Nordkorea bei der «Republik»
Fehlt nur der Haarschnitt von Kim Jong-un.
Während der ehemalige Star- und heutige Vielschreiber Constantin Seibt die unendlichen Weiten des Weltalls durchpflügt, fanden in der Genossenschaft «Republik» Wahlen und Abstimmungen statt.
Mit der ewig gleichen launigen Anrede «Sehr geehrte Frau Verlegerin, Sehr geehrter Herr Verleger and everybody beyond!» gibt das Organ der korrekten Lebens- und Denkart die Resultate bekannt.
Mit Selbstironie hat es die «Republik» nicht so, dafür ist die Lage zu ernst. Sonst wäre ihr aufgefallen, dass diese Meldung brüllend komisch ist.
Zunächst lag die Wahlbeteiligung bei lachhaften 3471 «Mitgliedern». Das wären 13,35 Prozent von «aktuell rund 26’000 Mitgliedern», wie der NL vermeldet.
Etwas anderer Meinung ist das Cockpit des Organs der absoluten Zahlensicherheit:

Davon wären es noch 11,9 Prozent. Aber ist ja eigentlich wurst, oder nicht?
Das wäre in Nordkorea nie passiert, dort arbeitet man daran, dass die Wahlbeteiligung endlich mal bei über 100 Prozent liegt.
Näher an Nordkorea sind allerdings die Abstimmungsergebnisse.
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«Der Geschäftsbericht inklusive Konzernrechnung wurde mit 3194 zu 7 Stimmen angenommen.
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Die Jahresrechnung von Project R wurde mit 3139 zu 9 Stimmen genehmigt.
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Der Vorstand wurde mit 3160 zu 11 Stimmen entlastet.
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Die neue Revisionsstelle wurde mit 2926 zu 39 Stimmen bestätigt.
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Die aktuelle Höhe der Mitgliederbeiträge wurde mit 3220 zu 18 Stimmen bestätigt.»
Alleine die Revisionsstelle müsste sich fragen, wieso sie denn so viele Gegenstimmen erhalten hat. Vielleicht, weil sie sich unbeliebt macht, indem sie immer wieder verklausuliert darauf hinweist, dass die «Republik» eigentlich die Bücher deponieren müsste, so überschuldet wie sie ist.
Allerdings haben zwei reiche Erben mit tiefen Taschen Rangrücktritt bei ihren Darlehen erklärt – oder mit anderen Worten klargemacht, dass sie davon ausgehen, dass das Geld sowieso futsch ist.
Etwas gewagt erscheint allerdings dieses PS, wie immer in einer ellenlangen Reihe von Nachschriften:
«Einen Stressfaktor können wir Ihnen jetzt schon abnehmen: Die Suche nach dem richtigen Geschenk. Ein «Republik»-Abo können Sie guten und schlechten Bekannten gleich herzlich überreichen. Es verstaubt nicht und verursacht keinen Müll. Und Sie unterstützen unabhängigen Journalismus.»
Dass das Abo nicht verstaube, ist eine kühne Behauptung. Da so viele «Verleger» sich zwar aus Solidarität eins leisten, aber niemals in die ermüdend langen Sprachdurchfälle eintauchen, die hier Artikel genannt werden. Vielleicht verursacht es keinen Müll, enthält aber solchen in Überfülle.
Und unabhängiger Journalismus? Unabhängig von Qualitätsstandards, Ausgewogenheit, Lesbarkeit und origineller Information.
ZACKBUM möchte ein letztes Mal auf die naheliegenden Lösung für diese Misere, diese Agonie hinweisen. Denn es gibt ja ein zweites Organ, das unter ähnlichen Problemen leidet. So wie sich der Blinde und der Lahme gegenseitig helfen können, könnte doch eine Fusion zwischen «Republik» und «Nebelspalter» die Lösung für zwei dahinsiechende Organe sein.
Die schreibende Schmachtlocke und der Fehlanalytiker vom Dienst könnten sich, unter Beizug einer Quotenfrau, die Führung teilen. Somm hat etwas mehr Erfahrung im Rausschmeissen, dafür befleissigt sich Binswanger mehr eines staatstragenden Orgeltons.
Kleine ideologische Differenzen, nun ja, da würden dann die rund 50 «Republik»-Nasen den paar «Nebelspalter»-Nasen kräftig Saures geben.
Natürlich bräuchte es auch einen neuen Namen, der diese Fusion widerspiegelt. Da drängen sich «Republikspalter» oder «Nebelrepublik» auf.
Das Sahnehäubchen: ZACKBUM verlangt keinen roten Rappen für diese durchdachte Lösungsstrategie.











