Zeichen und Wunder
Kaltërina Latifi verdient ein Lob. Erstaunlich.
Erst vor Kurzem musste ZACKBUM die Kolumnistin im runtergewirtschafteten «Magazin» rüffeln. Aber wir sind hart, dafür gerecht und auch gütig. Wirklich wahr.
Das stellen wir hiermit unter Beweis. Ihre neuste Kolumne ist eine Abrechnung. Latifi beklagt am aktuellen Kurs der SP Schweiz das Gleiche, was auch schon Peter Bodenmann kritisierte. Zunächst muss sie allerdings klarstellen: «Ich stehe politisch links.» Das war dann auch schon der schwächste Teil der Kolumne, denn was soll das schon heissen, heutzutage.
Wenn sie an die SP denke, «kommen mir neumodische, sich als «links» ausgebende Moralmaximen in den Sinn, die nach aussen wie Gold glänzen und sich so wunderbar anhören, aber nach innen mehr wie ein hohler Resonanzraum wirken».
Dann geht sie forsch zur Sache: «Dieser ständige Verweis auf die Diskriminabilität bestimmter sozialer und ethnischer Gruppen und die daraus extrahierte Notwendigkeit, eben diese Gruppen an Spitzenpositionen zu katapultieren, und zwar unabhängig ihrer Qualifikation und erbrachten Leistung, ersetzt meiner Meinung nach wahre Solidarität durch das Prinzip «Repräsentation um jeden Preis».»
Gut gegeben. Latifi beklagt die Fixierung auf Genderfragen, die Abirrung der SP in Sachen Kopftuch, das Herumreiten auf identitärer Betroffenheit, statt wie früher die Vertretung von Klasseninteressen – ZACKBUM hätte nie gedacht, Latifi einmal zustimmen zu können.
Interessant ist allerdings das Phänomen, dass all dieser Habakuk, der von der Doppelspitze der SP aufgeführt wird (wenn nicht gerade einer der beiden im Sabbatical oder sonst unpässlich ist), in der Schweiz bislang kaum zu Einbussen bei den Wählerstimmen geführt hat.
In Deutschland hingegen hat die SPD in jüngsten Wahlen inzwischen sogar Mühe, die 5-Prozent-Hürde zu überspringen, was vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.
Latifi selbst hat unverkennbar auch einen Migrationshintergrund, wie das im Korrektsprech heutzutage heisst, aber: «Überhaupt frage ich mich immer, warum es eine solche herkunftsbezogene Kategorisierung braucht, wie wir ihr etwa in der parteiinternen Gruppierung «SP Migrant:innen» begegnen.»
Vielleicht hätte sie noch einen Schritt weitergehen können und die Frage beantworten: natürlich braucht es das nicht. Es ist eine der vielen Kategorien (wie Geschlecht oder Hautfarbe oder jedes beliebige andere distinktive Merkmal), die missbraucht werden, um Diskriminierung zu krähen und anschliessend eine Sonderbehandlung zu fordern.
Es ist tatsächlich verblüffend, wie es in der SP dazu kommen konnte, dass die klassischen Themen, der Einsatz für die Rechte der Arbeitnehmer, Mitbestimmung, auch Mutterschaftsurlaub und vieles andere, still und leise aus den Traktanden fielen.
Stattdessen woker Unsinn, Diskriminierungsgeschwurbel, Blödsinn wie die Verteidigung des Unterdrückungssymbols Kopftuch als Respekt vor kulturellen Unterschieden.
Also, Kaltërina Latifi, ein Anfang ist gemacht, weiter so.














