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«Es überfordert mich wahnsinnig»

Soll man mit einer Grinsbacke Sterbende besuchen und filmen?

Wäre SRF ein Mensch, würde man sagen, er spürt sich nicht mehr. «Mona mittendrin», die Serie mit Mona Vetsch, spielt diesmal in einer «Palliativakademie». Oder weniger vornehm formuliert: in einem Gebäude, in dem Menschen sterben.

Unser Umgang mit Sterben und Tod ist von Hilflosigkeit und Tabus umstellt, am liebsten würden wir die letzte Phase eines Menschenlebens verdrängen. Ein Versuch, das Verhältnis zum Tod zu entkrampfen, wäre sicher begrüssenswert. Aber so?

Da Vetsch – so geht die Story – vorher nicht weiss, wo sie diesmal mittendrin sein wird, muss sie so tun, als dämmere es ihr erst, als sie auf einen Klingelknopf der «Palliativakademie» drückt. «Das werden drei intensive Tage, das weiss ich jetzt schon», sagt sie, und schaut getragen tapfer in die Kamera. Von dem Moment an weiss man schon, dass das fürchterlich in die Hose gehen wird.

Und so entwickelt es sich dann auch zum Sozialporno, zur tapfer die Tränen unterdrücktender Betroffenheitskiste. Ein sterbender 45-Jähriger, der nicht sterben will, das Zimmer mit einer Toten drin. Vetsch geht rein, kommt raus und sagt: «Es überfordert mich wahnsinnig.» Spätestens da fragt man sich ernsthaft, was eigentlich ins SRF gefahren ist, so etwas auszustrahlen.

Schlimmer als das ist eigentlich nur die gesülzte TV-Kritik im «Tages-Anzeiger». Der Satz von Vetsch trifft auch haargenau auf Denise Jeitziner zu. Sie schwankt zwischen Banalitäten («Es ist selten, dass man das Sterben auf diese Weise zu Gesicht bekommt –am Fernsehen, aber auch in der Realität»), Geschmacklosem («Der Ehemann der Verstorbenen ist fürs Organisatorische ins Hospiz gekommen. Er entscheidet sich zwar für ein günstiges Sargmodell – das habe sich seine Frau für die Kremation gewünscht –, aber für den Aufpreis von 140 Franken fürs Aufpolstern des Sargs, «das hat sie verdient»») und Pseudo-Reflektierendem («Man kann darüber diskutieren, ob man den Tod und das Sterben so nah und relativ unvermittelt am Fernsehen zeigen soll»).

Tja, soll man oder soll man nicht? «Vielmehr kann einem die Auseinandersetzung mit dem Tod helfen, sein Leben bewusster zu leben.» Was für ein blühender Unsinn; niemand lebt sein Leben deswegen bewusster. Das sind alles die üblichen Worthülsen, mit denen man die Begegnung mit dem Sterben zuschütten will.

Sicherlich ist es wohl möglich, einen Dokumentarfilm über Sterbende zu machen. Aber so? «Auf nichts vorbereitet, aber auf alles gefasst: Mona Vetsch wird ins kalte Wasser geworfen», teasert SRF die Sendereihe «Mona mittendrin» an. Vielleicht wäre selbst ein Kurt Aeschbacher an der Moderation einer solchen Sendung gescheitert. Vielleicht wäre es etwas geworden, wenn man nicht dieses unpassende Gefäss dafür gewählt hätte.

Und vielleicht könnte eine TV-Kritik im Tagi auch mal den Namen verdienen und nicht aus unverbindlichem Geplauder bestehen. Denn diese Sendung mit einer überforderten Moderatorin und einem Thema, das viel zu schwer für sie und das Format ist, stellt einen neuen Tiefpunkt im TV-Schaffen von SRF dar. Sozialpornos als angebliche Wiedergabe der Wirklichkeit. Unglaublich, wenn man bedenkt, wie viele Instanzen ein Film durchlaufen muss, bis er dann ausgestrahlt wird.

Mit einem Gesamtbudget von 1,5 Milliarden kriegt das Schweizer Farbfernsehen nichts Besseres, Wertiges, Würdiges, mehr als billige Betroffenheit Auslösendes hin?

Wohl ein subversiver Beitrag zur Unterstützung der Gebührenreduktionsinitiative.

Let it flow

Lasst es fliessen, Körper mit Vagina! ZACKBUM entdeckt seine feministische Seite.

Wir widmen den heutigen Tag Frauenthemen. Das ist überfällig, das muss sein. Ausserdem passiert ja auch nichts Wichtiges auf der Welt oder in den Medien. Oder wollen Sie wirklich im Ernst die Antwort von Alain Berset auf die Frage lesen: «Tausende protestieren – macht Ihnen das Angst, Herr Bundesrat?»

Wenn doch: Er beantwortet sie nicht.

What a man, sagen wir als Mann mit Pimmel.

Aber wir schweifen ab, was sonst eher eine weibliche Eigenschaft ist, nicht die eines Menschen mit Pimmel (doch, so wollen wir als Solidarität zu «Menschen mit Vagina» von nun an heissen). Das, was für ein eleganter Übergang, ist auch das erste, nun ja, weibliche Thema des Tages.

Es geht nämlich, wir zitieren furchtlos, um das hier:

«Natürlichkeit bei der Monatshygiene: Lasst es fliessen, Ladys».

Denise Jeitziner schreibt unerschrocken über ein sogenanntes Tabuthema. Denn, bis das Klimakterium, Pardon, die Menopause eingreift, menstruieren Frauen bekanntlich. Früher mal schlossen sie sich zu Menstruationszirkeln zusammen, gemeinsam monden nannten sie das.

Aber das war eine andere Generation von Ladys. Da ging es noch um gesellschaftliche Forderungen, nicht um die Betrachtung des eigenen Bauchnabels, das Abtasten eigener Befindlichkeiten oder eben um den Unterleib.

Wir wollen ja nicht rechthaberisch sein, aber …

Ohne hier männlich rechthaberisch erscheinen zu wollen: Ladys? Weiss die Autorin denn nicht, dass dieser Ausdruck ursprünglich so etwas Neckisches wie «Brotkneterin» bedeutete, dann adeligen, vornehmen Frauen vorbehalten war, schliesslich für alle Stände galt, wobei «Lady» doch ziemlich altmodisch ist?

The Lady of Shalott (John William Waterhouse 1888).

Aber gut, das muss man als Redaktorin doch nicht wissen, und es wird halt immer schwieriger, einen akzeptierten Ausdruck für diese Wesen mit Vagina zu finden. Wie auch immer, was ist das Problem?

«Zwischen dem allerersten Tröpflein Periodenblut im Teenageralter bis hin zur Menopause gibt es für die meisten Frauen nur eine Mission: dafür zu sorgen, dass auf keinen Fall etwas davon in der Unterhose landet oder – der Gipfel der Peinlichkeit – sichtbare Flecken hinterlässt.»

Da kann man als Mensch mit Pimmel nur staunen und lernen, DAS ist also die Mission der Frauen. Inzwischen können sie aber dieser Bestimmung mit neuen Methoden nachgehen: «Junge Frauen propagieren das Free Bleeding – also den Verzicht auf Tampons, Binden oder Menstruationstassen während der Periode.»

«Free Bleeding», auch auf diesen Begriff muss man mal kommen. Als – wir wagen das Wort – Mann ist man ja tatsächlich konsterniert, welche Hilfsmittel da zum Einsatz kommen:

Das Panoptikum der Hilfsmittel.

Wir schwanken auch, ehrlich gesagt, ob wir die Gratis-Abgabe von Tampons befürworten sollen oder als Verschwendung von Steuermitteln ablehnen. Oder uns dagegen wehren wollen, solange nicht gratis Rasierapparate verteilt werden. Aber, durch diese neue Frauenbewegung erweist sich diese Debatte als – hoppla – frauenfeindlich. Denn sie will den Weibern, Pardon, Ladys, ja dieses Hilfsmittel aufzwingen.

Das Wesen eines Tampons

In Wirklichkeit ist so ein Tampon, sprechen wir es doch aus, ein männliches Unterdrückungssymbol. Ein Penisersatz. Es unterdrückt den freien Fluss. Sperrt Frauen in das Gefängnis der abgefangenen Menstruation, will ihre Weiblichkeit unsichtbar machen, schliesst aus, statt dass es inkludiert. Sollen sich die Männer doch auch mal einen Tampon reinschieben. Gut, mangels Vagina halt woanders.

Aber, diese Frage stellt sich nun sowohl die Lady wie der Gentleman, wie soll denn das gehen mit dem freien Bluten? Also doch einfach in die Unterhose? Das kann’s ja auch nicht sein. Ist’s auch nicht, denn – es gibt Kurse, die leider Männer diskriminieren und ausschliessen.

Auch Frauen sind geschäftstüchtig, es gibt schon kostengünstige Angebote, hat Jeitziner recherchiert: «Für 49 Euro gibt es verschiedene Module mit Übungen, zwei Stunden Videomaterial, Bonuslinks, ein Zertifikat und Antworten auf Fragen wie: «Wie spüre ich, wann das Periodenblut kommt?»»

Auch uns Männer hält es kaum mehr auf dem Stuhl, wie geht das nur? Natürlich, es gibt einen «Trick»: die Lady kann doch schliesslich die Zeichen ihres Körpers deuten, «um dann im richtigen Moment auf die Toilette zu gehen und das Blut kontrolliert abzulassen. Zu Beginn der Periode alle 20 bis 30 Minuten, ab dem zweiten Tag müsse man nur noch alle zwei bis drei Stunden deswegen aufs Klo.»

Ehrlich gesagt: So genau wollen wir Gentlemen das eigentlich gar nicht wissen. Fügen aber unerschrocken hinzu: Frauen, die ständig aufs Klo müssen, nerven ungemein. Vor allem beim Autofahren.

Gut, es ist heraus. Aber wenigstens werden wir nun weniger mit gebrauchten Tampons beworfen.