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Tamedia im Tiefschlaf

Angriff Israels und der USA auf den Iran: ist da was?

Die NZZ, der «Blick», «20Minuten», CH Media, «blue news», auch «nau.ch» vermelden am frühen Samstagmorgen: «Israel greift Iran an». Das ist möglicherweise der Anfang eines neuen Krieges.

Für den Qualitätsblattkopfsalat Tamedia kein Grund, aus dem wohlverdienten Tiefschlaf zu erwachen. So sah die Homepage noch vor 8.06 h aus:

Eine dreiteilige Serie, gut abgehangen, damit machen die Blätter an der Werdstrasse auf. Am Samstag ruht die normale Redaktion; da arbeitet nur die Rumpfmannschaft der «SonntagsZeitung», insofern das Blatt nicht schon im Verlauf der Woche vorproduziert wurde.

Aber dann, lass niemals eine breaking news ein stolzes, selbstgebasteltes Stück verdrängen, hängt auch Tamedia um 8.07 h die Neuigkeit rein, belässt die Serie aber weiterhin zuoberst:

Tamedia schreibt – wie die anderen auch – Tickermeldungen von DPA, Reuters, AFP und so weiter ab. CNN hat schon längst Live-Aufnahmen auf seiner Webseite, natürlich auch die grossen angelsächsischen Zeitungen.

Sogar die alte Tante nimmt eine Sonderfarbe aus dem Regal und traut sich für ihre Verhältnisse ein Riesenbild zuoberst:

 

Nun ist «Der Arzt, der sich zu Tode arbeitete» ein Rührstück, auf das Catherine Boss und Thomas Knellwolf offensichtlich furchtbar stolz sind.

Allerdings ist der Angriff wieder mal ein Ereignis, das die gestern Nacht abgeschlossenen Printausgaben alt aussehen lässt, wenn sie noch druckfrisch in den Briefkästen lagern.

So sieht zum Beispiel das aus, das der Kopfblattsalat seinen Print-Lesern am Samstagmorgen servierte:

Die Studie über Instagram-Werbung staubt so richtig vor sich hin, und das angeblich künstlerisch bearbeitete Patina-Foto des Arztes verleiht der Frontpage den Groove von alter Möbelpolitur.

Dafür kann natürlich keiner was, das ist halt die Tragik einer eigentlich obsolet gewordenen Methode, Nachrichten zu distribuieren.

Die NZZ hingegen landet einen Glückstreffer, denn selbst God Almighty Eric Gujer konnte nicht ahnen, als er seinen grossen Welterklärungskommentar schrieb, dass er mit seiner Prognose genau richtig liegt:

Die NZZ nimmt sogar den sich anbahnenden Krieg zwischen Pakistan und den Taliban gross mit, womit die These widerlegt wäre, dass Zeitungen normalerweise nur einen Kriegs aufs Mal auf die Reihe kriegen.

Da hat es schon etwas Verschmocktes, wenn der Tagi unerschütterlich an seiner Eigenproduktion festhält; nochmals in aller Schönheit:

Allerdings bedient auch die «Berner Zeitung» aus dem gleichen Hause einige Vorurteile, die man gegen die Bewohner dieses Kantons hat:

 

Und natürlich, der Fluch des Verschiebebahnhofs einer Zentralredaktion, wo Artikel wie Legosteine zusammengestöpselt werden, muss auch die «Basler Zeitung» zuoberst etwas Lokales abfeiern:

Während aber ansonsten CH Media dem Lokalen frönt, hat man hier die Bedeutung des Ereignisses richtig eingeschätzt:

Wahrscheinlich war Qualitätspapst Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten bei Tamedia, nach seiner Qualitätssteigerung bei der Behandlung der SRG-Initiative so erschöpft, dass er hier nicht schon wieder eingreifen konnte. Dass dieser Konzern immer noch ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Meinungsbildung ist, Zürich, Bern und Basel beschallt, dabei immer deutlicher zu erkennen gibt, dass ihm journalistische Professionalität schnurzegal ist, ein Trauerspiel. Oder sagten wir das schon.

Medienpranger

Das Weisse Haus will gegen Fake News vorgehen. Mit Fake News.

Präsident Trump pflegt eine zunehmend vulgäre und despektierliche Sprache gegenüber Journalisten («Schweinchen, dumm, hässlich»). An inhaltlicher Kritik hat er nicht viel zu bieten oder täuscht sich. Oder lügt, je nachdem.

Nun hat das Weisse Haus eine neue Webseite aufgeschaltet. «Irreführend, voreingenommen, entlarvt», verkündet sie. Sie nagelt einzelne Publikationen ans Kreuz und will vorführen, wie die «Feinde des Volkes» (Trump über missliebige Journalisten) ihm mit Falschmeldungen schaden wollen.

Schlimmer erwischt’s im Moment nur die SomalierAbschaum, Müll»).

Es ist durchaus so, dass bedeutende linksliberale Zeitungen oder auch CNN kaum ein gutes Haar an allem lassen, was Trump tut oder unterlässt. Ein Echo davon findet man in der USA-Berichterstattung von Tamedia, die der Qualitätskonzern von verbitterten Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung» übernimmt. Die haben sich bis heute nicht davon erholt, dass die US-Stimmbürger so blöd sind, Trump gleich zweimal zum Präsidenten zu wählen.

Obwohl sie ihnen doch eindringlich davon abgeraten hatten.

Eine Stichprobe ergibt allerdings, dass Trump angebliche Fake News mit Fake News bekämpfen lässt.

CNN und andere Medien sollen eine «Straftat» begangen haben, indem sie über «eine gerichtlich genehmigte Strafverfolgungsmassnahme» berichteten, «die in einer Fabrik in New York stattfand, wobei Formulierungen wie „verängstigt“ und „terrorisiert“ verwendet wurden, um die Strafverfolgungsbehörden zu dämonisieren und ein Unternehmen, das Straftaten begangen hatte, zum Opfer zu machen.»

Das läuft unter den «Kategorien voreingenommen und links-irr». Die «Wahrheit» sei: «CNN verunglimpfte legale Strafverfolgungsmassnahmen anstatt eines Unternehmens, das amerikanische Steuergelder nutzte, um illegale Einwanderer zu beschäftigen.»

Die Wirklichkeit ist, dass in den entsprechenden Artikeln die Besitzer dieser Fabrik zu Wort kamen, die berichteten, dass ihre Angestellten verängstigt seien, nachdem von 220 Mitarbeitern über 70 durch 50 teilweise vermummte ICE-Agenten abgeführt wurden. Teilweise wurden sie anschliessend wieder freigelassen, einigen soll es nicht erlaubt worden sein, ihre Papiere, die den legalen Status belegen würden, aus dem Auto zu holen.

Die Wirklichkeit ist, dass die Firma tatsächlich staatliche Unterstützung à fond perdu erhalten hat, um Lohnzahlungen zu garantieren. Allerdings war das keineswegs damit verknüpft, «Amerikaner» anzustellen («intended to be used by the company to employ Americans»).

«„Wir sind entsetzt, es gibt keine Erklärung“, sagte Lenny Schmidt»,

wird einer der beiden Besitzer zitiert. Beide unterstreichen: «Ihre Einstellungspraktiken und -standards entsprächen vollumfänglich dem Bundesrecht. Sie versicherten, alle Mitarbeiter verfügten über die erforderlichen Arbeitserlaubnisse.»

Die ICE und weitere zuständige Behörden wollten hingegen nicht erklären, welche Vorwürfe genau wie vielen dieser Arbeiter gemacht werden.

Ob dem so ist oder nicht, lässt die Berichterstattung offen. Die «dämonisierenden» Ausdrücke wurden von den betroffenen Besitzern gemacht, allen Seiten wurde Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.

Soweit sich das beurteilen lässt, eine professionelle, saubere Berichterstattung. Deren Inhalt allerdings Trump und dem Weissen Haus nicht in den Kram passt.

Es ist nicht erkennbar, was daran voreingenommen oder gar «left-wing lunacy» sein soll.

Nun macht sich diese Webseite durch solche «lunacy» selbst unglaubwürdig und lächerlich. Es ist allerdings ein weiterer Versuch Trumps, unliebsame Medien einzuschüchtern. Nachdem seine Klage-Offensive bislang noch keine nennenswerte Erfolge erzielt hat.

Abgesehen davon, dass auch damit die Institution Weisses Haus beschädigt wird.

Der 5-Milliarden-Dollar-Schnitt

Trumps Anwälte brauchen Geldzählmaschinen.

«Ich denke, ich muss das tun», sagt Präsident Trump, «sie haben sogar zugegeben, betrogen zu haben

Die British Broadcasting Cooperation (BBC) sendet täglich rund 1500, jährlich über 550’000 Stunden. Alleine der Nachrichtenteil BBC News kommt auf 120 Stunden Radio- und TV-Ausgaben pro Tag.

Das ist hübsch viel. «Panorama» ist die älteste noch laufende investigative TV-Sendung der Welt; Erstausstrahlung 1953.

In diesen vielen Jahren hat sie sich einen Ruf für hohe journalistische Standards, exklusive Enthüllungen und grosse gesellschaftliche Wirkung aufgebaut – einige Beiträge haben zu Gesetzesänderungen oder Rücktritten geführt.

«Panorama» deckte mit auf, wie Cambridge Analytica Facebook-Daten von Millionen Nutzern unerlaubt nutzte, um Wahlen zu beeinflussen (u. a. Brexit-Kampagne und US-Wahlen). Mehrere «Panorama»-Sendungen enthüllten Bestechung im Umfeld der FIFA, besonders bei der Vergabe der Fußball-WMs. Usw.

Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 strahlte «Panorama» einen Beitrag aus, in dem drei weit auseinanderliegende Redeschnipsel von Trump so zusammenmontiert waren, dass der Eindruck entstand, er habe 2021 zum Sturm aufs Capitol aufgerufen. Hineingeschnitten waren Sequenzen, wie ein Mob Richtung Parlament marschierte.

Aber dieses Ereignis hatte bereits vor der Rede Trumps stattgefunden. Es ist völlig unverständlich, wie ein solcher Gesinnungsjournalismus durch alle Kontrollinstanzen der BBC schlüpfen konnte.

Der BBC-Vorsitzende Samir Shah hatte sich mit einem persönlichen Brief ans Weisse Haus dafür entschuldigt, die Sendung wurde aus den Archiven gelöscht. BBC-Generaldirektor Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness hatten ihren Rücktritt erklärt.

Das Jahresbudget der BBC beträgt 5,4 Milliarden Pfund, das sind 7,1 Milliarden US-Dollar.

Sollte Trump mit seiner Verleumdungsklage Erfolg haben, bliebe für den Sendebetrieb eines Jahres nicht viel übrig.

Trump seinerseits macht es bei solchen Klagen nicht für Kleingeld. ABC News zahlte für die Falschaussage, Trump sei wegen Vergewaltigung verurteilt worden, in einem Vergleich 16 Millionen Dollar. CBS News verklagte er auf 10 Milliarden, später auf 20 Milliarden Dollar wegen angeblich irreführender Bearbeitung eines Interviews mit Kamala Harris. Man einigte sich auf 16 Millionen.

«New York Times» und «Wall Street Journal» sehen sich Klagen in der Höhe von 15, bzw. 10 Milliarden Dollar gegenüber. Hier ist noch kein Ergebnis bekannt.

Selbstverständlich hat Trump das Recht, sich gegen angebliche Verleumdungen zur Wehr zu setzen. In einigen Fällen tat er das offensichtlich zu Recht, sonst hätte es keinen Vergleich gegeben.

Eine Klage gegen CNN wurde abgeschmettert, die Klage gegen die NYT musste neu formuliert werden. Auch frühere Klagen gegen die NYT, die «Washington Post» oder gegen Bob Woodward wurden abgewiesen.

Mit solch exorbitanten Forderungen will Trump offensichtlich die Medien einschüchtern und sie daran hindern, kritische Beiträge über ihn zu veröffentlichen. Entsprechend restriktiv wird inzwischen auch der Zugang zum Weissen Haus oder zum Pentagon gehandhabt.

Jedes finanziell gut ausgestattete Unternehmen, jede reiche Privatperson wissen, dass im modernen Elendsjournalismus die Gefahr, wegen einer Kritik eingeklagt zu werden, Artikel verhindern kann. Sogar wenn der Inhalt wasserdicht ist.

Denn auch die erfolgreiche Abwehr einer Millionen- oder gar Milliardenklage geht ins dicke Tuch.

Neben dem Verkünden neuer Sparrunden ist es daher die vornehmste Aufgabe der Chefredaktion, jeden Artikel auf sein Krawallpotenzial abzuklopfen, auf die Chance, dass er mit einer Klage beantwortet wird.

Schon eine Summe von 16 Millionen Franken wäre für jedes beliebige Schweizer Medium, vielleicht mit Ausnahme von SRF, happig. Die Schweizer Organe mit ihren Berufs-Bashern von Trump profitieren davon, dass ihre Ausfälle in den USA gar nicht wahrgenommen werden.

Was die randalierenden Autoren natürlich schmerzt, aber letztlich eine gute Nachricht ist.

Wenn der Richtige das Falsche schreibt

Chefredaktor Patrik Müller ist ein cleveres Kerlchen. Darf auch er sich mal verhauen?

Die Publizistik von CH Media flutscht skandalfrei über die Runden. Keine Untaten, keine erregten Mitarbeiterinnen, die haltlose anonyme Anschuldigungen in die Welt setzen. Kein ständiges Stühlerücken, kein Erfinden absurder Titel wie bei Ringier. Keine Schwachsinns-Kommentare, die bei Tamedia die Spalten füllen und die Leser quälen. Nicht zuletzt Müllers Verdienst.

Aber jetzt hat er in der auflagestärksten Wochenendzeitung einen rausgehauen, was an ein Zitat vom Philosophen Theodor W. Adorno erinnert: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen.» Oder an Bertolt Brecht: «Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschliesst!»

Müller schreibt: «Die beiden in Europa weitherum verhassten Präsidenten Trump und Netanyahu haben ein wichtiges Ziel erreicht: die Schädigung des iranischen Atomprogramms. Trump und Netanyahu haben das Richtige getan.»

Schlimmer noch: «Es sind Lichtblicke in einer Region, deren Probleme fast unlösbar scheinen.»

Da sind dem Mann aber sein rechtsstaatliches Koordinatensystem und sein moralischer Kompass abhanden gekommen. Amok-Präsident Donald Trump fordert die Entlassung von Journalisten, weil CNN und «New York Times», gestützt auf Geheimdienstanalysen, es gewagt haben, das Ergebnis seiner «wohl erfolgreichsten Militäroperation aller Zeiten» in Frage zu stellen.

Der nur durch sein Amt vor dem Knast geschützte israelische Ministerpräsident ist verantwortlich für Kriegsverbrechen ohne Zahl. Israelische Soldaten schiessen gezielt auf hungernde Palästinenser vor Nahrungsausgabestationen, wie die renommierte Tageszeitung «Ha’aratz», gestützt auf Militärquellen, enthüllt.

Die fast völlige Zerstörung der Infrastruktur im Gazastreifen mit Tausenden von zivilen Toten und die Vertreibung der Bevölkerung, Bombardements im Libanon, Syrien und nun auch im Iran. Ausgelöst durch ein Massaker der fundamentalistischen Wahnsinnigen von der Hamas, begründet durch die irre Rhetorik der Ayatollen in Teheran, die von der Vernichtung Israels faseln.

Gezielte Tötungen, Massenmord an der Zivilbevölkerung, Ausbau illegaler Siedlungen im besetzten Westjordanland, Bombardierungen ohne Kriegserklärung, das alles sind Verbrechen. Kriegsverbrechen. Dass sich Staaten wie der Iran oder der westliche Verbündete Saudi-Arabien ausserhalb der zivilisierten Gemeinschaft befinden, dass Terrorgruppen wie die Hamas oder die Hetzbollah Verbrecherbanden sind, ist unbestritten.

Sie sind Parias – wie die israelische Regierung. Dass Trump ziemlich erfolgreich darin ist, das System der Checks and Balances in den USA auszuhebeln und dabei am helllichten Tag ungenierte Selbstbereicherung für sich und seinen Clan betreibt (alleine durch Insiderwissen bevorstehender Ankündigungen mit Auswirkungen auf die Finanzmärkte), ist ebenfalls eine Tatsache.

Sind das, was beide im Iran tun, wirklich «Lichtblicke»?

Lichtblick bedeutet, dass im dunklen Tunnel der Ausgang erkennbar wird. Es ist unbekannt, welche Auswirkungen dieses völkerrechtswidrige Bombardement auf die Fähigkeit Irans hat, eine Atombombe zu bauen. Es ist sonnenklar, dass es das Regime dazu motiviert, sich so schnell wie möglich eine oder mehrere zu verschaffen. Denn nur das schützt es – wie den Pariastaat Nordkorea – vor einer möglichen Invasion.

Pardon, vor einer «Befreiung» von aussen. Das hat bereits im Fall Iraks prima geklappt. Der Diktator Saddam Hussein (der niemals Massenvernichtungswaffen besass) ist weg, das Land ist im Chaos, wie Libyen.

Es sind die Falschen, die etwas tun. Darin kann man mit Müller übereinstimmen. Aber tun sie das «Richtige»? Das Richtige sollte ein erkennbares Ziel haben.

Da hat Müller erbärmlich wenig zu bieten:

«Die Hoffnung lebt weiter – auch für Frieden in Gaza. Gestärkt und mit verbesserten Umfragewerten könnte Netanyahu den Krieg beenden und den Austritt der Rechtsextremen aus seiner Regierung riskieren.»

Frieden in Gaza als Friedhofsruhe? Richtige Schritte zu einem friedlichen Zusammenleben mit Jordanien, Libanon, Syrien, Ägypten, selbst dem Iran? Mit den überlebenden Palästinensern? In welcher Parallelwelt lebt, denkt und schreibt Müller?

«Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage», so enden Märchen. Hat Müller in seiner Jugend die Erzählungen aus 1001-Nacht zu intensiv studiert? Oder wollte er sich in Dialektik versuchen, was nur was für Könner und nichts für Meiner ist? Hofft er, dass auch böse Buben Gutes tun können?

Beim Betrachten von Bäumen der irrigen Hoffnung schweigt er über so viele Verbrechen, die von diesen beiden «Falschen» verübt werden.Und lobt eines von ihnen.

Da hilft nur noch Friedrich Schiller: «Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.»

Aber Bildung ist längst nicht mehr eine Kernkompetenz der modernen Journaille im Elendsjournalismus.

 

Wumms: Patrizia Laeri

Lachhafte Trittbrettfahrerin.

Wenn man das fragwürdige Geschäftsgebaren von Patrizia Laeri mit ihrer merkwürdigen Plattform elleXX (ja nicht mit drei x schreiben!) kritisiert, nimmt sie die Sexismus-Keule hervor. Damit lenkt sie mehr oder minder erfolgreich davon ab, dass die Kritik völlig berechtigt und richtig ist. Gerne lenkt sie überhaupt von ihrer nicht wirklich erfolgreichen Karriere ab. Zum Beispiel als die wohl einzige Chefredaktorin bei CNN, die keine Sekunde im Amt war.

Laeri ist nichts zu peinlich, in die Medien zu kommen. Die langjährige «Magazin»-Redaktorin Anuschka Roshani hat mit einer bedrückenden Beschreibung über die Zustände auf der Redaktion und über das angebliche Verhalten des ehemaligen Chefredaktors für Aufsehen gesorgt. Und für drei Reaktionen.

Die übrige Redaktion von Feministen und Gutmenschen ist in Schockstarre verfallen und hat ein Schweigegelübdnis abgelegt. Mediale Trittbrettfahrer wie Salome Müller schildern die Ereignisse aus der Sicht Roshanis im Indikativ, statt journalistisch korrekt darauf zu verweisen, dass das ihre Behauptungen sind. Müller neigte schon immer zu Schmierenjournalismus, der ihre Narrative erfüllen muss. Dass das auch in der «Zeit» möglich ist, erstaunt.

Und drittens melden sich Trittbrettfahrerinnen wie Laeri zu Wort. Der soll vor über 20 Jahren widerfahren sein, dass sie ein männlicher SRF-Mitarbeiter zu küssen versuchte. Laut Laeri vergeblich, sie habe nein gesagt und soll ihn dann von sich gestossen haben.

Angesichts der vergangenen Zeitspanne ist es absolut unmöglich, zu sicheren Erkenntnissen zu gelangen, ob sich dieser Vorfall so abgespielt hat – oder ihrer Fantasie entsprungen ist. Denn natürlich nennt sie keinen Namen. Täte sie das, hätte sie sofort eine Ehrverletzungsklage im Haus.

Kann es, wie auch in den USA bei vielen Trittbrettfahrerinnen, die oft Jahrzehnte später anklagend an die Medien gehen, glaubhaft sein, dass jemand bei einer vergleichsweise trivialen sexuellen Belästigung mehr als 20 Jahre braucht, um darüber die Öffentlichkeit zu informieren?

Ist dieses offenkundige Haschen nach Aufmerksamkeit nicht eine Verhöhnung von echten Opfern sexueller Übergriffe? Ist es nicht erbärmlich, wie gierig die Medien das aufnehmen und wie unterwürfig SRF reagiert? Es soll untersucht werden, statt Laeri zu sagen: entweder nennst Du genauso öffentlich den Namen des angeblichen Übeltäters, oder wir verklagen Dich wegen Geschäftsschädigung.

Wollten durch die neue Wirtschaftssendung «#DACHelles» führen (v.l.): Tijen Onaran, Patrizia Laeri und Maggie Childs. (Bild: CNN Money Switzerland)

 

Blöd-«Blick»-TV

Journalisten interviewen Journalisten. Wie verzweifelt muss man sein?

«Blick» hätte theoretisch eine USA-Korrespondentin. Eine Anfängerin, die weit weg vom Geschehen in San Diego lebt. Dann hat «Blick» noch den «USA-Kenner» Peter Hossli. Der war ein paar Mal auf der anderen Seite des Teichs, das reicht schliesslich. Ausserdem steht er inzwischen auf der Gehaltsliste von Ringier, also muss er ran, wenn er rangepfiffen wird.

Aber das lässt sich noch toppen. In der Herzensangelegenheit von CEO Marc Walder interviewte die Moderatorin doch tatsächlich – eine CNN-Journalistin. Die stand Ortszeit um 6 Uhr morgens vor dem Club, den Donald Trump als seinen Hauptwohnsitz benutzt und der vor Kurzem vom FBI durchsucht worden war.

Nun hat selbst eine CNN-Reporterin zu dieser frühen Morgenstunde eigentlich nichts zu tun, wieso nicht ein paar Extramäuse machen, indem man sich von «the big Swiss TV Station» oder so interviewen lässt. Neues wusste die CNN-Dame nicht zu vermitteln, aber wieso auch Neues bringen, es heisst doch «Blick TV», nicht «News TV».

Also durfte nochmals durchgekaut werden, dass doch tatsächlich Agenten in den Wohnsitz von Trump eindrangen, dort anscheinend Dokumente sicherstellten. Dagegen gab es ein paar Proteste, aber auch befürwortende Stimmen. Das alles hat jeder schon mitbekommen, der in den letzten Stunden News hörte.

Eigentlich gibt es selbst im Elendsjournalismus wenig, das verpönter ist als sich selbst interviewende Journalisten. Aber wenn man schon eine hübsche Stange bezahlt, um das Videomaterial von CNN verwenden zu dürfen, dann kriegt man auch noch ein Extra draufgelegt. Wobei die Amis sicherlich zuerst erstaunt fragten: «You want what? But there’s no news at the moment.» Seither dürfte bei CNN die Rede von «crazy Swiss» sein, «perhaps they eat too much chocolate over there» könnte ein Erklärungsversuch sein.

Die letzten Gläubigen

Das WEF ist ein Schatten seiner selbst. Selbst die Demos dagegen …

All das übliche Brimborium fehlt. Wichtige und Mächtige, die in schwarzen, gepanzerten Limousinen durch Davos pflügen. All die Begegnungen «kenne ich den oder muss der mich kennen?». Die Empfänge, Partys, das Come-Together, die prall gefüllten Agenden. Wer hat die beste Suite im ersten Hotel am Platz, wer muss in Zürich übernachten und anreisen?

Wie viele wichtige Präsidenten und Weltenlenker sind anwesend, wo stapeln sich die Privatjets und die ganz grossen Flieger? Alles fehlt, stattdessen haben wir einen Olaf Scholz, eine Christine Lagarde, eine von der Leyen als Ersatzstars. Nicht mal Schnee gibt’s.

Was macht noch Schlagzeilen? Klitschko: «Bleibt die Schweiz passiv, klebt auch Blut an ihren Händen». – «Davos im Metaversum: WEF-Gründer kündigt digitales Grossprojekt an.» – «Die Welt war naiv. Klaus Schwab auch.» – «Oxfarm fordert höhere Steuern für Konzerne und Vermögende

Russland ist ausgeladen, Selenskij hat eine seiner tollen Video-Ansprachen gehalten, bei denen alle ganz betroffen schauen. Und ein ehemaliger Box-Weltmeister bereitet schon das Terrain vor: «Wladimir Klitschko hat die Schweiz zu einem Verbot russischer Staatsmedien aufgefordert. Dort laufe anti-ukrainische Propaganda. «Die Gehirnwäsche findet auch in der Schweiz statt», sagte er in einem Interview mit dem «Blick» am Rande des WEF in Davos.» Gehirnwäsche in der Schweiz? Muss doch was dran sein, dass zu viele Kopftreffer nicht spurlos an Boxern vorbeigehen.

Soweit, so gähn. CNN, die grossen Medien, sie berichten mehr aus Gewohnheit und unter ferner liefen über das WEF. «Blick» ist es aber gelungen, dem «CNN-Starmoderator» Richard Quest in Davos ein Statement zu entlocken. Was erwarte er denn vom diesjährigen WEF? «Nothing

Nicht viel mehr als nichts war auch der erste Versuch eines Protests durch die Jusos: «Nur gerade 60 WEF-Gegner protestieren gegen das Forum. Juso-Präsidentin Ronja Jansen lässt sich von der kleinen Teilnehmerzahl nicht beirren.» (siehe Screenshot vom «Blick» als Artikel-Foto.)

Aber immerhin, in Zürich war wenigstens etwas Action:

Tränengas, Gummischrot, Doppelmoppel-Parole.

Aber die NZZ hält in alter Treue am WEF fest und gönnt dem 84-jährigen Klaus Schwab den grossen Bahnhof, bzw. das grosse Interview. Aber auch ihr fällt es schwer, Fragen zu stellen, die Antworten erhalten, die dem Leser nicht als Ersatz für Schafezählen zum Einschlafen dienen könnten.

Seine Lieblingspose seit gefühlten 100 Jahren.

Auch auf die Gefahr hin, dass der Leser hier wegschnarcht, einige Höhepunkte des Interviews:

  • Die globale Solidarität hätte grösser sein können, das stimmt. Ich glaube, Corona hat uns alle egoistischer gemacht, und die Staaten sind nationalistischer geworden.
  • Ich habe mich angepasst und war online sehr aktiv. 
  • Das Global Village soll zur ersten Metaversum-Anwendung mit einem echten «purpose» werden.
  • Wir erwarten über 50 Regierungs- und Staatschefs und über 200 Kabinettsmitglieder.
  • Als der Krieg ausbrach, erinnerte ich mich an dieses Gespräch. Nun war völlig klar: Der Versuch, Putin zu überzeugen, europäischer zu werden, ist gescheitert. Ich war traurig und entsetzt.
  • Ich glaube, wir erleben tatsächlich gerade Geschichte an einem Wendepunkt.
  • Die Welt wird fragmentierter, wahrscheinlich zerbrechlicher.
  • Ich habe Drohschreiben erhalten, unser Haus wurde fotografiert und das Bild ins Internet gestellt.

Ist noch jemand wach? Dann haben wir noch die endgültige Schlafpille. Denn Schwab wird gefragt, wie es mit den wirtschaftlichen Beziehungen zu China (auch mit der dritten Garnitur am WEF vertreten) stehe: «Das ist die Frage, die dieses fliessende System besonders beschäftigen wird. Wie wird das Verhältnis der neuen westlichen Werteallianz zu China sein? Militärisch, aber auch wirtschaftlich.»

Falls es irgendwelche Antworten auf diese Frage geben sollte, bei denen man nicht sofort wegschnarcht; ZACKBUM wird berichten.

Kleine Umnutzung des früheren Russia House in Davos.