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Journalistische Schlampereien

20 Minuten Peinlichkeiten.

Von Thomas Baumann
«Wir recherchieren kritisch und hartnäckig. […] Faktentreue ist unser oberstes Gebot. Informationen sind vor der Publikation auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Quellen sind grundsätzlich auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen und zu benennen. Ist die Informationslage unklar oder lassen sich Informationen noch nicht offiziell bestätigen, machen wir das transparent.»
Das sind, gemäss eigenem Bekunden, die «Prinzipien der Recherche» in den Publizistischen Leitlinien von 20 Minuten.
In der Praxis sieht das dann so aus: «Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Ihr Antrieb ist die Begeisterung für schöne Einrichtungen, architektonische Highlights und das Träumen von einzigartigen Wohnräumen. Sie orientiert sich an den publizistischen Leitlinien von 20 Minuten, insbesondere am Prinzip, die Leserschaft mit inspirierenden und relevanten Inhalten zu begeistern und ihr so Mehrwert für ihren Alltag zu bieten.»
Was ist also der Mehrwert, mit dem sie uns geglückt? Zum Beispiel dieser einzigartige Wohnraum: «Ein historisches Anwesen mit vier Wohnungen, Wellnessbereich und Garten» in der Nähe von Bellinzona für schlappe 3.25 Millionen.
«Laut dem Immobilieninserat hat das herzige Anwesen 2000 Quadratmeter Wohnfläche, die sich auf 7,5 Zimmer in drei Wohnungen verteilen.» Macht, nach Adam Riese, unglaubliche 270 Quadratmeter pro Zimmer.
Mal beim Inserenten nachfragen, ob alles stimmt? Iwo…
«Daneben befinden sich drei aneinandergereihte Wohnungen. Die Besitzer residieren derzeit in der grössten, einer 5,5 Zimmer-Wohnung. Daneben gibt es noch eine Duplex-Wohnung (2,5 und 2 Zimmer) sowie ein Einzelzimmer mit WC, Dusche und separatem Eingang. ‹Also insgesamt fünf Wohneinheiten, die separat genutzt und vermietet werden können›, schreiben die Besitzer
Sind es nun vier oder fünf Wohnungen? Und 5,5 + 2,5 + 2 + 1 Zimmer ergibt … 7,5 Zimmer. Wir verstehen…
Die Pointe der Geschichte: Die Redaktorin hat die Immobilie nicht einmal selber ‹recherchiert›, sondern einfach aus dem Blick übernommen.
Immerhin: Auf Rückfrage rechnete die Redaktorin das Ganze offenbar noch einmal durch und korrigierte die gröbsten Fehler. Aus 2000 Quadratmetern Wohnfläche wurden «2000 Quadratmeter Fläche» und auch die Zimmerzahl wurde korrigiert, bzw. gleich ganz weggelassen.
In vordergründig deutlich wissenschaftlicheren Gefilden ist hingegen ihre Kollegin Karin Leuthold unterwegs. Diese «arbeitet seit 2005 für 20 Minuten. Als Redaktorin im ehemaligen Ressort Panorama schreibt sie über verschiedene Themen, vor allem aber über Kriminalfälle weltweit, die sie umfassend und akribisch recherchiert. 2012 zieht sie mit ihrer Familie nach Buenos Aires, Argentinien, und arbeitet weiter im Ressort Ausland. Sie interessiert sich für politische und soziale Themen, Wirtschaft und Wissenschaft. Seit 2019 ist sie am Newsdesk tätig. Karin erwarb einen Master in Mediale Künste (Neue Medien) an der ZHdK. Es folgte eine wissenschaftliche Aushilfe an der ETH Zürich und Tätigkeiten bei Swiss Airlines und bei ADP, einem der weltweit führenden IT-Unternehmen. In diesen Positionen beschäftigte sie sich mit der Aufgabe der internen und externen Kommunikation. Karin ist bestrebt, den 20-Minuten-Lesern und -Leserinnen Qualitätsjournalismus zu bieten, indem sie Themen in kompakten, strukturierten und leicht verständlichen Texten aufbereitet.» Um diesen wahrlich beeindruckenden Lebenslauf nicht unnötig zu verkomplizieren, wurde dabei sogar ihr Engagement im Krisenkommunikationsstab des Kaninchenzüchtervereins Hintertupfingen weggelassen.
Karin Leuthold ist einem wahrlich mysteriösen Kriminalfall auf der Spur: «Mysteriöse Serie: 12 tote oder vermisste US-Forscher – ‹Da stimmt etwas nicht›».
«In den USA sind seit 2022 mindestens zwölf Wissenschaftler mit Verbindungen zu Atom- oder Raumfahrtprogrammen gestorben oder verschwunden. […] Nach dem Tod des bekannten UFO-Forschers David Wilcock, der sich am vergangenen Montag das Leben genommen haben soll, geriet die Gerüchteküche in heftige Bewegung. Mit seinem Tod war die Zahl der mysteriösen Fälle auf zwölf angestiegen.»
«Immer mehr Politiker in den USA [schlagen] Alarm angesichts der seit 2022 verstorbenen oder verschwundenen Wissenschaftler. Auffällig ist, dass sämtliche Betroffenen Verbindungen zu Atom- oder Raumfahrtprogrammen hatten, teils auch zu geheimen Projekten.»
12 Wissenschaftler, allesamt mit Verbindungen zu «Atom- und Raumfahrprogrammen»?
Die Redaktorin kommt ihrer journalistischen Aufgabe nach und präsentiert sämtliche 12 verschwundenen oder verstorbenen Personen, alle mit Foto. Das nennt man eine Recherche!
Zuerst einmal der zuletzt verstorbene David Wilcock: «Wilcock war für seine UFO- sowie ‹kosmisches Bewusstsein›-Theorien bekannt und behauptete Verbindungen zu geheimen Programmen und ausserirdischen Zivilisationen.»
Wissenschaftler? Verbindungen zu Atom- und Raumfahrtprogrammen? Darauf lässt das Geschriebene kaum schliessen und auch gemäss Wikipedia war er Schriftsteller, Medienpersönlichkeit und Youtuber.
Dann gibt es da noch einen 78-jährigen pensionierten Bauleiter, der einst am Los Alamos National Laboratory gearbeitet hat, sowie eine Sekretärin ebendort. Allesamt Wissenschaftler, wir verstehen. Bauen ist ja in der Tat eine Wissenschaft, das weiss jeder, der schon mal ein Einfamilienhäusern sein eigen nennen wollte.
Wissenschaftler gab es dann auch. Zum Beispiel Michael Hicks. Dieser «forschte insbesondere zu den physikalischen Eigenschaften von Asteroiden und Kometen.» Atom- und Raumfahrprogramm, wir verstehen…
Ein anderer Wissenschaftler forschte immerhin am renommierten MIT. «Seine Forschung konzentrierte sich auf die Theorie und Simulation astrophysikalischer und experimenteller Plasmen
Ein anderer Wissenschaftler war Astrophysiker «und befasste sich unter anderem mit Dunkler Materie, Galaxienstrukturen, Sternpopulationen und Exoplaneten.» Raumfahrtprogramm, wir verstehen…
Noch ein anderer war Forscher im Bereich der chemischen Biologie bei Novartis. Klar, Raumfahrt!
Und ein weiterer war am «Satelliten Jason-3 beteiligt, der Meeresspiegelmessungen zur Erforschung des Klimawandels durchführt
Alles klar? Wenigstens hat die Redaktorin sauber recherchiert, wenn es auch mit der Einordnung, nun, wenigstens ein klein wenig hapert…
Und der Knaller ganz zum Schluss: «US-Präsident Donald Trump vermutet, es handle sich ‹möglicherweise lediglich um einen Zufall›
Mit dieser unaufgeregten Einschätzung könnte der Maestro der Verschwörungstheorien ausnahmsweise sogar recht haben.

Die Zocker-Lobby

Die UBS lobbyiert im roten Bereich.

Eigentlich geht es nur um eine Winz-Witz-Eigenkapitalerhöhung von 20 Milliarden Franken, bei einer Bilanzsumme von 1600 Milliarden. Peanuts, viel zu wenig bei dem systemischen Risiko, das von dieser Monsterbank ausgeht, die ein viel grösseres Rad als das gesamte BIP der Schweiz dreht (einsamer Weltrekord).

Weil aber vom gehebelten EK der Bonus abhängt, wehren sich CEO Sergio Ermotti & Co. mit Händen und Füssen gegen dieses symbolische Pflästerchen. Und setzen Lobbying in einer für die Schweiz bislang ungenannten Dimension ein. Drohen sogar mit Wegzug, als ob sie anderswo eine Gratis-Staatsgarantie (von wegen too big to fail) kriegen würden.

Natürlich ist es auch eine mediale Schlacht, mit interessanten Kampflinien. Dass ein Dumpfschwätzer wie Markus Somm auf die UBS-Propaganda reinfällt, nun ja, bedauerlich, nicht überraschend, so what.

Bedenklicher ist schon, dass die NZZ sich plötzlich zum Sprachrohr der UBS aufschwingt und einen kritischen Kommentar nach dem anderen veröffentlicht, dass diese durch Aktienausgabe kinderleicht zu finanzierende Kapitalerhöhung eigentlich des Teufels sei und unbedingt vermieden werden müsse.

Sonst drohe mehr oder minder der Untergang der Eidgenossenschaft. Sogar ehemalige UBS-Direktoren dürfen hier als «Experte» verkleidet dagegen anstänkern.

Währenddessen ist der «Blick» das Sprachrohr der Kritiker der UBS geworden, wo wahre Experten wie Marc Chesney die dürftigen Argumente der UBS zerpflücken dürfen und sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter in gewählten Worten über die Propagandaschlacht der UBS erregen darf: «Es entspricht aber nicht dem gängigen Stil, dass man so dezidiert gegen unsere Institutionen antritt. Das ist ein eher neuer Stil im Umgang eines Unternehmens mit dem Staat.»

Chesney geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert die nächste Bankenkrise. Aus einem einfachen Grund. US-Präsident Donald Trump lockert wieder einmal die Regulierungsvorschriften für Banken in den USA: «Erste Erleichterungen sind bereits in Kraft, die zentralen Punkte wie eine tiefere Eigenkapitalquote sollen bis Anfang 2027 folgen. Darüber hinaus werden die Aufsichtsbehörden zurückgebunden und wird ihr Personalbestand erheblich gekürzt», fasst der «Blick» zusammen. Chesney setzt noch einen drauf: «Die Zutaten für die nächste akute Krise sind vorhanden, die Frage ist nur, wann sie kommt.»

Denn die letzte von 2008 begann genau mit solchen Lockerungsübungen.

Aber auch Gegner der Kapitalerhöhung wie der emeritierte Bankenprofessor Martin Janssen kommen zu Wort, er spricht gar von «einer Erpressung des Parlaments». Allerdings nicht durch das Lobbying der UBS, sondern durch die Finanzministerin.

Die NZZ unkt: «Keller-Sutter droht eine Niederlage im Parlament». Auch Beat Balzli steuert einen seiner verpeilten Kommentare bei: «Die UBS-Phobie oder warum die reine Fixierung auf das Kapital von gestern ist».

Tamedia tut das, was das Qualitätshaus an der Werdstrasse am besten kann: es eiert herum und interviewt. Auch CH Media ist sich nicht sicher, ob sich der Wannerclan das Wohlwollen der UBS verspielen will oder nicht. «Scharfe UBS-Regulierung würde Kredite verteuern», darf hier der Gastkommentator Urs Furrer schreiben. Er ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und offenbar von Finanzkenntnissen eher unbeleckt.

Redaktorin Florence Vuichard flüchtet sich ebenfalls in ein gepflegtes Einerseits-Andererseits: «Der Bundesrat verschärft die Eigenkapitalvorschriften für die Grossbank, macht aber auch Konzessionen.» Ist das gut oder schlecht? Eben, einerseits, andererseits.

Und «20 Minuten» macht ebenfalls das, was das Pendlerorgan am besten kann: es zitiert Artikel der anderen. So habe die «Financial Times» geschrieben, «Parlamentarier hätten führenden UBS-Managern zugesichert, die strengen neuen Vorschriften würden abgeschwächt».

Was die UBS hier tut, ist tatsächlich ein professionelles, nicht gerade billiges Lobbying mit allen Schikanen. Direktkontakte zu Parlamentariern und Medienschaffenden. Einsatz von Verbänden als Multiplikatoren. Drohung mit Abstrichen bei der Parteienfinanzierung.

Zugleich werden die Narrative gesetzt («Schweiz verliert Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalregeln gefährden Jobs»). Dazu typisches Framing. Diese Reform gefährde die Schweiz (weniger Kredite, teurere Hypotheken, Schwächung Finanzplatz). «Experten» werden mobilisiert, Reputations- und Elitennetzwerke aktiviert.

Klare Drohungen werden umgeschminkt (Vermeidung des Worts Bestrafung, Ersatz durch «Überdenken» von Optionen).

Bei den Medien ist die Drohung mit Inserateboykott bei unbotmässiger Berichterstattung Vergangenheit. Heute kommen andere Formen von Sponsoring zum Einsatz:

  • Konferenz-Sponsorings (Wirtschaftsforen, Debattenformate)
  • Content-Partnerschaften / Thought Leadership
  • Podcast- und Video-Sponsoring
  • Beilagen, Themen-Specials, Roundtables

Die Drohung mit einem Streichen dieser Anlässe wirkt genauso …

All das belegt ironischerweise genau das, was die Monsterbank abstreitet: sie hat offensichtlich viel zu viel politische Macht, weil sie systemrelevant ist.

Die Trumpete

Mal im Ernst: Hilft nur noch Galgenhumor bei diesem US-Präsidenten?

Nach einem kurzen Schwächeanfall hat sich Urs Gehriger von der «Weltwoche» wieder erholt: «Don Tsu: Mit der Blockade der iranischen Seeblockade adaptiert Donald Trump Prinzipien des antiken chinesischen Meisterstrategen Sun Tzu. Mit Folgen, die für Überraschung sorgen könnten».

Dessen Strategeme so missbräuchlich zu verwenden und ihre Anwendung einem Präsidenten zu unterschieben, der wohl im Leben noch nie ein Buch gelesen hat und nie von diesem Feldherrn gehört hat: immerhin schenkt uns das einen herzlichen Lacher, und das können wir brauchen.

Denn inzwischen ist es amtlich, leider nur noch nicht exekutiert: der Mann spinnt nicht nur, und zwar im pathologischen Sinn. Sondern er hat auch grösstenteils den Kontakt zur Wirklichkeit verloren. Ein nicht unbekanntes Phänomen bei notorischen Narzissten, wenn die verzweifelt um die Erkenntnis herumrudern, dass sie mal wieder der Loser sind.

Der neuste Beweis, als ob es noch eines weiteren bedurft hätte: Kommenden Mittwoch läuft mal wieder ein Ultimatum ab. Dann endet die zweiwöchige Waffenruhe. Falls sie nicht verlängert wird.

Als grossen Erfolg, haben wir gelacht, verkaufte Trump, dass damit der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus wieder freigekämpft sei. Oder doch nicht, denn Schiffe mit iranischer Destination oder Herkunft würden nun von der US-Navy blockiert werden.

Das ist nicht schlecht. Hör auf mit deiner Blockade. Schön, du hast aufgehört. Dafür blockieren nun wir. Resultat dieser grossartigen Adaption eines Strategems: nach nur 24 Stunden, in denen gerade mal eine Handvoll Schiffe durchschlüpften, blockiert nun der Iran ebenfalls wieder.

Gelegenheit für den Auslandchef des Kopfblatt-Salats von Tamedia, sich mit einer Meinung, nein, einer «Analyse» lächerlich zu machen. Aber auch gut für einen Lacher.

Damit die Lachtränen weiter fliessen, legt US-Präsident Trump nun noch einen drauf. Er sieht eine neue Verhandlungsrunde mit dem Iran in Pakistan. Dafür sollen wieder sein Vizepräsident JD Vance, die Unglückskrähe Orbáns, Steven Witkoff (qualifiziert durch seine Freundschaft mit Trump) und Jared Kushner (qualifiziert durch seinen Status als Schwiegersohn) nach Islamabad reisen.

Ob sie das wirklich tun werden, ist allerdings unklar. Sonst wäre es ja kein echter Trump, sondern Trumpetengold. Schliesslich würden die USA einen «sehr fairen und vernünftigen Deal» anbieten, behauptet Trump, der auch behauptet, die Gespräche liefen vor diesem Treffen sehr gut.

Falls sie dann doch nicht so gut laufen sollten, droht er gleichzeitig, dass in diesem Fall die USA «jedes einzelnen Kraftwerk, jede einzelne Brücke im Iran zerstören» würden.

Da Trump auch immer mehr unter Sprachdurchfall leidet, perseveriert er dann einfach weiter. Das muss man sich im Original zu Gemüte führen:

«SCHLUSS MIT DEM NETTEN KERL! Sie werden schnell und ohne Zögern fallen, und wenn sie den DEAL nicht annehmen, wird es mir eine Ehre sein, das zu tun, was getan werden muss und was andere Präsidenten in den letzten 47 Jahren gegenüber dem Iran hätten tun sollen. Es ist Zeit, die Vernichtungsmaschinerie des Iran zu beenden

Was sind das für Zeiten, in denen religiöse Wahnsinnige vernünftiger wirken als der US-Präsident? Die einen metzeln allerdings friedliche Demonstranten zu Tausenden nieder, der andere kündigt Mal für Mal schwerste Kriegsverbrechen an.

Der Iran stellt fest, dass es zurzeit kein zweites Treffen geben wird. Der ständige Kurswechsel der USA und haltlose Forderungen seien «keine aussichtsreiche Perspektive für seriöse Verhandlungen».

Ein Mad Man im Oval Office. Sollten wir das überleben, kann man rückblickend immerhin sagen: haben wir gelacht. Denn anders kann man dieser tödlichen Bedrohung nicht mehr begegnen.

Ach, Münger

Der Auslandchef ohne Ausland und ohne Verstand.

Er ist der Meister der Fehlanalyse. «Umso wichtiger scheint, dass das Trump-Comeback verhindert wird», orakelte er ein Jahr vor den letzten US-Wahlen. «Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte», behauptete er. Als der aussichtsreichste Kandidat dann wegen erwiesener Senilität zurückgetreten wurde, wiederholte sich Christof Münger: «Es geht bei diesem Wahlkampf nicht um politische Programme, sondern darum, das Comeback von Donald Trump im Weissen Haus zu verhindern. Wie man zu Kamala Harris steht, wird zur Nebensache.»

Aber wieso in der Vergangenheit schwelgen, auch der aktuelle Münger vermag zu erheitern. Muss auch frustrierend sein, sich «Leitung Ausland» zu nennen und unter sich einen verpeilten Enver Robelli als Stellvertreter zu haben. Die beiden Führungskräfte leiten ganze drei Auslandredaktoren. Bitter.

Aber da bleibt die Flucht in die grosse, weite Welt. Zumindest bis nach Ungarn: «Trump verliert seinen Best Buddy in Europa». So kann man das sehen. Interessiert nur keinen.

Richtig peinlich wird’s allerdings, wenn zwischen Redaktionsschluss und Publikation die Welt Münger nicht den Gefallen tut, stehenzubleiben: «Öffnung von Hormuz: Eine wirtschaftliche Verschnaufpause, aber noch nicht das Ende des Kriegs», wusste der Weltenlenker am 17. April. «Nun bietet sich die Chance, den Konflikt beizulegen», orakelte er weise. Dabei sollte er doch wissen, dass der Mad Man im Weissen Haus noch unberechenbarer als die Zahl Pi ist. Und was am 17. geschrieben wird, am 18. bereits obsolet geworden ist.

«Die Interessenlage auf beiden Seiten ermöglichte offenbar eine teilweise Einigung der Regierung Trump mit dem iranischen Regime», will der Kenner der Sachlage wissen. Tja, bessere Kenner der Sachlage würden sich nicht trauen, Aussagen darüber zu treffen, ob die Strasse von Hormus nun offen, zu, halboffen, halbzu oder überhaupt ist. Tanker kehren um, Trump wendet auf dem Absatz, Iran droht, Trump sagt, es gebe ein Abkommen «in ein oder zwei Tagen». Oder es werde wieder bombardiert, oder so. Trump sagt, die USA würden das angereicherte Uran Irans übernehmen. «Irans angereichertes Uran wird nirgendwohin transferiert», sagt der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Vielleicht verwechselt Trump Uran und Iran, kann doch passieren.

Also in einem Wort: Kuddelmuddel. Chaos. Widerspruch im Widerspruch. Wer nicht weiss, dass eine Aussage von Trump schon nicht mehr zutreffen kann, bevor er den Satz zu Ende gebrabbelt hat, disqualifiziert sich als Analyst und Kommentator.

Vielleicht sollte sich die Rumpf-Auslandsredaktion von Tamedia darauf beschränken, schlechtere Titel und Leads über die Korrespondentenberichte der «Süddeutschen Zeitung» zu setzen und sie fürs Korsett der Artikellängen im Verschiebebahnhof des Tamedia-Kopfsalats zurechtzuschnitzen.

Denn wie verkündete die publizistische Leiter nach unten: Zur Qualitätssteigerung werde eine neue Artikellänge eingeführt: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert. Eine neue «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» à la Simon Bärtschi. Mit seiner Schmerzfreiheit könnte er problemlos Pressesprecher von Trump werden.

Dem armen Münger bleibt nur ein einziger wahrer Satz am Ende seiner regelwidrig auf 5000 A gebastelten «Meinung», die gar eine «Analyse» sein soll:

«Deshalb ist noch unklar, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgeht.»

Klar ist: alles ist unklar. Klar ist: bei Trump weiss man nie. Klar ist: Münger weiss es auch nicht. Unklar ist einzig: wieso hält er dann nicht die Klappe?

Völlig unklar ist: wieso soll jemand für diesen Schrott bezahlen? Oder sagten wir das schon in aller Klarheit?

 

Wenn zwei Deppen sich treffen…

Trump und Tamedia — wer treibt’s bunter?

Von Thomas Baumann

Über Donald Trump kann man geteilter Meinung sein. Die Geschichte wird zeigen, wie seine Politik letztlich zu beurteilen sein wird.

Schliesslich muss ein US-Präsident kein erhabenes moralisches Vorbild sein (oder gar, bevor er eine erste Amtshandlung getätigt hat, den Friedensnobelpreis erhalten haben), sondern nur mehr oder weniger vernünftig Politik machen.

Dass Trumps Selbstinszenierung allerdings oftmals eher als Realsatire denn als ernsthafte Politik anmutet, ist kaum zu bestreiten.

Über Tamedia kann man kaum geteilter Meinung sein, von ein paar versprengten löblichen Ausnahmen auf der (Wirtschafts)Redaktion einmal abgesehen.

Jetzt hat sich Trump wieder einmal dazu hinreissen lassen, sich als Messias zu inszenieren. Und das wir immer mehr schlecht als recht.

Ein gefundenes Fressen für die TA-Redaktion. Um es klarzustellen: Wie Trump auf dem Bild erscheint, mit den ganzen Strahlenkränzen, der betenden Frau, der heilenden Hand auf der Stirn des Patienten — das ist schon sehr à la Jesus inszeniert.

Doch wie begründet  es die TA-Redaktion? «Donald Trump will in seinem eigenen KI-generierten Bild keinen Christus gesehen haben, sondern einen Mediziner. Die Inszenierung mit Strahlenkränzen, Soldaten, US-Flagge und Adler erzählt eine andere Geschichte.»

Wenigstens hat die Redaktion darauf verzichtet, auch noch die abgebildeten Kampfflugzeuge zu erwähnen.

Die scheue Frage sei gestattet: Seit wann gehören Soldaten und die US-Flaggen zu einem Jesus-Bildnis? Quo vadis, Tamedia?

Kein Wunder, sucht man vergeblich nach dem Namen des Autors dieses Beitrags…

Auch ein wenig Weltwoche-Bashing darf in der aktuellen Ausgabe selbstverständlich nicht fehlen.

Da hat sich also der Autor Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche ziemlich bös verrechnet. Üblicherweise fungiert er dort als Kolumnist mit einer 3000-Zeichen-Kolumne. Ein Kolumnist schreibt bekanntlich was er denkt — und nicht, was die Redaktion denkt. Sonst hätte der ehemalige SP-Präsident Peter Bodenmann kaum seit Jahren eine wöchentliche Kolumne in der Weltwoche.

Dumm für die Weltwoche, dass er ausgerechnet diese Geschichte die Frontseite des Blattes als grosse Bühne gekriegt hat.

Und gut für Tamedia. Die Journalisten an der Werdstrasse reiben sich darob die Hände: «Die «Welt­woche» hat bereits auf ‹Orbáns Sieg› angestossen – und sich gewaltig verrechnet», dröhnt es aus der Feder von Iwan Städler. Und mit sarkastischem Unterton geht es weiter: «Die Zeitschrift des ehemaligen SVP-National­rats prophezeite Orbáns Wieder­wahl und höhnte, sie könne als Einzige rechnen. Es kam anders.»

Ja, wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen, wie schon das Sprichwort sagt.

Doch die Häme ergiesst sich erst glatte sechs Stunden, nachdem sich sich René Zeyer in seinem Medien-Blog  zum selben Thema geäussert hat, über den fehlbaren Kolumnisten.

Kalter Kaffee aus dem Hause Tamedia.

Wundertüte Urs Gehriger

Gleich noch ein Lob. Das Trump-Groupie wendet sich enttäuscht ab.

Die Versuche, den erratischen Bewegungen des Mad Man im Weissen Haus Zweck und Sinn zu geben? Vorbei, gestrichen, abgehakt.

Es ist wie in einer Beziehung, die in die Brüche gegangen ist. Statt Lob Tadel, statt Anhimmeln Niedermachen, Enttäuschung, die schmerzt.

Aber Resultate zählen. Gehriger neu in der «Weltwoche»: «Donald Trumps Drohung mit dem «Untergang einer ganzen Zivilisation» markiert einen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft.» Zack.

Wie das? «Die eskalierende Rhetorik ist die eines Mannes, der den Kompass verloren hat.» Bum.

Statt Loblieder auf Trump singt Gehriger nun Arien über den Iran und will damit sicherlich auch die eigene Bildung unter Beweis stellen:

«Der Iran ist der Erbe der jahrtausendealten persischen Zivilisation, einer der einflussreichsten in der Geschichte der Menschheit.
Kyros der Grosse schuf im 6. Jahrhundert v. Chr. die erste Charta der Menschenrechte.
Die Perser errichteten mit der «Königsstrasse» eines der ersten organisierten Postsysteme der Welt. Sie entwickelten antike Kühlschränke und unterirdische Bewässerungssysteme.
Iranische Gelehrte wie Avicenna prägten die europäische Medizin. Ohne Al-Chwarizmi, Begründer der Algebra, wären Blüten der heutigen Wissenschaften undenkbar.» Und so weiter, und so fort.

Aber zurück zum Objekt der enttäuschten Liebe: «Sollte er zur Tat schreiten, würde er sich ein in die Riege von Barbaren einreihen wie den Taliban, welche die Buddhas von Bamiyan in die Luft sprengten. Oder den Dschihadisten des Islamischen Staates, die im syrischen Palmyra wüteten.»

Hoppla, Trump als Barbar in der Tradition der Taliban, der Dschihadisten. Damit riskiert Gehriger aber seine nächste Einreise in die USA und seinen nächsten Besuchs in Trumps Prunkpalast Mar-a-Lago.

Wobei, aus alter Gewohnheit gibt’s dann doch noch einen halbherzigen Rettungsversuch: «Man kann versuchen, Trumps Worte umzudeuten.» Aber nach etwas schlappen Ansätzen gibt Gehriger schnell auf: «Trumps Gedankenwelt ist erratisch.» Wirklich ein Schnellmerker.

Der mit einem vernichteten Resümee endet. Trumps abbröckelnde Anhängerschar lobe die ständigen Wendungen als Regierungsform der «strategische Unsicherheit». Vergesst es, hält dem Gehriger entgegen: «Sie stiftet vor allem eines: Chaos

Da ist ZACKBUM aber gespannt, ob Gehriger in Zukunft diese Linie beibehält – oder im Sinne seines gefallenen Idols auch eine Pirouette hinlegt …

Iran: Die intelligente Analyse

Wieso Hunderte von Franken für Medienabos ausgeben? Hier gibts Mehrwert gratis.

Einfache Aufgabenstellung: analytische Einordnung des Waffenstillstands in 500 Worten, journalistische Version. Die preisgünstige und Sekundenschnelle Reaktion der AI:

Der jüngst vereinbarte Waffenstillstand zwischen den USA und Iran markiert keinen Durchbruch, sondern eine taktische Atempause in einem weiterhin hoch eskalationsanfälligen Konflikt. Nach Wochen intensiver militärischer Auseinandersetzungen seit Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 dient die auf zwei Wochen begrenzte Feuerpause primär der kurzfristigen Stabilisierung – politisch, militärisch und ökonomisch.

Auslöser der Vereinbarung war ein klassisches Muster der Eskalationsdiplomatie: massiver militärischer Druck durch die USA, kombiniert mit Ultimaten zur Öffnung der strategisch zentralen Straße von Hormus. Washington stellte die Einstellung von Angriffen in Aussicht, sofern Teheran den globalen Energiefluss wieder zulässt. Diese Meerenge ist nicht nur geopolitischer Hebel, sondern systemrelevant für den Welthandel – zeitweise waren tausende Seeleute und Schiffe blockiert.

Für die US-Regierung ist die Waffenruhe daher ein Instrument der coercive diplomacy: militärische Überlegenheit soll in Verhandlungsmacht übersetzt werden. Präsident Donald Trump inszeniert die Einigung als Erfolg, doch die strukturellen Konfliktlinien – Nuklearprogramm, regionale Einflusszonen und Sanktionen – bleiben ungelöst. Kritische Stimmen sehen die USA sogar in einer geschwächten Position, da zentrale Forderungen bislang nicht durchgesetzt wurden.

Iran hingegen konnte zentrale Interessen zumindest teilweise behaupten. Die kontrollierte Öffnung der Straße von Hormus erfolgt unter eigenen Bedingungen, etwa durch militärische Koordination oder mögliche Gebührenregelungen. Gleichzeitig betont Teheran, dass es keinen temporären Waffenstillstand, sondern einen dauerhaften Friedensrahmen anstrebt – inklusive Sicherheitsgarantien und Sanktionslockerungen. Diese Position stärkt die Verhandlungsposition Irans, da sie die Agenda von kurzfristiger Deeskalation auf langfristige Neuordnung verschiebt.

Die Rolle externer Akteure ist ebenfalls zentral. Pakistan fungiert als Vermittler und organisiert direkte Gespräche in Islamabad – ein Hinweis darauf, dass regionale Mittelmächte zunehmend diplomatischen Einfluss gewinnen. Gleichzeitig bleibt die Lage militärisch fragil: Trotz Waffenruhe kam es weiterhin zu Angriffen, was die begrenzte Kontrollfähigkeit beider Seiten über ihre jeweiligen Eskalationsdynamiken verdeutlicht.

Ökonomisch wirkt die Waffenruhe kurzfristig stabilisierend, insbesondere für Energie- und Schifffahrtsmärkte. Doch ohne belastbare Sicherheitsgarantien bleibt die Unsicherheit hoch. Die Straße von Hormus bleibt ein neuralgischer Punkt globaler Verwundbarkeit.

In der Gesamtbetrachtung ist die Waffenruhe weniger als Friedenssignal denn als operatives Intermezzo zu interpretieren. Sie verschafft beiden Seiten Zeit zur Reorganisation und zur diplomatischen Positionierung. Ob daraus ein nachhaltiger Verhandlungsprozess entsteht, hängt davon ab, ob es gelingt, die strukturellen Konfliktursachen zu adressieren – oder ob die Region nach Ablauf der Frist in eine neue Eskalationsphase eintritt.

Iran? Äh …

Wenn die Grossanalysten mal wieder rudern.

Es war wieder mal ein klassischer TACO. Statt wie angekündigt eine ganze Zivilisation sterben zu lassen, ersparte der US-Präsident Donald Trump der Welt dieses Kriegsverbrechen. Vorläufig.

Während die israelische Regierung fortfährt, im Libanon ihre verbrecherische Politik wie im Gazastreifen fortzusetzen: totale Zerstörung. Sozusagen im Windschatten des grösseren Konflikts.

Diese nicht ganz unerwartete Wende wäre Gelegenheit für alle Kenner, Spezialisten und Grossstrategen in den Medien, mal zu zeigen, wie das ist, wenn sie ihren analytischen Muskel anspannen. Denn schliesslich erwarten sie für diese Leistung entsprechende Zahlungen, sollten also eine geldwerte Gegenleistung bieten.

Was man in Wirklichkeit sieht, ist allerdings jämmerlich und erbärmlich. Es braucht schon ein Selbstbewusstsein, das in seiner Grösse demjenigen des US-Präsidenten nicht nachsteht, um mit Denkerpose Flachsinn von sich zu geben.

«Ein Krieg, der für Trump nicht zu gewinnen ist», «Trumps Rückzieher», hämt der «Spiegel», der sich für ein Mal nicht mit Beziehungsproblemen und haltlosen Anschuldigungen in einem Scheidungskrieg befasst.

«Die Mullahs können sich als Sieger fühlen», verkündet die FAZ. Die «Süddeutsche Zeitung» wird ganz streng: «Wer droht, eine Zivilisation auszulöschen, darf nicht damit durchkommen». Und wenn Autor Boris Herrmann dafür den letzten Buchstaben hergeben müsste.

Auch Tamedia kennt kein Pardon: «Nichts passiert? Die Drohung war schon schlimm genug!», stellt Charlotte Walser «aus Washington» den US-Präsidenten in den Senkel. Vielleicht sauer darüber, dass sie bis spätnachts aufbleiben musste, um trotz Zeitverschiebung zu liefern. Auch sie stellt eine Art Ultimatum: «Auch wenn den bangen Stunden ein Aufatmen folgte: Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen

Keine Ahnung, wer sich daran gewöhnen wollte …

CH Media kümmert sich um die praktischen Fragen: «Trumps Waffenstillstand mit Iran: Hat am Ölmarkt der Schrecken nun ein Ende? Werden Tanken und Fliegen nun billiger?» Hinter der Bezahlschranke gibt’s die Antworten, hier sind sie gratis: zweimal nein.

Der «Blick» geht auf Du mit seinen verbliebenen Lesern: «Das musst du zum plötzlichen Waffenstillstand wissen». Und verbreitet Pessimismus: «Nach der Kehrtwende dürfte es nur noch schlimmer werden».

«20 Minuten» erteilt dem «Geopolitik-Experten Klemens Fischer» das Wort. Das ist so ein Allrounder, der auf der Kurzwahltaste fast jeder Redaktion liegt. Der gefällt sich in einem gepflegten Einerseits-Andererseits, das den Leser, den armen Tor, so klug zurücklässt wie zuvor: «Trump wird die Einigung natürlich als Sieg werten – und das ist sie auch. Auf der anderen Seite konnte aber auch der Iran sein Gesicht wahren, denn der iranische Vorschlag ist jetzt die Basis für weitere Verhandlungen.»

Kühl neutral berichtet die NZZ: «Donald Trump verkündet eine zweiwöchige Waffenruhe. Und Iran feiert einen Etappensieg».

Und eigentlich alle Qualitätsorgane lassen einen «Live-Ticker» laufen, die Bankrotterklärung jedes einordnenden, Mehrwert bietenden Journalismus.

Nicht, dass ZACKBUM das liefern könnte, aber wir verlangen ja auch kein Geld. Wer das tut, sollte aber vielleicht etwas mehr bieten als die Wiederholung des Faktischen, die jeder gratis im Internet abholen kann. Plus die übliche Portion Trump-Beschimpfung.

Zudem überrollen die Ereignisse die kompetenten Spezialisten. Da Israel ungehemmt weiterbombt und zerstört, scheint der Iran die Strasse von Hormus wieder gesperrt zu haben. Ob der Waffenstillstand auch die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung im Libanon umfasst oder nicht, daran scheiden sich die Geister.

Wieso halten sich China, Indien und Russland betont zurück? Wer traut sich nach diesen Ausfällen Trumps, aus der erhöhten Warte westlicher Werte noch den russischen Präsidenten Putin zu beschimpfen? Wieso wird nur am Rande erwähnt, dass die israelische Regierung mit ihren Kriegsverbrechen im Libanon ungeniert fortfährt? Ist das eine Zwischenetappe fortgesetzter Kriegshandlungen? Welche Seite wird mehr von ihren Forderungen durchkriegen?

Das wären ein paar Fragen, deren Beantwortung vielleicht etwas Mehrwert bieten würde. Aber das ersparen die Medien-Koryphäen sich und ihren Konsumenten.

 

Ein gefährlicher Irrer

US-Präsident Donald Trump spinnt. Das ist nun amtlich.

«Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – Ihr werdet sehen! Gelobt sei Allah.» Kann man das noch steigern?

Ja, wenn man ein schwer gestörter Narzisst ist, der mal wieder TACO spielte und ein Ultimatum an das andere hängte. Weil angeblich der Iran ihn darum gebeten habe. Allerdings hört Trump Stimmen, die nur in seinem Kopf sind.

Nun droht er mal wieder mit der Zerstörung der Infrastruktur des Iran, also mit Angriffen auf Kraftwerke, Strassen und andere zivile Ziele. Eindeutig die Ankündigung von Kriegsverbrechen, mit denen Israel bereits unterwegs ist.

Oder nicht? Das seien keine Kriegsverbrechen, meint Trump, weil die Iraner «Tiere» seien. «Jede Brücke, jedes Kraftwerk im Iran wird zerstört», randaliert der Präsident, völlig ausser Kontrolle.

«Wir haben ihre Navy, ihre Air Force und ihre Mine-Droppers vernichtet», so Trump. «Das grösste Problem mit dem Iran ist, dass sie nicht kommunizieren können. Wir kommunizieren wie vor 2000 Jahren, mit Kindern die Nachrichten überbringen».

Das ist eine Mischung von verbalem Randalieren und unverständlichem Gestammel. Dazu ein erschreckendes Video, wie Trump tief versunken im Gebet im Oval Office sitzt, umgeben von klerikalen Predigern, die ihm religiöse Kraft spenden wollen.

Er legt noch einen drauf:

«Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben, sie wird nie wieder zurückkehren. Ich will nicht, dass das passiert, aber vermutlich wird es das.»

Es ist das erste Mal in der Gesichte, dass ein US-Präsident ein monströses Kriegsverbrechen ankündigt. Seine Soldaten müssen nun entscheiden, ob sie seinen verbrecherischen Befehlen folgen – und später vielleicht selbst zur Verantwortung gezogen werden. Oder ob sie seine Befehle verweigern – mit allen Konsequenzen, die das im Militär hat.

Sein Pseudo-Kriegsminister Pete Hegseth, der den Kreuzfahrerspruch «deus vult» (Gott will es) auf seinen Arm tätowiert hat, will frömmlerisch noch einen drauflegen: die Amerikaner sollen «im Namen Jesu Christi jeden Tag auf gebeugten Knien« für einen US-Sieg im Iran beten. Ein fundamentalistischer Wahnsinniger dort hätte es es nicht besser formulieren können, nur mit anderen Figuren.

Das könnte problemlos auch von einem Mullah sein: «Lass’ jede Kugel gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer grossen Nation ihr Ziel finden

Religiöser Wahnsinn und zunehmender Kontaktverlust mit der Wirklichkeit. Denn einmal ist der Iran bereits durch einen überwältigenden Sieg in die Knie gezwungen, all sein Waffenarsenal vernichtet, betteln nur Trump bekannte Führer um einen Deal, während die Schiffbarmachung der Strasse von Hormus gar nicht das Problem der USA sei.

Und handkehrum soll die endlich freigegeben werden, der angeblich schon längst besiegte Iran in die Steinzeit gebombt werden, weil er immer noch nicht gegenüber den absurden Wünschen Trumps willig sei.

Wenn es nur das Vokabular wäre, das für einen US-Präsidenten völlig inakzeptabel ist, nun ja. Erfolglose New Yorker Immobilienhaie verwenden halt keine gepflegte Sprache. Wenn es nur der zunehmende Realitätsverlust wäre, mit 79 und nach viel Bräunungscreme ist man halt nicht mehr ganz da.

Aber da ist die Ankündigung von klaren, eindeutigen Kriegsverbrechen, die nicht schongeschwatzt werden können, weswegen inzwischen selbst die «Weltwoche» in dieser Beziehung verstummt ist.

Da ist die Begründung, dass es sich nicht um Kriegsverbrechen handle, weil die Iraner Tiere seien, angeführt von sehr gestörten Menschen.

Sagt ein sehr gestörter Mensch.

Wen das noch nicht genügend ängstigt: das war erst ein wenig mehr als das erste Jahr dieser Präsidentschaft. Wenn wir alle richtig Pech haben, stehen uns noch knapp drei Jahre bevor.

Familienschande

Es gibt eine neue Welle: die schamlose Zurschaustellung der eigenen Familie.

Es ist unglaublich:

Der Autor Dirk Gieselmann lässt sich schwarzweiss «im Schuppen seines Elternhauses» ablichten. Dazu stellt er im «Magazin», das eigentlich nach dem Interview einer Kolumnistin mit ihrer eigenen Mutter nicht weiter herunterkommen könnte, 25’600 tränendurchwirkte Buchstaben.

«Ein Versuch, den Verlust zu verstehen», nennt er dieses schamlose Machwerk der Selbstentblössung. Hedwig Courths-Mahler hätte das entschieden besser gekonnt:

«Wir hielten uns im Hause meines Schwiegervaters auf, um ihm wieder einmal nah zu sein, so nah wie irgend möglich. Er war ein Jahr zuvor – am Dienstag vor Ostern – von uns gegangen. Es war wieder der Dienstag vor Ostern, als meine Frau mich gegen acht Uhr in der Früh weckte und mir die Nachricht überbrachte, dass auch mein Vater gestorben sei. «Kurt ist tot», sagte sie. Sie schluchzte

Dann vergräbt sich der Autor in bedeutungsschwer durchgeatmeter Betroffenheitsschwurbelei: «Die drei Wörter, die den Satz bilden wollten, schienen nichts miteinander zu tun zu haben: «Kurt» und «ist» und «tot».»

Geht’s noch unerträglicher? Aber sicher:

«Unsere Tochter und unser Sohn lagen neben mir im Bett, fest schlafend und immer noch erschöpft von der Wanderung durch den Bergwald, die wir am Abend zuvor unternommen hatten. Auf der die Sonne so malerisch durch die bereits in zartem, österlichem Grün stehenden Buchen geschienen und meine Frau ein Foto von dieser Szenerie gemacht hatte.»

ZACKBUM gesteht: der Würgreflex (und auch der Wunsch zu würgen) wurden hier so stark, dass die Lektüre abgebrochen werden musste.

Oder: «Talkrunde unter Männern: Bin ich eigentlich der Einzige hier, der als Vater an den Anschlag kam?» Will man die Antwort wissen? Oder: «Samenspende in der Schweiz: Michael Lüthi suchte seinen biologischen Vater – und fand stattdessen 22 Halbgeschwister.»

Wo es neue Flachgebiete zu beschreiben gilt, ist Rafaela Roth nie weit: «Die Mütter meiner Familie – Teil 1: Grossmutter. Unsere Kolumnistin kriecht in ihren Stammbaum». Will man ihr beim Kriechen beiwohnen?

Da ist Beziehungsknatsch fast schon ein Aufsteller:

Auch das braucht nun ausserhalb der Familie Somm niemand unbedingt zu wissen.

Losgetreten hatte den Trend die Kolumnistin Kaltërina Latifi, die ein Wohlfühlen-Interview mit ihrer eigenen Mutter machte – was der dysfunktionale Tagi auch ohne Rücksicht auf seine Fürsorgepflicht für Mitarbeiter publizierte.

Die ewigen Betrachtungen des eigenen Bauchnabels und die Beschreibungen der eigenen Befindlichkeit sind schon unerträglich genug. Aber jetzt wird noch die eigene Familie obszön zur Schau gestellt.

Da muss man sich zur Ablenkung und Erfrischung den neusten Schwachsinn reinziehen, den US-Präsident Donald Trump von sich gibt: «Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – Ihr werdet sehen!» Aber eigentlich ist das überhaupt nicht komisch, denn dieser Irre ist der mächtigste Mann der Welt.

Nicht nur die Inhalte des Familienexhibitionismus sind zum Fremdschämen, auch sprachlich und formal klappert und rumpelt und hapert es. Nehmen wir nur die erste Titelzeile. «... den eigenen Vater zu verlieren». Welchen Vater könnte man eigentlich sonst verlieren, wenn nicht den eigenen?

Oder wie wäre es mit einem Essay unter dem Titel «So fühlt es sich an, irgendeinen Vater zu verlieren». Gefolgt von: «Das spürt man, wenn man den eigenen Vater gewinnt.» Sicher ist: weder der eigene, noch der fremde Vater kann sich gegen diese Zur-Schau-Stellung wehren. Aber deren Vorteil ist: sie kriegen es ja nicht mehr mit. Diese Peinlichkeit bleibt ihnen erspart.

Dem Leser bleibt aber wirklich nichts erspart.