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Bescheuert besteuert

Mischa Aebi haut den Tagi-Lesern eins in die Fresse.

Das Resultat ist so vorhersehbar wie eindeutig: fast 80 Prozent der Stimmbürger lehnten die Erbschaftssteuer-Initiative der Jusos ab. Eine Klatsche der Sonderklasse.

Dass die Jusos so tun, als sei das ein grosser Erfolg gewesen, geschenkt. Gute Verlierer waren die noch nie. Dass einige Superreiche leicht hysterisch im Vorfeld agierten, geschenkt.

Mist geführt, Thema erledigt. Aber nicht für Bundeshausredaktor Aebi. Der behauptet doch tatsächlich:

Wir lassen uns auf der Zunge zergehen:

«Eine Erbschaftssteuer würde die Wirtschaft ankurbeln und die Welt gerechter machen. Sie ist so liberal, dass die FDP sie fordern müsste. Doch das Image der Steuer haben die Juso selbst ruiniert.»

Damit widerspricht er schätzungsweise 70 Prozent der Tamedia-Leser. Aber das ist ihm egal, schliesslich hat er einen Erziehungsauftrag. Auch wenn er hier mehr in absurder Logik unterrichtet.

Wieso würde eine solche Steuer auf schon versteuertes Geld die Welt gerechter machen? Darum: «Erben ist grundsätzlich ungerecht.» Aha, und wieso?

Da fällt Aebi ein Beispiel ein, das erheitert: «Wenn sich zehn Familien für ein Einfamilienhaus interessieren, kommt fast immer jene zum Zug, die am meisten geerbt hat. Die anderen bleiben auf der Strecke. Sie müssen vielleicht weitere Jahre in ihren engen, überteuerten Mietwohnungen bleiben, auch wenn sie eigentlich disziplinierter gespart haben.»

Wer mehr Geld hat, hat mehr Kaufmöglichkeiten. Daher kommt meistens der zum Zug, der sich wie auch immer mehr Geld erarbeitet hat. Diese erschütternde und banale Wahrheit musste endlich mal ausgesprochen werden.

Nächste stringente Beweisführung: «Warum mehr Wohlstand? Salopp gesagt: Erben macht faul, das ist wissenschaftlich bewiesen.» Aha, und? «Weniger grosse Erbschaften führen dazu, dass mehr Menschen länger arbeiten. Gleichzeitig schafft die Steuer Einnahmen, die in Bildung oder Infrastruktur fliessen. Darum kann eine moderat ausgestaltete Erbschaftssteuer auf lange Sicht zu mehr Wohlstand führen als viele andere Abgaben.»

Langsam zum Mitschreiben: mehr Geld für den Staat hat noch nie den Wohlstand gefördert, weil der Staat nur sehr rudimentär Mehrwert schafft. Der entsteht vielmehr, wenn auch geerbtes Geld in die Wirtschaft investiert wird. Auch wenn Erben bedeuten sollte, dass weniger gearbeitet wird: der Erbe speist ja das Geerbte mittels Konsum oder Investition sinnvoll in die Wirtschaft ein.

Nun haben das aber die blöden Jusos kaputt gemacht. Dabei: «Und bürgerliche Politiker verdrängen seit einigen Jahren erfolgreich, dass sie als Verfechter des Leistungsprinzips als Erstes eine Erbschaftssteuer fordern müssten.»

Hm. Eine Erbschaft ist meistens durch eine Leistung entstanden. Diese Leistung ist meistens bereits besteuert worden. Wieso um Himmels willen sollen dann Verfechter des Leistungsprinzips fordern, dass solche Erbschaften nochmals und in absurder Höhe besteuert werden müssten?

Das wäre doch bescheuert, nicht besteuert.

Und ZACKBUM fragt sich wieder einmal, wieso bei Tamedia wirklich alles entgleist und jeder Hallodri ungeniert der Mehrheit seiner Leser eine reinwürgen darf und mit absurden Verrenkungen ihnen klarmachen, dass sie eigentlich ganz falsch abgestimmt haben, diese Deppen von Konsumenten seines Ergusses.

Besondere Freude am Artikel dürfte auch die wettverzweigte Coninx-Sippe haben, diese Erbengemeinschaft.

Sollte Aebi nichts geerbt haben, muss er doch davon leben, was seine Leser bereit sind zu bezahlen. Macht er so weiter, kann er nur mehr auf eine Erbschaft hoffen …

 

 

Mal einen raushauen

Mirjam Hostetmann dürfte eine kurze Karriere vor sich haben.

Schon nach ihrer Wahl vor einem Monat zur Jusopräsidentin, wo man sie immerhin einem Nonbinären vorzog, haute die 24-jährige Hostetmann ein paar Knaller raus: «Kapitalismus ist Krieg, Sozialismus ist Frieden». Oder auch: «Der Kapitalismus muss sterben, damit wir leben können.» Und schliesslich: «Wir müssen die Reichen enteignen, damit es uns allen gut gehen kann.»

Nun hat sich der schwer erfolgreiche und schwerreiche Industrielle Peter Spuhler zur Drohung verstiegen, die Schweiz möglicherweise verlassen zu müssen. Grund sei die Juso-Inititaive für eine Erbschaftssteuer von 50 Prozent. Die in seinem Fall fälligen zwei Milliarden seien von seinen Nachkommen nur so zu bezahlen, dass sein Firmenimperium zerschlagen werden müsste. Völlig richtiger Einwand.

Das findet Hostetmann natürlich nicht. Als Studentin der Geschichte und Germanistik hat sie den grossen Durchblick: «Was Spuhler verzapft, ist eine Frechheit und obendrauf lächerlich», verzapft sie und macht sich selbst damit lächerlich. Dann liest sie ihm die Leviten: «Für ihn steht Profit über Moral. So ging er in Vergangenheit u.a. millionenschwere Deals mit dem korrupten kasachischen Regime ein und mit dem Diktator von Belarus pflegt er eine gute Beziehung.»

Aber wenn sie schon mal in Fahrt ist, das Hirn ausgeschaltet hat und sich richtig Ärger einhandeln will, dann tobt sie weiter:

Es werde Zeit, dass

«steuerkriminelle Familienclans, wie der von Spuhler, nach den Regeln des Gesetzes spielen müssen.»

Abgesehen davon, dass sich die Jungpolitikerin damit schwer ins Gelände der Strafbarkeit begibt, ist diese Schmähung gleich mehrfach bescheuert.

Zunächst ist weder Spuhler noch sein «Clan» «steuerkriminell». Das würde voraussetzen, dass es eine entsprechende Verurteilung gäbe. Wenn er endlich nach den Regeln des Gesetzes «spielen» solle, dann würde das bedeuten, dass er sich bislang nicht oder nicht immer daran gehalten hat. Aber auch Verurteilungen wegen Gesetzesverstössen sind nicht bekannt.

Also ist das zusammenfassend eine Verleumdung eines durchgedrehten Teenagers, die nicht nur vor politischer Dummheit trieft. Und Hostetmann bereits kurz nach Amtsantritt für ihr Amt disqualifiziert. Sondern die Jusos (und die SP) werden nun einen Eiertanz hinlegen müssen, wie sie diese Schmähung wieder einfangen können, ohne gleichzeitig ihre Juso-Chefin abzusägen.

Versuchen sie, in gewundenen Worten der wildgewordene Sprücheklopferin zur Seite zu stehen, fällt ihnen das ganze Gewicht dieser Aussagen auf die Füsse. Distanzieren sie sich davon, muss das Mädchen zurücktreten.

Der politische Gegner hat Seitenstechen vor Lachen und muss sich krampfhaft bemühen, ein ernstes Gesicht zu machen und die Sprüche zu verurteilen – ohne dabei laut herauszuprusten, dass ihm das auf dem Silbertablett serviert wurde.

Sicherlich ist Spuhlers Stellungnahme in der «SonntagsZeitung» auch nicht sonderlich geschickt, denn trotz 13. AHV usw. ist die Chance, dass diese Initiative angenommen würde, verschwindend gering. Aber vielleicht hat er mit seiner Provokation eine gewisse Reinigung innerhalb der SP ausgelöst, Was zwar sicher nicht seine Absicht war, aber wenigstens Wirkung zeigt.