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Alles Taiwan oder was

Was passiert, wenn unvorbereitete Politiker und Journis auf ein neues Thema stossen?

Fürchterliches. Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock, die gerne schneller spricht als denkt, wurde im grossen Saal der UNO grundsätzlich: «Wir akzeptieren nicht, wenn das internationale Recht gebrochen wird und ein grösserer Nachbar völkerrechtswidrig seinen kleineren Nachbarn überfällt – und das gilt natürlich auch für China

Leider teilte Baerbock nicht mit, ob das auch für ihren NATO-Partner Türkei gelte, der bekanntlich seinen Nachbarn Syrien überfallen hat. Oder für den grossen Bruder USA, die ebenfalls völkerrechtswidrig auf Kuba eine Militärbasis unterhalten, wo im rechtsfreien Raum angebliche Terroristen jahrelang ohne Gerichtsverfahren gefangen gehalten werden.

Vielleicht schützt Baerbock ihre Jugend, weshalb sie sich möglicherweise nie über die unzähligen Überfälle der USA in Zentral- und Lateinamerika geäussert hat.

Wo Politiker Gelegenheit zu Dummschwätzen sehen, ist einer nie weit weg. Richtig, der SP-Nationalrat und Spassflieger Fabian Molina. Der fordert forsch:

«Es ist höchste Zeit, dass auch die Schweiz ihre Haltung gegenüber Taiwan revidiert!»

Welche Haltung denn? Die Schweiz hat doch die gleiche Haltung wie die USA gegenüber Taiwan. Nämlich die Haltung eines Wackelpuddings. Die Haltung eines klaren «einerseits, andererseits, aber dann doch nicht». Einerseits schätzt man Taiwan als Handelspartner und als Stachel im Fleisch Chinas. Andererseits akzeptiert man den Alleinvertretungsanspruch Chinas über all seine Territorien. Schon längst wurden Hongkong und Macau Rotchina übergeben.

Aber hier hatten die alten Kolonialmächte das Sagen, in Taipeh herrschte bis zu seinem Tod 1975 der Diktator Chiang  Kai-Shek. Der erhob – mit Unterstützung der USA wohlgemerkt – seinerseits Anspruch auf ganz China. Dahinter steht eine komplizierte Geschichte um die Macht in China. Der Diktator verlor diesen Machtkampf gegen Mao und flüchtete Ende 1949 auf die Insel Formosa, deren Zugehörigkeit zu China niemals in Frage stand.

Mit dem wirtschaftlichen Erstarken Chinas und dem Ende des Ostblocks verlor der Westen weitgehend das Interesse an Taiwan, fast alle Länder der Welt akzeptierten Festland-Chinas Alleinvertretungsanspruch und stellten die diplomatischen Beziehungen mit der Insel ein, die ebenfalls aus fast allen internationalen Gremien flog.

Nun lenkte die nach Präsident und Vizepräsident dritthöchste Repräsentantin der USA mit ihrem Kurzbesuch das Licht der Weltöffentlichkeit auf diesen potenziellen Konfliktherd. Dummschwätzer Molina fordert weiter, der Bundesrat müsse klarmachen, dass er militärische Schritte gegen Taiwan «keinesfalls akzeptiere». Das erinnert an den grossartigen Streifen «Die Maus, die brüllte». Molina weiss auch noch: In internationalen Beziehungen gelte laut Uno-Charta ein absolutes Gewaltverbot. Leider ist es ihm nicht gegeben, die Problematik zu durchdringen, dass China, die Schweiz und eigentlich alle Staaten der Welt Taiwan als Bestandteil Chinas sehen, also kann es sich schlecht um internationale Beziehungen handeln.

Und die Medien? Die wurden zunächst auf dem falschen Fuss erwischt, aber Google Maps klärte viele Journalisten darüber auf, wo Taiwan eigentlich liegt. Ein Blick in Wikipedia verschaffte dann das nötige Rüstzeug, um gewichtige Kommentare abzusondern. «Unheilvolles Abschiedsgeschenk», runzelt die NZZ über die Stippvisite von Nancy Pelosi die Stirn. Sie hinterlasse «ihrem Land und der Welt ein hochexplosives Pulverfass, das jederzeit in die Luft fliegen kann», poltert der Blöd-«Blick». Die CH Medien wissen: «Taiwan braucht genau jetzt den Beistand des Westens. Pelosis Eintreten für Taiwans Demokratie ist richtig.»

Tamedia schliesslich leiht sich seine Meinung von der «Süddeutschen»: «Taiwan ist eine starke Demokratie, die sich von einer Militärdiktatur friedlich zu einem der progressivsten Staaten Asiens entwickelt hat. Es ist zwingend notwendig, die Insel im Rahmen der Ein-China-Politik gegen Chinas Drohungen zu verteidigen. Das ist eine Pflicht, der auch Europa bisher zu wenig nachkommt.»

Nun, wer Selenskij für einen lupenreinen Demokraten hält, meint auch, Taiwan sei eine westliche Demokratie. Vielleicht hülfe ein Blick in die Verfassung mit ihrer merkwürdigen fünffachen Gewaltentrennung sowie eine Auffrischung des Kurzzeitgedächtnisses. Denn bis 1990 war Taiwan alles andere als eine Demokratie, sondern ein autoritär nach dem Einparteienprinzip beherrschtes Land, das darin durchaus China imitierte. Welche Meinung der Diktator und seine bis 1992 herrschende Kuomintang über Demokratie hatte, könnte man nachlesen. Wenn man könnte und wollte und nicht aus dem Stegreif nachplappern würde.

Dass Politiker wie Molina das tun, gehört bei ihnen zum Handwerk. Aufregerthema, her mit einer Meinung und vor allem einer Forderung. Und tschüss. Taiwan wird aus Molinas Augenwinkel wieder verschwinden. So wie zuvor Afghanistan und unzählige weltweite Probleme mehr. So wie die Abschaffung der NATO.

Dass aber sogenannte Qualitätsmedien grösstenteils jämmerlich dabei versagen, zu einem aktuellen Thema Hintergründe und Aufklärung zu liefern: ein weiterer Sargnagel, eigenverantwortlich eingeschlagen.

Schräge Vergleiche

Pazifismus und internationale Brigaden.

Oberhalb des anschwellenden Bocksgesangs, der jeden Zweifel an der binären Weltsicht «Putin böse, Selenskyj gut» niederbrüllen will, selbst wenn er von einer linken Grünen kommt, macht man sich in der NZZ Gedanken über linken Pazifismus oder Vergleiche zwischen den Internationalen Brigaden in Spanien und ausländischen Kombattanten in der Ukraine.

Exemplarisch für das Wendehalsmanöver in der Frage des Pazifismus stehen die Grünen im Speziellen und die Linke im Allgemeinen. Bis vor Kurzem wurde von einigen Exponenten sogar die Abschaffung der NATO gefordert, als der grösste Kriegstreiber und die grösste Gefahr für den Weltfrieden. Es ist auch noch nicht so lange her, dass die GSoA, die «Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee», einen Achtungserfolg mit der Initiative zur Abschaffung der heiligen Kuh in der Schweiz einfuhr.

Der Einmarsch Russlands in der Ukraine ist der Lackmustest für alle unreflektierten Maulhelden, die wie weiland Nicole einfach «Ein bisschen Frieden» wollen. «Stoppt Putin», «Bekämpft den Hunger in der Welt», «Rettet das Klima», «Nie wieder Krieg», das sind Slogans von einer strahlenden Dummheit. Wer wäre nicht dafür. Aber weil nicht allzu viele diesen Forderungen nachleben, vor allem nicht die, die sie skandieren, bleiben sie schal und hohl.

Es gibt eine illustrative Anekdote. Als der chinesische Steuermann Mao darüber informiert wurde, dass Martin Luther King, der grosse amerikanische gewaltfreie Kämpfer für die Gleichberechtigung der Schwarzen, ermordet worden war, sagte er: «So lernt man aus dem Leben.» Gewaltfreier Widerstand gegen Gewalt ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Pazifismus ist ein schöner Schein, eine Haltung, die sich Zeitgenossen leisten können, die auf einer der wenigen Inseln der Welt leben, wo nicht Willkür, Faustrecht und Rechtlosigkeit herrschen.

Im Ukrainekrieg kämpfen auch ausländische Unterstützer auf der Seite der ukrainischen Regierung. Für viele Kommentatoren liegt der Vergleich mit den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg nahe. Sie zeigen damit einmal mehr eine gravierende Unkenntnis der Geschichte. Die wird bekanntlich nicht nur immer wieder umgeschrieben. Sondern auch immer wieder für untaugliche Vergleiche missbraucht.

Genauso wie die Denunziation von Forderungen nach einer Verhandlungslösung in der Ukraine durch den Vergleich mit der Appeasment-Politik gegenüber Hitler reine Demagogie ist, entehrt der Vergleich mit den Kämpfern auf Seiten der Spanischen Republik den damaligen Heldenmut.

Auch Schweizer schlossen sich mit der Waffe in der Hand dem Kampf zur Verteidigung der gewählten spanischen Regierung gegen den Faschisten und späteren Diktator Franco an. Sofern sie diesen Einsatz überlebten, wurden sie in der Schweiz später verurteilt und geächtet. Wenn heutige Linke wie der Zeusler Fabian Molina den damaligen Schlachtruf «no pasarán» – sie werden nicht durchkommen – als Spruch gegen angebliche faschistische Attacken in Zürich missbraucht, sollte er dafür geächtet werden.

Mit «no pasarán» zeigten die ersten Interbrigadisten bei der Verteidigung der Hauptstadt Madrid gegen die anbrandenden faschistischen Horden Francos einen internationalistischen Heldenmut; sie waren die ersten bewaffneten Kämpfer gegen die braune Brut in Europa, denn Franco wurde sowohl von Hitler wie von Mussolini unterstützt. Auf der Seite der Spanischen Republik stand einzig, und auch sie nur zögerlich, die Sowjetunion.

Wer sich den internationalen Brigaden anschloss, stand links, war meistens Kommunist oder zumindest Sympathisant mit der UdSSR. Oder er war ein fragloser Gegner des Militärputschs von Franco. Die Entscheidung von insgesamt rund 35’000 Kämpfern, die Solidarität von Schriftstellern wie Ernest Hemingway, Arthur Koestler, Ilja Ehrenburg oder George Orwell, das war ein Heldenepos, das keinesfalls mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine zu vergleichen ist.

Zweifellos hat Russland die Ukraine überfallen und damit alle bindenden Vereinbarungen über die Unantastbarkeit der territorialen Integrität der Ukraine, die Russland unterzeichnete, zur Makulatur werden lassen. Damit hat Putin, neben vielem anderen, die Glaubwürdigkeit seines Regimes ruiniert. Denn wer verlässt sich noch auf einen Vertragspartner, der gezeigt hat, dass ihm die Einhaltung von internationalen Verträgen egal ist, wenn er meint, dass sie seinen Interessen im Wege stünden.

Pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten, das ist nicht nur im Geschäftsleben, sondern insbesondere bei internationalen Verträgen Pflicht. Wer sich nicht daran hält, wird zum Paria, welche Gründe er auch immer für sein Verhalten anführen mag.

Dieses verächtliche Vorgehen des russischen Regimes macht aber die korrupte Regierung um die Oligarchen-Marionette Selenskyj nicht mit der Regierung der Spanischen Republik in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts vergleichbar. Manuel Azaña war ein Staatsmann von ganz anderem Format und intellektuellem Zuschnitt als der begabte Schauspieler Selenskyj.

Nur der allgemeinen Sittenverwilderung und historischen Unkenntnis ist es zuzuschreiben, dass solche untauglichen Vergleiche überhaupt gezogen werden. Aber wer in der saturierten und durch Faschismus absolut ungefährdeten Schweiz «no pasarán» grölt, macht sich ebenso lächerlich wie Publizisten, die internationale Kombattanten in der Ukraine mit den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg vergleichen.

Wumms: Fabian Molina

Pavlovsche Reflexe bei den Medien.

Der SP-Nationalrat weiss, wie man sich eine Dauerkarte für mediale Aufmerksamkeit besorgt. Indem man fordert. Was? Ach, egal, morgen redet sowieso keiner mehr darüber.

Da war doch mal Afghanistan: «Ziel muss sein, die Taliban mit Anreizen und Sanktionen dazu zu bringen, Menschenrechte zu respektieren

Molina forderte gleichzeitig, dass die Schweiz mindestens 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen müsse. Ob er vielleicht einen beherbergen würde?  Genervte Antwort auf Anfrage von ZACKBUM:

«Sie werden sicher festgestellt haben, dass ich kein Staat bin. Entsprechend kann ich auch niemandem Asyl und Schutz gewähren.»

Andere Baustelle: «Die NATO gehört endlich aufgelöst.» Auch an diese Forderung gegen den «gewalttätigen Sonderbund des Westens» will Molina heute nicht mehr so gerne erinnert werden.

Hat er gerade keine anderen Forderungen zur Hand, ist die nach «raschen Beitrittsverhandlungen mit Brüssel» immer der Notnagel in allen Lebenslagen. Leider erfüllte auch niemand seine Forderung vom Mai 2020, an «alle Konfliktparteien rund um den Globus, sich unverzüglich an einem weltweiten Waffenstillstand zu beteiligen».

Mehr Freiheit durch Impfpflicht, das war auch mal so eine Gaga-Forderung von ihm. Aber nun ist ja Ukraine, und da muss auch gefordert werden: «Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie zentral es ist, Einzelpersonen wie Putin und seine Entourage oder Firmen gezielt mit Sanktionen belegen zu können.» Das will Molina.

Nützt das was? Ist doch egal, Molina fordert heute, was er morgen schon vergessen hat. Denn morgen gibt’s eine neue Forderung.

 

 

 

Schwätzer und Helfer

Schreibtäter die einen, Schwätzer die anderen, Helfer die Dritten.

Lassen wir die Schreikräfte in den intellektuell bescheidener ausgestatteten Gazetten beiseite. Und kommen zum Blatt, das ja gewissen Ansprüche an sich und seine Leser stellt. Da haben wir Markus Bernath, «Foreign Affairs Editor», eingewechselt vom «Standard». Der deklariert im Bund «Hintergrund»:

«Die Europäer müssen den Krieg wieder lernen

Markig fährt er fort: «Freiheit und Sicherheit müssen gegen den Mann im Kreml verteidigt werden – notfalls mit Waffen.»

Im Rahmen der Meinungsfreiheit darf auch das gesagt werden. Dennoch schlägt ZACKBUM vor, das Gefäss in «Abgrund» umzubenennen. Krieg als Lernfach, Aufruf, notfalls zu den Waffen zu greifen? Hoffentlich hat sich Bernath bereits freiwillig gemeldet, beim österreichischen Bundesheer sind sicher noch Plätze frei für Journalisten, die sich zu Kriegsgurgeln gewandelt haben. Was für ein Schreibtäter.

Nicht nur der «Schwarze Block»-Molina fordert dies und das und Solidarität, ist gegen und für, es sollte, es müsste, es kann nicht sein. Wohlfeil ist’s, grossmäulig zu fordern, die Schweiz solle die EU-Sanktionen gegen Russland «mittragen». Er selbst trägt nicht so gerne.

Als er genauso vollmundig sofortige Aufnahme von 10’000 Afghanen forderte (man erinnert sich noch?), erwiderte er schmallippig auf die Frage, ob er selbst vielleicht so einen, zwei aufnehmen würde, er sei dann kein Staat im Fall, sorry. Sonst sind auch keine Hilfsaktionen von ihm bekannt, ausser Maulheldentum.

ZACKBUM übrigens, falls das erwähnt werden muss, spendete für die Finanzierung einer Luftbrücke aus Kabul heraus, die dann immerhin fast 200 Afghanen im letzten Moment rettete und setzt sich für einen afghanischen BBC-Journalisten ein, der in der Schweiz gestrandet ist.

Schwätzer und Macher

Das ist nicht viel, aber viel mehr, als diese Schreib- und Schreitäter leisten. In den Schatten gestellt wird all das aber durch solche Aktionen:

Das ist einer, und sicher nicht der Einzige, der weder einen grossen Latz hat, noch auf Friedensdemos ein Zeichen setzt. Sondern einfach Kontakt sucht und findet und nun mal kurz an die ungarische Grenze fährt, um dort eine Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine abzuholen. Jemand anders aus seinem Kontaktnetz aus St. Gallen fährt an die polnische Grenze, um das Gleiche zu tun.

Vorteil dabei ist, dass zurzeit Ukrainer visumsfrei in die Schweiz einreisen können und zumindest bis zu drei Monate legal hier leben. Wie’s anschliessend weitergeht, was die Folgen sind, was das kostet, was das für Probleme bringt, was man sich damit auflädt?

Da würden Bernaths, Molinas und alle anderen in Bedenkenträgerei versinken, dies und das fordern, am besten alles, womit sie selber sich nicht belasten würden. Deshalb ist der Zustand der Politik und der Medien so beelendend.

Deshalb ist diese kleine Aktion, auf die ZACKBUM per Zufall aufmerksam wurde (wir sind sicher: es ist nicht die einzige) so herzerwärmend. Das löst nicht den Ukraine-Konflikt. Es trägt auch nicht dazu bei, Krieg zu lernen. Es hilft null, die Sanktionen der EU auch in der Schweiz umzusetzen.

Aber es ist ein kleines Licht der Menschlichkeit, endlich mal nicht ein verbales «Zeichen», kein Ruf nach Solidarität, aber bitte die anderen zuerst. Einer hat Platz, hat ein Auto, die Fahrt an die ungarisch-ukrainische Grenze, sagen wir nach Tiszabecs, dauert so 13, 14 Stunden. Ist doch keine Sache, eigentlich. Ist eine Riesensache. Ist einfach das kleine Gute im grossen Schlechten. Ist helfen, statt quatschen.

Chapeau.

#Wir sind Ukraine!

Corona war gestern, heute grassiert ein Hirn-Virus.

Sich an geliehenem Leid berauschen, ernste Schwere ins luftig-leichte eigene Leben kriegen. «Mit»empfinden, solidarisch sein, mit ernst-getragen betroffener Miene dem russischen Bären gegenübertreten. Indem man #standwithukraine trendet, «Putin-Versteher» basht.

Und so vor dem Brunch, in der warmen Bettkuhle furchtbar kühne Forderungen aufstellt. Nehmen wir exemplarisch René Allemann. Ein Werbefuzzi, Pardon, seine Bude «Branders übersetzt Markenstrategien in Bilder und Storys, in Welten, die erlebbar sind und Vertrauen schaffen».

Er selbst entspricht schon visuell allen Vorurteilen, die man über Werber nur haben kann. Wenn man seinen Flachsinn liest, steigt Übelkeit auf:

Der schöne René Allemann (Screenshot).

«IT’S OUR DUTY IN THE WEST TO DEMAND FROM OUR GOVERMENTS TO HELP UKRAINE NOW»,

textet er in gepflegter Schreibmaschinen-Typo auf Tragisch-Schwarz. In Englisch, damit man das auch in Moskau versteht.

Was sollen denn die Regierungen tun? Eine Flugverbotszone über der Ukraine errichten. Damit sich die Suchoi-Piloten totlachen. Russland vom Überweisungstool Swift ausschliessen, was dann Überweisungen für arme Menschen in Russland aus dem Westen sehr erschwerte, ebenso die Unterstützung von NGO. Den Energiehandel aussetzen, was die europäische Wirtschaft entschieden schwerer träfe als Russland, das auf ein energie- und rohstoffhungriges China zählen kann. Während die USA endlich ihren Fracking-Dreck loswürden. Und schliesslich «UN-Friedenstruppen» entsenden.

Eine Regierung, die diese Forderungen befolgen würde, müsste psychiatrisch untersucht werden. Aber Allemann und all die anderen tief Bewegten, Gerührten und Geschüttelten, denen geht es überhaupt nicht darum, sinnvolle oder realistische Forderungen aufzustellen.

Sie wissen sowieso, dass ihre mit russischem Rohstoff betriebene Gasheizung weiterhin zufriedenstellend ihren Dienst verrichten wird. Und wehe, wenn nicht, dann ginge aber ein ganz anderes Geschrei los.

Neues, Altes, immer Absurdes

Auf eine naheliegende Forderung kommen all diese kühnen Krieger nicht. Weil sie offenbar nicht wissen, dass die Raumstation ISS von den USA und Russland gemeinsam betrieben wird. Das bedeutet, dass russische Versorgungskapseln mit ukrainischen Triebwerken in US-Raketen hochgeschossen werden. Oder mit russischen Raketen, die von einem US-russischen Konglomerat gemanagt werden. Das geht natürlich nicht mehr. Sollen die dort oben doch schauen, dass sie nicht verhungern. Da muss ein Zeichen gesetzt werden! Kein Schub mehr für Russki-Waren! Keine Schweine im Weltall!

Es ist wirklich lustig. Bis zum Zusammenbruch des sozialistischen Lagers schimpfte die Rechte, die Bourgeoisie auf Moskau, warnte vor der roten Gefahr, konnten Sympathiebezeugungen, gar Reisen ins Reich des Bösen ohne weiteres den Job kosten, zumindest gab’s einen Eintrag in die Staatsschutz-Fiche.

Dieses vernagelte Blockdenken wurde nicht nur von Linken, sondern eigentlich von allen über die Nasenspitze hinausdenkenden Menschen kritisiert. Es erledigte sich auch von selbst, als kapitalistische Firmen entdeckten, dass man im Osten prima Geschäfte machen konnte. Sagen wir mal Stadler Rail, so als aktuelles Beispiel. Seither sind die Warnungen vor einer gar nicht mehr so roten Gefahr, vor dem russischen Bären, vor einem kriegslüsternen und nach Weltherrschaft strebenden Kreml in diesen Kreisen leiser geworden.

Aber dauererregte Weltenretter, die diesem edlen Handwerk vor allem auf sozialen Medien nachgehen, lassen die Rettung des Klimas, die Aufarbeitung der Sklaverei, den Kampf gegen die Diskriminierung der Frau und aller non-binären Gender kurzzeitig ruhen. Denn jetzt ist Krieg, das erfordert sofortiges Handeln. Ähm, posten.

Ganz wenige intelligente Stimmen lassen etwas Licht in diese geistige Düsternis, in diese kenntnisleere, aber gesinnungsvolle Betroffenheitsblase:

«Immer wieder faszinierend, wie an einem Tag halb Instahausen postet, dass man bitte keine falschen Informationen und Meinungen einstellen und teilen soll. Und heute sind die ersten Influencer*innen fleissig dabei, ihren Abonnent*innen zu erklären, was in der Ukraine passiert. Wann genau haben sich diese Leute ihr Wissen über einen Konflikt angeeignet, der seit Jahrhunderten existiert und sich zum Krieg ausgeweitet hat? In einer Nacht?»

Diese Frage von Marija Latkovic kann man einfach beantworten. Solche Wellenmacher brauchen gar kein Wissen, erst recht kein vertieftes. Es sind reine Modesurfer. Sind Schlaghosen in, ziehen sie sich weite Ungetüme an. Kommen wieder die Röhrli-Jeans, sieht man sie darin umherstolzieren. Kommt endlich der vegane On-Turnschuh; her damit.

Gesinnungslosigkeit als einzige Gesinnung

Deren einzige Gesinnung besteht darin, dass sie besinnungslos-gesinnungslos sind. An einem Tag verurteilen sie den Rückzug der NATO aus Afghanistan. Am nächsten verurteilen sie den Einmarsch Russlands in der Ukraine. Was würden sie wohl sagen, wenn Russland wieder in Afghanistan einmarschierte? Und die fundamentalistischen Wahnsinnigen wieder von der Macht vertriebe?

Das alles, wie überhaupt jedes Ereignis auf der Welt, stellt kein Problem für diese Meinungsriesen dar. Was trendet, wo geht die Post ab, was ist der korrekte Hashtag, wo darf man dafür sein, ein Zeichen setzen, Solidarität zeigen? Weg mit der Pace-Fahne, her mit der ukrainischen Flagge. Blau-gelb, wunderbar, kann man nix falsch machen. Wo die herkommt? Wer oder was der Kiewer Rus war? Die Rurikiden?

Hä? Also wirklich, in der Schweiz skandierte man 1968 die Namen der beiden tschechoslowakischen Kommunisten Dubcek und Svoboda. Während jedem Schweizer Kommunisten «Moskau einfach» nahegelegt wurde. So blöd sind die Leute damals gewesen. Und haben seither nix dazugelernt.

Geändert hat sich nur, dass dank Sozialen Medien diese Gesinnungsblasen in aller Hässlichkeit aus dem Sumpf der oberflächlich-guten Denkungsart hinaufsteigen und mit üblem Geruch zerplatzen. Denn eines ist sicher: der nächste Anlass, sich furchtbar zu engagieren, geistig zu erigieren, an billigen Schlagwörtern zu onanieren, kommt bestimmt. Oder erinnert sich noch jemand an alle Solidarität mit Afghanistan?

Wie sagte da der Schwarze-Block-Genosse Fabian Molina so richtig, als ZACKBUM ihn fragte, ob der SP-Nationalrat angesichts seiner Forderung, die Schweiz müsse sofort 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen, vielleicht auch einen oder zwei beherbergen wolle?

«Sie werden sicher festgestellt haben, dass ich kein Staat bin. Entsprechend kann ich auch niemandem Asyl und Schutz gewähren.»

Aber nun müssten die Afghanen sowieso zusammenrücken, jetzt kommen die Ukrainer.

Sandkasten-Stratege Stefan Schmid, der überflüssige Chefredaktor des «Tagblatt», läuft auch wieder zur Höchstform auf. Putin wird unter seinen Worten im Kreml erschauern: «Putins Regime und seine Helfershelfer sind mit harten Sanktionen zu bestrafen.» Der Verzicht auf ein Subjekt in diesem Satz lässt tief blicken. Der Mann hat Eier in der Hose, was er von der «herumeiernden Schweiz» nicht sagen kann: «Die Haltung der Landesregierung ist – mit Verlaub – feige.» Das ist, mit Verlaub, billiges Maulheldentum eines Etappenhengsts, der im Luftraum über seinem Schreibtisch angestrengt fuchtelt und dazu ein finsteres Gesicht macht. Also eine Lachnummer abzieht.

Wie alle diese Ukraine-Versteher.

 

 

 

 

 

Antifaschist Molina

Der Nationalrat ist immer für eine öffentliche Peinlichkeit gut.

Der Faschismus in der Schweiz hat vergangenen Samstag eine schwere Niederlage erlitten. Ihm wurde in Zürich die linke Faust entgegengestreckt. Bei der unbewilligten und gewalttätigen Demonstration dabei war auch der SP-Nationalrat Fabian Molina, denn: «Im Einsatz gegen den Faschismus würde ich noch mehr in Kauf nehmen als eine Busse.»

Auf die Frage, wieso denn der Kampf gegen den Faschismus auch darin bestand, ein Strassenlokal zu verwüsten und die Gäste zu belästigen, antwortet er: «Ich lehne Gewalt ab, sie ist primitiv und trifft die Falschen.»

War dabei, aber lehnt es ab: gewalttätige Ausschreitungen des schwarzen Blocks.

Der Irrwisch ist immer für einen dummen Spruch gut, wenn er damit in die Medien kommen kann. NATO? «Gehört endlich aufgelöst». Corona? «Impfpflicht ist besser als ein Lockdown oder Verschärfung für Ungeimpfte.» Reaktion auf höflich gestellte Fragen? Dass er «in der Tat auch noch anderes zu tun» habe, «als auf Ihre unqualifizierten Gehässigkeiten zu reagieren

Betroffene Miene zu allem und jedem.

Afghanistan? «Die Schweiz soll sofort 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen.» Ob er bereit wäre, seinen Beitrag zu leisten? «Sie werden sicher festgestellt haben, dass ich kein Staat bin. Entsprechend kann ich auch niemandem Asyl und Schutz gewähren.» Kurzer Ausflug im umweltfreundlichen Flieger nach Berlin, um eine unscharfe Foto mit dem SPD-Wahlsieger Olaf Scholz publizieren zu können, die an der Siegesfeier geschossen wurde? Claro.

Und nun das Gehabe auf die Spitze getrieben. Molina in Mussolini-Schwarz gekleidet, umgeben vom schwarzen Block. Dem Dummschwätzer müsste man wirklich einen Klaps auf den Hinterkopf dafür verpassen, dass er den Kampfruf «no pasarán» missbraucht.

Entweder weiss er nicht, wo der geboren wurde, nämlich im Kampf der Spanischen Republik gegen den Franco-Faschismus. Das war eine Auseinandersetzung um Leben und Tod, auch bekannt als Spanischer Bürgerkrieg.

Kokettieren mit dem Flair

Was am Samstag in Zürich stattfand, war aber weder Bürgerkrieg, noch Kampf gegen den Faschismus. Es war Gehabe, Kokettieren mit dem Flair des Revolutionären. Das wie meist beim Schwarzen Block in sinnlosen Sachbeschädigungen mit Verletzten ausartete.

Während die «Faschisten», also die Freiheitstrychler und Konsorten, vielleicht eine Belästigung des Gehörs verursachen, ansonsten aber friedlich blieben. Dass rechtsnationale Spinner sich an die Spitze des ebenfalls unbewilligten Demonstrationszugs setzten, ist bedauerlich und hätte von den Veranstaltern unterbunden werden müssen.

Geschichtsvergessene Idioten in Zürich.

Aber das zum «Kampf gegen den Faschismus» aufzupumpen, Zürich für «nazifrei» zu erklären, wie bei einer Modeshow sich vor einer Drohkulisse hinzustellen und dann nicht mal die Faust zum Genossengruss erheben, sondern ein kindisches Victory-Zeichen machen (ob der Provokateur weiss, wo das herkommt?) – das disqualifiziert eigentlich seine Funktion als Volksvertreter und Parlamentarier.

Schon mal etwas von demokratischen Gepflogenheiten gehört? Davon, dass Demonstrationen in parlamentarischen Demokratien erlaubt sind, aber Erlaubnis brauchen? Dass man nicht mitlaufen kann, um sich dann von gewalttätigen Ausschreitungen verbal zu distanzieren.

Mit Märtyrergehabe ins Sinnlose geredet.

Wer sich mit dieser Klientel nicht nur blicken lässt, sondern das für einen Eintrag in sein linkes Poesiealbum tut, kann sich nicht aus der Verantwortung schleichen, wenn’s anschliessend wie meistens kracht.

Bin ich dagegen, habe ich nicht gewollt, war nicht absehbar. Diese dummen Sprüche kennen wir aus der Geschichte genügend.

Die Frage ist nun, ob es weiterhin genügend Wähler gibt, die es für eine gute Idee halten, diesen eitlen Selbstdarsteller weiterhin zu unterstützen. Und ob es seine Partei verantworten kann, einerseits energisch gegen rechte Gewalt, gar den «rechten Mob» zu polemisieren, aber die Teilnahme eines ihrer Nationalräte am linken Mob zu tolerieren.

Nach der Devise: braune Fäuste, pfui. Rote Fäuste, hui.

 

 

 

 

Der Medien-Molina

Wahrnehmung ist in der Politik alles. Wenn es nicht um Wirkung, sondern um Selbstvermarktung geht.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Fabian Molina ist süchtig. Oder er leidet unter einem Aufmerksamkeitsdefizit. Aber er therapiert sich selbst. Fast 1000 Treffer in der Mediendatenbank SMD in den letzten sechs Monaten. Das soll ihm mal einer nachmachen.

Der Zürcher SP-Nationalrat hat sich zwecks medialer Wirkung angewöhnt, eigentlich zu (fast) allem eine Meinung zu haben. Die ist dann nicht sehr nachhaltig, aber zumindest zitierfähig.

Molina: ist sich für keinen Medienstunt zu schade.

Ein paar Highlights aus seinem jüngsten Medienschaffen. Da hätten wir mal Afghanistan: Er weiss genau, was dort geschehen muss: «Ziel muss sein, die Taliban mit Anreizen und Sanktionen dazu zu bringen, Menschenrechte zu respektieren.»

Natürlich müsse die Schweiz auch sofort mindestens 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen, fordert Molina. Etwas verkniffen reagiert er allerdings, wenn man ihn fragt, ob er da mit gutem Beispiel vorangehen und selbst so ein, zwei Afghanen bei sich beherbergen könnte:

«Sie werden sicher festgestellt haben, dass ich kein Staat bin. Entsprechend kann ich auch niemandem Asyl und Schutz gewähren.»

Wo er recht hat: niemals würden wir den Möchtegern mit einem Staat verwechseln. Aber er stellt Forderungen, als wäre er einer.

Molina kümmert sich auch ums Ganze

Steht gerade nichts Aktuelles an, kümmert er sich um die grossen und letzten Dinge auf der Welt. Zum Beispiel: «Die NATO gehört endlich aufgelöst.» Denn sie sei «ein gewalttätiger Sonderbund des Westens

Da stellt sich allerdings die Frage, ob Secondo Molina eine Aufnahmeprüfung in Staatskunde bestanden hätte, wenn er beantworten sollte, was denn der Sonderbund genau war.

Molinas Schreckensvorstellung.

Aber gut, auch die NATO hat diesen Angriff überlebt. War ja auch nur so eine Idee für flaue Tage.

Dagegen hat Molina eine weitere Geheimwaffe im Gepäck: er ist «Schweizer Meister im Einreichen von Vorstössen», wie sich CH Media schon über ihn mokierte. Ist da gerade nichts los, fordert er unermüdlich rasche Beitrittsverhandlungen mit Brüssel, denn selbstverständlich muss die Schweiz in der Mitte Europas nicht abseits stehen. Dass nur 13 Prozent der Schweizer diese Meinung teilen, was soll’s, die müssen ja auch nicht immer in den Medien präsent sein.

Molina liebt den grossen Auftritt so sehr, dass es auch ein kleiner tut. So reiste er zusammen mit Céderic Wermuth und Jon Pult, zwei weiteren Kämpfern für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und vorbildliches Leben, nach Berlin, um dort dem Wahlsieger Olaf Schulz zu gratulieren.

Per Flugzeug natürlich.

Wieso dreht sich die Welt eigentlich weiter?

Allerdings musste Molina einräumen: «Die Schweiz ist für Deutschland etwa so wichtig, wie für uns Liechtenstein.» Was nahm er sonst so an Erkenntnissen aus der deutschen Hauptstadt mit?

«Die Party war ausgelassen! Es gab Bier und Musik im Willy-Brandt-Haus.»

Was tut man nicht für so einen Quatsch (Foto in Originalqualität).

Leider ist es so, dass die Welt nicht wirklich zur Kenntnis nimmt, was Molina so alles verlangt, wenn der Tag lang ist und er noch keinen Auftritt in den Medien hatte. Dabei hätte er sogar das Rezept für die Heilung des ganzen Planeten: So forderte er im Mai 2020 «mit einer Erklärung alle Konfliktparteien rund um den Globus auf, sich unverzüglich an einem weltweiten Waffenstillstand zu beteiligen.» Denn nur so könne die Pandemie effizient bekämpft werden.

Wir ahnen es: niemand hörte mal wieder auf ihn, es gibt weder weltweiten Frieden, noch ist die Seuche besiegt. Aber immerhin, das Thema Corona ist inzwischen ein Selbstläufer für den eitlen Selbstdarsteller. Daraus presst er unablässig Medienauftritte, wofür ihm kein auch noch so absurder Vergleich zu schade ist.

Die Impfpflicht für alle, die er mehr oder minder verklausuliert fordert, das sei so etwa wie die Dienstpflicht für Männer.

Corona gibt immer etwas her

Inzwischen will Molina auch äusserlich seinem erfolgreichen Vorbild Céderic Wermuth gleichen und hat sich für einen – allerdings eher schütteren – Dreitagebart entschieden.

Den hält er natürlich auch jederzeit dorthin, wo eine Kamera läuft und ein Mikrophon angeschaltet ist. So meint der zum Seuchenexperten mutierte Luftikus, dass natürlich «die aktuelle Durchseuchungsstrategie bei Kindern keine Lösung» sei.

Betroffener Blick, Meinung aus dem Stegreif: Molina.

Sollten also auch unsere Kleinen ein Zertifikat mit auf den Lebensweg bekommen? Denn das ist aktuell nur ab 16 Jahre nötig und möglich. Da wirft Molina alle Grundprinzipien der Logik über Bord: «Das Zertifikat ist eine Möglichkeit, mehr Freiheit zurückzubekommen.»

Welche Freiheit sollten Kinder «zurückbekommen»? Sie sind doch zertifikatsfrei. Ob das Zertifikat ein Schritt in die Unfreiheit wäre, sei dahingestellt. Aber auf jeden Fall bekommt jemand, der kontrollierbar geworden ist, dadurch kein Stück Freiheit geschenkt.

Aber um solche Finessen geht es Molina auch gar nicht. Denn er weiss genau: wen interessiert schon mein dummes Geschwätz von gestern. Heute ist ein neuer Tag, morgen auch, und immer wieder in den Medien aufzutauchen, das ist Knochenarbeit. Auch wenn längst schon kein Fleisch mehr an den vorhersehbaren Miniprovokationen des Dampfplauderers hängt.

Schliesslich gehört das zum Anforderungsprofil eines Berufspolitikers, der nichts anderes gelernt hat. So als Dauerstudent der Geschichte und Philosophie. Er wurde im zweiten Anlauf Juso-Präsident, ist ehemaliger Jugendsekretär der Gewerkschaft Unia, «wissenschaftlicher Mitarbeiter» bei «Swissaid» und in den Nationalrat nachgerückter SP-Genosse.

In Molinas Medienmaschinenraum.

Sittenverluderung

Sind Medienanfragen inzwischen überflüssig? Oder das eisige Schweigen als Normalfall.

Das erste Mal begegnete ZACKBUM das Phänomen in geballter Form, als 78 Tamedia-Journalistinnen – nicht alle freiwillig – mit einem Protestschreiben an die Öffentlichkeit gelangten. Sie beschwerten sich über demotivierende, diskriminierende, sexistische und unerträgliche Zustände auf den Redaktionen.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Allerdings enthielt das Schreiben dermassen viele Ungereimtheiten, dass es dringlichen Bedarf nach Aufklärung gab. Da sich die 78 Unterzeichner als Kollektiv verstanden, machte sich ZACKBUM mehrfach die Mühe, allen umfangreiche Fragenkataloge zuzustellen, mit der Bitte um Beantwortung in reichlich bemessener Frist.

Die Reaktion bestand jeweils aus einigen automatischen Ferienabwesenheitsmeldungen und zwei, drei Reaktionen, dass man die Fragen nicht beantworten wolle. Ab dem zweiten Mal – denn es stellten sich immer mehr Fragen – gab es nur noch Abwesenheitsmeldungen und eine einzige genervte Antwort, dass man doch schonmal klargestellt habe, dass man nicht antworten werde. Schliesslich versuchte es ZACKBUM noch mit einem genauso offenen Brief wie die Protestierer – auch vergeblich.

Reaktion eines Journalisten auf eine Medienanfrage.

Das verblüfft insbesondere, weil man doch erwarten könnte, dass Frauen des Wortes, erprobt in journalistischen Praktiken, die Möglichkeit zur Stellungnahme gerne ergreifen würden. Aber nein, wilde Behauptungen aufstellen, sie mit anonymisierten und daher nicht überprüfbaren «Beispielen» unterfüttern, aber darüber keine Rechenschaft ablegen, das wurde wohl als seriöses und kompetentes Verhalten gesehen.

Auch «Fairmedia» ist weder fair, noch media

«Fairmedia» bezeichnet sich als «Kompetenzzentrum für Medienrecht». Abgesehen davon, dass es mit der Kompetenz so eine Sache ist: hier kann man doch als Selbstverständlichkeit erwarten, als gelebte Fairness, dass journalistische Anfragen beantwortet werden.

Erwarten kann man das schon, erleben nicht. Zunächst gibt es einmal sogar eine telefonische Reaktion. Anschliessend wird aber das Zitieren ausdrücklich untersagt. Dann gibt es noch einmal eine schriftliche Reaktion – und seither herrscht eisiges Schweigen auf Anfragen. So wollte ZACKBUM unlängst wissen, wie sich denn «Fairmedia» zum Entscheid des Gleichstellungsbüros positioniere, das dem Verein Netzcourage bereits zugesagte finanzielle Unterstützung abstellte, weil der Verein sich nicht an die Spielregeln beim Bezug von Steuergeldern gehalten habe.

Die Frage drängt sich auf, weil «Fairmedia» eine eigene Fanpage für Jolanda Spiess-Hegglin aufgeschaltet hat, wo man unter «Team Jolanda» Spendengelder abdrücken soll.

Aber da bleibt «Fairmedia» in aller Fairness einfach stumm. Genau wie die Interimspräsidentin von «Netzcourage» selbst. Sie ist zwar auf der Medienmitteilung mit E-Mail-Adresse angegeben und stünden für «weitere Auskünfte» zur Verfügung. Probiert man das allerdings aus, antwortet tiefes Schweigen.

Auch «Netzcourage» bleibt lieber stumm

Spiess-Hegglin selbst – ebenso wie ihre Anwältin – beantwortet ebenfalls keine Fragen. Aber immerhin, sie leistet sich den Scherz, die Fragen auf den sozialen Medien zu veröffentlichen; gespickt mit ein paar launigen Kommentaren (der Fragesteller sei «zackdoof» und «altersmässig eher Richtung Gnadenhof»). Damit bringt sie ihren damals noch reichlich vorhandenen Fanclub ins Hyperventilieren.

Aber genauso wie die plötzlich zurückgetretenen Vereinspräsidentinnen hält es niemand für nötig, auf höflich formulierte Fragen zu antworten. Immerhin im zweiten Anlauf bequemt sich dagegen SP-Medienstar Fabian Molina zu einer Antwort; nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er «in der Tat auch noch anderes zu tun» habe, «als auf Ihre unqualifizierten Gehässigkeiten zu reagieren

Dabei wollte ZACKBUM nur von ihm wissen, ob er angesichts seiner Forderung, sofort 10’000 Afghanen in der Schweiz Asyl zu gewähren, selbst bereits sei, vielleicht zwei aufzunehmen. Diese Frage war weder unqualifiziert, noch gehässig.

Politiker, der einer Medienanfrage gewahr wird.

Ganz allgemein ist zu konstatieren, dass hier eine zunehmende Sittenverluderung stattfindet. Es gehört zu den Gebräuchen und ungeschriebenen Gesetzen, dass man auf Medienanfragen reagiert. Zumindest mit einem «pfeif dir eins, ich sage nix.»

Auch das Gegenteil gibt’s – kritisieren, ohne zu fragen

Handelt es sich um inhaltlich berechtigte Fragen, um die Gelegenheit, zu einer Kritik im kritisierenden Artikel selbst Stellung zu nehmen, wäre es fast obligatorisch. Denn umgekehrt gibt es immer mehr Beschwerden, dass Menschen oder Institutionen mit Anlauf in die Pfanne gehauen werden, ohne dass sie Gelegenheit hatten, dazu Stellung zu nehmen.

Gerade im Themenbereich Spiess-Hegglin greift das um sich. So veröffentlichte der «Republik»-Schreiber Daniel Ryser ein ellenlanges Stück über die angebliche «Vernichtungsmaschine» Tamedia, die sich vorgenommen habe, Spiess-Hegglin nach allen Regeln der schwarzen Kunst fertigzumachen.

In dem Artikel rempelte er auch mehrere, namentlich erwähnte Mitarbeiter von Tamedia an, von Oberchefredaktor Arthur Rutishauser abwärts. Nur: kein einziger der so Angepinkelten hatte Gelegenheit bekommen, zu Vorwürfen Stellung zu nehmen. Wohl nach der Devise: lass dir eine schöne Polemik doch nicht durch blöde Richtigstellungen kaputtmachen.

Warum Ryser dieses Vorgehen gewählt hatte, das einem Recherchierjournalisten unwürdig ist, hätte ZACKBUM gerne gewusst. Nur: Ryser reagierte nicht auf einen Fragenkatalog.

Das darf doch gesagt werden

Angeblich ein Slogan von rechten Hetzern. Aber in den verludernden Medien ist auch einiges möglich.

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Dezent berichtet das St. Galler «Tagblatt»:

«So hat etwa die Co-Präsidentin der Operation Libero vergangene Woche in der SRF-Sendung «Club» die Frage aufgeworfen, ob wir als Mehrheit «in Kauf nehmen müssen, dass Menschen, die sich einer Impfung verweigern, ihre Mitmenschen gefährden, das Gesundheitssystem an den Anschlag bringen, Burn-outs beim Pflegepersonal und Schulschliessungen verursachen oder gar in einen Lockdown führen, welcher die Freiheit aller einschränkt». Nach dem Verursacherprinzip müssten diese Leute etwa die wirtschaftlichen Schäden tragen. 

Auch verschiedene Gesundheitspolitiker, wie etwa Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel, forderten, dass Ungeimpfte die Konsequenzen ihres «Nichthandelns» tragen und gegebenenfalls auf einen Platz auf der Intensivstation verzichten sollten.»

Nun darf im Rahmen der Meinungsfreiheit jeder (auch jede!) alles sagen, solange es sich innerhalb unserer Rechtsordnung bewegt. Zensur ist verboten, und ein IQ-Test muss auch nicht absolviert werden. Ebenso wenig eine Überprüfung des Alkoholpegels.

Verblüffend aber, dass jeder dumme Spruch eines verpeilten Impfgegners mit grossem Hallo durch die Medien geschleift wird. Diese beiden Ungeheuerlichkeiten hingegen werden so ein passant vermerkt.

Die «Operation Libero» zeichnet sich dabei durch ein speziell nassforsches Vorgehen ihrer Co-Präsidentin aus. Die scheint ganz allgemein unter einem Aufmerksamkeitsdefizit zu leiden. Nicht nur in kampffeministischen Kreisen würde ein solcher Auftritt auf dem Laufsteg der «Schweizer Illustrierten» eigentlich für hämische Kommentare sorgen.

Aber bei Frauen, die doch eigentlich auf der guten und richtigen Seite stehen, herrscht Beisshemmung. Auch wenn sie schon eine «Impfersatzabgabe» forderte und in Frage stellt, ob ein solches grobfahrlässiges Inanspruchnehmen der Impffreiheit in der Schweiz nicht sanktioniert werden müsste. Wer rauche, müsse doch auch Tabaksteuer bezahlen.

Im Übrigen ist Sanija Ameti für eine «differenzierte Impfpflicht». Logik ist nicht so ihre Sache, sonst würde sie selbst merken, wo ihre Analogie mit dem Rauchen hinkt. Der Konsum von Tabak ist kostenpflichtig, die freie Entscheidung, zu rauchen oder nicht, die ist gratis.

Honni soit, qui mal y pense.

Ähnlich schräg argumentiert auch SP-Nationalrat Fabian Molina, der eine Impfpflicht mit der obligatorischen Dienstpflicht für Männer vergleicht. Es ist bedauerlich, zu welchen öffentlichen Fremdschämaktionen der ewige Versuch von Politikern führt, in den Medien wahrgenommen zu werden.

Auch eine Lobbyisten ist ganz vorne dabei

Ganz vorne dabei ist auch die Krankenkassenlobbyistin Humbel:

Alleine die Liste ihrer Interessensbindungen als Nationalrätin zählt 9 bezahlte Verwaltungs- oder Stiftungsratsmandate auf; darunter die Concordia, das Swiss Medical Network, die Reha Clinic AG, die Stiftung Vita Parcours, usw. Natürlich völlig unabhängig davon fordert eine christliche Politikerin der Mitte doch tatsächlich, dass Ungeimpfte allenfalls auf einen Platz in der Intensivstation verzichten sollten.

Dieser fundamentale Angriff auf das Solidaritätsprinzip in der obligatorischen Krankenversicherung wird weitgehend kommentarlos zur Kenntnis genommen und referiert. Ob ein alter Raucher eine Lungentransplantation bekommen sollte oder ein Alkoholiker mit Leberzirrhose ein neues Organ, das sind völlig berechtigte Abwägungen. Aber wegen der Inanspruchnahme eines Freiheitsrechts Sanktionen oder gar den Ausschluss von medizinischen Leistungen zu fordern, das ist eigentlich unerhört.

Getoppt wird das nur durch die Gleichgültigkeit der Medien, deren Erregungsbewirtschaftung auf andere Aussagen fokussiert ist. So nach der Devise: man kann sich ja nicht um alles kümmern. Vor allem nicht um Aussagen, die doch eigentlich deren vorgefasster Meinung über Impfmuffel entsprechen …

Afghanistan: ja, man kann

Maulhelden fordern und kritisieren. Aber es gibt auch wenige, die handeln.

Im Elendstal des Verrats an allen fortschrittlichen Afghanen gibt es eine Riege von Maulhelden, die nicht müde werden, absurde Forderungen aufzustellen. Man sollte, man müsste, sofort, 10’000 Afghanen, Unterstützung, Blabla.

Ein Traumtänzer wie der SP-Nationalrat Fabian Molina entblödet sich sogar nicht mal, die Auflösung der NATO zu fordern, weil die an den Zuständen in Afghanistan schuld sei.

Begleitet wird das Affentheater vom dröhnenden Schweigen aller frauenbewegten Stimmen. Unerträgliche Zustände fast wie unter den Taliban bei Tamedia kritisieren. Das Kleinstproblem Femizid in der Schweiz zu einem schlecht recherchierten und geschriebenen Artikel aufblasen. Gerne die Burka des Schweigens über den Blödsinn legen, den bewegte Frauen wie Tamara Funiciello anlässlich der Abstimmung über das Burkaverbots in der Schweiz abgesondert haben.

Aber sonst? Nichts, nada, null. Eigeninitiative, konkrete Hilfe, wenigstens der Versuch dazu? Selten hat sich eine Bewegung so erbärmlich-ärmlich gezeigt wie die der angeblichen Verteidiger von Frauenrechten gegen Sexismus, Unterdrückung, männliche Herrschaft.

Aber immerhin, es gibt einen kleinen Lichtblick. ZACKBUM räumt ein, dass wir auch nicht mehr recht daran geglaubt haben. Aber wir haben uns gerne eines Besseren belehren lassen:

Das ist mal eine gute Nachricht.

Es ist ein Zusammenschluss eines kunterbunten Strausses von Organisationen, es war ein kühner Plan, es gab Hindernisse so hoch wie der Himalaya zu überwinden. Es handelt sich auch nicht um 10’000 Afghanen, die hier gerettet wurden.

«Fast hätten wir selbst nicht mehr daran geglaubt, doch gestern Nacht konnten wir 189 Menschen in Bussen mit amerikanischer Unterstützung über zahlreiche Check-Points in den Kabuler Flughafen bringen. Von dort wurden sie mit einer Militärmaschine der USA ausgeflogen und warten derzeit in Doha und Riad auf die Weiterreise.»

ZACKBUM ist stolz darauf, mit der Überzeugung, dass das nie funktionieren wird, aber eine so konkrete Aktion Unterstützung verdient, mit einer Spende einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben. ZACKBUM ist stolz darauf, sich für den ehemaligen BBC-Bürochef von Kabul einzusetzen, der in die Schweiz geflüchtet ist und dem es gelungen ist, seine Familie zumindest vor dem direkten Zugriff der Steinzeit-Fanatiker in Sicherheit gebracht zu haben.

All das gibt keinen Auftritt in der «Tagesschau» oder in den Schweizer Medien, die jede noch so absurde Forderung von Maulhelden kolportieren. Aber besser, 189 Menschen retten, besser, eine Familie retten, als in aller Peinlichkeit mit sinnlosen Forderungen öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen. Besser das, als Windmacher zu sein. Besser das, als dumpf zu schweigen.