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Schnarch

ZACKBUM wagte einen Blick in die heutige «SonntagsZeitung».

Stunden später sind wir wieder aufgewacht. Ein doppelter Espresso befähigt uns, über den Inhalt der Schnarchhilfe zu berichten. Mal im Ernst, liebe SoZler:

Holt irgend etwas davon die Oma aus dem Koma, angesichts der Altersstruktur Eurer Leser? Es gibt immer mehr Ausländer an der ETH? Schnarch. Usian (da war doch mal was) Bolt? Gähn. «Prämieninitiative: Reiche Kantone profitieren», wegnick. Dazu noch «Liebe im Alter», «Mount Everest» und gar «Richtig packen»? Echt jetzt?

Ein Leitartikel über die «toxische Männlichkeit des Brian K.»? «Krach» zwischen Keller-Sutter und Ermotti? Weil sie Wattebäusche wirft, die im Parlament noch mit Weichspüler übergossen werden? Come on.

«Es braucht viel mehr grosse Kraftwerke als angenommen», das wusste ausserhalb der Klimakreischen-Fraktion in der SoZ sowieso schon jeder. «Meret Schneider will zurück ins Bundeshaus»; Meret who? Die abgewählte Grüne will in knapp vier Jahren wieder antreten? Erschütternd, Grund für eine Seite und ein Riesenfoto?

Dann Deutscher über Deutschen (SZ-Rossmann über CDU-Merz) oder Deutscher über Chinesen (SZ-Müller über China-Xi). Dann Nebel-Somm über den 1. Mai, der angeblich zu «einem Nazi-Tag verkam». Der gelernte Historiker weiss offenbar nicht einmal, dass Hitler den 1. Mai in Deutschland zum Arbeiterkampf- und Feiertag machte. Und sein Geständnis «Ich bin kein Linker mehr», das mag auch nicht wirklich überraschen.

Daneben steht Gülsha Adilji, und das war dann der Knock-out-Tropfen.

Wirtschaft? «Behindern Eltern die Berufswahl ihrer Kinder?» Die Enthüllung: «Väter und Mütter haben einen starken Einfluss auf den Bildungsweg ihrer Kinder». ZACKBUM dachte bislang, dass es umgekehrt sei. Aber so lernt man täglich dazu.

Und schliesslich, last and least: «Kroatien überholt Nemo – Diese vier Acts könnten uns den Sieg streitig machen». UNS?

Schlimmer als Tamedia (34’000 A im «Magazin», geschrieben von Feigling Gertsch) ist eigentlich nur SRF. Da lässt sich die Musikredaktorin Gini Mühlhaus zu Nemo so zitieren: «Dieser Song sitzt nicht nur, dieser Song klebt.» Ja, ungefähr wie ein Kaugummi an der Fusssohle.

Aber SRF traut sich was, wovor selbst die SoZ zurückschreckt:

Non-binär, für unsere Kleinen erklärt. Das müssen die schliesslich wissen. So blöde Sachen wie Rechtschreibung oder Rechnen ist doch was für Streber und leistungsbereite Blödis.

Allerdings: beim Durchblättern dieser SoZ fragt man sich schon, ob Primarschüler dafür wirklich lesen lernen sollten.

Tief in den Schlaf wiegte uns dann allerdings dieser Artikel:

Weil eine Homestory über eine «Kommunikationsberaterin» auch ausserhalb der SI schnarchlangweilig ist? Das auch, aber:

Die genau gleiche schnarchlangweilige Homestory erschien bereits am 28. April bei Tamedia. Gut, ein Service für die Alzheimerkranken unter den Lesern, das Gedächtnis bei Omas (und Opas) ist allgemein nicht mehr das beste. Aber das Gleiche immer wieder sonntags? Und dafür noch Geld verlangen in der SoZ? Obwohl es eine Woche vorher gratis war? Das ist schon nassforsch. Passt aber prima zu Tamedias Strategie, die Leser zu vergraulen.

 

 

Es darf gelacht werden

Alle Jahre wieder das gleiche Laientheater.

Den Vogel schiesst wie meist der «Tages-Anzeiger» ab:

Echt jetzt? Nur 84 Prozent? Wären es nur 75 Prozent gewesen, wäre Ermotti dann gekeult worden? 84 Prozent, das würde der Dicke mit der merkwürdigen Frisur in Nordkorea als Ohrfeige empfinden, aber in der Schweiz? Da sind 84 Prozent eine überwältigende Mehrheit dummer Aktionäre, die das absurd-obszöne Gehalt des UBS-CEO durchwinken. Das er nur verdient, weil der Steuerzahler ihm das ermöglicht. Und weil er nicht wie einstmals Oswald Grübel den Anstand hat, keine Debatte über sein Einkommen lostreten zu wollen.

Etwas sanfter ist die NZZ:

Ein klitzekleines «allerdings nur» erlaubt sich die alte Tante. Noch vornehmer gebärdet sich, was vor langer Zeit mal Boulevard war:

«Eher tief», wenn der «Blick» staatstragender titelt als die NZZ, dann ist ein neuer Tiefpunkt erreicht.

Das ist aber unser absoluter Liebling. Auch länger nach der Abstimmung hält es CH Media nicht für nötig, seine Online-Leser über dieses Resultat zu informieren. Ist doch egal, wenn die sich das woanders abholen. In der Hölle des Aarauer Newsrooms kann man sich auch nicht gleichzeitig um den Aargau und um so was kümmern.

Der Monstertöter vom Dienst

Die angeblich neoliberale NZZ wird richtig böse.

Zuerst traut man seinen Augen nicht. Unter dem Titel «Wie man Monster zähmt: Die Politik ist gegenüber der UBS nicht machtlos», haut Eric Gujer richtig drauf:

«Banker sind gierig, siehe Bonus-Exzesse. Banker sind inkompetent, siehe das Debakel der Credit Suisse. Banker sind unbelehrbar, siehe Urs Rohner.»

Aber hallo, doch die Relativierung kommt sogleich: «Für jedes Klischee findet sich im Handumdrehen ein tatsächliches oder vermeintliches Beispiel. Keine Branche ist so sehr zur Projektionsfläche geworden für alle negativen Emotionen, zu denen Menschen fähig sind, wie die Banker und die Banken

Dann aber die Relativierung der Relativierung: «Sie sind selbst schuld dran

Nach diesem Rundumschlag mit dem Morgenstern kommt nun die UBS dran: «Ist die UBS eine Monster-Bank? Vielleicht. Wird man sie eines Tages wieder retten müssen? Vielleicht. Soll man aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen? Sicher nicht. Oberste Richtschnur für den Umgang mit Monstern aller Art muss der volkswirtschaftliche Gewinn sein, den die Schweiz aus ihnen zieht.»

Das nennt man mal einen ordnungspolitischen Zwischenruf. Monster müssen nicht getötet, aber benutzt werden. Dazu gebe es jede Menge Reformvorschläge, die natürlich von Gujer grösstenteils abgewatscht werden:

«Sie reichen von akademisch richtig, aber unrealistisch (drastische Erhöhung des Eigenkapitals bis zu neunmalklug und auch in ewiger Wiederholung nicht überzeugender (Trennbankensystem). Je kühner die Ideen sind, umso mehr gilt für sie die Chirurgenweisheit: Operation gelungen, Patient tot.»

Nun ist abwatschen einfacher als argumentieren. Was am richtigen und durchaus realisierbaren Vorschlag, die Schweizer Banken endlich mit genügend Eigenkapital auszustatten, was ihnen weltweit eine unvergleichliche USP verschaffen würde, unrealistisch sein soll? Und war nicht die neunmalkluge Aufhebung  des Trennbankensystems der Anfang der Finanzkrise eins?

Nach einem starken Antritt und einem starken ersten Teil geht nun aber Gujer lesbar die Luft aus:

«Niemand sieht gerne den Zusatz «Staats-» an sich kleben. Die Swisscom will kein Staatskonzern sein, die SRG kein Staatsfunk und die UBS keine Staatsbank. Dennoch trifft es auf alle drei Unternehmen zu. Die Politik steht daher vor einem Paradox. Einerseits ist sie der UBS ausgeliefert. Anderseits muss sie in Krisen entschlossener eingreifen als bisher. Denn alles, was Staatsunternehmen anrichten, fällt am Schluss auf die Politik zurück

Hier wird’s dann zu einem ordnungspolitischen Gequengel. Also was tun?

«Das politische System der Schweiz belohnt Zaudern, nicht resolutes Handeln. Entsprechend wird das Führungspersonal rekrutiert. Dennoch müssen Regierung und Regulatoren kein zahnloser Abnickverein sein.
Auch jenseits des Vorschriften-Dschungels zur Bankenregulierung verfügt der Bundesrat über ein unschätzbares Machtinstrument: die Öffentlichkeit

Nun schüttelt es alle Vertreter des FDP-Slogans «Weniger Staat, mehr Freiheit» kräftig durch: «Der Staat ist nicht nur der letzte Geldgeber, sondern auch die ultimative Quelle von Vertrauen und Legitimität. Firmen gehen unter, Staaten in der Regel nicht. Diese Art von Vertrauen kann sich keine Bank kaufen, es wird ihr vom Gemeinwesen geliehen.»

Am Schluss muss es natürlich wieder furios werden, und wir merken uns, was die UBS für Gujer ist: «Die Regierung besitzt erhebliche Macht, und sie sollte bereit sein, sie im richtigen Moment konsequent einzusetzen. Damit bringt man Monster nicht zum Verschwinden, aber man zähmt sie.»

Die UBS ist ein Monster, das man leider nicht killen kann, aber zähmen muss. Das werden Ermotti und Kelleher gar nicht gerne hören, denen Gujer sogar Triumphalismus vorwirft, warnt: «Dennoch pflegen Starallüren in der Schweiz nach hinten loszugehen. Im schlimmsten Fall siegen dann die Emotionen über das Nutzenkalkül.»

Und da behauptet doch die WoZ, die  NZZ vertrete die reine Lehre des Neoliberalismus. Was für ein Schwachsinn.

Wenigstens scheint die Sonne

Denn bei der Lektüre der Sonntagspresse braucht es einen Aufsteller.

Also mal ehrlich, liebe Rumpf-Chefredaktion der NZZaS: Dass es statt vier kleine Negerlein nur noch zwei sind, das kann doch kein Grund hierfür sein. Ein pseudosauglattes Foto von Michael Steiner zu einem ernsten Thema. Ein gähnend langweiliger Aufwasch zu den Rülpsern, die die UBS beim Verdauen der CS von sich gibt. Immer schön um die schwache Bundesrätin Karin Keller-Sutter herumgeschrieben, die hier krachend versagte und dem Steuerzahler möglicherweise Milliardenzahlungen aufbürdete. Aber sie ist in der FDP.

Und dann noch «Heikler Rohstoffdeal»: eine angefütterte, einseitige Story voller Fehler. Da reicht es noch knapp, dem Hodler-Sammler Christoph Blocher ans Bein zu pinkeln. Erstaunlich, dass Anfang September das Sommerloch immer noch nicht die Hand vor den Mund hält beim Gähnen.

Dann noch sicher als Aufreger geplant ein Interview mit Jacqueline Badran, die wunschgemäss Ruppiges sagt, aber auch Unsinniges, wie es halt so ihre Art ist. Und Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti, der seine richtige, aber auch nicht neue These nochmals spazierenführen darf, dass eine Rettung der Monsterbank UBS die Schweiz an den Rand des Staatsbankrotts führen könnte. Was sich jeder ausrechnen kann, der die darin involvierten Zahlen anschaut.

Und dann hat es noch den üblichen Tiefpunkt von und mit Peer Teuwsen. Diesmal in Form eines Interviews mit dem «Sexualstrafrechtler» Yves Georg zum Medienskandal Rammstein und Vorverurteilung. Georg who?  Nun, der sei Partner in einer Hamburger Kanzlei, in der auch der Anwalt arbeite, der damals Jörg Kachelmann verteidigt habe.

Das ist ungefähr so, wie wenn man einen TV-Zuschauer als Royal-Experten interviewt, weil der die Krönung von Charles vollständig angeschaut hat. Aber schön, dass sich auch Georg seine fünf Minuten Ruhm in der NZZaS abholen kann. Neues hat er nicht zu berichten, und im eigenen Haus räumt Teuwsen natürlich auch nicht auf. Denn die Frage an den «Sexualstrafrechtler» wäre doch nahegelegen, was der davon hält, dass die NZZ den Rammstein-Sänger mal kurzerhand zum «Täter» machten und tiefschürfende Überlegungen anstellte, welche Machtstrukturen im Macho-Rock-Business so herrschten.

Also gut, also schlecht, dann halt die «SonntagsZeitung»:

Oh je. «Ohne BH ist das Leben schöner». Das wussten wir Männer schon immer. Und Sergio Ermotti musste nicht lange nachdenken, wem er das obligate Interview gewährt … Das zeigt dann, dass selbst der ausgewiesene Kenner Arthur Rutishauser auf Granit beisst, wenn er den Formulierungskünsten von Corporate Communication ausgeliefert ist. Und im Vorfeld offensichtlich heikle Themen wie der 16-Milliarden-Abschreiber ausgeschlossen wurden. Aber immerhin, ein Satz von Rutishauser ist einen Lacher wert. Auf die bissige Rückfrage von Ermotti, ob er wirklich so denke (dass der Riesengewinn von 25 Milliarden nicht der UBS, sondern dem Staat gehöre), sagt Rutishauser: «Ich denke nicht, ich stelle Fragen.» Das wollen wir mal nicht zu wörtlich nehmen.

Dann darf echt gelacht werden, dafür zuständig ist mal wieder Sanija Ameti. Denn die Grünliberalen fällten den weisen Entscheid, sie auf den fast aussichtslosen Listenplatz 18 bei den Nationalratswahlen zu setzen. Das kann Ameti natürlich nicht einfach so schlucken: sie sei sich halt gewohnt, sich mehr beweisen zu müssen als andere. Warum? «Viele Menschen mit Migrationshintergrund ergeht es so.» Das ist natürlich ein knallharter Vorwurf an die Grünliberalen: hinterer Listenplatz wegen Migrationshintergrund? Oder ist es einfach so, dass Ameti kein einziges Fettnäpfchen auslassen kann?

Dann kommt ein weiteres heikles Thema, bei dem die SoZ sogar leicht ins Stottern gerät: «Der Davoser Tourismus-Chef beklagte sich kürzlich über das Benehemen orthodoxer Juden.»

Dann will Bettina Weber wohl den nächsten Shitstorm der woken Gesinnungspolizei auslösen: «Fast alle in der Schweiz berufstätigen Ausländerinnen arbeiten weniger häufig Teilzeit als die Schweizerinnen.» Apropos, ein Bericht darüber, dass nicht nur ein ukrainischer Vizeverteidigungsminister wegen Korruption im Knast sitzt, sondern auch der Verteidigungsminister selbst höchst korrupt zu sein scheint, das dürfte alle tapferen Verteidiger der ukrainischen Sache doch ein wenig irritieren.

Ach, und sollen wir uns wirklich nochmal über die Autoseite lustig machen, auf der der BMW i7 (Topmodell ab schlappen 234’930 Franken) angepriesen wird?

Ach, da gibt’s doch noch ein Blatt, das von einem Mikrophonständer verantwortet wird. Nein, diese Ladung hat gereicht, um ZACKBUM reif für einen Platz an der Sonne zu machen.

 

 

 

«Blick» ins Elend

Eigentlich könnte nur noch Dorer helfen.

Aber der ehemalige «Blick»-Oberchefredaktor ist in einer Zwangspause – ohne Wiederkehr. Und das hat der Leser davon:

Natürlich ist es die Aufgabe eines Boulevardblatts mit grossen Buchstaben, selbst wenn es kein Boulevardblatt mehr sein will, aber immer noch grosse Buchstaben verwendet, eine Mücke zu einem Elefanten aufzupumpen. Aber das will eben auch gekonnt sein. Hier hat der Armeechef der Ukraine einfach in einem Interview gesagt, dass ihm selbstverständlich neben vielem anderen auch die Wagner-Truppe Sorgen mache, wie man sein Englisch wohl eher übersetzen sollte.

Dann muss der Leser (aber auch die Leserin) ganz stark sein, «Blick» wird woke:

Das sagte die weltberühmte Autorin, Schauspielerin und Produzentin (wir kennen sicher alle ihren Film «Fikkefuchs») Saralisa Volm, und dann muss es ja stimmen. Allerdings: wollen wir das häufiger sehen?

Sie wird nach der altbekannten Devise interviewt: wir sind uns völlig einig, aber was wollten Sie eigentlich schon immer nochmal sagen? Zum Beispiel das:

«der Begriff Body Positivity übt schon wieder Druck aus. Er sagt: Du musst dich jetzt lieben. Finde dich toll. Akzeptiere deine Falten. Am Ende des Tages hatte ich oft das Gefühl, da soll mir wieder was verkauft werden, ein Kleid, eine Creme.»

So mäandert sich das Gequatsche weiter, gelegentlich unterbrochen durch ein «Wie meinen Sie das?» oder ein «Inwiefern?», ein «Was noch?» und schon wieder ein «Wie meinen Sie das?»; ganz originell ist auch «Wie?».

Drei Plus für «B+».

Dann endlich mal eine hübsche Schreckensmeldung:

Schliesslich ist der Kriegs-«Blick» für eine militärische Unterstützung der Ukraine, für Waffenlieferungen und für alles, was der Schweizer Neutralität diametral widerspricht. Daher unkt Daniel Ballmer, «Redaktor Politik», wunschgemäss und arbeitsplatzsichernd: «Die Deutschen dürfen keine Munition aus Schweizer Produktion an die Ukraine liefern. Dänemark darf keine Radschützenpanzer weitergeben, Spanien keine Flugabwehrkanonen. Die Schweiz macht sich derzeit keine Freunde in Westeuropa. Und könnte das schon bald zu spüren bekommen.»

Dass es in Europa immer weniger Freunde der Rechtsstaatlichkeit gibt, immer mehr unverschämte Kommentare dazu, dass sich die Schweiz, der Bundesrat an seine eigenen Gesetze hält, damit kann und muss die Schweiz leben.

Dann schmückt sich der «Blick», mangels eigenen Kapazitäten, mit fremden Federn:

Schöne Geschichte, nur: «Recherchen der «Schweiz am Wochenende» zeigen». Aber immerhin: diesmal wurde wenigstens nicht von FT oder Bloomberg abgeschrieben.

Aber wenn alle Stricke reissen, es Sommer wird und niemandem nichts einfällt, dann gibt es immer noch den Nutzwert:

Dieser Beitrag ist doppelt wertvoll, denn er bietet auch noch Unterhaltungswert:

  • Du solltest die Pflege nicht vernachlässigen und das Auto regelmässig waschen und putzen. Dazu gehört auch die Prüfung von Reifendruck und -profil.
  • Kurzer Blick unter die Motorhaube: Solltest du offene Kabel, vor allem Zündkabel, sehen, ummantele diese mit Isolierband, um sie gegen Marderbisse zu schützen

Aber Vorsicht; wenn die offenen Kabel unter Strom stehen …

Pädagogisch wertvoll sind auch die Tipps, wenn trotz gewaschenem Auto und ummantelten Kabeln eine Panne passiert:

  • Zuerst Pannendreieck aufzustellen und Warnweste überziehen, um gesehen zu werden.
  • Auch ein Problem mit zu heissem Kühlwasser kannst du vorübergehend selber lösen. Halte an und öffne die Motorhaube (Vorsicht, heiss! Handschuh überziehen), damit die Wärme entweichen kann. Schaue unter dem Auto, ob irgendwo Flüssigkeit leckt.

Aber zurück zum Ernst des Lebens, also zu Frankreich:

Oder sie brennen es sich selbst rein. Wie auch immer, auf diese tiefschürfende Analyse muss man erst mal kommen. Dabei wandelt Samuel Schumacher, «Ausland-Reporter», auf den Spuren des Hausgespensts Frank A. Meyer: «Und wir fragen uns: Was ist da los in unserem Nachbarland

Also eigentlich fragen wir uns das nicht, weil wir wissen, dass das Problem Polizeigewalt mal wieder den Funken ins Pulverfass Banlieue geworfen hat. Dann eiert er sich durch längst Bekanntes, um zur naheliegenden Schlussfolgerung zu kommen, was die Folge der randalierenden Verlierer aus den Vororten ist: «Sie befeuern jene Kräfte, die dem Volk einfache Lösungen für komplexe Probleme verkaufen wollen. Marine Le Pen (54) und ihre Rechtspartei Rassemblement National werden sich freuen

Nun wieder ein Gutsch Nutzwert:

Hoppla, da steht ja verschämt «Präsentiert von Pasino.ch». Also eine bezahlte Werbung, die typenähnlich wie ein Artikel daherkommt.

Der Gottseibeiuns von Herrliberg hat auch einen Auftritt:

Aber oh Wunder, schwächelt der «Blick» auch hier? Es wird lammfromm ein Interview zusammengefasst, das der SVP-Doyen der «Schweiz am Wochenende» gab. Eigenleistung null, nicht mal ein kritisches Wort gegen Blocher. Das wird Meyer gar nicht gerne sehen.

Aber auch die ewige Frage «was haben wir zu Putin», findet ihre Antwort:

Behauptet ein «estnischer Regierungspolitiker». Und der muss es ja wissen. Dann wieder etwas für den kurzen Lacher zwischendurch:

Schliesslich noch der Absacker, und wir haben fertig:

Zunächst einmal muss man natürlich wissen, ob diese Möglichkeit überhaupt besteht. Ein untrügliches Zeichen (Vorsicht, zartbesaitete Leser):

Sollte man also in so was reingetreten sein und es fachmännisch als Wolfskot identifiziert haben, was tun? Nichts: «Sieht man einen Wolf auf mehr als 30 Meter Entfernung, muss man nichts Spezielles tun», sagt der Wolfexperte. Nun will der «Blick» aber noch – «drama, baby, drama» – etwas Gas geben: «Ein Wolf kann für den Menschen gefährlich werden, wenn er Tollwut hat

Huch. Blöd nur: «Es ist sei jedoch ausgeschlossen, in der Schweiz einem infizierten Wolf zu begegnen. «Die Krankheit ist in Westeuropa ausgerottet»», weiss der Wolfexperte, während «Blick» nicht weiss, ob es nun ausgeschlossen ist oder sei.

Wir halten es aber definitiv für ausgeschlossen, weiterzumachen. Augen zu und raus.

 

Der schrecklich mächtige Ermotti

Die CS sank dahin, die GV ging mit Gezeter über die Bühne. Wichtig ist anderes.

Wird der Schweizer Bundesrat noch lernen, was Contingent Convertible Bonds sind, abgekürzt CoCos? Wird VRP Lehmann dann mal wieder ohne Bodyguards rumlaufen? Traut sich Urs Rohner noch in die Öffentlichkeit (aber ja)? Werden die Klagen gegen das Rasieren von Aktionären und Investoren auf staatlichen Geheiss Erfolg haben?

Mit solchen und ähnlichen Fragen befassen sich die Schweizer Medien. Dabei senden und schreiben sie am Riesenelefanten im Raum vorbei. Niemand spricht in aller Klarheit aus: nun ist die UBS nicht mehr «too big to fail». Seit dem 19. März ist sie mehr als eine Monsterbank. Sie ist eine tödliche Bedrohung für die Schweiz.

Denn wenn dieser Riesendinosaurier umfällt, dann bröckelt das Matterhorn. Dann bricht die Schweiz zusammen. Dagegen wäre ein Bankrott der Credit Suisse zwar nicht Peanuts gewesen. Aber abwickelbar.

Die UBS/CS hat ein Bilanzvolumen von rund 1,6 Billionen Franken; das Doppelte des Schweizer BIP. Trotz 259 Milliarden Staatshilfe ist es überhaupt nicht gesagt, dass sie die Transplantation der CS verträgt und verdaut. Es wird nicht nur gegen staatliche Eingriffe geklagt. Die USA stehen bereits in den Startlöchern, angeblich in der Schweiz versteckte Russenmilliarden zu kriminalisieren.

Das wird teuer werden. Aber noch perverser: der gesamte Bankensektor der Schweiz trägt lediglich aufgerundet 5 Prozent zum BIP bei. Aber alleine die UBS bedeutet 100 Prozent Risiko, sollte sie straucheln.

Ihr Mastermind ist der Ire Colm Kelleher. Ihm ist die Schweiz ziemlich egal; er spricht die Sprache nicht, für ihn ist Swiss Banking höchstens ein Asset, mit dem man zusätzlich Geld verdienen kann. Wie knallhart er ist, haben die Bundeszwerge, die SNB und die FINMA bei den Verhandlungen schmerzlich erfahren.

Sozusagen vor dem roten Knopf sitzt allerdings Sergio Ermotti. Im besten (und unwahrscheinlichen) Fall produziert er keine Skandale und Flops. Dann können die Eidgenossen diesem Riesendinosaurier von unten zuschauen, wie er die Schweiz turmhoch überragt. Im schlechtesten Fall drückt Ermotti auf den roten Knopf, natürlich unabsichtlich.

Wenn’s dann die UBS in die Luft jagt, hinterlässt das einen Krater in der Schweizer Wirtschaftslandschaft, der alles zunichte macht, was seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde.

Ermotti ist schrecklich mächtig. Kelleher ist schrecklich mächtig. Ihr Bankdinosaurier ist so wichtig geworden, dass eigentlich jede Bundesratssitzung mit der bangen Frage beginnen müsste: Wie geht’s denn unserer UBS heute? Hoffentlich alles wohl?

Dieser Zustand war nicht alternativlos. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben. Ob die besser gewesen wären, werden wir nie erfahren. Aber es steht zu vermuten: alles wäre besser als ein schrecklich mächtiger Ermotti. Als ein schrecklich mächtiger Kelleher. Als ein schrecklich gigantischer UBS-Dinosaurier.