Schlagwortarchiv für: F.W. Bernstein

Fast ohne Worte

Wettbewerb im tiefergelegten Humor.

Gerade ist Hans Traxler gestorben («Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche»). Kanzler Kohl als Birne, die Satirehefte «Pardon» und «Titanic», diese Texte von F.W. Bernstein, und dann dieser begnadete Strich des Karikaturisten.

Immerhin ist Traxler 97 Jahre alt geworden; das mindert die Trauer etwas.

Aber.

Auch im Elendsorgan «Tages-Anzeiger» gab es mal begnadete Karikaturisten wie Nico oder Schaad. Es ist geradezu rüpelhaft, seit bereits einiger Zeit einen gewissen Marco Arrigoni sein schändliches Werk im Kopfblattsalat aus dem Hause Tamedia verrichten zu lassen.

ZACKBUM hat’s schon mehrfach vergeblich versucht, im Namen der gequälten Leser um Gnade zu bitten. Wir versichern: unsere Karikatur ist lustiger als dessen Gesamtwerk. Und hiermit geben wir offiziell und endgültig und wortlos auf.

Denn dieser Fünferschlag ist schlichtweg nicht zu unterbieten. Nicht nur, weil es schlecht gezeichnet ist. Nicht nur, weil es völlig humorfrei ist. Nicht nur, weil es unverständlich ist. Sondern weil es alles zusammen ist.

Augen auf und durch. Und immer an die denken, die dafür auch noch was zahlen.

Wenn die «Republik» die Welt nicht versteht

Das reine Eingeständnis wäre wunderbar. Aber …

«Republik»-Gewächs Dennis Bühler ist selbst ein begnadeter Verschwörungstheoretiker. So verstieg er sich (mit anderen) beim Skandal um die Zürcher Herzklinik zu einer Philippika gegen den Whistleblower, der die tödlichen Implantate zuerst intern, dann öffentlich anprangerte.

ZACKBUM schrieb damals, «das Schmierenblatt hatte eine ganze Trilogie auf die «Zürcher Herzkrise» gegossen; insgesamt über 134’000 A Halbgares und Halbwahres und Angefüttertes. Dafür wurde die «Republik» dann unter anderem vom Presserat gerügt und musste knirschend eine Gegendarstellung des «Tages-Anzeigers» abdrucken – eine der Keimzellen einer späteren Racheserie gegen Tamedia.» Es «recherchierten» Philipp Albrecht, Dennis Bühler und Brigitte Hürlimann.

Daher fühlt sich Bühler offenbar dem Urheber der Bargeld-Initiative Richard Koller und seinen Mitstreitern irgendwie seelenverwandt.

Aber sozusagen als spiegelbildliches Gegenteil, denn: «Mit ihrer Initiative unterstellen sie, es gebe geheime Bestrebungen, Münzen und Noten abzuschaffen. Obwohl es dafür keinen Beleg gibt, und obwohl der Bundesrat sowie hohe Vertreterinnen der Nationalbank das Gegenteil beteuern. Es ist nicht die erste Initiative, mit der diese Kreise Zweifel und Zwietracht säen, und es wird nicht die letzte sein.»

Auf für die «Republik» völlig unüblichen schlappen 5666 A macht Bühler hinter dem Initiativkomitee ein Sammelsurium von finsteren und fragwürdigen Gestalten aus:

«Zweitunterzeichner der Bargeldinitiative ist Christian Oesch, Gründer des Vereins WIR, Klimawandel-Leugner und Anhänger zahlreicher Verschwörungstheorien – ein Mann, der in unzähligen Berichten von «Globalisten», «Plandemie» und «Great Reset» schwadroniert und der dem rechtspopulistischen österreichischen TV-Sender Auf1 nach eigenen Angaben als Schweizkorrespondent dient.»

Es ist wahrlich ein Gerümpelturnier schlimmer Finger, Vordenker des «Alpenparlaments», dazu Felix Hepfer, «dem enge Verbindungen zum Sektenprediger Ivo Sasek nachgesagt werden». Nachgesagt wird das in einem obskuren Beitrag aus dem Jahr 2020 auf einer Webseite namens «Forum Faktencheck Elektrosmog».

Im Schweizer Parlament habe die Bargeldinitiative im Ständerat nur die Unterstützung von Pirmin Schwander und im Nationalrat von «15 SVP-Männern» gefunden, darunter «der wegen Rassendiskrimnierung verurteilte Jean-Luc Addor, «Gaga-Rechtsextremist» Andreas Glarner und Erich Hess, der selbst vor stark rassistischer Sprache nicht zurückschreckt». Wie tut er das? Hess verteidigt die Verwendung der Begriffe «Zigeuner» und «Neger» in einem entsprechenden Kontext, was Bühler nicht davor zurückschrecken lässt, das als angeblich stark rassistische Sprache zu denunzieren.

Also ein Schreckenskabinett von Verpeilten, Verurteilten, Sonderlingen, Verschwörungstheoretikern mit Verbindungen zu Sektenpredigern «im Milieu rechter Esoteriker». Aber, das macht Verschwörungstheoretiker Bühler fassungslos: die Initiative sende zwar «ein politisch fragwürdiges Signal aus», aber «mehr als 60 Prozent der Stimmbürgerinnen wollen ihr zustimmen». Man kann davon ausgehen, dass das auch bei Stimmbürgern und everybody beyond so ist. «Fragt sich bloss, warum», jammert Bühler verzweifelt.

Denn: «Mit ihrer Initiative unterstellen sie, es gebe geheime Bestrebungen, Münzen und Noten abzuschaffen. Obwohl es dafür keinen Beleg gibt.»

Es sind wohl für Bühler reine Verschwörungstheorien, dass Bargeldverwendung immer strengeren Grenzen unterliegt. Als Begründung gilt der Kampf gegen Geldwäsche. So ist in der Schweiz zwar die Verwendung von Bargeld theoretisch unbegrenzt möglich, bei Zahlungen von über 10’000 Franken gilt aber faktisch eine Melde- und Begründungspflicht. Das ist auch in der EU so, wobei in Frankreich und Spanien sogar eine Obergrenze von 1000 € gilt.

Zudem ist die Einführung eines ergänzenden digitalen Euros geplant.

Bargeld hat gegenüber jeder anderen Form der Bezahlung einen unschlagbaren Vorteil: die Herkunft einer Banknote ist unbekannt, wer damit zahlt, bleibt anonym, der Empfänger weiss ebenfalls nichts Genaues. Das ist bei elektronischen, geschweige denn digitalen Finanztransaktionen anders.

In jedem Währungsraum hat der Staat via Portemonnaie und Geld die direkteste Zugriffsmöglichkeit auf seine Bürger. Er kann ihnen das Geld weginflationieren, er kann sie enteignen, ihre Transaktionen kontrollieren, Bankkonten sperren, Auffälligkeiten registrieren, bestimmte Zahlungen verbieten oder sanktionieren. Die Kontrolle über elektronischen Zahlungsverkehr ist total. Die finanzielle Unterstützung von Oppositionsbewegungen in Unrechtsstaaten ist nur über Bargeld oder alternative Zahlungsmethoden wie in Bitcoin möglich.

Das hat nichts mit Schwurbeln oder verschwörungstheoretischer Abneigung gegen den Staat zu tun. Sondern ist eine legitime Verteidigung des Freiraums des Bürgers, was glücklicherweise von der Mehrheit der Bevölkerung so gesehen wird. Für eine Minderheit, zu der Bühler gehört, ist das aber Anlass für wilde Verschwörungstheorien.

Was für ein Witz, aber ein schlechter: was er den Initianden vorwirft, trifft auf ihn selber zu. Wie sagte F.W. Bernstein so unsterblich richtig:

«Die schärfsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche.»

 

Ein entlarvendes Interview

Tamedia übertrifft sich im Framing mal wieder selbst.

«Bschiss», «Bischiss», «Bschiss». Ein paar Redaktoren beim Tagi können vor lauter Wichtigkeit kaum mehr geradeaus laufen. Ihre Enthüllung erschüttere angeblich die Schweiz. Tausende von Unterschriften unter Initiativen seien wohl nicht nur gekauft, sondern auch gefälscht. Und keiner habe was gemerkt, bis der Tagi kam.

Der erste Teil der Ansage harrt noch des Beweises. Der zweite Teil ist erwiesenermassen falsch. Um eine solche Story am Köcheln zu halten, braucht es natürlich unter anderem auch das Interview mit dem Fachmann. Mit einem Experten. Voilà:

«Nach den Enthüllungen dieser Redaktion verlangt Campaigner Daniel Graf einen sofortigen Stopp des Unterschriftenkaufs.» Nicht nur Thomas Baumann fragt sich in der «Weltwoche», ob Graf da wirklich der geeignete, neutrale Fachmann sei.

Denn hier wie kaum sonst gilt ein genialer Satz von F.W. Bernstein:

«Die schärfsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche».

Jacqueline Büchi stellt ihn dem Leser einleitend vor (Graf, nicht den Elch): «Kaum jemand im Land kennt den Maschinenraum der direkten Demokratie so gut wie Campaigner Daniel Graf. Der Historiker ist Mitbegründer der Stiftung für direkte Demokratie und der Plattform Wecollect. Im Interview übt er scharfe Kritik am heutigen System.»

Das grenzt nun schon an Fake News. Denn richtig ist, dass der «Campaigner» das Thema Unterschriftensammlungen sehr, sehr gut kennt. Er darf hier auch Staatstragendes absondern: «Es steht viel auf dem Spiel, es geht um das Vertrauen in die direkte Demokratie.»

Zunächst einmal steht hier wieder die Glaubwürdigkeit des Tagi auf dem Spiel. Denn wäre es nicht redlich gewesen, dem Leser ein wenig mehr Informationen über den Interviewten zu geben? Da gibt schon mal die Webseite seiner Bude «wecollect» Auskunft: «Seit dem Start 2015 haben wir über 800 000 Unterschriften gesammelt.» Ach so, der Mann ist kein «Campaigner», sondern ein Unterschriftensammler.

Wir wollen ihm natürlich nicht unterstellen, dass er das mit unlauteren Mitteln täte. Aber es ist doch vielleicht ein wenig unfair, einen Unterschriftensammler über andere herziehen zu lassen, ohne den Leser darüber zu informieren, dass das möglicherweise nicht ganz uneigennützig  oder objektiv geschieht.

Das ist ungefähr so, wie wenn man einen Coop-Marketingmenschen über die Rabattpolitik der Migros interviewen würde – ohne zu sagen, dass der Interviewte für den direkten Konkurrenten arbeitet.

Dass Graf sich selbst eindeutig im linksliberalen Lager verortet, ist für Büchi auch kein Problem; sie lässt ihn ungebremst über die «Bürgerlichen» herziehen, wobei er den Namen Blocher gar nicht erwähnen muss: «Zudem gibt es im bürgerlichen Lager Komitees, die über sehr viel Geld verfügen und im Extremfall ganze Initiativen kaufen.» Allerdings kann er für diesen happigen Vorwurf nur ein einziges Beispiel anführen, die Blackout-Initiative. Und was er zu erwähnen vergisst: für Unterschfitensammeln bezahlen, das ist erlaubt. Kennt er selbst.

Aber Baumann hat noch ein weiteres Schmankerl auf Lager. Graf verfügt ja über eine der besten Adresskarteien der Schweiz. Die er selbstverständlich nur für Gotteslohn zur Verfügung stellt. Er fordert: «Ich befürworte schon lange, dass Unterschriften auch elektronisch gesammelt werden können. Beim sogenannten E-Collecting könnte man die Handynummer hinterlegen.»

Ganz abgesehen von schweren staatspolitischen und datenschützerischen Bedenken: «Können Unterschriften auch elektronisch gesammelt werden, dann gewinnt die «berühmte» Adresskartei von Daniel Graf noch mehr an Macht», schliesst Baumann messerscharf.

Man sieht (bzw. sieht nicht): hier gäbe es einiges an Aufklärungsbedarf, wenn man diesen Graf schon die Gelegenheit für Gratiswerbung und Selbstdarstellung gibt. Aber da er mit seiner Haltung in die Gesinnungsblase der Tamedia-Redaktion passt, hält es Büchi nicht für nötig, dem Leser einige Informationen mit auf den Weg zu geben, mit denen er das Geblubber von Graf richtig einordnen könnte.

Stattdessen die Lieblingsbeschäftigung der Qualitätsjournalisten von Tamedia: Leserverarsche.