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NZZaS, quo vadis?

Ein beliebter Spruch der alten Tante, mal auf sie selbst angewendet.

Wer auf eine solche, riesige Illustration kommt, bietet Anlass zu Sorge:

Denn was will uns die NZZaS mit dieser Sanduhr sagen?

Dass sie die hier abgekupfert hat?

Denn das Problem dieser Symbolik ist immer: soll das nun bedeuten, dass die Zeit für die FDP abläuft? Oder soll es bedeuten, dass sich immer mehr Sandkörner, also Wähler, für die FDP entscheiden? Und ist dem begabten Illustrator Dario Veréb nicht bekannt, dass man so eine Sanduhr einfach umdrehen kann, und schon geht das Geriesel wieder von vorne los?

Aber wir wollen auch das Positive sehen. Chefredaktor Beat Balzli will sich nicht die Finger am klaren Bekenntnis der FDP zum Europavertrag und gegen das Recht der Stände, darüber mitzubestimmen, verbrennen. Also schimpft er wohlfeil über die Erbschaftssteuer-Initiative der Rotsocken.

Aber das hat immerhin noch einigermassen Niveau. Auf das Niveau einer schlechten Schülerzeitung sinkt die NZZaS allerdings mit dieser Kolumne von Nicole Althaus: «Warum der Herbst viel mehr ist als bloss eine Jahreszeit». Das dümpelt in der Reihe «Sieben ist mehr als eine Zahl», «eine Hose ist mehr als ein Kleidungsstück» oder gar «Liebe ist mehr als ein Wort».

Utta Danella oder Hedwig Courths-Mahler hätten es nicht besser hingekriegt:

«Sommer für Sommer wundert man sich aufs Neue, wie man die Zeichen seines Endes einfach verdrängen konnte.»

Aber die Antwort kennt nur der Wind, leise spielt die Musik der Zeit, der Duft der Steinkrabbe verweht, und wo sind die Schatten der Vergangenheit?

Aber immerhin, auf Seite 35, Aufmacher Wirtschaft, macht die NZZaS dem Geeier der NZZ ein Ende: «Über Nacht 16 Milliarden weg». Sie zitiert sogar den teuren Satz unserer Finanzministerin an der denkwürdigen Pressekonferenz vom 19. März 2023: «This is not a bailout. This is a commercial solution». Womit einer der Trigger für das Abschreiben der AT1 Bonds futsch wäre.

Dieser Satz könnte ähnlich teuer werden wie die berühmte Abqualifizierung der Kirch-Gruppe durch den damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Der Finanzsektor sei nicht mehr bereit, sagte Rolf Breuer 2002, dem angeschlagen Medienkonzern weiter Kredit zu geben. Daraufhin brach die Firma zusammen.

Der Satz kostete die Deutsche Bank so alles in allem knapp eine Milliarde Euro. Der Satz von Karin Keller-Sutter kann für den Steuerzahler noch viel teurer werden. Dabei galoppiert die NZZaS dem vifen Finanzblog «Inside Paradeplatz» hinterher, der die Story, wann und wie überhaupt dieser Riesenabscheiber aufs Tapet kam, nachzeichnete.

Was nochmals bleibt, ist das Erschrecken, wie stümperhaft agiert wurde. Noch am 16. März bekräftigten FINMA und SNB, dass die Credit Suisse tipptopp aufgestellt sei, alle Anforderungen ans Kernkapital erfülle. Noch einen Tag zuvor, am 15. März, war von dem 16-Milliarden-Abschreiber im Forderungskatalog der UBS keine Rede.

Am nächsten Tag war er drin, SNB-Chef Thomas Jordan alles andere als begeistert darüber. Und erst am 19. März erfuhren die Spitzenkräfte der CS davon. Zudem musste das Recht der FINMA für diesen Abschreiber noch nachträglich, am 19. März, in die Notverordnung zur Liquiditätshilfe vom 16. März hineingeschrieben werden.

Ein Desaster.

Nach so viel kritischer Anspannung geht’s dann beim Aufmacher von «Wissen Kultur» etwas ruhiger zu: «Raus aus der Gewichtsspirale». Man fragt sich allerdings, wieso die NZZaS dieses Stehsatz-Thema für die Feiertage jetzt schon verballert.

Die «Kultur» wartet auch mit einem abgehangenen Topos auf. Hast du sonst nichts im Hemd, erfinde einfach einen Trend. Alte Journalistenregel; neuste Anwendung: «Die Herrschaft der Gefühle. Emotionen bestimmen unseren Alltag …»

Da sagt ZACKBUM ganz emotionsfrei: Quatsch. Nicht mehr oder weniger als vorher.

 

 

Zahlen zählen: Die FinCEN-Leaks

Ein paar Fragen zum neusten Datenleck.

Wieder einmal wurde ein hübscher Datenberg dem eigentlichen Besitzer entwendet. Diesmal handelt es sich um sogenannte SARs, «Suspicious Activity Reports». Mit dieser Meldung einer verdächtigen Transaktion wenden sich Banken weltweit an das US-Schatzamt.

Genauer an dessen Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN). Diese Behörde ist spezialisiert auf die Verfolgung krimineller Aktivitäten wie Geldwäsche, das Verschieben von Geldern aus Drogen- und Menschenhandel, aus dem Verkauf von Blutdiamanten, oder das Verstecken von Geldern, die von Diktatoren, Potentaten, Oligarchen ihren Völkern abgepresst wurden.

In der Schweiz schlachtet Tamedia die aufbereiteten Daten aus

Das US-Newsportal BuzzFeed News bekam vor einem Jahr diesen Datenschatz zugespielt und machte sich zusammen mit dem einschlägig bekannten International Consortium of Independent Journalists (ICIJ) daran, ihn auszuwerten. Anschliessend übernahmen die schon in anderen Fällen zusammenarbeitenden Redaktionen aus vielen Ländern die spezifische Aufbereitung.

In der Schweiz gehört Tamedia zu diesem Netzwerk, was sich schon in der Publikation diverser Leaks niederschlug. Es gehört ebenfalls zu den Gebräuchen, dass weltweit auf einen Schlag zum gleichen Zeitpunkt Artikel erscheinen.

Jeder Dollar weltweit macht einen Abstecher in die USA

Zum Verständnis: Alle Banken der Welt müssen solche Meldungen an die USA machen, wenn es sich um eine Transaktion in US-Dollar handelt, immer noch die Weltwährung Nummer eins. Und im Besitz der USA, die deshalb verlangen, dass ihnen jede Transaktion gemeldet werden muss. Falls nicht, drohen empfindliche Strafen.

Ebenfalls müssen verdächtige Geldflüsse gemeldet werden. BuzzFeed News hat rund 2100 dieser SAR-Meldungen mit «200’000 Transaktionen» zwischen 1999 und 2017 ausgewertet. Die «Süddeutsche Zeitung», mit der Tamedia in der Auslandberichterstattung kooperiert, hat es eher einfach. Denn mit Abstand die meisten geleakten Meldungen erfolgten durch die Deutsche Bank; fast 1000. Weit abgeschlagen kommen dann US-Banken oder die Bank of China.

Nur Brotkrumen für Tamedia

Eher Brotkrumen fallen bislang für den «Tages-Anzeiger» und seine Kopfblätter ab. In einem ersten Artikel (hinter Bezahlschranke) beschreibt er, wie Geld, das für eine Armensiedlung in Venezuela bestimmt war, stattdessen teilweise auf Schweizer Bankkonten abgezweigt wurde. Diese Siedlung hätte mit Hilfe der staatlichen «Che Guevara Mission» in einen menschenwürdigen Zustand versetzt werden sollen. Stattdessen bunkerte die Unternehmerfamilie Ceballos mindestens 30 Millionen auf ihren Privatkonten in der Schweiz.

Das hätte sich auch Che Guevara gefragt

Ähnliche Fälle sind schon länger im Zusammenhang mit der staatlichen Ölfirma PDVSA bekannt, die sich in einen Selbstbedienungsladen für korrupte Funktionäre des Maduro-Regimes verwandelt hat.

Aus all diesen Gründen ist natürlich ein solches Leak durchaus interessant. Allerdings stellen sich doch ein paar Fragen, die sich auch Che Guevara als ehemaliger Präsident der kubanischen Notenbank gestellt hätte.

So schreibt der «Tages-Anzeiger»: «Das Leck besteht aus über 2100 Geldwäschereimeldungen von US-Banken.» Das wird die Deutsche Bank aber wundern, dass sie im Besitz der USA ist. Sie machte zudem mit 982 SARs über 1,3 Billionen Dollar mit weitem Abstand die meisten Meldungen. Auch HSBC oder gar die Bank of China wüssten es wohl, wenn sie inzwischen von den Amis aufgekauft wurden.

Nächste Frage: BuzzFeed News spricht zwar von über 200’000 Transaktionen, aber von 2100 SARs-Meldungen. Bei einem Gesamtvolumen von 2 Billionen wäre das pro SAR eine Anzeige von fast einer Milliarde?

Gnadenlos gut aufbereitet von BuzzFeed News

In der Datenbank von BuzzFeed News, die mal wieder zeigen, wie man internetbasierten Journalismus betreibt, nämlich auf einem Niveau der Darstellung, das im deutschen Medienbereich keiner kann, sind die Transaktionen pro Land abrufbar.

Bei der Schweiz sind es 2051 Transaktionen, mit denen rund 3,75 Milliarden Dollar in die Schweiz transferiert wurden, und 4,2 Milliarden aus ihr heraus. Noch spezifischer sind dann die Transaktionen auf einzelne Banken heruntergebrochen.

Nur die USA selbst könnten durchgreifen, aber …

Auch hier ist es in der Darstellung des «Tages-Anzeigers» nicht klar, wie das aus lediglich 2’100 SARs insgesamt herausgelesen werden konnte. Aber auf jeden Fall könnte dieses Leak den US-Behörden Beine machen. Denn nur sie können hier durchgreifen. Und für einmal ist die Schweiz nur unter ferner liefen. Dass die Deutsche Bank so herausragt, hat seinen Grund. Es ist längst bekannt, dass Deutschland – neben Frankreich und England – zu den grössten Geldwäschereianlagen der Welt gehört. Und sich in der EU mit aller Kraft dagegen stemmt, mehr Transparenz im Finanzwesen zu ermöglichen.

Die weltweite Nummer eins in Sachen Geldwäsche sind aber ausgerechnet die USA selbst.