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Bundeshaus im Sturm

Ist Trump überall? Was geschah in der Nacht zu Bern? Ein Sturm im Wasserwerferglas?

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Berset, Amtsmissbrauch, Staatsaffäre? I wo, es gibt Schlimmeres. Nämlich demonstrierende Corona-Skeptiker. Leugner, Aluhutträger. Verschwörungstheoretiker. Gewaltbereite Staatsfeinde. Erst noch Tausende davon versammelten sich am Donnerstagabend zu einer unbewilligten Demonstration in Bern.

Normalerweise sieht man dann solche Fotos:

Hoppla, das obere stammt von einem der Krawalle vor der Berner Reitschule.

Wie man aber auf dem unteren Foto sieht, gab es ernsthafte Versuche, das Bundeshaus zu stürmen. So sieht das zumindest der «Blick».

Im Thurgau gelungen, zu Bern verhindert.

Brechen in der Schweiz nun auch amerikanische Verhältnisse aus? «Sturm aufs Bundeshaus», das liegt brandgefährlich nahe beim «Sturm aufs Kapitol». Wir erinnern uns: nach seiner Wahlniederlage stimulierte der Loser Donald Trump seine Anhänger dazu, zum Kapitol zu marschieren. Was dann dort geschah, das wollte er natürlich nicht verantworten.

Ist es nun in der Schweiz auch so weit? War das der erste, untaugliche Versuch, Hand an das Symbol der Schweizer Demokratie zu legen? Gehen geistig verwirrte Coronaleugner den gleichen Weg wie enthemmte Trump-Anhänger? All diese Fragen stellen sich die Mainstream-Medien schreckensbleich.

Auch Tamedia befürchtete das Schlimmste.

Für ein Mal fasst «watson» die der Massendemonstration folgende verbale Aufrüstung gut zusammen:

Dem «Blick» ist es zudem gelungen, einen Hintergrund zu den Ausschreitungen auszuleuchten:

Wir fragen uns: haben denn wieder die «Freiheitstrychler» des Grauens die Massen aufgepeitscht, möglicherweise angeführt von Bundesrat Maurer? Musste die Sondereinheit Tigris der Bundespolizei eingreifen? Man weiss nichts Genaues, aber das hier ist dokumentiert:

War das der Anfang der Ausschreitungen?

Können wir wieder eine Linie ziehen:

Lärm von Kuhglocken – Ueli, der Treichler – Gewalt und Chaos vor dem Bundeshaus – Sturm auf die Bundeskuppel?

Aber immerhin, diesmal setzt CH Media die richtigen Prioritäten, muss lobend erwähnt werden:

Das «Tagblatt» verknüpft die Ostschweiz mit dem Triumphbogen in Paris.

Aber zurück zur Nacht des Grauens; wie war es denn wirklich in Bern? Schliesslich haben doch die grossen Medienkonzerne allesamt Bundeshausredaktionen. Das gehört schliesslich zur Grundversorgung mit Informationen, dafür müssen die Verlegerclans dringend eine weitere Subventionsmilliarde erhalten. Die sind doch sicherlich alle ausgeschwärmt, um die Schweizer Bevölkerung mit Informationen aus erster Hand zu versorgen.

Im Prinzip ja. In der Praxis zitiert der «Blick» einen «SDA-Reporter», der offenbar mutterseelenallein vor Ort war. Alles andere wurde in den Verrichtungsboxen im Newsroom aus dem Internet gesaugt. Das ist der Qualitätsjournalismus von heute.

Wie endete dann die Krawallnacht? Nun, ungefähr so:

Pardon, das ist schon wieder ein Foto einer Krawallnacht der friedliebenden Anhänger der Berner Reitschule.

Die Wüste bebt

Neben dem Aufschrei über Basel bleibt noch Platz für Nachtreten gegen den «Club».

Sehr zum Missbehagen der Rechthaber-Fraktion beim «Tages-Anzeiger» hatte es der «Club» gewagt, auch kritische Stimmen zum Thema Coronabekämpfung zu Wort kommen zu lassen. Dazu äusserte sich bereits die Rechthaber-Kreische Linus Schöpfer in aller arroganten Voreingenommenheit.

Bei der Blattkritik mag vielleicht ein todesmutiger Mitarbeiter eingewandt haben, dass man es bei einer solchen unqualifizierten Niedermache nicht belassen könne. Wobei er sicherlich nicht unqualifiziert sagte.

Also fasste Jacqueline Büchi die Aufgabe, nachzuarbeiten.  Leider sind dem Impressum keine weiteren Angaben zu ihrer Befähigung zu entnehmen; sie scheint sich ansonsten aber eher im Bereich Corona-Berichterstattung zu bewegen. Dabei hat sie sich zur Lieblingsinterviewerin von Marcel Salathé entwickelt. Aber im Impressum sind auch Claudia Blumer oder Salome Müller aufgeführt, seine Genauigkeit lässt genauso zu wünschen übrig wie der weitere Inhalt der Qualitätszeitung.

Der Tagi rät: überhaupt nicht.

Wer darf mit wem reden?

Nun widmet sich Büchi der Frage: «Sollen Medien überhaupt mit Corona-Skeptikern reden?» Weder ihr selbst noch allen, die am Wegesrand dieser Ungeheuerlichkeit bis zur Publikation standen, ist offenbar aufgefallen, was mit dieser Frage impliziert ist. Spielt nicht mit Schmuddelkindern, redet nicht mit Atheisten, bietet Rechten keine Plattform, saugt den Sauerstoff aus der öffentlichen Debatte.

Ein Artikel, der ins Bilderbuch ausgewählter Stücke von Brachial-Demagogie gehört. Schon der Einstieg ist von ausgesuchter Bösartigkeit: «Bald wird im SRF diskutiert, ob die Erde rund ist»; das habe ein Neurowissenschaftler nach dem «Club» über «Corona und die Kritiker und Kritikerinnen» getwittert. Blödköpfe mit Blödmeinungen in der Glotze, Wissenschaftler regt sich auf.

Danach, wie man’s am MAZ lernt, «er war nicht der Einzige, der sich an der Gästeliste der Sendung störte». Ein Beispiel, Aufschwung ins Allgemeine, die Fronten sind geklärt. Gab’s auch Zuschauer, die das anders sahen? Unerheblich, passt nicht zur demagogischen These.

Nächster Kniff: nun fragen wir uns selbstkritisch, ob der Vorwurf der «false balance» denn gerechtfertigt sei. Dafür genügt natürlich die Meinung Schöpfers nicht, der Fachmann muss ran. Genauer die Fachmännin, Pardon, die Fachfrau Ariane Tanner. Denn die hat sich bei der Debatte um «false balance» mit mehreren Auftritten in eine Pole-Position begeben, also muss sie auch hier zitiert werden: «Wenn man drei Corona-Skeptiker einem Infektiologen und einem Politiker gegenüberstellt, ist man bereits in die Falle der False Balance getappt.»

Leider teilt uns Historikerin Tanner nicht mit, wie viele Infektiologen oder Politiker es denn bräuchte, um ein richtiges Gleichgewicht herzustellen. Da greift aber auch schon die Taschenausgabe eines Intellektuellen ein:

«Auch der Kommunikationswissenschaftler Marko Ković findet, die SRF-Sendung sei «ziemlich in die Hose gegangen»».

Wir haben uns schon mit dem Herrn befasst; hier bewundern wir das wissenschaftliche Niveau seiner Formulierung. Bei der Auswahl dieser beiden Fachkräfte von einer «false balance» zu sprechen, wäre natürlich völlig verfehlt. Denn nun zieht Büchi die Schraube an. Zuvor wurde noch geschwurbelt, dass man die Meinung von Corona-Skeptikern nicht ausblenden dürfe, die seien immerhin referendumsfähig, also gefährlich.

Aussagen mit menschenverachtenden Zügen

«Doch was, wenn Aussagen verbreitet werden, die menschenverachtende Züge annehmen? Michael Bubendorf von den Freunden der Verfassung sagte im «Club», dass er die Massnahmen selbst dann noch ablehnen würde, wenn 80 Prozent der Erkrankten an Corona sterben würden.»

Ein weiterer Griff in die Schublade der Demagogie-Trickkiste, der Autor liefert eine Vorlage, die «Wissenschaftler» dürfen zubeissen:

«Für Historikerin Ariane Tanner ist klar: «Eine solche Aussage hat in einer Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen.» Wenn SRF einem Gast wie Bubendorf schon eine Plattform gebe, müsse das Moderationsduo hier zwingend einschreiten und die «sozialdarwinistische Aussage» als solche benennen. «Fehlt diese Einordnung, dann erfüllt der Journalismus seine Informationsaufgabe nicht.»»

Messen wir den Artikel abschliessend an seinen eigenen Massstäben. Wenn Tamedia zwei Gästen wie Tanner und Kovic schon eine Plattform gibt, dann müsste dringend Platz für Gegenmeinungen geschaffen werden. Aber auch beim Tagi greift weder das Moderatorenduo der abgehalfterten stellvertretenden Chefredaktoren ein, noch der Oberchef Arthur Rutishauser. Hier darf gebelfert, einäugig, einseitig, unfair, unqualifiziert abgeurteilt und besserwisserisch zurechtgewiesen werden.

Wo bleibt die Gegenmeinung, die Debatte?

Gegenmeinungen, Pluralismus, Debatte, echte Auseinandersetzung? Sollen Redaktoren überhaupt auf andere Meinungen als ihre eigenen eingehen? Vielleicht im Sinne des Konsumenten, der gerne mal etwas anderes als die Befindlichkeiten der Schreiber und ihr Echo bei dazu ausgewählten Fachleuten lesen möchte? Damit er einen Grund sieht, für den Konsum weiterhin etwas zu bezahlen?

Ach was, sagen sich die Tagi-Redaktoren, lieber über die garstigen Zeiten jammern, das eigene Haus wüst kritisieren, sich um gendergerechte Sprache kümmern – als der eigentlichen Aufgabe nachgehen: geistige Nahrung zu liefern. Aber woher nehmen, in der Wüste.

 

Corona-Leugner gegen Zeugen Coronas

Eigentlich sind sogar Zeitungen farbig. Ausser bei Corona.

Der Medienchoral, der unablässig Hosianna sang, wenn die BAG-Schlafpille Daniel Koch oder der fach- und sachfremde Gesundheitsminister Alain Berset etwas von sich gaben, hat sich aufgelöst.

Die eine oder andere Kritik an der Weisheit von Beschlüssen der Obrigkeit oder an mit wissenschaftlichem Gestus vorgetragenen Befürchtungen sind erlaubt. Aber ansonsten sind die Meinungen in den Leitmedien gemacht.

Gibt es wirklich Corona-Leugner?

Drei Dinge sind sicher auf dieser Welt: Donald Trump ist auch bei der Pandemie ein Vollversager. Der «schwedische Weg ist gescheitert», wusste schon Ende Juni der Corona-Kenner aus dem Hause Tamedia. Also eigentlich der Auslandredaktor Sandro Benini.

Aber wenn darüber vielleicht noch diskutiert werden könnte, allerdings nicht ergebnisoffen, bitte schön, eines ist unumstösslich: Es gibt Corona-Leugner. Und die haben einen Sprung in der Schüssel. Tragen zu Hause oder sogar öffentlich einen Aluhut. Glauben daran, dass es eine weltweite Verschwörung der Reichen gibt. Oder an UFOs.

Neigen auch durchaus zu Rechtsradikalismus, glauben auch an Homöopathie und andere obskure Heilungswege. Aber sie leugnen, dass es eine Pandemie namens Corona gibt. Sie sind allerdings auf ihrem Irrweg brandgefährlich. Deshalb ergibt das Suchwort «Corona-Leugner» in den letzten sechs Monaten sagenhafte 330’000 Treffer im Medienarchiv SMD.

Mehr Treffer für Corona-Leugner

Selbst «COVID-19» stinkt mit 213’000 Treffern dagegen ab. Was komisch ist: Ich kenne keinen einzigen Corona-Leugner. Ich kenne auch keinen, der einen kennt. Ich kenne nicht mal einen, der einen kennt, der einen kennt.

Aber vielleicht kann ich diese Lücke am Samstag schliessen. Da ist anscheinend eine Demonstration der «Corona-Skeptiker» angekündigt, wie der «Tages-Anzeiger» etwas abtemperiert schreibt. Das ist immerhin ein neuer Begriff, nachdem auch Tamedia das idiotische Wort vom Corona-Leugner in den letzten 6 Monaten über 4500 Mal verwendte.

Also ist das nun gut, ein Ausdruck demokratischer Meinungsvielfalt, das Ausüben eines Grundrechts, indem man demonstriert? Nun ja.

Framing ist auch bei Corona alles

Es besteht doch Anlass zur Sorge. Denn zunächst einmal gibt es zwei «Stargäste» an dieser Demo. Zum einen Comedian Marco Rima, der sich allerdings schon «bei Schawinski selbst demontierte».  Und Andreas Thiel, der sich «auch mit Talkmaster Schawinski öffentlich gestritten» habe. Dass damals das Thema überhaupt nichts mit Viruserkrankungen zu tun hatte, was soll’s.

Was Tamedia aber von den deutschen Kollegen gelernt hat, die fast die gesamte Auslandberichterstattung bestreiten: Framing ist alles, wer den Luftkampf um die verbale Etikettierung gewinnt, ist Sieger. Deshalb wird in Deutschland bei jedem Bericht über eine Demonstration gegen die Corona-Politik der Regierung darauf hingewiesen, dass sich unter den oft hunderttausend Teilnehmern auch Rechtsradikale, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und überhaupt verantwortungslose Irre befänden.

Zweifelhafte Organisatoren, zweifelhafte Absichten

Organisiert wird die Demonstration in Zürich vom «Bürgerforum Schweiz», zusammen mit «weiteren Corona-skeptischen Gruppen und Impfgegnern». Schlimmer noch: Dessen Präsident Daniel Regli sei «als Gemeinderat mit homophoben Aussagen aufgefallen» und tue sich ebenfalls bei «Antiabtreibungs-Demos» hervor, weiss der «Tages-Anzeiger».

Das mag ja alles so sein, nur: Was hat das mit dem Ausüben eines urdemokratischen Rechts zu tun? Nämlich gegen eine vermeintlich falsche, schädliche Regierungspolitik zu demonstrieren? Wieso sind das dann Corona-Skeptiker, gar Leugner? Das ist so absurd wie der Begriff Kreml-Kritiker. Oder Umweltsünder. Oder Klimaleugner.

Eine ganze Nomenklatur falscher Begriffe

Niemand, der alle Tassen im Schrank hat, ist skeptisch, dass es ein COVID-19-Virus gibt. Geleugnet wird es erst recht nicht. Wenn ein Oppositioneller in Russland ein Kreml-Kritiker ist, wieso gibt es dann in der Schweiz keine Bundeshaus-Kritiker? Oder in Deutschland Reichstags-Kritiker? Ist jede Form von unachtsamem Umgang mit der Umwelt gleich eine Sünde? Bedeutet jede abweichende Meinung zu Klimafragen, dass da jemand das Klima leugnet?

Werden sich also am Samstag in Zürich nur homophobe, sich selbst schon öffentlich bei Schawinski demontiert habende Verschwörungstheoretiker, Corona-Skeptiker, gar Corona-Leugner, allenfalls auch Abtreibungsgegner, Fremdenfeinde, Rassisten, Hetzer, mit einem Wort: Vollirre versammeln?

Und muss nicht jeder, der nicht in diese Gesellschaft geraten will, die Teilnahme tunlichst meiden? Oder ganz einfach gefragt: Ist das die Art von Berichterstattung, die einer Monopolzeitung ansteht, die doch behauptet, mangels anderen Plattformen offen für Divergierendes zu sein, zudem nach hohen Standards des journalistischen Handwerks zu berichten?

Aber vielleicht ist man dann ein Zeitungsleugner, wenn man nur schon diese Frage stellt.