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Avenarius besiegt Münger

Peinlich, wenn der Auslandchef von einem Redaktor abgetrocknet wird.

Christof Münger ist eine frustrierte Kriegsgurgel, der als Amtsträger ohne Amt gelegentlich mit kriegslüsternen Kommentaren Dampf ablässt. Schimpfend auf «besserwisserische Ratschläge», erteilt er selber welche:

«Dankbarkeit und Waffen sind deshalb hilfreicher als besserwisserische Ratschläge.»

Nur eine «vollständige Unterstützung der Ukraine» könne Putin Einhalt gebieten, besserweiss es Münger.

Einen schmerzlichen Unterschied im intellektuellen Niveau zeigt ihm dann Tomas Avenarius. Auch der Kommentar des Autors der «Süddeutschen Zeitung» kommt dank automatischer Übernahme ins Reich von Tamedia.

Avenarius analysiert kühl und korrekt, dass sich der Angriffskrieg in eine Abnützungsschlacht verwandelt hat: «Das bedeutet, dass das ukrainische Gemetzel wohl erst endet, wenn einer der beiden Gegner im Wortsinn ausgeblutet ist. So, wie es derzeit aussieht, wird das eher die Ukraine sein und nicht Russland.»

Unterstützt von Kriegsgurgeln hat die ukrainische Führung leicht den Kontakt zur Realität verloren: «Berechtigte Zweifel am versprochenen Triumph und die Suche nach einem politischen Kompromiss nehmen in solch einer Stimmung das Stigma von Verrat an. Der Ruf nach einer Verhandlungslösung ist daher nur im Paket mit ukrainischen Maximalforderungen zu hören.»

Zudem würden in Europa zunehmend die Auswirkungen der gegenseitigen Sanktionen und Embargos spürbar. Schlussfolgerung:

«Dann wird die Unterstützung für die Ukraine schneller bröckeln als erwartet. Dies wäre ein Grund, in Kiew nicht nur auf den Sieg zu hoffen, sondern konsequenter an eine akzeptable Verhandlungslösung zu denken. Denn was einen baldigen ukrainischen Sieg mit der Rückeroberung aller Gebiete samt der Krim angeht: Der Wunsch ist verständlich. Aber die Chancen tendieren gegen null.»

Muss nicht die einzig richtige Meinung sein. Ist aber wohltuend ruhig und frei von vorgefassten Meinungen oder Haltungen oder Wunschdenken.

Wumms: Christof Münger

Die frustrierte Kriegsgurgel von Tamedia.

Es muss schon blöd sein, wenn man als sogenannter Auslandchef der grossen Tamedia im Wesentlichen die Texte teutonischer Korrespondenten etwas einschweizern darf. Kein ß, ein paar Germanismen rausnehmen, voilà. Da bleibt nur eins: immer mal wieder in einem Kommentar der ganzen Welt den Tarif durchgeben. Es allen zeigen. Klarstellen, dass Münger den grossen Durchblick hat.

Leider, leider hört keiner auf ihn. Das findet er bedauerlich. Ist aber besser so.

Seit Ende Oktober 2020 versucht ZACKBUM, ihn wieder auf den rechten Weg zu kriegen. Vergeblich. Münger ist für Wehrhaftigkeit. Wahrscheinlich setzt er sich für solche Kommentare jeweils den Stahlhelm auf und zwängt sich in eine schusssichere Weste.

Nun tätigt er schon wieder eine «Analyse zum Krieg in der Ukraine» (hinter der Bezahlschranke). Münger weiss:

«Dankbarkeit und Waffen sind deshalb hilfreicher als besserwisserische Ratschläge.»

Selbst erteilt er allerdings nicht nur diesen besserwisserischen Ratschlag.

Er doppelt sogar noch nach, falls jemand nicht kapiert haben sollte, was für ein Kriegstreiber Münger ist: «Nur die vollständige Unterstützung der Ukraine, wirtschaftlich und vor allem militärisch, kann Putin allenfalls dazu bringen, das Gemetzel zu stoppen.»

Eine solche vollständige Unterstützung würde aber das Gemetzel verlängern, allenfalls. Aber zu dialektischem Denken ist Münger leider nicht in der Lage. Dafür pfeffert er aber dem französischen Präsidenten MacronAnmassend ist es, wenn europäische Politiker wie Emmanuel Macron «keinesfalls Putin demütigen» wollen») und dem deutschen Bundeskanzler Scholz eine rein: so «laviert der deutsche Kanzler Olaf Scholz immer noch, seine Angst vor der russischen Atommacht kaschiert er kaum. Wohl deshalb sagt er nicht öffentlich, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnen soll. Solche Halbherzigkeit ist gefährlich

Nein, solch unreflektiertes Geschwätz, diese Oberlehrerhaltung mit erhobenem Zeigefinger wäre gefährlich – wenn sie jemand zur Kenntnis oder gar ernst nehmen würde. Hat der Riesenstratege noch weitere Ratschläge für Macron und Scholz parat? «Macron und Scholz sollten den Hörer auflegen.» Denn: «Schwerer wiegt, dass die beiden regelmässig den Drang verspüren, mit Putin zu telefonieren.»

Dabei sollte, wer einen Drang verspürt, nicht telefonieren, sondern ein stilles Örtchen aufsuchen, das weiss doch jeder. Nachdem er diese zwei Dilettanten eingetopft hat, gibt es auch noch einen Ratschlag für die Schweiz? Aber sicher: «Hier geht es nicht um die Vermittlung zwischen zwei gleich bösen Milizen in einem afrikanischen Bürgerkrieg. Dem sollte auch die neutrale Schweiz Rechnung tragen.»

Versteht auch nicht jeder, aber Münger ist mit seinen Ratschlägen noch nicht durch. Putin könnte doch die Kampfhandlungen einstellen: «mit einem Waffenstillstand oder einem Rückzug aus der Ukraine. Oder er könnte als Geste des guten Willens dafür sorgen, dass die Menschen in Afrika nicht verhungern. Nichts deutet darauf hin. Das sollte auch die Schweiz zur Kenntnis nehmen

Einer geht noch: «in der Ukraine stehen sich ein staatlicher Aggressor und eine angegriffene Demokratie gegenüber, wie unvollkommen sie auch sein mag. Diesem Unterschied sollte auch die neutrale Schweiz Rechnung tragen

Noch ein Absackerchen vor dem Feierabendbier.

Was die Schweiz alles zur Kenntnis nehmen und tragen sollte. Nur erklärt Münger nicht, wie die neutrale Schweiz denn diesem Umstand Rechnung tragen soll.

Solche Flachstücke, solch unreflektiertes, arrogantes, nassforsches Besserwissen: dem sollte nicht die Schweiz, aber der Leser all der Kopfblätter aus dem Hause Tamedia Rechnung tragen. Lesen, sich schütteln, lachen, blättern.

Münger hat kein Reputationsproblem

Aber er befürchtet eines für die Schweiz. Mal wieder.

Der Auslandchef von Tamedia fürchtet keinen Atomkrieg. Da steht er drüber. Aber er befürchtet sofort einen «Reputationsschaden», wenn irgend eine Dunkelkammer im Dunstkreis des US-Parlaments mal wieder über die Schweiz schimpft.

Die «U.S. Helsinki Commission» behauptet,  die Schweiz sei «bekannt als Zielland für Kriegsverbrecher und Kleptokraten». Noch härter ist der Vorwurf, sie sei «eine führende Förderin des russischen Diktators Wladimir Putin und seiner Kumpane»», referiert Münger, um entrüstet fortzufahren:  «Das ist ein Schlag ins Gesicht der Schweizer Regierung, die die westlichen Sanktionen, trotz innenpolitischen Widerstands, übernommen hat.»

Daher kriegt Münger gleich einen kleinen Mutanfall:

«Die Diffamierung der Schweiz als «Förderin Putins» ist unangebracht.»

Nimm das, Biden-Administration.

Hätte es Christof Münger dabei belassen, hätte er endlich mal einen einigermassen vernünftigen Kommentar geschrieben. Aber eben, geht nicht: «Denn ein Teil der Kritik ist berechtigt, und das wegen einer Gesetzeslücke: So sehen sich Anwälte und Anwältinnen in der Schweiz angeblich nicht dazu verpflichtet, Meldung zu erstatten, wenn ihr Klient die Sanktionen verletzt. Sie unterstehen zudem nicht dem Geldwäschereigesetz, wenn sie nur als Berater agieren.»

«Sehen sich angeblich nicht»? Hier zeigt Münger ein recht lockeres Verhältnis zu in der Schweiz geltenden Gesetzen. Ob die einem passen oder nicht: bevor sie nicht geändert werden, gelten sie. Punkt.

Dann holt Hobbyhistoriker Münger aus und erinnert an den Skandal um die sogenannten «nachrichtenlosen Vermögen». Worin der allerdings tatsächlich bestand, das hat er bereits vergessen. Unvermeidlich auch der Hinweis auf den «Imageschaden, als sich die Schweizer Grossbanken während der Finanzkrise 2008/09 ans Bankgeheimnis klammerten».

«Klammerten»? Sie wehrten sich dagegen, dass die USA mit dem Recht des Stärkeren imperialistisch ihre Gesetze in der Schweiz durchsetzten. Unter bedauerlicher Mithilfe des Bundesrats. Obwohl Schweizer Banken in der Schweiz gegen keinerlei Gesetze verstossen hatten, wurden sie zur Zahlung von Milliardenbussen und zur Auslieferung von Kundendaten gezwungen.

Nicht auf rechtsstaatlichem Weg, sondern einfach mit der Drohung: Ihr könnt’ schon dagegen vor Gericht gehen – nur seid ihr dann am nächsten Tag tot, wenn wir Euch den Handel mit US-Dollar verbieten.

Auch vom Bankgeheimnis kann man halten, was man will. Aber ein Imageschaden entstand damals in erster Linie dadurch, dass die USA ihre Position als grösste Geldwaschmaschine und grösster Hort von kriminellen Geldern und Schwarzgeld weiter ausbauen wollten und sich dabei eines lästigen Konkurrenten entledigten.

Nach all diesen Irrungen und Wirrungen kommt Münger zu einer Handlungsempfehlung: «Jedenfalls ist die Schweizer Regierung gut beraten, die Kritik ernst zu nehmen. Denn das Reputationsrisiko ist real.»

Die Schweizer Regierung ist besser beraten, diesen Kommentar einfach zu ignorieren. Was sie glücklicherweise auch tut.

Denn die Schweiz hat überhaupt kein Reputationsproblem. Münger allerdings auch nicht

 

 

 

 

 

 

Dully Münger

Der dumpfe Auslandchef von Tamedia teilt gegen einen Bully aus.

Im Chor der mutigen Maulhelden fehlte noch ein Chef, dessen Aufgabe darin besteht, aus deutschen Texten die ß herauszuoperieren und durch ss zu ersetzen.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Aber das hindert ihn nicht daran, eine eigene Meinung zu haben. Also die von (fast) allen Journalisten: «Gegen einen Bully wie Putin hilft nur Standhaftigkeit». Das nennt er «Einordnung zum Krieg».

Dabei offenbart Münger ein Jugendtrauma: «Es ist wie auf dem Pausenplatz, wenn ein Tyrann seine Mitschülerinnen und Mitschüler schikaniert, einschüchtert, bedroht und verprügelt. Solche Charaktere nennt man auf Neudeutsch Bully. Wladimir Putin ist ein Bully.»

Nun möchte er nachholen, was er sich vielleicht damals auf dem Pausenplatz nicht traute: «Man muss widersprechen, aufstehen und sich wehren.» Das sei nämlich, Mutti Merkel lässt grüssen, «alternativlos». Nun war’s deren Politik offenbar auch nicht, aber was kümmert das einen Münger.

Wo’s einen bösen Bully hat, braucht’s auch einen guten Helden: «Der ukrainische Präsident ist die Inspiration für den Widerstand. So wie Winston Churchill im Mai 1940.» Im Unterschied zu Churchill hat Selenskij zwar – wie man seit den Pandora-Papers weiss – ein paar nette Geldverstecke im Ausland, und dass ihm sein Wahlsieg von einem ukrainischen Oligarchen gekauft wurde, ist auch offenkundig.

Kolomoiskij, «PrivatBank», schwiemelige Geschäfte. Der ukrainische Oligarch musste sich ins Ausland zurückziehen und kehrte nach dem Wahlsieg von Selenskij wieder triumphal zurück.

Aber solche Details passen natürlich nicht zu Müngers Heldenepos. Der plädiert für eine möglichst starke militärische Unterstützung der Ukraine. Möglicher Atomkrieg? Pah, sagt der mutige Münger, «diese Gefahr besteht jedoch immer, wenn eine Nuklearmacht Krieg führt. So zum Beispiel auch im Vietnamkrieg, als die Sowjetunion und China die kommunistischen Kräfte im Kampf gegen die US-Truppen unterstützten».

Der sympathische American Bully.

Er bringt da etwas durcheinander, denn diese Gefahr bestand im Koreakrieg. Aber ist ja beides irgendwie Asien und weit weg. Wie gross ist denn dann die Gefahr in der Ukraine? Kein Problem, meint Atomstratege Münger,

«Waffenlieferungen an die Ukraine führen nicht einfach so zum Atomkrieg, sondern nur dann, wenn sich der Kreml zum Tabubruch entscheidet und eine Nuklearwaffe einsetzt.»

Da sind wir aber beruhigt. Münger will sich gerne in die «Marschrichtung» einreihen, die der US-Verteidigungsminister vorgebe: «Wir wollen Russland derart schwächen, dass es zu Dingen wie der Invasion in der Ukraine nicht mehr fähig ist.» Das ist nun an Fahrlässigkeit nicht zu überbieten. Sollte Russland tatsächlich so geschwächt werden, dass es, wie Obama schon höhnte, nur mehr eine lokale Grossmacht wäre, welche Reaktion eines Putin kann man sich vorstellen? Wie viele Müngers braucht es zur Antwort?

Am Schluss widmet er sich dann noch dem Naheliegenden, was könnte denn die Schweiz tun? «Traditionell bietet die Schweiz ihre Guten Dienste als Vermittlerin an. Aber offenbar ist nicht die Saison dafür: Zu einseitig sind Schuld, Verbrechen und Verantwortung verteilt in diesem Krieg.»

Gute Dienste sind also saisonabhängig; bei trübem Regenwetter finden sie nicht statt, nur dann, wenn Schuld und Verantwortung nicht einseitig verteilt sind. Wobei, Afghanistan, Iran, gerade auch Vietnam, fanden da nicht Verhandlungen in der Schweiz statt? Die im Fall der Ukraine in der Türkei stattfinden, weil die Schweiz ihre Neutralität geritzt hat?

Aber auch solche Kleinigkeiten müssen übersehen werden, wenn es darum geht, einem «Bully» gegenüberzutreten. Wie bedauerlich, dass das Münger in seiner Jugend nicht gelang. Dann wäre uns dieser Kommentar erspart geblieben.

 

 

 

 

 

Wahnsinniger Putin

Die Auslandchefs von CH Media und Tamedia: zwei traurige Gestalten.

Samuel Schumacher ist Ressortleiter Ausland bei CH Media. Der zweitgrösste Vertreiber von Tageszeitungen in der Schweiz leistet sich was. Nämlich eine Auslandredaktion, die aus zwei Nasen besteht. Also ein Häuptling und ein Indianer.

Die Welt ist ziemlich gross und bunt und kompliziert. Daher ist es sehr gut, dass sich die Aufmerksamkeit meistens auf ein, zwei Orte konzentriert. Genau, Stichwort Ukraine. Das hat wiederum den Nachteil, dass nach ein paar Wochen intensiv-oberflächlicher Berichterstattung so ziemlich alles gesagt ist, oder kommt jemand der Satz «die Lage spitzt sich dramatisch zu» unbekannt vor?

Da ist es erfrischend, wenn Schumacher Neuland betritt: «Wahnsinniger Putin». Das ist originell. Ex-KGB, Machtmensch, Diktator, aggressiv, Provokateur, das hatte wir alles schon. Aber «wahnsinnig», ergänzt durch «gefährliche Hetzrede», damit betritt Schumacher endgültig das weite Feld der verantwortungslos-bescheuerten Berichterstattung.

Da will Christof Münger von Tamedia nicht nachstehen.

Dieser Weltstratege weiss über die NATO: «Die Militärallianz bedroht Russland nicht», plus: «Auch hinter der sogenannten Osterweiterung der NATO steckte keine offensive Strategie.» Eine defensive Ausdehnung nach Osten, gegen alle Zusicherungen bei der deutschen Wiedervereinigung. Für wie blöd hält der Mann seine Leser?

Münger ist auch um Ratschläge nicht verlegen: «Auch die Regierung in Bern sollte die neue Realität anerkennen.» Wer sagt das? Ein «promovierter Historiker», den «Reportagereisen in den Irak, nach Haiti oder in den Kongo führten». Fantastische Voraussetzungen, um den Ukrainekonflikt zu analysieren.

Was macht der Mann sonst noch? «Zusammen mit seinem Team plant und produziert er den Auslandteil.» Das liegt etwa so nahe an der Wahrheit, wie wenn man den Truppenaufmarsch um die Ukraine als Frühlingserwachen bezeichnen würde. Münger nimmt alle Germanismen aus den von München angelieferten Ausland-Artikeln raus (wenn nicht ein Euro oder ein Parken stehenbleiben) und füllt sie unter neuen Titeln (meist schlechter als im Original) ab.

Als sein Beitrag zur verantwortungslos-bescheuerten Berichterstattung.

 

Wir fordern, dass weniger gefordert wird

Umso bedeutungsloser die Medien werden, desto lauter krähen sie Forderungen heraus.

Die Taliban haben in Afghanistan die Macht ergriffen, der letzte US-Soldat ist in den letzten Flieger gestiegen, der den Flughafen von Kabul Richtung Rettung verliess. Das lässt der «Tages-Anzeiger» von München aus beobachten, weil man dort die grossen Fernrohre Richtung Kabul stehen hat.

Nun gibt es aber noch eine – eigentlich überflüssige – Auslandredaktion von Tamedia. Wenn’s der langweilig wird, die ß aus den Artikeln der «Süddeutschen Zeitung» zu entfernen und «parken» durch «parkieren» zu ersetzen, «grillen» durch «grillieren», dann schreibt man einen Kommentar.

Nicht man, der Auslandchef Christof Münger höchstpersönlich. Zunächst äussert er einen menschenfreundlichen Wunsch:

«Es wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn sich IS-Terroristen und die Taliban in einem abgelegenen Tal Afghanistans gegenseitig in die Luft sprengen

Aber, da ist Münger welterfahrener Realist: «Nur wird es nicht so laufen.» Schade auch, aber wie soll man dann mit dieser «islamistischen Brut» umgehen? Einfach ignorieren? Aber nein, meint Weltpolitiker Münger, denn «bereits erheben sich Stimmen, unter anderem der britische Premier Boris Johnson, die fordern, mit Verbrechern wie den Taliban zu verhandeln».

Sprengkommando aus dem Hause Tamedia.

Das geht gar nicht, donnert Münger von seinem Kommandopult an der Werdstrasse oder vielleicht aus dem Homeoffice: «Die Taliban sind und bleiben eine Terrororganisation. Mit ihnen zu verhandeln, ist keine Option, ausser es geht um humanitäre Hilfe für die leidgeprüfte Bevölkerung.»

Verhandlungen sind für den Arsch, meint Münger

Verhandeln ist nicht, meint Münger fundamentalistisch, er hat auch eine putzige Begründung dafür: «Wohin das führen kann, hat das Abkommen von Doha gezeigt, das die US-Regierung an der afghanischen Regierung vorbei mit den Taliban erzielt hat. Donald Trumps Deal hat es den selbst ernannten Gotteskriegern erst ermöglicht, Afghanistan handstreichartig zu erobern.»

Wenn ein Volonteur als Fingerübung so einen hanebüchenen Unsinn absondern würde, würde man ihn darauf aufmerksam machen, dass selbst in einem Kommentar die Vergewaltigung der Wirklichkeit ihre Grenzen hat. Weder der korrupten und weitgehend machtlosen afghanischen Marionettenregierung, noch der Militärmacht NATO war es in 20 Jahren gelungen, eine Art Zivilgesellschaft gegen die Stammeskrieger zu errichten.

Mangels funktionsfähiger Alternative war es nur konsequent, nach Zehntausenden von Toten die Besatzung zu beenden.

Schlimmer noch ist, dass Münger kategorisch jede Verhandlung mit den Herrschern des Landes ablehnt. Gilt das auch für Burma? Für alle gescheiterten Staaten in Afrika? Für Venezuela? Für Saudi-Arabien? Für den Iran? Dort herrschen doch auch entweder Terrororganisationen oder Regimes, die Terrororganisationen unterstützen.

Wenn Münger verhandeln würde …

Was heisst da «ausser es geht um humanitäre Hilfe»? Wie würde das Münger machen, sässe er nicht hinter einem Bildschirm, sondern vor den Taliban?

«Hört mal, ihr islamistische Brut, ich will jetzt über humanitäre Hilfe verhandeln. Könntet ihr euch währenddessen in einem abgelegenen Tal gegenseitig in die Luft sprengen? Danke.»

Aber die Welt kann aufatmen: die Meinung Müngers interessiert wirklich nicht. Ausser den armen Abonnenten eines Produkts von Tamedia, die sogar noch für diesen Stuss etwas bezahlen müssen.

Was Münger recht ist, kann Cavelty nicht unrecht sein

Nur schon aus Gründen der Ausgewogenheit fügen wir ein Beispiel aus dem Hause Ringier hinzu. Dort will man ja den Lead bei der Bekämpfung von sogenannten Impfgegnern nicht aus der Hand geben. Dafür ist die indirekte Bewirtschaftung des Themas geeignet:

So sieht ausgewogene Berichterstattung aus.

Aber auch vor direkten Forderungen, Ratschlägen und Urteilen schreckt man nicht zurück. Der Chefredaktor des «SonntagsBlick» muss sowieso eine Scharte auswetzen, die er sich mit dem Versuch der Berichterstattung über den ehemaligen VR-Präsidenten von Raiffeisen eingehandelt hatte.

Der donnerte doch in einem Editorial:

«Die Impfgegner machen mit dem Virus gemeinsame Sache».

So interpretiert Gieri Cavelty kühn die Aussagen eines Immunforschers: «Die Impfgegner identifizieren sich nicht bloss sprachlich mit dem Virus, sie machen gemeinsame Sache mit ihm und sichern seinen Fortbestand

Unangenehme Unwahrheiten: Editorial von Cavelty.

Impfen als Allheilmittel? Das durchgeimpfte Israel wandelt sich vom Musterknaben zum neuen Brutherd der Pandemie. Wirksamkeit der Impfung? Fehlen eines Impfzwangs? Was kränkeln Cavelty solche Probleme an, für die zusätzlich beschlossenen Staatssubventionen macht er doch gerne das Sprachrohr der Landesregierung.

Wer hört schon noch auf Journalisten?

Aber auch er trompetet so kräftig, weil er eigentlich weiss: die Meinungsmacht «Blick» ist längst ins Grab gesunken, auch ohne Virus. Die Zeiten, als nicht nur in Bern ängstlich darauf geschaut wurde, ob der «Blick» eine Kampagne für oder gegen etwas führt, sind längst vorbei.

Zu beobachten ist eine allgemeine Verzwergung der Medienhäuser. Den Zusammenschluss von ein paar Mücken jubeln sie zu einem «Digital-Riesen» hoch. Dabei spüren das die wirklichen Riesen nicht einmal. Mangels Möglichkeiten zur Recherche oder fundierter Analyse werden weiterhin ungeniert Forderungen aufgestellt, Behauptungen, unqualifizierte Meinungen geäussert.

Fröstelnd in der Abenddämmerung ihres Bedeutungsverlusts wollen sie sich wie in alten Zeiten an den Flammen der feurigen Meinungsäusserung wärmen. Es den Taliban, dem Virus, den Impfgegnern mal so richtig zeigen. Dabei braucht man schon die Ohren eines Elefanten, um das Gesumme dieser Fliegengewichte überhaupt noch zu hören.

Präsident Zack-Bumm und Leiter zack-dumm

Christof Münger hat sich ein Essay zu vier Jahren Trump abgerungen.

Als «Leiter TA Ressort International»* ist Münger dafür prädestiniert, Recht zu haben. Oder zumindest rechthaberisch zu sein. Wenn er allerdings schon im Titel seines Essays «Präsident Zack-Bumm» unseren Namen missbraucht, kann man nur hoffen, dass er bum falsch geschrieben hat, um einem allfälligen Plagiatsvorwurf zu entgehen.

Ein Essay war einmal, früher, wohl vor der Geburt von Münger, ein anspruchsvolles und angesehenes Gefäss, in dem sich grosse Geister ein Stelldichein gaben. Heute ist es Münger, der die Bezeichnung auf ihre reine Übersetzung zurückschrumpft: ein Versuch.

Münger marschiert unter der Latte durch

Ein misslungener Versuch; aber während man im Stabhochsprung nochmal probieren darf, wenn man die Latte gerissen hat, marschiert Münger einfach ungebremst unter der Latte durch, versucht dabei nicht mal einen kleinen Hopser.

Was kann man also in einem Essay über vier Jahre Trump über den US-Präsidenten Tiefschürfendes sagen? Er blieb im Amt «entfesselt, ungezügelt, hemmungs- und rücksichtslos».

Geht’s noch essayistischer? Sicher: «Donald Trumps Präsidentschaft gleicht einem real gewordenen Comic mit ihm in der Hauptrolle – als Superheld oder Superschurke, je nach Sichtweise.»

Was an Trump alles gross ist und an Münger nicht

Was für eine Metapher, das Wesen des Präsidenten wortmächtig verdichtet, mit diesem Schuss Selbstzweifel «sie gleicht» ja nur einem Comic, kann sich der Versuchende noch steigern? Locker:

«Bei Trump ist alles «big, big, big», ein permanenter Superlativ, von seinem Penis bis zum Trump-Tower.»

Dort kündigte er seine Kandidatur für die Präsidentschaft an. Nein, nicht mit seinem Penis, in seinem Trump-Tower: «Begleitet hat ihn Melania, seine dritte attraktive Gattin.»

O Schande, da gerät der Essayist doch leicht ins Sabbern und man fragt sich unwillkürlich, ob er selbst wohl keinen Tower hat, keine attraktive Gattin und auch keinen, aber lassen wir das.

So geht das nun wahrlich in Blei gegossene rund 18’000 Buchstaben weiter, dabei erscheint das Essay gar nicht in der «Republik», sondern wird von allen Tamedia-Kopfblättern übernommen.

Münger macht den umgekehrten Trump

Münger gelingt dabei das Kunststück, aber unabsichtlich, daher zählt das nicht, sozusagen den umgedrehten Trump zu geben. Während der alles an sich «big» findet, findet Münger alles an ihm medioker, billig, eigensüchtig, klein. Alles, ausser die Anzahl seiner Lügen: Bislang 20’000 mal, hat Münger von Hand nachgezählt. Ach, nein, hat er die «Washington Post» zählen lassen.

Nur mit anderen Irren kann Trump einigermassen, daher seine Sympathie für den kleinen Dicken mit der merkwürdigen Frisur aus Nordkorea, der zwar auch einen roten Knopf hat, aber Trump hat natürlich den grösseren. «Hier hatten sich zwei gefunden», greift Münger in die Harfe.

Einen Erfolg muss Münger einräumen

Hat er denn überhaupt nichts erreicht in diesen vier Jahren? Nun ja, die diplomatische Anerkennung Israels durch die ersten arabischen Staaten, daran kann Münger nicht vorbeihuschen. Also muss er es in den Schraubstock stecken: Das seien alles arabische Länder, mit denen Israel keinen Krieg geführt habe. Und der Nahostkonflikt sei auch noch nicht gelöst, mäkelt Münger.

Dass Trump hier etwas gelungen ist, an dem all seine Vorgänger scheiterten, selbst der Friedensnobelpreisträger Obama, das würde wohl den Rahmen dieses Essays sprengen.

Aber nicht die Erwähnung, wie garstig Trump die deutsche Bundeskanzlerin abgebürstet und ignoriert habe. Zum Antrittsbesuch gab er ihr nicht mal die Hand, jammert Münger. Was die Schweizer Leser natürlich ungemein interessiert.

Kann man den Gehalt dieses Essays zusammenfassen?

Wir versuchen uns an einer Zusammenfassung dieses Epos. Dabei hilft ungemein, dass sein Inhalt und Gehalt erst unter der Lupe erkennbar wird. Trump ist eine Schande, eine Pfeife, ein Lügner, narzisstisch, unfähig, spuckt immer grosse Töne und liefert nie was. So kondensiert Münger seine vier Jahre Trump-Erfahrungen als nun ja, als Leiter des «TA-Ressort International», was ein Euphemismus ist für «wir nehmen sonst aus den deutschen Artikeln die ß raus und kürzen sie auf Schweizer Längen ein».

Aber immerhin, nach seiner Karriere als Primarschullehrer promovierte Münger als Historiker dann über die Berlin-Krise, «wofür er längere Zeit geforscht hat, u.a. in den USA». Na dann; wer vor vielen Jahren John F. Kennedy sagen hörte «ick bin ein Berliner», der ist geradezu überqualifiziert bei der Beurteilung des aktuellen US-Präsidenten.

Welcher Superheld heisst denn Zack-Dumm?

Nur: Wie erklärt denn der USA-Kenner Münger der Welt und sich selbst, dass rund die Hälfte aller Amis finster entschlossen sind, diesen Totalversager, diese Karikatur eines Präsidenten, diese Comic-Gestalt, wiederwählen zu wollen? Sind das etwa alles Comic-Leser? Und welche Figur in der Galerie der Superhelden heisst denn Zack-Bumm? Aber da bleibt der Essayist leider dunkel und verschwiegen. Schade aber auch.

 

*In einer früheren Version hiess es, Münger sei Co-Leiter des Auslands-Ressorts von Tamedia. Er ist aber der Leiter.