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Wumms: Andreas Tobler

Wann wird der Mann endlich entlassen?

Die Liste seiner Entgleisungen ist lang und länger. Liebedienerische Interviews mit ihm genehmen Typen wie Lukas Bärfuss, Luisa Neubauer oder Michel Friedman. Unverschämte Forderungen wie «Die Rammstein-Konzerte sollten abgesagt werden». Unschuldsvermutung statt Vorverurteilung? Doch nicht mit Scharfrichter und Rechthaber Tobler.

«Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!» ist für Tobler bloss eine «Künstleraktion». Widerlich.

Nun kommentiert er auch noch die Affäre Fischer. Und hat wie eigentlich immer eine Meinung, aber keine Ahnung:

Für die schreibende Schmachtlocke der «Republik» scheiterte Daniel Jositsch an sich selbst. Tobler sieht das bei Fischer genau so. Gleich am Anfang seiner «Meinung» stellt er klar, wo er steht: «Zu Beginn dieser Woche hat Patrick Fischer nochmals versucht, sich als Medienopfer darzustellen».

Dann zitiert Tobler Fischers Kernaussage: «Entweder wurde hier vorsätzlich gelogen oder mir fahrlässig unrecht getan.» Um ihn dann in die Pfanne zu hauen: «Beides stimmt nicht. Fischer wurde weder betrogen, noch widerfuhr ihm Unrecht.» Nun dürfen wir einer der merkwürdigsten Verrenkungen und Verdrehungen der jüngeren Mediengeschichte beiwohnen.

Das Trauerspiel hat drei Akte. Dass der SRF-Journalist Pascal Schmitz sich in seiner E-Mail ausdrücklich darauf bezieht, dass das Gespräch off the record war und dass er das sehr ernst nehme, zitiert Tobler nicht. Akt eins. Das ist unredlich.

Dafür zitiert Tobler, dass Schmitz schwiemelt, dass er es aber als «seine Verpflichtung» sehe, «Informationen von öffentlichem Interesse «zu prüfen und gegebenenfalls zu veröffentlichen»». Und unverhohlen droht: ««Solltet ihr dazu keine Stellung nehmen, behalten wir uns vor, nach anderen Wegen zu suchen, um unserer journalistischen Pflicht nachzukommen», schreibt Schmitz weiter.» Diese unverhohlene Drohung beschönigt Tobler: «Das mag drohend klingen, war aber ein Akt der journalistischen Fairness: Schmitz spielte mit offenen Karten.» Akt zwei. Das ist absurd.

Der Höhepunkt der Umdeutung: «Insofern hat Schmitz die «Off the record»-Vereinbarung nicht gebrochen.» Wie das? «SRF verlangte bei der Staatsanwaltschaft Luzern Einsicht in Fischers Strafbefehl – und erhielt sie.» Akt drei. Hirnrissig, unlogisch und aschgrau.

Nun ist alles erlaubt in Absurdistan, daher fährt Tobler fort: «Dass es eine solche Vereinbarung gab, scheint nach Publikation des E-Mails ausser Frage zu stehen, da Schmitz von «unserem ‹Off the Record›-Gespräch» schreibt». Moment, es folgt noch das Sahnehäubchen: «Wichtig ist aber nur: Schmitz hat Fischer nicht als Informanten geoutet, sondern die Geschichte über den offiziellen Behördenweg sauber nachrecherchiert

Wir versuchen, das einzuordnen, wie es im heutigen Elendsjournalismus so schön heisst. Tobler gesteht zu, dass es sich einwandfrei um ein off-the-record-Gespräch handelte. Entweder weiss Tobler nicht, was das ist, dann wäre er als Journalist disqualifiziert. Oder er weiss es, hält es aber für legitim, dass sich sein Kollege Schmitz darüber hinwegsetzt. Dann wäre er als Journalist ebenfalls disqualifiziert.

Was soll der Unsinn, dass Schmitz die Story «sauber nachrecherchiert» habe? Im englischen Rechtsgebrauch gibt es den schönen Ausdruck «fruit of the poisonous tree», die Frucht des vergifteten Baumes. Damit ist gemeint, dass ein rechtswidrig erlangtes Beweismittel nicht verwendet werden darf. Auch die Schweizerische Strafprozessordnung kennt das Beweisverwertungsverbot.

Nun handelt es sich bei einer off-the-record-Vereinbarung nicht um die Anwendung eines Gesetzesartikels. Aber um die Anwendung eines journalistischen Grundsatzes, der zum Fundament des seriösen und professionellen Verhaltens eines Medienschaffenden gehört. Es ist absurd, damit zu argumentieren, dass man zwar nicht aus einem solchen Gespräch zitiert habe und deshalb das Gebot nicht gebrochen. Allerdings habe man die daraus gewonnene Information «sauber nachrecherchiert». Daran ist nichts sauber, das ist ein Drecksspiel. Denn off the record ist nicht zitierbar, nicht verwendbar. Sonst wäre der Begriff ad absurdum geführt.

Was sollte nun Tamedia mit einem Mitarbeiter machen, zudem noch Leiter des Gesellschaftsressorts, also ein Vorgesetzter mit Vorbildfunktion, der solch einen eklatanten Verstoss gegen journalistische Regeln und Ethik nicht nur schönschreibt, sondern auch noch verteidigt?

Nun, es sieht ganz so aus, als ob das in diesem Hause den nächsten Schritt auf der Karriereleiter ermöglicht. Solange es dort überhaupt noch Publikationen gibt. Alle zukünftigen Gesprächspartner mit diesen Journalisten seien gewarnt: vergesst off the record bei denen, darauf zu pfeifen und das zu brechen, ist erlaubt.

Zum Stand des Irrtums

Der Lieblingsscherz der «Republik», auf sie selbst angewendet.

Zunächst zur Aktivität des Autors dieses Bonmots. Constantin Seibt lebt noch, das ist die gute Nachricht. Allerdings hat er sich in den letzten sechs Monaten ganze vier Mal zu Wort gemeldet.

Einmal referierte er die wichtigsten Nachrichten der Woche, im November 2025. Ebenfalls im November fragte er sich in gewohnter Länge von 36’438 A: «Ist es ein Komet? Oder sind es Ausserirdische?» Und dann noch eine ellenlange Buchrezension auf 25’000 A, die nicht weniger langweilig als die beschriebene Buchtrilogie ist.

Überschaubarer Output für ein saftiges Monatssalär von schätzungsweise 8000 Franken. Denn die «Republik» mag an allem sparen, aber sicher nicht an den Gehältern ihrer 46 festangestellten Nasen. Dazu kommen 23 regelmässige Mitarbeiter, 4 Nasen Overhead und 5 Verwaltungsräte.

Besonders putzig ist die Bildergalerie des «Gründerinnenteams»:

Der weggemobbte Christof Moser sieht ziemlich schwarz für die «Republik».

Laut Cockpit verzeichnet das Online-Magazin zurzeit 36’117 Mitgliedschaften und Abos. Wie immer werden sie nicht detailliert ausgewiesen, zum Beispiel, wie viele Monats- oder Schnupperabos darunter sind. Von diesen «Verlegern» seien im letzten Monat 29’327 «aktiv» gewesen, das heisst, sie hätten mal einen Blick auf ihr Blatt geworfen. Was bedeutet, dass rund 7000 ihr Abo mehr als Solidaritätsspende verstehen.

Aber das sind Formalien, wo ist der Inhalt? In der letzten Woche erfreuten die 69 mehr oder minder regelmässigen Mitarbeiter die Welt mit satten 26 Beiträgen.

Davon sind schon mal 7 «Republik heute», eine etwas labberige Darstellung des täglichen Outputs. Bleiben also noch 19 Artikel. Davon können wir zwei Podcast-Ankündigungen abziehen, also noch 17. Das «Briefing aus Bern» ist mehr so ein Pflichtstoff aus dem Bereich: «he, ich bin dann auch noch da». Elisabeth Bronfen ist nun nicht gerade als regelmässige Mitarbeiterin zu bezeichnen. Interessant ist, dass Anja Conzett als «Gerichtsreporterin» wiederauferstanden ist.

Allerdings hat sie seit der schrägen USA-Reportage am Anfang der «Republik» nichts von ihrer, nun ja, eigenen Art der Beschreibung verloren: «Auch wenn es Metzger gibt, die Reptilien schlachten, Architektinnen, die Luftverkehrsdrehkreuze bauen, sowie Informatiker, die mit den Dinosauriern unter den Programmiersprachen arbeiten – dass der Alltag in aller Regel anders aussieht, widerspiegelt sich für gewöhnlich in der Ausbildung.»

Tiefe Erkenntnisse, die uns sagen sollen: ähm, räusper, kopfkratz. Den Stoff wollen wir auch haben.

Gut, aber was sind denn dann ernsthafte, selbstgebastelte Stoffe? Ein Bericht aus dem Sudan? Eingekauft von freiberuflichen Journalisten. Eine Kolumne der «Kunstistorikerin und Autorin» Kia Vahland? Eingekauft und etwa so unterhaltsam wie die «Magazin»-Kolumnen.

Aber endlich «Wie die SVP Hunderttausende von Arbeitskräften in die Schweiz holte», selbstgebastelt. «Nein, das Boot ist nicht voll!», die überraschungsfreie Kolumne der schreibenden Schmachtlocke.

Dann «Willkommen in der Welt der «Dunklen Aufklärer»», eingekauft. «Postkoloniale Abseitsfalle», eingekauft. «Wie die Herzmedizin in Zürich ihren Kurs verlor», Weisswaschung der Mitautorin Brigitte Hürlimann der Katastrophentrilogie der «Republik» im Jahre 2021 über den Herzklinikskandal in Zürich.

«Ein Museum hebt ab», eingekauft. «Geheimer Überwachungsentwurf: Der Bundesrat hat nichts gelernt», endlich, selbstgebastelte Rüge an die Regierung. Und nochmal «Briefing aus Bern».

Wir fassen zusammen: selbst wenn man die Briefings und die Schmachlocke mitzählt, kommen wir in einer Woche auf ganze sechs vom Redaktionsteam hergestellte Beiträge. Weniger als einen pro Tag. Oder anders gerechnet: wie viele Sesselfurzer braucht es, um einen Artikel pro Woche rauszuhauen? 46 durch 6, rund 7,5. Oder wieder anders: wenn die 46 Schreibkräfte im Schnitt 8000 Franken im Monat verdienen (Ferien, Sozialleistungen, Spesen und so weiter nicht einberechnet), verursachen sie pro Woche Unkosten im wahrsten Sinne des Wortes von 92’000 Franken. Da der Overhead und der VR auch nicht gratis arbeiten, wären wir bei weit über 100’000 Franken für ganze 6 lächerliche Beiträge.

Oder enger gezählt: ganze 2 (in Worten zwei) eigentliche Artikel der 46 Redaktor*Innen***. Sagenhaft.

Der Stand des Irrtums ist also: das soll relevante journalistische Tätigkeit sein.

Das ist wahrer Luxusjournalismus. Das ist teurer Elendsjournalismus.

Tagi oberpeinlich

Was wollten Sie zum eigenen Versagen schon immer mal sagen, Frau Rickli?

Gleich zwei Journalisten bot das Kompetenzzentrum für Qualitätsjournalismus an der Werdstrasse auf, um Regierungsrätin Natalie Rickli Gelegenheit zu geben, unbehelligt von kritischen Fragen in geradezu obszön-peinlicher Weise Weisswäscherei in eigener Sache zu betreiben.

Was Fabienne Sennhauser und Stefan Häne hier abgeliefert haben, ist an Fremdschäm-Faktor höchstens durch die Schmiere der «Republik» aus dem Jahr 2021 («Zürcher Herzkrise – eine Trilogie») zu übertreffen.

Schon bei der Antwort auf die erste Frage des Tagi, ob man sich mit gutem Gefühl im Unsipital Zürich behandeln lassen könne, tun sich Abgründe auf: «Mein Partner musste sich vor zweieinhalb Jahren einer schweren Herzoperation unterziehen. Diese wurde in der USZ-Herzklinik durchgeführt – ich glaube, das sagt alles.»

Nein, das sagt nichts, müsste da jeder Journalist mit etwas Ehrgefühl im Leibe replizieren, denn zu dieser Zeit war der skandalumwitterte Arzt Francesco Maisano schon längst Geschichte. Also was soll das?

Aber hier wird nicht Journalismus betrieben, wird kein Interview als harte, aber faire Gelegenheit zur Stellungnahme geführt, sondern es wird geschleimt. Denn auch diesen Satz darf Rickli ohne Widerspruch sagen:

«Wir haben alles gemacht, was uns rechtlich möglich war

Das ist nun grob unrichtig. Denn wie alle anderen Beteiligten am Skandal hat auch Rickli entweder nichts getan – oder alles, um den Skandal als Ausdruck von klinikinternen Querelen herunterzuspielen. Sie bezweifelte sogar die Kompetenz des Whistleblowers André Plass, der so unermüdlich wie vergeblich auf die erschütternde Todesrate und das Wirken von Maisano, seine Geldgier, hingewiesen hatte. Das brachte Rickli eine Anzeige wegen Verleumdung ein, auf die die Staatsanwaltschaft aber nicht eintreten mochte.

Statt ihr eine Liste von eigenem Versagen vorzulegen, wird es Rickli gestattet, sich zu wiederholen: «Ja, ich trage die politische Verantwortung für das USZ. Als Gesundheitsdirektorin bin ich die Eigentümervertreterin. Aber ich war erst ab Mai 2019 im Amt, und ich kann sagen: Nachdem ich im Januar 2020 erstmals von den Vorwürfen erfahren hatte, habe ich gemacht, was möglich war

Statt nachzufragen, was denn möglich war, und vor allem, wieso ihr so vieles unmöglich war, schleimt sich der Tagi mit der nächsten Frage wirklich unappetitlich an die Politikerin ran: «Leiden Sie in solchen Tagen wie jetzt an Ihrem Amt

Darauf kann Rickli, ganz Staatsfrau, mit getragenem Pathos antworten: «Als Regierungsrätin verpflichtet man sich, Verantwortung zu tragen. Und ich glaube, dass ich Verantwortung übernehme, das habe ich auch in der Corona-Zeit gezeigt

Statt auch hier nachzuhaken und zu fragen, wie genau Rickli denn in der Corona-Zeit Verantwortung übernommen habe (oder welche Vorwürfe man ihr zu diesem Thema machen könnte), arbeiten die beiden Journalisten einfach ihren Fragenkatalog ab und wechseln ansatzlos zum vom Konkurs bedrohten Spital Wetzikon.

Abgehakt, nächstes Thema: Rickli for Bundesrat? Muss man solche Worthülsen wirklich dem gepeinigten Leser servieren? «Ich habe nie gesagt, dass ich das Bundesratsamt anstrebe. Das tue ich auch jetzt nicht.» Ungeschoren kommt sie auch mit der verklausulierten Fortsetzung davon, mit der sie im Prinzip ihre Kandidatur anmeldet: «Sollte Bundesrat Parmelin eines Tages zurücktreten, würde ich mir das zum gegebenen Zeitpunkt allenfalls überlegen

Im vorherigen Artikel hat ZACKBUM die Arbeit von «Inside Paradeplatz» zum Thema gewürdigt, insbesondere auch die Kritik am mangelhaften und fragwürdigen Verhalten von Rickli. Wieso kommt hier beim Tagi nichts davon zur Sprache?

Es ist natürlich möglich, dass Rickli als gewiefte Politikerin Bedingungen für das Interview stellte, es ist möglich, dass sie oder ihre Kommunikationsabteilung beim Autorisieren kräftig den Weichspüler auf den Text gossen.

Wäre das so, hätte das der Tagi offenlegen – oder am besten auf die Publikation dieses Tiefpunkts in der Geschichte des Interviews verzichten müssen. Alleine das Schamgefühl hätte die beiden Autoren dazu veranlassen sollen, dringlich davon abzuraten, diese Selbstbeweihräucherung einer überforderten Politikern zu publizieren.

Aber eben, im heutigen Elendsjournalismus ist das Elend der Normalfall geworden.

Elendsjournalismus

Faktencheck war früher, heute ist Dummschwätzen.

Es ist ja vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber es ist bezeichnend für den elenden Zustand des Journalismus im Allgemeinen und dem angeblichen Qualitätsmedienkonzern Tamedia.

Es geht um die Debatte, ob man der Palästinenserhilfsorganisation der UNO, der UNRWA, weiterhin 20 Millionen Franken aus Schweizer Steuergeldern zur Verfügung stellen soll oder nicht. In diesem Zusammenhang gibt es eine SDA-Tickermeldung, die ein «oli» offenbar für Tamedia zurechtgeschnitzt hat, weshalb er neben der SDA als Autor erscheint.

In dem kurzen Stück heisst es:

«Die Schweiz ist einer der grössten Geldgeber der Uno-Agentur.»

Jedem, der sich auch nur oberflächlich mit dem Budget der UNRWA beschäftigt, müsste auffallen, dass das nicht stimmen kann. Wer sich unsicher ist, könnte ja einen Blick in das öffentliche Budget werfen. Wer lesen kann, woran ZACKBUM bei immer mehr Journalisten zweifelt, würde dort die wahren Zahlen des Budgets problemlos eruieren können.

Gut, zählen muss man auch noch können, bzw. Zahlen lesen. Ganz rechts unten, damit sich der moderne Journalist nicht in der Tabelle auf S. 9 verläuft, steht der Totalbetrag für die Jahre 2024 und 2025. Gefunden? Ja, das sind 2’219’261’000 Dollar. Oder rund 2,2 Milliarden. Für das Fiskaljahr 2024 beträgt das Budget rund 1,15 Milliarden Dollar. Davon sind 20 Millionen genau 1,74 Prozent. Und damit soll die Schweiz der grösste Geldgeber sein?

Das dürfte die USA, Schweden und die Europäische Union aber schwer wundern, die eigentlich meinen, die drei grössten Geldgeber zu sein.

Wer sich immer noch unsicher ist, könnte einen Blick auf Seite 25 (aber das ist halt schon verdammt weit hinten) werfen:

Das sind natürlich nur Prognosen, erstellt vor dem Hamas-Massaker, aber immerhin: von den USA werden 229 Millionen erwartet, von der EU 104 Millionen, von Schweden 58 Millionen, von Deutschland zusätzlich zur EU 38 Millionen. Dann kommt unter ferner liefen die Schweiz.

Es ist eine Kleinigkeit, aber leider symptomatisch für den maroden, komatösen Zustand der sogenannten Qualitätsmedien.