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Die blinden Massenmedien

Worin unterscheiden sich deutschsprachige Mainstreammedien von Rodong Simun?

Zunächst einmal dadurch, dass die Parteizeitung ihre Auflage geheim hält. Und dass es in Nordkorea schwierig und gefährlich ist, sich anderer Informationsquellen zu bedienen.

Aber es gibt mindestens vier Themenbereiche, bei denen wenn schon nur alternative Nachrichtenquellen helfen, wenn man nicht die einzementierten Narrative und Framings der Mainstreammedien auf Deutsch sich ins Hirn hämmern lassen will.

  1. Ukraine/Russland

    Es ist Konsens: der russische Präsident Putin ist ein autokratisch regierender Verbrecher, höchstwahrscheinlich verrückt, der über ein korruptes Staatswesen regiert, durch Pseudowahlen an die Macht gekommen ist und aus reiner Paranoia die ständige Osterweiterung der NATO als Bedrohung seines Traums empfindet, das sowjetische Imperium wiederherzustellen.
    Dass die Ukraine fast ebenso korrupt ist, Milliarden westlicher Hilfslieferungen versickern oder Anlass zur Bereicherung bieten, dass Präsident Selenskyj, nachdem er von einem Oligarchen finanziert an die Macht kam, längst überfällige Wahlen per Kriegsrecht verhindert, nach Belieben seine Regierung und führende Militärs auswechselt, mit Pressezensur und Ermordung gegen oppositionelle Kräfte vorgeht – und nicht zuletzt mindestens so korrupt ist wie Putin: mag ja sein, aber er ist der Gute. Dass Hundertausende wehrfähiger Ukrainer nach Europa geflüchtet sind, dort von Sozialleistungen profitieren und gerne in ihrem SUV zwecks Ferien in die Ukraine fahren: Berichterstattung über seine Untaten und solche Auswüchse höchstens als Feigenblatt.

  2. Israel/Gazastreifen

    Die Kriegsverbrechen, die Israel im Gazastreifen begeht, die im Zusammenpferchen der überlebenden Palästinenser in Konzentrationslagern (sagt der ehemalige Ministerpräsident Olmert) enden sollen, aus denen es nur einen Ausweg geben darf; Ausreise ins Nirgendwo: verständliche Überreaktion eines ums Existenzrecht kämpfenden Landes. Angeführt von einem Ministerpräsidenten, der sich verzweifelt an sein Amt klammert, weil er sonst wegen Korruption ins Gefängnis wandern würde.
    Der wider jedes Völkerrecht Syrien, den Libanon und den Iran ohne Kriegserklärung bombardiert. Dessen Minister offen dazu aufruft, den syrischen Präsidenten zu ermorden. Wer das kritisiert, ist, inklusive Olmert, Antisemit: Berichterstattung darüber höchstens als Feigenblatt.

  3. USA/Präsident Trump

    Ein einzelner Mann, verurteilter Straftäter, notorischer Lügner, der eine historisch einmalige Selbstbereicherung betreibt, ist daran, mit einer irrwitzigen Zollpolitik (der Zollstick als neuer Big Stick) die Weltwirtschaft und die Ökonomie der USA ins Chaos zu stürzen. Gleichzeitig unternimmt er planvoll alles, die «checks and balances» auzuhebeln. Die Militärführung ist bereits ausgewechselt, die Gerichte werden verleumdet und entmachtet, die unabhängige Notenbank FED soll unter seine Kontrolle kommen, damit die irrwitzige Neuverschuldung durch Niedrigzinsen und eine Entwertung des Dollar abgefedert werden kann. Die Medien werden systematisch eingeschüchtert.
    Dagegen gibt es zwar massive Kritik all derjenigen Journalisten, die sich an Trump ihr Mütchen kühlen wollen. Aber in der deutschsprachigen Presse nur als oberflächliches Gewäffel, als schulmeisterliche Ratschläge und als untauglicher Versuch, ihn «wegschreiben» («Der Spiegel») zu wollen. Wieso fast die Hälfte der Amis ihn zum zweiten Mal gewählt haben: sind halt bescheuert. Mehr Analyse ist da nicht. Berichterstattung über seine Untaten: höchstens als Feigenblatt.

  4. Sudan und andere «Shit Holes»

    Die Massaker im Sudan mit Hunderttausenden von Toten und Millionen von Vertriebenen. Die Verbrechen der saudischen Diktatur (Ermordung eines Oppositionellen in der eigenen Botschaft, schmutziger Krieg gegen den Jemen), die unzähligen Menschenrechtsverletzungen von Regimes, die dem Westen freundlich gesinnt sind: Fussnoten, wenn  überhaupt.
    Eurozentristisch wird übersehen, dass lediglich eine Handvoll Länder die Sanktionen gegen Russland mittragen. Weil der übrigen Welt die Doppelmoral und Heuchelei des westlichen Lagers, der USA, Englands samt dessen ehemalige Kolonien und der EU unerträglich sind. Rund 180 Länder der Welt sind halt nicht auf unserem zivilisatorischen Stand. Blöd nur, dass die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, China und Südafrika, samt Zugängen) vor allem wirtschaftlich (und auch militärisch) aufholen. Berichterstattung darüber: höchstens als Feigenblatt.

Der mündige Staatsbürger in Europa und auch der Schweiz hätte nun die Möglichkeit, sich mit eigener Anstrengung anderweitig zu informieren. Aber wer hat schon die Zeit und die Energie dafür, wer will sich die Mühe machen, wo doch die Dröhnung der Mainstreammedien ihm handliche, einfache Erklärungen für die Weltlage liefert. Dass die Wirklichkeit diesen terribles simplificateurs immer wieder zeigt, dass solche Holzschnitzereien und Schwarzweissmalerien an der Komplexität der Realität zerschellen: je nun, dafür gibt es dann eine neue, holzgeschnitzte Erklärung. Leicht verdaulich und widerspruchsfrei. Obwohl die Welt voller schreiender Widersprüche ist, deren Darstellung eine interessante journalistische Herausforderung wäre.

Aber genauso, wie die lokale Berichterstattung, weil kostenintensiv, von den modernen Elendsmedien zusammengeholzt wird, findet Auslandberichterstattung in Form von Agenturmeldungen oder von vereinzelten Korrespondenten statt, die von einem festen Wohnsitz aus ganz Lateinamerika, ganz Asien, ganz Afrika, den ganzen Osten bestreichen müssen.

Als ob ein Korrespondent in Oslo in der Lage wäre, die Feinheiten spanischer Separationsbewegungen, der italienischen Innenpolitik oder das Handeln des französischen Präsidenten Macron in aller gebotenen Tiefe darzustellen. Von der Schweizer Innenpolitik, alleine schon aus Deutschland beobachtet, ganz zu schweigen.

Lerne, deinen Verstand zu brauchen, hoffte noch Immanuel Kant, der darin den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit sah. Aufklärung ade. Heute gilt der Satz, der Sokrates zugeschrieben wird: Der grösste Irrtum des Menschen ist seine Meinung.

Das gilt natürlich auch für diese Meinung …

Unsere abgrundtiefe Heuchelei

Wieso folgt kaum jemand den Russland-Sanktionen?

Nimmt man die EU als Einheit, ist es eine einstellige Zahl von Staaten, die sich an Wirtschaftssanktionen gegen Russland beteiligen. Eine kleine, radikale Minderheit. Wieso steht die überwältigende Mehrheit der 194 Nationen abseits?

Ein Phänomen, dem die Massenmedien mit verständnislosem Schweigen begegnen.

Dabei ist die Antwort ganz einfach: wegen der ungeheuerlichen Heuchelei, die damit verbunden ist. Wie sich die äussert? Zum Beispiel so: «Mindestens 3 Tote bei neuen russischen Luftangriffen auf Kiew». Diese Meldung hallte durch die Medien und wurde überall im deutschsprachigen Raum aufgenommen.

Unbestreitbar ist das ein weiteres russisches Kriegsverbrechen in einem völkerrechtswidrigen und internationale Verträge brechenden Angriffskrieg. Den nicht einmal ein «stabiles Genie» wie angekündigt in 24 Stunden beenden kann.

Aber.

Im Gazastreifen begeht die israelische Armee weitere Kriegsverbrechen und bombardiert die Schuttwüste. So wüten die sogenannten Verteidigungskräfte auch im Libanon und in Syrien. Strenge Worte der Sanktionsländer dagegen? Ein leises Wackeln mit den Zeigefinger. Kein Wunder, empören sich die arabischen Länder über so viel Doppelmoral. Bevor hier aufgeschäumt wird: natürlich sind die Hamas und alle anderen fundamentalistischen Wahnsinnigen auch nicht besser.

Im Sudan, im Kongo und anderswo in Schwarzafrika finden grauenhaften Metzeleien statt, sterben Menschen wie Fliegen, sind Millionen auf der Flucht. Strenge Worte der Sanktionsländer dagegen? Falscher Ort, falsche Hautfarbe, man kann sich doch nicht um alles kümmern. Kein Wunder, wenden sich die afrikanischen Länder von so viel Doppelmoral angewidert ab.

In Mianmar findet seit Jahren ein Völkermord statt, verübt von einer ruchlosen Militärdiktatur. Strenge Worte der Sanktionsländer dagegen? Zu tief im asiatischen Dschungel, worum geht’s da eigentlich? Kein Wunder, wenden sich die asiatischen Länder von so viel Doppelmoral angeekelt ab.

In Salvador in Zentralamerika räumt ein mit überwältigender Mehrheit wiedergewählter Präsident mit der Bandenkriminalität auf, in Argentinien bekämpft ein neuer Präsident die katastrophalen Hinterlassenschaften seiner korrupten Vorgänger mit beeindruckenden Anfangserfolgen. Lobende Worte der Sanktionsländer? Aber nein, strenge Kritik und Schulmeisterei. Kein Wunder, wenden sich die lateinamerikanischen Länder von so viel Heuchelei mit Carajo ab.

Ist das Whataboutism, sollen hier Untaten gegeneinander aufgewogen werden? In keiner Form. Denn entweder gelten Verurteilungen aufgrund von moralischen oder rechtsbasierten Werturteilen überall – oder nirgends. Es kann keine selektive Moral aus Gründen der Opportunität geben.

Bertolt Brecht hat das schon vor langer Zeit auf den Punkt gebracht:

«Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!»

Geradezu verblüffend, wie das auf die heutige Klimahysterie zutrifft. Aber nicht nur.

Slalomfahrer Pieth

Der Vielschwätzer ist eine Schande für seinen Beruf.

Das konstatierte ZACKBUM bereits im Mai 2022. Schon damals äusserte sich der emeritierte Professor Mark Pieth zu angeblichen krummen Geschäften von Schweizer Anwälten. Wie meist recht kenntnisfrei, aber dezidiert in der Meinung.

Seit Jahren zehrt er von seinem Ruf als angeblicher Korruptionsspezialist. Obwohl er selbst sich auf diesem Gebiet alles andere als mit Ruhm bekleckert hat.

Schon 2020 zählte der «Blick» mal seine markigen Worte und seine peinliche Performance auf. Denn im Austeilen war der Professor schon immer gut:

  • «Im «Tages-Anzeiger» über Michael Lauber: «Meine Sorge ist, dass Lauber weiter den Zugang zum Haus hat und seine Gehilfen die Macht übernehmen.»
  • In «20 Minuten» über die Gerichtskommission: «Die Gerichtskommission hat ängstlich gehandelt, und Präsident Andrea Caroni (FDP-Ständerat, die Red.) ist alles andere als über alle Zweifel erhaben.»
  • In der «Schweiz am Wochenende» über das Bundesstrafgericht: «Wir haben am Bundesstrafgericht einen Alltag von Mobbing und Sexismus. Und wir haben die Aufsicht über das Bundesstrafgericht, die selber nicht funktioniert und im gleichen Spital krank ist.»
  • In der «NZZ» über Amerika: «Da muss man aufpassen – grundsätzlich halte ich nicht viel von der US-Justiz.»
  • In der «Süddeutschen»: «Lauber und Infantino haben sich aneinandergekettet wie Wärter und Sträfling beim Gefangenentransport.»
  • Im «Walliser Boten» über Gianni Infantinos Freund Rinaldo Arnold: «Die Walliserinnen und Walliser sollten sich überlegen, ob sie Oberstaatsanwalt Arnold nicht suspendieren lassen wollen.»»

Was er wohl über sich selbst gesagt hätte, wenn er seine Leistung als Korruptionsexperte bei der Fifa bewerten müsste? Dort sollte er mit seinem Ruf dafür sorgen, dass der ewige Geruch nach Korruption weggepustet würde. Gebracht hat es schlichtweg – nichts. Zunächst verkündete er grossmäulig, man habe «unabhängige Strukturen gepflanzt, die funktionieren können». Bloss 18 Monaten danach wurden Fifa-Funktionäre spektakulär im Baur au Lac verhaftet – Korruptionsverdacht.

Nichts gebracht ist allerdings relativ. Denn der Professor arbeitete nicht gratis für die Fifa. Sondern zu einem Stundenansatz von 650 Franken und einem Tageshonorar von 5000 Eiern. Pieth alleine kassierte rund 215’000 Franken, sein «gemeinnütziges Institut» räumte 2,5 Millionen ab. Money for nothing.

Aber solche Peinlichkeiten halten ihn nicht davon ab, auch heute noch seinen Senf abzugeben, wenn man ihn fragt. Diesen Fehler macht diesmal die NZZ.

Lorenz Honegger interviewt den Crack zum aktuellen Skandalfall, dass die USA zwei Schweizer Anwälte auf ihre berüchtigte Sanktionsliste der Ofac gesetzt haben. In dieser Dunkelkammer herrscht reine Willkür, es ist kein Rechtsweg möglich, und wen es trifft, der ist gesellschaftlich und wirtschaftlich ruiniert.

Wie es sich für einen Rechtsprofessor eben nicht gehört, bezieht sich Pieth in seiner Antwort auf reine Spekulationen und Vermutungen: «Die betroffenen Anwälte sind 2016 bereits in den Panama-Papers aufgetaucht und haben laut Berichten Sergei Roldugin, einem engen Vertrauten Putins, geholfen, Gelder in Offshore-Strukturen zu verstecken

Laut Berichten? Eine Bankrotterklärung für einen Rechtsprofessor. Dass das von beiden Rechtsanwälten bestritten wird, die Unschuldsvermutung gelten sollte, was interessiert ihn das. Er weiss noch mehr: «Aber die Schweizer Anwälte haben sich letztlich zur Verfügung gestellt, Vermögen über Offshore-Gesellschaften in Steueroasen zu verstecken.»

Oder mit anderen Worten: er hat von dieser Tätigkeit nicht den Hauch einer Ahnung, er weiss nichts über all die Compliance-Vorschriften, die Finanzinstitute aufgetürmt haben. Aber das hält einen Professor nie davon ab, Sachen zu verzapfen.

Noch kunterbunter wird es in seiner Beurteilung der USA. Er wirft ihnen zwar Doppelmoral vor, behauptet dann aber fröhlich:

«Sie selbst tolerieren in Staaten wie Delaware oder Utah unzählige Briefkastenfirmen. Allerdings können sie in ihrem eigenen Land mehr Kontrolle über die Geldflüsse und Transaktionen ausüben. Sie haben einen besseren Zugriff auf die Identitäten der wirtschaftlich berechtigten Personen

What a bullshit. Vielleicht hätte Interviewer Honegger vorher lesen sollen, was sein Kollege Peter A. Fischer über die Heuchelei der Amis schrieb – in der NZZ. Denn die Financial Action Task Force (FATF) der OECD beurteilt jeweils, inwieweit die Vorschriften ihrer Mitgliedsstaaten den globalen Standards entsprechen.

Im Fall der Verhinderung der Beihilfe zur Geldwäscherei durch «nichtfinanzielle Intermediäre» – also beispielsweise Anwälte – erfüllt die Schweiz zu 74 Prozent diese Vorschriften. Die USA hingegen zu – 0 Prozent. In Buchstaben: null.

Aber auch das scheint dem Geldwäschereispezialisten Pieth entgangen zu sein. Er geht noch weiter und betreibt ungeniert Politik: «Es gibt eine echte Gefahr, dass Washington die Rohstoffhandelsplätze in Genf und Zug angreifen könnte. Eine Ablehnung der neuen Geldwäschereiregeln für die Anwälte durch das Schweizer Parlament würde dieses Risiko erhöhen. Materiell hat der Rohstoffhandel wenig mit dieser Gesetzesrevision zu tun. Doch in der Weltpolitik werden solche Themen oft vermischt

Denn neben der Bedeutung des Finanzplatzes Schweiz ist den USA schon lange ein Dorn im Auge, dass viele grosse Rohstoffhändler sich die Schweiz als Sitz ausgesucht haben. Von wegen Stabilität und Rechtssicherheit. All diese Konkurrenz möchten die USA gerne weghauen. So wie sie heute der Schwarzgeldbunker Nummer eins der Welt sind, nicht am Automatischen Informationsaustausch AIA teilnehmen, via Datenkrake FATCA aber Informationen von allen anderen wollen.

Dass sich ein emeritierter Professor mit Geschwätz seinen Ruf ruiniert, ist das eine. Dass die NZZ ihn schwatzen lässt und keine kritischen Nachfragen stellt, das andere, medial Bedenkliche.

Im Sudan verrecken Millionen

Ein Lob an Arne Perras. Der Redaktor der SZ berichtet über eine vergessene Katastrophe.

Fast alle Länder der Welt unterstützen die Sanktionen der NATO-Länder gegen Russland nicht. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sie die Heuchelei von Europa und die Doppelmoral der USA und ihrer Verbündeten unerträglich finden.

Wenn’s ins politische Machtkalkül passt, geht es um die Verteidigung angeblicher westlicher Werte, um Humanität, Menschenrechte, deren Verteidigung gegen russische Untermenschen und einen kriegslüsternen Autokraten in Moskau.

Da wird grosses Geschrei erhoben, die Gazetten sind täglich wohlgefüllt, jedes tote Kind, jede bombardierte zivile Einrichtung löst einen Aufschrei aus – wenn es auf ukrainischem Gebiet stattfindet. Viele Seiten werden vollgeschmiert mit Darstellungen der besonderen asiatisch-slawischen Grausamkeit der Russen, der Skrupellosigkeit ihres verbrecherischen, verrückten Anführers.

Gleichzeitig finden in anderen Orten der Welt viel grausamere, menschengemachte Katastrophen statt. Nur haben hier die Opfer die falsche Hautfarbe, sind die Gebiete nicht von geopolitischem Interesse, gibt es keine nennenswerten Rohstoffe auszubeuten, besteht kein Anlass für einen Stellvertreterkrieg.

Der Sudan ist so ein Elendsloch, in dem rund 25 Millionen Menschen leiden und dem Hungertod geweiht sind. 25 Millionen, die Hälfte der Bevölkerung.

Das interessiert die empfindsamen Woken, die schon lange neben der Regenbogenfahne eine Ukraineflagge schwingen, einen Dreck. Das interessierte die westliche Wertegemeinschaft einen feuchten Kehricht. Das entlockt den Journalisten höchstens ein gelangweiltes Gähnen. Sudan? Wo ist das schon wieder? Worum geht es dort? Ach, immer diese Neger, Pardon, Schwarzen, mit diesen Kindern mit Hungerbäuchen, diese Elendsgestalten, die klaglos und stumm wie die Fliegen sterben.

Immerhin weist Arne Perras immer mal wieder auf diese Menschheitstragödie hin, dafür gebührt ihm grosses Lob. Er beschreibt nüchtern das Desaster im Sudan, was seinen Kommentar noch beklemmender macht:

«Viele Zonen sind militärisch abgeschottet und lebensgefährlich. Dort herrschen Milizen, denen das Leben eines Menschen nur dann etwas wert ist, wenn es taugt für den Kampf, für militärische Hilfsdienste, Aufklärung oder Nachschub. … Der Krieg ist der Vater des sudanesischen Hungers, daran besteht kein Zweifel. Und solange sich die Kämpfe weiter durchs Land fressen, treiben sie Hunderttausende ins Verderben. Mindestens. Potenziell sind es noch viel mehr. 25 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen.»

Und weiter:

«Es ist ein seelisches Martyrium, das sich in der wohlgenährten Welt kaum jemand vorstellen kann. Und doch geschieht all das im Sudan, fernab globaler Aufmerksamkeit, die sich auf Gaza und die Ukraine richtet.
Sicher ist: Der Westen wendet viel zu wenig Zeit und Kraft auf, um daran etwas zu ändern. Wann kommen Aussenminister oder Staatschefs schon einmal zusammen, um sich mit der sudanesischen Katastrophe zu befassen

Dabei ist ein Staat, der sich immer mehr zum Bundesgenossen des Westens mausert, hier übel beteiligt: die Vereinigten Arabischen Emirate.

«Die Gleichgültigkeit, mit der die Weltgemeinschaft ein von ihr selbst verhängtes Waffenembargo kollabieren lässt, ist bezeichnend: Die leidende Bevölkerung im Sudan kann sich nicht nur keineswegs darauf verlassen, dass ihr die internationale Diplomatie beispringt. Sondern sie muss zudem befürchten, dass opportunistische Länder wie die Emirate Nutzen aus ihrem Leid ziehen, der Milizenführer und Goldminenbetreiber Hemeti ist ihr Geschäftspartner.»

Wenn die Achtung vor den Menschenrechten und die Verteidigung angeblicher westlicher Werte glaubwürdig sein will, dann müssen diesen Prinzipien doch weltweit gelten. Nicht nur da, wo es aus machtpolitischen Gründen in den Kram passt.

Ist es nicht verständlich, dass allen afrikanischen Staaten, den meisten lateinamerikanischen und asiatischen das Geseier des Westens über die Ukraine und ihren Freiheitskampf nicht nur zum Hals raushängt, sondern Übelkeit verursacht?

 

Revolverblatt Tamedia

Wenn sich der Niedergeschossene rechtfertigen muss.

Von Thomas Baumann*
Vincenzo Capodici ist beim «Tages-Anzeiger» Redaktor im Ressort International. Gleichzeitig ist er, wie es weiter heisst, «Mitglied des Tamedia-weiten Netzwerks ‹Neue Formen & Storytelling›».
Er hat die Aufgabe gefasst, den slowakischen Ministerpräsidenten, der soeben niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde, näher vorzustellen.
An sich keine schlechte Idee: Auf der politischen Landkarte der meisten Leser dürfte die Slowakei nicht viel mehr als ein blinder Fleck sein. Bedarf an Information ist somit gegeben.
Also titelt der Journalist bzw. die Redaktion: «Slowakischer Premier Fico: Für seine Gegner verkörpert er den korrupten Mafiastaat». Und gleich danach im Lead: «Fico ist ein Machtmensch mit Nähe zu Russland und autokratischen Ideen — und er spaltet die slowakische Gesellschaft.»
Stopp, Timeout!
Zwei Wochen zurückspulen. Am 3. Mai wurde der SPD-Politiker Matthias Ecke beim Plakat-Aufhängen in Dresden angegriffen und spitalreif geschlagen.
Die Tamedia-Zeitungen sprachen damals zu recht von einem «brutalen Angriff». Dass sie das im Fall von Robert Fico nicht taten, ist ihnen nicht vorzuwerfen. Aus dem Zusammenhang — Schussabgabe, lebensgefährliche Verletzung — erschliesst sich die Brutalität des Angriffs ganz von selbst.
Was die Tamedia-Zeitungen damals aber ganz bestimmt nicht taten: All die negativen Eigenschaften aufzuzählen, welche der Angegriffene für seine politischen Gegner angeblich verkörpert.
Das wäre problemlos möglich gewesen: Es wäre der AfD wohl nicht schwergefallen, allerhand negative Attribute in Zusammenhang mit dem angegriffenen SPD-Politiker anzugeben. Aber man hat sie nicht gefragt. Zu Recht nicht gefragt.
Anders beim slowakischen Ministerpräsidenten. Der Grund dafür: Er gehört zu den Bösen, nicht zu den Guten. Zwar ist er offenbar «Linkspopulist» und nicht «Rechtspopulist» — aber angeblich russlandfreundlich und autokratisch veranlagt.
Natürlich darf der Vergleich zu Orban nicht fehlen, Hinweise auf einen angeblich von der Mafia unterwanderten Staat und einen Journalistenmord — doch weil es natürlich rassistisch (und auch völlig faktenfrei) wäre, der gesamten slowakische Gesellschaft eine Nähe zum Verbrechen zu unterstellen, heisst es weiter: «er spaltet die slowakische Gesellschaft».
Vincenzo Capodici ist angeblich Mitglied im Tamedia-weiten Netzwerk «Neue Formen & Storytelling». Täter-Opfer-Umkehr bzw. Opferschelte ist allerdings alles andere als eine neue Form des Storytelling.
Geradezu lachhaft, mit welcher Quelle dann versucht werden soll, die autokratischen Tendenzen zu belegen: «‹Fico ist das ganze System. Fico ist der König der Slowakei›, kommentierte kürzlich die polnische Zeitung ‹Rzeczpospolita›».
Genau lesen lohnt sich in diesem Fall: Tamedia findet keine andere Quelle als eine Zeitung aus dem Nachbarland Polen (!), um den slowakischen Ministerpräsidenten zu charakterisieren.
Bei solchem Journalismus bleibt einem wirklich nur noch Kopfschütteln.
Da capo:
Auch Tamedia ist natürlich die Gelegenheit zur Korrektur zu bieten. Wo passt das besser als direkt am Ort des Geschehens mit einem Leserkommentar? Dieser, rasch geschrieben, lautete folgendermassen: «Unlängst wurde ein deutscher SPD-Politiker niedergeschlagen und verletzt. Nie und nimmer wäre es der Redaktion damals aber in den Sinn gekommen zu schreiben: ‹Für seine Gegner verkörpert Matthias Ecke…› (und dazu irgendwelche negativen Assoziationen). Man gibt in so einem Fall nicht ausgerechnet der Täterschaft noch Raum für Ihrer Vorwürfe. Warum also im einen Fall — und im anderen nicht? Bloss weil einem ein Politiker sympathisch ist und im anderen Fall nicht?»
Die Redaktion von Tamedia: «Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen.»
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*Der Kommentar erschien zuerst in der «Walliser Zeitung». Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Wumms: Holger Alich

Journalisten sind Heuchler und Opportunisten. Sie haben ihren Meister gefunden.

Wer für Ringier arbeitet, wird von Inserenten und anderweitig zahlenden Firmen ausgehalten. Kaum ein Medienkonzern hat die Kommerzialisierung journalistischer Dienstleistungen durch Schreibnutten soweit vorangetrieben wie der Verlag an der Dufourstrasse in Zürich.

Es ist auch in den anderen Grossverlagen Gang und Gebe, dass Artikel gesponsert, Events bezahlt, Produkte mit Inseraten in den redaktionellen Teil gehebelt werden. Keine Reisereportage, kein Autotext, der nicht finanziell unterstützt wurde. Da machen die Organe (und ihre Journalisten) die Beine sehr breit. Sogenannter Paid Content kommt wie eine redaktionelle Eigenleistung daher, ist aber immerhin noch als Werbung gekennzeichnet. Ach so viele angebliche redaktionelle Eigenleistungen sind hingegen bezahlte Stücke. Das weiss jeder.

Holger Alich arbeitet für Ringier. Das hindert ihn nicht daran, die Generalversammlung des Clubs der Zürcher Wirtschaftsjournalisten zu Grabe zu tragen. Nachdem er schon mal damit scheiterte, wiederholte er unerbittlich seinen Antrag:

«Der Club der Zürcher Wirtschaftsjournalisten verzichtet bei der Organisation seiner Generalversammlung auf das Sponsoring, um seine Unabhängigkeit zu stärken. Der Anlass ist so zu gestalten, dass er die finanziellen Möglichkeiten des Clubs nicht überfordert.»

Dazu muss man wissen, dass dieser Club einmal im Jahr seine Generalversammlung zum Anlass nimmt, anschliessend zum Abendessen zu bitten. Da Journalisten nicht nur gerne essen, sondern auch durchaus dem Alkohol zusprechen, kostet das alles in allem etwas. Die Generalversammlung selbst, eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion und ein anschliessendes Mahl schlagen mit rund 15’000 Franken zu Buche. Peanuts. Normalerweise nehmen so etwa 100 Personen daran teil. Pro Nase all in 150 Franken. Könnte sich damit ernsthaft jemand in seiner Unabhängigkeit bedroht sehen?

Ein fröhliches Zusammensein von Journalisten, PR-Menschen, Firmen-Kommunikationsfuzzis, zugewandten Orten. Wie Lukas Hässig richtig sagte, wer sonst nicht an solchen Anlässen teilnimmt, kommt, weil man auf engstem Raum viele interessante Menschen trifft.

Nun ist es Brauch, dass dieser Anlass von einer Firma gesponsert wird. Es ist absolut absurd anzunehmen, dass dadurch die Berichterstattung der anwesenden Journalisten beeinflusst werden könnte.

Aber Absurdes sind Alichs Spezialität: «Die GV von 2022 wurde von der Firma Coca Cola gesponsert – es waren 15’000 Franken. Das Sponsoring erfolgte just zu einem Zeitpunkt, als in der Politik über die Reduktion des Zuckergehaltes in den Süssgetränken debattiert wurde.» Blöd nur: Alich konnte kein einziges Beispiel anführen, wie dieses Sponsoring die Berichterstattung eines einzigen Wirtschaftsjournalisten beeinflusst hätte. Oder fürchtete er um seine eigene Unabhängigkeit, weil er dennoch teilnahm und sich das von Coca Cola gesponserte Abendessen munden liess?

Es ist hingegen Tatsache, dass die Berichterstattung auch des Organs, für das Alich arbeitet, selbstverständlich von Inserenten und Sponsoren von Anlässen beeinflusst wird. Das ist nichts Unmoralisches, sondern Business as usual im Journalismus.

So wie Heuchelei und Opportunismus Business as usual sind. Die erreicht einen seltenen Höhepunkt, wenn dann an der GV dieses Sponsoring mehrheitlich abgelehnt wird – was die Weiterführung dieses Anlasses schlichtweg verunmöglicht.

Der Höhepunkt bestand dann darin, dass auch die siegreichen Befürworter der Abschaffung des Sponsorings anschliessend am gesponserten Abendessen fröhlich teilnahmen und sich auf Kosten des Sponsors volllaufen liessen. Sie hatten nicht einmal den Anstand, das konsequenterweise zu unterlassen.

Offensichtlich hielten sie sich für so charakterstark, dass sie dennoch ihre «Unabhängigkeit» wahren konnten. Dabei fiel ihnen aber nicht auf, dass sie sich als opportunistische Heuchler enttarnten.

Dieser Anlass war ein wahres Lehrstück, zu welchen Abgründen an Doppelmoral und Pseudosymbolik Journalisten fähig sind. Ihre ganze Existenzgrundlage beruht darauf, dass sie gesponsert werden – und je nachdem über Firmen oder Skandale schreiben – oder aber auch nicht.

Wären sie in der Formel eins tätig, müssten sie jede Menge Aufnäher tragen, von welchen Unternehmen sie gerade bezahlt werden, für wen sie den Büttel spielen. Aber hier konnten sie ein Zeichen setzen, dass es ihnen sehr unwohl sei, wenn ihnen ein Abendessen gesponsert wird. Einladungen zu Hintergrundgesprächen mit Bewirtung, Besuch einer Firmenfiliale im fernen Ausland, Kosten natürlich übernommen, die Ausstattung mit jeder Menge Hintergrundmaterial zur freien Verfügung, Ferienaufenthalte, geschenkte Produkte, es gibt nichts, was eine Schreibnutte nicht akzeptieren würde.

Aber hier musste ein Exempel statuiert werden. Die Nutte tut so, als sei sie Jungfrau und jeglicher Versuchung abhold.

ZACKBUM-Redaktor René Zeyer war bis zu diesem Anlass Mitglied in diesem Club. Schon alleine aus hygienischen Gründen muss er das beenden.

Fertig «Republik»

Zumindest hier bei ZACKBUM.

Es gibt die Fraktionschefin der Grünen Aline Trede. Die schleimt im «Blick» davon, dass man doch das Gespräch auch mit Andersdenkenden und über politische Gräben hinaus suchen solle. Im unappetitlichen Pfaffenton: «Miteinander sprechen, sich austauschen. Sich der Debatte nicht verschliessen, nur weil sie anstrengend ist oder vermeintlich zu nichts führt

Auf der anderen Seite keift sie: «Stoppt dieses Scheissbuch», wenn eine Journalistin eine Reportage veröffentlichen will, die Trede nicht in den Kram passt. Auf ihrer Webseite verkündet die Grüne vollmundig: «Ich fliege nicht.» Ausser, sie fliegt doch, wenn sie in Brasilien und Uruguay an einem Parlamentarierreisli teilnimmt. Irgendwas in Sachen Umweltschutz.

Wird sie höflich angefragt, wie sie diese Widersprüchlichkeiten erklärt, schweigt sie verkniffen. Was für eine unangenehme Heuchlerin und Opportunistin.

Der «Republik»-Redaktor Philipp Albrecht spielte sich an der GV des Clubs der Zürcher Wirtschaftsjournalisten als der grosse Anhänger von Transparenz auf. Denn er hatte knallhart recherchiert, dass der Anlass – wie jedes Jahr – gesponsert wurde. Wieso man den Namen des am von seiner Firma bezahlten Abendessen anwesenden CEO nicht schon auf  der Einladung zum Event vermeldet habe. Auch die Antwort, dass der erst drei Tage zuvor zugesagt hatte und die Einladung vorher verschickt wurde, befriedigte den Transparenzkünstler nicht. Man hätte dieses Herrschaftswissen doch nicht drei Tage lang für sich behalten müssen, mäkelte er.

Auch bei der Parteienfinanzierung ist Albrecht unbedingt für Transparenz, am liebsten ab Spenden von 10’000 Franken aufwärts. Wo kämen wir sonst hin, wer zahlt, befiehlt.

Ganz anders sieht das aber aus, wenn die «Republik» dank eines Grossspenders das völlig überflüssige «Klimalabor» weiterbetreiben kann. Sie drohte routiniert mit dessen Tod, sollten nicht schnell 250’000 Franken zusammenkommen. Damit diese Schwelle kurz vor Spendenschluss überschritten werden konnte, schmissen diverse Stiftungen und so schnell noch einen Haufen Geld in den Topf. Wer genau? ZACKBUM bekam wie alle anderen nur die Auskunft, dass darüber «zu gegebener Zeit» informiert werde. Das Jahr ging ins Land, die Zeit ist immer noch nicht gegeben.

Gerade hat die «Republik» enthüllt, dass ihr vor dem Start jemand einfach mal so 1,5 Millionen Franken spendete. In Pervertierung des Wortes nennt sie das Ausdruck von absoluter Transparenz. Bloss: den Namen des edlen Spenders will sie ums Verrecken nicht nennen, darauf habe der halt bestanden. Zu dieser halbseidenen Transparenz raffte sie sich nur auf, weil sie anschliessend steuerlich in die Bredouille geriet.

Die noch nicht geborene «Republik» nimmt also 1,5 Millionen Franken an, ohne dass ihre Leser oder Abonnenten jemals erfahren, um wen es sich handelt. Einen russischen Oligarchen? Einen italienischen Mafiosi? Jemanden, der gerne mal etwas Schwarzgeld loswerden wollte? Vielleicht gar um Christoph Blocher? Man weiss es nicht, vielleicht erfährt man es auch nie; ausser, einem Republikaner platzt ob solcher Doppelmoral und Heuchelei der Kragen und er enthüllt den Namen.

Philipp Albrecht scheint diesbezüglich aber keine Anstrengungen unternehmen zu wollen. Was für ein unangenehmer Heuchler und Opportunist.

Zwei Tartuffes in reinster Form.

Kein Schoggi-Job

Es gibt bei der Schokolade-Herstellung einen Skandal.

Zwei Drittel des Kakaos, der zu Schokolade verarbeitet wird, stammt aus Westafrika. Alleine in Ghana und der Elfenbeinküste arbeiten (Dunkelziffer unbekannt) mindestens 2 Millionen Kinder auf den Plantagen. Sie gehen nicht zur Schule, sie werden giftigen Pestiziden ausgesetzt, ihnen wird die Kindheit und die Zukunft gestohlen.

Ein Riesenskandal. Seit Jahren bekannt. Aber eigentlich kein Thema. Zu weit weg, schwarze Kinder, Afrika. Da interessiert ja nicht mal das Gemetzel im Sudan oder in Äthiopien. Dagegen ist Kinderarbeit doch Pipifax.

Aber nun haben wir einen richtigen Riesenskandal im Bereich Schokolade. Wie SRF in jahrelanger Recherche aufdeckte, werden Kinder in den Kakaoplantagen auch noch misshandelt, geschlagen, gar sexuell missbraucht. Ein erschütterndes Stück guter Aufklärungsarbeit.

Oh, hm, da hat ZACKBUM irgendwas falsch verstanden. Bei dem erschütternden Dokumentarfilm handelt es sich um Anschuldigungen, die ehemalige Zöglinge einer evangelikalen Privatschule gegen diese Schule und den Schokoladenfabrikanten Läderach erheben.

Überhaupt habe in der Schule ein Regime der Angst geherrscht, es sei körperlich gezüchtigt worden. Wir sprechen hier von Anfang der 90er-Jahre. Wir sprechen also davon, dass seither rund 30 Jahre vergangen sind, damals niemand Anzeige erstattete, alle mal wieder erst jetzt darüber sprechen können. Das soll natürlich nicht automatisch bedeuten, dass es sich um einen weiteren Fall von im Dunkel der Vergangenheit wurzelnden Verleumdungen handelt.

Immerhin hat offenbar eine damals in leitender Position tätige Frau solche Züchtigungen eingeräumt. Auch Jürg Läderach war an dieser Schule tätig, auch gegen ihn werden Vorwürfe erhoben, er habe Gewalt angewendet.

Sein Sohn Johannes Läderach leitet sei 2018 die gleichnamige Schokoladenfabrik. Auch er war Zögling in der Privatschule Domino Servite. 2019 wurden auf sein Betreiben die Vorfälle das erste Mal untersucht; er trat damals aus dieser evangelikalen Gemeinschaft aus. In einem offenen Interview schildert er, wie ihm der Dokfilm über die Zustände bei «Diene dem Herrn» nahegeht.

Es gibt einerseits die Aussagen im Film, die auch seinen Vater belasten. Es gibt andererseits dessen eidesstattliche Erklärung, dass er selbst niemals Gewalt angewendet habe. Zudem droht Läderach Senior jedem, der das Gegenteil behauptet, mit rechtlichen Schritten, die er in einem Fall auch eingeleitet hat.

Sein Sohn sagt: «Ich bin seit 2018 CEO, meine Eltern sind in keiner Weise mehr in der Firma involviert, sie haben auch keine Aktien mehr, sind also nicht am Gewinn beteiligt. Ich plädiere dafür, dass man das Unternehmen nach den Menschen beurteilt, die jetzt die Verantwortung tragen. Und vor allem nach den 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – sie machen den grossen Teil der Arbeit, sie sind der Grund für unseren Erfolg.»

Das ist natürlich sehr elegant und sicherlich mit kommunikativer Hilfe formuliert. Auf der anderen Seite zeigt nun das Zurich Film Festival, was es von der Formulierung hält «es gilt die Unschuldsvermutung». Hielt es noch bis am Freitag letzter Woche an seinem Partner Läderach fest, verkündete es anschliessend als Reaktion auf diesen Dokfilm das Ende der Beziehung. Schliesslich werde «das Leid der mutmasslichen Opfer doch mit dem Familien- und Firmennamen in Verbindung gebracht», meint das Festival.

Korrekter wäre gewesen: das mutmassliche, nach vielen Jahren behauptete und in den allermeisten Fällen längst verjährte Leid, wobei die Unschuldsvermutung für alle gilt, selbst für einen Läderach.

Da sind wir mal gespannt, ob das ZFF vielleicht Kevin Spacey als Special Guest Star einlädt. Der dann über die Bedeutung der Unschuldsvermutung einiges zu sagen hätte.

Sicherlich war es ungut, wenn es so war, dass in einer sektenähnlichen Umgebung christliche Nächstenliebe mit körperlicher Gewalt ausgeübt wurde. Sicherlich kann ein Unrecht nicht gegen das andere aufgewogen werden.

Es beinhaltet aber mal wieder eine ungesunde Portion von Heuchelei und Doppelmoral, wenn der medialen Öffentlichkeit das Schicksal von Millionen von Kindern in Westafrika im Vergleich schlichtweg scheissegal ist. Man es bei gelegentlichen Lippenbekenntnissen bewenden lässt. 2020 widmete die «Rundschau» eine zehnminütige Dokumentation der Kinderarbeit bei der Kakaoernte. Dabei wurde spezifisch der Frage nachgegangen ob das Label UTZ tatsächlich garantiere, dass in dieser Schokolade keine Kinderarbeit steckt. Natürlich nicht, war die Antwort.

Für die nächsten Sendungen muss man bis 2016 zurückgehen. Und dann bis 2009. Man kann also nicht sagen, dass SRG sich diesem Thema mit der gleichen Energie gewidmet hat wie der angeblich zweieinhalbjährigen Recherche über mögliche Gewalt in dieser Privatschule.

Nun kocht natürlich die Volksseele auf und über. Einige wollen nie mehr Läderach-Schokolade kaufen. Andere jetzt extra. Die einen fordern strenge Bestrafung, Schadenersatz an Betroffene und eine Umbenennung der Firma. Andere bezweifeln die Anschuldigungen.

Aber keiner, schlichtweg keiner kam bislang auf die Idee, auf einen viel, viel grösseren Skandal im Zusammenhang mit Schokolade hinzuweisen. Und sei es auch nur in einem Nebensatz. Stattdessen wird gebetsmühlenartig seit Jahren, seit Jahrzehnten wiederholt, dass die Schokoladenindustrie mehr gegen Kinderarbeit tun müsse. Und nächstes Thema. Das ist atemberaubende Doppelmoral und ganz, ganz bitter. Das hat nun überhaupt nichts mit christlicher Nächstenliebe zu tun. Aber sehr viel mit sehr unchristlichen Eigenschaften des Menschen.

Heuchelei und Doppelmoral

Medien können nur ein Thema aufs Mal verarbeiten.

Treffer für Ukraine im Medienarchiv SMD in den letzten sieben Tagen: über 10’000. Für Jemen: 82.

Wieso der Vergleich? Weil in beiden Ländern Vergleichbares geschieht. Seit 2015 führt im Jemen Saudi-Arabien einen schmutzigen Krieg. Unterstützt und ausgerüstet von den USA, Grossbritannien und Frankreich.

Es ist ein klassischer Stellvertreterkrieg um eine strategisch wichtige Region. Denn der arme Jemen hat zwar keine nennenswerten Ölvorkommen, aber das Land liegt an der Meerenge zum Roten Meer, eine der Hauptschifffahrtsstrassen des Ölhandels.

Saudi-Arabien, angetrieben vom Westen, kämpft hier gegen den schiitischen Iran, der seinen Einflussbereich an die Grenzen des Königreichs ausdehnen möchte. Schreckensbilanz nach 8 Jahren: die UNO bezeichnet den Konflikt als die grösste humanitäre Katastrophe dieses Jahrhunderts. Mehr als 300’000 Tote, 20 der 30 Millionen Einwohner sind nicht in der Lage, sich ohne Hilfslieferungen ausreichend zu ernähren.

Da Saudi-Arabien trotz massiver Militärhilfe des Westens und täglichen Kosten von über 200 Millionen US$ nicht in der Lage ist, die Oberhand zu gewinnen, verwandelt sich das Land immer mehr in eine Trümmerlandschaft, wo Bombardements und Verheerungen zum Alltag gehören.

Die Kriegsursachen sind recht ähnlich wie beim Ukrainekonflikt. Eine lokale Grossmacht möchte die Ausdehnung einer anderen verhindern; beide Seiten scheuen eine direkte Konfrontation, also bietet sich der Jemen als Schlachtfeld an.

In der Tradition von Kriegen gegen den Iran

Solche Kriege gegen den Iran mit seiner Herrschaft von Ajatollahs haben Tradition. So unterstützten die USA lange Zeit den irakischen Diktator Saddam Hussein, der jahrelang Krieg gegen den Iran führte, mit einem fürchterlichen Blutzoll auf beiden Seiten. Erst später fiel Hussein in Ungnade, als er meinte, die Erlaubnis für die Eroberung von Kuweit von den USA bekommen zu haben. Sein Schicksal besiegelte aber seine Ankündigung, den Ölhandel von US$ auf Euro umstellen zu wollen.

Für solche Manöver ist das saudische Herrscherhaus zu clever. Diese fundamentalistischen Wahhabiten herrschen bis heute mit mittelalterlichen Methoden als unglaublich korrupte Clique. Menschenrechte, Gleichberechtigung von Frauen, demokratische Reformen: nichts, höchstens ein wenig Kosmetik, wenn Proteste zu laut werden. Selbst die Ermordung und Zerstückelung eines Oppositionellen in einer saudischen Botschaft sorgte zwar für verbale Empörung, aber nicht viel mehr.

Alleine wegen des jahrelangen, schmutzigen Kriegs im Jemen müssten eigentlich saudische Besitztümer in Europa, auch in der Schweiz, schon lange beschlagnahmt worden sein. Alle Schmarotzer, die nahe am Königshaus in Saus und Braus leben, müssten ein Einreiseverbot bekommen haben, neben der ukrainischen und der Pace-Fahne müsste auch die Flagge des Jemen vor jeder anständigen WG im Wind flattern.

Saudis in ihrer typischen Tracht müssten genauso gesellschaftlich verachtet und geschnitten werden wie Oligarchen. Ihr mittelalterliches Verhältnis zu Frauen müsste thematisiert und kritisiert werden. Und vor allem müssten sie mit Demonstrationen und Protesten dazu aufgefordert werden, endlich den grausamen Stellvertreterkrieg im Jemen zu beenden und Reparationen für angerichteten Zerstörungen zu bezahlen.

Müsste, würde, sollte. Warum geschieht das nicht? Gibt es weniger protestwürdige Stellvertreterkriege? Ist der Jemen einfach zu weit weg, und tote Araber bekümmern uns weniger als tote Ukrainer?

Wir Europäer, wir Heuchler

Nein, der wahre Grund dafür, dass die Ukraine übermächtig in der medialen Aufmerksamkeit herrscht, während der Jemen kaum jemals erwähnt wird, liegt in der einfachen Tatsache, dass Westeuropa auf der Seite der Ukraine gegen Russland steht. Und durch den möglichen Boykott von russischen Rohstofflieferungen noch mehr in die Abhängigkeit von Saudi-Arabien gerät. Wobei die Ölfördermöglichkeiten beispielsweise in Libyen auch durch Mitverschulden der Europäer bürgerkriegsbedingt eingeschränkt sind.

Da kennt auch der grüne deutsche Vizekanzler nichts und reist nach Katar, um sich dort in die lange Schlange der Bittsteller einzureihen, die mehr Erdgas wünschen. Katar ist mindestens so mittelalterlich wie Saudi-Arabien und von dessen militärischer Unterstützung abhängig. Auch bei den wenigen Protesten in diesem Halbinselstaat sind die Saudis gerne behilflich, das niederzuschlagen.

Mit grossem Erstaunen stellt Europa fest, dass nur in wenigen Gegenden der Welt unser bedingungsloses Eintreten für das Invasionsopfer Ukraine mit ungeteiltem Beifall begrüsst wird. Denn zu heuchlerisch, opportunistisch, einäugig und doppelmoralinsauer wird das empfunden.

Völlig zu Recht. Im Jemen Seite an Seite mit einem Aggressor stehen und den für Multimilliarden mit Waffen ausrüsten. In der Ukraine Seite an Seite mit dem Aggressionsopfer stehen und das für Multimilliarden mit Waffen ausrüsten. Verlogener geht es ja nicht.