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Wumms: Reise-Molina

Das Schönste am Parlamentarierleben ist das Reisli.

Sein vorsitzender Genosse Cédric Wermuth glüht schon mal für ein unscharfes Foto mit Olaf Scholz nach Berlin – obwohl der SP-Genosse alle Kurzstreckenflüge in Europa verbieten will. Theorie und Praxis, muss man dialektisch sehen.

Einen weiten Hopser gönnt sich sein Parteikollege Fabian Molina. Denn etwas über 9600 km ist Bern von Taipeh entfernt, der taiwanesischen Hauptstadt. Will man die Distanz klimaneutraler mit dem Auto zurücklegen, braucht man für die dann 12’000 km rund 210 Stunden. Aber so viel Zeit hat ein eiliger Nationalrat natürlich nicht, also wird Molina fliegen.

Mit an Bord sind Nicolas Walder (Grüne/GE), sowie Mustafa Atici (SP/BS), Léonore Porchet (Grüne/VD) und Yves Nidegger (SVP/GE). Das gibt dann ganz schön Flugmeilen, die selbstverständlich abgegeben und nicht etwa privat verwendet werden. Oder?

Molina ist einer der vielen Co-Präsidenten der parlamentarischen Gruppe Schweiz – Taiwan. Nun ist es bekanntlich so, dass Taiwan-Besuche von China nicht gerne gesehen werden, weil der Festland-Riese den Insel-Zwerg zu seinem Staatsterritorium zählt. Heikle Situation also, genau das Richtige für den Spitzendiplomaten Molina, der auch gerne schwarzbekleidet in vermummten Demonstrantengruppen posiert, wenn er gegen den Faschismus in Zürich kämpft.

Aber sicherlich hat diese Reise einen wohlerwogenen Sinn. Molina: es handle sich um ein «Zeichen der Unterstützung für die Demokratie in Taiwan». Aha. Und wie wird sich das konkret äussern? Na, natürlich durch Treffen mit Politikern, Regierungs- und Parlamentsmitgliedern. Die werden sich über dieses Zeichen aus der fernen Schweiz sicher freuen.

Leider stehe es noch nicht fest, ob es auch für ein Treffen mit der taiwanesischen Präsidentin reiche, bedauert Molina. Dabei bräuchte auch die nichts mehr als ein Zeichen from Switzerland.

Aber immerhin, wenn’s denn wahr ist, den Flug und die Hotelkosten bezahlen alle selber. Woher der Berufspolitiker Molina nur das Geld hat; Multistop-Flüge Zürich – Taipeh sind hin und zurück kaum unter 2000 Franken zu haben. Economy, versteht sich.

Wer auch immer zahlt: rausgeschmissenes Geld ist es auf jeden Fall, und wir sind gespannt, in welcher Form die Kompensation für den unnötigen CO2-Ausstoss erfolgen wird.

 

Sonntags-Blues

Spass und Tollerei am Wochenende? Denkste.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Wir dachten, zur Abwechslung verpassen wir uns und unseren Lesern ein Wechselbad. Also NZZaS und «SonntagsBlick» als Gegenpole.

Aber oh Schreck, die NZZaS beginnt auch nicht viel besser als der SoBli. Nämlich mit dieser Schlagzeile:

Der unrasierte Herr rechts ist übrigens so ein Tschütteler, der sich wie Michael Jackson selig in den Schritt gefasst hat, was anscheinend die Serben nicht lustig finden. Ob das ein Grund ist, ihn von hinten (da fehlt dann sozusagen das Corpus Delicti) auf die Front zu hieven?

Aber von noch bescheidenerem Niveau ist der Aufmacher links. Dass das – nun ja – der FDP nicht feindlich gegenüberstehende Blatt den schwachen FDP-Aussenminister verteidigen will, verständlich. Aber drei Fachkräfte aus der Redaktion braucht es, um nicht in dröhnendes Gelächter auszubrechen, wenn der Urheber dieses Ersatzversuchs genannt wird: «SP-Aussenpolitiker Fabian Molina bläst vier Tage vor der Bundesratswahl zum Angriff auf die FDP», bangt und zagt die NZZaS.

Molina wage sich mit dem «Plazet der Parteileitung aus der Deckung», diesen Schluss lägen «Recherchen» nahe. Im Kaffeesatz? Oder hat die NZZaS etwa eine Wanze im Sitzungszimmer der Genossen platziert? Aber abgesehen davon, mal unter Erwachsenen: Wenn Molina, der Fan des Schwarzen Blocks und die ewige «ich fordere hier sofort»-Tröte etwas sagt, dann weiss man doch, dass ein Sack Reis in China, der umfällt, mehr Auswirkungen auf die Bundesratswahlen hat.

Ganz oben auf der Front wird’s allerdings schön bunt, tendenziell ausländerfeindlich und schrecklich:

«Brotlose Paradedisziplin Germanistik»? Das wüssten wir aber, da wir diese einzig wahre Wissenschaft studiert haben und in unserem Leben durchaus dem einen oder anderen Brotkanten begegneten. Dass dort die Studenten fehlen, nun ja, dass korrektes Deutsch, die Kenntnis einiger Schriftsteller und eine Ahnung von Stil aussterbende Kompetenzen sind, das merkt man auch ausserhalb der Germanistik. Dazu reicht es, jede beliebige Zeitung aufzuschlagen oder auch nur einen Artikel von Nora Zukker zu lesen.

Wobei auch Bettina Schulz aus London, die Brexit-Untergangssirene, mal wieder Schreckliches aus good ol› England zu vermelden hat. Da fragte doch eine Hofdame ein paar Mal nach, woher eine Teilnehmerin an einem royalen Empfang stamme, damit sie die allenfalls korrekt Mitgliedern der königlichen Familie vorstellen könnte.

Eine dunkelhäutige Trägerin von Dreadlocks (soweit politisch korrekt) gab spitz an, dass sie die Vertreterin einer Londoner Hilfsorganisation sei. Das reicht der Hofdame verständlicherweise nicht, und erst nach mehrfachem Nachfragen rückt die Schwarze damit heraus, dass sie ursprünglich aus Barbados sei. Soweit, so banal. Aber natürlich fühlt sich die Dreadlocks-Trägerin «verletzt» und twittert das auch. Dann kommt, was kommen musste. Geschrei, Entschuldigungen, die Hofdame tritt nach 60 Jahren im Amt zurück. Auch ein Ereignis, mit dem ein umfallender Reissack in China durchaus bedeutungsmässig mithalten kann.

ZACKBUM gesteht, nie hätten wir das erwartet: der SoBli verspricht zumindest auf der Front mehr:

Schneekanone, nette Fotomontage des Rennzwergs gegen den abgehalfterten Super-Ronaldo, eine fiese Attacke gegen die SP-Bundesratskandidatin Eva Herzog, und nur anschliessend riecht es etwas nach alten Socken mit der sich ewig über Rassismus beklagenden SRF-Quotenfrau Angélique Beldner und dem ewigen Anfängerthema «Unterwegs mit einem Blindenhund».

Auf Seite zwei geht’s dann aber niveaumässig in den Keller. Richtig geraten, Chefredaktor Gieri Cavelty ordnet in einem «Editorial» mal wieder die Welt als Wille und Wahn. Auch er muss sich an «30 Jahre EWR-Nein» abarbeiten. Natürlich findet er das auch heute noch ziemlich scheisse. Das muss er auch, denn ohne Blocher-Beschimpfung (natürlich gegen Papa und Tochter, die beide im Gegensatz zu Cavelty sowohl politisch wie unternehmerisch erfolgreich unterwegs sind) geht’s nicht. Sonst würde aus dem fernen Berlin der Blitz herniederfahren und Cavelty würde dem RAV anheim fallen.

Das will er verhindern, indem er sich am Schluss zu einem kühnen Vergleich ermannt: «Der Schweiz bleibt nur noch eine Wahl, die keine ist.» Hä? Nein, nicht grübeln, das ist halt Cavelty. Welche bleibt ihr denn nicht? «Möchte sie mit «fremden Richtern» kooperieren oder mit fremden Henkern?» Hä? Wer damit gemeint ist, kann man aus der Fussnote erahnen: «Unsere Berichterstattung zu China finden Sie auf den Seiten …»

Wir versuchen vergeblich zu verstehen. Die Schweiz hat eine Wahl, die keine ist. Also keine Wahl. Oder doch die Wahl zwischen Richtern oder Henkern. Richter ist die EU, Henker China. Wir hätten da einen Schweizer Kompromissvorschlag: wieso kooperiert die Schweiz nicht wahllos mit richtenden Henkern oder henkenden Richtern?

Anschliessend kommt ein Beitrag zum Thema «so genau wollten wir das gar nicht wissen». Aber wenn man wenig Platz hat, noch weniger Ideen, ihn aber dennoch füllen muss, dann kommt so eine Seite heraus:

Immerhin schön bunt.

Doch vom Blatt der Richter und Henker zurück zum Blatt der Dichter und Denker. Dort weiss Nachwuchs-Journalist Fabian Kretschmer aus Peking wieder etwas ganz genau:

Bange Frage: ob Xi das auch weiss? Noch bangere Frage: wird Xi das freiwillig tun, oder muss Kretschmer ihn dazu zwingen?

Ein ganz anderes Schicksal hat Markus Bernath zu schultern. 18 Jahre lang schrieb er für den Wiener «Standard», seit 2018 sitzt er am Futtertrog der NZZaS. Obwohl bei ihm harte Fränkli im Kässeli klingeln und er leiwand in Wien lebt, hat er’s nicht leicht. Denn er leidet und jammert. Muss man sich mal vorstellen, welche Härten dieser Mann durchstehen muss:

«Ich schlafe mit Schal und in Skiunterwäsche … Wir heizen nur noch zweimal am Tag – morgens eine Stunde zum Frühstück, bis die Kinder fertig für die Schule sind, abends eineinhalb Stunden zum Nachtessen. Eine warme Wohnung ist Luxus geworden.»

ZACKBUM bittet seine Leser inständig, das von der NZZaS sicherlich demnächst eingerichtete Spendenkonto «Schenkt Wärme für Bernath» in weihnachtlicher Stimmung zu berücksichtigen. Aber immerhin, für eine Bestellung bei Amazon hat’s noch knapp gereicht.

«Eine ukrainische Fahne steckte im Päckchen, blau-gelb, eineinhalb Meter breit. … Ich werde sie aus dem Fenster im Wohnzimmer hängen, damit ich weiss, warum ich in dieser Wohnung fröstle.»

Man kann nur hoffen, dass Bernath das Fenster wieder schliesst, nachdem er sein Wissen, wieso er fröstle, aus dem Fenster gehängt hat. ZACKBUM als Schiedsrichter sagt: SoBli-Cavelty gegen NZZaS-Bernath: eins zu eins.

ZACKBUM fügt hinzu: Wir wussten gar nicht, dass das Haus NZZ seine Redakteure so lausig entlöhnt. Hoffentlich sorgt der 13. bei Bernaths für beheizte Weihnachten. Sonst könnte vielleicht der Weihnachtsbaum, kleingehackt …

Dass es auch Menschen mit echten Problemen auf der Welt gibt, illustriert die NZZaS dann gleich auf der nächsten Seite:

ZACKBUM spielt leise mit dem Gedanken, ob die Einführung der Scharia im Journalismus etwas nützen würde; also zum Beispiel zehn Schläge auf die nackten Fusssohlen bei unterirdischen Artikeln. Aber als Gegner jeder körperliche Züchtigung …

Wobei, auf der Seite «Meinungen» schreiben Aline Wanner und Patrick Imhasly. Der beweist wieder einmal einen alten Satz von Karl Kraus: keinen Gedanken haben und den nicht ausdrücken können, das macht den Journalisten aus. Duftmarke: «Weihnachten steht an, und wenn man durch die Innenstädte schlendert, spürt man, wie die Konsumlust …» Man fragt sich, wie oft dieser Satz in der stolzen und langen Geschichte der NZZ bereits rezykliert wurde. Nein, man will sich lieber nicht fragen. Und der Gedanke an Scharia keimt wieder auf …

Ach, hier noch ein Artikel zum Nachdenken für Bernath:

Nun sind wir gespannt, ob der SoBli noch etwas Tiefergelegtes nachlegen kann. Er kann:

Offensichtlich hat das Haus Ringier etwas gegen diese SP-Bundesratskandidatin. Ob man die Niederlage mit dem Basler «Blick» noch nicht verdaut hat? Man weiss es nicht. Aber man weiss: wenn die «Blick»-Koryphäe Reza Rafi mit der «bajour»-Koryphäe Andrea Fopp eine «Recherche» präsentiert, hilft nur eins: schnell umblättern.

Aber damit kommt man vom Regen in die Jauche:

Wie ein Bezahlorgan einen solchen Unsinns-Satz noch hervorgehoben und unwidersprochen publizieren kann, lässt nun wirklich ernsthaft am IQ aller Beteiligten zweifeln:

Endlich, der Goldesel lebt, König Midas lebt, schon vor Weihnachten ist ein Wunder geschehen. Und morgen erzählen wir ein anderes Märchen.

Jetzt aber geben wir erschöpft auf und machen uns daran, weniger einzuzahlen und dafür mehr zu erhalten. Ach, oben steht mal wieder unser Spendenaufruf …

 

Wumms: Fabian Molina

Unglaublich, was sich im Nationalrat rumtreibt.

Fabian Molina, wir mussten das schon mehrfach feststellen, twittert schneller als er denken kann. Gibt es einen Skandal, eine Ungerechtigkeit, mangelnde Solidarität oder ein demokratisches Abstimmungsergebnis zu bekrähen, zu bekritteln, kann man wohlfeile, unrealistische, billige, populistische Sprüche machen: da ist keiner schneller – und dümmer – als Molina.

Neustes Beispiel:

Das kommt halt davon, wenn man die Nachbefragung von «20 Minuten» und Tamedia schnell überfliegt und sich was zusammenbastelt. Molina nimmt diese Auswertung:

Und mixt sie mit dieser:

Dabei lässt er ausser Acht, dass intelligentere Altersgenossen von ihm die Zusatzfinanzierung ebenfalls angenommen haben. Während es nur bei den 50 – 64-Jährigen ein Patt gab, haben alle Altersklassen angenommen. Aber «alte Männer mit Einkommen über 9000 Franken» hört sich halt klassenkämpferisch besser an als «alle».

Und diese Auswertung ist auch seiner Aufmerksamkeit entgangen:

Umso höher das Bildungsniveau, desto grösser die Zustimmung. Aber für Molinas unqualifizierte Rülpser braucht es halt keine spezielle Qualifikation.

Alles Taiwan oder was

Was passiert, wenn unvorbereitete Politiker und Journis auf ein neues Thema stossen?

Fürchterliches. Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock, die gerne schneller spricht als denkt, wurde im grossen Saal der UNO grundsätzlich: «Wir akzeptieren nicht, wenn das internationale Recht gebrochen wird und ein grösserer Nachbar völkerrechtswidrig seinen kleineren Nachbarn überfällt – und das gilt natürlich auch für China

Leider teilte Baerbock nicht mit, ob das auch für ihren NATO-Partner Türkei gelte, der bekanntlich seinen Nachbarn Syrien überfallen hat. Oder für den grossen Bruder USA, die ebenfalls völkerrechtswidrig auf Kuba eine Militärbasis unterhalten, wo im rechtsfreien Raum angebliche Terroristen jahrelang ohne Gerichtsverfahren gefangen gehalten werden.

Vielleicht schützt Baerbock ihre Jugend, weshalb sie sich möglicherweise nie über die unzähligen Überfälle der USA in Zentral- und Lateinamerika geäussert hat.

Wo Politiker Gelegenheit zu Dummschwätzen sehen, ist einer nie weit weg. Richtig, der SP-Nationalrat und Spassflieger Fabian Molina. Der fordert forsch:

«Es ist höchste Zeit, dass auch die Schweiz ihre Haltung gegenüber Taiwan revidiert!»

Welche Haltung denn? Die Schweiz hat doch die gleiche Haltung wie die USA gegenüber Taiwan. Nämlich die Haltung eines Wackelpuddings. Die Haltung eines klaren «einerseits, andererseits, aber dann doch nicht». Einerseits schätzt man Taiwan als Handelspartner und als Stachel im Fleisch Chinas. Andererseits akzeptiert man den Alleinvertretungsanspruch Chinas über all seine Territorien. Schon längst wurden Hongkong und Macau Rotchina übergeben.

Aber hier hatten die alten Kolonialmächte das Sagen, in Taipeh herrschte bis zu seinem Tod 1975 der Diktator Chiang  Kai-Shek. Der erhob – mit Unterstützung der USA wohlgemerkt – seinerseits Anspruch auf ganz China. Dahinter steht eine komplizierte Geschichte um die Macht in China. Der Diktator verlor diesen Machtkampf gegen Mao und flüchtete Ende 1949 auf die Insel Formosa, deren Zugehörigkeit zu China niemals in Frage stand.

Mit dem wirtschaftlichen Erstarken Chinas und dem Ende des Ostblocks verlor der Westen weitgehend das Interesse an Taiwan, fast alle Länder der Welt akzeptierten Festland-Chinas Alleinvertretungsanspruch und stellten die diplomatischen Beziehungen mit der Insel ein, die ebenfalls aus fast allen internationalen Gremien flog.

Nun lenkte die nach Präsident und Vizepräsident dritthöchste Repräsentantin der USA mit ihrem Kurzbesuch das Licht der Weltöffentlichkeit auf diesen potenziellen Konfliktherd. Dummschwätzer Molina fordert weiter, der Bundesrat müsse klarmachen, dass er militärische Schritte gegen Taiwan «keinesfalls akzeptiere». Das erinnert an den grossartigen Streifen «Die Maus, die brüllte». Molina weiss auch noch: In internationalen Beziehungen gelte laut Uno-Charta ein absolutes Gewaltverbot. Leider ist es ihm nicht gegeben, die Problematik zu durchdringen, dass China, die Schweiz und eigentlich alle Staaten der Welt Taiwan als Bestandteil Chinas sehen, also kann es sich schlecht um internationale Beziehungen handeln.

Und die Medien? Die wurden zunächst auf dem falschen Fuss erwischt, aber Google Maps klärte viele Journalisten darüber auf, wo Taiwan eigentlich liegt. Ein Blick in Wikipedia verschaffte dann das nötige Rüstzeug, um gewichtige Kommentare abzusondern. «Unheilvolles Abschiedsgeschenk», runzelt die NZZ über die Stippvisite von Nancy Pelosi die Stirn. Sie hinterlasse «ihrem Land und der Welt ein hochexplosives Pulverfass, das jederzeit in die Luft fliegen kann», poltert der Blöd-«Blick». Die CH Medien wissen: «Taiwan braucht genau jetzt den Beistand des Westens. Pelosis Eintreten für Taiwans Demokratie ist richtig.»

Tamedia schliesslich leiht sich seine Meinung von der «Süddeutschen»: «Taiwan ist eine starke Demokratie, die sich von einer Militärdiktatur friedlich zu einem der progressivsten Staaten Asiens entwickelt hat. Es ist zwingend notwendig, die Insel im Rahmen der Ein-China-Politik gegen Chinas Drohungen zu verteidigen. Das ist eine Pflicht, der auch Europa bisher zu wenig nachkommt.»

Nun, wer Selenskij für einen lupenreinen Demokraten hält, meint auch, Taiwan sei eine westliche Demokratie. Vielleicht hülfe ein Blick in die Verfassung mit ihrer merkwürdigen fünffachen Gewaltentrennung sowie eine Auffrischung des Kurzzeitgedächtnisses. Denn bis 1990 war Taiwan alles andere als eine Demokratie, sondern ein autoritär nach dem Einparteienprinzip beherrschtes Land, das darin durchaus China imitierte. Welche Meinung der Diktator und seine bis 1992 herrschende Kuomintang über Demokratie hatte, könnte man nachlesen. Wenn man könnte und wollte und nicht aus dem Stegreif nachplappern würde.

Dass Politiker wie Molina das tun, gehört bei ihnen zum Handwerk. Aufregerthema, her mit einer Meinung und vor allem einer Forderung. Und tschüss. Taiwan wird aus Molinas Augenwinkel wieder verschwinden. So wie zuvor Afghanistan und unzählige weltweite Probleme mehr. So wie die Abschaffung der NATO.

Dass aber sogenannte Qualitätsmedien grösstenteils jämmerlich dabei versagen, zu einem aktuellen Thema Hintergründe und Aufklärung zu liefern: ein weiterer Sargnagel, eigenverantwortlich eingeschlagen.

Schräge Vergleiche

Pazifismus und internationale Brigaden.

Oberhalb des anschwellenden Bocksgesangs, der jeden Zweifel an der binären Weltsicht «Putin böse, Selenskyj gut» niederbrüllen will, selbst wenn er von einer linken Grünen kommt, macht man sich in der NZZ Gedanken über linken Pazifismus oder Vergleiche zwischen den Internationalen Brigaden in Spanien und ausländischen Kombattanten in der Ukraine.

Exemplarisch für das Wendehalsmanöver in der Frage des Pazifismus stehen die Grünen im Speziellen und die Linke im Allgemeinen. Bis vor Kurzem wurde von einigen Exponenten sogar die Abschaffung der NATO gefordert, als der grösste Kriegstreiber und die grösste Gefahr für den Weltfrieden. Es ist auch noch nicht so lange her, dass die GSoA, die «Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee», einen Achtungserfolg mit der Initiative zur Abschaffung der heiligen Kuh in der Schweiz einfuhr.

Der Einmarsch Russlands in der Ukraine ist der Lackmustest für alle unreflektierten Maulhelden, die wie weiland Nicole einfach «Ein bisschen Frieden» wollen. «Stoppt Putin», «Bekämpft den Hunger in der Welt», «Rettet das Klima», «Nie wieder Krieg», das sind Slogans von einer strahlenden Dummheit. Wer wäre nicht dafür. Aber weil nicht allzu viele diesen Forderungen nachleben, vor allem nicht die, die sie skandieren, bleiben sie schal und hohl.

Es gibt eine illustrative Anekdote. Als der chinesische Steuermann Mao darüber informiert wurde, dass Martin Luther King, der grosse amerikanische gewaltfreie Kämpfer für die Gleichberechtigung der Schwarzen, ermordet worden war, sagte er: «So lernt man aus dem Leben.» Gewaltfreier Widerstand gegen Gewalt ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Pazifismus ist ein schöner Schein, eine Haltung, die sich Zeitgenossen leisten können, die auf einer der wenigen Inseln der Welt leben, wo nicht Willkür, Faustrecht und Rechtlosigkeit herrschen.

Im Ukrainekrieg kämpfen auch ausländische Unterstützer auf der Seite der ukrainischen Regierung. Für viele Kommentatoren liegt der Vergleich mit den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg nahe. Sie zeigen damit einmal mehr eine gravierende Unkenntnis der Geschichte. Die wird bekanntlich nicht nur immer wieder umgeschrieben. Sondern auch immer wieder für untaugliche Vergleiche missbraucht.

Genauso wie die Denunziation von Forderungen nach einer Verhandlungslösung in der Ukraine durch den Vergleich mit der Appeasment-Politik gegenüber Hitler reine Demagogie ist, entehrt der Vergleich mit den Kämpfern auf Seiten der Spanischen Republik den damaligen Heldenmut.

Auch Schweizer schlossen sich mit der Waffe in der Hand dem Kampf zur Verteidigung der gewählten spanischen Regierung gegen den Faschisten und späteren Diktator Franco an. Sofern sie diesen Einsatz überlebten, wurden sie in der Schweiz später verurteilt und geächtet. Wenn heutige Linke wie der Zeusler Fabian Molina den damaligen Schlachtruf «no pasarán» – sie werden nicht durchkommen – als Spruch gegen angebliche faschistische Attacken in Zürich missbraucht, sollte er dafür geächtet werden.

Mit «no pasarán» zeigten die ersten Interbrigadisten bei der Verteidigung der Hauptstadt Madrid gegen die anbrandenden faschistischen Horden Francos einen internationalistischen Heldenmut; sie waren die ersten bewaffneten Kämpfer gegen die braune Brut in Europa, denn Franco wurde sowohl von Hitler wie von Mussolini unterstützt. Auf der Seite der Spanischen Republik stand einzig, und auch sie nur zögerlich, die Sowjetunion.

Wer sich den internationalen Brigaden anschloss, stand links, war meistens Kommunist oder zumindest Sympathisant mit der UdSSR. Oder er war ein fragloser Gegner des Militärputschs von Franco. Die Entscheidung von insgesamt rund 35’000 Kämpfern, die Solidarität von Schriftstellern wie Ernest Hemingway, Arthur Koestler, Ilja Ehrenburg oder George Orwell, das war ein Heldenepos, das keinesfalls mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine zu vergleichen ist.

Zweifellos hat Russland die Ukraine überfallen und damit alle bindenden Vereinbarungen über die Unantastbarkeit der territorialen Integrität der Ukraine, die Russland unterzeichnete, zur Makulatur werden lassen. Damit hat Putin, neben vielem anderen, die Glaubwürdigkeit seines Regimes ruiniert. Denn wer verlässt sich noch auf einen Vertragspartner, der gezeigt hat, dass ihm die Einhaltung von internationalen Verträgen egal ist, wenn er meint, dass sie seinen Interessen im Wege stünden.

Pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten, das ist nicht nur im Geschäftsleben, sondern insbesondere bei internationalen Verträgen Pflicht. Wer sich nicht daran hält, wird zum Paria, welche Gründe er auch immer für sein Verhalten anführen mag.

Dieses verächtliche Vorgehen des russischen Regimes macht aber die korrupte Regierung um die Oligarchen-Marionette Selenskyj nicht mit der Regierung der Spanischen Republik in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts vergleichbar. Manuel Azaña war ein Staatsmann von ganz anderem Format und intellektuellem Zuschnitt als der begabte Schauspieler Selenskyj.

Nur der allgemeinen Sittenverwilderung und historischen Unkenntnis ist es zuzuschreiben, dass solche untauglichen Vergleiche überhaupt gezogen werden. Aber wer in der saturierten und durch Faschismus absolut ungefährdeten Schweiz «no pasarán» grölt, macht sich ebenso lächerlich wie Publizisten, die internationale Kombattanten in der Ukraine mit den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg vergleichen.

Wumms: Fabian Molina

Pavlovsche Reflexe bei den Medien.

Der SP-Nationalrat weiss, wie man sich eine Dauerkarte für mediale Aufmerksamkeit besorgt. Indem man fordert. Was? Ach, egal, morgen redet sowieso keiner mehr darüber.

Da war doch mal Afghanistan: «Ziel muss sein, die Taliban mit Anreizen und Sanktionen dazu zu bringen, Menschenrechte zu respektieren

Molina forderte gleichzeitig, dass die Schweiz mindestens 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen müsse. Ob er vielleicht einen beherbergen würde?  Genervte Antwort auf Anfrage von ZACKBUM:

«Sie werden sicher festgestellt haben, dass ich kein Staat bin. Entsprechend kann ich auch niemandem Asyl und Schutz gewähren.»

Andere Baustelle: «Die NATO gehört endlich aufgelöst.» Auch an diese Forderung gegen den «gewalttätigen Sonderbund des Westens» will Molina heute nicht mehr so gerne erinnert werden.

Hat er gerade keine anderen Forderungen zur Hand, ist die nach «raschen Beitrittsverhandlungen mit Brüssel» immer der Notnagel in allen Lebenslagen. Leider erfüllte auch niemand seine Forderung vom Mai 2020, an «alle Konfliktparteien rund um den Globus, sich unverzüglich an einem weltweiten Waffenstillstand zu beteiligen».

Mehr Freiheit durch Impfpflicht, das war auch mal so eine Gaga-Forderung von ihm. Aber nun ist ja Ukraine, und da muss auch gefordert werden: «Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie zentral es ist, Einzelpersonen wie Putin und seine Entourage oder Firmen gezielt mit Sanktionen belegen zu können.» Das will Molina.

Nützt das was? Ist doch egal, Molina fordert heute, was er morgen schon vergessen hat. Denn morgen gibt’s eine neue Forderung.

 

 

 

Schwätzer und Helfer

Schreibtäter die einen, Schwätzer die anderen, Helfer die Dritten.

Lassen wir die Schreikräfte in den intellektuell bescheidener ausgestatteten Gazetten beiseite. Und kommen zum Blatt, das ja gewissen Ansprüche an sich und seine Leser stellt. Da haben wir Markus Bernath, «Foreign Affairs Editor», eingewechselt vom «Standard». Der deklariert im Bund «Hintergrund»:

«Die Europäer müssen den Krieg wieder lernen

Markig fährt er fort: «Freiheit und Sicherheit müssen gegen den Mann im Kreml verteidigt werden – notfalls mit Waffen.»

Im Rahmen der Meinungsfreiheit darf auch das gesagt werden. Dennoch schlägt ZACKBUM vor, das Gefäss in «Abgrund» umzubenennen. Krieg als Lernfach, Aufruf, notfalls zu den Waffen zu greifen? Hoffentlich hat sich Bernath bereits freiwillig gemeldet, beim österreichischen Bundesheer sind sicher noch Plätze frei für Journalisten, die sich zu Kriegsgurgeln gewandelt haben. Was für ein Schreibtäter.

Nicht nur der «Schwarze Block»-Molina fordert dies und das und Solidarität, ist gegen und für, es sollte, es müsste, es kann nicht sein. Wohlfeil ist’s, grossmäulig zu fordern, die Schweiz solle die EU-Sanktionen gegen Russland «mittragen». Er selbst trägt nicht so gerne.

Als er genauso vollmundig sofortige Aufnahme von 10’000 Afghanen forderte (man erinnert sich noch?), erwiderte er schmallippig auf die Frage, ob er selbst vielleicht so einen, zwei aufnehmen würde, er sei dann kein Staat im Fall, sorry. Sonst sind auch keine Hilfsaktionen von ihm bekannt, ausser Maulheldentum.

ZACKBUM übrigens, falls das erwähnt werden muss, spendete für die Finanzierung einer Luftbrücke aus Kabul heraus, die dann immerhin fast 200 Afghanen im letzten Moment rettete und setzt sich für einen afghanischen BBC-Journalisten ein, der in der Schweiz gestrandet ist.

Schwätzer und Macher

Das ist nicht viel, aber viel mehr, als diese Schreib- und Schreitäter leisten. In den Schatten gestellt wird all das aber durch solche Aktionen:

Das ist einer, und sicher nicht der Einzige, der weder einen grossen Latz hat, noch auf Friedensdemos ein Zeichen setzt. Sondern einfach Kontakt sucht und findet und nun mal kurz an die ungarische Grenze fährt, um dort eine Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine abzuholen. Jemand anders aus seinem Kontaktnetz aus St. Gallen fährt an die polnische Grenze, um das Gleiche zu tun.

Vorteil dabei ist, dass zurzeit Ukrainer visumsfrei in die Schweiz einreisen können und zumindest bis zu drei Monate legal hier leben. Wie’s anschliessend weitergeht, was die Folgen sind, was das kostet, was das für Probleme bringt, was man sich damit auflädt?

Da würden Bernaths, Molinas und alle anderen in Bedenkenträgerei versinken, dies und das fordern, am besten alles, womit sie selber sich nicht belasten würden. Deshalb ist der Zustand der Politik und der Medien so beelendend.

Deshalb ist diese kleine Aktion, auf die ZACKBUM per Zufall aufmerksam wurde (wir sind sicher: es ist nicht die einzige) so herzerwärmend. Das löst nicht den Ukraine-Konflikt. Es trägt auch nicht dazu bei, Krieg zu lernen. Es hilft null, die Sanktionen der EU auch in der Schweiz umzusetzen.

Aber es ist ein kleines Licht der Menschlichkeit, endlich mal nicht ein verbales «Zeichen», kein Ruf nach Solidarität, aber bitte die anderen zuerst. Einer hat Platz, hat ein Auto, die Fahrt an die ungarisch-ukrainische Grenze, sagen wir nach Tiszabecs, dauert so 13, 14 Stunden. Ist doch keine Sache, eigentlich. Ist eine Riesensache. Ist einfach das kleine Gute im grossen Schlechten. Ist helfen, statt quatschen.

Chapeau.

#Wir sind Ukraine!

Corona war gestern, heute grassiert ein Hirn-Virus.

Sich an geliehenem Leid berauschen, ernste Schwere ins luftig-leichte eigene Leben kriegen. «Mit»empfinden, solidarisch sein, mit ernst-getragen betroffener Miene dem russischen Bären gegenübertreten. Indem man #standwithukraine trendet, «Putin-Versteher» basht.

Und so vor dem Brunch, in der warmen Bettkuhle furchtbar kühne Forderungen aufstellt. Nehmen wir exemplarisch René Allemann. Ein Werbefuzzi, Pardon, seine Bude «Branders übersetzt Markenstrategien in Bilder und Storys, in Welten, die erlebbar sind und Vertrauen schaffen».

Er selbst entspricht schon visuell allen Vorurteilen, die man über Werber nur haben kann. Wenn man seinen Flachsinn liest, steigt Übelkeit auf:

Der schöne René Allemann (Screenshot).

«IT’S OUR DUTY IN THE WEST TO DEMAND FROM OUR GOVERMENTS TO HELP UKRAINE NOW»,

textet er in gepflegter Schreibmaschinen-Typo auf Tragisch-Schwarz. In Englisch, damit man das auch in Moskau versteht.

Was sollen denn die Regierungen tun? Eine Flugverbotszone über der Ukraine errichten. Damit sich die Suchoi-Piloten totlachen. Russland vom Überweisungstool Swift ausschliessen, was dann Überweisungen für arme Menschen in Russland aus dem Westen sehr erschwerte, ebenso die Unterstützung von NGO. Den Energiehandel aussetzen, was die europäische Wirtschaft entschieden schwerer träfe als Russland, das auf ein energie- und rohstoffhungriges China zählen kann. Während die USA endlich ihren Fracking-Dreck loswürden. Und schliesslich «UN-Friedenstruppen» entsenden.

Eine Regierung, die diese Forderungen befolgen würde, müsste psychiatrisch untersucht werden. Aber Allemann und all die anderen tief Bewegten, Gerührten und Geschüttelten, denen geht es überhaupt nicht darum, sinnvolle oder realistische Forderungen aufzustellen.

Sie wissen sowieso, dass ihre mit russischem Rohstoff betriebene Gasheizung weiterhin zufriedenstellend ihren Dienst verrichten wird. Und wehe, wenn nicht, dann ginge aber ein ganz anderes Geschrei los.

Neues, Altes, immer Absurdes

Auf eine naheliegende Forderung kommen all diese kühnen Krieger nicht. Weil sie offenbar nicht wissen, dass die Raumstation ISS von den USA und Russland gemeinsam betrieben wird. Das bedeutet, dass russische Versorgungskapseln mit ukrainischen Triebwerken in US-Raketen hochgeschossen werden. Oder mit russischen Raketen, die von einem US-russischen Konglomerat gemanagt werden. Das geht natürlich nicht mehr. Sollen die dort oben doch schauen, dass sie nicht verhungern. Da muss ein Zeichen gesetzt werden! Kein Schub mehr für Russki-Waren! Keine Schweine im Weltall!

Es ist wirklich lustig. Bis zum Zusammenbruch des sozialistischen Lagers schimpfte die Rechte, die Bourgeoisie auf Moskau, warnte vor der roten Gefahr, konnten Sympathiebezeugungen, gar Reisen ins Reich des Bösen ohne weiteres den Job kosten, zumindest gab’s einen Eintrag in die Staatsschutz-Fiche.

Dieses vernagelte Blockdenken wurde nicht nur von Linken, sondern eigentlich von allen über die Nasenspitze hinausdenkenden Menschen kritisiert. Es erledigte sich auch von selbst, als kapitalistische Firmen entdeckten, dass man im Osten prima Geschäfte machen konnte. Sagen wir mal Stadler Rail, so als aktuelles Beispiel. Seither sind die Warnungen vor einer gar nicht mehr so roten Gefahr, vor dem russischen Bären, vor einem kriegslüsternen und nach Weltherrschaft strebenden Kreml in diesen Kreisen leiser geworden.

Aber dauererregte Weltenretter, die diesem edlen Handwerk vor allem auf sozialen Medien nachgehen, lassen die Rettung des Klimas, die Aufarbeitung der Sklaverei, den Kampf gegen die Diskriminierung der Frau und aller non-binären Gender kurzzeitig ruhen. Denn jetzt ist Krieg, das erfordert sofortiges Handeln. Ähm, posten.

Ganz wenige intelligente Stimmen lassen etwas Licht in diese geistige Düsternis, in diese kenntnisleere, aber gesinnungsvolle Betroffenheitsblase:

«Immer wieder faszinierend, wie an einem Tag halb Instahausen postet, dass man bitte keine falschen Informationen und Meinungen einstellen und teilen soll. Und heute sind die ersten Influencer*innen fleissig dabei, ihren Abonnent*innen zu erklären, was in der Ukraine passiert. Wann genau haben sich diese Leute ihr Wissen über einen Konflikt angeeignet, der seit Jahrhunderten existiert und sich zum Krieg ausgeweitet hat? In einer Nacht?»

Diese Frage von Marija Latkovic kann man einfach beantworten. Solche Wellenmacher brauchen gar kein Wissen, erst recht kein vertieftes. Es sind reine Modesurfer. Sind Schlaghosen in, ziehen sie sich weite Ungetüme an. Kommen wieder die Röhrli-Jeans, sieht man sie darin umherstolzieren. Kommt endlich der vegane On-Turnschuh; her damit.

Gesinnungslosigkeit als einzige Gesinnung

Deren einzige Gesinnung besteht darin, dass sie besinnungslos-gesinnungslos sind. An einem Tag verurteilen sie den Rückzug der NATO aus Afghanistan. Am nächsten verurteilen sie den Einmarsch Russlands in der Ukraine. Was würden sie wohl sagen, wenn Russland wieder in Afghanistan einmarschierte? Und die fundamentalistischen Wahnsinnigen wieder von der Macht vertriebe?

Das alles, wie überhaupt jedes Ereignis auf der Welt, stellt kein Problem für diese Meinungsriesen dar. Was trendet, wo geht die Post ab, was ist der korrekte Hashtag, wo darf man dafür sein, ein Zeichen setzen, Solidarität zeigen? Weg mit der Pace-Fahne, her mit der ukrainischen Flagge. Blau-gelb, wunderbar, kann man nix falsch machen. Wo die herkommt? Wer oder was der Kiewer Rus war? Die Rurikiden?

Hä? Also wirklich, in der Schweiz skandierte man 1968 die Namen der beiden tschechoslowakischen Kommunisten Dubcek und Svoboda. Während jedem Schweizer Kommunisten «Moskau einfach» nahegelegt wurde. So blöd sind die Leute damals gewesen. Und haben seither nix dazugelernt.

Geändert hat sich nur, dass dank Sozialen Medien diese Gesinnungsblasen in aller Hässlichkeit aus dem Sumpf der oberflächlich-guten Denkungsart hinaufsteigen und mit üblem Geruch zerplatzen. Denn eines ist sicher: der nächste Anlass, sich furchtbar zu engagieren, geistig zu erigieren, an billigen Schlagwörtern zu onanieren, kommt bestimmt. Oder erinnert sich noch jemand an alle Solidarität mit Afghanistan?

Wie sagte da der Schwarze-Block-Genosse Fabian Molina so richtig, als ZACKBUM ihn fragte, ob der SP-Nationalrat angesichts seiner Forderung, die Schweiz müsse sofort 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen, vielleicht auch einen oder zwei beherbergen wolle?

«Sie werden sicher festgestellt haben, dass ich kein Staat bin. Entsprechend kann ich auch niemandem Asyl und Schutz gewähren.»

Aber nun müssten die Afghanen sowieso zusammenrücken, jetzt kommen die Ukrainer.

Sandkasten-Stratege Stefan Schmid, der überflüssige Chefredaktor des «Tagblatt», läuft auch wieder zur Höchstform auf. Putin wird unter seinen Worten im Kreml erschauern: «Putins Regime und seine Helfershelfer sind mit harten Sanktionen zu bestrafen.» Der Verzicht auf ein Subjekt in diesem Satz lässt tief blicken. Der Mann hat Eier in der Hose, was er von der «herumeiernden Schweiz» nicht sagen kann: «Die Haltung der Landesregierung ist – mit Verlaub – feige.» Das ist, mit Verlaub, billiges Maulheldentum eines Etappenhengsts, der im Luftraum über seinem Schreibtisch angestrengt fuchtelt und dazu ein finsteres Gesicht macht. Also eine Lachnummer abzieht.

Wie alle diese Ukraine-Versteher.

 

 

 

 

 

Antifaschist Molina

Der Nationalrat ist immer für eine öffentliche Peinlichkeit gut.

Der Faschismus in der Schweiz hat vergangenen Samstag eine schwere Niederlage erlitten. Ihm wurde in Zürich die linke Faust entgegengestreckt. Bei der unbewilligten und gewalttätigen Demonstration dabei war auch der SP-Nationalrat Fabian Molina, denn: «Im Einsatz gegen den Faschismus würde ich noch mehr in Kauf nehmen als eine Busse.»

Auf die Frage, wieso denn der Kampf gegen den Faschismus auch darin bestand, ein Strassenlokal zu verwüsten und die Gäste zu belästigen, antwortet er: «Ich lehne Gewalt ab, sie ist primitiv und trifft die Falschen.»

War dabei, aber lehnt es ab: gewalttätige Ausschreitungen des schwarzen Blocks.

Der Irrwisch ist immer für einen dummen Spruch gut, wenn er damit in die Medien kommen kann. NATO? «Gehört endlich aufgelöst». Corona? «Impfpflicht ist besser als ein Lockdown oder Verschärfung für Ungeimpfte.» Reaktion auf höflich gestellte Fragen? Dass er «in der Tat auch noch anderes zu tun» habe, «als auf Ihre unqualifizierten Gehässigkeiten zu reagieren

Betroffene Miene zu allem und jedem.

Afghanistan? «Die Schweiz soll sofort 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen.» Ob er bereit wäre, seinen Beitrag zu leisten? «Sie werden sicher festgestellt haben, dass ich kein Staat bin. Entsprechend kann ich auch niemandem Asyl und Schutz gewähren.» Kurzer Ausflug im umweltfreundlichen Flieger nach Berlin, um eine unscharfe Foto mit dem SPD-Wahlsieger Olaf Scholz publizieren zu können, die an der Siegesfeier geschossen wurde? Claro.

Und nun das Gehabe auf die Spitze getrieben. Molina in Mussolini-Schwarz gekleidet, umgeben vom schwarzen Block. Dem Dummschwätzer müsste man wirklich einen Klaps auf den Hinterkopf dafür verpassen, dass er den Kampfruf «no pasarán» missbraucht.

Entweder weiss er nicht, wo der geboren wurde, nämlich im Kampf der Spanischen Republik gegen den Franco-Faschismus. Das war eine Auseinandersetzung um Leben und Tod, auch bekannt als Spanischer Bürgerkrieg.

Kokettieren mit dem Flair

Was am Samstag in Zürich stattfand, war aber weder Bürgerkrieg, noch Kampf gegen den Faschismus. Es war Gehabe, Kokettieren mit dem Flair des Revolutionären. Das wie meist beim Schwarzen Block in sinnlosen Sachbeschädigungen mit Verletzten ausartete.

Während die «Faschisten», also die Freiheitstrychler und Konsorten, vielleicht eine Belästigung des Gehörs verursachen, ansonsten aber friedlich blieben. Dass rechtsnationale Spinner sich an die Spitze des ebenfalls unbewilligten Demonstrationszugs setzten, ist bedauerlich und hätte von den Veranstaltern unterbunden werden müssen.

Geschichtsvergessene Idioten in Zürich.

Aber das zum «Kampf gegen den Faschismus» aufzupumpen, Zürich für «nazifrei» zu erklären, wie bei einer Modeshow sich vor einer Drohkulisse hinzustellen und dann nicht mal die Faust zum Genossengruss erheben, sondern ein kindisches Victory-Zeichen machen (ob der Provokateur weiss, wo das herkommt?) – das disqualifiziert eigentlich seine Funktion als Volksvertreter und Parlamentarier.

Schon mal etwas von demokratischen Gepflogenheiten gehört? Davon, dass Demonstrationen in parlamentarischen Demokratien erlaubt sind, aber Erlaubnis brauchen? Dass man nicht mitlaufen kann, um sich dann von gewalttätigen Ausschreitungen verbal zu distanzieren.

Mit Märtyrergehabe ins Sinnlose geredet.

Wer sich mit dieser Klientel nicht nur blicken lässt, sondern das für einen Eintrag in sein linkes Poesiealbum tut, kann sich nicht aus der Verantwortung schleichen, wenn’s anschliessend wie meistens kracht.

Bin ich dagegen, habe ich nicht gewollt, war nicht absehbar. Diese dummen Sprüche kennen wir aus der Geschichte genügend.

Die Frage ist nun, ob es weiterhin genügend Wähler gibt, die es für eine gute Idee halten, diesen eitlen Selbstdarsteller weiterhin zu unterstützen. Und ob es seine Partei verantworten kann, einerseits energisch gegen rechte Gewalt, gar den «rechten Mob» zu polemisieren, aber die Teilnahme eines ihrer Nationalräte am linken Mob zu tolerieren.

Nach der Devise: braune Fäuste, pfui. Rote Fäuste, hui.

 

 

 

 

Der Medien-Molina

Wahrnehmung ist in der Politik alles. Wenn es nicht um Wirkung, sondern um Selbstvermarktung geht.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Fabian Molina ist süchtig. Oder er leidet unter einem Aufmerksamkeitsdefizit. Aber er therapiert sich selbst. Fast 1000 Treffer in der Mediendatenbank SMD in den letzten sechs Monaten. Das soll ihm mal einer nachmachen.

Der Zürcher SP-Nationalrat hat sich zwecks medialer Wirkung angewöhnt, eigentlich zu (fast) allem eine Meinung zu haben. Die ist dann nicht sehr nachhaltig, aber zumindest zitierfähig.

Molina: ist sich für keinen Medienstunt zu schade.

Ein paar Highlights aus seinem jüngsten Medienschaffen. Da hätten wir mal Afghanistan: Er weiss genau, was dort geschehen muss: «Ziel muss sein, die Taliban mit Anreizen und Sanktionen dazu zu bringen, Menschenrechte zu respektieren.»

Natürlich müsse die Schweiz auch sofort mindestens 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen, fordert Molina. Etwas verkniffen reagiert er allerdings, wenn man ihn fragt, ob er da mit gutem Beispiel vorangehen und selbst so ein, zwei Afghanen bei sich beherbergen könnte:

«Sie werden sicher festgestellt haben, dass ich kein Staat bin. Entsprechend kann ich auch niemandem Asyl und Schutz gewähren.»

Wo er recht hat: niemals würden wir den Möchtegern mit einem Staat verwechseln. Aber er stellt Forderungen, als wäre er einer.

Molina kümmert sich auch ums Ganze

Steht gerade nichts Aktuelles an, kümmert er sich um die grossen und letzten Dinge auf der Welt. Zum Beispiel: «Die NATO gehört endlich aufgelöst.» Denn sie sei «ein gewalttätiger Sonderbund des Westens

Da stellt sich allerdings die Frage, ob Secondo Molina eine Aufnahmeprüfung in Staatskunde bestanden hätte, wenn er beantworten sollte, was denn der Sonderbund genau war.

Molinas Schreckensvorstellung.

Aber gut, auch die NATO hat diesen Angriff überlebt. War ja auch nur so eine Idee für flaue Tage.

Dagegen hat Molina eine weitere Geheimwaffe im Gepäck: er ist «Schweizer Meister im Einreichen von Vorstössen», wie sich CH Media schon über ihn mokierte. Ist da gerade nichts los, fordert er unermüdlich rasche Beitrittsverhandlungen mit Brüssel, denn selbstverständlich muss die Schweiz in der Mitte Europas nicht abseits stehen. Dass nur 13 Prozent der Schweizer diese Meinung teilen, was soll’s, die müssen ja auch nicht immer in den Medien präsent sein.

Molina liebt den grossen Auftritt so sehr, dass es auch ein kleiner tut. So reiste er zusammen mit Céderic Wermuth und Jon Pult, zwei weiteren Kämpfern für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und vorbildliches Leben, nach Berlin, um dort dem Wahlsieger Olaf Schulz zu gratulieren.

Per Flugzeug natürlich.

Wieso dreht sich die Welt eigentlich weiter?

Allerdings musste Molina einräumen: «Die Schweiz ist für Deutschland etwa so wichtig, wie für uns Liechtenstein.» Was nahm er sonst so an Erkenntnissen aus der deutschen Hauptstadt mit?

«Die Party war ausgelassen! Es gab Bier und Musik im Willy-Brandt-Haus.»

Was tut man nicht für so einen Quatsch (Foto in Originalqualität).

Leider ist es so, dass die Welt nicht wirklich zur Kenntnis nimmt, was Molina so alles verlangt, wenn der Tag lang ist und er noch keinen Auftritt in den Medien hatte. Dabei hätte er sogar das Rezept für die Heilung des ganzen Planeten: So forderte er im Mai 2020 «mit einer Erklärung alle Konfliktparteien rund um den Globus auf, sich unverzüglich an einem weltweiten Waffenstillstand zu beteiligen.» Denn nur so könne die Pandemie effizient bekämpft werden.

Wir ahnen es: niemand hörte mal wieder auf ihn, es gibt weder weltweiten Frieden, noch ist die Seuche besiegt. Aber immerhin, das Thema Corona ist inzwischen ein Selbstläufer für den eitlen Selbstdarsteller. Daraus presst er unablässig Medienauftritte, wofür ihm kein auch noch so absurder Vergleich zu schade ist.

Die Impfpflicht für alle, die er mehr oder minder verklausuliert fordert, das sei so etwa wie die Dienstpflicht für Männer.

Corona gibt immer etwas her

Inzwischen will Molina auch äusserlich seinem erfolgreichen Vorbild Céderic Wermuth gleichen und hat sich für einen – allerdings eher schütteren – Dreitagebart entschieden.

Den hält er natürlich auch jederzeit dorthin, wo eine Kamera läuft und ein Mikrophon angeschaltet ist. So meint der zum Seuchenexperten mutierte Luftikus, dass natürlich «die aktuelle Durchseuchungsstrategie bei Kindern keine Lösung» sei.

Betroffener Blick, Meinung aus dem Stegreif: Molina.

Sollten also auch unsere Kleinen ein Zertifikat mit auf den Lebensweg bekommen? Denn das ist aktuell nur ab 16 Jahre nötig und möglich. Da wirft Molina alle Grundprinzipien der Logik über Bord: «Das Zertifikat ist eine Möglichkeit, mehr Freiheit zurückzubekommen.»

Welche Freiheit sollten Kinder «zurückbekommen»? Sie sind doch zertifikatsfrei. Ob das Zertifikat ein Schritt in die Unfreiheit wäre, sei dahingestellt. Aber auf jeden Fall bekommt jemand, der kontrollierbar geworden ist, dadurch kein Stück Freiheit geschenkt.

Aber um solche Finessen geht es Molina auch gar nicht. Denn er weiss genau: wen interessiert schon mein dummes Geschwätz von gestern. Heute ist ein neuer Tag, morgen auch, und immer wieder in den Medien aufzutauchen, das ist Knochenarbeit. Auch wenn längst schon kein Fleisch mehr an den vorhersehbaren Miniprovokationen des Dampfplauderers hängt.

Schliesslich gehört das zum Anforderungsprofil eines Berufspolitikers, der nichts anderes gelernt hat. So als Dauerstudent der Geschichte und Philosophie. Er wurde im zweiten Anlauf Juso-Präsident, ist ehemaliger Jugendsekretär der Gewerkschaft Unia, «wissenschaftlicher Mitarbeiter» bei «Swissaid» und in den Nationalrat nachgerückter SP-Genosse.

In Molinas Medienmaschinenraum.