Schlagwortarchiv für: Daniel Ryser

Wehe, wehe, Weltwoche

Platzverschwendung erschlägt Lesenswertes.

ZACKBUM fragt sich, wieso auch die «Weltwoche» ihre Titelgeschichte einem singenden Niemand widmen muss, der anscheinend erst letzten November herausfand, dass er/sie/es eigentlich notbinär sei. Pardon, nonbinär.

Der Conchita-Wurst-Imitation wird es gehen wie seinem Vorbild. Da nützt es auch nichts, ihn in einen pseudo-bedeutungsschwangeren Text ehrfürchtig zu beweihräuchern. «Ich, ich ging durch die Hölle und zurück», what a bullshit, kann man da nur sagen. «Highway to hell», das ist hübsche Asphaltlyrik, ein treibender Beat, satte Gitarrenriffs, unsterblich. Dieser «Code» ist eine Eintagsfliege, die schon tot ist, während sie noch summt.

Was für ein Geschwurbel vom sonst zurechnungsfähigen Jürgen Wertheimer:

«Es geschieht nicht sehr oft, dass Lieder derart ins Nervenzentrum vordringen und – obwohl sie von etwas ganz anderem zu handeln scheinen – eine eminent politische Botschaft senden. «Lili Marleen» von 1938 etwa löste sich von seinem ursprünglichen Anlass und wurde zur internationalen Antikriegshymne, ebenso wie das gleichermassen bekannte «Sag mir, wo die Blumen sind», das ursprünglich ukrainischer Herkunft ist.»

Das mit diesem Queen-trifft-Eminem-Verschnitt zu vergleichen, eine Frechheit. Dass auch noch Schiller missbraucht wird, da fehlen die Worte. Völlig absurd wird es, wenn es Wertheimer mit eigenem Gestammel versucht: «Denn unter dem Gewand einer scheinbar rein privat anmutenden Recherche nach seiner eigenen Identität verbirgt sich der Appell, alle Zumutungen von oben einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.»

Ein Appell verbirgt sich unter einem Gewand? Hat man denn allen ins Gehirn geniesst?

Gibt es noch etwas Schlimmeres, als in einen Schlagertext tiefere Bedeutung zu geheimnissen? Doch, leider. Wenn Tom Kummer über Nemo schreibt. Darf man Schmerzensgeld verlangen, wenn man so einen Stuss lesen muss? «Vor Nemo hatten schon die Pop-Ikonen David Bowie und Freddie Mercury auffallende Zähne. Buddy Holly wurde von kranken Zähnen und Mundgeruch malträtiert.»

Kann man das noch steigern? Leider ja. Wenn nämlich Daniel Ryser bei einem ernsten Thema auf dem Egotrip unterwegs ist (wann ist er das nicht),. Er schreibt nämlich über Julian Assange, was verdienstvoll wäre, wenn er nicht in erster Linie über sich selbst schreiben würde. Als er «mit Julian Assange in London Whisky zum Frühstück trank». Oder als er mit Assange Fondue ass. Oder als er mit Assange «einen Stapel Harrods-Sandwiches» ass. Ryser geht es nur um sich selbst:

«Ich selbst war bei meinen Besuchen auf der Botschaft natürlich anfangs erstaunt darüber … Jennifer Robinson, die Anwältin von Assange, sagte mir vor einigen Jahren bei einem Interview … die Männer, die mich am Eingang jeweils gescannt hatten … und wir dachten, die Verfolgung werde bald ein Ende haben … Bei einem kürzlichen Treffen in Strassburg sagte mir Wikileaks-Chefredaktor Kristinn Hrafnsson … traf ich mich im New Yorker Financial District mit Ben Wizner … «Haben Sie denn so viel Zeit?», fragte mich Nils Melzer … Das Interview, das Ende Januar 2020 im Magazin Republik publiziert wurde, ging um die Welt … sagt Stella, als wir uns in Strassburg zu einem Kaffee treffen …»

Und so geht das quälende 32’500 A lang. Eingerahmt wir das von der «Weisheit des Herzens», völlig abgespacter Scheiss, den Kolumnen von Anabel Schunke und Tamara Wernli, deren Lektüre im Kopf wehtut, aber immerhin auch einem wiederbelebten Urs P. Engeler und einem Wolfram Knorr, der Francis Ford Coppola ein wohlverdientes Denkmal setzt. Gäbe es nicht Literatur und Kunst, bevor Alberto Venzago unermüdlich sein Archiv abstaubt, David Schärer Flachheiten absondert (aber immerhin, es gibt die Peanuts auf dieser Seite, das tröstet). So saufen die wenigen guten Storys in diesem Brei ab.

Dass die WeWo auch so noch mehr Denkstoff bietet als die Einheitssauce aus Aarau und Zürich, das spricht nicht für sie, sondern gegen die anderen. Es ist bedauerlich, dass das Magazin so viel Platz schlichtweg verschenkt, vergeudet, vertrottelt.

Dabei wäre die Alternative ganz einfach. Alleine ein Verzicht auf Ryser und Kummer würde einige Seiten für Besseres freimachen. Der Verzicht auf die beiden Kolumnistinnen gäbe immerhin auch zwei Seiten her. Und der Verzicht auf Nihil-Themen wie Nemo würde das Blatt in eine andere Liga katapultieren.

Es ist verblüffend, wie wenige Autoren das Niveau eines ganzen Heftes dramatisch absenken können.

ZACKBUM wünscht von Herzen gute Besserung.

Ryser rides again

Und serviert Aufgewärmtes in der «Weltwoche».

Checks and Balances, wir sagten es wohl schon, fehlt im Blatt der Vietnamreisenden, Putin-Versteher und -kritiker, der Pflegekräfte des möglichst freien Diskurses, die als ziemlich Einzige in der Schweiz noch Rede und Widerrede zulassen.

Nur so ist es zu erklären, dass Daniel Ryser schon wieder jede Menge Platz bekommt. Die Reise nach New York zum Vollamok Gavin McInnes musste noch einen Beifang abwerfen. Weil das grosse Vorbild von Ryser, Hunter S. Thompson, bekanntlich tot ist, liegt es für ihn nahe, es bei einem Apologeten zu probieren. Also klopft Ryser bei Matt Taibbi an. Matt who? Der ist sozusagen ein bei Geburt getrennter Zwilling von McInnes. Allerdings hat er entschieden mehr Grips und Schreibfähigkeit mitgekriegt.

Daher ist er – wie McInnes – in der Lage, einen One-Liner nach dem anderen rauszuhauen, angefangen mit dem Titelzitat «Biden ist gefährlicher als Trump». Das sind so Geistreicheleien, wie sie nur Amis gebacken kriegen. Hören sich aufregend und provokativ an, fallen aber bei näherer Betrachtung wie ein Soufflee, das zu schnell aus dem Ofen genommen wird, zusammen.

Mit solchen Leuten kann man einen lustigen Nachmittag verbringen und über Carl Schmitt, den Patriot Act, die Cancel-Culture und über andere Kurzgedanken plaudern. Oder über die Provokationen von Taibbi, der nach dem Tod des Rechtsaussen Andrew Breitbart titelte «Tod eines Trottels», das Ende eines Herausgebers herbeischrieb mit der Zeile «Die 52 lustigsten Dinge über den bevorstehenden Tod des Papstes».

Er ist – wie McInnes – ganz nach dem Geschmack Rysers: «Seine Bücher sind Bestseller, seine Reportagen sprachliche Achterbahnen, es entsteht ein Kult um den Mann, und zwar auch deshalb, weil er manchmal die Fassung verliert.» Er ist sehr nach dem Geschmack Rysers: «Er gilt als Nachfolger des Kultjournalisten Hunter S. Thompson und erhält Preise. Dann holt ihn die Vergangenheit ein.» Er ist ein Seelenverwandter Rysers: «Der Vorwurf 2017 lautet: Sexismus, sexuelle Belästigung oder das Ermöglichen sexueller Belästigung – und zwar damals, als er in Moskau arbeitete

Nun ist es so, dass die Tätigkeit und die Positionierung zwischen allen Stühlen von Taibbi nicht ganz neue News sind. So berichtete bereits vor drei Jahren die NZZ über diesen Journalisten, der damals erst 250’000 Dollar im Jahr bei substack verdiente; inzwischen ist es eine Viertelmillion im Monat.

Auch ZACKBUM konnte sich damals für das NZZ-Interview erwärmen und durfte es sogar – was damals noch alles möglich war – ebenfalls publizieren. Denn schon vor drei Jahren sagte Taibbi ungefähr das, was er auch zu Ryser sagt. Das kann man nun immer wieder sagen, und die Information, dass Taibbi einen inkontinenten Hund mit Durchfall hat, ist durchaus neu.

Auch meteorologische Betrachtungen – es hat während des Besuchs geregnet – setzen journalistische Glanzlichter. Allerdings schreibt auch Taibbi blühenden Unsinn, wenn der Tag lang ist und es das Image als ehemaliger linker Starschreiber verlangt: «In zwanzig Jahren, wenn wir alle wie prähistorische Menschenaffen leben und Ratten mit Stöcken jagen, werden wir wahrscheinlich auf diesen Moment zurückblicken als den Anfang vom Ende.» Schrieb er 2017 im Buch «Insane Clown President», und damit meinte er Trump, nicht Biden.

Das Problem bei solchen verbalen Amokläufen: sie sind schwer steigerbar; wenn Trump schon ein durchgeknallter Clown-Präsident war, wie kann man dann Biden noch schlimmer darstellen? Schwierig, aber nicht unmöglich, der sei dann einfach noch gefährlicher.

In all dem Wutwulst ist eigentlich nur sicher: auch dieser Text Rysers ist viel zu lang. Und wir werden in 14 Jahren sicherlich nicht wie prähistorische Menschenaffen leben. Aber leider ist zu befürchten, dass Ryser noch jede Menge solcher Figuren auf Lager hat. Wahrscheinlich googelt er sie mit dem Suchbegriff «wie Hunter S. Thompson». Kleiner Tipp: die Webseite literature-map hilft ungemein. Einfach die ausscheiden, die schon tot sind.

Kopf an Kopf

Der Nahvergleich «Nebelspalter» – «Republik» zeigt: da macht nur noch eine Fusion Sinn.

Vor Weihnachten war Markus Somm in auskunftsfreudiger Stimmung. Er setzte sich in den Fond des «all new Hyundai Kona» neben Eugen Baumgartner.  Das wäre nun nicht erwähnenswert, wenn das nicht im Rahmen der Trash-Sendung «Promitipp Drive» erfolgt wäre.

Das ist ein Werbeträger, der auf TeleZüri ausgestrahlt wird. Die wichtigsten Informationen:

– 15 Sek. TV-Spot / Werbung vor dem 5′ PTD Video auf TeleZüri
– 15 Sek. AD Banner (Einblendung) im 5′ PTD Video auf TeleZüri und auf YouTube
– Logo im 5′ PTD Video Abspann auf TeleZüri und im PTD Trailer (Link, 15 Sek.)
– Wideboard, Rectangle oder Halfpage AD und mehr auf promitipp.ch
– PP / Product Placement – Präsentation und Positionierung ihres gewünschten Produkts – Live im Drive! -> Link

So, nach diesem kostenfreien Werbespot zum Inhalt. Denn manchmal gibt es auch im plätschernden Geplauder Erwähnenswertes. Hier sind es zwei Aussagen des Herausgebers und Chefredaktors, des Verwaltungsrats und damit des obersten Mitglieds der Geldbegräbnisanstalt «Nebelspalter». Über deren unablässige Abfolge von Fehlern hat sich ZACKBUM bereits geäussert.

Hier sind allerdings die Konsequenzen benannt. Das Printprodukt «Nebelspalter» habe noch rund 10’000 Abonnenten, verrät Somm. Das ist ein Drittel weniger, als im Impressum ausgewiesen. Aber angesichts des desolaten Inhalts immer noch erstaunlich viel. Denn seit dem ruppigen Rausschmiss des Chefredaktors und der Übernahme durch Somm ist der Inhalt sehr umweltfreundlich. Er besteht zunehmend aus Rezykliertem.

Dann verrät Somm noch, dass auch der Online-Auftritt kein Burner sei, bzw. kein Geld abwerfe. Auch hier kein Wunder, vor einiger Zeit rutschte ihm die Zahl von 4000 Abonnenten raus, was angesichts des mageren Inhalts auch erstaunlich viele sind.

Trotz rabiater Sparmassnahmen (so hat sich Somm sogar von der «Assistentin der Chefredaktion» getrennt) dürfte bereits ein grösserer Teil der ursprünglich eingenommenen 10 Millionen Franken verröstet worden sein.

Da ist guter Rat teuer. Aber hier kommt er gratis: wieso nicht eine Fusion mit der «Republik»? Der bröckeln trotz aller Billiger-Jakob-Angebote die zahlenden Leser, Pardon, Verleger, weg. Inhaltlich ist das Organ der Demokratieretter ungefähr so belanglos wie der Nebi.

Nun mag hier der Leser einwenden, dass die beiden Organe doch ideologisch das Heu nicht auf der gleichen Bühne hätten. Aber wie der Wechsel von Daniel Ryser von der «Republik» zum Reich des Bösen, nämlich zur «Weltwoche» beweist, sind da die Abgründe gar nicht so tief.

Somm schreibt schliesslich wie ein Weltmeister, wenn man die Quantität als Massstab nimmt. Das kann die «Republik» gut brauchen, da der Meister des Sprachdurchfalls, Constantin Seibt, krankheitshalber seit Anfang Jahr ausgefallen ist. Dann müsste man sich nur noch drauf einigen, welches der beiden sauteuren, selbstentwickelten CMS man verwenden will.

Die Co-Chefredaktion der Rothäusler wird sicherlich sehr froh sein, wenn sie diese Bürde abgeben kann. Der schönste Vorteil ist aber: diese Fusion wird sicherlich zu einem Exodus von «Republik»-Schnarchnasen führen. Zusammen wären das am Anfang fast 60 Kostenträger. Das geht natürlich nicht, aber mit 25 wäre das neue Organ finanzierbar.

Schliesslich kämen zu den aktuell etwas mehr als 26’000 «Republik»-Abonnenten rund 14’000 vom Nebi dazu, wenn diese Zahlen stimmen. Um 40’000 wieder auf 30’000 abzuschmelzen, das dauert dann doch ein Weilchen, auch wenn es sicherlich gelänge.

Bliebe noch die Frage des Namens. Das ist natürlich heikel, denn die Republikaner wären sicher nicht bereit, dem traditionelleren Titel den Vortritt zu lassen. Und «Republik mit Nebelspalter», das wäre ja auch etwas schräg. Also vielleicht «Nebelrepublik»? «Republikspalter»? «Nebelpublik»? «Somm & Seibt»? Oder gleich etwas ganz Neues? «Sapperlot»? «Kreisch»? «Das Brevier der Rechthaber»? Oder literarisch hochstehend «Rouge et Noir»? Oder gleich inhaltlich korrekt «Besserwissers Abgesang»?

ZACKBUM hofft, dass es an der Namensgebung nicht scheitern möge.

Wumms: Daniel Binswanger

Der Mann ist einfach schamlos.

«Die bürgerliche Schweiz» verliere ihren «moralischen Kompass», behauptet die schreibende Schmachtlocke auf der untergehenden Titanic.

Das macht er daran fest, dass die bürgerlichen Parteien gegen die Auszahlung von 20 Millionen Franken an die UNRWA sind.

Dass die Schweiz weitere 32 palästinensische NGO mit Millionenbeträgen unterstützt, das ist dem Recherchiergenie Daniel Binswanger wohl unbekannt. Macht ja nix, aber drei Dinge sind bei Binswangers Gelaber sehr stossend.

  1. Er wagt es, von einem verlorenen moralischen Kompass zu sprechen? Der ehemalige langjährige «Magazin»-Mitarbeiter, der zu feige war, als Ohren- und Augenzeuge etwas zu den Anschuldigungen der rachsüchtigen Anuschka Roshani zu sagen? Er hatte nichts zu verlieren, als «Republik»-Mitarbeiter; reiner Anstand hätte es geboten, Stellung zu den Angriffen auf seinen ehemaligen Chefredaktor zu nehmen. Aber doch nicht Binswanger; der weiss, dass er auf schwankendem Grund steht, und nach der «Republik» muss er ja auch Brötchen verdienen. Und wie sein Ex-Kollege Daniel Ryser dürfte er es nicht zur «Weltwoche» schaffen. Wobei, weiss man’s? War das moralisch anständig?
  2. Als Co-Chefredaktor hat er den unanständigen und ruppigen Umgang mit dem Starreporter der «Republik» mitzuverantworten. Der wurde aufgrund anonymer Vorwürfe per sofort freigestellt. Obwohl die dem Organ der guten Lebensart längst bekannt waren, erst in dem Moment, als sie vom SRF publik gemacht wurden. Anschliessend wurde der Mitarbeiter fristlos gefeuert – ohne ihm die vorher versprochene und selbstverständliche Möglichkeit zur Stellungnahme einzuräumen. Und so jemand wagt es, über einen moralischen Kompass zu urteilen und ihn anderen abzusprechen? Schamlos muss man das nennen, weil zutreffendere Ausdrücke leider strafrechtlich bewehrt sind.
  3. Auch dieser Text ist voll von «man kann und muss … braucht es multilaterale Verhandlungen … darf nicht akzeptiert werden … atemberaubende Inkompetenz … unterbunden werden muss … sollte sich sehr sorgfältig die Frage stellen … miteinbeziehen müsste … reaktionäres Schlusslicht … Frage, die im Raum steht» usw. usf. Zurechtweisungen, Anordnungen, harsche Urteile. Aufgrund welcher Kompetenz, hat Binswanger einen moralischen Kompass verschluckt, zum Frühstück gefressen?

Die einzige Frage, die man stellen muss: meint dieser aufgeblasene Wicht wirklich, irgend einen Entscheidungsträger würde es interessieren, was er hier auf über 12’000 A absondert? Im Ernst? Wäre das so, wäre es bedenklich. Nein, beängstigend. Denn wer führte ihn (und all die anderen bei der «Republik») wieder in die Realität zurück, wenn die nächste Bettelaktion schiefgeht?

Recherchierjournalismus bei persoenlich.com

Die Medien sind im Füdli. Die Medienkritik auch.

Es gibt ZACKBUM und den wiederauferstandenen «Schweizer Journalist». Und sonst nix. Dann gibt es noch persoenlich.com, «das Online-Magazin für Entscheider und Meinungsführer». Immerhin, seine häufige Ablehnung von Kommentaren im Blog war einer der Gründe, der zu ZACKBUM führte. Das war eine gute Tat.

Ansonsten bemüht sich hier Matthias Ackeret, ja niemandem auf die Füsse zu treten. Sein Mut beschränkt sich darauf, eine ewige Sendung namens Teleblocher zu machen. Da gibt er den braven Stichwortgeber, während sich Christoph Blocher für einmal ungebremst aussprechen darf. Etwas für Fans und Liebhaber des leicht Skurrilen.

Aber bei persoenlich.com ist mit kritischen Bemerkungen eher nicht zu rechnen. Nach einem Tag Schockstarre hat sich das Onlinemagazin getraut, den Entscheidern und Meinungsführern eine brandheisse News zu servieren:

«Weltwoche: Daniel Ryser wird neuer Autor».

Das weiss eigentlich jeder, den es interessiert, seit Mittwoch. Die Meldung ist so kitzlig, dass ma (Kürzel für Matthias Ackeret) persönlich zum Griffel greift. Denn soweit ist noch alles richtig: «Ryser schrieb als Journalist in den vergangenen Jahren für politisch links positionierte Medien. Nach vier Jahren bei der WOZ  wechselte er 2018 zum Onlinemagazin Republik.»

Auch das ist richtig, ebenso wie die Auskunft, die sich Ackeret abholte: ««Daniel Ryser ist nicht mehr bei uns angestellt», heisst es heute dort auf Anfrage.»

Nun hält sich die ansonsten so klatsch- und rachsüchtige Branche offenbar weiterhin an ein Schweigegelöbnis, wieso denn Ryser nicht mehr bei der «Republik» angestellt ist. Sie sagt auch nichts dazu, in welch ruppiger, geradezu menschenverachtender Art und Weise er dort zuerst freigestellt und dann fristlos entlassen wurde, ohne dass man ihm die versprochene Möglichkeit zur Stellungnahme gab. Sie sagt auch nichts dazu, dass auch er das Opfer von branchenüblichen, anonymen Denunziationen wurde, ohne dass ihm strafbare Handlungen nachgewiesen wurden, geschweige denn Anklage erhoben.

Ackeret sagt auch nichts dazu, wie unbeholfen, geradezu bescheuert die Geschäftsleitung und die Chefredaktion der «Republik» mit dem Fall Ryser umging.

Ebenfalls nichts sagt Ackeret dazu, wie übel Ryser bereits die «Weltwoche» und ihren Chefredaktor beschimpft hat. Es gibt Grenzen des guten Geschmacks, des Anstands und Charakterfragen. Dass sich Köppel mit einem verkorksten und verkoksten Artikel von Ryser Aufmerksamkeit abholen will, wohlan. Aber dass Ryser für diesen angeblichen Tummelplatz von Verschörungsideologen schreibt, es selbst mit dem irr-wirren Gequatsche des Gründers der «Proud Boys» füllt, diesen Kern des Netzwerks rechter Infokrieger, unter einem Chefredaktor, der eine Marionette von Steve Bannon sei, das zu qualifizieren verbietet leider das Strafgesetzbuch.

Labbriger Text über einen besoffenen Kokser

Schlimmer als dass Daniel Ryser in der WeWo schreibt, ist, was er schreibt.

Man sieht das bübische Grinsen, als Roger Köppel im fernen Vietnam in die Tasten haute: «Wir freuen uns sehr, Daniel Ryser im Kreis unserer Autoren begrüssen zu dürfen.» Das Vergnügen dürfte von nicht allzu vielen Lesern geteilt werden.

Denn die Texte von Tom Kummer sind unlesbar, weil man bei ihm nie weiss, ob er etwas Wirkliches beschreibt oder mal wieder flunkert. Der Text von Ryser ist unlesbar, weil man einen solchen Charakter nicht ernst nehmen kann.

Wer sich die Seiten 55 bis 66 der aktuellen «Weltwoche» dennoch antut, erfährt im Wesentlichen, was in einem besoffenen Ami vorgeht, der sich den letzten Rest von Verstand weggekokst hat und – geschützt von der umfassenden Meinungsfreiheit der USA – einen Schwachsinn nach dem anderen raushaut. Aufgeschrieben wird das von einem ebenfalls besoffenen Journalisten, der furchtbar gerne ein Wiedergänger von Hunter S. Thompson wäre, den er ausgiebig lobhudelt, obwohl das überhaupt nichts zur Sache tut.

Wenn ein Möchtegern den Sound von Thompson nachahmen will, ergibt das dann eine Schlusspointe, die so unappetitlich ist wie die Ansichten von Gavin McInnes. Der ist entschuldigt, er will krampfhaft eine originelle Saftwurzel sein («Wenn ihr einen Pädophilen auf der Strasse seht, erschiesst ihr ihn nicht?»), Ryser ist nicht entschuldigt, der kann nur widerlich sein: «Mein Fotograf textet … Ich war gerade unter der Dusche am Masturbieren. Fucking hell. Gott hat uns für das bestraft, was wir gestern getan haben! … Was für eine verdammte Scheisse.»

Das könnte ein versteckter Hinweis darauf sein, dass Ryser der WeWo schon unterstellte, sie führe einen extremen Kulturkampf und es tummelten sich «Verschwörungsideologen» in ihr, während Köppel als Marionette Bannons die Schweiz mit Scheisse fluten wolle.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass nun Ryser die WeWo mit der verschwörungsideologischen Scheisse von McInnes füllt.

Es lohnt nicht, die wirren, widersprüchlichen und markigen Sprüche des Gründers der «Proud Boys» wiederzugeben, einer gewalttätigen rechtsradikalen Spinnertruppe, deren Anführer (und Nachfolger von McInnes) die nächsten 22 Jahre im Knast sitzt, weil er einer der Rädelsführer des Sturms auf das Kapitol war, weil Loser Trump nicht akzeptieren wollte, dass er wieder mal verloren hatte.

McInnes weiss, was er seinem Image schuldig ist und spielt seine Rolle, so wie der angebräunte Björn Höcke seine Rolle als verfolgende Unschuld spielt, wenn er wieder mal einen Nazi-Spruch rausgehauen hat. Ryser hingegen möchte eigentlich nicht nur Thompson sein, sondern gleich auch noch Bukowski und Burroughs in Personalunion. Damit überhebt er sich aber gleich dreifach. Trotz angeblich 20 Bieren und jeder Menge Whisky hat Ryser einmal einen klaren Moment: «Sie, liebe Leserschaft, mögen sich fragen: Wen interessiert denn bitte ein Geschichte über solch einen Rüpel?»

Das hätte sich auch Köppel fragen sollen, anstatt 12 reichlich bebilderte Seiten auf den Leser loszulassen. Denn so repetitiv wie der Text sind auch die Fotos. Ein Irrer mit Gewehr (3 mal), ein Irrer auf Töff (2 mal), ein Irrer mit tätowiertem nackten Oberkörper (2 mal), ein Irrer mit Krawatte im TV (2 mal), furchtbar lustige Stilleben (6 mal).

Ob Geschäftsmann Köppel dachte, die Kosten, einen Ryser nach New York zu schicken und einen Fotografen aus Las Vegas einfliegen zu lassen, die müssen auf 12 Seiten verteilt werden? Wie bei Köppel-Interviews ist auch hier wieder schmerzlich bemerkbar: wenn der Chef einen Spleen hat, dann kann den Besitzer, Herausgeber, Verleger und Chefredaktor keiner bremsen. Der muss lernen: Aufmerksamkeit erregen und der Branche sagen «ätsch di bätsch», das ist lustig. Es um den Preis eines Ryser-Texts zu tun, das ist unlustig.

Es wäre problemlos möglich gewesen (wie bei den meisten Texten von Thompson auch), den Erguss auf ein Drittel einzudampfen. Dadurch wäre der Inhalt nicht weniger schwachsinnig geworden. Aber kürzer.

720 Grad Wendehals

Kunst geht nach Brot. Sagt sich auch Daniel Ryser.

Es war schon immer ein grosses Missverständnis, dass die WoZ oder gar die «Republik» Daniel Ryser für einen Gesinnungslinken und Kritiker alles Rechten hielten.

In Wirklichkeit wollte (und will) der Mann lieber wie Hunter S. Thompson sein, der Erfinder des Gonzo-Journalismus, der seine Artikel mit der Kettensäge schrieb und sich selbst dabei allem aussetzte, inklusive gewaltigem Drogenkonsum.

Im Februar 2005 erschoss sich Thompson an seinem Schreibtisch; Ryser lebt natürlich noch. Obwohl er immer behauptet, er schreibe über was und wie es ihm gerade drum sei, ist er problemlos zu liebedienerischen Werken fähig. Womit er schon mehrfach sein Renommee als ernstzunehmender Journalist schwer beschädigte.

Da war sein feiges Schweigen bei der Affäre Roshani. Als Nicht-mehr-«Magazin»-Mann hätte er, genau wie die schreibende Schmachtlocke Daniel Binswanger, Erhellendes beitragen können, ob die Anschuldigungen einer frustrierten Ex-Mitarbeiterin zutrafen oder nicht.

Dafür fabulierte er über Tamedia als «Zerstörungsmaschine», die angeblich über eine hasserfüllte Kämpferin gegen Hass und Hetze hergefallen sei. Kleines Problem: der Bericht bestand lediglich aus Gerüchten, keinem der namentlich in seinem Artikel vorkommenden Protagonisten gab er Gelegenheit zur Stellungnahme.

Darauf und auf eine Stapel von Ungenauigkeiten, Schludrigkeiten und Fake News mit 25 präzisen Fragen hingewiesen und um Stellungnahme gebeten, blieb er stumm.

Dann versuchte er sich mit «Sprache der Gewalt» und erreichte ein neuerlich liefergelegtes Niveau. Aber der absolute Tiefpunkt war seine Schmiere «Reise ans Ende der Demokratie». In dieser Artikelserie über angebliche «Info-Krieger» wollte er zusammen mit Basil Schöni ein «ganzes Netzwerk aus rechten etablierten Journalistinnen und verschwörungsideologischen Akteuren» enttarnt haben. Fast alles, was ausserhalb von WoZ und «Republik» Rang und Namen hat, kam darin vor. Kleiner Schönheitsfehler, fast typisch für Ryser: ein einziger der zahlreich in diesem Denunziationsstück Angepinkelten bekam die Möglichkeit zur Stellungnahme, zur Widerrede. Sonst niemand.

Besonders sein Fett ab bekam natürlich Roger Köppel: ««Flute den Raum mit Scheisse» gibt Steve Bannon aus den USA den Takt vor. Am extremsten führt diesen Kulturkampf in der Schweiz die «Weltwoche», wo sich inzwischen Verschwörungs­ideologen tummeln.» So krakeelte noch Mitte 2022 Ryser in der «Republik».

Zuvor hatte er bereits – auch mit unlauteren Mitteln – eine geschwätzige Biographie über Köppel verfasst, in der mit privaten Details aus dessen Jugend und Liebesleben nicht sparte. Ein eher unappetitliches Werk.

Nun aber, Wunder über Wunder, ist die gegenseitige Liebe zwischen Ryser und «Republik» oder WoZ zerbrochen. Er wurde zuerst ruppig freigestellt, dann fristlos gefeuert. Die ihm versprochene Möglichkeit zur Stellungnahme wurde ihm verweigert. Ein personelles Schmierenstück der «Republik», assistiert von der WoZ, die offenbar den Abgang ihres Stars auch nicht verdaut hatte.

Da lediglich wie üblich anonyme Vorwürfe gegen Ryser erhoben wurden, verzichtet ZACKBUM auf weitere Details.

Nun geht Kunst nach Brot, und auch ein Starreporter muss seine Miete und andere ihm wichtige Dinge bezahlen. Noch 2022 hatte Ryser liebevoll ein Spinnennetz pinseln lassen, in dem neben dem «Nebelspalter», «Der Ostschweiz», «Uncut News» auch ein Platz für die «Weltwoche» reserviert war.

Wie nah sich Köppel und der Scheissefluter Bannon seien, beschreibt Ryser, sich selbst zitierend:

«2017 schickte Roger Köppel dem Alt-Right-Vordenker und «Breitbart»-Chefredaktor Steve Bannon einen euphorischen Brief. Im selben Jahr hatte die «Weltwoche» bereits Reden von und Interviews mit Bannon publiziert. Der Brief war eigentlich nicht für die Öffentlich­keit bestimmt. Aber der ständig überaus gestresste Köppel liess ihn acht­los in seinem Büro herum­liegen, während er den Co-Autor dieses Textes für die Arbeit an seiner Köppel-Biografie «In Bade­hosen nach Stalingrad» bei einem verabredeten Interview warten liess.»

Und statt Anstand und Briefgeheimnis zu wahren, fotografierte Ryser den Brief und zitierte ihn genüsslich. Um Köppel dann runterzuputzen: «Roger Köppel und Daniel Stricker: wütende, monologisierende Männer auf den Platt­formen Youtube, Locals, Rumble.»

Noch schlimmer: «Wenn Bannon etwas sagt, sagt es bald auch Köppel. Das war 2017 so, als Köppel Bannon in die Schweiz eingeladen hat, und so ist es heute immer noch. Wenn Bannon Putin lobt, macht das zwei Tage später auch Köppel.»

So eine Marionette ist dieser Köppel, gleichzeitig bietet er eine Plattform für Kulturkampf und ein Tummelfeld für Verschwörungsideologen. Eigentlich will Köppel den Schweizer Raum mit Scheisse fluten.

Das ist also ein Herausgeber, ein Chefredaktor und ein Organ, in das aufrechte Journalisten wie Ryser nicht mal mit zugehaltener Nase und geschlossenen Augen eindringen würden. Oder höchstens, um eine neue «Enthüllungsstory» über rechte Netzwerker zu recherchieren.

Aber Zeichen und Wunder:

Das Cover der neusten WeWo. Titelboy ist der Gründer der rechtsextremen «Proud Boys», die bei der versuchten Stürmung des Kapitol eine besonders üble Rolle spielten. Das muss dann sicherlich wieder so ein typischer verschwörungsideologischer, den Prinzipien des rechten Netzwerks gehorchender Demagogieartikel sein.

Vielleicht, aber es gibt da einen, der das wohl nicht darüber sagen würde:

Man muss es schwarz auf weiss sehen: der Autor dieser Titelgeschichte ist – Daniel Ryser.

Köppel scheint ein unglückliches Händchen für dubios-schräge Typen zu haben. Da war mal Kenneth Angst (der in der Ryser-Biographie geradezu widerwärtig über Klöppels angebliches Liebesleben auspackt). Da ist leider immer noch Tom Kummer, der Erfinder des deutschen Fake-Journalismus. Und da ist nun Daniel Ryser.

Das Problem bei ihm ist: wer so über den Chefredaktor und das Organ hergezogen ist, macht sich völlig unglaubwürdig, lächerlich, wird zur peinlichen Kreatur, verliert jeden Anstand, jede Glaubwürdigkeit, ist dermassen charakterlos, dass man sein Werk gar nicht erst lesen mag, wenn er dann anschliessend auf dessen Payroll auftaucht..

Hier tut sich niemand einen Gefallen. Köppel sich selbst und seinem Blatt nicht, und Ryser sich natürlich erst recht nicht.

Für einen solchen Wendehals kann man nur die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock paraphrasieren. Der Ryser kann seinen Kopf nicht nur um 180 Grad, sondern gleich um 360 drehen. Ach was, um 720 Grad. Bis es allen umstehenden Zuschauern übel wird.

 

Die verdienstlosen Preisträger

Der «Schweizer Journalist» verlieh die Journalistenpreise. Welch unwürdiges Schauspiel.

Es war ein Anlass von Insidern über Insider mit Insidern. Aber dennoch fürs Publikum lehrreich. Der «Schweizer Journalist» verlieh Montagabend die Journalistenpreise in gefühlten 27 Kategorien. Ausgewählt wurden die Preisträger per Abstimmung, die Shortlist wurde von einer Jury erstellt.

Die Preisträger repräsentieren idealtypisch das Elend des Schweizer Journalismus. Als «Kulturjournalistin des Jahres» wurde Simone Meier ausgezeichnet. Was Meier mit Kultur zu tun hat? Ungefähr so viel wie «watson» mit Journalismus. Seit sie launig schrieb, dass Hitler Juden «gecancelt» habe, halten wir uns die Nase zu, wenn ihr Name genannt wird.

Hinter einem WoZ-Trio belegte Maurice Thiriet, der Chefredaktor von «watson», in dieser Kategorie den zweiten Platz. Als «Reporterin des Jahres» wurde Luzia Tschirky ausgezeichnet. Wohl dafür, dass sie es konsequent schafft, zur falschen Zeit am falschen Platz zu sein und sich eine schusssichere Weste überzustreifen, wenn die grösste Gefahr vom Strassenverkehr hinter ihr ausgeht. Der Preis «Wirtschaftsjournalistin des Jahres» ging an Patrizia Laeri. Verständlich, dass Lukas Hässig als Zweitplatzierter hinter ihr der peinlichen Ehrung fernblieb. Bei ihr darf die Frage erlaubt sein, was sie mit Wirtschaft und was sie mit Journalismus zu tun hat. Wahrscheinlich so viel wie «ElleXX» mit feministischer Geldanlage.

Es geht aber noch besser. «Recherchierjournalist des Jahres» wurde Fabian Eberhard. Wohl dafür, dass er bei einer seiner Recherchen nicht mal das Büro des Internetradios «Kontrafunk» aufspüren konnte. Und wenn Daniel Ryser von der «Republik» der «Gesellschaftsjournalist des Jahres» ist, dann ist Daniel Binswanger keine schreibende Schmachtlocke, sondern eine moralische Instanz. Konsequenterweise wurde die humorlose Brachialkomikerin Patti Basler «Kolumnistin des Jahres».

Das alles ist schwer zu toppen, aber es gelang. Denn die Laudatio auf den «Journalist des Jahres» Christof Gertsch vom «Magazin» hielt Mikael Krogerus, ebenfalls «Das Magazin». Anwesend waren im Weiteren Philipp Loser vom «Magazin» und Daniel Binswanger, Ex-«Magazin» und Chefredaktor a.i. der «Republik».

Nun wurde Gertsch vom Chefredaktor des «Schweizer Journalist», der zudem eine entlarvende Recherche zu den Vorgängen ums «Magazin» publiziert hatte, dezent gefragt, wie es denn so sei, wenn man selbst mal im Rampenlicht der Medien stünde. Da verstummte Gertsch, stammelte dann Unverständliches, um sich schliesslich zum Satz aufzuraffen, dass er dazu «aus tausenderlei Gründen» nichts sagen wolle. Die sanft-hartnäckige Nachfrage beantwortete er mit einem verdrucktsten «nein».

Aber immerhin sagte er damit einige Worte mehr als alle anderen Memmen vom «Magazin», die weiterhin eisern an ihrem Schweigegelöbnis festhalten und sogar den Augenkontakt mit dem anwesenden ZACKBUM-Redaktor tunlichst vermieden.

Wenn man zu einer Feier eingeladen ist, sollte man aus Respekt vor dem Gastgeber darauf verzichten, seinen Gefühlen zu ungehemmt Ausdruck zu verleihen. Aber diesen gebauchpinselten charakterlichen Mängelexemplaren zuschauen zu müssen, wie sie Preise abholten, wichtig taten und es gleichzeitig an einem Funken Zivilcourage vermissen liessen, das forderte schon einiges an Selbstbeherrschung ab, um ihnen nicht vor die Füsse zu spucken.

Inhaltlich hat der «Schweizer Journalist» dank neuem Chefredaktor durchaus an Format gewonnen. An würdigen Preisträgern muss noch schwer gearbeitet werden.

 

Wo ist der Skandal hin?

Nur was man erfindet, hat man exklusiv.

Am 18. Februar vermeldete die «Republik» in ihrem Newsletter: «Jetzt auch die «Schweizer Familie». Diese Woche unterschrieb ein Gross­teil der Redaktion dieser Zeitschrift einen Protest­brief an die Geschäftsleitung von Tamedia. Die Journalisten kritisieren darin den Umgang mit Mobbing, Sexismus und Diskriminierung bei Tamedia.»

Das Organ der guten Lebensart stellte das in einen Zusammenhang mit einem «seit Jahren vergifteten Betriebsklima bei Tamedia». Und dem Protestbrief von 78 erregten Tamedia-Mitarbeiterinnen vom März 2021. Alles schlimm, nichts ändere sich, dazu der «Fall Canonica», und dann noch: «Eine Auswertung der Republik zeigt nämlich: Von den 78 Unterzeichnerinnen des Protest­briefs von 2021 arbeitet heute ein Drittel nicht mehr bei Tamedia.»

So viel von der Märchenstunde der überbezahlten und unterbeschäftigten «Republik»-Redaktoren. Die entscheidende Frage stellten sie auch in diesem NL nicht: wieso sagen Daniel Binswanger, immerhin Chefredaktor a.i., und Daniel Ryser, zwei ehemalige Tamedia-Mitarbeiter, nicht, wie es denn im «Magazin» wirklich zu und her ging?

Weil sie nicht die Arschkarte gezeigt bekommen wollen, ganz einfach.

Stattdessen blühende Fantasien, Rachefantasien, die die «Republik» schon mit ihrer unendlich langen Serie über Tamedia auslebte. Offenbar ist man dort unglaublich nachtragend, seit die «SonntagsZeitung» den Versuch der «Republik», an der der ETH einen Skandal herbeizuschreiben, in der Luft zerrissen und beerdigt hatte.

Das sind die Hintergründe. Der Vordergrund: Wie die «Republik» wissen müsste, wurde kein einziger der über 60 anonymisierten Vorwürfe im Protestbrief bis heute verifiziert. Die Unterzeichner verstiessen mit diesem öffentlichen Anschwärzen ihres Arbeitgebers gegen Treu und Glauben und arbeitsrechtliche Bestimmungen. Wohl nicht zuletzt deswegen sind viele von ihnen mehr oder minder freiwillig gegangen, andere wurden schlichtweg nach einer gewissen Schamfrist gefeuert.

Der «Fall Canonica» wird immer mehr zu einem «Fall Roshani», zu einem «Fall Spiegel», zu einem Fall all der Medienorgane, zu denen auch die «Republik» gehört, die mit angeblichen anonymen Quellen arbeiteten, von denen angefüttert wilde Behauptungen aufstellten und auf die Unschuldsvermutung bei Canonica schissen.

Damit aber nicht genug. Seit dieser Meldung vom 18. Februar hat man von diesem neuen, famosen «Protestbrief» aus der Redaktion der «Schweizer Familie» kein Sterbenswörtchen mehr gehört. Was die Frage auslöst: gibt es ihn überhaupt? Beinhaltet er wirklich einen Protest über Mobbing, Sexismus und Diskriminierung? Oder ist er – wie schon viele angebliche Skandale zuvor – der Fantasie von unterbeschäftigten, aber überbezahlten «Republik»-Schreibern entsprungen?

Soll mit solchen Enten diese Zahl weiter nach oben geschraubt werden?

Denn obwohl das Geld bereits mit vollen Händen ausgegeben wird, fehlen zu den nötigen 33’000 Zahlern noch ein paar …

Demagogie vom Feinsten

Die «Republik» feuert 76’850 Buchstaben ab. Gegen die «Info-Krieger».

«Trump und Pandemie haben einen Nährboden für ein Medien-Ökosystem geschaffen, in dem Fakten keine Rolle mehr spielen.» Aus diesem System melden sich Basil Schöni und der einstmals ernstzunehmende Daniel Ryser von der «Republik» – weitgehend faktenfrei.

Der Feind, die «Info-Krieger», sind klar definiert: «Das Ökosystem dieser Gegen­erzähler besteht aus Einzel­akteuren. Bloggerinnen, Kolumnisten, Telegram-Influencerinnen, Buchautoren, Journalistinnen, Klein­verlegern und auch ganzen Medien­unternehmen.»

Natürlich müssen Namen genannt werden: «Medien wie «Weltwoche», «Nebelspalter» oder «Die Ostschweiz», wo sich teilweise offene Verschwörungs­ideologinnen als Autoren tummeln, sehen sich als Opfer des Kultur­kampfs, der Pandemie­massnahmen und ganz allgemein des Staates. Videostreamer Daniel Stricker sieht sich als Opfer von fast allem. In der «SonntagsZeitung» und der «Neuen Zürcher Zeitung» finden sich zwar keine Verschwörungs­erzählungen, aber die Erzählung ist oft identisch: Man sieht sich als Opfer des Kultur­kampfs, der «Cancel-Culture», der SRG.»

Etwas überraschend, dass auch die NZZ und die SoZ in den Topf geworfen werden. Das mag aber seinen Grund darin haben, dass beide Organe Fake-Skandal-Storys der «Republik» in der Luft zerrissen haben. Denn man ist nachtragend.

Die Liste der namentlich erwähnten Info-Krieger oder Infokriegsstätten ist beeindruckend lang (in der Reihenfolge des Erstauftritts): Daniel Stricker, Tito Tettamanti, Konrad Hummler, «Weltwoche», «Nebelspalter», «Schweizer Monat», «Die Ostschweiz», Donald Trump, Peter Thiel, Ronnie Grob, Markus Somm, Reto Brennwald, David Rubin, Joe Rogan, Alex Baur, Dominik Feusi, Philipp Gut, Stefan Millius, Alex Jones, Milosz Matuschek, «Uncut News», «Politically Incorrect», Steve Bannon, Thomas Matter, Joyce Küng, Neal David Sutz, «Rebel News», Daniel Regli, Nicolas A. Rimoldi, Andreas Thiel, Boris Reitschuster, Prisca Würgler, Michael Bubendorf, Daniele Ganser, Stefan Molyneux, David Duke, Richard Spencer, Milo Yiannopoulos.

Logisch, dass die tapferen Demagogen von der «Republik» nur mit ganz wenigen dieser Mitglieder einer rechten Medienverschwörung gesprochen haben. Ist halt «Republik»-Stil: in die Pfanne hauen funktioniert am besten, wenn dem Opfer keine Gelegenheit zur Gegenwehr gegeben wird.

Ein Spinnennetz aus «Info-Kriegern», fein animiert.

Nachzutragen sind noch zwei bedeutende Abwesende: Christoph Blocher – und René Zeyer.

Wie oberflächlich und nachlässig hier recherchiert wird, sei an einem einzigen Beispiel erklärt. «Diese Leute, die selber entweder sehr mächtig oder zumindest wort­mächtig sind und gleichzeitig erzählen, dass wir von «den Mächtigen» nur angelogen oder zensiert werden, eint die Faszination für einen mächtigen Meister der Lügen: den Ex-US-Präsidenten Donald Trump, der in seiner vier­jährigen Amtszeit nachweislich mindestens 30’573-mal gelogen oder falsche Behauptungen aufgestellt hat.»

Dabei bezieht sich die «Republik» auf eine Liste, die die «Washington Post» führt. Schon 2017 ergab ein genauer Blick auf die Kriterien, was hier als «Lüge» gebrandmarkt wird, dass es sich um reine Demagogie der WaPo handelt. Der Artikel «Jetzt wäre erst recht Präzision gefragt», erschien in der «Medienwoche» und ist abrufbar. Aber der Autor bietet Anlass zum Verdacht, dass es sich um einen Info-Krieger handeln könnte.

Irr an diesem Irrflug der «Republik» ist, dass es den Autoren nicht auffällt, dass sie im Kampf gegen angebliche Verschwörungstheoretiker und Info-Krieger selbst genau das Gleiche machen, was sie ihnen vorwerfen. Faktenfreie Demagogie:

«Willkommen zu einer Reise ans Ende der Demokratie.»

Zum Lieblingsfeind haben sie sich Daniel Stricker erkoren. Aus einem einfachen Grund; mit ihm haben sie ausnahmsweise geredet, und sein Videoblog eignet sich bestens, um ihn als Kristallisationspunkt von allem Üblen in der Schweiz zu denunzieren:

«Stricker-TV, das ist der Lebens­inhalt eines Mannes in seinen Fünfzigern, der Tesla-Aktien besitzt und glaubt, das geheime Muster hinter dem Welt­geschehen gefunden zu haben. Stricker-TV ist auch der Ort, wo sich in den letzten zwei Jahren die verloren gegangene Abgrenzung rechter Medien gegenüber Verschwörungs­erzählungen manifestierte – von «Weltwoche», «Schweizer Monat» und «Nebelspalter». Wo die Allianz von seriösem Journalismus und wirren Lügen offenbar wurde, wo ein Durch­einander von Verschwörungs­freaks und Leuten aufeinander­treffen, die im Schweizer Journalismus teilweise einfluss­reiche Positionen besetzen.»

In diesem Absatz ist alles drin, was eine haltlose Verschwörungstheorie ausmacht.

Immer, wenn man denkt, dass die «Republik» einen absoluten Tiefpunkt erreicht hat, von wo es nicht mehr weiter nach unten gehen kann, beweist sie das Gegenteil. Hinzu kommt noch eine sozusagen systembedingte Unfähigkeit. Denn wer, ausser der zu bedauernden Plattform ZACKBUM, liest denn fast 80’000 Anschläge Gequirltes, Verwirrtes, demagogisch Aufgepumptes, Faktenfreies und bösartig-einseitiges Rüpeln, bei dem fast alle ans Kreuz genagelten Personen oder Institutionen nicht mal um Stellungnahme angefragt wurden.

Wohlgemerkt: für diesen Riesenriemen mit einer ganzen Schar von namentlich Denunzierten haben die beiden Recherchier-Genies der «Republik» aktuell mit haargenau einer einzigen Person gesprochen. Mit Stricker, der dann auch ausführlich vorgeführt wird. Alle anderen (mehr als 30!), alle angerempelten Medien werden ungefragt in den Verschwörungstopf geworfen.

Fragt da einer, wieso denn ZACKBUM den Autoren keine Gelegenheit zur Stellungnahme gab? Aus zwei Gründen. Das hier ist ein Kommentar. Und wer zweimal nicht auf Anfragen reagiert, bekommt keine dritte Chance.

Die «Republik» betreibt übelsten Verschwörungstheorie-Journalismus, der Verschwörungs-Journalismus denunzieren, entlarven will. Dabei entlarvt er sich nur selbst.