Schlagwortarchiv für: Charlie Kirk

Wumms: Lorenzo Petrò

Das Tiefenlot muss für den Tagi schon wieder verlängert werden.

Petrò hat «an der ZHAW Journalismus-Praxis unterrichtet und verbringt seine Freizeit auf einem Quartierhof in der Stadt. Seinem Interesse für Mensch, Boden, Tier und Wurst geht er in unterschiedlicher Intensität auch immer wieder beim Schreiben nach».

Seinem Interesse für Wurstigkeit geht er hier nach:

Das schlägt nun der Wurst die Krone ins Gesicht, oder so. Köppel mache auf Charlie Kirk? Man erinnert sich: der politische Aktivist stellte sich in Podiumsdiskussionen in den USA mit seinen erzkonservativen Ansichten der offenen Debatte an Universitäten. Bis er am 10. September 2025 in Utah bei einer solchen Veranstaltung erschossen wurde.

Kurz darauf kündigte der Besitzer und Chefredaktor der «Weltwoche» an, dass er eine Diskussionsreihe «Köppel auf dem Campus» starten werde. Es dauerte acht Monate, bis der Verein der Studierenden der Uni Zürich (VSUZH) den Mut fand, ihn tatsächlich einzuladen:

Das gibt natürlich unter den angehenden Akademikern der Uni ein grosses Hallo. Dabei zeigt sich, dass einzelne Vertreter unserer geistigen Elite das intellektuelle Niveau einer Stubenfliege haben.

«Einer aus der 5.Kolonne… Nichts gelernt seit dem 2. Weltkrieg …Komplett unnötig persone ihlade und e bühni büüte wo nur wänd werbig für ihri krude ahsichte und ihstellige mache … Zudem solltet ihr offenlegen, was Roger Köppel für dieses Format erhält oder verlangt hat … Ihr hättet einfach «Nein» sagen sollen … de chan grad wider gah …»

Unmöglich, schliesslich falle Köppel «seit Jahren durch rassistische, frauenfeindliche und demokratiepolitisch problematische Aussagen» auf, holzt ein anderer Anonymus.

Dumm wie Brot, diese Studenten; offenbar reine Verschwendung von Steuergeldern, ihnen akademische Bildung zuteil werden zu lassen. Dass Erkenntnis nur im offenen Schlagabtausch verschiedener Meinungen möglich ist, dass niemand gezwungen ist, an dieser Veranstaltung teilzunehmen – das ist diesen beleidigten Schneeflocken in ihrer Gesinnungsblase egal.

Was will uns nun der Tagi-Redaktor mit seinem launigen Titel sagen? Wenn Köppel auf Kirk mache, soll damit angedeutet werden, dass ihm auch das gleiche Schicksal blühen könnte? Wird er damit zum Abschuss freigegeben?

Wäre nicht das erste Mal. Als er mutig die Mohammed-Karikaturen nachdruckte, war es nur dem aufmerksamen Sicherheitsdienst zu verdanken, dass ein fundamentalistischer Wahnsinniger mit Messer nicht zu ihm vordringen konnte. Als das schlecht benannte «Zentrum für politische Schönheit» 2016 angeblich per Exorzismus «den Schleicher» aus Köppel austreiben wollte («Tötet Roger Köppel! Köppel Roger tötet!») und einen Saubannerzug Richtung seines privaten Wohnsitzes begann, brachte er seine Familie vorsichtshalber in einem Hotel in Sicherheit. Die Aktion endete dann allerdings kläglich schon an der Stadtgrenze von Zürich.

Und nun titelt der gleiche Tagi, der das damals als verzeihliche Ankündigung eines «Theatermords» verharmloste, dass Köppel einen auf Kirk machen wolle.

Wetten, dass erregte Demokratieretter und Befürworter der freien Meinungsäusserung – solange es ihre Meinung ist – versuchen werden, die Veranstaltung zu verhindern? Dieser Titel dazu ist im besten Fall geschmacklos, im schlechtesten Fall hetzerisch.

Die Heiligsprechung

Der Chäf hat vorgebetet, Urs Gehriger frömmelt hinterher.

«Mord an einem Brückenbauer», jammert Gehriger in der «Weltwoche» und wiederholt die Worte seines Vorbeters: «Das Attentat auf Charlie Kirk ist ein Anschlag auf das Herz der Demokratie.»

Denn das schlug offenbar in Kirk und nirgends sonst. Auch die Schuldfrage ist für Gehriger geklärt: «Politiker und Massenmedien tragen Mitschuld an seinem Tod

Also ZACKBUM schon mal nicht, aber wir sind ja auch kein Massenmedium.

Zunächst geht es um die Heiligsprechung: «Dabei hat er seine Werte stets ostentativ nach aussen getragen: seinen Glauben an Gott. Seinen Patriotismus. Seine Ablehnung des Gender-Wahns. Seinen Einstand für sichere Grenzen und Widerstand gegen unkontrollierte Einwanderung und Kriminalität.»

Kirk war von sanfter Überzeugung, laut Gehriger: «Viele ertrugen Kirks kritische Stimme nicht. Er wurde angefeindet. Kirk liess sich nicht einschüchtern. Er doppelte nach: «Bekämpfe Hassreden mit mehr Meinungsfreiheit» war seine Losung.»

Vielleicht sollte bereits der Papst eine Vormerkung machen: «Kirk war ein Frühberufener.» Das wäre doch ein Doppelschlag: Kirk wird heilig gesprochen und Trump kriegt den Friedensnobelpreis. Oder umgekehrt. Oder beide beides.

Dann zitiert Gehriger Präsident Trump, der seinerseits für versöhnliche Worte, Ausgleich und Brückenbauen bekannt ist: «Seit Jahren vergleichen radikale Linke wunderbare Amerikaner wie Charlie mit Nazis und den schlimmsten Massenmördern und Verbrechern der Welt. Diese Art von Rhetorik ist direkt verantwortlich für den Terrorismus, den wir heute in unserem Land erleben, und sie muss sofort aufhören.»

Terrorismus in den USA? Der grösste Terroranschlag von US-Staatsbürgern war das Oklahoma City Bombing von 1995. Fast 170 Menschen wurden getötet, darunter 19 Kinder. Ausgeführt wurde er von den zwei rechtsradikalen Gegnern von Waffenkontrolle und überhaupt staatlichen Massnahmen Timothy McVeigh und Terry Nichols.

Aber he, nicht nur Trump lügt notorisch und stetig.

Kirk war ein Sprachrohr der Wahlfälschung-Verschwörungstheoretiker von 2020 und nahm an «Stop the Steal»-Veranstaltungen teil. Als er vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses aussagen und seine wilden Behauptungen belegen sollte, machte er vom 5. Verfassungszusatz Gebrauch, also von seinem Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen.

Er brüstete sich damit, dass seine Organisation «Turning Point» im Januar 2021 80 Busse «voller Patrioten» nach Washington schicken werde, um Trump zu unterstützen. Später räumte sein Haufen dann ein, dass es eher sieben Busse gewesen seien.

Ganz schlimm sind seine fundamental-christlichen Aussagen. Gefragt, ob ein vergewaltigtes zehnjähriges Kind die Schwangerschaft austragen sollte, sagte er, das sei ein furchtbares Beispiel, «aber ja, das Kind würde zur Welt gebracht werden».

Grauenhaft ist auch sein Vergleich von Abtreibung mit dem Holocaust:

«Das ist, wie wir Auschwitz bekommen, das ist, wie wir den grössten Horror des 20. Jahrhunderts bekommen haben.»

Auf Nachfrage, ob er Abtreibung wirklich mit der Judenvernichtung vergleiche, antwortete er: «Absolut. In Wirklichkeit ist es schlimmer, es ist schlimmer.»

Oder in den salbungsvollen Worten von Gehriger: «Für Kirk war der Glaube der Urquell für alles, was er tat. Die Bibel war ihm Kraftstoff und Referenzschrift für alle Situationen im Leben.»

Dabei war sich Kirk, säuselt die WeWo, seiner menschlichen Begrenztheit durchaus bewusst: «Wir sind alle Sünder. Wir alle haben Probleme. Wir alle haben Laster, doch Jesus macht uns ganz

Kirk gleich als Messias hochzujubeln, das traut sich Gehringer dann doch nicht. Noch nicht. Aber dafür hat er einen anderen Vergleich auf Lager, der einem die Lachtränen in die Augen treibt:

«Sein Rhetorikstil erinnerte an Sokrates, den antiken Philosophen, den wir aus Platons Werken kennen. Durch Fragen und Nachfragen legte er Widersprüche im Denken des Gesprächspartners offen.»

Charlie Sokrates Kirk, Wahnsinn.

Das ist Abteilung Dadaismus und Gagaismus. Aber Gehriger kann auch hinterfotzig: «Medien und Politiker bis hinauf in die Staatsspitze haben über Jahre eine Stimmung geschaffen, die das Terrain für den Mord an Kirk ebneten.»

Die ausgeleierte alte Leier: die Medien waren’s, und wenn nicht sie, dann die Politiker. Ausschliesslich die linken natürlich. Dann wird es ganz, ganz dünn: «Gewalt gegen Politiker und Aktivisten gibt es in den USA auf beiden Seiten. Doch Konservative werden auffällig oft ins Visier genommen.»

Als Beleg dafür kratzt Gehriger gerade mal einen angeschossenen republikanischen Abgeordneten und ein vereiteltes Attentat auf einen Bundesrichter zusammen. Plus natürlich die beiden Attentatsversuche auf Trump.

Am 14 Juni 2025 wurden die demokratische Politikerin Melissa Hortman und ihr Mann erschossen. Kurz zuvor gab es einen Anschlag auf den demokratischen Senator John Hoffmann und seine Frau, die beide schwer verletzt wurden. 2022 wurde bei einem Kidnappingversuch der Ehemann von Nancy Pelosi schwer verletzt. Im gleichen Jahr gab es einen Attentatsversuch auf den demokratischen Bürgermeisterkandidaten Craig Greenberg. Usw.

Irgendwie passen alle drei zusammen. Trump, Kirk und Gehriger. Alle drei nehmen es mit dem Fakten nicht so genau, dafür polemisieren sie ungehemmt. An der Frömmigkeit muss er vielleicht noch etwas arbeiten. Aber auch da kann er sich seinen Chäf als Vorbild nehmen.

Köppel kriegt Krawall

Nach der Ermordung von Charlie Kirk will der «Weltwoche»-Chef an Schweizer Unis debattieren. Das kann schwer ins Auge gehen.

Der Mann hat Mut. Als Roger Köppel Chefredaktor der «Welt» in Berlin war, drang ein fundamentalistischer Wirrkopf 2006 mit einem grossen Messer bewaffnet in die Redaktionsräume ein. Er wollte Köppel wegen der Wiederveröffentlichung von Mohammed-Karikaturen ermorden.

Sicherheitskräfte hielten den pakistanischen Studenten auf. Später beging der in Untersuchungshaft Selbstmord.

2016 wollte das berüchtigte «Zentrum für politische Schönheit» unter Mithilfe des Theaters am Neumarkt einen «Exorzismus» an Köppels Wohnort durchführen, um ihm «den Schleicher auszutreiben». Der Saubannerzug endete allerdings an der Zürcher Stadtgrenze, während sich Köppel mitsamt seiner Familie in Sicherheit gebracht hatte.

Am solidarischen, achtsamen und inkludierenden 1.-Mai-Fest im Kasernenhofareal versuchten 2019 vermummte Chaoten, den WeWo-Redaktor Alex Baur zu verprügeln und zerstörten den Empanada-Stand, den seine peruanische Frau mit ihren Kindern betrieb. Die «Weltwoche» habe hier nichts zu suchen.

Nach dem «Schuss ins Herz der Demokratie», wie Köppel das Attentat auf den religiösen Debattierer Kirk bezeichnet, sieht er «auch bei uns die Streitkultur bedroht».

Deshalb hat er angekündigt, er werde auf dem Campus das Streitgespräch mit Andersdenkenden suchen. Motto: Köppel auf dem Campus.

Das wird garantiert krawallig.

Wenn es überhaupt stattfinden wird. In der Schweiz sind Veranstalter ziemlich ängstlich. Als dieser Autor ein Buch in einem Streitgespräch mit Christoph Blocher vorstellen wollte, hagelte es Absagen. Vorgeschobenes Argument: «Sicherheitsbedenken» wegen Blocher.

Also wird die erste Hürde für Köppel sein, dass er überhaupt Bewilligungen erhält, um die heiligen Hallen von Universitäten und anderen Bildungsanstalten zu betreten.

Und dann? In der «Sonntagszeitung» sieht das Julia Bogdan, Co-Präsidentin des Verbands der Schweizerischen Studentenschaft (VSS), ganz entspannt:

«Ich finde es okay, wenn Roger Köppel mit Studierenden debattieren will. Ich glaube einfach nicht, dass die Debattenkultur an Schweizer Unis gefährdet ist.»

Eine typische Meinung aus dem Elfenbeinturm, der weit aus der Realität herausragt.

Offensichtlich hat Bogdan die diversen Protestaktionen und Unibesetzungen im Zusammenhang mit dem Krieg im Gazastreifen nicht mitbekommen.

Alleine seit 2024 kam es zu diversen Polizeieinsätzen. Im April 2024 wurde ein Gast-Vortrag an der ETH Zürich abgesagt. Die Uni Genf sagte gleichzeitig ein Treffen mit Hauptgeldgebern wegen erwarteter Proteste ab.

Die Uni Bern entzog einem Amnesty/UN-Podium kurz vor dem Event die Raumbewilligung. An der Uni Zürich wurde die Ringvorlesung «Antisemitismus» unterbrochen und gestört. An der Uni Freiburg wurde eine Podiumsdiskussion mit Aussenminister Ignazio Cassis wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. An der ETH Lausanne und der Uni Lausanne wurden Veranstaltungen des «Palästina Talks» teilweise abgesagt – nach Protesten und wegen Sicherheitsbedenken.

So viel zur ungefährdeten Debattenkultur in der Schweiz an höheren Lehranstalten.

Bogdan liefert dann gleich selbst ein gutes Beispiel für das hohe Niveau der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden unter Studenten. Sie findet es «offensichtlich», dass Köppel den Tod Kirks «in einer gewissen Weise instrumentalisiert».

Und eine solche Instrumentalisierung sollte man doch verhindern, oder nicht?

Natürlich weiss Köppel, der gerne den als Biedermann mit Krawatte verkleideten Brandstifter spielt, ganz genau, was er mit dieser Ankündigung provoziert. Denn auch hier in der Schweiz zeigen unbedachte Äusserungen auf Social Media, dass sich bei vielen Linken und Woken (natürlich nicht bei allen) die Trauer über den Tod von Kirk in überschaubaren Grenzen hält.

Die Argumentation ist immer ähnlich: natürlich sei Gewalt oder gar die Ermordung eines Andersdenkenden inakzeptabel. Dann kommt jeweils ein mehr oder minder verklausuliertes Aber. Aber er habe halt selbst Hass gesät. Er habe sich gegen eine Verschärfung der Waffengesetze ausgesprochen. Er habe Lügengeschichten über angebliche Wahlfälschungen verbreitet. Er habe selbst Gewalt wie den Sturm auf das Capitol befürwortet. Usw.

Man schaue sich nur an, was auf Bluesky so herumgeistert. Hierhin sind viele Linke und Woke geflüchtet, als Elon Musk Twitter übernahm und zu X machte.

Nun zeichnen sich auch Neonazis und andere Rechtsradikale nicht gerade durch eine offene Debatten- und Streitkultur aus.

Es ist aber unbestreitbar, dass vor allem Linke nicht nur zu Verbalinjurien neigen («Fuck you, Mr. President», der SP-Co-Präsident Cédric Wermuth). Sondern auch der Auffassung sind, dass gewisse Wörter (wie das M- und das N-Wort) verboten gehören.  Ein Stand der SVP an der Schwamendinger Chilbi zerstört gehört. Weil gewisse Ansichten nicht zulässig sind.

Genauso wenig wie dahinter vermutete Haltungen (Rechtsradikaler, Hetzer, Rassist, Populist). Und Träger solcher Haltungen sind Unmenschen, die einem gedeihlichen Zusammenleben im Weg stehen – und zumindest mundtot gemacht werden müssen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz». 

Maschinengewehr Köppel

Der Mann, der schneller schreibt als er denkt.

Lucky Luke schiesst schneller als sein Schatten. Der Besitzer, Herausgeber, Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche» hat das Problem, dass wie bei von ihm verehrten US-Präsidenten Checks and Balances fehlen, die ihn von Schnellschüssen abhalten.

Schreibt Roger Köppel los, kann ihn niemand auf halten. Natürlich erregt er sich über die Ermordung des US-Polemikers Charlie Kirk. Zunächst verklärt er ihn als Lichtgestalt, als «Kulturkämpfer». Dann kritisiert er völlig zu recht die teilweise widerlichen Reaktionen aus dem linken Lager.

Daraufhin sondert er eine nötige Packungsbeilage ab: «Es gibt auch rechte Ideologen, Spinner und Gutmenschen, die zur Waffe greifen.» Das ist natürlich nur die Einleitung zu: «Doch verharmlost und tabuisiert wird nach wie vor die viel häufigere Gewalt von links.»

Wie immer wackelig ist sein Ausflug in die Ideengeschichte: «Im Marxismus ist die christliche Vorstellung, es gebe ein Paradies im Jenseits, zum politischen Gebot verweltlicht worden, dieses Paradies im Diesseits zu verwirklichen. So sehen sich linke und grüne Politiker, selbst wenn sie sich nicht offen auf marxistische Ideen beziehen, als Vollstrecker heilsgeschichtlicher Erwartungen im konkreten Leben.»

Vielleicht könnte es bei einer Kritik am Marxismus helfen, ihn verstanden zu haben. Aber das scheint für Köppel, den bekennenden Christen, völlig überflüssig zu sein.

Auch von Kirk weiss Köppel nicht viel, gesteht sogar, ihn vor seiner Ermordung nicht gekannt zu haben: «Er soll Millionen junger Amerikaner für traditionelle und christliche Werte begeistert haben.» So kann man das auch formulieren, wenn man die Positionen von Kirk nicht kennt.

Ein paar Beispiele:

  • Nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 verbreitete Kirk mehrfach die unbelegte These von massenhaftem Wahlbetrug zugunsten Joe Bidens.

  • Er forderte u. a. dazu auf, Wahlmänner aus «umstrittenen» Bundesstaaten nicht anzuerkennen. Das wurde von Gerichten und Wahlaufsichtsbehörden widerlegt.

  • Er verbreitete Zweifel an Impfstoffen und sprach von «Zwangsimpfungen», obwohl es keine generelle Impfpflicht gab.
  • Er benutzte den Begriff «Great Replacement» bzw. argumentiert in dessen Nähe (die Behauptung, weisse US-Amerikaner würden absichtlich «ersetzt»).
  • Er bezeichnete den Klimawandel wiederholt als «Schwindel» oder «übertrieben» und lehnte Klimaschutzvorgaben ab.

In diesem Sinne holt auch Köppel den Zweihänder heraus:

«Der Mordfall Kirk ist ein besonders abscheuliches Beispiel linker Cancel-Culture in den Vereinigten Staaten

Diese Ermordung sei  Bestandteil der Cancel-Kultur? Bevor über den Attentäter und seine Motive auch nur das Geringste bekannt ist?

Aber Köppel galoppiert weiter ins Gestrüpp: «Diese Gewalt ist der verbrecherische Ausfluss eines Denkens, das Konservative automatisch als „Nazis“ abstempelt, damit zu Massenmördern entmenschlicht. Auf der rechten Seite findet sich kein Kampfbegriff, der auch nur annähernd diese verleumderische Kraft entfaltet.»

Natürlich ist der inflationäre Gebrauch des Begriffs Nazi ungefähr gleich bescheuert wie das Schwingen der Antisemitismus-Keule.

Aber es gebe rechts keine verleumderischen Kampfbegriffe gegen Linke? Wie wäre es mit diesen hier:

  • Gutmensch

  • linksgrün versifft

  • Ökospinner, Klimahysteriker

  • Woke-Sekten

  • Staatsfunker (für Medienschaffende)

  • Volksverräter

  • Vaterlandsverräter

  • Linksextremist

  • 68er-Verseuchter

Insbesondere der Volks- oder Vaterlandsverräter hat eine lange Tradition bei der Rechten, der sich wohl auch Köppel zurechnen würde. Der argumentenfreie, keifige Ton, die Warnungen vor Untergang und Niedergang, würde man Forderungen von «linken Spinnern» folgen, das ist genauso Bestandteil des groben Rüpelns im politischen Raum wie linke Denunziationen von angeblichen oder echten Nazis.

Das politische Attentat hat in den USA eine lange und unselige Tradition. Rechte wie Linke wurden schon Opfer. Und reflexartig verurteilt die andere Seite ein solches Attentat als Ausfluss einer hasserfüllten Debattenunkultur, an der natürlich nur die anderen, hier also die «Cancel-Culture», schuld sei.

Solche Behauptungen tragen nichts zu einer Versachlichung der Debatte bei. An seiner Imitation eines elder Statesmen mit gepflegt-bürgerlichem Ton muss Köppel noch viel üben und arbeiten. Aber wer hilft ihm dabei?