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Neue Mächte in der Schweiz?

Recherchieren könnte helfen, muss aber nicht; schliesslich schreibt sich’s besser aus dem hohlen Bauch.

Ein Thema rauscht mal wieder durch den Blätterwald. Also durch die wenigen Blätter, die es da noch gibt und die im Wesentlichen zwei Medienkonzernen gehören.

Fangen wir mit der Ausnahme an: «Erst viermal wurden in der Geschichte der Schweiz mehr als 187 000 beglaubigte Unterschriften für ein Referendum eingereicht. Einige dieser Abstimmungen liegen mehr als hundert Jahre zurück», weiss die NZZ.

Da gab es doch mal die GSoA und ihren absoluten Weltrekord in der Schweiz: über 500’000 Unterschriften gegen den Kauf des F/A-18 Militärfliegers. Liegt nicht mehr als knapp 30 Jahre zurück. Ist aber irgendwie peinlich als Erwähnung, will es scheinen. Immerhin, Markus Somm weist darauf in seiner Kolumne in der SoZ darauf hin.

Damit er sich dennoch ungehemmt lobend über die 187’000 Unterschriften äussern kann, beckmessert er. Die «Freunde der Verfassung»  hätten nur 27 Tage dafür gebraucht, die GSoA dagegen 32, ätsch.

Die NZZ ist leicht schockiert:

«Mächtiger als Parteien und Verbände? Wie die Gegner des Covid-Gesetzes in nur drei Wochen fast 190 000 Unterschriften gesammelt haben»,

titelt sie. Blöd auch, wo doch die FDP gelegentlich baden geht, wenn sie Unterschriften für eine Initiative oder ein Referendum sammeln will.

Ansonsten hält sich die Berichterstattung aber in engen Grenzen.

 

Nix verstehen, aber trotzdem drüber schreiben: «watson» at its best.

Man ist sich allgemein nicht so klar, wie man diese Verfassungsfreunde genau verorten soll, wie man neudeutsch so schön sagt. Sind das finstere Rechtsradikale, Hetzer, ein U-Boot der SVP, gar finanziert vom Herrgöttli von Herrliberg? Man weiss nichts Genaues, kriegt auch nix journalistisch gebacken, also halt einfach Vorsicht in den Duopolmedien.

Klein, kleiner, am kleinsten: die Berichterstattung über diesen Sammelrekord.

Wie berichten die Medien über sich selbst, bzw. ihre Kohle?

Noch heikler ist natürlich das Thema Staatssubventionen nein. Da sammelt der «Verein NEIN zu staatlich finanzierten Medien» ebenfalls Unterschriften, um das gerade beschlossene, zusätzlich Medienpaket zu Fall zu bringen.

Das gab am Anfang etwas Hallo, in der Sonntagspresse war sogar ein grosses Porträt von Kurt Weigelt, neben Philipp Gut und dem Verleger Bruno Hug ein wichtiger Kopf im Referendumskomitee. Aber hier gleicht die Berichterstattung natürlich der Aussendung eines Reporters in ein Minenfeld. Ohne Schutzweste oder Minenaufspürgerät.

Denn mit viel Lobbyarbeit haben es die Grossverlage geschafft, zusätzlich zu den bestehenden Subventionen eine weitere Milliarde Steuergelder in den nächsten Jahren über sich regnen zu lassen. Als bittere Pille mussten sie nur schlucken, dass der Zwangsgebührensender SRG sein Internet-Angebot nicht einschränken muss – womit er im Newsbereich natürlich die Privatverlage konkurrenziert. Aber für nicht oder alternativ finanzierte digitale Angebote gibt es keine Batzeli; nur für die «Republik» wurde eine Ausnahme gemacht. Aber die rettet bekanntlich auch die Demokratie.

Alles in trockenen Tüchern, die Verlagsmanager freuten sich schon darauf, etwas Sommerpause zu geniessen. Auf der Yacht, im Rolls, beim Golfspielen. Und dann das. Wie aus dem Hinterhalt meldete sich das Referendumskomitee zu Wort und ist sehr optimistisch, bis Anfang Oktober ebenfalls die Hürde von 50’000 Unterschriften zu überspringen. Worauf über das Füllhorn aus Steuergeldern abgestimmt werden müsste.

Die Chefetage der Privatmedien muss sich erst mal sortieren

Die verschreckten Empfänger dieser Subventionen sortieren sich gerade noch. Da sie nicht mit einer solchen Gegenwehr rechneten, haben sie etwas Mühe zu erklären, wieso der Steuerzahler das Luxusleben der Medienclans unterstützen soll. Pardon, die grossen Verlage dringend nötige Unterstützung bei ihrer Aufgabe bekommen, die vierte Gewalt zu spielen.

Dabei taten sie so, als würde der schreiende Widerspruch niemandem auffallen. Die privaten Medienhäuser spielen sich als Kontrollinstanz auf, unverzichtbar in einer Demokratie. Dass es Beisshemmung auslösen könnte, den Staat, seine Ämter, seine Entscheidungen zu kritisieren, wo man doch von ihm immer abhängiger wird? Aber nein, das beeinflusst die tapfer-mutige Berichterstattung keinesfalls. So wie auch ein kritischer Bericht nach dem anderen über neue Automodelle erscheint. Klamotten, Modetrends, Kosmetika, Reisen und vieles mehr unerbittlich neutral abgehandelt wird.

Denn dass der Berichterstatter eingeladen wurde, die Autoimporteure zu den letzten treuen Inserenten gehören, Klamotten und Kosmetika in den Gebrauch der Journalisten übergehen, das spielt doch nun wirklich keine Rolle.

Dieser Unsinn wird nun auf den Prüfstand gestellt, auch diese 50’000 Unterschriften werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesammelt werden. Und wenn sich dann noch dieses Komitee mit den «Verfassungsfreunden» zusammenfindet, dann wackelt aber die Luxusyacht im Meer, auf der sich der Coninx-Clan gerne erholt. Dann bleibt der Aston Martin in der Garage, mit dem im Hause Ringier gerne herumgekurvt wird.

Blöd gelaufen. Die Meinungsoberhoheit haben die Massenmedien schon längst verloren. Mögen sie auch noch so sehr darüber schimpfen, dass Populisten wie Donald Trump das Gleiche machen wie Lichtgestalten in der Liga Barack Obama: mittels anderer Kanäle direkt Kontakt mit der Öffentlichkeit aufnehmen.

Druckmaschinen sind schon längst keine Gelddruckmaschinen mehr, und digitale Geldquellen anzuzapfen, damit tun sich die Privatverlage weiterhin schwer. Sollten auch noch die Staatssubventionen nicht so munter sprudeln wie erhofft, muss Pietro Supino vielleicht den Grossumbau seiner Grossvilla auf einem Grossgrundstück in Zürich unterbrechen. Das können wir doch nicht wollen, der arme Mann wird ja auch nicht jünger.