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Schlagwortarchiv für: Corona

René Zeyer

«Arschloch» Mike Müller

21. September 2026/19 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Einzige, der Dick und Doof als Solist spielen kann.

Der Komiker kann nicht zählen. Auf Elon Musks Plattform X poltert er:

«Was ich nicht so verstehe, warum der Kanzler eines achtzig Mio.-Landes wegen einer knappen Million Nazis in einem gescheiterten Gliedstaat zurücktreten soll.»

Eigentlich versteht er gar nichts. In Sachsen-Anhalt haben insgesamt 1,3 Millionen gewählt. Davon 576’000 die AfD. Aber weder sie, noch die Wähler der SPD, CDU oder der Grünen sind Nazis. Und Sachsen-Anhalt ist kein Gliedstaat, sondern ein Bundesland, das nicht weiss, dass es gescheitert sein soll. An was auch, an Mike Müller etwa?

Der Komiker kann nicht lesen. «Der Weltwoche-Autor René Zeyer stellt fest, gewisse Begriffe im AfD-Programm seien «deutlich angebräunt». Fun fact: es stört ihn nicht.»

Der Komiker ist auch hier nicht komisch. Der Autor schrieb, dass der Begriff «Verzicht auf kulturfremde Fachkräfte» deutlich angebräunt sei. Wie der Staatshumorist daraus schliessen kann, dass ihn das nicht störe, versteht keiner.

Anschliessend zeigte er durch einen Vergleich mit den Wahlprogrammen der CDU, der SPD und des BSW, wie austauschbar sie sind. Aber das war offensichtlich zu hoch für Müller.

Sein primitives Gepolter gegen die meisten Wahlbeteiligten in Sachsen-Anhalt brachte ihm eine Strafanzeige von Peter Müller ein. Er ist der Sohn des Milliardärs Theo Müller («Alles Müller, oder was?») und lebt in der Schweiz.

Er hat seinen Namensvetter wegen Verleumdung, übler Nachrede und Beschimpfung angezeigt. Gegenüber dem «Blick» sagt er: «Ich finde es schockierend, wie Mike Müller die Wähler einer demokratischen Partei pauschal mit den schlimmsten Verbrechern der deutschen Geschichte gleichsetzt.»

Hat Dick und Doof wenigstens ein wenig Einsehen? «Es ist Wasser auf die Mühlen der SVP, wenn es Ausländer gibt, die sich schlecht benehmen», will er wieder komisch sein. Und noch ein Brüller: «Ich würde nie Milch trinken, die so heisst wie ich.»

Eigentlich heisst er Michael Müller, aber das war ihm offensichtlich nicht komisch genug, also liess er sich im Handelsregister als «Michael genannt Mike Müller» eintragen.

Schon während den Corona-Zeiten fiel er durch Brachial-Beleidigungen auf und beschimpfte einen Impfskeptiker als «ungeimpftes Arschloch».

Gegen Christoph Mörgeli rülpste er diese Geschmacklosigkeit: «Und Sie? Fahren Sie zusammen mit Roger Köppel zu einer Gruppenvergewaltigung im Donbass?» Überhaupt haben es ihm SVP-Politiker angetan. Über Andreas Glarner: «Übelste Denkfaulheit. Rechtsextreme Gosse.» Über die SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann: «Solange sich Profis nicht inszenieren wie rassistische SVP-Nationalrätinnen, müssen wir uns keine Sorgen machen.»

Muss man sich über den Komiker, der nicht komisch ist, Sorgen machen? Eigentlich nicht, denn schliesslich darf sich jeder öffentlich zum Deppen machen. Und schliesslich ist Müller oder wie oder was der lebende Beweis für die Pisa-Studie. Rechenschwäche, Leseschwäche, Denkschwäche und Ernährungsschwäche, die zu Adipositas geführt hat.

Wahrscheinlich Frustfressen, weil ihn keiner komisch findet.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-20-um-12.41.28.png 606 1060 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-21 05:00:202026-09-20 15:50:34«Arschloch» Mike Müller
René Zeyer

Verliebter «Blick» auf Berset

7. Mai 2026/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wenn eine schriftliche Schleimspur tropfen könnte …

Alte Freundschaft rostet nicht. Das waren noch Zeiten, als ein panischer Ringier-CEO in voll ausgeprägter Corona-Hysterie und ein überforderter Bundesrat auf dem kurzen Amtsweg kooperierten.

Als herauskam, dass Alain Berset und Marc Walder einen regen Mailverkehr unterhielten und ein Video veröffentlicht wurde, in dem Walder stolz verkündete, dass er seine Redaktionen angewiesen habe, staatliche Massnahmen bedingungslos zu unterstützen, war die Kacke kurzzeitig am Dampfen.

Der damalige Oberchefredaktor Christian Dorer verkündete tapfer: «Niemand beeinflusst Blick!» Als Dank dafür wurde er später brutal abgesägt.

Im Ringier-Organ «Interview» wurde Berset auf einer Modepuppenstrecke angehimmelt. Nach einer eher merkwürdigen ausserehelichen Liebesaffäre verabschiedete sich Berset dann nach Strassburg. Dem geneigten Leser dürfte es wie ein Déjà-vu vorkommen, wenn er die neuste Lobeshymne auf den Mann mit den mächtigen Augenbrauen lesen muss:

«Als hätte er das alles schon ein Leben lang getan: Mit Begeisterung, Leichtigkeit und viel Elan kämpft Alain Berset als Generalsekretär des Europarats gegen Machtpolitik, Polarisierung und für eine friedliche Welt.»

Eigentlich handelt es sich um einen aussichtsreichen Kandidaten für den Friedensnobelpreis, könnte man meinen, wenn man die ungebremst Eloge von Monique Ryser liest. Einer PR-Bude im Dienste des Politikers wäre es peinlich, so dick aufzutragen: ««Wir haben kein freies Wochenende, wir sind immer dran», meint er entschuldigend und eilt die Treppe der Villa Massol in der Neustadt von Strassburg herunter.»

Dann folgt eine Art Interview, getragen von einer begeisterten Unterwürfigkeit, wie man sie sehr selten ausserhalb von bezahlten Image-Anzeigen sieht. Zum Schutz des ZACKBUM-Lesers verzichten wir auf Zitate.

Fehlt noch was? Natürlich das Lob von anderen. ««Wir sind sehr froh um Alain, mit seinen Kontakten bringt er den Europarat und seine Wichtigkeit auf die Tagesordnung der Regierungen und der Bevölkerung», lobt Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan». Da geht doch noch einer: «Ihr Kollege Damien Cottier, FDP, qualifiziert die Arbeit des Ex-Bundesrates knapp und klar mit «Exzellent!».»

Kann man diesen Schleimberg noch weiter in die Höhe wachsen lassen? Frau kann und lässt die Sprechpuppe plaudern: »Von der Schweiz sagt man oft, sie sei langweilig. Aber wer würde sich heute nicht etwas mehr Langeweile wünschen?»

Die Einleitung zum Schlusspunkt, zum Höhepunkt, zur Steigerung ins Unerträgliche: «Dieser Wunsch nach Langeweile wird für Alain Berset nicht in Erfüllung gehen. Er eilt davon, schon wartet das nächste Meeting, und auch die nächste Krise kommt bestimmt.»

Nein, die Krise ist schon da. Die Krise des Journalismus nämlich. Denn eigentlich ist es unvorstellbar, dass eine derartig grenzenlose Lobhudelei in einer Gazette erscheint, die noch gewissen Wert auf Verantwortung dem Leser gegenüber legt.

Dass C-Promis, Influencer und andere Unwichtigkeiten zu Storys aufgeblasen werden, nun, das ist Boulevard, wieso nicht, wenn’s interessiert. Aber eine ernsthafte Beschäftigung mit einem Politiker, der schon als Bundesrat sowohl politisch wie auch charakterlich überfordert war, sollte vielleicht doch mehr dem Porträt eines Menschen und weniger einem Heiligenbild eines Strahlemannes gleichen, der unermüdlich und ohne Fehl und Tadel angeblich «für eine friedliche Welt» kämpfe.

Ob es diesem hehren Ziel nützt, dass Berset den Europarat gegen Russland (Sondertribunal gegen Wladimir Putin) in Stellung bringt, und auch harsche Kritik an der Schweiz zulässt, die gefälligst rechtstaatsfrei Vermögen auch ohne Verurteilung (Fall Magnitski) beschlagnahmen soll?

Aber der «Blick» ist und bleibt Bersets Weisswäscher-Organ, wie er schon in Bersets ausser Kontrolle geratenen Liebesaffäre bewies.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-05-um-09.34.08.png 478 1182 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-05-07 05:00:072026-05-05 09:38:31Verliebter «Blick» auf Berset
redaktion@zackbum.ch

Entlassung von Patrick Fischer

23. April 2026/11 Kommentare/in Allgemein/von redaktion@zackbum.ch

Medien geifern, Fakten werden ignoriert.

Von Thomas Baumann
Der Blick meinte nach der Entlassung von Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer: «Was wäre passiert, wenn es zu einer Infektion gekommen wäre, die mit Fischer in Verbindung hätte gebracht werden können? Die Chinesen, von Covid mit Millionen Toten schwer gebeutelt, fuhren eine rigide Corona-Politik – und sie stehen nicht im Verdacht, bei Gesetzesverstössen mit sich diskutieren zu lassen. Spannungen auf diplomatischer Ebene wären garantiert gewesen – und könnten es auch jetzt noch sein.
Es geht auch eine Kategorie harmloser: Wäre Fischer dann dafür verantwortlich gewesen, dass eine Reihe von Snowboard-Crossern, Buckelpistenfahrern und Eiskunstläuferinnen, die mit ihrem Sport kaum Geld verdienen, um ihren Karrierehöhepunkt gebracht worden wären? Der Teamgedanke, den Fischer zur Verteidigung seiner Urkundenfälschung vorbrachte, endet scheinbar ausserhalb des Hockeyteams.»
Frage: Wenn in dieser Angelegenheit derzeit landauf, landab der «Rechtsstaat» bemüht wird — warum sollen da ausgerechnet mögliche diplomatische Spannungen mit einer Regierung, welche in ihrem Land bestenfalls ‹rule by law›, aber nicht ‹rule of law› praktiziert, als Argument angeführt werden?
Auch die NZZ  liess sich herab. Wobei es hier ein gewisser Samuel Burgener war, der in die Tasten griff. Dieser pflegte in seiner Zeit beim Walliser Boten derart penetrant vom hohen Ross herab zu moralisieren, dass er von der Walliser Zeitung den Übernamen ‹Prediger› erhielt. Also meinte Burgener:
«Fischer, der erfolgreichste Nationaltrainer in der Geschichte des Schweizer Eishockeys, hatte den so geheimnisvollen Teamgeist stets bemüht, er hatte sehr hohe Ansprüche an die Disziplin und das Commitment der Spieler und war teilweise extrem streng. Nur nicht mit sich selbst. Er stellte sein Ego über die Interessen des Teams, er wollte zwingend an den Olympischen Spielen coachen. Für die Karriere eines Trainers ist ein solches Turnier von grosser Bedeutung. Fischer hat in dieser Intention durch eine mögliche Ansteckung mit Corona die körperliche Integrität seiner Spieler gefährdet und einen schweren Reputationsschaden für die Olympia-Delegation und das Eishockey der Schweiz in Kauf genommen. Das ist unentschuldbar.»
Man sieht: Moralisieren kann der moderne Journalist, recherchieren jedoch nicht.
Ansteckung? Vom Anfang Juli bis Ende 2021 war weltweit, in der Schweiz und Europa die Delta-Variante des Coronavirus vorherrschend. Und vorherrschend bedeutet bei Viren: Zu beinahe hundert Prozent vorherrschend. Das Coronavirus kennt, wie China faktisch, keine Mehrparteienherrschaft. (Felix Abt mag mich hier gerne korrigieren, dass China de jure eine Mehrparteienregierung hat.)
Bereits am 24. August 2021 schrieb die Welt-Gesundheitsorganisation WHO, welche bekanntlich nicht im Verdacht steht, dem Lager der Impfgegner nahezustehen, in ihrem 54. wöchentlichen Epidemie-Update: «Ähnliche Übertragungsrate zwischen geimpften und ungeimpften Personen» («Similar transmissibility between vaccinated and unvaccinated individuals»).
Es ist richtig, dass Patrick Fischer dem Team schweren Schaden zugefügt hätte, wenn er erwischt worden wäre.
Es ist richtig, dass es eine Schweinerei gewesen wäre, wenn er andere Sportler um ihren Olympiatraum gebracht hätte, wenn er als Ungeimpfter die Verbreitung des Coronavirus befördert hätte.
Bloss: Die Gefahr, dass er wegen seines Impfstatus als Ungeimpfter jemanden ansteckte, existierte schlicht und einfach nicht, wie selbst die Welt-Gesundheitsorganisation frühzeitig feststellte.
Das theoretisch valable Argument, dass Fischer durch eine Ansteckung andere Sportler um ihren Olympiatraum hätte bringen können, prallt an den Fakten der Realität ab.
Doch um Fakten schert sich der Journalist eben selten, wenn er ins Moralisieren kommt.
Eine Bemerkung zur Omikron-Variante des Coronavirus: Es ist richtig, dass die Omikron-Variante des Coronavirus zwischen Jahresende und Beginn der Olympischen Spiele die Weltherrschaft im Coronavirus-Universum übernahm.
Es ist ebenfalls richtig, dass damals nicht mit Sicherheit der Schluss gezogen werden konnte, dass die Aussage der WHO bezüglich der Delta-Variante auch bezüglich der Omikron-Variante Gültigkeit hat (obwohl dies später evident werden sollte).
Genauso gut wie es der Fall hätte sein können, dass die Impfung die Übertragung der Omikron-Variante verhindert, hätte auch der Fall sein können, dass die Impfung gar nicht gegen die Omikron-Variante schützt.
Hier stellt sich jedoch eine ganz andere ethische Frage: Darf man von Menschen verlagen, dass sie sich quasi auf Vorrat gegen ein Virus impfen lassen, bevor man weiss, ob die Impfung überhaupt sinnvoll und zweckmässig ist?
Wie dem auch sei: Solange Journalisten nicht wissen, ob eine Impfung die Übertragung eines Virus verhindert, oder sich diesbezüglich auf gültige Quellen berufen können, geht es nicht an, einfach behaupten, dass Ungeimpfte das Virus verbreiten würden.
Selbstdeklaration: Der Verfasser des Beitrags ist dreifach geimpft (obwohl das eigentlich nichts zur Sache tut) und trägt im ÖV gerne eine FFP2-Maske. Was bei der Luft im ÖV aber auch kaum zu verwundern vermag.
https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-20-um-09.39.42.png 534 965 redaktion@zackbum.ch https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg redaktion@zackbum.ch2026-04-23 05:00:122026-04-20 09:41:32Entlassung von Patrick Fischer
René Zeyer

Lustig ins neue Jahr

1. Januar 2026/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Immerhin: es darf weiterhin gelacht werden.

Diesmal danken wir Matthias Chapman dafür. Unfehlbar, wie ZACKBUM halt ist, haben wir den stellvertretenden Chefredaktor mit dem verkniffenen Gesichtsausdruck wohlweislich von möglichen Sparrunden ausgeschlossen.

Einige unserer Vorschläge wurden bereits befolgt (Kerstin Hasse), bei anderen (Raphaela Birrer, Bruno Ziauddin) steht der Vollzug noch aus. Und ob der Wiederauftritt von Anuschka Roshani, die auf den Chefsessel klettern wollte und darob gefeuert wurde, eine Qualitätsverbesserung darstellt?

Aber zurück zum «Leitartikel zum Jahreswechsel». Den traut sich Oberchefredaktorin Birrer offenbar nicht zu (auch diese Bemerkung wird nicht dazu dienen, dass das Schreibverbot gegen René Zeyer aufgehoben wird).

Also muss Grüssaugust Chapman ans Gerät.

Aber schon der Titel löst eine erste Lachsalve aus. Es «bricht eine neue Zeit an». Ach was. Statt dass sich die alte Zeit wiederholt? Ist morgen nicht immer neuer als gestern? Gibt es statt Anbruch auch Abbruch? Wie wäre es mit «Für unser Land bricht die alte Zeit ab?» Oder, à la Karl Kraus (ChatGPT hilft): bricht eine dicke, dünne, krumme, altehrwürdige, grosse oder kleine Zeit an?

Oder ganz banal: bricht überhaupt nichts an, sondern ist’s einfach 1. Januar geworden, was nach dem 31. Dezember unausweichlich und keinesfalls neu ist?

Nun wäre der Jahreswechsel die Gelegenheit für gute Vorsätze, vernünftige Versprechen, den Willen zur Besserung. Zum Beispiel, indem sich die Schreibtäter des absaufenden Tamedia-Schiffs bewusst werden, dass sie die Reise in die Bedeutungslosigkeit nicht mit markigen verbalen Auftritten begleiten sollten.

«Go down with a smile», das ist die Haltung von Joker in den Batmanfilmen.

Rechthaberei, unverlangte Ratschläge, unqualifizierte Kritiken, das ist die Haltung von Chapman.

In einem Leitartikel zum Jahreswechsel könnte man von einem wohlbezahlten Mitglied der Chefetage doch ein paar Gedanken dazu erwarten, wie es gelingen könnte, den Tagi zu retten. Zum Beispiel, indem man Pietro Supino …, aber diesen Gedanken wagt Chapman nicht mal unter der Bettdecke zu Ende zu führen.

Stattdessen: «Die wirtschaftspolitische Demütigung und die geopolitische Verschiebung haben Folgen für die Schweiz … zwingt auch die Schweiz, sich militärisch für den Ernstfall zu rüsten ... »

Aber damit hat er sich erst warmgelaufen, wir kommen zum ersten wahren Silvesterknaller:

«Jetzt an Silvester kann man es auch so sagen: Nach der (je nach Sichtweise bitteren oder lehrreichen) Erkenntnis im 2025 muss die Schweiz die Weichen für die Zukunft stellen.»

Es ist hingegen eher selten, dass die Weichen für die Vergangenheit gestellt werden, besonders nicht an Silvester.

Nun aber munter zu Befehlen und Anweisungen: «Klar ist: Das Land muss … Das heisst einerseits mehr Mittel für die Armee und andererseits …»

Aber es gibt Probleme, bei denen sogar Chapman eingestehen muss: «Kompliziert gestaltet sich die wirtschaftspolitische Neupositionierung.»

Da verliert sich selbst ein Grossdenker wie er in einem Dickicht von Fragen ohne Antworten.

Doch dann der Durchbruch ins Licht der Erkenntnis: «Ganz zu schweigen von Europa: Mit der EU steht unser Verhältnis erneut auf dem Prüfstand.»

Nun spricht er ein grosses Wort gelassen aus: «Die Wahrheit ist …» Endlich, was ist die Wahrheit? «Der Handel mit den drei Grossen EU, USA und China ist so wichtig, dass die Schweiz ihre Handelsstrategie mit Diversifizieren bestenfalls gut abrunden kann.»

Öhm, dunkel ist die Wahrheit und geheimnisvoll bis unverständlich, um es abgerundet auszudrücken.

Nun, der Platz neigt sich selbst für einen Leitartikel zum Jahreswechsel dem Ende zu, also hurtig noch ein letzter Ratschlag: «In dieser Gemengelage braucht es Weitsicht, Kompromissbereitschaft und natürlich gut eidgenössischen Pragmatismus.»

Endlich spricht einer aus, was sonst niemand zu denken wagt.

Aber leider muss sich Chapman dann noch selbst diesen besinnlichen Schlussakkord kaputt machen:

«Die Bewältigung der Pandemie war – mit all ihren Fehlern – so ein Fall. Es gibt also guten Grund, das neue Jahr optimistisch in Angriff zu nehmen.»

Ob hier Corona-Kreische Marc Brupbacher die Feder geführt hat? Und apropos Bewältigung: gab es so was bezüglich all der Fehler, bezüglich allem hysterischen Gejapse, der Denunziation von Massnahmenkritikern als Schwurbler, Verschwörungstheoretiker und potenzielle Massenmörder, die zwangsgeimpft werden müssten (Forderung eines durchgeknallten Tagi-Politchefs), so etwas wie Selbstkritik, Aufarbeitung bei Tamedia?

Kein Sterbenswörtchen gab’s. Denn neben den gut eidgenössischen Qualitäten, die Chapman aufzählt, gibt es noch andere, weniger schöne: verkniffenes Schweigen, Wegducken, Aussitzen, Verwedeln und Ignorieren. Alles auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

Also nichts Neues beim Tagi für 2026.

Da hat ZACKBUM auch eine Prognose: das wird nicht gut enden.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/12/Bildschirmfoto-2025-12-31-um-12.55.33.png 564 1632 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-01-01 05:00:382026-01-01 16:36:15Lustig ins neue Jahr
René Zeyer

Zerstreuungszentralen

20. August 2024/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Vertrauen. Bereicherung. Wenn nix davon existiert …

Die deutschsprachige Schweiz wird von drei Medienhäusern plus einem kleinen Leuchtturm beschallt, im Tageszeitungsgeschäft.

Was nicht zu Tamedia gehört, gehört CH Media, mit abnehmender Bedeutung wankt Ringiers «Blick» durch die Medienlandschaft. Und dann gibt es noch die NZZ, die leider gelegentlich schwächelt.

Daneben gibt es nur noch wenige kleine Guerilleros und den in der zweiten Generation langsam abgebenden Somedia-Verlag in der Südostschweiz. Über all dem schweben die staatlichen Übermedien von SRF.

Alles andere ist Randgruppenprogramm, vielleicht noch mit Ausnahme der «Weltwoche» und ab und an der WoZ.

Nun sollte es die vornehmste Aufgabe der sogenannten Vierten Gewalt sein, politisches und gesellschaftliches Geschehen zu kontrollieren, darüber zu informieren und dem mündigen Leser die Möglichkeit zur eigenen Meinungsbildung zu geben.

Dabei sollte zwischen der eigentlichen Nachricht und der Kommentierung sorgfältig unterschieden werden. Die persönliche Befindlichkeit des Boten, des Journalisten, sollte dabei keine Rolle spielen, seine Meinung höchstens dann, wenn er etwas Qualifiziertes zum Thema beizutragen hat.

Bei konfliktiven Themen sollten verschiedenen Meinungen und Standpunkten die Möglichkeit eingeräumt werden, sich in diesen Quasi-Duopolmedien zu äussern.

Zudem sollte es ihre vornehmste Aufgabe sein, möglichst umfassend und kompetent über Themen zu berichten, die der Bevölkerung, zumindest der Leserschaft, unter den Nägeln brennen. Also beispielsweise das Thema Altersversorgung und Pensionskassen. Situation auf dem Mietermarkt. Einwanderung. Schulsystem. Kriminalität. Überlastete Infrastruktur. Entwicklung des Verhältnisses zur EU. Sanktionen gegenüber reichen Russen. Um nur die wichtigsten Themen zu nennen.

Konjunktiv.

Seit etwas mehr als vier Jahren beobachtet ZACKBUM diese Medienlandschaft und hat 3550 Beiträge veröffentlicht, die knapp 14’000 Kommentare auslösten, plus diverse direkte Kontakte.

ZACKBUM kann also behaupten, einen gewissen Überblick über die Entwicklung in den letzten vier Jahren und den aktuellen Zustand dieser Medien zu haben.

Dabei sind folgende Fakten augenfällig:

  1. Anfänglich befleissigten sich noch einige Journalisten, auf Anfragen von ZACKBUM zu reagieren oder gar zu antworten. Das hat sich radikal geändert. Entweder gibt es keine Antwort mehr, oder die Frage wird zwecks Veredelung an die Medienstelle weitergeleitet. Die gerne mitteilt: Redaktor xy möchte hierzu keine Stellung nehmen.
  2. Besonders auffällig war das Verhalten der 72 erregten Tamedia-Mitarbeiterinnen. Sie wurden mehrfach mit konkreten Fragen um Stellungnahmen gebeten und allesamt angeschrieben. Reaktion: keine Reaktion.
  3. Der Informationsfluss von Whistleblowern ist ziemlich ausgetrocknet. Das liegt wohl daran, dass die Angst um den eigenen Arbeitsplatz deutlich zugenommen hat, was angesichts der unablässigen Sparwellen auch kein Wunder ist. Zudem haben viele kritische Geister die skelettierten Medien verlassen.
  4. Ausser dem Ausschlachten von gestohlenen Geschäftsunterlagen, die sich in Papers, Leaks und Flops verwandelten, ist kaum nennenswerte Recherchiertätigkeit entfaltet worden.
  5. Die Behandlung der Corona-Epidemie hat gewaltigen Schaden an der Reputation, Glaubwürdigkeit und Werthaltigkeit des Inhalts der Tageszeitungen angerichtet. Vor allem Tamedia verstand sich als Sprachrohr der Regierung oder der Task Force. Kritiker an staatlichen Massnahmen wurden teilweise übel beschimpft («potenzielle Massenmörder»), es wurden hysterische Untergangsszenarien für das Gesundheitssystem entwickelt, von bis zu 100’000 Toten gefaselt, die Wirksamkeit der Impfung unkritisch bejubelt. Kritische Stimmen wurden ignoriert oder beschimpft. Diverse dafür völlig unqualifizierte Journalisten verwandelten sich in wahre Amokläufer und forderten sogar eine Zwangsimpfung für alle. Ein Trauerspiel.
  6. Nicht in diesem Ausmass, aber in einem ähnlichen wiederholt sich das bei der Berichterstattung über die Invasion der Ukraine. Auch da stört vor allem, dass starke Meinungen mit schwachen Kenntnissen eine unappetitliche Melange eingehen.
  7. In diesen vier Jahren ist eine bedenkliche Zunahme von Artikeln zu verzeichnen, die sich ausschliesslich mit Nabelschau des Schreibenden befassen. Sein Befindlichkeiten, seine Weltsicht, seine Ängste und Befürchtungen werden thematisiert. Ohne Rücksicht darauf, dass das die meisten Leser überhaupt nicht interessiert.
  8. Wohl bedingt durch die deutlich abnehmende Relevanz und Bedeutung der Tageszeitungen macht sich zunehmend eine verbissene, oberlehrerhafte Befehlsausgabe bemerkbar. Der Journalist ordnet nicht nur alle Ereignisse auf der Welt nach seinem Gusto, er teilt auch dem Leser mit, wie der sich zu verhalten habe. Insbesondere in Sachen Umweltschutz oder korrekte Anwendung von Sprache.
  9. Obwohl sämtliche Meinungsumfragen beweisen, dass der überwältigenden Mehrheit der Leser Sprachvergewaltigungen mit Gender-Sternchen, Binnen-I und ähnlichem Unfug schwer auf den Zeiger gehen, sehen viele Medien auch hier eine Erziehungsaufgabe. Das gilt auch für faschistoide Sprachreinigungsmassnahmen wie beispielsweise das Verbot, das Wort Mohr zu verwenden.
  10. Angesichts der Social Media und anderen Werbemöglichkeiten (sowie Einnahmen, die nicht bei Schweizer Verlagshäusern anfallen), wirken die Verlagsmanager wie Droschkenfahrer, die verkniffen auf ihrem Bock hockenbleiben und finster beobachten, wie Automobile sie überflüssig machen. Aber der Droschkenfahrer musste sich dann eine neue Einkommensquelle suchen. Die Vollversager in den Geschäftsleitungen der Medienhäuser brauchen das (noch) nicht zu fürchten.
  11. Last, but not least: es ist ein weiterer Niveauverlust zu verzeichnen. Sprachbeherrschung, Hintergrundwissen, Kultur, Geschichte, die Wüste lebt und wird Immer grösser.
https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/08/Bildschirmfoto-2024-08-19-um-15.55.34.png 503 840 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-08-20 05:30:472024-08-19 15:59:09Zerstreuungszentralen
René Zeyer

Archäologie des Verschwindens

22. Oktober 2023/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was weg ist, fehlt nicht. Oder doch?

Wer erinnert sich noch an die grossen Debatten, ob eine Impfung gegen Corona nützt oder schädlich ist? Ob Ungeimpfte potenzielle Massenmörder seien? Da liefen Corona-Kreischen wie Marc Brupbacher zu Höchstformen auf, sahen völlige Verantwortungslosigkeit herrschen («Der Bundesrat ist völlig übergeschnappt») und das Ende der Welt nahen.

Vorher völlig unbeachtete Wissenschaftler überboten sich in Ankündigungen von Todeszahlen (Wissenschaftler Althaus gewann mit dem Höchstgebot von 100’000 Toten in der Schweiz).  Eine Task Force ermächtigte sich, verantwortungsfrei allen Politikern, inklusive Bundesrat, der sie eigentlich zwecks stillen Beratungsdienstleistungen ins Leben gerufen hatte, Noten, Ratschläge und besserwisserische Forderungen zukommen zu lassen.

Das Maskentragen war nicht nur obligatorisch, sondern Nicht-Träger wurden öffentlich an den Pranger gestellt; alle Dissidenten von der medial unterstützten Regierungslinie wurden als Corona-Leugner, Aluhutträger, Verschwörungstheoretiker und willige Gefolgsleute von üblen Rechtspopulisten beschimpft. Wer an bewilligten Demonstrationen teilnahm, war ein nützlicher Idiot, wer sie mit Treicheln begleitete und den eidgenössischen Schlachtruf «Horus» anstimmte, ein Faschist.

Welche Schäden die hysterische und überzogene Politik wirtschaftlich und gesellschaftlich angerichtet hat – Schwamm drüber.

Vorbei, verweht, vergessen.

«#metoo», die grosse Bewegung gegen männliche Herrschaft, Übergriffe von Mächtigen auf Abhängige, der Aufschrei lange schweigender Frauen. Neben wenigen sinnvollen Anklagen produzierte die Bewegung eine Hexenjagd, diesmal aber auf Männer. Harvey Weinstein, als Sexmonster entlarvt und in den Knast gesteckt. Kevin Spacey und so viele andere: falsch beschuldigt, ruiniert, fertiggemacht, und wenn sie Jahre später von allen Anwürfen freigesprochen werden, interessiert das niemanden mehr wirklich. Die doppelte Endmoräne dieser Bewegung trägt die Namen Anuschka Roshani und Till Lindemann. Sie als Falschbeschuldigerin, er als Falschbeschuldigter.

Erinnert sich noch jemand daran, dass der heruntergekommene «Spiegel» dem Rammstein-Sänger sogar eine Titelgeschichte widmete, Roshani ihre grösstenteils frei erfundenen und längst widerlegten Anschuldigungen dort veröffentlichen durfte? Dass nun auch noch ein gefallener linker Starreporter seine Karriere beenden musste, weil ihm anonym verbale Übergriffe und ein angeblicher körperlicher Übergriff vorgeworfen werden, wobei eine medienbewusste Medienanwältin eine zwielichtige Rolle spielt: war da mal was?

Vorbei, verweht, vergessen.

«We stand with Ukraine», jede bessere WG machte neben der Pace-Fahne Platz für eine Ukraine-Flagge. Der ehemalige Schauspieler Volodymyr Selenskyj, an die Macht bekommt dank der Millionen eines ukrainischen Oligarchen, der sich damit eine Amnestie von gewaltigen Unterschlagungen erkaufte, wurde zum neuen Superhelden des Widerstands. Selbst eine Modestrecke in der «Vogue» mitsamt vor zerschossenen Flugzeugen posierender Gattin konnte diesem Image keinen Abbruch tun. Endlich war die Welt wieder in Ordnung. Nach dem bösen chinesischen Virus nun der böse russische Autokrat.

Seither dürfen Ukrainer und Russen in einem Stellvertreterkrieg verbluten. Der völkerrechtswidrige Überfall hat bislang Schäden in der geschätzten Höhe von 1000 Milliarden US-Dollar angerichtet. Zahlen wird die nicht Russland, auch nicht die Ukraine. Und erst recht nicht China oder Indien. Wer bleibt? Genau, in erster Linie die EU. Da gab es neulich eine gross angekündigte ukrainische Offensive. Wie geht’s der, wo steckt sie, ist sie erfolgreich, erfolglos, ist die Ukraine am Ende oder Russland oder beide? Wen interessiert’s im Moment, der arme Selenskyj versucht verzweifelt, darauf aufmerksam zu machen, dass es Hamas-Terrorismus und russischen gäbe. Dabei zählen seine westlichen Verbündeten ihre Munitions- und Waffenlager durch und fragen sich, womit sie allenfalls Israel unterstützen wollen.

Vorbei, verweht, vergessen.

Ein Treppenwitz ist dagegen, dass der grosse Shootingstar der Schweizer Literatur, der mehrfach preisgekrönte Kim spurlos verschwunden ist. Das eint ihn mit dem anderen grossen Gesinnungsblasenschreiber Lukas Bärfuss, von dem man auch noch kein ordnendes Wort zu den aktuellen Weltläufen gehört hat. So viel zu der gesellschaftspolitischen Verantwortung des Schriftstellers, die immer als Begründung herhalten muss, wenn mehr oder minder begabte Schreiber meinen, ihre persönliche Meinung zu diesem und jenem interessiere eine breitere Öffentlichkeit. Ach, und wo bleibt Sibylle Berg, die nach Plagiatsvorwürfen und leichten Zweifeln an der Authentizität von Reportagen auch deutlich leiser geworden ist.

Ein Treppenwitz im Treppenwitz ist, dass die Webseite von «Netzcourage» seit Tagen nicht mehr erreichbar ist, und ausser ZACKBUM ist das noch niemandem aufgefallen, bzw. keiner hält es für nötig, darauf hinzuweisen, dass nun Tausende, na ja, Hunderte, öhm, Dutzende, also eine Handvoll von Cybermobbing-Opfern unbeholfen und ungeholfen rumstehen. Ach, und es können wieder ungehemmt «Cockpics» verschickt werden, wovon angeblich bereits jede zweite Frau belästigt wurde. Nun kommt auch noch die andere Hälfte dran.

Vorbei, verweht, vergessen.

Sich prügelnde Eritreer, überhaupt Nachrichten aus den Elendslöchern dieser Gegend, aus Äthiopien, Sudan, Somalia, aber auch Tschad, Niger? Ach ja.Falsche Hautfarbe, keine nennenswerten Rohstoffe, Pech gehabt. Hat noch nie gross interessiert, interessiert aktuell überhaupt nicht. Armenier? Ach ja, die Armenier, war da nicht neulich was? Der religiöse Autokrat Erdogan, der die Errungenschaften Atatürks aus reiner Machtgier rückgängig gemacht hat und die Türkei ins Mittelalter zurückführen will, bombardiert als Kriegsverbrecher kurdische Lager in Syrien? Na und, ist aber doch in der NATO, hilft bei den Flüchtlingsströmen und daher ein Guter. Mohammed bin Salman, auf dessen Befehl hin ein Dissident unter Bruch aller diplomatischer Regeln in einer saudischen Botschaft brutal ermordet und zerstückelt wurde – nun ja, ein Freund des Westens, Waffenkäufer und Besitzer von Ölquellen. Da sehen wir ihm doch sein Gemetzel im Jemen auch gleich nach.

Vorbei, verweht, vergessen.

Hunderttausende von Kindern, denen bei der Kakaoernte Gegenwart und Zukunft gestohlen wird, die missbraucht, gequält, geschlagen, erniedrigt werden? Das wurde vom Läderach-Skandal überstrahlt, von der erschütternden Enthüllung, dass Läderach Senior als Mitglied einer Freikirchen-Sekte mitverantwortlich dafür war, dass vielleicht zwei oder drei Dutzend Zöglinge eines Internats ein wenig psychisch oder physisch misshandelt wurden.

Das Zurich Film Festival kündigte sofort erschreckt die Partnerschaft. Das gleiche Filmfestival, das den geständigen Vergewaltiger einer Minderjährigen Roman Polanski noch einige Jahre zuvor den Ehrenpreis fürs Lebenswerk überreicht hatte. Das gleiche Filmfestival, das ohne Skrupel solche Schoggi verteilt hätte, wenn das Problem nur darin bestanden hätte, dass sie mit ausbeuterischer Kinderarbeit gewonnen wird. Na und, Westafrika, Schwarze, who cares.

Vorbei, verweht, vergessen.

Israel, Israel, Israel. Ein bestialischer Überfall, das Abschlachten von Zivilisten. Das Vorgehen einer Mörderbande, wie es nur mittels der mittelalterlichen Todesreligion Islam möglich ist. Und schon wieder werden die Fundamente der Aufklärung in Frage gestellt. Es ist diskussionslos widerwärtig, dass in Deutschland (und in kleinerem Umfang auch in der Schweiz) antisemitische Ausschreitungen stattfinden. Wer die Sache Palästinas mit radikalfundamentalistischen Wahnsinnigen wie Hamas vermischt, ist ein Vollidiot und schadet der Sache Palästinas schwer. Aber wer Antisemitismus als wohlfeiles Totschlagargument gegen jede, auch gegen berechtigte Kritik an Israel verwendet, schadet einer fundamental wichtigen Sache unserer westlichen Gesellschaft: dem freien Diskurs. Der Überzeugung, dass nur im Austausch von Argument und Gegenargument, von Meinung gegen Meinung Erkenntnis und somit Fortschritt möglich ist.

Niemand hat das anschaulicher auf den Punkt gebracht als der ehemalige Pfaffenbüttel Giuseppe Gracia: «Wer Israel für Dinge kritisiert, die er bei anderen Staaten akzeptiert, ist ein Antisemit.» Wer Israel kritisiert, muss also zuerst Vorbedingungen erfüllen, die von Gracia und seinen Gesinnungsgenossen selbstherrlich aufgestellt werden. Wer Israel kritisiert, muss zuerst eine Litanei herunterbeten, welche anderen Staaten er auch kritisiert. Wer Israel kritisiert, muss zuerst Bekenntnisse ablegen. Zu oder gegen oder über. Sonst sei er Antisemit. Wer sagt «Israel verübt im Gazastreifen Kriegsverbrechen», dürfte das laut diesen Zensoren allenfalls nur sagen, ohne als Antisemit beschimpft zu werden, wenn er vorher sagt «Russland verübt Kriegsverbrechen in der Ukraine, die USA verüben Kriegsverbrechen überall auf der Welt, der Iran verübt Kriegsverbrechen, Saudiarabien, die sudanesische Regierung» usw. usf.

So wie früher die Inquisition forderte, dass Bekenntnisse abgelegt werden mussten, bevor in von ihr bestimmtem engem Rahmen Kritik an der Kirche geübt werden durfte. Bis man ihr dieses Recht wegnahm. So wie man es heute all diesen Anti-Aufklärern wegnehmen muss. Denn wer da zuschaut, wenn freie Rede beschränkt werden soll, ist das nächste Opfer.

Oder ganz einfach: grausame Kriegsverbrechen, die gegen Israel begangen werden, rechtfertigen, erklären, beschönigen nicht Kriegsverbrechen, die Israel begeht. Dass für persönlich Betroffene Hamas-Anhänger Tiere sind, die vernichtet werden müssen, ist menschlich verständlich. Dass der israelische Verteidigungsminister von menschlichen Tieren spricht, die als solche behandelt werden müssten, ist inakzeptabel. Ein militanter Israel-Verteidiger hat vor Kurzem in der NZZ eine richtige Frage gestellt: Wie kann Israel auf monströse Taten reagieren, ohne selbst zum Monster zu werden?

Auch beim Kampf gegen Monster darf man nicht selbst zum Monster werden. Auch gegen Palästinenser gab es Massaker, oder hat man die Namen Sabra und Schatila samt der üblen Rolle Israels bereits vergessen? Erinnert man sich schon nicht mehr an den Werdegang des aktuellen israelischen Ministerpräsidenten, den nur sein Amt vom Knast trennt? Entschuldigt, relativiert, verniedlicht, erklärt das die bestialischen Massaker der Hamas? In keiner Art und Weise. Aber es hilft dabei, nicht auf Stammtischniveau dumm zu schwätzen.

Das Schlimmste, was den Palästinensern in den letzten Jahren passiert ist, ist die Machtübernahme durch fundamentalistische Islamisten, durch Anhänger einer menschenverachtenden Todesreligion. Was Hamas will, ist Zerstörung, sie haben keinerlei positive Perspektive. Weder für Israel, noch für die Palästinenser. Was will aber Israel? Wo bleibt hier der gesunde Menschenverstand, der freie Diskurs, die konstruktive Debatte?

Einfache Frage: sollte es Israel gelingen, die Hamas zu liquidieren, wie es sein erklärtes Ziel ist: und dann?

Vorbei, verweht, unmöglich.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Sonntag_Header.jpeg 313 683 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-10-22 05:00:262023-10-22 10:57:27Archäologie des Verschwindens
redaktion@zackbum.ch

Ein Breitband-Antibiotikum namens KPCh

18. Oktober 2023/4 Kommentare/in Allgemein/von redaktion@zackbum.ch

Der andere Blick auf ZACKBUM.

Von Thomas Baumann
ZACKBUM-Kolumnist Felix Abt ist zweifellos, wie man das im Jargon nennt, «an Old Asia Hand«. Aber Asien ist gross, und so ist nicht automatisch jede «Old Asia Hand» auch eine «Old China Hand«. Ebensowenig man auf die Idee käme, dass jemand, der Italien wie seine Westentasche kennt, deswegen automatisch auch gleich noch ein Griechenland-Experte sei.
Was für Europa der Fall ist, gilt ebenfalls für andere Kontinente — auch wenn die Zeitungen hier mit schlechtem Beispiel vorangehen, und den Thailand-Korrespondenten über Indien berichten lassen, als hätte das eine Land irgendetwas mit dem anderen zu tun.
Felix Abt hat zweifelsohne recht, wenn er in seinem Meinungsbeiträgen das ziemlich einheitliche Narrativ über China in der westlichen Presse in Frage stellt. Ist es nicht paradox, dass sich der Westen als ach so pluralistisch versteht — und doch alle mehr oder weniger dasselbe erzählen?
Die Fragen, die er stellt, sind also berechtigt  — doch auch hier gilt: Eine Meinung macht noch keinen Experten. Und was für die Korrespondenten der Zeitungen gilt, gilt auch für Felix Abt: Ein China-Experte (oder -Korrespondent) ist kaum ein Experte für Nordkorea — und umgekehrt.
In seinem neuesten Beitrag lobt Felix Abt — vor dem Hintergrund der Hamas-Terrorattacke auf Israel — den Umgang der chinesischen Regierung mit «uigurischen Islamisten» in seinem Beitrag «Wie China sein Terrorismus-Problem löste«.
Gefährliche Verbindungen 
Tatsächlich ist die Welt nicht so einfach, wie es uns die westliche Presse bisweilen vormacht: Hier die guten Uiguren und dort die bösen Chinesen. Dass z.B. die Verbindungen aus Xinjiang in den mittleren Osten enger sind, als man denken könnte, zeigte gerade die Situation zu Beginn der Corona-Pandemie.
Eines der ersten betroffenen Länder ausserhalb Chinas war damals nämlich der Iran. Und das Virus kam ganz bestimmt nicht im Flugzeug von der Ostküste Chinas nach Iran, sondern auf dem Landweg durch Zentralasien. Egal, ob die Verbindung direkt oder indirekt verlaufen ist: Es gibt da offenbar eine relativ enge Verbindung vom Westen Chinas in den Iran. Und bei Verbindungen in den Iran läuten wohl bei allen Sicherheitskräften die Alarmglocken.
Generell kann man festhalten, dass — mit Ausnahme der Xinjiang-spezifischen Internierungslager  — die chinesische Regierung die Probleme des Landes im Westen auf ziemlich genau dieselbe Art und Weise löst, wie sie auch alle anderen politischen Probleme im Land löst: Mit Überwachung und Kontrolle. Nichts Neues im Westen also — auch nicht im Westen Chinas.
Man könnte den Umgang der chinesischen Regierung mit potentiellen Problemen mit der Präventativ-Abgabe von Antibiotikum vergleichen: Alle Keime werden resolut weggeputzt, bevor daraus eine grössere Infektion entstehen könnte.
Sicherheit ist in China meistens doppelt gemoppelt: Einerseits sind die Staatsorgane (Polizei, Militär) dafür zuständig, andererseits die Partei. Die berühmten Nachbarschaftskomitees lassen grüssen.
Ungesunde Paranoia
Wie China mit Problemen umgeht, konnte man gut während der Pandemie beobachten: Nichts da von kontrollierter Durchseuchung — in einem übersteigerten Anfall von «Wehret den Anfängen!» wurde quasi jedem einzelnen Viruspartikel der Kampf angesagt. Egal, dass schon fast die ganze Welt durchseucht war.
Was im Umgang mit Terroristen wie eine valable Strategie erscheinen mag, dürfte spätestens beim Umgang Chinas mit der Pandemie auch hierzulande nicht mehr auf ungeteilte Zustimmung stossen. In China gibt es aber immer nur alles — oder nichts: Konsequente Terrorbekämpfung und Bekämpfung des Corona-Virus mit mehr als nur einem leichten Anflug von Paranoia.
Gerade bei der Virus-Bekämpfung zeigte sich auch eine andere Nebenwirkung dieser Paranoia. Hier leistete sich China zum Jahreswechsel 2019/2020 eine Peinlichkeit sondergleichen: War es doch nicht etwa China, das die Weltgesundheitsorganisation WHO zuerst über den Ausbruch des Coronavirus in Wuhan informierte — sondern andere Länder schnappten eine entsprechende Information auf der Webseite der Städtischen Gesundheitskommission in Wuhan auf und fragten bei der WHO besorgt nach, was es damit auf sich habe. So dass die WHO zuerst bei der chinesischen Regierung nachfragen musste, um informiert zu werden, während halb Asien schon nervös tuschelte.
Was bereits bei der Pandemie ein Problem war und die Bekämpfung verzögerte, könnte es auch bei der Terrorismusbekämpfung zu einem werden: Weil die chinesische Regierung derart davon überzeugt ist, den weltweit führenden Sicherheitsstandard aufgebaut zu haben, verzichtet man auf Kooperationen: Denn man kann es selbst — vermeintlich — ja sowieso besser.
Eine neue «alte» Kultur
Die Beobachtung ist wohl nicht ganz falsch, dass China in Xinjiang einen kulturellen Genozid betreibt. Während seines letzten Aufenthalts in Kaschgar, dem kulturellen Zentrum des alten uigurischen Xinjiang, hatte der Schreibende das Vergnügen, gegenüber einem grossen Park zu logieren. Pünktlich um sechs Uhr abends setzte jeweils für zwei Stunden eine lautstarke Beschallung ein: «Wo-o-o Shi Zhongguoren«.
Nein, das ist nicht Chinesisch für: «Wo Wo Wonige?». Sondern heisst: «Ich bin ein Chinese» (Lit. «Ich bin eine China-Person«). Dies sollte den dort ansässigen Uiguren auf diese Art und Weise nachdrücklich in Erinnerung gerufen werden. Als der Schreibende zum Betreiber des Hostels — ein gebürtiger Kantonese aus dem Süden Chinas — meinte, jetzt könne er sich ja die Reise nach Nordkorea getrost sparen, verdrehte dieser nur resigniert die Augen.
Aber kulturelle Sensitivität ist in China sowieso nicht angesagt. Wird die kulturelle Tradition der Uiguren schlecht und einfach ignoriert und an den Rand gedrängt, so baut die Regierung für den Rest Chinas aus historischen Versatzstücken eine «neue alte Kultur» auf, so dass man am Schluss nicht mehr weiss, was wirklich historisch und was bloss vorgetäuscht historisch ist.
Wir Heuchler!
Doch auch hier gilt natürlich: Gefallen muss es vor allem den Bewohnern Chinas — und nicht dem Westen. Hier sollte der Westen dringend einmal vom hohen Ross heruntersteigen. Und wir sollten auch einmal aufhören, uns vorspielen, dass wir die Chinesen bloss aus verkappter Nächstenliebe in den Fabriken für uns schuften lassen. Stichwort: «Wandel durch Handel«.
Wäre ja zu schön, wenn wir dadurch nicht bloss billig zusammengebaute iPhones erhalten, sondern den Chinesen gleich auch noch Freiheit und Demokratie bringen.
Die Repressionsstrategie der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), nicht nur in Sachen Terror, brauchen wir uns hingegen ganz sicher nicht zum Vorbild zu nehmen. Die Paranoia eines sich selbst verselbständigenden Staats- und Parteiapparats taugt, selbst wenn sie in gewissen Punkten Erfolge feiert, nicht als Blaupause für eine freiheitliche Gesellschaft. Die Pandemie-Bekämpfung in China sollte das eigentlich deutlich genug vor Augen geführt haben.
https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg 0 0 redaktion@zackbum.ch https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg redaktion@zackbum.ch2023-10-18 05:00:282023-10-18 09:00:04Ein Breitband-Antibiotikum namens KPCh
René Zeyer

Corona is back!

13. September 2023/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Entspannung auf den Redaktionen. Ukraine bekommt Konkurrenz.

Bislang fiel es nur Einzelnen auf, so der unermüdlichen Corona-Kreische Marc Brupbacher. Aber inzwischen erreicht es auch Qualitätsorgane wie «watson»: die Pandemie ist zurück. Die Seuche. Wenn sie uns schon das letzte Mal nicht alle ins Grab brachte, dann vielleicht diesmal?

Himmel, hilf. Nein, falsch, in solchen Zeiten ist es höchste Zeit für den Ratschlag des Fachmanns. Fast wäre man verleitet zu sagen, dass unsere Leichen noch leben. Aber das wäre natürlich unfair gegenüber einem der grossen Kriegsgewinnler bei Corona, Part I. Da schob sich nämlich in der Schweiz ein vorher völlig unbekannter Forscher plötzlich in die Pole Position und überstrahlte seine vielen Mitbewerber mit unermüdlichen Medienauftritten.

Wie ein Virus setzte er sich auf jedes Mikrophon, jede Kameralinse, infizierte unzählige Wortbeiträge. Mit dem Abklingen der Pandemie wurde es auch deutlich ruhiger um ihn. Aber dank der neuen Variation des Virus können wir aufatmen (natürlich nur hinter einer Mundmaske): Marcel Salathé is back!

Wir fragen uns natürlich: und wo ist Emma Hodcroft, die mit den Waffen einer Frau kämpfte und auch zum Inventar gehörte? Was ist mit Christian Althaus, der damals den Wettbewerb «wer sagt die meisten Toten voraus?» haushoch gewann? Nun, sie werden sich sicherlich noch melden.

Aber zurzeit gehört die Bühne Salathé:

Er gibt sich nun aber geläutert, was Zukunftsprognosen betrifft: «Die einzige Aussage, die ich mit grosser Sicherheit wage zu machen, ist, dass wir vom Coronavirus noch viel Neues erwarten dürfen.» Um zu einer solch luziden Erkenntnis zu kommen, muss man natürlich studiert haben und Professor an der ETH sein.

Leider bedeutet das, dass er für das Interview nicht allzu viel hergibt: «Aber ob das in absehbarer Zeit passiert, in zehn oder hundert Jahren, das lässt sich unmöglich sagen … Es ist noch früh, darüber gesicherte Aussagen zu treffen … Das kann man nicht abschätzen – es gibt zu viele unbekannte Faktoren.» Blöd auch, man spürt den Frust des Interviewers. Der steigt fast ins Unermessliche bei der Antwort auf die Frage, ob sich der Epidemiologe denn nun wieder impfen – vornehm «boostern» lasse: «Ich werde dieses Jahr wahrscheinlich darauf verzichten. Ich impfte mich bereits dreimal gegen das Coronavirus und fing mir insgesamt schon drei natürliche Infektionen ein.»

Das ist natürlich alles bedenklich frei von Endzeitstimmung. Aber bevor der Interviewer das Gespräch frustriert abbricht, hat Salathé noch ein Zückerchen parat, eine technologische Entwicklung, «die mir allerdings Bauchschmerzen bereitet.»

«Erzählen Sie», japst der Interviewer begeistert.

«Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber wir unterschätzen, wie einfach es in zehn oder zwanzig Jahren sein wird, neue und gefährliche Erreger im Labor heranzuzüchten.»

​Immerhin, ein Teufel ist da, wunderbar. Dann noch leicht Kritisches im Rückblick: «Es ist kein Geheimnis, dass die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Behörden nicht optimal verlief.»

Ds ist nun sehr vornehm ausgedrückt; die Task Force des Bundesrats verselbständigte sich und meinte, öffentlich allen haftungsfreie Ratschläge erteilen zu dürfen, sie wurde zum Ego-Booster für die beteiligten Wissenschaftler, die endlich auch mal einen Platz an der Sonne der öffentlichen Aufmerksamkeit erobern wollten.

Bei so viel Bescheidenheit gönnt die «Aargauer Zeitung», von wo «watson» das Interview übernommen hat, dem Wissenschaftler noch einen staatsmännischen Abgang: «Es ist schliesslich meine Pflicht als Wissenschafter und Bürger, mich mit meinem Wissen einzubringen.»

Da sind wir mal gespannt, wie der anschwellende Bocksgesang der von medialer Aufmerksamkeit längere Zeit depravierten Wissenschaftler sich zukünftig gestalten wird. Unsere sichere Prognose: mit so zurückhaltenden Worten gibt es da bald keinen Blumentopf mehr zu gewinnen. Alarmschreie, Todesgekreische, wilde Forderungen nach Zwang, Maskenschutz, Impfen, Separieren müssen her. Die Warnungen vor einem zusammenbrechenden Gesundheitssystem, überlasteten Notfallstationen, über Kämpfe um Atemgeräte müssen endlich wieder kommen. Wann wagt es der Erste, über Leichenberge vor den Spitälern zu fantasieren?

Diesmal kann man einfach in den Fundus vom letzten Mal greifen, das ist doch nicht so schwierig.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/07/Corona7.jpeg 404 563 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-09-13 05:30:292023-09-13 08:17:08Corona is back!
René Zeyer

Es darf erinnert werden

16. Juli 2023/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Es ist die Wiederholung der Wiederholung. Was sollen Medien machen?

Wie heisst es so schön auf dem «Portal der Schweizer Regierung»? «Erstens: Medien sollen der Marktplatz für Meinungen und Ideen sein. Zweitens. Medien müssen Missstände aufdecken.» Daraus folgt das bittere Fazit: «Die Medien leisten heute nicht mehr, was für einen funktionierenden freiheitlichen und demokratischen Staat nötig wäre. Und damit wird es wirklich ernst: Denn so bröckelt der zentrale Pfeiler unserer Ordnung.»

Einverstanden? Wohl schon, von links bis rechts, von grün bis blau. Allerdings: diese Sätze stammen aus einer Rede anlässlich des Schweizer Medienkongresses in Interlaken im Jahr 2013. Es ist also zehn Jahre her, dass der damalige Bundesrat Ueli Maurer den Medien so ins Gewissen redete. Hoppla, da verabschieden wir uns wohl von dem linken Rand der Leserschaft, denn es kann ja nicht sein, dass ein SVP-Bundesrat mal was Richtiges sagt.

Nun war das völlig richtig, wie steht’s denn zehn Jahre später? Vielleicht sind wir uns wieder von links bis rechts einig: es ist noch viel schlimmer geworden. Die Staatshörigkeit der meisten Medien während der Corona-Krise ist unvergessen. Der gehässige, manchmal sogar hysterische und denunziatorische Ton gegen abweichende Meinungen, nein gegen diejenigen als Person, die abweichende Meinungen vertraten, ist unvergessen.

Es wurde nicht mehr argumentiert, sondern gekeift. Den «Corona-Leugnern», den «Verschwörungstheoretikern und Aluhut-Trägern» wurde nichts weniger unterstellt, als dass sie für den Tod von vielen Menschen, womöglich von Tausenden von Menschen verantwortlich seien – durch ihre unverantwortlichen Kritiken, durch ihre Skepsis über die Weisheit der staatlichen Zwangsmassnahmen.

Eigentlich ist es üblich, beispielsweise nach einem Ehestreit, wenn sich die Gemüter wieder beruhigt haben, dass man gemeinsam versucht, sich wieder anzunähern, eigenes Fehlverhalten einzuräumen, den anderen besser zu verstehen sucht und sich auch für Unangemessenes entschuldigt. Das führt dann meistens zu einer Fortsetzung der Ehe. Unbelehrbare Rechthaberei eher vor den Scheidungsrichter.

Genau gleich verhält es sich beim Verhältnis zwischen dem zahlenden Publikum und den Massenmedien. Genauer mit den Produkten von Tamedia, CH Media und Ringier. NZZ und «Weltwoche» sind Ausnahmen, die man hier vernachlässigen kann. Obwohl auch sie ihre unübersehbaren Schwachstellen haben.

Aber alles ist relativ. Der «Blick» zeichnete sich durch eine Standleitung zwischen dem hypochondrischen CEO Marc Walder und dem damaligen Gesundheitsminister Alain Berset aus. Bei Tamedia durften (und dürfen) Berserker wie Marc Brupbacher ungeniert wüten (zum Bundesrat: «völlig übergeschnappt»). Etwas gemässigter verhält sich immerhin CH Media. Dieser Verlag beteiligt sich aktuell auch nicht an der Hetze der Medienmeute auf den Sänger einer deutschen Kraftrockband.

Aber nehmen wir die Postulate von Maurer von vor zehn Jahren nochmals auf. Sind die Medien heute ein «Markplatz für Meinungen und Ideen?» Immer weniger; sie gleichen mehr dem Angebot in einem staatssozialistischen Laden. Es hat nur ein Produkt, und davon auch noch zu wenig. Marktplatz im Sinne des Aufeinanderprallens verschiedener Meinungen und Standpunkte? Der Ukrainekrieg von allen Seiten beleuchtet? Niemals, ausgeschlossen.

Ideen? In den zum Skelett heruntergesparten Redaktionen verbleiben nicht unbedingt die intellektuellen Überflieger, diejenigen, die Bildung mit elegant formulierter Argumentation und originären Einfällen verbinden. Sondern es findet eine Negativauswahl statt. Die Unauffälligen, Stromlinienförmigen bleiben. Neu und immer wichtiger wird, dass Pimmelträger schlichtweg durch dieses Organ schon benachteiligt sind. Wenn beispielsweise die Wahl bei Tamedia im Rahmen der 40-Prozent-Frauenanteil-Politik so aussieht: wir haben hier einen qualifizierten Kandidaten – und eine minderqualifizierte Frau. Was machen wir? Wir nehmen natürlich die Frau, dann muss man sich nicht wundern, dass eine Verluderung der Sitten und der Qualität einsetzt.

«Medien müssen Missstände aufdecken». Diese Aufgabe verlagerte sich in den letzten zehn Jahren zunehmend in das Ausschlachten von Hehlerware. Von anonym zugesteckten, gestohlenen Geschäftsunterlagen, mit denen dann willkürlich einzelne Personen an den medialen Pranger genagelt wurden. Die Medien als Staatsanwalt, Richter und Henker in einer Person. eine ganz üble Entwicklung im Gebiet der Aufdeckung von Missständen. Wobei solche in den Medien selbst niemals stattfinden. Zumindest niemals aufgedeckt werden.

Das damalige Fazit muss man dreimal unterstreichen: «Die Medien leisten heute nicht mehr, was für einen funktionierenden freiheitlichen und demokratischen Staat nötig wäre.»

Nun lautet das ewige Gejammer, vor und nach der verlorenen Abstimmung über eine zusätzliche Steuermilliarde für die so notleidenden Medien: weniger Inserate, weniger Einnahmen, mehr Konkurrenz im Internet, weniger zahlende Konsumenten, was sollen wir da machen?

Die Antwort ist, man kann es nicht oft genug wiederholen (weil es die Medienmanager ums Verrecken nicht kapieren wollen): ein Produkt anbieten, nach dem Nachfrage existiert. Statt ein Produkt anzubieten, nach dem immer weniger Nachfrage existiert und sich dann darüber bitterlich zu beklagen.

Wenn eine Schuhfabrik unbequeme Schuhe herstellt, deren Sohlen schnell abfallen, dann hält sich die Nachfrage in Grenzen. Normalerweise lernt die Schuhfabrik daraus – und verbessert ihr Produkt. Oder geht pleite. Es ist eher selten bis noch nie vorgekommen, dass die Schuhfabrik stattdessen sagt: gut, mangels Nachfrage müssen wir unser Produkt noch mehr verschlechtern – und gleichzeitig die gleichen Preise wie früher oder sogar noch höhere verlangen.

Ein solcher Irrwitz ist ausschliesslich und exklusiv den teuer bezahlten Lenkern der Medienhäuser vorbehalten. Sie bieten quantitativ und qualitativ Minderwertigeres an – zum gleichen Preis wie vor zehn Jahren oder gar zu einem deutlich angehobenen.

Es ist zu hoffen, dass Maurer damals mit seinem Fazit nicht recht hatte: «so bröckelt der zentrale Pfeiler unserer Ordnung.» Offensichtlich muss die Zivilgesellschaft Alternativen für die sogenannte Vierte Gewalt finden, wie wir sie bislang kannten. denn statt Gewalt zu sein, vergewaltigt, verärgert und vergrault sie ihre Konsumenten. Unbelehrbar. In ihrer Ukraine-Berichterstattung verfällt sie in die gleichen Verhaltensmuster Wie bei der Pandemie.

Maurer hat sich von der Regierung verabschiedet. Die Medien sind noch im Verabschiedungsprozess.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Sonntag_Header.jpeg 313 683 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-07-16 05:00:382023-07-16 09:17:34Es darf erinnert werden
René Zeyer

Doppelwumms: Denis von Burg

23. Januar 2023/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Wir ahnten es. Sonntag, Tiefflieger unterwegs.

«Die Empörung über die Corona-Leaks ist heuchlerisch», haut der Chef der Bundeshausredaktion von Tamedia seinen Kollegen vom Tagi eins in die Fresse. Aber natürlich meint von Burg nicht die, sondern vor allem Politiker von der SVP. Wir wollen ihn auf diesem argumentativen Tiefflug nicht begleiten.

Denn es gibt Dialektik und es gibt Dadaismus: «Solche Interna aus dem Bundesrat gehören zum System und tun diesem zuweilen gut.» Immerhin: von Burg bleibt sich treu. Gesetze, das Amtsgeheimnis, Vertraulichkeit, scheiss drauf, meint der Ignorant des Rechtsstaats.

Zur Schande des Journalismus wurde von Burg hiermit:

Eine weitere Duftmarke:

«Impfgegner und -trödler verlängern mutwillig oder fahrlässig die Pandemie und gefährden andere. … Mit der Rücksicht auf esoterische oder ideologische Impfverweigerer und rücksichtslose Trödler muss Schluss sein. … Das Tabu Impfzwang, sei er direkt oder auch nur indirekt, muss jetzt fallen.»

Diese Sprache hat etwas Martialisch-Totalitäres. Hier wird nicht argumentiert, hier wird dekretiert. Abgesehen davon, dass all diese Behauptungen von der angeblichen Gefährlichkeit Ungeimpfter und des Schutzes durch Impfung längst widerlegt sind: hier schrieb ein sich als Antidemokrat, als Verächter des Rechtsstaats outender Amok, der doch tatsächlich einen Bundesrat dazu aufforderte, sich über geltende Gesetze hinwegzusetzen.

Nun könnte man einen solchen hysterischen Anfall noch verzeihen, wenn sich der Autor bei Gelegenheit öffentlich dafür entschuldigt hätte. Tut er aber nicht. Stattdessen wirft er vom hohen Ross der arroganten Rechthaberei weiter mit Werturteilen um sich und bezeichnet es als «Heuchelei», wenn die Instrumentalisierung eines Medienkonzerns durch einen Bundesrat kritisiert wird.

Dass Tamedia ihn weiter schreiben lässt, ist hingegen keine Heuchelei. Es ist schlimmer: eine Dummheit.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-01-23 05:30:442023-01-22 11:07:49Doppelwumms: Denis von Burg
Seite 1 von 6123›»

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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