ZomBli?
So hätte der SoBli über sich getitelt. Früher.
Zunächst: Der Primeur stammt von der «Republik». «Vergangene Woche hat der Ringier-Verlag entschieden, den «SonntagsBlick» per Ende 2026 einzustellen. Das zeigen Recherchen der Republik.» Recherchen? Das hätten «verschiedene, voneinander unabhängige Quellen bestätigt». In Wirklichkeit war’s wohl ein Verräter mit Zugang zur Chefetage. Andere gefloppte Primeurs lassen aber einen Restzweifel.
Die Entwicklung der Auflage des SoBli ist tatsächlich selbst im Jammertal der Printmedien jämmerlich: im Jahr 2000 waren es noch 330’000 verkaufte Exemplare, 2010 dann 250’000, 2020 noch 125’000, und aktuell rund 74’000. Was der SoBli online einspielt, ist nicht bekannt, da das nie eigenständig gemessen wurde und er ab 2010 dort totalintegriert in blick.ch wurde.
Es ist allerdings nicht zu vermuten, dass die absurde Rechnung des Gerichts in Sachen Spiess-Hegglin zutrifft, dass Ringier dort Tausende von Franken pro Artikel verdient.
Also Rückgang um 78 Prozent seit 2000, nochmals fast eine Halbierung seit 2020. Das hat allerdings, wie überall sonst auch, nicht nur mit Internet, Google, Social Media, abwandernden Inseraten und anderem Leseverhalten zu tun. Das ist die übliche Entschuldigungsarie der unfähigen Verlagsmanager.
Die nicht so glückliche «Blick»-Familie hat’s allerdings besonders schwer getroffen. Schon ein halbes Jahr nach ihrem Eintritt wurde Ladina Heimgartner im Oktober 2020 CEO der Blick-Gruppe. Von da an ging’s noch steiler bergab.
Zum einen gab’s das übliche Bullshit Bingo:
«Wir wollen die relevanteste Medienmarke der Schweiz sein. … Der Journalismus bleibt das Herzstück unseres Geschäfts. … Digital first bedeutet nicht Print last. … Unabhängiger Journalismus ist für eine Demokratie unverzichtbar.»
Das sind nicht mal Gedanken im durchsichtigen Negligé, das ist luftiges Nichts.
Die Dame ohne jegliche Verlagserfahrung (sie kam aus der geschützten Werkstatt des rätoromanischen Staatsgebührensenders) stapelte dann mit Modewörtern wie «Resilienz» tief, verantwortete ein teures, aber völlig idiotisches Redesign mit Kästchen-Logos und einem l in Form eines Regenrohrs. Das sollte die Boulevardblätter angeblich weiblicher machen.
Und überhaupt wurden sie enteiert; Boulevard ohne Boulevard, war die absurde Linie. Funktioniert etwa so, wie wenn man mit Platzpatronen in den Krieg zieht. Büsis, Blut, Busen? Igitt. Der ewige Renner Sex-Ratgeber? Weg damit. Blut? Nur noch in homöopathischen Dosen. Büsis? Gut, wenn’s sein muss. Aufreger, Kampagnen, Volkes Stimme, die ständige Eroberung der Lufthoheit am Stammtisch? Pfui.
Begleitet wurde das von einem rasanten Wechsel der Führungskräfte, denn irgend jemand musste ja die Verantwortung übernehmen, ohne am Schlamassel schuld zu sein. Christian Dorer, der mit seinem Schwiegersohn-Charme das menschliche Antlitz des noch einigermassen erfolgreichen Boulevards war: auf üble Weise abgesägt und entsorgt. Andreas Dietrich und Gieri Cavelty, erschreckt durch das Schicksal Dorers, reine Ja-Sager. Dann das letzte Aufgebot Rolf Cavalli und Reza Rafi, die sich wenigstens bemühen, zu retten, was zu retten ist.
Dazu die grösste Fehlbesetzung seit Christine Maier: Steffi Buchli, der erste «Chief Content Officer». Wenn man Form und Inhalt nicht mehr verschlimmbessern kann, dann fummelt man halt einen ganzen Zoo von absurden Titeln hin. Chiefs, Officers, Heads, die lange Zeit den halben Tag in Koordinierungssitzungen verbringen mussten, um herauszufinden, wer eigentlich wofür genau zuständig sei. Bei Absurd-Titeln wie «Head of Editorial Product & Innovation», im Unterschied zum «Head of Editorial Department». Hingegen der «Head of Growth Management» hat offensichtlich kläglich versagt. Kein Wunder, eine Frau. Ups, das war aber sexistisch.
Dazu kamen noch Blattmacher, Tagesleiter und Ressortleiter, plus eine vielköpfige Geschäftsleitung. Ach ja, und noch ein paar Indianer. Reporter, Aussenstellen, wo altbewährte Haudegen sassen und grossartige Storys herbeischleppten? Ach was, da kann man prima sparen. Reiner Slapstick, wenn’s nicht so tragisch wäre.
Ach doch, für eine Rückkehr des «Blick» zum alten, bewährten Logo reichte es dann doch, während der «SonntagsBlick» nochmal echt unter die Räder kam. Wie dichtete ZACKBUM damals? «Fällt dir gar nichts ein, mach doch ein Redesign».
Inzwischen lässt Ringier verlauten, dass es den SoBli weiterhin als «eigenständiges, starkes publizistisches Produkt» geben werde. Nur halt vielleicht nicht mehr am Sonntag. Das würde dann bedeuten: neu SaBli. Oder WoEnBli. Oder FaSoBli. Oder BlüBli. Eines ist sicher: es wird die schlimmstmögliche Variante werden.
Nur eines wird’s überleben, garantiert. Das Wort zum Sonntag (oder zu jedem beliebigen Wochentag) von Frank A. Meyer. Denn ohne seine lenkenden Eingriffe wäre Ringier, der Bundesrat, die Schweiz, Europa, ja die ganze Welt verloren.
Eng wird es allerdings auch für die noch zwei in der Deutschschweiz überlebenden Sonntagsblätter. Auch die SoZ ist dramatisch krankgeschrumpft worden, nur dank des Einzelkämpfers Arthur Rustishauser gibt sie manchmal Lebenszeichen von sich. Und die NZZaS? Man möchte fast meinen, wenn der Nachname des Chefredaktors mit B anfängt, dann wird’s zappenduster. Und hier heisst er Balzli. Mit Vornamen sogar Beat, doppeltes Vorzeichen.
Aber das ist nicht mal das Schlimmste. Die insgesamt rund 8000 Zusteller, die die Post beschäftigt, kosten trotz Subventionen nicht schlecht am Sonntag. Ging mal durch vier, zurzeit noch durch drei. Ob sich zwei das noch leisten und teilen können?
Von den grummelnden Redaktoren ganz zu schweigen, die am Samstagabend lieber ein vegetarisches Menü mit ihren Liebsten zu sich nehmen möchten, als noch die letzten News einzufangen, die fünf Stunden später sowieso Oldies sind.
Ist doch völlig klar, dass die drei Nulpen an der Spitze von Tamedia, Pardon, «Tages-Anzeiger», verflixt, dann halt TX, von «Blick» und von der NZZ bereits abgesprochen haben, wie das weitergeht. Einmal darf der Leser raten.










































