, hätte eigentlich auch Feusi mit ein wenig gesundem Menschenverstand auffallen müssen. Da es dies nicht tat, rechnen wir sein Unglück einmal zu Ende.
Ende 2025 belief sich die ständige ausländische Wohnbevölkerung gemäss Staatssekretariat für Migration (SEM) auf 2,4 Millionen Personen.
Zwischen 2016 und 2025 sind davon gemäss Feusi gut 1,84 Millionen zugewandert. Rechnen wird noch ein wenig weiter zurück: Zwischen Anfang 2010 und Ende 2015 sind nochmals etwa eine Million brutto zugewandert. Macht zusammen mit den erwähnten 1,84 Millionen rund 2,8 Millionen.
Seien wir ein wenig nett mit Feusi: Berücksichtigen wir korrekterweise, dass ein Teil der zugewanderten Ausländer keine Ausländer mehr sind, weil sie in der Zwischenzeit eingebürgert wurden. Dann können wir von den 2,8 Millionen nochmals 640’000 abziehen. (Wobei es hierzu zu bemerken gibt: Die ganzen 640’000 von den nach 2015 Eingewanderten abzuziehen, ist eigentlich überzogen, da die meisten Eingebürgerten wohl bereits vor 2016 eingewandert sind).
Wie dem auch sei… Rechnet man mit Feusis Daten noch weiter zurück, dann käme man irgendwann zwischen 2007 und 2010 an den Punkt, an dem die ausländische Bevölkerung in der Schweiz … unter Null sinkt.
Feusis Fehler in Kürze: Bei der Berechnung der Zuwanderung berücksichtigt er nur die Zuwanderung, nicht aber die gleichzeitige Abwanderung von Ausländern. Das ist ungefähr so, als würde man bei der Berechnung des Geburtenüberschusses nur die Geburten, nicht aber die Todesfälle berücksichtigen…
Oh, Feusi!
Zäumen wir das Pferd nochmals anders auf: Gemäss SEM betrug die ständige ausländische Wohnbevölkerung am 31. Dezember 2015 exakt 1’993’916 Personen. Ende 2025 waren es gemäss SEM genau 2’414’408 oder 420’492 Personen mehr. Darauf hätte eigentlich auch Feusi kommen können.
Dividiert man diesen Zuwachs durch die zusätzlichen 330’000 VZÄ, dann ergibt sich: 1,3 Ausländer in der ständigen Wohnbevölkerung mehr führen zu einem zusätzliches «ausländisches» VZÄ auf dem Arbeitsmarkt.
Stellt sich die Frage: Ist eine derart hohe Quote plausibel? Wohl kaum. Sie erklärt sich dadurch, dass bei den Arbeitskräften auch die Grenzgänger mitgezählt werden.
Diese trugen im Zeitraum 2016-2025 ziemlich genau dreissig Prozent zum Wachstum der erwerbstätigen Ausländer bei.
Rechnet man diesen Faktor (d.h. die Grenzgänger) heraus und berücksichtigt das tendenziell höhere Arbeitspensum von Grenzgängern, dann resultiert eine Quote von ungefähr 2:1 Zuwanderern pro zusätzlichem Vollzeitäquivalent.
Wichtig ist jedoch nicht so sehr die genaue Zahl, als die Feststellung: Feusi rechnet nicht nur beim Zähler seines Quotienten baren Unsinn zusammen, sondern auch der Nenner stimmt nicht bzw. hat nichts mit dem Zähler zu tun. Im Zähler steht der Zuwachs der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung, im Nenner alle ausländischen Arbeitskräfte inklusive Grenzgänger, welche eben gerade nicht zur ständigen Wohnbevölkerung zählen.
Also gleich doppelt falsch, Zähler und Nenner falsch. Falscher geht nicht mehr.
Anstatt derart Unfug mit der öffentlichen Statistik zu betreiben, sollte sich Dominik Feusi in Zukunft vielleicht wirklich besser aufs Abschreiben beschränken. Da kann er deutlich weniger Schaden anrichten.

Hitzschlag, lass nach

Der Wettergott ist gegen die Medien.

«Hitzesommer» (238 Treffer in der Mediendatenbank SMD in den den letzten 30 Tagen, 5750 Erwähnungen von «Hitze»). «Parallelen zu 2003, Wasserknappheit, Ernteausfälle». «Tipps gegen Hitze», wie kann man da schlafen, welches Schuhwerk, wie viel Wasser, Joggen ja oder nein, die armen Bauarbeiter, «Recht auf Schatten» (und nicht nur für Reiche).

Falls Trump, die Ukraine oder der Gazastreifen gerade mal nicht genug hergibt, als Füller im Sommerloch reichen alarmistische Artikel alleweil. Zur Not werden auch Fachleute interviewt, bange Prognosen erstellt, natürlich dürfen auch die armen Haustiere nicht fehlen, denn nicht nur der Mensch leidet und schwitzt, sieht sich sogar tödlichen Gefahren ausgesetzt.

Und dann das. Anhaltendes Hitzefrei. Aber anders. Der «Blick» verkündet unerschrocken eine neue, schlechte Nachricht. Ein «Höhentief vermiest uns die Woche». Statt dass ein tiefes Hoch der Journaille die Möglichkeit gäbe, fortzufahren mit: buhu, es ist heiss. Brandgefährlich. Rette sich, wer kann. Und wer nicht kann, dem muss geholfen werden.

Banale Ratschläge, rezyklierte Tipps (denn oh Wunder, es ist nicht zum ersten Mal Sommer), der Bademeister erzählt, der Glacé-Verkäufer jubiliert, Leidende leiden, und wie sieht’s eigentlich in Spitälern und Altersheimen aus. Und was macht die Natur, der Bauer, der Gletscher, schwitzen eigentlich auch Kühe (jein; am Euter und sie hecheln. Ihr Geheimtipp: Schatten suchen).

Endlich wieder Journalismus, der dem Qualitätsniveau der verbliebenen Redaktoren entspricht. Ein Blick ins Archiv: was haben wir eigentlich das letzte Mal gemacht, und dann ein wenig aktualisieren, und Feierabend. So hätte das doch noch wochenlang weitergehen können, nach dem mal wieder «heissesten Juni» überhaupt.

Berichte aus der Schweiz, die sich bald in eine neue Sahara verwandeln wird. Plus schröckliche Nachrichten aus aller Welt, wo die Gluthitze noch mehr glüht.

Dabei hofft man auf den Leser, der sich die Schweissperlen vom Angesicht wischt, wenn er reich genug ist, die Klimaanlage anschaltet und stöhnt: bei diesen Berichten wird es mir ganz heiss und anders. Von jetzt an verzichte ich auf das Auto und das Flugzeug und fahre Velo.

Andererseits: auch grosse Kämpfer gegen den Klimawandel, vor allem unter den Grünen, steigen gerne mit der ganzen Familie ins Flugzeug, um zu fernen Feriendestinationen aufzubrechen. Aber he, das ist dann Privatsache, im Fall. Und Velofahren ist auch ganz schön schweisstreibend.

Also lieber schlechtes Gewissen, dafür schön angenehm.

Aber nun ist schon wieder der heisse Krieg gegen die Hitze zu einem kalten geworden. Morgens ist es recht frisch, tagsüber kühlt immer wieder ein Regenschauer, die Verwüstung der Schweiz muss sich noch gedulden.

Nun könnte man meinen, dass verantwortlicher Journalismus, der nicht Stück für Stück seine Glaubwürdigkeit verspielen will, vielleicht etwas kleinlaut Übertreibungen und Fehlprognosen einräumt.

Aber selbst wenn ein Journalist völlig sicher vorhersagt: morgen gibt’s Gluthitze und die Sonne scheint den ganzen Tag, nicht zuletzt aus meinem Hinterteil, käme er niemals auf die Idee, einen Fehler einzuräumen, wenn es morgen frisch ist und unablässig regnet.

Er greift nicht mal zum Allheilmittel jedes gescheiterten Managers oder Politikers, der nachweisbar falsch lag. «Aus heutiger Sicht mag das als Fehler erscheinen, aber mit dem Wissensstand von damals ..

Man sollte sie dafür in den kalten Regen stellen. Aber das wäre unmenschlich, die bibbernden Journis würden ein grosses Geschrei anstimmen. «Zwischentief, man soll nie Wetter mit Klima verwechseln, die nächste Hitzewelle kommt bestimmt, wir müssen jetzt handeln, bevor es zu spät ist

Cool down, baby, wie der Ami sagt. Und sucht Euch ein anderes Thema fürs Sommerloch. Liegen doch genug rum.

Knapp, sauknapp, überhaupt nicht knapp

Wenn man vor dem Ergebnis ein Adjektiv gehäuft hörte, dann war es das.

Trump-Beschimpfung, Harris-Lobhudelei. Das waren die beiden Grundtöne in der Berichterstattung über die US-Präsidentschaftwahlen. Und der Akkord darüber wurde mit «knapp» gespielt. Das Rennen sei wirklich knapp. Ganz knapp. Furchtbar knapp.

Ein Fotofinish, nicht vorhersagbar, wer am Schluss die Nase vorn habe. «Bild» und andere fanden sogar heraus. dass ein Patt bei den Wahlmännerstimmen möglich sei. Alle Koryphäen, Kenner, Spezialisten, Spezialkorrespondenten und USA-Kenner wagten keine Prognosen mehr, so knapp war das Rennen.

Natürlich schwang da auch immer ein leiser Oberton von Hoffnung mit, dass es Kamala Harris doch schaffen könnte, und dass Lügner Donald Trump einmal mehr Lügen gestraft würde, der schon früh behauptete, dass er mit sicherer Mehrheit vorne liege, man – er übertreibt halt gerne – von einem wahren Erdrutschsieg sprechen könne.

Dabei sei noch gar nichts entschieden, so knapp sei das.

Und dann kam wieder die fassungslose Sendepause, wie beim ersten Sieg Trumps. Als er die Hürde von 270 Wahlmännerstimmen locker übersprang, während Harris bei etwas mehr als 220 dahindümpelte. Das war nicht knapp, das war ziemlich eindeutig.

Das gilt auch für die Anzahl Wählerstimmen. Während Clinton noch rund 2,5 Millionen Stimmen mehr als Trump bekam (aber weniger Wahlmänner), liegt Harris auch hier klar hinten. Zudem haben die Republikaner den Senat zurückerobert, eine weitere Niederlage der Demokraten.

Wenn Trump am Schluss (das kann noch dauern) 311 Wahlmänner hinter sich geschart hat, muss man ihm zubilligen, dass das ein eindeutiger und unbezweifelbarer Sieg ist, eine krachende Niederlage für Harris. Viel schlimmer als erwartet.

Trump hat so ziemlich bei allen Wählerschichten zugelegt im Vergleich zu 2020, sowohl in städtischen, wie in ländlichen Gebieten, auch bei Latinos, schwarzen Männern und Jungwählern. Nirgends gab es den herbeigeredeten Harris-Effekt.

Wie immer bringt es «Bild» knallig auf den Punkt:

Nur: schockiert sind mal wieder alle Auguren, weil sie wieder dramatisch danebenlagen. Viel Buchstaben darauf verschwendeten, was wohl passieren möge, wenn Trump verlöre – was ja durchaus möglich, wahrscheinlich, sinnvoll sei.

Während Trump in seinem Sieg badet, zeigt sich Harris als schlechte Verlieren. Als sich ihre Niederlage abzuzeichnen begann, tauchte sie einfach ab und liess ihre Anhänger mit offenen Mündern und traurigen Gesichtern an der Wahlfeier blöd rumstehen. Nicht gerade souverän. Nichts von Grösse in der Niederlage zeigen.

Das gilt aber auch mal wieder für die gesamten Mainstream-Medien. Sie taten alles in ihrer Macht Stehende, um Trump niederzuschreiben. Nur ist ihre Macht halt überschaubar klein. Und wildes Gewäffel aus Europa, aus Deutschland, aus der Schweiz – das geht dem US-Wähler sowieso schwer an einem bestimmten Körperteil vorbei.

Nackt, dumm und hässlich stehen nun mal wieder all die grossartigen Koryphäen da, die sich gewaltig verhoben haben. Aber keine Bange, nach ganz kurzer Panikpause werden sie sofort wieder Tritt fassen – und ein Schreckensgemälde nach dem anderen an die Wand werfen, was die Welt nun von Trump zu erwarten, zu befürchten hat.

Aber vorher muss der Wahlsieger niedergemacht werden. Für einen Tamedia-Dummschwätzer regiert in Zukunft ein «Faschist» die USA. Und der köstliche Auslandchef ohne Ausland und Verstand kriegt sich auch nicht ein. Die Amerikaner, die Deppen, hatten die Wahl zwischen «einer Demokratin und einem Demagogen». Und was haben die Trottel gemacht, Christof Münger fasst es nicht:

«Sie haben sich für den Kandidaten entschieden, der strafrechtlich verurteilt ist, der einen sexistischen Wahlkampf geführt hat, der die Streitkräfte gegen politische Gegner einsetzen will, der notorisch lügt (nicht nur, was das Wahlergebnis von 2020 betrifft) und der – das ist zentral – in einen Putschversuch gegen die amerikanische Demokratie involviert war.»

Schlimmer noch: Trump werde alle Anklagen gegen ihn stoppen, wie ein Diktator herrschen, das «Projekt 2025» umsetzen, Millionen Migranten ausschaffen, «eine Massendeportation, die an finstere Zeiten erinnert». Echt jetzt, gleich die Nazikeule?

Und in Europa? Schlimm, schlimm: «Von Trumps Comeback profitiert die antiliberale lnternationale von Björn Höcke, Geert Wilders und Marine Le Pen bis zu Viktor Orban und Sahra Wagenknecht. Deren demokratieschädigende Ideen werden salonfähig.» Antiliberale Internationale, demokratisch gewählt, aber demokratieschädigend, herrlich.

Münger ist so fassungslos, dass ihm am Schluss buchstäblich der Schnauf ausgeht: «Das werden vier lange Jahre». Im Gegensatz zu den vier kurzen, die es mit Biden waren oder mit Harris geworden wären. What a nonsense.

Ode nehmen wir einen Andreas Bernard vom durchdrehenden «Spiegel». Der schreibt über «Trumps veränderte Gestik bei seiner Siegesrede» unter dem Titel «Die Fratze der Sanftmut». Versteht das jemand? «In Donald Trumps Mimik spiegelten sich Hass, Ausgrenzung, Bedrohung. Im Bewusstsein seines Triumphs trat er völlig anders auf. Wenn sich der Chauvinismus entspannt, hat seine Politik der Rücksichtslosigkeit obsiegt

Das kann man wohl nur noch mit psychopathologischem Besteck sezieren; dem normalen Menschenverstand entzieht sich dieses hasserfüllte Gebelfer.

Unbelehrbar, beratungsresistent, überflüssig.

Peinlich!

Eine Seite eins zum Aufbewahren.

Sollte es den «Blick» noch ein paar Jahre geben und sollte irgend wann auch in ferner Zukunft die Frage aufkommen, was wohl der peinlichste Moment in der Geschichte des Boulevardblatts war, dann hätte man bislang vielleicht die Entschuldigung an den Schweizer Ex-Botschafter Borer erwähnt.

Aber inzwischen kann man nur stumm auf dieses Titelblatt verweisen. Denn da fehlen einem wirklich die Worte. Fremdschämen wäre ein Euphemismus, in ein nasses Handtuch beissen eine Wohltat dagegen.

Welche Gedanken- und Sprachverluderung bei diesem Blatt herrscht, beweist alleine schon das erste Wort: «Statement». Statement? Gäbe es das auch auf Deutsch? So für den «Blick»-Leser? Wollen wir wissen, wie viele Teilnehmer an einer Strassenumfrage spontan und richtig sagen könnten, was «Statement» bedeutet? Wollen wir optimistisch weniger als die Hälfte schätzen? Wieso beginnt dann der «Blick» die Stellungnahme des Oberchefredaktors und Busfahrers Christian Dorer mit einem Fremdwort?

Aber die Schlagzeile ist ja nicht nur peinlich über jedes Mass. Sie ist auch von einer dermassen abgründigen Dummheit, leugnet das offenkundige und erwiesene Gegenteil, dass selbst der Begriff Leserverarschung zu mild wäre.

Fake News wäre geradezu ein Weichspüler dafür.

Leider sind alle angemessenen Bezeichnungen dermassen eklatant strafbewehrt, dass ZACKBUM hier schliessen muss.