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Schlagwortarchiv für: Claude Cueni

René Zeyer

Aufgewärmt schmeckt nicht

9. Juni 2026/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Droht bereits das Sommerloch? NZZ-Korrespondent Daniel Steinvorth lässt es gähnen.

Es gibt Storys, die immer wieder erzählt werden. Die grosse Tulpenspekulation in Holland von 1634 bis 1637. Der Untergang der Titanic. Die Ermordung Cäsars.

Oder die Geschichte von John Law. Denn da ist alles drin, was eine saftige Erzählung braucht. Ein schottischer Spieler, der nach einem Duell mit tödlichem Ausgang aus England fliehen muss und nach Frankreich kommt. Dort überzeugt er den Nachfolger des Sonnenkönigs Philippe d’Orléans, die zerrütteten Staatsfinanzen mit Papiergeld zu sanieren.

Dazu die Mississippi-Kompanie, eine Spekulationsblase wie die der Tulpenzwiebeln. Die dann 1720 platzt. Der einstmals reichste Mann Europas stirbt 1729 elendiglich im Exil in Venedig.

Diese Story wird nochmals von Steinvorth erzählt. Wie man sie halt so erzählt, wenn man sich mit Wikipedia und einer KI aufmunitioniert hat.

Kann man machen, muss man nicht machen. Vor allem, weil es eigentlich auch keinen Anlass dafür gibt. Keinen Jahrestag, keine neue Erkenntnis, keine Parallele zur Jetztzeit. Ausser vielleicht die aktuelle Staatsverschuldung Frankreichs. Aber damit ist das Land in der dysfunktionalen Eurozone nicht alleine.

Auch wenn Steinvorth alles gibt, um einen Bezug herbeizuzerren: «Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl von 2027 wächst die Nervosität. Denn ein immer grösserer Teil des Staatshaushalts fliesst inzwischen in den Schuldendienst, während Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit schwächeln. In Frankreich hat die Schuldenfrage wieder eine fast existenzielle Dimension angenommen.»

Allerdings: Ökonomie ist nicht so seine Stärke. Sonst wüsste er, dass neben den offiziellen Staatsschulden die impliziten (zukünftige Sozialleistungen etc.) viel entscheidender sind. So hat Frankreich offiziell rund 3’500 Milliarden Miese, was 115 Prozent des BIP ausmacht. Dazu kommen weitere 113 Prozent implizite Schulden dazu, insgesamt 6’850 Milliarden. Deutschland steht offiziell viel besser da mit nur 63,5 Prozent des BIP, dazu kommen aber nochmal 105 Prozent implizite Schulden.

Wichtiger als das Faktische ist etwas anderes. Wie man in der NZZ ohne Anlass über Law schreiben kann, ohne den Roman «Das grosse Spiel» des Schweizer Bestsellerautors Claude Cueni zu erwähnen, ist ein starkes Stück.

Umfangreich recherchiert, der wohl spannendste Roman über die Entstehung des modernen Geldsystems und die tragische Rolle John Laws, Visionär und Spieler, Finanzgenie und Verursacher einer Spekulationsblase, die Tausende um ihr Vermögen oder ihre Ersparnisse brachte.

Haben die Wirren um die Fast-Einstellung von Dominik Feusi so grosse Lücken in die Autorenschar gerissen, dass die NZZ sogar solche Füller bringen muss, die weder originell, noch interessant geschrieben sind, noch den geringsten Erkenntniszuwachs enthalten?

Manchmal ist die alte Tante durchaus rätselhaft. Aber ZACKBUM erwartet eine langatmige Nacherzählung der Tulpenzwiebelblase, des Untergangs der Titanic und der Ermordung Cäsars.

Damit schliessen wir diese Trilogie des Grauens über die NZZ ab.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-02-um-08.33.56.png 479 1034 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-09 05:00:522026-06-04 18:35:52Aufgewärmt schmeckt nicht
René Zeyer

Musk meets Weidel

10. Januar 2025/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Da hyperventilierten die Medien von links bis rechts.

Mehr Gratiswerbung hätte sich die AfD und ihre Kanzlerkandidatin Alice Weidel nicht wünschen können. Da plaudern die Politikerin und der Multimilliardär und Trump-Flüsterer Elon Musk miteinander – und alle hören zu und weg. Was haben sie eigentlich geredet? Interessiert kaum jemanden so wirklich, wer wollte es sich denn anhören?

Denn es geht doch nichts über die Bestätigung von Vorurteilen in den sogenannten Qualitätsmedien. So ist sich «watson» sicher: «Elon Musk ist ausser Rand und Band: Wie ein Berserker arbeitet sich der reichste Mann der Welt momentan am politischen Establishment in Europa ab.»

Okay, «watson» und Qualitätsmedium, das passt zusammen wie ein Palmenstrand mit Grönland. «Zwei hochumstrittene Köpfe, aber ein Herz und eine Seele», weiss der «Blick». Okay, «Blick» und Qualitätsmedium, das passt zusammen wie Schnee an der Copacabana.

«Elon Musks Anarcho-Diplomatie ist ein Problem für Europa – aber wer sich provozieren lässt, hat schon verloren», trompetet die NZZ. NZZ und Qualitätsmedium, aber wieso weitere Vergleiche machen.

CH Media weiss: «Musk hat X zur Macht-Maschine gemacht – jetzt gibt er Alice Weidel den Schlüssel». Hübsches Bild dieses Qualitätsmedienhauses, nur: triumphierte man nicht unlängst, dass sich Musk mit dem Kauf von Twitter halb ruiniert habe und die Plattform in Grund und Boden wirtschafte?

«Blind-Date auf X: Musk trifft AfD-Chefin Weidel», flötet die SDA, erstaunlich lyrisch für die sonst so trockene Nachrichtenagentur. Und was weiss sie von dem Gespräch zu berichten? ««Hitler war ein Kommunist», sagte Weidel». Das ist natürlich Schwachsinn, aber sowohl sie wie Musk haben durchaus auch bedenkenswerte Dinge gesagt. Nur sind die nicht berichtenswert.

Überhaupt nicht komisch finden das die anderen deutschen Parteien und natürlich die SZ: «Milliardär Elon Musk schaltet sich von den USA aus in den deutschen Wahlkampf ein und macht umstrittene Werbung für die AfD.» Und fügt triumphierend hinzu: «Gewerkschaften und Bundesgerichtshof verlassen Musks Plattform X. Konkreter Anlass ihres Abschieds von X ist Musks Wahlkampfgespräch mit AfD-Chefin Weidel.» Daran wird der grüne Kanzlerkandidat und Wendehals (bitte nicht klagen) Habeck zu knabbern haben; er ist gerade zu X zurückgekehrt.

Und die «Weltwoche» vermeldet die Schmonzette: «Bundestagsverwaltung prüft, ob Musks Gespräch mit AfD-Chefin Weidel eine «illegale Parteispende» darstellt».

Es ist mal wieder wie im Irrenhaus. Alle deutschsprachigen Politiker (und Journalisten) mischen sich unablässig in die inneren Angelegenheiten anderer Länder ein und überborden vor Ratschlägen, Anweisungen und Rechthabereien, wie andernorts die dummen Fehler der Regierenden korrigiert werden sollten.

Aber wenn ein irrer Milliardär Sympathien für die deutsche AfD hat und sich mal öffentlich mit der Parteichefin unterhält, dann erhebt sich grosses Geschrei. Dabei haben weder Musk noch Trump bislang die Einverleibung Deutschlands in die USA gefordert. Das müssen sie ja auch nicht, weil sich Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg als übereifriger und immer hilfsbereiter Adlatus der Amis gebärdet.

Und was sagt das Qualitätsmedienhaus Tamedia zum Gespräch? Ihm hat’s, fast bis Redaktionsschluss von ZACKBUM am späten Donnerstagabend, schlichtweg die Sprache verschlagen. Dann erst fand Dominique Eigenmann wieder eigene Worte. Erstes Drittel: Wiederholung von altbekannten Beschimpfungen Musks. Zweites Drittel: launiges Niedermachen des Gesprächs («Duett und Plauderei … sprangen wild von Thema zu Thema … lachten über die angebliche Dummheit aller anderen Parteien … Hitler, wärmte Weidel eine beliebte rechte Verkehrung auf, sei im Grunde nie ein Rechter, sondern immer ein nationaler Sozialist gewesen, ein Kommunist gar», etc.) Letztes Drittel: Beckmesserei und Niedermache: «Interessanter als das, was besprochen wurde, war vielleicht das, was nicht zur Sprache kam.» Interessanter als diese Gesinnungsschmiere wäre vielleicht der Versuch gewesen, den Inhalt der 75 Minuten einigermassen korrekt wiederzugeben.

Dafür gibt’s eine neue Gaga-Rubrik beim Tagi, obwohl Kerstin Hasse doch das Haus verlassen hat: «Dry January und Veganuary». Das wird der Einschaltquotenknüller, schon alleine mit diesem leichtverständlichen Titel  …

Allerdings, so viel Objektivität muss sein, gibt der «Blick» dem Bestsellerautor Claude Cueni eine Plattform, um einen ganz anderen Ton in die Debatte zu bringen. Der fragt besonnen, ob es denn ein Skandal sei, wenn Musk Alice Weidel interviewt: «Für Elmar Thevessen (57), Leiter des ZDF-Studios in Washington, sogar ein ganz grosser. Er sagt im ZDF, dass nur Journalisten und Journalistinnen Interviews führen dürfen.»

Dagegen hält Cueni:

«Slow down. Jeder darf jeden interviewen. Ausser in totalitären Staaten. Die Leute haben die einseitige Berichterstattung satt, sie haben die pürierten Fakten satt, sie haben die Bestrafung von harmlosen Rentnern, die lediglich etwas gelikt haben, satt. Sie wollen informiert und nicht belehrt und umerzogen werden. Sie brauchen keine «Experten», die für sie «einordnen», weil man sie für Deppen hält.»

Das haben allerdings die meisten Medien und auch die meisten Politiker noch nicht geschnallt. Deshalb werden sie mit Leser- und Wählerschwund bestraft. Was ihnen allerdings nicht zu denken gibt, sondern in der Überzeugung bestärkt, dass es eben zu viele Deppen gibt, die streng belehrt werden müssen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/01/Bildschirmfoto-2025-01-09-um-21.28.30.png 489 939 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-01-10 05:30:072025-01-09 23:47:00Musk meets Weidel

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