«Konzentrationslager»
So nennt einer den neusten Plan Israels. Aufschrei? Nix ist.
Beim Autor dieser rabiaten Kritik ist es schwierig, die Antisemitismuskeule zu schwingen (obwohl das sicher noch geschehen wird). Besser, ihn totzuschweigen.
Es handelt sich um den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Er hatte schon mehrfach die israelischen Kriegsverbrechen scharf kritisiert, nun ist er noch einen Schritt weitergegangen.
Einzig der «Spiegel» und etwas abgeschwächter «Die Zeit» haben darüber berichtet, was er der englischen Tageszeitung «Guardian» sagte.
Der israelische Verteidgungsminister, unterstützt vom Premier Netanyahu, plant, auf der Trümmerlandschaft von Rafah (inzwischen sind rund 90 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen beschädigt oder zerstört) eine sogenannte «humanitäre Stadt» zu errichten.
In ihr sollen am Anfang 600’000 Palästinenser zusammengepfercht werden, später die gesamte überlebende Bevölkerung. Rückkehr in den Gazastreifen verboten. Einzige Möglichkeit: Ausreise in ein anderes Land.
«Es ist ein Konzentrationslager. Es tut mir leid»,
sagt dazu Olmert. Er legt noch nach: «Wenn sie ein Lager bauen wollen, um mehr als die Hälfte Gazas zu ›säubern‹, dann ist die einzig logische Schlussfolgerung: Es geht nicht darum, Menschen zu retten. Es geht darum, sie zu vertreiben – sie wegzuschieben, sie loszuwerden.»
Der «Spiegel»: «Diese Kabinettsmitglieder, die Gewalt in Gaza und im Westjordanland befürworten, seien laut Olmert eine größere Bedrohung für die langfristige Sicherheit des Landes als jeder externe Feind: »Diese Leute sind der Feind von innen.»»
Man kann ohne weiteres anderer Ansicht als Olmert sein. Es sieht aber ganz danach aus, als ob Netanyahu mit dem Plazet Trumps dessen Idee, aus dem Gazastreifen eine neue Riviera zu machen, umsetzen will. Natürlich ohne Riviera – und ohne Palästinenser.
Die Eitelkeit Trumps ausnutzend, hat ihn Netanyahu deshalb für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Eine aberwitzige Idee. Trump konnte weder wie angekündigt den Krieg in der Ukraine innert 24 Stunden beenden, noch fand er bislang eine tragfähige Lösung für die israelische Invasion im Gazastreifen. Oder für die Kriegsverbrechen, die Israel im Westjordanland, im Libanon, in Syrien und im Iran begeht.
Selbst beteiligte sich Trump mit seiner big beautiful bomb am Versuch, das iranische Nuklearprogramm zu zerstören.
Niemand, der noch Reste von gesundem Menschenverstand besitzt, kann die Terrortaten der Hamas und anderer fundamentalistischer Wahnsinniger gutheissen. Genauso wenig die Rhetorik aus Teheran, dass Israel vernichtet werden müsse.
Aber es verschlägt den meisten deutschsprachigen Medien die Sprache, wenn die israelische Regierung Anstalten macht, die gesamte palästinensische Bevölkerung aus dem zusammengebombten Gazastreifen zu vertreiben.
Schon jetzt ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff oder Medikamenten nicht gewährleistet. Wer sich einer der wenigen Verteilstationen nähert, riskiert, beschossen oder erschossen zu werden.
Hunderttausende von Zivilisten in ein Konzentrationslager zu treiben, das ist eine neue Eskalationsstufe. Da es nicht verlassen werden darf (ausser zu einer Ausreise, aber wer will schon Hunderttausende von Palästinensern aufnehmen), hat es nichts mit einer «humanitären Stadt» zu tun, wie das der israelische Verteidigungsminister nennt, von dem Orwell noch etwas lernen könnte.
Nachdem Israel fast die gesamte Infrastruktur des Gazastreifens zerstört hat, immer wieder die Bevölkerung in sogenannte sichere Zonen jagte, die dann doch nicht sicher waren, soll so das Problem Gazastreifen einer endgültigen Lösung zugeführt werden.
Natürlich sind Vergleiche mit den Vernichtungslagern der Buren und der Nazis nicht angebracht. Wohin allerdings die in diesem Konzentrationslager vegetierenden Palästinenser ausreisen sollen, das ist völlig ungeklärt. Vielleicht nach Madagaskar?
Was völlig klar ist: Israel züchtet damit eine ganze Generation von neuen todeswilligen Terroristen heran. Um deren zukünftige Taten zu verhindern, gäbe es tatsächlich nur die Möglichkeit eines Völkermords. Obwohl auch so sicherlich nicht alle Palästinenser vom Angesicht der Erde getilgt werden können.
Auch diese Ansicht muss von niemandem in den Massenmedien geteilt werden. Aber vielleicht gäbe es neben der Frauenfussball-EM doch noch ein Plätzchen, darüber zu berichten.
