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Möglicher Spendenbetrug?

Jammern, austeilen, ruppig werden. Auf berechtigte Fragen antworten? Niemals.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Was ist von einer Staatsbürgerin zu halten, die zu Bundesrichtern, die ein völlig korrektes, aber ihr nicht passendes Urteil gefällt haben, speuzt: «Was die inhaliert haben, habe ich mich gefragt.»

Was soll man von einer Ratgeberin (und vor allem von ihrer Anwältin!) halten, da beide Damen nicht in der Lage sind, zwischen dem Gewähren einer aufschiebenden Wirkung und dem Eintreten auf eine Beschwerde zu unterscheiden? Auch das ist eine trivial banale Rechtsfrage, die eigentlich im ersten Semester Jus gelehrt wird. Es ist schlichtweg Unsinn, dass das Bundesgericht zuerst auf die Beschwerde eingetreten sein soll, um dann nicht darauf einzutreten, wie Jolanda Spiess-Hegglin sich im Chor mit Rena Zulauf beschwert.

Wir wiederholen uns, schliesslich haben wir hier einen Lehrauftrag gefasst: Die Begriffe «eintreten» und «aufschiebende Wirkung» zu vermischen, das ist für einen Anwalt unverzeihlich. Was JSH und ihre Anwältin dabei inhaliert haben, das sollten sie sich selbst fragen.

Was soll man noch zu einer angeblich «geschicktesten Medienanwältin» der Schweiz sagen, die letzthin jeden Prozess für ihre Mandantin krachend verliert? Deren einziger Vorteil darin besteht, dass nach Ausfall des Claqueurs Pascal Hollenstein nun Rafaela Roth mit einem Jubelartikel das Image der NZZaS ramponierte.

Merkwürdiges Spendenwesen

Was soll man zu einer Kämpferin gegen Hass und Hetze im Internet sagen, die ein ihr missliebiges Buch, ohne dass sie seinen Inhalt kennen würde, als «Justizporno» abqualifiziert? Und was ist von einer Organisation zu halten, die sich angeblich für «fairen Journalismus» einsetzt, aber unter dem Stichwort «Team Jolanda» ein Crowdfunding unterhält, mit dem Spendengelder gesammelt werden, «damit sie weiter gegen Ringier kämpfen kann»?

Das ist nun von der Homepage von «Fairmedia» verschwunden und diskret auf Seite 3 unter «Aktuell» platziert, wobei hier der Spendenlink nicht mehr in Betrieb ist. Aber JSH verwendet «Fairmedia» weiter ungeniert, um Spenden zu erbetteln, mit denen die angeblich «horrenden» Zahlungen «an Tamedia» beglichen werden sollten. Die nur in ihrer Fantasie existieren.

Dafür wurde offensichtlich ein neuer Link gebastelt, der nicht mehr auf den Kampf gegen Ringier verweist, sondern nur ganz allgemein den «Kampf» anpreist.

Es gibt nun beim Einwerben von Spenden gewisse Vorschriften, die höchstwahrscheinlich von JSH auch als störend, unanständig, bizarr oder schlichtweg falsch empfunden werden.

Vielleicht darf man daran erinnern, dass keine der von JSH gegründeten oder betriebenen Organisationen das ZEWO-Gütesiegel erhalten hat, was eigentlich in der Schweiz die Benchmark für seriöses Spendensammeln darstellt.

Zudem hat der Spendenempfänger die Verpflichtung, den Spendern gegenüber Rechenschaft über die Verwendung des Geldes abzulegen, also zu welchem Zweck wird es genau ausgegeben.

Was ist von einer Zweckbestimmung zu halten, die da lautet:

«Weiterkämpfen»? Wogegen denn?  Nochmals eine Klatsche abholen? Warum denn? Wie sieht es eigentlich steuerlich mit diesen Spenden aus? Sind das Schenkungen? Einkommen aus Erwerbstätigkeit (berufsmässiges Prozessieren)? Die Eidgenössische Steuerverwaltung ist angefragt. JSH selbst behauptet, sie brauche Geld, um irgend etwas an Tamedia zu bezahlen. Beim «Fairmedia»-Spendenaufruf steht nur etwas von «juristisch weiterkämpfen». Also zukunftsgerichtet. Alles mehr als dubios.

Interessante Aspekte, die nicht nur allfällige Spender, sondern auch die Öffentlichkeit interessieren würden. Deshalb hat ZACKBUM der Autorin des Spendenaufrufs und dem Betreiber des Sammelgefässes «Fairmedia» Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.

Leider in beiden Fällen – und nicht das erste Mal – vergeblich. Man bleibt sich konsequent treu: halsen, ausrufen, jammern, holzen, hasserfüllt anrempeln, mit Schlötterlingen um sich werfen.

Auf höflich gestellte Fragen antworten? Ach was. Damit haben wir hoffentlich ein letztes Mal dieses Schlammbad durchmessen. Bleibt noch die Berichterstattung über den sich abzeichnenden Flop, aus Ringier Hunderttausende «Gewinnherausgabe» herausprozessieren zu wollen. Stattdessen wird’s Peanuts geben, denn Millionengewinne existieren nur in der Fantasie des «Gutachters» und Geldverrösters Hansi Voigt.

Zwischenzeitlich gehen wir duschen und kümmern uns um wichtigere Dinge.

Fairmedia zum Letzten

Das Schicksal einer einfachen Frage in Zeiten der Gesinnungsblasen.

Es gehört normalerweise zu den Grundlagen von Höflichkeit und Anstand, auf eine Anfrage zu antworten. Besonders, wenn man sich «Fairmedia» nennt.

Aber was einfach erscheint, ist’s häufig nicht, wenn Blasenbewohner Kontakt mit der feindlichen Wirklichkeit aufnehmen sollten.

ZACKBUM wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die extra eingerichtete und auf der Homepage oben angepriesene Unterseite «Team Jolanda» spurlos verschwunden sei. Nachforschungen ergaben, dass sie sich auf Seite 3 unter «Aktuell» verkrümelt hat und dort der Link nicht mehr funktioniert.

Das führte zu der höflichen Anfrage an den Geschäftsführer von «Fairmedia»: warum?

Nun könnte man meinen, dass ein Verein, der sich der Transparenz und der Fairness im Journalismus verschrieben hat, auf eine einfache Frage nach reichlich Zeit zum Nachdenken antworten würde.

Ist aber nicht so. Nachdem auch die Wiederholung der schriftlichen Anfrage nix gebracht hatte, versuchte es ZACKBUM mit der angegebenen Telefonnummer. Da versah aber der Anrufbeantworter seinen Dienst, behauptete, es werde so schnell wie möglich zurückgerufen. Ist aber nicht so.

ZACKBUM zeichnet sich durch eine gewisse Hartnäckigkeit aus, also hinterliessen wir zum zweiten Mal Nachricht und baten – langsam besorgt – um ein Lebenszeichen.

Und heureka, wir wurden erhört. Der Geschäftsführer rief tatsächlich zurück. Knapp eine Woche nach der ersten Anfrage. Daraus ergab sich ein munteres Gespräch, das wir zur Erheiterung des Publikums gerne hier wiedergeben würden; Lachsalven garantiert.

Allein, kurz danach schoss «Fairmedia» noch dieses Mail hinterher:

«Aus dem soeben geführten Telefonat dürfen Sie folgenden Satz zitieren: «Den Link haben wir von der Hauptseite entfernt, da das Crowdfunding für Jolanda Spiess-Hegglin beendet ist.
Die restlichen Aussagen sind nicht zu zitieren.
Freundliche Grüsse
Jeremias Schulthess
Geschäftsführer Fairmedia»

Wir bleiben fair und halten uns daran. Allerdings gestatten wir uns, von jetzt an den Verein nicht weiter mit Fragen zu belästigen und ihn tunlichst zu ignorieren. Denn seine Existenzberechtigung hat er eh verloren.

Pfuimedia

«Fairmedia» heissen, für «fairen Journalismus» sein wollen. Theoretisch.

Es gab Zeiten, da raffte sich der Verein «Fairmedia» sogar noch zu Antworten auf Anfragen auf. Das zeugte immerhin von einem minimalen Verständnis von Fairness und Anstand.

«Fairmedia», die sich eigentlich für die kleinen und hilflosen Opfer der Medien einsetzen wollen, machten eine ganze Unterseite frei, um sich in den Dienst von Jolanda Spiess-Hegglin zu stellen. Als «Team Jolanda» sollten auf einer extra gebastelten und auf der Homepage prominent angekündigten Seite Spendengelder gesammelt werden.

Zu welchem Zweck? Nun, damit JSH einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen – aussichtslose, aber teure Prozesse zu führen – weiter nachgehen kann. Aber oh Schreck, plötzlich ist der Link verschwunden:

Zwischen «Aktuell» und «Beratung» war da mal was …

Nur geübten Recherchierjournalisten gelingt es, den Hinweis aufzuspüren. Er befindet sich jetzt auf Seite 3 unter «Aktuell»:

Geschrumpftes und verstecktes Crowdfunding.

Immerhin, mag man denken, aber der Rechercheur forscht natürlich weiter und klickt auf «Details». Eine neue Seite öffnet sich:

Man wähnt sich fast am Ziel und klickt auf den Link zur «Kampagne #TeamJolanda». Aber was ist das:

Man ist noch nicht bang, denn nicht nur hier verspricht «Fairmedia»:

«Gerne schaffen wir Transparenz.»

Genau dazu hat ZACKBUM Gelegenheit gegeben und die einfache Frage eingereicht, warum diese Seite denn verschoben und verschwunden sei. Üppige Antwortfrist, sauber identifiziert mit Absender und Ansprechpartner.

Gerichtet an den einzigen Mitarbeiter von «Fairmedia», der per E-Mail erreichbar ist, der «Geschäftsführer» Jeremias Schulthess. Er sei «die erste Ansprechperson … für alle Fragen rund ums Thema Medienethik und Medienrecht». Das täuscht aber, denn er schweigt verkniffen. Nicht zum ersten Mal straft er eine Anfrage von ZACKBUM mit Nichtbeachtung.

Ein Verhalten, das in den angebotenen «Medientrainings» sicherlich aufs schärfste verurteilt und angeprangert wird. Gerne hätte man die zahlreichen Mitglieder des Vorstands oder des «Patronatskomitee» gefragt, was die von diesem merkwürdigen Verhalten halten. Aber so transparent ist der Verein denn auch nicht, dass er sachdienliche E-Mail-Adressen zur Verfügung stellen würde.

Ist nun JSH auch hier in Ungnade gefallen? Wird es noch einsamer um sie? Will «Fairmedia» nicht mehr länger Geld für sie einsammeln? Oder sind die Geldtöpfe so prall gefüllt, dass eine Pause not tut? Das wüsste man gerne, erfährt aber bei den Sittenwächtern des fairen Umgangs in den Medien nichts.

Kommentar überflüssig. Geschäftsführer überflüssig. Verein überflüssig.

Sittenverluderung

Sind Medienanfragen inzwischen überflüssig? Oder das eisige Schweigen als Normalfall.

Das erste Mal begegnete ZACKBUM das Phänomen in geballter Form, als 78 Tamedia-Journalistinnen – nicht alle freiwillig – mit einem Protestschreiben an die Öffentlichkeit gelangten. Sie beschwerten sich über demotivierende, diskriminierende, sexistische und unerträgliche Zustände auf den Redaktionen.

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Allerdings enthielt das Schreiben dermassen viele Ungereimtheiten, dass es dringlichen Bedarf nach Aufklärung gab. Da sich die 78 Unterzeichner als Kollektiv verstanden, machte sich ZACKBUM mehrfach die Mühe, allen umfangreiche Fragenkataloge zuzustellen, mit der Bitte um Beantwortung in reichlich bemessener Frist.

Die Reaktion bestand jeweils aus einigen automatischen Ferienabwesenheitsmeldungen und zwei, drei Reaktionen, dass man die Fragen nicht beantworten wolle. Ab dem zweiten Mal – denn es stellten sich immer mehr Fragen – gab es nur noch Abwesenheitsmeldungen und eine einzige genervte Antwort, dass man doch schonmal klargestellt habe, dass man nicht antworten werde. Schliesslich versuchte es ZACKBUM noch mit einem genauso offenen Brief wie die Protestierer – auch vergeblich.

Reaktion eines Journalisten auf eine Medienanfrage.

Das verblüfft insbesondere, weil man doch erwarten könnte, dass Frauen des Wortes, erprobt in journalistischen Praktiken, die Möglichkeit zur Stellungnahme gerne ergreifen würden. Aber nein, wilde Behauptungen aufstellen, sie mit anonymisierten und daher nicht überprüfbaren «Beispielen» unterfüttern, aber darüber keine Rechenschaft ablegen, das wurde wohl als seriöses und kompetentes Verhalten gesehen.

Auch «Fairmedia» ist weder fair, noch media

«Fairmedia» bezeichnet sich als «Kompetenzzentrum für Medienrecht». Abgesehen davon, dass es mit der Kompetenz so eine Sache ist: hier kann man doch als Selbstverständlichkeit erwarten, als gelebte Fairness, dass journalistische Anfragen beantwortet werden.

Erwarten kann man das schon, erleben nicht. Zunächst gibt es einmal sogar eine telefonische Reaktion. Anschliessend wird aber das Zitieren ausdrücklich untersagt. Dann gibt es noch einmal eine schriftliche Reaktion – und seither herrscht eisiges Schweigen auf Anfragen. So wollte ZACKBUM unlängst wissen, wie sich denn «Fairmedia» zum Entscheid des Gleichstellungsbüros positioniere, das dem Verein Netzcourage bereits zugesagte finanzielle Unterstützung abstellte, weil der Verein sich nicht an die Spielregeln beim Bezug von Steuergeldern gehalten habe.

Die Frage drängt sich auf, weil «Fairmedia» eine eigene Fanpage für Jolanda Spiess-Hegglin aufgeschaltet hat, wo man unter «Team Jolanda» Spendengelder abdrücken soll.

Aber da bleibt «Fairmedia» in aller Fairness einfach stumm. Genau wie die Interimspräsidentin von «Netzcourage» selbst. Sie ist zwar auf der Medienmitteilung mit E-Mail-Adresse angegeben und stünden für «weitere Auskünfte» zur Verfügung. Probiert man das allerdings aus, antwortet tiefes Schweigen.

Auch «Netzcourage» bleibt lieber stumm

Spiess-Hegglin selbst – ebenso wie ihre Anwältin – beantwortet ebenfalls keine Fragen. Aber immerhin, sie leistet sich den Scherz, die Fragen auf den sozialen Medien zu veröffentlichen; gespickt mit ein paar launigen Kommentaren (der Fragesteller sei «zackdoof» und «altersmässig eher Richtung Gnadenhof»). Damit bringt sie ihren damals noch reichlich vorhandenen Fanclub ins Hyperventilieren.

Aber genauso wie die plötzlich zurückgetretenen Vereinspräsidentinnen hält es niemand für nötig, auf höflich formulierte Fragen zu antworten. Immerhin im zweiten Anlauf bequemt sich dagegen SP-Medienstar Fabian Molina zu einer Antwort; nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er «in der Tat auch noch anderes zu tun» habe, «als auf Ihre unqualifizierten Gehässigkeiten zu reagieren

Dabei wollte ZACKBUM nur von ihm wissen, ob er angesichts seiner Forderung, sofort 10’000 Afghanen in der Schweiz Asyl zu gewähren, selbst bereits sei, vielleicht zwei aufzunehmen. Diese Frage war weder unqualifiziert, noch gehässig.

Politiker, der einer Medienanfrage gewahr wird.

Ganz allgemein ist zu konstatieren, dass hier eine zunehmende Sittenverluderung stattfindet. Es gehört zu den Gebräuchen und ungeschriebenen Gesetzen, dass man auf Medienanfragen reagiert. Zumindest mit einem «pfeif dir eins, ich sage nix.»

Auch das Gegenteil gibt’s – kritisieren, ohne zu fragen

Handelt es sich um inhaltlich berechtigte Fragen, um die Gelegenheit, zu einer Kritik im kritisierenden Artikel selbst Stellung zu nehmen, wäre es fast obligatorisch. Denn umgekehrt gibt es immer mehr Beschwerden, dass Menschen oder Institutionen mit Anlauf in die Pfanne gehauen werden, ohne dass sie Gelegenheit hatten, dazu Stellung zu nehmen.

Gerade im Themenbereich Spiess-Hegglin greift das um sich. So veröffentlichte der «Republik»-Schreiber Daniel Ryser ein ellenlanges Stück über die angebliche «Vernichtungsmaschine» Tamedia, die sich vorgenommen habe, Spiess-Hegglin nach allen Regeln der schwarzen Kunst fertigzumachen.

In dem Artikel rempelte er auch mehrere, namentlich erwähnte Mitarbeiter von Tamedia an, von Oberchefredaktor Arthur Rutishauser abwärts. Nur: kein einziger der so Angepinkelten hatte Gelegenheit bekommen, zu Vorwürfen Stellung zu nehmen. Wohl nach der Devise: lass dir eine schöne Polemik doch nicht durch blöde Richtigstellungen kaputtmachen.

Warum Ryser dieses Vorgehen gewählt hatte, das einem Recherchierjournalisten unwürdig ist, hätte ZACKBUM gerne gewusst. Nur: Ryser reagierte nicht auf einen Fragenkatalog.

Das grosse Schweigen

Es wird einsam um Jolanda Spiess-Hegglin. Man verharrt in feigem Schweigen.

Kein Hass- oder Hetzkommentar von der Kämpferin gegen Hass und Hetze im Internet. Nun ja, fast: Es seien harte Tage. «Nicht, weil die alten, widerlichen Typen an ihren Bürotischen sich nahezu einen runterholen, weil sie sehen, dass ich gewisse Sachen nicht bewältigen kann. Sie grölen. Sie lechzen. Weil wir – ich – den ganzen Sommer und Herbst dermassen am Anschlag war.»

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Einen runterholen? Wäre eigentlich ein Fall für Netz Pig Cock. Aber es ist kein Anlass für Scherze: «Ich bin so müde», gesteht Spiess-Hegglin. Und stellt unbewiesene Behauptungen auf: «Das Umfeld von Glarner wusste schon vor 2 Wochen, dass uns das EBG die Unterstützungsgelder streicht. Ich hingegen musste mich innerhalb von 24 Stunden organisieren und in Stellung bringen.»

Das linke Gleichstellungsbüro im Department von SP-Bundesrat Alain Berset informierte SVP-Glarner vorab? Echt jetzt?

Aber noch bedrückender ist: Die Medienmitteilung auf Facebook bekam 2 Kommentare und wurde 4 mal geteilt. Dieser Stossseufzer erhielt 34 Kommentare (nicht sichtbar) und 192 Likes.

Hansi Voigt, der sonst keine Gelegenheit auslässt, einer guten Sache mit schlechten Sprüchen zu schaden – verstummt. Ein schlapper Retweet eines anderen, der die kurze Stellungnahme von Spiess-Hegglin tweetet. Dabei ist Voigt im Beirat von #netzcourage, da könnte man etwas Solidarität erwarten. «Das Lamm», Daniel Ryser, alle grossen Worthelden, ohne Worte.

Warum schweigen fast alle, so viele?

«Bajour»? Lieber «6 Optionen, wo du am Sonntag in Basel brunchen kannst» vom 27. Oktober (immerhin 2021) zuoberst auf der Webseite. «Republik»? Sprachlos. All die Twitter-Kings, die Fans, die sofort zuschnappen, wenn ihr Idol «fass» sagte? Ein müder Versuch, «#wirsindnetzcourage» trenden zu lassen, was Spiess-Hegglin gleich munter mit «Neiiiin! Nicht auch noch Platz 1» anfeuert.

Besonders betrüblich ist auch das verkniffene Schweigen von Hardcore-Unterstützern. Der seinem Namen alle Schande machende Verein «Fairmedia» hatte eine eigene Fanpage für Spiess-Hegglin aufgeschaltet, wo man unter «Team Jolanda» Geld abdrücken kann. Der Geschäftsführer und ehemalige «TagesWoche»-Bruchpilot Jeremias Schulthess geruht erst gar nicht, auf die höfliche Presseanfrage zu reagieren, wie sich der Verein denn zu diesem Entscheid des Bundeamts positioniere.

Gleich reagiert auch die Interimspräsidentin des Vereins Netzcourage, obwohl Liliane Ritzi doch als Auskunftsperson für weitere Fragen auf der Medienmitteilung angegeben ist. Von ihr wollte ZACKBUM unter anderem wissen, wohin denn Geschäftsbericht, Kommunikationskonzept und Code of Conduct verschwunden sind, die bis vor Kurzem noch auf der Webseite standen. Damals spreizte man sich, wie transparent man doch sei. Und heute?

Eine fehlende Reaktion ist besonders widerwärtig

Am widerwärtigsten ist aber die Reaktion von ganz anderer Seite, Beziehungsweise das dröhnende Schweigen der erregten 78 Tamedia-Frauen. Man erinnert sich? Deren Protestschreiben über unerträgliche Zustände auf den Redaktionen von Tamedia wurde via Spiess-Hegglin in die Medien eingespeist und sorgte dann für grosses Hallo. Ob das allen Unterzeichnern passte oder nicht: diese Publizität hatten sie ihr zu verdanken.

Nun ist Spiess-Hegglin selbst etwas in einem dummen Rank. Wann, wenn nicht jetzt solidarisch sein? Wo ist denn Salome Müller, Aleksandra Hiltmann, wo sind alle anderen, wenn man sie mal bräuchte? Wenn es etwas Rückgrat bräuchte? Da bislang keine der 78 Journalistinnen geruhte, auf mehrfache höfliche Anfragen von ZACKBUM zu reagieren, haben wir diesmal darauf verzichtet.

Da tun alle so, als wäre Spiess-Hegglin schon waidwund, auf der Verliererstrasse. Da folgt man doch lieber dem Beispiel der beiden Nationalrätinnen Funiciello (SP) und Gysin (Grüne): nichts wie weg. Abtauchen, Schnauze halten. Abwarten, woher der Wind weht, wie sich die Sache entwickeln wird. Und erst dann wieder aus den Löchern kriechen, wenn man weiss, wo der Sieger steht.

Was soll man, was darf man zu den charakterlichen Befindlichkeiten all dieser Menschen sagen? Leider nichts, was nicht juristische Verwicklungen nach sich ziehen würde.

 

 

 

 

Unrat vom Presserat

Ein Gremium schafft sich ab. Mehr und mehr.

Eigentlich ist der Presserat eine gute Sache. Er soll es Medienopfern ermöglichen, zumindest moralisch Recht zu bekommen. Sie können ihren Fall dem Presserat vorlegen, der sich gratis darüber beugt und zu einem Urteil gelangt.

Fast wie ein echtes Gericht, mit Kammern, Erwägungen und Urteilen. Das schärfste Schwert ist dabei die Rüge. Die wird ausgesprochen, wenn gegen den Journalistenkodex verstossen wurde. Das ist sozusagen das Gesetzbuch, auf dem die Rechtsprechung des Presserats basiert.

Die Medien sind gehalten, solche «Stellungnahmen» zu publizieren. Woran sie sich immer weniger halten. Nicht, weil sie nicht kritikfähig wären. Sondern weil der Presserat immer realitätsferner urteilt.

Schon einer der ersten Artikel auf ZACKBUM befasste sich mit dem «Patient Presserat».  Seither ist er nicht wirklich gesünder geworden.

Zwischendurch als Packungsbeilage: der Autor wurde noch nie gerügt; einmal gelangte er an den Presserat mit dem Anliegen, ein Mitglied des erlauchten Gremiums zu rügen, das sich ungehörig öffentlich geäussert hatte. Überraschungsfrei wurde auf die Beschwerde mit gewundener Begründung nicht eingetreten.

Aktuelle Beschwerde gegen den «Tages-Anzeiger»

Aber zurück in die Aktualität. Mit Entscheidung 70/2021 heisst der Presserat eine Beschwerde gegen den «Tages-Anzeiger» gut:

«Die Tamedia-Publikationen (Online und gedruckte Versionen) haben mit dem Artikel «Kesb-Gutachten: Umstrittener Gutachter in Bedrängnis» respektive «Verstoss gegen die Berufsordnung» gegen die Ziffern 1 (Wahrheit) und 3 (Anhören bei schweren Vorwürfen) der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» verstossen.»

In seiner Begründung macht das Gremium einen Spagat, den nur von der journalistischen Praxis losgelöste Elfenbeinturmbewohner hinkriegen. In dem inkriminierten Artikel sei ein Vorwurf zwar mit Verweis auf einen früheren Artikel belegt worden. Ist die Kritik also nicht neu, reiche «nach der Praxis des Presserates eine Zusammenfassung aus». Aber: «In diesem Fall liegen aber die Informationen, auf die sich der Artikel bezieht, viel zu weit zurück.»

Weit ist durchaus relativ; der Artikel Anfang Dezember 2020 bezog sich auf einen Vorgänger vom April 2019. Ganz abgesehen davon, dass der Vorwurf «überrissene Rechnungsstellung» inhaltlich richtig ist.

Weiter wurde dem Beschwerdeführer im Artikel vorgehalten, er biete «psychiatrische» Dienstleistungen an, ohne über die entsprechende Qualifikation zu verfügen. Auch dieser Vorwurf ist richtig, aber der Presserat hat zu bemängeln, dass dem KESB-Gutachter nicht explizit Gelegenheit gegeben wurde, dazu Stellung zu nehmen.

Also sei sowohl gegen die Wahrheitspflicht wie gegen die Pflicht zum Anhören bei schweren Vorwürfen verstossen worden. Dass im Artikel eine ganze Latte weiterer mit Zeugenaussagen unterlegter Vorwürfe erhoben wird, die ein gelinde gesagt problematisches Bild von der Persönlichkeit und dem Verhalten des Gutachters malen, also eine Gesamtbeurteilung zulassen, ist dem Presserat schnurz.

Die gemassregelte Autorin streut Asche auf ihr Haupt: «Ich nehme diese Kritik des Presserats ernst und habe den gerügten Satz im Online-Artikel angepasst.»

Presserat Richtung «Fairmedia» unterwegs

Leider geht der Presserat immer mehr den gleichen Weg wie «Fairmedia». Anstatt schwachen Medienopfern gratis zu helfen, macht sich dieser Verein zum Sprachrohr einer umstrittenen Persönlichkeit, die ihr eigenes Schicksal zum Geschäftsmodell weiterentwickelt hat. Seine bedauerliche Verirrung mussten wir schon mehrfach rügen.

Solche Urteile, Gegendarstellungen, Kritiken am manchmal über die Stränge schlagenden Rüpel-Journalismus sind dringend nötig und wertvoll. Damit sie aber ihre Bedeutung und Wirkung behalten, müssen die Richter darauf achten, ihren eigenen Ruf nicht zu verspielen. Denn nur daraus beziehen sie eine gewisse Autorität. Daher sind solche Stellungnahmen sehr bedauerlich.

«stopittamedia.ch»: gestoppt

Heissa, mehr als 1000 Leute unterzeichneten einen anonymen Aufruf für Fairness. Der war aber sehr unfair, daher ist er weg.

Jolanda Spiess-Hegglin, ihr Fanclub und viele bewegte Gutmenschen kriegten sich fast nicht mehr ein. Der Hashtag «#stopittamedia» trendete mehrfach auf Platz eins in der Schweiz. Er ersetzte den sehr geschmackvollen Hashtag «#haltdiefressetamedia», der von vielen Kämpfern gegen Hass und Hetze im Internet als durchaus erlaubt und verständlich gelobt wurde.

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Allerdings soll es den einen oder anderen gegeben haben, der «halt die Fresse» nun doch nicht als Ausdruck von Anstand und guten Sitten im Internet empfand. Obwohl natürlich gegen das Böse auch böse Mittel erlaubt sein müssen. Im Gegensatz zu Bösem gegen das Gute, da ist’s dann verboten. Das Verbot wird übrigens von den Gleichen erlassen, die auch dekretieren, was gut und was böse ist.

Da war’s noch im Netz …

Aber «stopittamedia» ist vielleicht etwas sperrig als Formulierung, dafür inhaltlich so weit okay. Was genau soll denn Tamedia stoppen? Also im Prinzip den bösen Plan von Michèle Binswanger, ein Rechercheprojekt in Buchform zu publizieren.

Eigentlich kennt man einen noch nicht veröffentlichten und wohl auch noch nicht geschriebenen Inhalt normalerweise im Vornherein nicht. Ausser, man kann’s sich denken. Und Denkkontrolle, das war schon immer der feuchte Traum aller Anhänger totalitärer Systeme.

Also wurde hier «fairer Journalismus» gefordert, konkret ein «Ende der Kampagne gegen Jolanda Spiess-Hegglin». Was das eine mit dem anderen zu tun hat, worin diese «Kampagne» genau bestünde, das erschloss sich auch nicht aus einer ellenlangen Erläuterung.

Kurzentschlossener Kurzdenker gaben ihre Unterschrift

Kurzentschlossen unterzeichneten mehr als 1000 Kurzdenker diesen «Aufruf». Spiess-Hegglin oder «Fairmedia» legten Wert auf die Feststellung, dass sie damit nichts zu tun hätten. Obwohl die eine Thema des Aufrufs ist und der Hilfsverein für Geldsammlungen für JSH mit einem «Spende»-Button auf der Webseite vertreten war.

Aber das hinderte auch Prominente wie Claude Longchamps nicht, zu unterzeichnen. Kampffeminist Hansi Voigt war sowieso dabei und rührte wie viele andere kräftig die Werbetrommel für diese Aktion.

Sie selbst hatte allerdings mit Fairness im Journalismus oder im Internet nichts am Hut. Denn dazu würde gehören, dass sich der oder die Urheber dieses Aufrufs namentlich outen würden. Das nennt man Impressum, das nennt man Verantwortung übernehmen, das nennt man mit offenem Visier kämpfen.

Gerade solche Fairness-Kreischer sind immer die Ersten, die gegen anonyme Heckenschützen, Komitees und Querschläger motzen, die sich nicht mal trauen, mit Name und Gesicht hinzustehen.

Schlaumeiereien zwecks Verschleierung

Die Macher von «stopit» meinten aber, ganz schlau ihre Identität verbergen zu können. Denn jede Webseite, so geordnet geht es dann doch im Internet zu, muss registriert werden. Dazu wählten sie eine deutsche Bude in Bonn, wo doch für eine .ch-Seite ein Schweizer Registrar naheliegend wäre. Aber die deutsche Bude hatte den weiteren Vorteil, dass sie eigentlich einer US-Bude gehört.

Nachfragen nach dem Eigentümer der Webseite wurden also an «tucowsdomain» weitergeleitet. Aber, blöd auch, selbst in den USA weiss man um Regeln im Wilden Weltweiten Web. Dazu gehört, dass bei einer ordentlichen Anfrage der Eigentümer, Betreiber, wirtschaftlich Berechtigte, Verantwortliche einer Webseite die Maske fallenlasen muss.

Oder eben nicht, aber dann passiert Folgendes:

«we are giving the registrant 15 days to comply with the imprint request. Otherwise, the domain will be suspended.»

Auf Deutsch: der Besitzer wurde aufgefordert, innerhalb von 15 Tagen der Nachfrage nach einem Impressum nachzukommen – oder die Webseite werde eingestellt, abgestellt, abgeschaltet.

Vorher: grossmäulige Forderung.

Nun war der Veranstalter des Aufrufs zur Fairness offensichtlich nicht bereit, so viel Fairness walten zu lassen. Denn das ist halt so mit Fairness. Fordern ist immer viel, viel einfacher, als die Forderung selbst erfüllen.

Nachher: das Logo wurde zur Prophezeiung.

Also ist die Webseite wieder weg, mitsamt mehr als 1000 Unterschriften von Trotteln, die keine Sekunde nachdenken, bevor sie etwas unterschreiben. Leider wird nun die Welt nie erfahren, wer denn die feigen Veranstalter gewesen sind.

Schade aber auch, denn die Gesichter dieser anonymen Feiglinge hätte man gerne gesehen, als sie die Aufforderung ereilte, sich zu ihrem Tun zu bekennen.

Hätten sie etwas Pfupf im Füdli, etwas Stehvermögen, etwas Ehre im Leib, hätten sie sich doch tapfer erklärt, um ihr Anliegen weiterhin im Netz zu behalten. Aber eben, Bekennertum ist nicht so die Sache von anonymen Krakeelern. Seien das Mitarbeiter des «Megafon» oder Kämpfer für mehr Fairness im Journalismus.

Wer stoppt «Fairmedia»?

Angetreten, um kleinen Opfern gegen grosse Medienhäuser zu helfen, ist «Fairmedia» inzwischen völlig von der Rolle.

Papier ist geduldig, aber knapp. Der Platz im Internet leider nicht. Also spuckt «Fairmedia» dort grosse Töne: «Der unabhängige Verein versteht sich als Kompetenzzentrum in Medienrecht und Medienethik und gibt zu diesen Themen auch Kurse und Trainings an Institutionen und Schulen

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Was macht das Kompetenzzentrum noch? «​​​​​​​Wir helfen Ihnen dabei, eine Beschwerde beim Presserat einzureichen, eine Gegendarstellung einzufordern und bieten Unterstützung bei allen Fragen rund um Medienethik und Medienrecht.»

Noch gesalbter hat’s die neue Präsidentin Catherine Thommen: «Fairmedia mischt sich aktiv in die Debatte ein und setzt sich für die Einhaltung der journalistischen Grundregeln ein.»

Wunderbare Theorie, konträr dazu die Praxis

«Einhaltung journalistischer Grundregeln»? Wenn der Geschäftsführer der Gurkentruppe eine Behauptung einer anonymen Gurkentruppe namens «Megafon» für bare Münze nimmt, dass die «SonntagsZeitung» angeblich eine «Anhängerin der QAnon-Sekte» porträtiere, ohne das im Text zu erwähnen.

Einfach abgeschrieben und für bare Münze genommen.

Hat Jeremias Schulthess mit der angeblichen Sektiererin gesprochen? Hat er mit der Autorin des Artikels gesprochen? Hat er die banalsten handwerklichen Regeln eingehalten? Hätte er das getan, wie ZACKBUM, hätte er immerhin einräumen müssen, dass sich die so Geschmähte dagegen verwahrt. In anständigem Journalismus bekommt der Angepinkelte immer Gelegenheit zur Stellungnahme.

So wie Schulthess von ZACKBUM, dazu später. Aber hier?

Nichts, null, kein Anstand, keine Ehre, Schmierenjournalismus, copy/paste. Eigentlich ein Fall für «Fairmedia».

«Kompetenzzentrum in Medienrecht und Medienethik»? Was sagt das Kompetenzzentrum denn, wenn eine in der Öffentlichkeit stehende Netzaktivistin schon wieder einen Prozess verliert? Wenn im Urteil des vorangehenden deutsch und deutlich steht: «Alle Anträge abgelehnt?» Dann behauptet das Kompetenzzentrum, das sei anders.

«Helfen bei Beschwerden an den Presserat»? Am liebsten verfasst aber Schulhess, obwohl eingestandenermassen juristisch nicht vorbelastet, selber Beschwerden an den Presserat. Die sind entsprechend lachhaft.

Aktiv Spenden sammeln und Spenden sammeln und …

Schliesslich mische sich «Fairmedia» aktiv in die Debatte ein. Das stimmt immerhin, nur an der Seite der falschen Person. Denn bereits zum zweiten Mal, diesmal sogar mit eigener Webseite, sammelt «Fairmedia» Geld für eine konfliktlive Bewirtschafterin des eigenen Themas mit eigenem Fanclub, die es nun wahrlich nicht nötig hätte, dass dieser Verein sich in die Vollen wirft, um für sie Kohle einzutreiben.

Das sehen selbst ihre ehemaligen Co-Präsidentinnen inzwischen anders …

Zunächst einmal 60’000, damit angeblich Prozesse um Gewinnherausgabe weitergeführt werden könnten. Wie genau wurde das Geld denn verwendet? Da wird Schulthess ganz schmallippig:

«Gegenüber unseren Spender:innen kommunizieren wir transparent über die Verwendung der Spendengelder.»

Und was genau soll mit der Kohle passieren, die aktuell vom «Team Jolanda» aka «Fairmedia»,  gesammelt wird? «Wenn JSH in diesem Verfahren vor BGer erfolgreich ist, resp. etwas von dem Geld übrig bleibt, kann dieses Geld für andere juristische Auseinandersetzungen zugunsten von JSH und/oder anderen „Medienopfern“ verwendet werden.»

Das ist mal eine transparente Zweckbestimmung von Spendengeld, aber hallo.

Lernfähig, offen für Korrekturen? Niemals

Ist «Fairmedia» wenigstens einsichtsfähig, korrigiert man Fehler? Zum Beispiel die QAnon-Verleumdungs-Ente? «Den Vorwurf, wir würden Falschmeldungen verbreiten, kann ich leider nicht nachvollziehen. Alle Aussagen in unserem Beitrag werden sehr klar und transparent belegt.»

Korrektur der Fehlmeinung, die von «Fairmedia» unterstützte Person habe eine Prozess gewonnen, den sie in Wirklichkeit verloren hat? «Sie ist entgegen Ihrer Aussage beim «Blick»-Urteil nicht «gescheitert». Das Zuger Obergericht gab ihr in den wesentlichen Punkten recht.»

Oder wie das im Urteil steht:

«Die Berufung der Klägerin (eben der Schutzbefohlenen von «Fairmedia») wird abgewiesen.»

Man muss nicht einmal einen Hörsaal besucht haben, in dem vorher eine Jus-Vorlesung stattfand, um zu kapieren: abgewiesen heisst abgewiesen. Abgelehnt. Verloren. In allen wesentlichen und in allen unwesentlichen Punkten.

stop it, «stopittamedia.ch»

Auf einer anonymen Webseite namens «stopittamedia.ch» wurden Unterschriften gegen den Medienkonzern gesammelt – und fleissig auf allen Kanälen von interessierten Kreisen dafür getrommelt. Nur: Die Webseite verfügte über keinen Ansprechpartner, keine Adresse, keinen Verantwortlichen. Man konnte nur seine Unterschrift absondern – und auf einen Spenden-Button drücken, der zu «Team Jolanda» von «Fairmedia» führte. Der Verein bestreitet aber, damit zu tun zu haben: «Wir haben keinen Aufruf in diese Richtung lanciert und befinden uns auch nicht unter den Unterstützer:innen des Aufrufs.»

Da aber solche anonymen Dreckeleien im Internet nicht mehr gehen, wurde die Webseite inzwischen gesperrt. Der Betreiber hatte sich geweigert, sich auf Aufforderung zu erkennen zu geben. Offenbar hatte er geglaubt, sich über einen deutschen Registrar und dessen US-Mutterfirma genügend verstecken zu können. Ein weiteres typisches Beispiel, wie interessierte Kreise anonym losballern – obwohl sie sonst immer so für Transparenz sind, nichts mehr hassen als anonyme Heckenschützen im Internet.

Damit sind natürlich alle angeblich über 1000 Unterzeichner angeschmiert. Sollten sich halt das nächste Mal besser überlegen, wofür sie ihre Unterschrift hergeben.

Wir fassen «Fairmedia» zusammen:

  • Kompetenzzentrum? Im Gegenteil, bedenklich inkompetent.
  • Kurse und Trainings? Die armen Studenten, fehlinformiert, fehlgeleitet.
  • Beschwerde beim Presserat? Macht der Verein lieber selber in eigener Sache.
  • Einmischung in die Debatte? Oh ja, aber auf welcher Seite und mit wem.
  • Einforderung journalistischer Grundregeln? Sicher nicht bei sich selbst.

Das ist ein Bild des Jammers, den dieser Verein abgibt. Dabei sind namhafte Persönlichkeiten dabei. Die eigentlich einen Ruf zu verlieren haben. Wollen die das?

Kein Problem mit «Fairmedia»?

 

 

 

 

 

«Fairmedia» wird unfair

Der Verein «Fairmedia» vergreift sich bei der Wahl der Unterstützungsbedürftigen.

Von Adrian Venetz

Wer schon einmal vor Gericht stand oder stehen musste, dürfte vor allem dies in Erinnerung behalten haben: Es ist kompliziert, es ist zeitaufwendig. Und es kann verdammt teuer werden. Mir blieben solche Erfahrungen bislang gottlob erspart. Als Journalist hatte ich den vergangenen 20 Jahren aber dutzendfach mit Menschen zu tun, die – oft gänzlich unschuldig – in die Mühlen der Justiz geraten waren.

Und die daran fast zerbrachen: weil sie den Juristenjargon in den Urteilen nicht verstanden und sich dumm fühlten; weil sie den Ausführungen ihres Anwalts nicht folgen konnten; weil sie nicht verstanden, warum alles so lange dauert und so viel kostet. Und vor allem: Weil sie in ständiger Sorge lebten, dass der finanzielle Aufwand ihnen das Genick bricht.

Dank verschiedenen Institutionen, Stiftungen und Vereinen gibt es niederschwellige Angebote, beispielsweise in Form von unentgeltlicher Rechtsberatung. Auch der Basler Verein «Fairmedia» gehört dazu. Bekannte Gesichter und Namen wie Catherine Thommen und Peter Bertschi finden sich im Vorstand. Mit Spenden und Mitgliedschaften kann der Verein unterstützt werden. Laut eigenen Angaben bildet der Verein mit Geschäftsstelle eine «kostenlose Anlaufstelle für Betroffene von Medienberichten». Das ist rühmlich. Sehr sogar. Zu viele Menschen sind schlicht überfordert, wenn sie es mit Boulevardmedien und der Justiz zu tun kriegen.

Nun ruft der Verein zu einer grossen Sammelaktion auf. Auf der Website von «Fairmedia» wurde sogar extra eine Menüpunkt dafür geschaffen. Noch nie hat der Verein derart offensiv um Unterstützung geworben. Und wem kommt das Geld zugute? Einfachen Menschen, die sich finanziell kaum über Wasser halten können und sich plötzlich mit Medienrecht befassen müssen? Menschen, die niemand kennt und die sich nichts sehnlicher wünschen als eine helfende Hand in einem Rechtsstreit? Nein.

Dieses plötzliche Aufbäumen des Vereins, diese grosse Sammelaktion kommt nicht ihnen zugute, sondern dient als Finanzierung für den Rechtsstreit von Jolanda Spiess-Hegglin. Der neu geschaffene Menüpunkt heisst «Team Jolanda». Das ist weniger löblich. Das ist vielmehr ein Hohn für all jene, die wirklich juristische Hilfe brauchen und sich kaum ein 10-minütiges Gespräch mit einem Provinzanwalt leisten können. Menschen, die niemals einen eigenen Menüpunkt auf einer Website erhalten werden, weil kein Schwein sie kennt und kein Schwein sich für sie interessiert.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Berufung ans Bundesgericht völlig aussichtslos und reine Geldverschwendung ist.

Und genau das, liebe Freunde von Fairmedia, ist nicht löblich, sondern ekelhaft.

Die Gesinnungstäter von Unfair-Media

«Fairmedia» will sich für «die Einhaltung journalistischer Grundprinzipien» einsetzen. Da das der Verein nicht kann, sollte er aufgelöst werden.

Grossmäuligkeit kostet nichts: «Fairmedia hilft allen Betroffenen von unfairer Medienberichterstattung. Die Beratungen sind kostenlos.» Hinzu kommt ein durch nichts gerechtfertigtes Selbstbewusstsein:

«Der unabhängige Verein versteht sich als Kompetenzzentrum in Medienrecht und Medienethik und gibt zu diesen Themen auch Kurse und Trainings an Institutionen und Schulen.»

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Gurkentruppe mit einem verhaltensauffälligen «Geschäftsführer». Der trompetet schon mal heraus: ««SonntagsZeitung» porträtiert QAnon-Sympathisantin – ohne das im Text zu erwähnen.»

Was Jeremias Schulthess nicht erwähnt: Er bezog sich dabei auf eine anonyme Denunziation der vertrauenerweckenden Quelle «Megaphon Reitschule». ZACKBUM versuchte – sogar kostenlos –, dem Verein ein paar Grundlagen der Medienethik nahe zu bringen; zum Beispiel, dass es doch nicht schlecht wäre, die Behauptungen einer der anonymen Dreckschleudern auf Twitter zu überprüfen. Oder der von dieser Verleumdung Betroffenen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

Das sah Schulthess aber, in seiner kursorischen Antwort auf präzise Fragen, entschieden anders: «Den Vorwurf, wir würden Falschmeldungen verbreiten, kann ich leider nicht nachvollziehen. Alle Aussagen in unserem Beitrag werden sehr klar und transparent belegt.»

Gut, in solchen Fällen kann man nur hoffen, dass sich ohne ärztliche Unterstützung der Kontakt zur Realität wieder aufbauen lässt. «Fairmedia» hält bis heute an allem Unsinn fest, den der Verein über diesen Fall publiziert hat.

Man könnte vielleicht noch leise hoffen, dass es sich um einen einmaligen Ausrutscher handelte; schliesslich hat der Geschäftsführer vorher bei der «TagesWoche» gearbeitet. Und bei diesem Millionengrab war es ja – siehe Beschiss bei der Printauflage – mit Medienethik nicht weit her. Und anständig recherchieren konnte man dort auch nicht lernen.

An der Seite von Jolanda Spiess-Hegglin

Aber leider müssen wir inzwischen vom Gesetz der Serie sprechen. Seite an Seite mit dem eher unappetitlichen Fanclub von Jolanda Spiess-Hegglin zog «Fairmedia» gegen eine Tagi-Journalistin zu Felde, die dort in Ungnade gefallen ist. Besonders beim Kompetenzzentrum für Medienethik Hansi Voigt.

Spiess-Hegglin und ihren Fans fühlt sich «Fairmedia» in aller gebotenen Objektivität schon länger verbunden: «Fairmedia sucht Unterstützer*innen, die Jolanda Spiess-Hegglin mit einem Vorschuss aushelfen. Dieser benötigt sie, um eine Entschuldigung des Blick einzufordern und Ringier auf Schadenersatz und Gewinnherausgabe einzuklagen.» So der wohl über jede Wächterrolle hinausgehende Spendenaufruf in nicht völlig korrektem Deutsch, obwohl das Gendersternchen sitzt.

Nach dem Hinterlassen des Millionengrabs «watson» verröstet Spiess-Hegglin-Fan Voigt aktuell mit «bajour» das Geld einer schlecht beratenen Milliardenerbin. Das könnte noch deren Problem sein, aber wenn ein Organ die besondere Betreuung von «Fairmedia» bräuchte, inklusive Kurse und Trainings, dann wäre es – «bajour». Während Voigt sonst immer furchtbar ethisch am Teetisch sitzt, weist Christian Mensch in der «Schweiz am Wochenende» zu recht darauf hin, dass dieses Randgruppenmedium schon längst «ein Fall für Fairmedia» sein müsste.

«Wenn Du dich zum Fall äussern möchtest, kannst du *** gerne kontaktieren. Auch anonym.»

Vorverurteilung und Aufruf zur anonymen Denunziation im Fall eines Basler Grafikers, dem in Leipzig wegen angeblichen «Übergriffen» gekündigt wurde. Das ist übelster Gossenjournalismus, aber mit der richtigen Gesinnung.

«Die Bajour-Berichterstattung liest sich nun, als stände Bajour selbst vor den Schranken des Gerichts. Man stelle sich vor, ähnlich würde über eine Pnos-Anhängerschaft berichtet.» So kritisiert Mensch die völlig distanzlose Parteinahme bei den sogenannten Nazifrei-Prozessen gegen linke Politaktivisten. Ein letztes übelriechendes Müsterchen aus dem ethisch hochstehenden Schaffen des Blödblatts: «Denunziation von Immobilienbesitzern, die möglicherweise eine «Massenkündigung» planten. «Rasterfahndung» nennt Bajour selbst das Verfahren, offenkundig völlig blind, was dieser Begriff historisch bedeutet», echauffiert sich Mensch.

Da der Verein «Fairmedia» auch in Basel sitzt, wäre es doch ein Leichtes für ihn, mal vor der eigenen Türe zu kehren. Aber da hindern die Scheuklappen davor, die grossen Töne auch dort umzusetzen, wo man selber ideologisch beheimatet ist. Da inquisitorisch nachzuhaken, wie das Schulthess beim Tagi tut? Auf keinen Fall.

Verein mit Schneckentempo

Aber: Ein Verein, der sich angeblich für Medienethik und die Einhaltung von Regeln einsetzen will, das aber nur sehr selektiv und in einer Richtung tut, hat jede Glaubwürdigkeit verloren und damit seine Existenzberechtigung. Auch von der neuen sich mit Trara vorstellenden Präsidentin Catherine Thommen war noch kein Ton zu dieser Sittenverluderung zu vernehmen. Dafür blubbert sie Lachschlager wie diesen: «In den sozialen Medien ist es einfach, sich in der eigenen Bubble zu bewegen.» Wohl wahr, das gilt aber auch für «Fairmedia».

Statt sich um solche offenkundigen und naheliegenden Ausraster wie bei Voigts «bajour» zu kümmern, wächst der «Geschäftsführer» des Vereins immer mehr in seine Rolle als selbstherrlicher Rächer angeblicher Opfer hinein. In der Berichterstattung von «20 Minuten» und im «Blick» über ein Tötungsdelikt an einer 22-Jährigen meint Schulthess «eine krasse Persönlichkeitsverletzung» entdeckt zu haben.

Deshalb hat er gleich zwei Beschwerden in dieser Sache beim Presserat eingereicht. Wie er einräumt, immerhin diesmal konkret auf die Fragen von ZACKBUM antwortend: «Die Presseratsbeschwerde habe ich – als Nicht-Jurist – vollumfänglich selbst verfasst.» Nun, wer keine Ahnung von ethisch vertretbarem Journalismus hat, kann doch auch keine Ahnung von Jurisprudenz haben. Was zählt, ist einmal mehr die gute Absicht.

ZACKBUM wollte dann noch wissen, wie es hier eigentlich mit den Kosten steht. Denn der Presserat verlangt laut seinem Geschäftsreglement von Organisationen – im Gegensatz zum individuellen Beschwerdeführer – eine Unkostenbeteiligung von Fr. 1000.- pro Beschwerde. Allerdings hat hier die Geschäftsstelle des Presserats die Möglichkeit, darauf zu verzichten.

Da wir, im Gegensatz zu Voigt, «Fairmedia» und vielen anderen Heuchlern immer allen Beteiligten die Gelegenheit zur Stellungnahme geben, fragten wir also beim Presserat an, wie es denn bei diesen Beschwerden durch einen Verein finanziell aussehe. Das brachte uns eine Antwort der Geschäftsführerin ein, die ausführliche Zitierung wert ist:

«Ich bestätige Ihnen, dass die zwei von Fairmedia erwähnten Beschwerden beim Presserat eingegangen sind. Zur Frage der Verfahrenskosten: Gemäss Art. 20 Abs. 2 Geschäftsreglement wird Beschwerdeführenden, die sich anwaltlich vertreten lassen, sowie Organisationen, Unternehmen und Institutionen eine Kostenbeteiligung von 1000 CHF in Rechnung gestellt. Gestützt auf ein begründetes Gesuch kann diese Gebühr erlassen werden. Der Entscheid über den Erlass erfolgt in Absprache mit dem Gesamtpräsidium. Der endgültige Entscheid obliegt der Geschäftsstelle. Zu konkreten – hängigen – Beschwerdeverfahren äussert sich der Presserat nicht.»

Darüber hinaus bittet die Juristin doch tatsächlich darum, «allfällige Zitate vorab zur Autorisierung zuzuschicken». Sie will ihre Zitate aus dem eigenen Geschäftsreglement autorisieren? Absurd, aber sicherlich Ausdruck einer gewissen Nervosität.

Ist «Fairmedia» auskunftsfreudiger? «Wir sind eine gemeinnützige Organisation, die sich für Betroffene von unfairer Medienberichterstattung einsetzt. Wir sind durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert und verfügen über ein sehr kleines Budget. Deshalb haben wir beim Presserat eine Befreiung der Verfahrenskosten beantragt.»

Medienethik kann sich nicht um Kleinigkeiten kümmern

Immerhin. Nun bleiben allerdings bloss ein paar rechtliche Kleinigkeiten auf der Strecke. Wie kann eine gemeinnützige Organisation gleichzeitig – natürlich honoriert – «Kurse, Medientrainings, Workshops» und Beratungen jeder Art anbieten, damit gutes Geld verdienen – und gleichzeitig unter Berufung auf Gemeinnützigkeit, womit wohl eher Eigennutz gemeint ist, um den Erlass von 2000 Franken quengeln?

Für zwei Beschwerden, die selbst beim ebenfalls einäugigen Presserat kaum Chancen haben? Zudem schreibt Schulthess, dass er diese Beschwerden selbst verfasst habe. Kann man daraus schliessen, dass er sie auch selbst unterzeichnet hat? Wenn ja, hätten sie sich schon damit erledigt. Denn da es die Position eines «Geschäftsführers» in den Vereinsstatuten gar nicht gibt, ist der auch nicht zeichnungsberechtigt.

Denn im Sinne der Transparenz sind sie einsehbar. Dort heisst es glasklar: «Die Organe des Vereins sind a. Generalversammlung, b. Vorstand». Dann heisst es noch glasklarer: «Die rechtsverbindliche Unterschrift führen der Vereinspräsident oder die Vizepräsidentin zu­sammen mit einem weiteren Mitglied des Vorstandes.»

Geschäftsführer? Rechtsverbindlich? Über solchen Pipifax hat sich offenbar dieses «Kompetenzzentrum» keine Gedanken gemacht.

Wir fassen zusammen: Gurkentruppe, gegen aussen vertreten durch einen gar nicht vorgesehenen Geschäftsführer. Gegen den das Kompetenzzentrum auch wegen Persönlichkeitsverletzung vorgehen sollte. Aber der eigenen.

Dass all die teilweise hochwohllöblichen Mitglieder des Vorstand, des Patronatskomitees, die wohl schon einen guten Teil aller Mitglieder bilden, zusehen wollen, wie auch – wenn vorhanden – ihre Reputation den Bach runtergeht, peinlich. Umso schneller dieser Schandfleck verschwindet, desto besser für die Medienethik.