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Dunkles, raunendes Blatt

Die Besorgnis weicht der Sorge.

«Der Wohlstand des Landes beruht auf Pragmatismus, also dem Lavieren in der Grauzone zwischen Ethik und Erträgen, Anstand und Abgrund. Ein Zwerg wie die Schweiz setzt in der Aussenwirtschaft keine Agenda, sondern nickt wie der Türsteher beim Juwelier opportunistisch seinen Kunden zu. Mit vorauseilendem Gehorsam alle internationalen Regelwerke möglichst perfekt und schnell umzusetzen, stört da nur.»

Hingeknüttelte Alliterationen, dann sei die Schweiz aussenwirtschaftlich ein Zwerg (weltweit sechstgrösster Investor in den USA). Der Scheinzwerg setze keine Agenda (was ist denn das?), er sei vielmehr wie ein nickender Türsteher beim Juwelier. Hä? Und der – die Türsteher werden sich bedanken – nickte «opportunistisch seinen» Kunden zu. Sollte der Türsteher denn den Kunden prinzipientreu die Türe vor der Nase zuschlagen? Und sind das nicht die Kunden des Juweliers?

Völlig aus der Kurve trägt es den Leser des jüngsten Editorials von Beat Balzli, wenn dann plötzlich noch vorauseilender Gehorsam gegenüber internationalen Regelwerken angeflanscht wird. Dessen befleissigt sich zwar die Schweiz (OECD-Mindeststeuer), das störe aber nur. Wen?

In einem einzigen Absatz gelingt es dem Chefredaktor der NZZaS, grösstmögliche Verwirrung beim Leser anzurichten. Wenn’s Absicht ist, ist’s unbegreiflich. Ist’s keine, ebenfalls.

Gleich daneben wird auf einer Doppelseite die Frage des Blattmachers beantwortet: Und was machen wir zum Klimagipfel in Brasilien? Da kommt ja eh nix raus, also? Hingeknüppelte Antwort:

Da gibt es den Klimaforscher Knutti und den SVP-Nationalrat Knutti. Nicht verwandt, nicht verschwägert. Aber he, ein Aufhänger, Doppelseite gefüllt.

Dann schliesst sich die NZZaS der grossen Fraktion der Journalisten an, die nach dem Prinzip leben: Wünsche können wahr werden, wenn der Schreiber es nur will:

Beweisführung: Republikanische Senatoren sprechen sich gegen die Abschaffung des Filibusters aus, mit dem die Demokraten die Verabschiedung des Staatshaushalts verhindern. Das sei dann bereits ein Zwergenaufstand. Während sich Trump ansonsten der bedingungslosen Unterstützung aller republikanischen Parlamentarier erfreut. «You dreamer, you», würde eine Schweizer Unternehmerin dazu sagen.

Im ewigen Bemühen, Orte zu finden, an denen angebliche weitere russische Angriffe auf den Westen stattfinden könnten, hat die Journaille ein eisiges Beispiel gefunden. Schon oft beschrieben, aber doch kein Grund für die NZZaS, nicht nachzuschreiben:

John le Carré würde sich gegen diese Verballhornung seines Titels verwahren, lebte er noch. Stattdessen rotiert er wohl etwas im Grab.

Dann der ewige Krach in der Regierungskoalition in Deutschland, wo auseinander strebt, was nicht zusammen gehört. Auch dem ist ein neuer Aspekt schwierig abzugewinnen, also wieso nicht ein uralter:

Man nehme den grundsätzlich schlecht gelaunten SPD-Politiker Ralf Stegner, einen Politikwissenschaftler, der sonst gerne in der taz (die deutsche tägliche WoZ) oder im «Freitag» (das Hobbyblatt eines Augstein-Sohns und Erben) publiziert. Bringt die SPD die AfD an die Macht, ist die bange Frage im Lead. Leider geht die Antwort dann im Geholper des Artikels verloren oder vergessen.

Dann endlich das, was man einen Aufreger nennt. Wobei dieser etwa so aufregend ist wie der Farbe an der Wand beim Trocknen zuzuschauen:

ZACKBUM hätte einen Alternativtitel anzubieten: Hilfe, wir schreiben uns ins Verderben.

Dann, aber wir sind schon auf Seite 39, endlich was Lesenswertes über die stinkreiche Gewerkschaft Unia:

Aber nach dieser Anstrengung sinkt die NZZaS wieder erschöpft ins Seichte:

Liebe, Psychologin, Interview. Fertig ist die Stimulierung des Gähnreflexes.

Dann vollbringt Peer Teuwsen das Kunststück, sich über die Vermarktung des eigenen Elends durch Künstler zu echauffieren:

Indem er es selbst für einen Artikel ausschlachtet, dessen Erkenntnisgewinn man eigentlich in diesem Titel und Lead prima zusammenfassen könnte.

Dann noch die Beschreibung eines weiteren «Tabubruchs» (Kannibalismus auf der Bühne!), gefolgt von der guten Nachricht: damit ist auch diese NZZaS am Ende. Das sie allerdings schon längst zuvor erreichte.

 

Dunkle Worte

Nora Zukker rezensiert Martin Suter. Kann nicht gutgehen.

Martin Suter ist der genderkompatible, fluffige Gebrauchsliterat der Schweiz. Die Texte des PR-Genies flutschen so wie eine feuchte Seife in der Hand. Kantenlos, glatt, gepflegt, unangenehm parfümiert, langweilig.

Der Literaturhäuptling (wieso gibt es davon keine weibliche Form, verdammte Diskriminierung) ohne Indianer von Tamedia, Nora Zukker, ist sonst eher für Abseitiges und Unterirdisches wie Simone Meier zuständig.

Nun versucht sie sich also mal am Schweizer Erfolgsautor, der zwecks Promotion nicht davor zurückschreckt, Privatestes wie den Tod seiner Frau larmoyant auszubreiten, wenn man ihm Gelegenheit dazu gibt.

Aber zur Sache. Schon der Titel der Rezension ist so dunkel wie holprig, Wie kann man zwischen Oliven und einem Drink die Geduld verlieren? Wo bleibt die dann ab? Findet man sie dann hinter einer Olive wieder?

Aber das soll ja den Leser nur vorwarnen, dass es anschliessend noch holpriger, dunkler und unverständlicher wird:

«Allmen bietet ihm seine Hilfe bei der Suche nach dem verschwundenen Kunstwerk an – und hofft, nicht schon wieder seine Kreditwürdigkeit improvisieren zu müssen. Es könnte für den «Pleitendandy» eine Zeit ohne den Duft schwarzer Bohnen kommen, denn er gehört nun ein bisschen dazu, zum Kreis der illustren Kunstfreunde von Weynfeldt.»

Wie improvisiert man seine Kreditwürdigkeit? Und was ist eine Zeit ohne den Duft schwarzer Bohnen? Meint sie damit Frijoles (würde zu den Margaritas passen) oder schlichtweg Kaffee?

Aber weiter im Geholper: «… der Adelstitel Johann von Allmen führt irrtümlicherweise zum Adel, ist aber bäuerlicher Herkunft. Carlos (ein Bediensteter, Red.) kann auch nicht zu oft die Mansarde hochsteigen und ein Bündel Banknoten holen und sie dem Johann Friedrich leihen». Hä?

«Allmen ist nämlich gut darin, die Wirklichkeit auszublenden. Das hat er in seiner Kindheit gelernt, als er die Augen schloss und sein Vater mit einem Stück Holz das Kaninchen Mimi vom kleinen Johann erschlug. Aber dann muss er die Augen aufschlagen, als es hupt und eine Bahre mit grauem Deckel geholt wird. Karin Winter ist tot.» Hä?

Wer’s bis zum Schluss durchsteht, wird hiermit bestraft:

«Da sind keine schnellen Schnitte, keine Spannung, die einem den Atem nimmt, aber Suters Dialogtalent bleibt konkurrenzlos. Mit «Allmen und Herr Weynfeldt» gewährt uns Suter wieder Einblicke in die Welt der Reichen. Und irgendwann trinkt Weynfeldt dann doch noch den Martini zur Olive. Aus Gründen.»

Hä?

Eigentlich sollte eine Rezension dem Leser Gründe an die Hand geben, einen Martini zu trinken. Nein, ein Buch lesen zu wollen oder nicht.

Hier sind die Fragen, ob man das Buch trotz dieser Rezension lesen sollte. Oder sich sinnlos besaufen. Ob es noch schlechter oder eventuell besser ist. Im Zweifelsfall ist aber die beste Entscheidung: weder Suter noch Zukker lesen. Das Leben ist zu kurz für solche Abschweifungen.