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Der weibliche Häsler

Auch Tamedias Clara Lipkowski kann gurgeln.

Als ob die völkerrechtswidrige Invasion der Ukraine nicht schon widerlich genug wäre: dazu gibt’s noch journalistische Schützenhilfe obendrauf.

Lipkowski wandelt auf Georg Häslers kriegerischen Spuren im Sandkasten und weiss: «Russland blufft – es ist besiegbar». Wenn der Wunsch der Vater des Gedankens ist …

Sie beginnt etwas elegisch, während Häsler jeweils gleich losbombt: «Verhalten zwar, aber doch spürbar steigen die Temperaturen, kehrt die Wärme in die Häuser der Menschen zurück, deren Heizung ausfiel, weil Russland Kraftwerke in einem beispiellosen Krieg der Kälte zerbombt hatte.»

Lipkowski blickt tief in ihre Seelen: «Die Menschen in der Ukraine sehnen den Frühling herbei, sind aber gleichzeitig müde.» Das nennt man bekanntlich Frühjahrsmüdigkeit.

Genauso behende kennt sie sich in Russland aus: «Moskau macht unbeirrt weiter, baut Druck auf, droht – aber blufft. Denn Russland ist nicht übermächtig, nicht unbesiegbar.»

Es soll Militärstrategen geben, zum Beispiel an der ETH Zürich, die die Niederlage Russlands schon klar vorhersahen. Für den Herbst 2022. Da ist Lipkowski doch etwas vorsichtiger.

Dafür ist sie mit einer Befehlsausgabe für den Westen offensiv zur Hand: «Europa, einschliesslich der Schweiz, muss die Sanktionen präziser gestalten und ausweiten. Drittstaaten, die noch mit Russland Geschäfte machen, müssen stärker sanktioniert werden.»

Sonst noch was? Aber ja: «Sanktionsumgehungen, durch die westliche Elektronik in russischen Drohnen landet, müssen viel härter geahndet werden. Die russische Schattenflotte muss konsequent verfolgt, Schiffe festgesetzt, deren Fracht konfisziert werden

Oder in einem Satz:

«Russland muss in die Knie gezwungen werden, damit die Ukraine überleben kann.»

Der ist nun von einer unbesiegbaren Dummheit, die es verdient, genauer angeschaut zu werden. Russland in die Knie zwingen? Echt jetzt? Die grösste Atom- und die drittgrösste Militärmacht der Welt?

Die könnte in die Knie gezwungen werden, ohne dass die Welt explodiert? Interessanter Gedankengang. Aber auch der zweite Teil ist nicht minder bescheuert. Nur unter dieser Voraussetzung könne die Ukraine überleben? Gelänge das also nicht, stirbt das Land? Welch absonderlicher Irrwitz.

Der Letzte, der versuchte, Russland in die Knie zu zwingen, war bekanntlich Adolf Hitler. Ist ihm nicht so recht gelungen, wie man mit rudimentären Geschichtskenntnissen weiss. Die Schweiz verharrte damals in einer sicherlich nicht über jeden Zweifel erhabenen Neutralität, um sich unbeschädigt durchzuschlängeln. Das sollte diesmal völlig aufgeben und sich an noch «präziseren» Sanktionen beteiligen.

Aber Lipkowski geht noch einen Schritt nach unten weiter: «Und für wen das Solidaritätsargument mit der Ukraine nicht reicht: auch damit unser Leben in Europa, wie wir es kennen, bleibt, wie es ist.» Also nur, wenn Russland auf die Knie gezwungen wird, können «wir unser» Leben weiterführen. Und wenn nicht? Zwingt dann der russische Bär uns Westler in die Knie? Was früher die rote Gefahr war, ist jetzt die neue russische Gefahr?

Als ob die unbesehene Übernahme aller Sanktionen der EU und der USA nicht schon ausreichen würden, das Image der Schweiz als neutraler Staat und Vermittler schwer zu beschädigen.

Natürlich darf in der Schweiz – im Gegensatz zu Russland, im Gegensatz zur Ukraine – jeder mehr oder minder frei seine Meinung äussern. Auch frei von des Gedankens Blässe. Qualifikationen sind nicht gefragt, der Zugang zu einem Lautsprecher wie dem Kopfblattsalat von Tamedia reicht.

Qualitätskontrolle, das Aufrechterhalten eines Mindeststandards an Kompetenz, Analysefähigkeit, die Kontrolle vor Veröffentlichung auf Widerspruchsfreiheit und Realitätsnähe: im modernen Qualitätsjournalismus à la Simon Bärtschi sind das unbekannte Begriffe.

 

Multitasking

Woher Tamedia seine Meinung übernimmt.

Es ist ein anhaltender Skandal, dass einer der wenigen überlebenden Medienkonzerne der Schweiz seine Meinung aus München übernimmt und sie seinen zahlenden Schweizer Lesern als Eigenleistung präsentiert. Man kann hier sogar von einem Etikettenschwindel sprechen.

Denn Clara Lipkowski wird dem Tamedia-Leser serviert als «Redaktorin im Ressort International mit Schwerpunkt Ukraine und Russland».  Die Wahrheit ist, dass sie nach einem Volontariat «freie Mitarbeiterin» der «Süddeutschen Zeitung» ist, «seit August 2020 Korrespondentin für Franken». All das qualifiziert sie ungemein, neben Artikeln über das Wachsen Nürnbergs, über «Warum es an Bayerns Flughäfen zu Reiseausfällen kommt» oder «Eltern tun alles, um einen Kita-Platz zu finden» einen Kommentar über die russischen Wahlen abzusondern.

Ein Kommentar, den die SZ selbst (bislang) nicht für veröffentlichungswürdig hält. Anscheinend funktioniert dort noch eine gewisse Qualitätskontrolle. Aber bei Tamedia mausert er sich zum «Leitartikel». Das Wort bedeutete früher mal was.

Aus ihrer sicheren Schreibstube rechnet Lipkowski mit Präsident Putin ab: «Seine Macht kennt kaum Grenzen. Er räumt aus dem Weg, wer ihm gefährlich wird. Alexei Nawalny musste deshalb sterben. Putin steuert die Medien, er personifiziert die Alternativlosigkeit, neben ihm gibt es keinen Platz.»

Die Wahlen in Russland seien eine Farce, erklärt sie überraschungsfrei. Dann aber wagt sie einen Blick in  die Zukunft: «Wie kann Russland zurückfinden zu einer russischen Demokratie?» Zurückfinden, Demokratie? Wann gab’s denn das? Unter den Zaren? Unter Lenin? Unter Stalin? Unter Gorbatschow? Unter Jelzin? Hat die Dame neben Kenntnissen über Franken auch nur den Hauch einer Ahnung von Russland?

Aber auf jeden Fall weiss sie, was in Russland geschehen sollte:

«Die Eliten sind es, die Putin die Gefolgschaft verwehren müssten. Sicherheitskräfte, auch die Putin unterstellte Nationalgarde, müssten Befehle ignorieren, die Waffen niederlegen. Staatsbedienstete dem Staat den Dienst verweigern. Kremltreue Konzernchefs Putin den Rücken kehren. Erst so kann das System von innen beginnen zu bröckeln.»

Fränkisches Wolkenkuckucksheim. Aber sie schwebt noch höher in Illusionswolken: wie soll der Westen mit den Wahlen umgehen? «Ein Weg wäre es, sie und damit Putin als Präsident nicht anzuerkennen. So wie es der Westen 2020 im Fall von Alexander Lukaschenko getan hat.»

Das empfiehlt sie allen Ernstes EU-Politikern; für zwei hat sie noch einen weiteren Ratschlag zur Hand: «Wirkung hätte dieser Schritt wohl nur, wenn der Westen geeint agiert. Wenn Leute wie der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Kanzler Olaf Scholz aufhören würden, sich in öffentlich ausgetragenen Streitereien um europäische Bodentruppen oder Marschflugkörper in der Ukraine zu zerreiben.»

Sagen wir so: In der SZ existieren offenbar noch Spurenelemente einer Qualitätskontrolle, wo man sogar einer Autorin (!) zu sagen wagt: schreib lieber etwas über Franken, davon verstehst du vielleicht was.

Aber Tamedia weiss weder, wo Franken liegt, noch, was man dem Leser nicht zumuten sollte. Statt ständig Rochaden in der Teppichetage vorzunehmen. Mathias Müller, vulgo von Blumencron, beendet seine Tätigkeit als «publizistischer Leiter». Woran man das merkt? Gute Frage. An seiner Stelle rauscht nun Simon Bärtschi an seiner Chefin Raphaela Birrer vorbei. Zuvor war er ihr Untergebener als Chef «Berner Zeitung» und «Bund». Dort erwies er sich als gehorsamer Terminator, als Tamedia das heilige Versprechen brach, dass niemals nie «BZ» und «Bund» verschmolzen würden. Und nun ist er als neuer «publizistischer Leiter» Birrers Vorgesetzter.

Sein gröbstes Problem dabei: er ist (soweit ZACKBUM bekannt) ein Pimmelträger. Und keine Quotenfrau. Wo bleibt da der versprochene Anteil von mindestens 40 Prozent Frauen (trans, hybrid, fluid, queer, notbinär, Pardon, nonbinär ist leider nicht berücksichtigt)? ZACKBUM will sich keinesfalls in den Intimbereich Bärtschis einmischen. Aber das offizielle Macho-Foto mit männlich-bestimmtem Blick und Dreitagebart, muss das sein? Da erwarten wir wenigstens etwas weibliche Sanftheit. Sonst gibt’s dann mal wieder ein Protestschreiben …

zVg Tamedia