Schlagwortarchiv für: Dominik Feusi

Schweizheute. Hä?

Ein neues Newsportal. Schaut jemand hin?

Zur Feier des 1. August (ohne Feuerwerk, schnief) eine erste Analyse des neuen Portals schweizheute.ch. Es wurde vor zwei Monaten von CH Media aus der Taufe gehoben und verzeichnet bereits hohen Zuspruch.

Oder auch nicht. Denn es sind keinerlei Zahlen über Nutzer oder Besucher vorhanden. CH Media, WEMF, Mediapuls, Similarweb, Semrush? Nix, keine Angaben.

Es ist eine typische Schreibtischidee von Managern, denen bis heute zur sinnvollen Nutzung des Internets oder zum Ausschalten des Mittelsmanns bei Inseraten nichts einfällt.

Bündelung der Arbeit von 350 Journalisten aus dem verzweigten Redaktionsnetzwerk der 18 CH-Media-Tageszeitungen. Von der Aargauer Zeitung bis zum Zofinger Tagblatt, von der Appenzeller Zeitung bis Urner und Zuger Zeitung. Alle Inhalte zweitverwertet.

Grosses Gedöns, wie immer: «Zudem investierte CH Media gezielt in die Redaktion. In den vergangenen Monaten wurde die Inlandredaktion neu aufgestellt: Lea Hartmann und Michael Graber übernehmen gemeinsam die Leitung. Anna Wanner und Doris Kleck fokussieren sich auf neue publizistische Aufgaben. Mit Fabian Schäfer von der «NZZ» und Céline Zahno vom «Blick» wurde die Redaktion zusätzlich verstärkt.» Zwei Nasen geholt, Wahnsinn.

Wobei Schäfer grummelnd abging, weil er mit der dann nicht erfolgten Anstellung von Dominik Feusi nicht einverstanden war. Und Zahno ist ein 25-jähriger Jungspund mit einem Jahr Erfahrung beim «Blick».

Es ist zudem nicht so, dass dieser Markt jungfräulich und der Eroberung harrend wäre. Da hätten wir SRF News, Blick, Tamedia, NZZ, «20 Minuten», blue news oder sogar «watson» aus dem gleichen Haus, aber nicht Teilnehmer an schweizheute.

Die Zahl der monatlichen Unique User aller CH-Newsportale zusammen wird nicht veröffentlicht. Es ist nach wie vor ein Dschungel im Online-Angebot.

Was soll nun schweizheute bieten, was ein Besuch der bisherigen Online-Portale von CH Media nicht böte? Es soll sich auf übergeordnete Themen wie Schweizer Politik, Wirtschaft, Ausland, Kultur und Sport konzentrieren, dazu natürlich «Hintergrundberichte und Analysen» sowie «ausgewählte regionale Geschichten».

Ein erster Blick aufs Angebot zeigt: Aufgewärmtes und Rezykliertes ist die Devise. Das ist auch kein Wunder, denn es gibt keine eigenständige Redaktion, sondern nur Abfüllgehilfen, die aus dem vorhandenen Angebot schöpfen. Das bei übergeordneten Themen sowieso schon von einer Zentralredaktion in Aarau stammt, die die gleiche Sauce in alle 18 Blätter giessen, die das dann noch mit ein paar lokalen Themen anreichern.

Auch dieses Angebot dürfte nicht allzu viel begeisterte Nachfrage finden:

Was interessiert den Leser der «Aargauer Zeitung», was die «Thurgauer Zeitung» Regionales bietet? Oder umgekehrt? Ernüchternde Ansage: null, nichts, nada.

Wie unausgegoren die Idee ist, zeigt noch ein weiterer Fakt. CH Media hat sich in den letzten Jahren 11 Radiosender und 7 TV-Stationen zusammengekauft und ist damit nach SRF unbestritten der grösste Anbieter. Statt einfach das Print- oder vorhandene Zeitung-Onlineangebot nochmals auf einer neuen Plattform zu bündeln, wäre es höchstens sinnvoll, das mit den elektronischen Medien zu verschmelzen.

Wie altmodisch das Denken der Manager ist, zeigt sich auch in der Werbestrategie. Traffic is king im Web, und wie schaufelt man Traffic auf eine völlig neue Seite, damit sie möglichst schnell eine kritische Masse erreicht, die sie für Werbung attraktiv macht? CH Media setzt hier auf die bestehenden Leser der Regionaltitel, interne Verlinkungen und als modernstes der Gefühle auf Push-Mitteilungen der App.

Social-Media-Strategie, wo man wenn schon junge Leser abholen könnte? Was ist das, wäre die Antwort der Manager aus dem Wanner-Clan.

Die zentrale Frage bei einem neuen Produkt ist immer: was ist die USP, was macht es einzigartig, was unterscheidet es von der existierenden und etablierten Konkurrenz, was ist sein Mehrwert, was löst «muss haben» aus.

Da lautet bislang die einzige Antwort von schweizheute: neu. Damit sieht man schnell einmal alt aus.

 

Wumms: Dominik Feusi

Peinliche Entblössung in aller Öffentlichkeit.

Was soll man dazu sagen? Der vorletzte Mohikaner bei Markus Somms Trauerspiel «Nebelspalter» wollte von Bord gehen. Verständlich, Arbeitsplatzsicherung ist heutzutage im Journalismus von zentraler Bedeutung. Und da sieht es bei der NZZ doch entschieden besser aus als beim Schrumpfprodukt, wo Somm zuerst mit grosser Kelle anrichtete, dann so ziemlich alles falsch machte, was man falsch machen kann – und schliesslich ganz klein und bescheiden in der Bedeutungslosigkeit verharrt.

Also wurde der Wechsel von Feusi in die Wirtschaftsredaktion der NZZ verkündet. Offenbar ist dort Kompetenz und Kenntnis in Wirtschaftsdingen nicht mehr so wichtig.

Aber dann passierte irrerweise etwas Ähnliches, was schon mit  Somm passiert war. Der war kurzzeitig als möglicher neuer Chefredaktor der alten Tante im Gespräch. Bis ihn ein Aufstand der Redaktion abschoss.

Im Fall Feusi war es aber offensichtlich ein Einzeltäter. Der hatte schon vor einiger Zeit ein Plagiat von Feusi entdeckt und ging damit hausieren. Nur: keiner wollte einen ansonsten verdienstvollen Journalisten deswegen öffentlich ans Kreuz nageln. Nicht mal die NZZ selbst.

Also wurde der Vorwurf in den Stehsatz genommen und für eine bessere Gelegenheit aufbewahrt. Die war gekommen, als der Wechsel Feusis kurz bevorstand. Nun musste der Heckenschütze nur noch einen Journalisten finden, der sich als Scharfrichter hergab. Und der fand sich im Ein-Mann-Recherchierteam Fabian Eberhard.

Der ist zwar selbst nicht über jeden Zweifel erhaben. Zumindest Sachen wie einen «Zusammenschrieb», aber unter seinem Namen, lässt er die Ringier-Medienstelle einräumen.

Auf diese entscheidende Frage wollte aber niemand antworten: Was sagen Sie zum Vorwurf, sich damit dafür instrumentalisieren zu lassen, dass gewisse Kreise in der NZZ die Anstellung von Feusi unbedingt verhindern wollten?

Denn genau darum ging es ja. Nachdem Feusis Plagiat am 3. Oktober 2024 im «Nebelspalter» erschienen war, stocherte ein NZZ-Redaktor nach, im Text wurden die «fälschlicherweise weggelassenen Quellen nachträglich ergänzt». Peinlich, aber eigentlich damit erledigt.

Doch nicht für Eberhard. Er «konfrontierte» den armen Sünder nochmals, der sofort gestand: «Es gibt überhaupt keine Entschuldigung dafür. Das ist ein klares Plagiat.» Die NZZ reagierte eher hysterisch und feuerte Feusi, bevor der überhaupt seine Stelle angetreten hatte.

Somm beschränkte sich im Wesentlichen darauf, zu dementieren, dass er damals bei der NZZ interveniert habe, um die Veröffentlichung eines Artikels über dieses Plagiat zu verhindern. Das hatte der Rechercheur Eberhard zunächst behauptet, musste dann aber die entsprechende Passage wieder löschen. Peinlich.

Nun hing Feusi sozusagen zwischen Stuhl und Bank. Beim «Nebelspalter» hatte er gekündigt, die NZZ hatte ihm gekündigt. Aber wenn die Alternative das RAV ist, dann kriecht der Gekreuzigte zu Kreuze. Somm verkündete generös, dass der Fall für ihn erledigt sei, Feusi behält seine Stelle als stellvertretender Chefredaktor und Autor. Peinlich.

Denn welcher Chefredaktor nimmt schon einen zurück, der zuvor gekündigt hatte und damit klar zum Ausdruck brachte, dass er seine Zukunft nicht beim Nebi sieht? Nur einer, dem gar nichts anderes übrigbleibt. Denn inzwischen ist die Rumpfmannschaft auf sechs Nasen reduziert worden, von denen nicht mal alle vollamtlich beim Nebelblatt arbeiten.

Mal wieder eine Intrige, die nur Verlierer kennt. Die NZZ, der «Nebelspalter», Somm und Feusi. Natürlich auch das Kameradenschwein Eberhard. Unglaubliche Zustände im deutschschweizerischen Journalismus.

Ausgespielt

Die Verteidigungslinie von SRF gegen Patrick Fischer ist zusammengebrochen.

Im Hochmittelalter befassten sich Scholastiker mit Fragen wie: Haben Engel einen Körper? Können mehrere Engel gleichzeitig am selben Ort sein? Das wurde in der spöttischen Frage karikiert: Wie viele Engel haben auf einer Nadelspitze Platz?

Weltfremde und haarspalterische Debatten, um Absurdes zu erklären und aus Glauben Gewissheit zu machen. Auch aktuell gibt es immer wieder Scholastiker, die Offensichtliches leugnen und stattdessen Fantastisches herbeischwurbeln. So wie im Fall des geschassten Eishockeytrainers Patrick Fischer. Der war bekanntlich vom SRF-Journalisten Pascal Schmitz in die Pfanne gehauen worden. Fischer hatte ihm bei einem Mittagessen erzählt, dass er sich ein Covid-Zertifikat gekauft habe, um an die Winterolympiade 2022 nach Peking reisen zu können.

Nun hat Fischer via PR-Bude ein Gespräch aufzeichnen lassen, in dem er zum ersten Mal seine Sicht der Dinge schildert. «Entweder wurde hier vorsätzlich gelogen oder mir fahrlässig Unrecht getan», ist seine Kernaussage. Dabei geht es darum, ob dieses Gespräch «off the record» war oder nicht. Der Begriff bedeutet, dass eine gemachte Aussage nicht veröffentlicht werden darf. Weder direkt noch indirekt, auch nicht paraphrasiert. Einfach nicht. Und natürlich dürfen daraus auch keine Schlussfolgerungen gezogen werden.

Schon der dabei anwesende Medienchef des Schweizer Eishockeyverbandes hatte klargestellt, dass es eine eindeutige Zusicherung gegeben habe. Schmitz hatte schriftlich festgehalten: «Ich schreibe dir bezüglich unseres Off-the-Record-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten. Mir ist die Bedeutung einer Off-the-Record-Vereinbarung sehr bewusst, und ich nehme dies ernst.»

Daran gäbe es wenig zu deuteln. Eigentlich. Nun haben sich aber bereits die Vorgesetzten von Schmitz in die Schlacht geworfen. Nachrichtenchef Gregor Meier: «Es ist nicht ein vertrauliches Off-the-Record-Gespräch.» TV-Noch-Chefredaktor Tristan Brenn: «Es war kein Off-the-Record-Gespräch

Wie das? Die alten Scholastiker hätten ihre helle Freude an den anschliessenden Turnübungen am sprachlichen Hochreck: Das Mail belege nur eine Reaktion auf die nachträgliche Forderung, das Gespräch als off the record zu behandeln.  Ergo: «eine vorgängige Off-the-Record-Vereinbarung wurde damit nicht bestätigt». Und überhaupt:

«Eine Off-the-Record-Vereinbarung muss vorgängig, explizit und gegenseitig erfolgen – das ist ein anerkannter journalistischer Grundsatz. Das war hier nicht der Fall.»

Das ist formalistischer Quatsch. Schmitz selbst bezeichnet es als «Off-the-record-Gespräch». Daran gibt es nichts zu deuteln. Im Rahmen eines Vertrauensverhältnisses gibt es zudem stillschweigende Regeln, immer gibt es die journalistische Ethik. Immer ist der Journalist als Benützer eines grossen Megaphons namens medialer Öffentlichkeit dazu verpflichtet, mögliche Folgen seines Handelns abzuwägen.

Dass sich Schmitz und SRF bewusst waren, auf welch dünnem Eis sie sich hier bewegen, zeigt auch ihr damaliges Verhalten. Statt diese Aussage von Fischer einfach hinauszutrompeten, besorgte man sich unter fragwürdigem Verweis auf öffentliches Interesse den damaligen Strafbefehl gegen Fischer – und konfrontierte den Verband und ihn damit. Wobei stolz erwähnt wird, dass man sich ja an die Vertraulichkeit des Gesprächs gehalten und kein Wort davon publiziert habe.

Das ist ungefähr so realitätsnah wie die Erkenntnis der Scholastiker, dass zwei Engel nicht gleichzeitig am gleichen Ort sein könnten. Die richtige (oder falsche) Beantwortung dieser Frage ist allerdings völlig unerheblich, weil es Engel gar nicht gibt.

Im Fall von Fischer ist damit eine erfolgreiche Karriere abrupt beendet worden – unter ungnädiger Mithilfe eines überforderten Sportverbandes.

Kurt W. Zimmermann bezeichnet die dafür Verantwortlichen bei SRF als «moralische Schurken», die zu entlassen seien. Die Affäre werde «zum Charaktertest für die TV-Chefs Susanne Wille und Roger Elsner». Zunächst verwendete Zimmi einen noch stärkeren Ausdruck, der dann aber offenbar vom Rechtsanwalt der WeWo gecancelt wurde. Allerdings geistert er weiterhin fröhlich durch die Kommentare zum Artikel, saukomisch.

Bislang wird von SRF Normalität zelebriert und Schmitz durfte sogar wieder auf den Bildschirm zurückkehren.

Auch der inzwischen veröffentlichte vollstände Text der E-Mail von Schmitz ändert daran nichts. Gegen ein klares off the record ein angebliches öffentliches Interesse zu setzen, ist Haarspalterei, unredlich und verlogen.

Die Affäre erinnert stark an den Blattschuss, den Fabian Eberhard vom «SonntagsBlick» dem Bundeshaus-Journalisten Dominik Feusi versetzte. Wegen eines Plagiats aus dem Jahr 2024 wurde aus dessen Wechsel vom «Nebelspalter» zur NZZ nichts. Der Fehltritt war längst bekannt und wurde schon länger herumgeboten – ohne mediale Folgen. Bis Eberhard zugriff und die überforderte Geschäftsleitung der NZZ damit konfrontierte.

Dass Eberhard selber im Glashaus sitzt, hinderte ihn nicht daran, mit Steinen zu schmeissen, nachdem er entsprechend angefüttert worden war.

Wenn der Zweck die Mittel heiligt, kommt es zu solchen Entgleisungen.

Der Nebelspalter und die Zahlen

Rechnen ist Glückssache.

Von Thomas Baumann
Dass im Nebelspalter hin und wieder abgeschrieben wird, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch nicht nur im Umgang mit Quellen, sondern auch im Umgang mit Zahlen hapert es dort öfters.
In seinem Newsletter Somms Memo erklärt uns der spätdoktorierte Grossintellektuelle Markus Somm gerne die Welt. So auch, zum Beispiel, am 29. Mai.
Da schrieb er über den Unternehmer Fredy Gantner, der sich seit kurzem genussvoll ins politische Getümmel stürzt: Ihn als «Klimakriminellen» zu bezeichnen, «dürfte den Straftatbestand der Verleumdung erfüllen». Wir lernen daraus: Seinen Doktor hat Somm ganz bestimmt nicht in Jurisprudenz gemacht.
Immerhin, im selben Artikel hatte es noch zwei Grafiken — und Somm hatte mächtig Dusel, dass er sich bei einer Quelle bediente, die tatsächlich alles richtig machte: Facts4Future hat nämlich in der Grafik, welche den CO2-Ausstoss mit dem BIP in Verbindung setzt, das BIP deflationiert.
Auch so zeigt sich in der Schweiz noch eine Halbierung des CO2-Ausstosses pro realem BIP-Franken zwischen 2000 und 2025.
Was herausgekommen wäre, hätte man nicht deflationiert, zeigt ein Hinweis auf die Inflationsraten gewisser Länder: Türkei rund 8500% seit 2000, im Libanon eine Verzechzigfachung und in Argentinien und im Sudan eine Verdreissigfachung der Preise seit 2020 alleine. Im Iran haben sich die Preise seit 2012 vervierzigfacht und die Hyperinflation in Zimbabwe und Venezuela schenken wir uns.
Kurz: All diese Länder hätten es geschafft, den CO2-Ausstoss pro BIP-Einheit um einen Faktor 10 oder 100 zu senken — alleine aufgrund der Inflation.
Für einmal durfte Somm also das Glück der Tüchtigen für sich in Anspruch nehmen.
Dass es sich dabei tatsächlich eher um Glück im (zufälligen) Finden der richtigen Quelle als um ausgeprägtes mathematisches Verständnis handelte, bewies Somm bloss ein paar wenige Tage zuvor.
Da widmete er sich dem Zusammenhang zwischen Unternehmenssteuern und Arbeitsplatzwachstum. Mit einer hübschen Grafik, die er sich aus Daten von PWC zusammengebastelt hatte.
Wir sehen auf der linken Achse den Unternehmenssteuersatz und auf der rechten Achse die neu geschaffenen Arbeitsplätze pro Kanton.
Und was entnehmen wir der Grafik? Zweierlei: Die Tiefsteuerkantone Unterwalden, Appenzell, Glarus und Uri haben fast keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, der Hochsteuerkanton Zürich hingegen (in absoluten Zahlen) sehr viele. Und daraus zieht Somm messerscharf den Schluss: An der Steuern (alleine) liegt es nicht, wenn Menschen zuwandern.
Damit hat er allerdings recht. Trotzdem ist die Grafik purer Unsinn. Würde es einzig von der Höhe des Unternehmenssteuersatzes abhängen, wo sich Unternehmen ansiedeln, müssten sich alle (ohne Ausnahme) im Kanton mit dem tiefsten Steuersatz drängen.
Was sie natürlich nicht tun. Denn der Unternehmenssteuersatz ist ein Gewinnsteuersatz und ohne fähige Mitarbeiter kein Gewinn. Schon das alleine verbietet, dass sich alle Unternehmen im Kanton Luzern (dem Kanton mit dem aktuell tiefsten Unternehmenssteuersatz) ansiedeln.
Wenn schon, hätte man die Höhe des Steuersatzes mit dem prozentualen (anstatt absoluten) Arbeitsplatzwachstum in Verbindung setzen müssen. Oder — noch einen Schritt weiter — hätte man untersuchen können, ob Kantone durch eine Senkung des Unternehmenssteuersatzes ihr Arbeitsplatzwachstum im Vergleich zu anderen Kantonen überdurchschnittlich in die Höhe treiben können.
Kleine und grosse Kantone beim Arbeitsplatzwachstum in absoluten Zahlen über einen Kamm zu scheren, ist hingegen glatter Unsinn.
Kommt Somm hier noch mit einem knappen «ungenügend» davon, rechnet sich sein Vize Dominik Feusi so richtig ins Nirvana.
In einem Artikel vergleicht er nämlich Zuwanderung und Arbeitsplatzwachstum und stellt fest: Es braucht fast sechs Zuwanderer für eine Vollzeitstelle.
Wie das? Indem er die Bruttozuwanderung mit den ausländischen Beschäftigten vergleicht. Und da findet Feusi eben: Von Anfang 2016 bis Ende 2025 sind brutto 1,84 Millionen Ausländer in die ständige Wohnbevölkerung zugewandert, während die Zahl der ausländischen Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) «nur» um 330’000 zugenommen hat.
Ergibt ergo, dass auf 5,6 Zuwanderer nur eine Vollzeitstelle besetzt wird. Faule Ausländer! Wandern nur in den Sozialstaat anstatt in den Arbeitsmarkt ein! Pfui! All diese deutschen Professoren und Ärzte: Keiner arbeitet, alle auf dem Sozialamt!
Nun, dass an der Rechnung etwas faul sein muss, hätte eigentlich auch Feusi mit ein wenig gesundem Menschenverstand auffallen müssen. Da es dies nicht tat, rechnen wir sein Unglück einmal zu Ende.
Ende 2025 belief sich die ständige ausländische Wohnbevölkerung gemäss Staatssekretariat für Migration (SEM) auf 2,4 Millionen Personen.
Zwischen 2016 und 2025 sind davon gemäss Feusi gut 1,84 Millionen zugewandert. Rechnen wird noch ein wenig weiter zurück: Zwischen Anfang 2010 und Ende 2015 sind nochmals etwa eine Million brutto zugewandert. Macht zusammen mit den erwähnten 1,84 Millionen rund 2,8 Millionen.
Seien wir ein wenig nett mit Feusi: Berücksichtigen wir korrekterweise, dass ein Teil der zugewanderten Ausländer keine Ausländer mehr sind, weil sie in der Zwischenzeit eingebürgert wurden. Dann können wir von den 2,8 Millionen nochmals 640’000 abziehen. (Wobei es hierzu zu bemerken gibt: Die ganzen 640’000 von den nach 2015 Eingewanderten abzuziehen, ist eigentlich überzogen, da die meisten Eingebürgerten wohl bereits vor 2016 eingewandert sind).
Wie dem auch sei… Rechnet man mit Feusis Daten noch weiter zurück, dann käme man irgendwann zwischen 2007 und 2010 an den Punkt, an dem die ausländische Bevölkerung in der Schweiz … unter Null sinkt.
Feusis Fehler in Kürze: Bei der Berechnung der Zuwanderung berücksichtigt er nur die Zuwanderung, nicht aber die gleichzeitige Abwanderung von Ausländern. Das ist ungefähr so, als würde man bei der Berechnung des Geburtenüberschusses nur die Geburten, nicht aber die Todesfälle berücksichtigen…
Oh, Feusi!
Zäumen wir das Pferd nochmals anders auf: Gemäss SEM betrug die ständige ausländische Wohnbevölkerung am 31. Dezember 2015 exakt 1’993’916 Personen. Ende 2025 waren es gemäss SEM genau 2’414’408 oder 420’492 Personen mehr. Darauf hätte eigentlich auch Feusi kommen können.
Dividiert man diesen Zuwachs durch die zusätzlichen 330’000 VZÄ, dann ergibt sich: 1,3 Ausländer in der ständigen Wohnbevölkerung mehr führen zu einem zusätzliches «ausländisches» VZÄ auf dem Arbeitsmarkt.
Stellt sich die Frage: Ist eine derart hohe Quote plausibel? Wohl kaum. Sie erklärt sich dadurch, dass bei den Arbeitskräften auch die Grenzgänger mitgezählt werden.
Diese trugen im Zeitraum 2016-2025 ziemlich genau dreissig Prozent zum Wachstum der erwerbstätigen Ausländer bei.
Rechnet man diesen Faktor (d.h. die Grenzgänger) heraus und berücksichtigt das tendenziell höhere Arbeitspensum von Grenzgängern, dann resultiert eine Quote von ungefähr 2:1 Zuwanderern pro zusätzlichem Vollzeitäquivalent.
Wichtig ist jedoch nicht so sehr die genaue Zahl, als die Feststellung: Feusi rechnet nicht nur beim Zähler seines Quotienten baren Unsinn zusammen, sondern auch der Nenner stimmt nicht bzw. hat nichts mit dem Zähler zu tun. Im Zähler steht der Zuwachs der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung, im Nenner alle ausländischen Arbeitskräfte inklusive Grenzgänger, welche eben gerade nicht zur ständigen Wohnbevölkerung zählen.
Also gleich doppelt falsch, Zähler und Nenner falsch. Falscher geht nicht mehr.
Anstatt derart Unfug mit der öffentlichen Statistik zu betreiben, sollte sich Dominik Feusi in Zukunft vielleicht wirklich besser aufs Abschreiben beschränken. Da kann er deutlich weniger Schaden anrichten.

Rässe alte Tante

An der Falkenstrasse geht es wie im hölzernen Himmel zu und her.

Da soll noch einer sagen, ein uraltes Traditionsblatt bewege sich nur gravitätisch und wie die Peristaltik.

Anfang 2025 schied Nicole Anliker aus der Chefredaktion aus. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der digitalen Transformation des Blatts. Marc Felix Serrano, der seit 2017 das erfolgreiche Berliner Büro aufgebaut hatte, verabschiedete sich Ende 2025.

Während nach René Scheu mit Rico Bandle wieder ein Feuilletonchef installiert wurde, der es durchaus auch krachen lässt, krachte es im Zusammenhang mit der versuchten Einwechslung von Dominik Feusi vom «Nebelspalter».

Der hätte die Wirtschaftsredaktion ergänzen sollen, wurde aber noch vor Stellenantritt von einem internen Heckenschützen abgeschossen. Der spielte dem Ein-Mann-Recherchiergenie Fabian Eberhard vom SoBli eine Untersuchung zu, die ergeben hatte, dass Feusi anno 2024 in einem Fall ungeniert und ungeschickt plagiiert hatte.

Im Vorfeld war der Leiter der Bundeshausredaktion der NZZ mit Getöse zu CH Media gewechselt. Fabian Schäfer war bereits der zweite Abgang nach dem Wirtschaftsredaktor Hansueli Schöchli. Der hatte zuvor unter Ausreizung des liberalen Prinzips im Blatt ein Interview von Katharina Fontana gekontert.

Schon der Versuch, Markus Somm als neuen Chefredaktor zu installieren, war an einem Aufstand der Redaktion gescheitert. Auch Jonas Projer musste erleben, dass Mobbing eine der Lieblingsbeschäftigungen der NZZaS-Redaktion ist. Nur zwei Jahre dauerte seine Amtszeit als Chefredaktor. Dann musste er blitzartig durch Beat Balzli ersetzt werden, der eigentlich als Verstärkung für Deutschland eingekauft worden war.

Und seither durch erratische Editorials und eine allgemeine Sittenverluderung bei der NZZaS auffällt.  Mit dem Absägen von Projer hatte sich die Redaktion allerdings selbst ins Knie geschossen. Interne Hoffnungen, seine Nachfolge antreten zu können, erfüllten sich nicht. Im Gegenteil, die Redaktion wurde enger in den Machtbereich von God almighty Eric Gujer eingebunden. Und die begabte Wirtschaftsjournalistin Zoé Baches ging oder wurde gegangen.

Womit die wichtigste Personalie erwähnt wäre. Denn die Amtszeit des Urgesteins Gujer neigt sich dem Ende zu. Er ist bereits seit 1986 für die NZZ tätig und übernahm 2015 die Chefredaktion. In seiner Regentschaft überstand er das unselige Wirken der CEO-Fehlbesetzung Veit Dengler. Schon vor seiner Zeit hatte der Digital-Guru Peter Hogenkamp nach vollmundigen Ankündigungen eine miese Performance und einen unheimlich schwachen Abgang hingelegt.

Der aktuelle CEO Felix Graf fährt einen scharfen Reifen mit der Übernahme der Plakatgesellschaft APG/SGA, während in diversen Schweizer Städten ein Verbot der Aussenwerbung diskutiert wird.

Während Dengler mit seinem Versuch, in seinem Heimatland Österreich mit der NZZ Fuss zu fassen, krachend scheiterte, macht Gujer die erfolgreiche Expansion nach Deutschland unangreifbar. Aber auch er entgeht der Altersguillotine nicht, obwohl er dem Vernehmen nach gerne länger im Amt geblieben wäre.

Und dann? In der Pole Position steht Benedict Neff. Er verdiente sich als Feuilletonchef die Sporen ab und ersetzte dann endlich Alles-Besserwisser Peter Rásonyi als Chef Ausland, der zu einem «strategischen Projekt zur Internationalisierung» aufs Abstellgleis geschoben wurde.

Chanchal Biswas, der den Kampf um die Leitung des wichtigen Wirtschaftsressorts gewann, wäre ebenfalls ein möglicher Kandidat. Dann gäbe es noch die Quotenfrau Christina Neuhaus, wenn auch die NZZ nicht in erster Linie nach Kompetenz, sondern nach Geschlecht entscheiden will.

Am 12. Januar 1780 gegründet, 246 Jahre alt. Nicht nur aus persönlicher Nostalgie wünscht ihr ZACKBUM auch zukünftig alles Gute. Denn bei allem Gemecker: gegen sie sind die anderen Medien in der Schweiz ein Schluck lauwarmes Wasser. Ausser diese Medienplattform, natürlich.

 

Plagööri oder Plagiator?

Fabian Eberhard vom SoBli wirft im Glashaus mit Steinen.

Es war ein sauberer Blattschuss. Kurz vor seinem Stellenantritt warf Eberhard dem «Nebelspalter»-Redaktor Dominik Feusi einen «Plagiat-Eklat» vor. Daraufhin bestätigte die NZZ, dass Feusi nicht als Wirtschaftsredaktor tätig würde, sondern gekündigt sei.

Feusi habe im Herbst 2024 eine Nahost-Analyse beim britischen «Telegraph» abgeschrieben. Das hätten ««SonntagsBlick»-Recherchen» ergeben. Die «SoBli-Analyse» zeige, «dass rund 90 Prozent des Textes von Feusi nahezu eins zu eins vom britischen Original übernommen wurden».

Unter dem knackigen Titel «Abgeschrieben, aufgestiegen, rausgeschmissen» garniert Eberhard seinen Artikel mit einer ausführlichen Gegenüberstellung des Originals vom 2. Oktober und des Plagiats von Feusi vom 3. Oktober 2024.

Das ist übel. Obwohl Feusi zu Kreuze kroch und es als unentschuldbar bezeichnete, «so etwas darf nicht passieren», löste die NZZ seinen Vertrag auf. Oder in den Worten Eberhards: «Als SonntagsBlick am Samstag die «NZZ» mit der Recherche konfrontiert, kommt es zum Knall.»

Das ist der Knall, aber wer hat die Munition ins Eberhards Flinte gesteckt? Was hat der grosse Investigativ-Journalist, der nicht mal das Büro des Internetradios Kontrafunk fand, aber dennoch eine Fake-Verschwörungstheorie daraus bastelte, denn hier selber recherchiert?

«Ausgerechnet die «NZZ», Feusis baldige Arbeitgeberin, wurde damals auf das Plagiat aufmerksam. Ein Redaktor der Zeitung konfrontierte den «Nebelspalter»-Journalisten mit Fragen. Das Blatt aber sah schliesslich davon ab, das Plagiat publik zu machen.»

Das ist tatsächlich «pikant», wie Eberhard maliziös schreibt. Aber aus anderen Gründen. Denn hier wird klar, dass dieser Blattschuss nicht aus eigenen Kräften abgefeuert wurde. Sondern dieser Redaktor (oder ein anderer Heckenschütze aus der NZZ) muss Eberhard die Sache gesteckt haben. Um die Anstellung Feusis doch noch zu verhindern, nachdem ihm das selbst offenbar nicht gelungen war.

Offensichtlich liess sich Eberhard willig anfüttern, um einen «rechtsbürgerlichen» Journalisten abzuschiessen. Nicht wirklich die feine Art bei einem längst geständigen Sünder.

Schlimmer noch: wie hält es Eberhard denn selbst mit dem heiklen Thema Plagiat? In Zeiten von Internet und KI verwischen sich immer mehr die Grenzen zwischen Selbstgebastelt und Zusammengeschrieben.

Daher hat ZACKBUM ihn mit einem ausführlichen Fragenkatalog konfrontiert:

Aus gegebenem Anlass möchte ich Ihnen Gelegenheit geben, Stellung zu folgenden Fragen bezüglich Ihres Artikels «Sterben hier die Präsidentschaftsträume von J. D. Vance?» vom 12. 4. 2026 zu nehmen.
1. Haben Sie diesen Artikel mit KI-Unterstützung geschrieben?
2. Neben direkten und ausgewiesenen Quellenübernahmen aus Axios, gibt es weitere Passagen, die Sie direkt oder paraphrasierend übernommen haben?

3. Wenn man den gesamten Aufbau des Axios-Artikels mit Ihrem vergleicht, fällt auf, dass beide gleichartig sind:

  • Vance als Chefunterhändler
  • höchste diplomatische Mission seit 1979
  • persönliches politisches Risiko
  • mögliche Auswirkungen auf seine Zukunft
  • innenpolitische Spannungen innerhalb des Trump-Lagers
  • Pakistan als Vermittler
  • Kushner und Witkoff als Begleiter
4. Sind Sie damit einverstanden, dass es sich bei diesem Artikel nicht um eine eigenständige Analyse, sondern um einen Zusammenschrieb mehrerer englischsprachiger Quellen handelt? ergänzt um boulevardeske Zuspitzungen?
5. Wären Sie einverstanden, dass man ihn deshalb als Paraphrasenplagiat bezeichnen kann?
6. Wären Sie damit einverstanden, dass man ihn als Strukturplagiat bezeichnen kann?
7. Wären Sie damit einverstanden, dass man sagen kann, dass Sie dem Leser suggerieren, dass diese Recherche, dieser Gedankengang oder diese Formulierungen von Ihnen stammen, obwohl sie in Wahrheit von jemand anderem übernommen wurden?
8. Falls Sie nicht einverstanden sind, warum?
9. In Ihrem Artikel «Abgeschrieben, aufgestiegen, rausgeschmissen» schreiben Sie, dass eine «SoBli-Analyse» ergeben habe, dass Feusi 90 Prozent abgeschrieben habe. Haben Sie diesen Textvergleich selbst gemacht?
10. Sie erwähnen, dass bereits ein Redaktor der NZZ Feusi mit diesem Plagiat konfrontiert habe; man habe das nicht publiziert. Bestreiten Sie, dass dieser Redaktor (oder ein anderer Heckenschütze aus der NZZ) Sie mit diesem Plagiatsvorwurf angefüttert hat?
11. Was sagen Sie zum Vorwurf, sich damit dafür instrumentalisieren zu lassen, dass gewisse Kreise in der NZZ die Anstellung von Feusi unbedingt verhindern wollten?

12. Halten Sie es für ethisch vertretbar, jemanden, der bereits zu Kreuze gekrochen ist und alles einräumt, gnadenlos mit diesem Blattschuss zu erledigen?

 

Wie heutzutage üblich, darf nicht der Journalist selbst antworten, sondern die Ringier-Medienstelle. Entsprechend setzt es eine Portion Geschwurbel:
„Der von Ihnen erwähnte Artikel ist ein Zusammenschrieb und eine Einordnung der damaligen Nachrichtenlage. Dafür haben wir mehrere Quellen herangezogen, darunter den im Text als Quelle ausgewiesenen Bericht von Axios. Dass sich bei einer solchen Aufbereitung einzelne Formulierungen an die Vorlagen anlehnen oder diese paraphrasieren, lässt sich nicht ausschliessen.
Die von Ihnen aufgeführten Übereinstimmungen betreffen jedoch im Kern den tatsächlichen, vielfach berichteten Geschehensablauf, den jede seriöse Berichterstattung in vergleichbarer Reihenfolge wiedergeben würde. Eine eigenständige Recherche-Leistung von Axios haben wir nicht als eigene ausgegeben.
Ihre Einordnung als Plagiat teilen wir deshalb nicht.“
Dumm nur, dass ZACKBUM gar nicht eingeordnet hat, dass es sich um ein Plagiat handle. Die blödeste Art, Fragen nicht zu beantworten.
Und Fragen 9 bis 12?
Da ging selbst das Gedöns aus:
„Über die Antwort hinaus werden wir nichts kommentieren, zudem gilt der Quellenschutz.“
Quellenschutz? Auf die Frage, ob es eine Quelle gab oder nicht? Auf die Frage, ob Eberhard den Textvergleich selbst gemacht hat?
Lachen oder weinen, das ist hier die Frage. Armer Eberhard.

Ensemble für ein Schmierentheater

Es folgt die Mannschaft in alphabetischer Reihenfolge.

Jean-Martin Büttner, Fabian Eberhard, Dominik Feusi, Markus Somm und als Special Guest Star Roger Köppel.

Was wird genau aufgeführt? Ein Ein-Personen-Stück und eine gemeinsame Leistung, bzw. Schmiere. Der Prolog stammt vom Ein-Mann-Recherchierteam Fabian Eberhard. Das ist der stellvertretende Chefredaktor des «SonntagsBlick», der nicht mal die Büroräumlichkeiten des Internetradios Kontrafunk findet. Daraus aber eine grosse Fake-Enthüllungsstory bastelte.

Das ist der Denunziant, der titelt «Russland nutzt «Weltwoche» für Propaganda-Operation». Und ausholt: «Tatsächlich verbreitet das Blatt von Roger Köppel seit Russlands Angriff auf die Ukraine immer wieder plumpe Putin-Propaganda.» Um aber im Lead zurückzukrebsen: «Der Bayerische Verfassungsschutz stellte die Zeitung deshalb an den Pranger – nun muss er zurückkrebsen».

ZACKBUM nannte diese Methode «Ich sage nicht, Sie sind ein Arschloch». Nun hat Eberhard einen neuen «Scoop» gelandet:

Das hat dem zweiten Kopf neben Markus Somm beim «Nebelspalter» die ersehnte neue Stelle in der Wirtschaftsredaktion der NZZ gekostet. Es wäre tatsächlich die Frage gewesen, was der Mann von Wirtschaft versteht. Wenn man sich die Zahlen des «Nebelspalter» anschaut: nichts. Nach diversen Sparmassnahmen musste Feusi dort so ziemlich alles machen, während sein Chef Somm auch auf allen Kanälen wenig Sinniges und viel Unsinniges verzapft («die Israeli sind die Guten, man sollte Moskau bombardieren»).

Was tun, wenn das Hirn leer, aber der Internetauftritt noch leerer ist? In der Not greift der Journalist zum Plagiat. In diesem Fall schrieb Feusi fast eins zu eins eine Schwachsinns-Meinung des britischen «Telegraph« ab. Immerhin hat Eberhard hier recherchiert und kommt zum Ergebnis: «Eine Analyse von Blick zeigt, dass rund 90 Prozent des Textes von Feusi nahezu eins zu eins vom britischen Original übernommen wurden.» Das untermauert er sogar in seinem Artikel.

Die Untat geschah schon im Herbst 2024. Und sei damals einem Redaktor der alten Tante aufgefallen: «Das Blatt aber sah schliesslich davon ab, das Plagiat publik zu machen. Warum, ist unklar.*» Das Sternchen hat sich Eberhard eingebrockt, weil er was behauptete, was er nicht belegen konnte: «* Hinweis: In einer früheren Version stand, Markus Somm hätte laut Insidern bei der «NZZ» interveniert. Laut Somm stimmt das nicht. Der eine Satz wurde deshalb entfernt.»

Geht doch nichts über eine versuchte Anpinkelei nach der Devise «ich sagen nicht, dass Sie …». Auf jeden Fall hat nun die NZZ herausgefunden, «dass dieser Sachverhalt mit ihren publizistischen Grundsätzen nicht vereinbar ist». Und bevor Feusi am 1. Juli seine Stelle hätte antreten können, ist er schon weg. Erinnert etwas an Patrizia Laeri, aber das wäre wieder eine andere Story.

Während Somm das macht, was man halt so macht, wenn etwas sehr Peinliches passiert ist – abwiegeln –, tritt Eberhard fröhlich nach: «Bevor Gujer 2015 die Chefredaktion übernahm, scheiterte ein Versuch rechtsbürgerlicher Kreise, Markus Somm an die Spitze der «NZZ» zu hieven, am Widerstand der Redaktion. Nun scheitert auch der Transfer von Somms Schützling Feusi.»

Schützling, Transfer? Feusi wollte offensichtlich seine Arbeitsplatzsicherheit erhöhen und nicht länger im roten Bereich Storys liefern müssen. Einen, wie heisst’s so schön, «rechtsbürgerlichen» Journalisten abschiessen wegen eines Uralt-Plagiats, die feine Art ist anders. Das ist die hämisch-schäbige Art, wobei Eberhard offensichtlich aus der NZZ angefüttert wurde.

Allerdings muss man Feusi tatsächlich vorwerfen, dass vor und während den Zeiten von KI es doch das Mindeste ist, einen plagiierten Text wenigstens neu zu mixen und kräftig durchzuschütteln. Aber daran sind auch schon viele Doktoranden gescheitert.

Eberhard hat das Problem des Plagiats weniger. Denn was er selbst erfindet, hat er ja exklusiv und muss dafür auch nichts direkt abschreiben.

Zwei grosse Koryphäen des Metiers.

Ach, dann wäre da noch Jean-Martin Büttner. Seit er den Sparmassnahmen bei Tamedia zum Opfer fiel, eiert er zwischen seinem ehemaligen Blatt Tagi, der «Weltwoche» und anderen Organen herum. Und tut im «Magazin» etwas, wofür selbst ZACKBUM die Worte fehlen:

Daraus macht das «Magazin», inzwischen völlig schamfrei, seine Titelstory:

Acht Seiten, schonungslos bebildert, schonungslos entblösst, wie dem Journalisten die Finger seiner linken Hand abhanden kamen. Und was das für ihn bedeutet. Früher hätte man den Mann vor sich selbst geschützt und ihm nahegelegt, das seinem intimen Tagebuch anzuvertrauen. Heutzutage hilft man ihm bei der Selbstentblössung. Unsäglich, schändlich.

Verzweiflungstaten

Was haben drei Ereignisse gemeinsam?

Auf den ersten Blick scheinen sie nicht viel miteinander zu tun zu haben.

Christian Brönnimann, ehemals «Recherchedesk» von Tamedia, ist als Mediensprecher zur Bundesanwaltschaft (BA) gewechselt.

Michèle Binswanger, langjährige Redaktorin bei Tamedia, wechselt zum «Nebelspalter».

Die IMG, Betreiber des Portals nau.ch, übernimmt Christoph Blochers Zeitungshaus AG, seine Sammlung von Gratisanzeigern.

Brönnimann wurde unrühmlich bekannt, als er unter Ausschlachtung von Hehlerware, auch bekannt als Leaks und Papers, einen unbescholtenen schweizerisch-angolanischen Geschäftsmann und dessen Firma ruinierte. Er versuchte sich auch mal an einem kleinen Rufmord gegen den ZACKBUM-Autor René Zeyer, der ihn für seinen Geschmack ungebührlich kritisiert hatte.

Binswanger wurde unter anderem dafür bekannt, dass sie ein Buch über die Merkwürdigkeiten einer Zuger Landammann-Feier schrieb und dafür von der betroffenen Kämpferin gegen Hass im Internet kräftig gehasst und mit Prozessen überzogen wurde.

Während Brönnimann jegliche Verantwortung für sein Tun ablehnte, scheint im Fall von Binswanger die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers an seine Grenzen gekommen zu sein: per Crowdfunding muss sie Geld einsammeln, um sich der juristischen Bekämpfung durch eine verfolgende Unschuld zu erwehren.

ZACKBUM kennt das Problem ein wenig; so versuchte ein Mohrenkopf-Professor, ihn mit einer Beleidigungsklage finanziell zu schädigen. Was allerdings in diesem Fall in einem völligen Desaster für ihn endete. Er musste nicht nur die Kosten seiner Anwältin, sondern auch die Gerichtskosten und die Honorarnoten der Anwälte von «Weltwoche» und ZACKBUM bezahlen.

Dann hätten wir den Zusammenschluss von 23 Printtiteln mit einer Gesamtauflage von über 700’000 Exemplaren und einem reinen Online-Portal mit über 4 Millionen monatlichen Nutzern. Dieses Zusammenkaufen durch Blocher, nachdem er sich schmählich von der «Basler Zeitung» getrennt hatte, hat eigentlich niemand verstanden. Ist vielleicht eine Altersfrage, noch in Gedrucktes zu investieren.

Zu einem nicht veröffentlichten Preis (ob es mehr als ein symbolischer Franken ist?) kauft nun die IMG das Blätterbündel, während Blochers Holdinggesellschaft Robinvest sich mit 15 Prozent an der IMG beteiligt. Womit klar ist, wer der Juniorpartner bei dieser Fusion ist.

Was haben nun diese drei Ereignisse gemeinsam?

Es sind Verzweiflungstaten.

Vom wohldotierten Recherchedesk, wo jeder Mitarbeiter ungeniert seine Steckenpferde reiten konnte, zur Schnarch- und Flopbehörde BA, deren Lieblingsvokabel in der Medienarbeit ist: Dazu können wir keine Stellung nehmen.

Von der im heutigen Journalismus Schoggiposition der Gesellschaft-Autorin zum abrebelnden «Nebelspalter», dessen vorletzter Vielschreiber Dominik Feusi gerade zur NZZ abgesprungen ist, nachdem schon vorher angeberische Büroräume und eine aufgeblasene Payroll abgestossen werden mussten.

Und schliesslich Blochers Experiment, wenigstens in Gratisgazetten eine Kolumne führen zu können, die allerdings nicht wirklich zur Kenntnis genommen wurde. Dafür hätte er es auch bei Blocher-TV bewenden lassen können; das wird schlank und rank produziert.

Aber Print-Dinosaurier werden als Stand-alone-Geschäftsmodell den doppelten Einschlag von Internet und KI nicht überleben. Worin soll ihre Existenzberechtigung bestehen, wenn sie am Morgen druckwelk das servieren, was sich bis am späteren Vorabend zugetragen hat? Garniert mit Bauchnabelbetrachtungen der Journalisten und ihren unermüdlichen und ungehörten Ratschlägen an die Welt.

Dafür auch noch Geld zu verlangen, das ist langsam eine Frechheit. Wobei wir die NZZ und die «Weltwoche» von diesem Urteil ausnehmen wollen. Die beide natürlich auch einen durchmarschierenden Online-Auftritt haben.

Dass Blochers Blattsalat eine Ergänzung im Internet brauchte, ist sonnenklar. Wozu nau.ch mittelfristig Print braucht, ist unklar. Dass Brönnimann bis zur Frühpensionierung eine ruhige Kugel schieben will, ist klar. Dass es Binswanger im ungebremst woken Gutmenschenblatt Tamedia nicht mehr ausgehalten hat, ist ebenfalls klar.

Da sich Brönnimann von jeglichem journalistischen Anspruch verabschiedet hat, allerdings weniger erfolgreich als die ehemalige publizistische Leiter nach unten Pascal Hollenstein, erübrigt sich jegliche Qualifikation.

Ob Binswanger allerdings im Nischenprodukt «Nebelspalter», der es wie Blochers Organe nie zu Relevanz und Bedeutung gebracht hat, nochmal durchstarten kann, ist ebenfalls unklar. ZACKBUMs gute Wünsche begleiten sie auf jeden Fall.

Geheimpläne

Was ist ein Geheimnis, wenn es keins mehr ist?

Bundesratswahlen sind eigentlich stinklangweilig. Wenn es davor nicht jede Menge Hofintrigen, Geheimpläne, die sogenannte Nacht der langen Messer und im roten Bereich drehende Intriganten und Strippenzieher gäbe.

Da wird zurzeit herumgeboten, dass der Sitz von FDP-Bundesrat Cassis wackle, der Mitte-Politiker Pfister in den Bundesrat gewählt werden könnte, die beiden offiziellen Kandidaten für die Nachfolge von Berset nicht. Oder ein Grüner, der sich todesmutig aufgestellt hat, obwohl er keine Chance hat.

Dafür gebe es jede Menge Geheimpläne. Würden die enthüllt, kämen halt neue Geheimpläne zum Einsatz. Das schreibt nicht geheim, sondern öffentlich der Bundeshauskorrespondent des «Nebelspalter» in seinem «Bundeshaus-Briefing». Das wäre das übliche Gedöns von parteipolitischen Gestocher im Ungefähren.

Aber Dominik Feusi gibt eine interessante Verschwörungstheorie zum Besten. Interessant, weil Feusi nicht nur Parteipolitiker, sondern auch Journalisten darin verwickelt:

«Tamedia-Redaktor Philipp Loser besprach das Vorgehen mit der SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer. Besiegelt wurde der Deal mit einer innigen Umarmung im Eingang der St. Jakobshalle.
Philipp Loser soll von einem «Geheimplan» der SVP schreiben, wonach diese im ersten Wahlgang für den Sitz von Ignazio Cassis ihre 67 Stimmen Martin Candinas geben soll.»

Sinn der Übung, laut Feusi: So könne die SP der Mitte einen zweiten Bundesratssitz verschaffen, ohne eine Retourkutsche bezüglich Berset-Nachfolge befürchten zu müssen. Was machte dann Loser? «Was für die Behauptung noch fehlte, war die Beweisführung. Die Gelegenheit dazu ergab sich gestern Donnerstag: Alt-Bundesrat Christoph Blocher wurde gesehen, wie er in Bern vom Intercity aus Zürich in den Zug ins Wallis umstieg. Das reichte Loser für die Behauptung, die SVP-Spitze habe sich in Spiez zu einem geheimen Treffen versammelt, um das Vorgehen zu besprechen. Ausser Loser wurde auch Francesco Benini mit dem Gerücht bedient, damit es sowohl in den elf Tamedia-Blättern wie in den 18 CH Media Zeitungen erscheint. Dies bestätigen mehrere Personen, die von Loser und Benini mit dem Gerücht konfrontiert wurden.»

Da aber Feusi diesen Geheimplan enttarnt haben will, würden nun weder Loser noch Benini entsprechende Artikel schreiben, behauptet Feusi.

Was ist davon zu halten? Wenn es wirklich solche Kontakte, solche Abfütterungen und solche Pläne geben sollte, in die CH Media und Tamedia verwickelt wären, wäre das ein weiterer Sargnagel für die Glaubwürdigkeit der Massenmedien. Hat sich hingegen Feusi diese Story aus den Fingern gesogen, wäre es ein weiterer Sargnagel für den «Nebelspalter».

Wie es sich beim Stochern im Nebel gehört: Wir werden es wohl nie erfahren, was hier Fantasie und was Wirklichkeit ist.

 

Amok Somm

Nebel und spalten, das scheint seine Devise als Chef zu sein.

Der «Nebelspalter» entwickelt sich immer mehr zum Paradebeispiel, wie man es wirklich nicht machen sollte. Grosse Klappe, grosse Ausgaben, ein Fehlentscheid nach dem anderen.

Zunächst setzte die Riege älterer Herren auf den völlig falschen Mann, um essentielle Dinge wie CMS, Marketing, Geschäftsleitung und Einwerbung von Inseraten zu wuppen. Beratungsresistent verkrachte sich Markus Somm schon ganz am Anfang mit einem ausgewiesenen Fachmann, der Somms Ansage, dass es eine absolute Bezahlschranke ohne Wenn und Aber gebe, zu recht als vollgaga kritisierte.

Tolle Büroräumlichkeiten, eine sich aufblähende Payroll, teuer produzierte Selbstbespiegelungs-Videos, redaktionelles Chaos, dafür eine «Assistentin der Chefredaktion», Szenen aus Absurdistan. Lange Zeit erschien das Online-Magazin so inseratefrei wie die «Republik», nur nicht ganz freiwillig. Zahlen wurden wohlweislich keine bekanntgegeben. Dann wurde mal zähneknirschend bestätigt, dass ZACKBUM mit knapp 4000 Abonnenten durchaus richtig liege. Peinlich.

Dann viel fire und kaum hire, im Impressum scheint eine Drehtüre eingebaut zu sein, aus der aber mehr Leute rausgehen als reinkommen. Redesign eins, Redesign zwei, Wechsel des Geschäftsführers, Wechsel des CMS, Redesign drei, das übliche wilde Geruder, wenn ein Schiff Wasser zieht und leise gluck gluck zu machen beginnt.

Inhalt? Nicht nennenswert, nicht bemerkenswert, gepflegte Langeweile. Dem «Nebelspalter» ist es nie gelungen, sich als Stimme in der Öffentlichkeit zu etablieren. Und nun noch das. In der gewohnt ruppigen Manier des Hauses wurde der Chefredaktor der Printausgabe gefeuert. Per sofort freigestellt, und tschüss. Dabei figuriert er sogar noch im Impressum der Online-Version, damit es dort nicht so schmürzelig aussieht. Ein solcher Rausschmiss ohne Vorwarnung einer verdienten Führungskraft schlägt sogar noch die Freistellung Dorers bei Ringier. Das ist einfach rüpelhaft und unanständig.

Dabei war Ralph Weibel solidarisch und aufrecht bemüht, den absurden Spagat – online neu und politisch aktiv – Print traditionell und dem gepflegten Scherz verpflichtet – mitzutragen. Aber damit fing der Wahnsinn schon an. Wie man ernsthaft auf die Idee kommen kann, den «Nebelspalter» zu spalten und online etwas ganz anderes zu machen als im Print – gaga. Man hat zwar eine der traditionellsten Marken der Schweizer Medienlandschaft gekauft, die steht aber für alles andere als für das, was Somm* daraus machen wollte.

Das ist etwa so, wie wenn man Coca-Cola kauft, um dann Flugreisen anzubieten. Bei Verträgen spricht man von einem Grundlagenirrtum, beim «Nebelspalter» muss man gaga sagen.

Als einzige feste Grössen sitzen Markus Somm und Dominik Feusi auf ihren Stühlen. Bislang. Sie grinsen die wenigen Besucher auch von überall her auf der nochmals neu designten Homepage an. Viel besser geworden ist sie allerdings auch im dritten Versuch nicht.

Wie soll’s weitergehen? Die Frage ist wohl eher: wo soll das enden? Wenn man dermassen viele Fehler macht, dermassen erfolglos ist, dermassen viel Geld zum Fenster rausschmeisst, dann verröstet man schnell einmal die eingesammelten Millionen.

Die neuste Zacke im Zickzackkurs scheint nun zu sein, dass man Print und online näher zusammenführen will. Also das, was online nie sein sollte, nämlich ein Karikaturenblatt, nun mit Karikaturen anfüllen. Und die Printausgabe, die nie ein Politblatt sein wollte, mit Politik füllen. Mit anderen Worten hat man einen weiteren Grundlagenirrtum endlich eingesehen. Und durch zwei neue ersetzt.

Mysteriös bleibt einzig, wieso die Shareholder und der exzellent besetzte Verwaltungsrat diesem Treiben bislang tatenlos zuschaut. Offensichtlicher, dass ein guter Chefredaktor deswegen kein guter Unternehmer sein muss, war’s wohl nie in der jüngeren Pressegeschichte.

Schade eigentlich. Denn man kann Somm ja vieles vorwerfen, aber mangelnden Schreib- und Sprechfleiss sicher nicht. Nur schadet er sich natürlich auch hier selbst, weil sich die Hörer und Leser auf anderen Plattformen zunehmend fragen: Und der will uns die Welt erklären, dabei hat er nicht mal seinen eigenen Laden im Griff?

*Packungsbeilage: René Zeyer schrieb längere Zeit und gerne für die BaZ, als Somm dort Chefredaktor war. Ein guter Chefredaktor, der alle Freiheiten liess und mutig Druckversuchen standhielt.