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Schlagwortarchiv für: Chaos

René Zeyer

Ach, Münger

19. April 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Auslandchef ohne Ausland und ohne Verstand.

Er ist der Meister der Fehlanalyse. «Umso wichtiger scheint, dass das Trump-Comeback verhindert wird», orakelte er ein Jahr vor den letzten US-Wahlen. «Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte», behauptete er. Als der aussichtsreichste Kandidat dann wegen erwiesener Senilität zurückgetreten wurde, wiederholte sich Christof Münger: «Es geht bei diesem Wahlkampf nicht um politische Programme, sondern darum, das Comeback von Donald Trump im Weissen Haus zu verhindern. Wie man zu Kamala Harris steht, wird zur Nebensache.»

Aber wieso in der Vergangenheit schwelgen, auch der aktuelle Münger vermag zu erheitern. Muss auch frustrierend sein, sich «Leitung Ausland» zu nennen und unter sich einen verpeilten Enver Robelli als Stellvertreter zu haben. Die beiden Führungskräfte leiten ganze drei Auslandredaktoren. Bitter.

Aber da bleibt die Flucht in die grosse, weite Welt. Zumindest bis nach Ungarn: «Trump verliert seinen Best Buddy in Europa». So kann man das sehen. Interessiert nur keinen.

Richtig peinlich wird’s allerdings, wenn zwischen Redaktionsschluss und Publikation die Welt Münger nicht den Gefallen tut, stehenzubleiben: «Öffnung von Hormuz: Eine wirtschaftliche Verschnaufpause, aber noch nicht das Ende des Kriegs», wusste der Weltenlenker am 17. April. «Nun bietet sich die Chance, den Konflikt beizulegen», orakelte er weise. Dabei sollte er doch wissen, dass der Mad Man im Weissen Haus noch unberechenbarer als die Zahl Pi ist. Und was am 17. geschrieben wird, am 18. bereits obsolet geworden ist.

«Die Interessenlage auf beiden Seiten ermöglichte offenbar eine teilweise Einigung der Regierung Trump mit dem iranischen Regime», will der Kenner der Sachlage wissen. Tja, bessere Kenner der Sachlage würden sich nicht trauen, Aussagen darüber zu treffen, ob die Strasse von Hormus nun offen, zu, halboffen, halbzu oder überhaupt ist. Tanker kehren um, Trump wendet auf dem Absatz, Iran droht, Trump sagt, es gebe ein Abkommen «in ein oder zwei Tagen». Oder es werde wieder bombardiert, oder so. Trump sagt, die USA würden das angereicherte Uran Irans übernehmen. «Irans angereichertes Uran wird nirgendwohin transferiert», sagt der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Vielleicht verwechselt Trump Uran und Iran, kann doch passieren.

Also in einem Wort: Kuddelmuddel. Chaos. Widerspruch im Widerspruch. Wer nicht weiss, dass eine Aussage von Trump schon nicht mehr zutreffen kann, bevor er den Satz zu Ende gebrabbelt hat, disqualifiziert sich als Analyst und Kommentator.

Vielleicht sollte sich die Rumpf-Auslandsredaktion von Tamedia darauf beschränken, schlechtere Titel und Leads über die Korrespondentenberichte der «Süddeutschen Zeitung» zu setzen und sie fürs Korsett der Artikellängen im Verschiebebahnhof des Tamedia-Kopfsalats zurechtzuschnitzen.

Denn wie verkündete die publizistische Leiter nach unten: Zur Qualitätssteigerung werde eine neue Artikellänge eingeführt: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert. Eine neue «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» à la Simon Bärtschi. Mit seiner Schmerzfreiheit könnte er problemlos Pressesprecher von Trump werden.

Dem armen Münger bleibt nur ein einziger wahrer Satz am Ende seiner regelwidrig auf 5000 A gebastelten «Meinung», die gar eine «Analyse» sein soll:

«Deshalb ist noch unklar, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgeht.»

Klar ist: alles ist unklar. Klar ist: bei Trump weiss man nie. Klar ist: Münger weiss es auch nicht. Unklar ist einzig: wieso hält er dann nicht die Klappe?

Völlig unklar ist: wieso soll jemand für diesen Schrott bezahlen? Oder sagten wir das schon in aller Klarheit?

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-18-um-08.58.22.png 384 1014 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-19 05:00:592026-04-19 20:08:51Ach, Münger
René Zeyer

Wundertüte Urs Gehriger

12. April 2026/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Gleich noch ein Lob. Das Trump-Groupie wendet sich enttäuscht ab.

Die Versuche, den erratischen Bewegungen des Mad Man im Weissen Haus Zweck und Sinn zu geben? Vorbei, gestrichen, abgehakt.

Es ist wie in einer Beziehung, die in die Brüche gegangen ist. Statt Lob Tadel, statt Anhimmeln Niedermachen, Enttäuschung, die schmerzt.

Aber Resultate zählen. Gehriger neu in der «Weltwoche»: «Donald Trumps Drohung mit dem «Untergang einer ganzen Zivilisation» markiert einen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft.» Zack.

Wie das? «Die eskalierende Rhetorik ist die eines Mannes, der den Kompass verloren hat.» Bum.

Statt Loblieder auf Trump singt Gehriger nun Arien über den Iran und will damit sicherlich auch die eigene Bildung unter Beweis stellen:

«Der Iran ist der Erbe der jahrtausendealten persischen Zivilisation, einer der einflussreichsten in der Geschichte der Menschheit.
Kyros der Grosse schuf im 6. Jahrhundert v. Chr. die erste Charta der Menschenrechte.
Die Perser errichteten mit der «Königsstrasse» eines der ersten organisierten Postsysteme der Welt. Sie entwickelten antike Kühlschränke und unterirdische Bewässerungssysteme.
Iranische Gelehrte wie Avicenna prägten die europäische Medizin. Ohne Al-Chwarizmi, Begründer der Algebra, wären Blüten der heutigen Wissenschaften undenkbar.» Und so weiter, und so fort.

Aber zurück zum Objekt der enttäuschten Liebe: «Sollte er zur Tat schreiten, würde er sich ein in die Riege von Barbaren einreihen wie den Taliban, welche die Buddhas von Bamiyan in die Luft sprengten. Oder den Dschihadisten des Islamischen Staates, die im syrischen Palmyra wüteten.»

Hoppla, Trump als Barbar in der Tradition der Taliban, der Dschihadisten. Damit riskiert Gehriger aber seine nächste Einreise in die USA und seinen nächsten Besuchs in Trumps Prunkpalast Mar-a-Lago.

Wobei, aus alter Gewohnheit gibt’s dann doch noch einen halbherzigen Rettungsversuch: «Man kann versuchen, Trumps Worte umzudeuten.» Aber nach etwas schlappen Ansätzen gibt Gehriger schnell auf: «Trumps Gedankenwelt ist erratisch.» Wirklich ein Schnellmerker.

Der mit einem vernichteten Resümee endet. Trumps abbröckelnde Anhängerschar lobe die ständigen Wendungen als Regierungsform der «strategische Unsicherheit». Vergesst es, hält dem Gehriger entgegen: «Sie stiftet vor allem eines: Chaos.»

Da ist ZACKBUM aber gespannt, ob Gehriger in Zukunft diese Linie beibehält – oder im Sinne seines gefallenen Idols auch eine Pirouette hinlegt …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-08-um-13.00.14.png 274 632 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-12 05:00:482026-04-08 13:06:58Wundertüte Urs Gehriger
René Zeyer

Fake News von der «Republik»

8. April 2025/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wir schalten mal wieder in die Märchenstunde aus dem Rothaus in Zürich.

Sicherlich, es hat etwas Repetitives, aber ZACKBUM muss seiner Berichterstatterprflicht auch aus den Sumpfgebieten des Gesinnungsjournalismus nachgehen.

Dort herrscht bekanntlich ein gröberes Missverhältnis zwischen der Realität und ihrer Wahrnehmung. Die äussert sich in geballter Form in gelegentlichen Newslettern, die zurzeit mit folgender Anrede verziert sind:

«Sehr geehrte Frau Verlegerin, Sehr geehrter Herr Verleger, and everybody beyond!» ZACKBUM ist sich nicht sicher, ob das wirklich sprachlich korrekt alle Gender abbildet. Aber gut, es geht ja um den Inhalt (oder die Inhaltin?). Da behauptet der NL:

«Seit Sie zuletzt von uns gehört haben, ist einiges geschehen. Denn damals, im Januar, war noch nicht klar, ob wir das notwendige Umsatz­ziel von 3,5 Millionen Franken bis Ende Januar erreichen würden.
Doch nun haben wir gute Nachrichten.»

Aber dann kommen doch zuerst schlechte Nachrichten, denn eine gerade Argumentationslinie durchzuhalten, das ist nicht so das Ding der «Republik»:

«Rundherum wirkt es manchmal fast so, als versinke die Welt im Chaos. Faschisten, Populistinnen und Demokratie­feinde drängen vielerorts an die Macht, und nicht nur in den USA scheinen plötzlich Dinge nicht mehr zu gelten, die zuvor in einer Demokratie selbst­verständlich waren. Das macht auch uns grosse Sorgen.»

«Wirkt fast manchmal so», gäbe es noch einen Textchef in der Postille, hätte er diesen Schwamm entfernt. Und dass die Schreiberlinge mal wieder ernsthaft besorgt sind, das interessiert ausser sie selbst eigentlich auch keinen.

Aber, Halleluja, die Verleger gäben Anlass zu Optimismus: «Denn Ihre Anzahl wird seit Mai 2024 konstant grösser, Monat für Monat. Ausserdem, und das freut uns fast noch mehr, sind unsere bestehenden Verlegerinnen so treu wie noch nie. Im laufenden Geschäfts­jahr haben bisher durchschnittlich über 80 Prozent von Ihnen ihre Mitgliedschaft erneuert. Das sind 5 Prozent­punkte mehr als noch vor einem Jahr! Dank dieser Entwicklungen haben wir unser Umsatzziel im Januar erreicht und sind weiterhin auf Kurs für einen erfolgreichen Abschluss des Geschäfts­jahrs im Juni.»

Wie genau wurde denn nun das Umsatzziel Ende Januar erreicht oder nicht? Diese selbstgestellte Frage zu beantworten, das geruht die Crew der «Republik» allerdings nicht. Stattdessen streut sie fröhlich Fake News, als möchte sie sogar Donald Trump in den Schatten stellen.

Die Anzahl der Verleger werde konstant und Monat für Monat grösser. Hm. Schaut man sich im Cockpit allerdings den gerade vergangenen Monat März an, dann haben hier rund 1800 Verleger das sinkende Schiff verlassen, während etwas über 1250 neu «an Bord» kamen. Also da würde Trump wenigstens eine entsprechende Grafik fälschen, um nicht dermassen plump der Unwahrheit überführt zu werden.

Aber offensichtlich sind die Macher der «Republik» überzeugt, dass «unabhängiger, faktenbasierter, kritischer Journalismus» im Notfall auch darin bestehen kann, dass er von den tiefen Taschen zweier Erblinken abhängig ist, dass er nur dann auf Fakten basiert, wenn sie in den Kram passen, und dass er solchen (wie vielen anderen) Fehlleistungen absolut unkritisch gegenübersteht.

Daher verwundert es nicht, dass viele Verleger davon absehen, solchen Schrott weiterhin finanziell zu unterstützen. Erstaunlich ist hingegen, dass es andere gibt, die das Verröcheln der Wirklichkeit in einer luftdichten Gesinnungsblase weiterhin finanzieren wollen.

Das ist wahrscheinlich nur so zu erklären, dass sie damit ihr schlechtes Gewissen beruhigen wollen und sich davon freikaufen, den jämmerlichen Inhalt auch noch lesen zu müssen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Papagei_Republik1.jpeg 274 830 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-04-08 05:00:072025-04-07 10:30:17Fake News von der «Republik»
René Zeyer

Inflation? Ach ja.

5. Juni 2022/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Inflation läuft. Galoppiert sie dann mal?

Daher gibt es immerhin 675 Treffer in der SMD für den Begriff – in den letzten drei Tagen. Fast gleichviel wie über Queen Elizabeth, aber ein Klacks gegen 3550 zu Ukraine. Man muss Prioritäten setzen.

Inflation, das ist in der Geldwirtschaft ungefähr so wichtig wie die Gravitation in der Wirklichkeit. Die Gravitation sorgt dafür, dass nicht alles in der Luft schwebt. Die Inflation sorgt dafür, dass es anständige Zinsen gibt und Geld vernünftig allokiert wird.

Soweit die Theorie. Nun war es aber lange Jahre so, dass es kaum Geldentwertung gab. Zinsen auch nicht. Im Gegenteil, in der Schweiz herrschen bis heute sogenannte Negativzinsen.

Das ist so wie negative Schwerkraft. Schwer vorstellbar, aber real. Zinsen sind normalerweise die Risikoprämie für den Gläubiger. Sie halten den Schuldner vor allzu wildem Gehabe ab, denn er muss geliehenes Geld nicht nur zurückzahlen, sondern auch noch mit Zinseszins.

Bei Negativzinsen ist es umgekehrt. Der Gläubiger zahlt etwas dafür, dass er sein Geld verleihen darf. Soweit schwer verständlich, aber klar.

Inflation oder Geldentwertung heisst, dass im Verhältnis zwischen Geld und Waren oder Dienstleistungen eine Veränderung stattfindet. Teuerung heisst, dass man mit der gleichen Menge Geld weniger kaufen kann. Nun schrumpfen nicht einfach die Geldnoten im Portemonnaie, was kleine Inflationsraten nicht dramatisch spürbar macht.

Die klassische Erklärung für Inflation ist einfach. Wird bei gleichbleibendem Angebot mehr Geld hergestellt, entwertet es sich entsprechend. Platt vereinfacht: ein Ei kostet einen Franken. Nun wird ein zweiter Franken von der staatlichen Notenbank hergestellt, dann kostet das Ei zwei.

Erklärungen funktionieren seit Jahren nicht mehr

Die klassische Erklärung funktioniert spätestens seit der Finanzkrise eins 2008 nicht mehr. Seither haben die Notenbanken Neugeld wie Heu hergestellt und ihre Bilanzen aufgebläht. Rekordhalter ist die Schweizerische Nationalbank (SNB). Ihr Bilanzvolumen ist inzwischen viel grösser als das BIP, also alles, was die Schweiz in einem Jahr an Wertschöpfung betreibt. Dennoch gab es lange Jahre keine nennenswerte Inflation.

Warum? Da murmeln die Geldspezialisten etwas von Umlaufgeschwindigkeit, verschiedenen Geldmengen, inflationäre Wirkung nur im Konsum, Blabla. Man könnte auch einfacher sagen: da wir uns seit Langem in nicht kartografierten Gebieten der Geldwirtschaft bewegen, weiss niemand so genau, wieso es trotz gigantischer Aufblähung der Geldmenge kaum Inflation gab.

Wer davor warnte, dass eine Inflation zur Anhebung des Zinsniveaus führen muss (womit klassischerweise Inflation bekämpft wird), was aber bei über beide Ohren verschuldeten Staaten gar nicht mehr möglich ist, weil die dann ihre Zinsdienste nicht mehr leisten könnten, wurde als Schwarzseher ausgelacht. Geht doch, kein Inflationswölkchen am Horizont zu sehen, geniessen wir den Sonnenschein.

Negativzinsen for ever, Inflation ist nicht mehr im Angebot, kein Problem. Das hat sich in den letzten Wochen und Monaten dramatisch geändert. Man muss noch ergänzend hinzufügen, dass die Messung der Inflation eine sehr fragwürdige Sache ist. Dafür wird nämlich ein sogenannter Warenkorb zu Hilfe genommen, der weder in den Proportionen noch in seinem Umfang der Wirklichkeit nahe kommt. So sind zum Beispiel Immobilienpreise oder Versicherungen (Krankenkasse!) nicht enthalten.

Wie steht’s mit der Inflation aktuell?

Daher spricht man neben der offiziell gemessenen auch noch von der gefühlten Inflation. Aber bleiben wir bei den offiziellen Zahlen. Bei den Verbraucherpreisen beträgt die in den USA bereits 8,3 Prozent. Was das die Schweiz angeht? Sehr viel, denn die USA sind immer noch Wirtschaftsmacht Nummer eins der Welt; die meisten Geschäfte werden überall in US-Dollar abgeschlossen.

In der EU beträgt die durchschnittliche Inflationsrate zurzeit 8,1 Prozent. In den baltischen Staaten kratzt sie bereits an der Schwelle von 20 Prozent. Was das die Schweiz angeht? Die EU ist nach wie vor einer unserer wichtigsten Handelspartner.

Und in der Schweiz? Auf Monatsbasis 0,7 Prozent. Ach, putzig. Nein, das wären aufs Jahr hochgerechnet 8,4 Prozent. Schluck. Kann ja sein, dass ein Monat nicht signifikant genug ist, also nehmen wir die vier zurückliegenden Monate. Da sind wir dann bei einer Jahresinflation von 7,2 Prozent. Schluck.

Obendrauf kommen noch die 0,75 Prozent Minuszinsen, die die SNB als Leitzinsen vorgibt. Nochmal schluck.

Einfache Kreisläufe und Abhängigkeiten

Im Konsumbereich gibt es ein ganz einfaches Kriterium. Wer annimmt, ein von ihm begehrtes Produkt wird in naher Zukunft billiger, wartet mit dem Kauf. Weniger Nachfrage, eher sinkende Preise. Herrscht nennenswerte Inflation, kaufe ich lieber heute, bevor das Produkt morgen deutlich teurer ist. Steigende Nachfrage …

Bekomme ich für angelegtes Geld einen anständigen Zins, der mindestens deutlich über der Inflationsrate liegt, lasse ich mein Vermögen eher auf dem Konto. Kann ich dabei zusehen, wie es weniger wird, haue ich es lieber raus.

Dabei kommt es nicht auf die absoluten Zahlen an. Wenn die Inflation 12 Prozent beträgt und der durchschnittliche Zinsertrag 16 oder 17 Prozent, ist eigentlich alles soweit in Ordnung, die Inflation kommt dann auch wieder runter. Dafür gibt es in den 80er-Jahren genügend Beispiele. Aber damals gab es noch nicht diese exorbitante Staatsverschuldung von bis zu 100 Prozent des BIP – und darüber hinaus. Damals konnte die Notenbank die Leitzinsen brutal hochfahren, um die Inflation runterzuholen.

Aber heute? Schon aktuell machen die Schuldendienste einen der grössten Ausgabeposten in den Staatshaushalten aus. Schwachbrüstige Kandidaten wie Griechenland, östliche EU-Mitglieder oder auch Italien müssten Staatsbankrott erklären, würde das Zinsniveau allgemein und deutlich angehoben.

Inflation hat allerdings einen Vorteil, der den hochverschuldeten Staaten durchaus zu pass kommt. Umso höher, desto schneller kann sich der Schuldner seiner Schulden entledigen. Hat er sie zum Wert von 100 aufgenommen, betragen sie nach 10 Prozent Inflation nur noch 90. Man rechne.

Wo soll das alles also enden? Ist der Sparer, der Rentner mal wieder gekniffen, der Schuldner, ob gross oder klein, fein raus? Oder gerät alles ins Rutschen, schlägt vieles unsanft auf dem Boden auf, wenn die Gravitation in der Finanzwelt, der Zins, wieder eingeschaltet wird?

Wie wird denn die Zukunft?

Das ist das Schöne an nicht kartographierten Gebieten. Niemand weiss es. Wer es zu wissen behauptet, ist ein Scharlatan, ein Kaffeesatzleser, behauptet, im Besitz einer Glaskugel zu sein. Was soll also der Leser der «Ostschweiz» tun, dem logischerweise sein Portemonnaie näher sitzt als Fragen nach Staatsschulden oder weltweiten Verwerfungen? Da wir auch nicht über die Fähigkeit verfügen, in die Zukunft zu blicken: keine Ahnung. Betongold, echtes Gold, konsumieren, verbuddeln, diversifizieren, über Währungen, Anlageformen streuen? In Scheinen aufbewahren? Zu Hause? Im Schliessfach?

Da sagen wir doch einfach: gute Fragen. Sehr gute Fragen.

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Sonntag_Header.jpeg 313 683 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-06-05 06:00:402022-06-03 13:40:10Inflation? Ach ja.

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