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Das Elend der Elendsmedien

Maulkorb für einen Journalisten? Na und?

Die Gerichtspräsidentin des Regionalgerichts Bern-Mittelland betrat juristisches Neuland. Sie gab dem Antrag auf Erlass einer Superprovisorischen statt, die der «Weltwoche» und René Zeyer untersagte, über die Klage des Mohrenkopf-Professor Bernhard Carlos Schär zu berichten.

Er witterte ihn vier Artikeln Persönlichkeitsverletzungen, Rufmord und Gefährdung seiner weiteren Karriere.

Absurde Begründung für die Superprovisorische: andernfalls würde die Rufschädigung gegen den Gaga-Professor fortgesetzt, der eine Studie zum Thema Mohr verfasste und dabei das Pfui-Wort konsequent als M*** verhunzte.

Also durften die beiden keinen Laut zu einer gegen sie gerichteten Klage geben. Ist eines Rechtsstaats unwürdig. Ein Skandal.

Das ist ein Anschlag auf die Medienfreiheit, ein Maulkorb-Erlass.

Wie bei einer Superprovisorischen üblich, erfolgte er ohne Anhörung der Betroffenen. Die sich sofort und umfangreich dagegen zur Wehr setzten.

Normalerweise wird in solchen Fällen eher rasch entschieden, ob eine Superprovisorische aufrecht erhalten oder kassiert wird. Aber doch nicht in Bern. Obwohl sogar das Anlass – Verhinderung von Berichterstattung – weggefallen war, machte die zuständige Richterin keinen Wank. Fast zwei Monate lang. Was man nur als rechtsmissbräuchlich bezeichnen kann.

Schliesslich verlangte sie als Feigenblatt die Streichung von drei Wörtern in den beklagten Artikeln (statt deren vollständige Löschung plus das Versprechen, nie mehr über den Professor zu berichten, wie dessen Anwältin verlangt hatte) und liess erkennen, dass die Superprovisorische hinfällig geworden sei.

Das alles ist ungeheuerlich.

Aber den Mainstream-Medien keine Zeile wert. Lediglich die Journalistengewerkschaft impressum runzelte die Stirn und wackelte etwas mit dem Zeigefinger.

Tamedia, CH Media, Ringier, NZZ? Zuständige Redaktoren, die Chefredaktionen und weitere Entscheidungsträger wurden von ZACKBUM angefragt, wieso sie ein Schweigegelübde in diesem Fall abgelegt hätten.

Reaktion? Keine Reaktion, keine Antwort, nichts.

Das gleiche Verhalten wie beim Professor, der niemals auf Angebote zur Stellungnahme reagiert oder sich inhaltlich gegen happige Vorwürfe und Zweifel an seiner Kompetenz wehren würde.

In welcher Parallelwelt er lebt, beweist er zudem mit einem Kommentar auf persoenlich.com zu seiner krachenden Niederlage, was ihm happige Kosten verursacht, weil er die Honorare seiner Anwältin, der Gegenanwälte und die Gerichtskosten übernehmen muss:

«Ich nehme den Gerichtsentscheid mit Genugtuung zur Kenntnis», behauptet Schär, „es bekräftigt den Grundsatz, dass haltlose Anschuldigungen und Ehrverletzungen im professionellen Journalismus keinen Platz haben sollen. Ich betrachte die Angelegenheit damit als erledigt.»

Haltlose Anschuldigungen? Genugtuung, dass statt vier Artikel drei Wörter gestrichen werden müssen, alles andere Bestand hat? Dass nun über diese Klage und auch weiterhin über diesen Professor auf ZACKBUM publiziert werden darf, obwohl das doch angeblich Rufmord sei und seine weitere Karriere gefährde?

Absonderlich.

Er mag sich die krachende Niederlage schönreden, wieso nicht.

Dass aber die grossen Medienhäuser angesichts dieser Bedrohung für alle Medienschaffenden stumm bleiben, es ihnen schnurzegal ist, dass ein solcher Maulkorb-Erlass auch mal einen ihrer Mitarbeiter treffen könnte – ist das peinlich. Erbärmlich.

Recht geschieht’s dem Zeyer, uns geht das nichts an? Dieses Schweigen ist ein öffentliches Bekenntnis zur Dummheit.

Das Schweigen der Belämmerten

Gibt es ausser Lukas Hässig noch Wirtschaftsjournalisten?

Da gibt es den Fall des ehemaligen Nestlé-Chefs Laurent Freixe. Der arbeitete 39 Jahre für den Nahrungsmittelkonzern mit dem vertrauenserweckenden Namen.

Neben seiner Tätigkeit fand Freixe allerdings immer wieder Zeit, auf Freiersfüssen zu wandeln. Das zweite Mal brach ihm das allerdings das Genick.

Lukas Hässig von «Inside Paradeplatz» spricht von einer «Mata Hari des Schweizer Food-Multis». Das etwas schiefe Bild sei ihm verziehen. «Corporate Casanova» für Freixe ist hingegen durchaus treffend.

Es ist so, dass wieder einmal IP als erstes Medium im Juli über diese problematische Liaison des Nestlé-Chefs mit einer direkten Untergebenen berichtet hatte.

Zunächst stritt Nestlé jegliches Fehlverhalten auf höchster Ebene ab, das habe eine interne Untersuchung zweifelsfrei bewiesen. Nachdem IP aber nachstocherte, wurde dann Bär & Karrer mit einer externen Untersuchung beauftragt.

«Ein Cover-up fürs Governance-Lehrbuch», kritisiert Hässig in seinem neusten Beitrag. Und rückt den eigentlich verantwortlichen ins Zentrum: Nestlé-VR-Präsident Paul Bulcke. Denn Freixe ist bereits dessen zweiter Fehlgriff in kurzer Zeit:

«Zuerst entwickelte sich Mark Schneider zum esoterischen Milliarden-Vernichter, dann entpuppte sich Freixe als Corporate Casanova

Das ist ziemlich blöd für einen Verwaltungsrat, zu dessen vornehmsten Aufgaben es gehört, die Geschäftsleitung mit fähigen und stabilen Leuten zu besetzen.

Blöd ist das auch für die übrigen Medien, die inzwischen hinterherhecheln. Tamedia vermeldet in ihrem Artikel immerhin: «Ende Juli berichtete der Finanzblog «Inside Paradeplatz» darüber, dass Freixes Beziehung zu einer Mitarbeiterin innerhalb der Firma für Gesprächsstoff sorge.»

Andere Organe, darunter «Blick» und NZZ oder CH Media, verklemmen sich jeden Hinweis auf den eigentlichen Urheber. Der wie im Fall Vincenz ein hohes Risiko einging.

Denn hätte sich seine aus internen Quellen gespeiste Story als Ente erwiesen, und anfänglich stritt Nestlé jegliches Fehlverhalten seines Chefs ab, dann hätte er mit teuren Schadenersatzansprüchen rechnen müssen.

Die Reputation des CEOs des Nahrungsmultis Nestlé. Die Reputation der Firma selbst. Alleine die Abwehr rechtlicher Schritte wäre teuer geworden.

Aber erst, als Nestlé publik machte, dass es seinen schnell verliebten CEO fristlos gefeuert hatte, sprang die übrige Journaille auf und wusste es im Nachhinein mal wieder schon immer.

Aber vorher? Ist da was? Schauen wir lieber mal, ob sich Hässig in die Nesseln gesetzt hat oder nicht, bevor wir uns auch mit dem Riesen anlegen. Der schliesslich als Inserent nicht ganz unbedeutend ist.

So die Haltung der übrigen Wirtschaftsjournaille. Nur Arthur Rutishauser fällt noch gelegentlich durch Sonderleistungen auf. Wie er sich an der verblichenen CS abarbeitet. Oder an der Migros zum 100., wo das Versagen einer ganzen Managergeneration den orangen Riesen ins Wanken gebracht hat.

Aber sonst? Nicht einmal eine kompetente Analyse der US-Zollpolitik kann der Schweizer Wirtschaftsjournalismus liefern.

Vorherrschende Meinung: da sieht man’s; wäre die Schweiz in der EU, wäre ihr das nicht passiert. Die hat schliesslich 15 Prozent herausverhandelt.

Bullshit, würde da Präsident Trump sagen. Zum einen musste die EU absurde Verpflichtungen eingehen, die weder sie noch die USA erfüllen können. Zudem stänkert Trump bereits wieder, dass ihm die EU-Digitalgesetze nicht passen und er deswegen neue Strafzölle erwägt.

Also nichts von Sicherheit und Stabilität durch überlegenes Verhandlungsgeschick.

Wirtschaft ist zentral wichtig für das Wohlergehen. Eine wache Wirtschaftspresse könnte einiges Unheil verhindern oder zumindest verantwortungslose und raffgierige Akteure etwas bremsen.

Aber in der Schweiz? Eine One-man-Show.

 

Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer publiziert regelmässig auf IP.

 

 

Kommentar-Krätze

Kommentare sind Symptome einer Krankheit.

Kommentare unter Artikeln sind meistens wie die Krätze. Unangenehm, ansteckend (ein Kommentator kommentiert den nächsten, der Inhalt des kommentierten Artikels wird nebensächlich), aber eigentlich harmlos.

Auch wenn es beunruhigend ist, wie viel gestörte und kranke Menschen ohne Therapie vor sich hinvegetieren.

Aber die Pest sind die eigentlichen Kommentare in den Massenmedien. Hier nützen frustrierte Journalisten, die noch nicht weggespart wurden, ein Privileg aus, das sie sonst nicht haben. Sie können so lange sie wollen, worüber sie wollen und so unsicher-arrogant wie sie wollen salbadern.

Ohne sich ihrer Lächerlichkeit bewusst zu sein, weil doch wirklich niemand einen feuchten Furz auf ihre Meinung gibt. Dabei ist ihr Leiden einfach zu diagnostizieren: zunehmende Bedeutungslosigkeit. Einerseits wegen abnehmender Reichweite und Einschaltquote. Andererseits wegen abnehmender intellektueller und schreiberischer Potenz. Trotz eifriger Verwendung des Viagras AI als Krähwinkelsteigerung.

«Alles Taktik: Trump steht offen zu seinen Untaten», meint Detlef Esslinger. «Wenn die Europäer diesmal einknicken, sind sie verloren», meint Daniel Brössler. «Der Ukraine droht in Alaska die Unterwerfung», meint Florian Hassel.

Dass alle drei eigentlich in der «Süddeutschen Zeitung» meinen und bei Tamedia nur Mietmeinungen sind, spielt allerdings keine Rolle. Weder dort noch hier kümmert sich jemand um ihre Meinungen. Ausser sie selbst natürlich, die mit stolzgeschwellter Brust herumstolzieren und meinen, verhindert zu haben, dass Trump seine Untaten verbergen könnte, Europa verloren ginge oder die Ukraine in Alaska unterworfen würde.

Natürlich fragt und meint auch die NZZ: «Die Welt hofft auf Amerikas Richter: Stoppen sie Trumps Zölle?» Ob die Welt um diese, ihre Hoffnung weiss? Jürg Meier, ein gestählter Schreibtischunternehmer, steht der Schweizer Wirtschaft bei: «Trumps Zölle haben die gute alte Welt für Schweizer Firmen zerstört: Was es jetzt braucht, um zu überleben». Werden sie auf ihn hören – und nur so überleben?

Wunderbar auch dieser Einerseits-andererseits-aber-dann-doch-Nicht-Kommentar: «Russland und China könnten theoretisch gemeinsam gegen den Westen vorgehen – aber Putin ist zu schwach und kann daran kein Interesse haben». So rein praktisch gesehen.

Auch der «Blick» weiss einiges besser: «Fünf Gründe, wieso Alaska keinen Frieden bringen wird», oder meint er bloss? Auf jeden Fall kostenpflichtig, Gratis ist hingegen die Frage: «Wo war eigentlich Aussenminister Cassis?» Sachdienliche Hinweise an den nächsten Polizeiposten. Eher nervig sind zwei ziemlich blöde Meinungen: «Ich nehme das Wetter persönlich», und «weniger Plastik ist besser», das ist von der fliegenden Nicht-Fliegerin Aline Trede.

Und was meint es so bei CH Media? «Ein Handystopp für Primarschüler – die Eltern sind gefragt». Mit dieser Meinung kann Stefan Schmid nicht falschliegen. Die Meinung im Zeichen des Sommerlochs: «Brot und Spiele, das ewige Sterben und das Zen des Gamens». Tja, wenn das wechselhafte Wetter ausgelutscht ist, bleibt nicht mehr viel, gell, Sascha Erni. Und noch eine pädagogisch wertvolle Meinung: «Lehrerinnen und Lehrer brauchen Freiheiten, nicht mehr Vorgaben

Es wird gemeint, geraten, gefragt, gewarnt, gemahnt und gefordert. Es werden schreckliche Konsequenzen an die Wand gemalt, sollte nicht auf den Kommentator gehört werden.

Nur: Interessieren heute noch diese zwei Wochen alten Meinungen? Wetten, dass selbst der Kommentator sie schon längst vergessen hat?

Wumms: Pascal Hollenstein

Wer den als Begleiter hat, braucht keine Feinde mehr.

Es ist eine Karriere, bei der das Kommunikationsgenie Pascal Hollenstein bei jedem Versagen eine Stufe nach oben stolpert.

Furchtbar gerne wäre er Chefredaktor der «NZZamSonntag» geworden. Das sah man im Hause NZZ allerdings entschieden anders. Also entsorgte man ihn auf den Posten der publizistischen Leiter nach unten bei CH Media.

Und als der Wanner-Clan die von der NZZ in einem Joint Venture eingebrachten Titel ganz übernahm, war man an der Falkenstrasse froh, Hollenstein endgültig losgeworden zu sein.

Gegen aussen gab sich Hollenstein zunächst staatstragend, aber intern schnödete er zügellos über seine Leser und bezeichnete die «Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben von CH Media als «Abfallprodukt». Diese «alte Milchkuh» müsse man noch solange melken, bis die Leser ausgestorben seien. Und auf keinen Fall den Abopreis senken, obwohl der Inhalt immer dünner wird. Denn die Gewohnheitsleser würden klaglos zahlen. Und wenn sich das Produkt nicht mehr rentiert, dann sei es Zeit, diese Milchkuh zur Schlachtbank zu führen.

Seine Position missbrauchte Hollenstein als Sprachrohr für Jolanda Spiess-Hegglin, der er publizistisch unverbrüchlich die Treue hielt. Bis es im Januar 2022 plötzlich krachte: Abgang Hollenstein von einem Tag auf den anderen. Warum?

Vielleicht mochte das etwas damit zu tun haben, was später von der Journalistin Michèle Binswanger in den #hateleaks enthüllt wurde. Dass Hollenstein zum Klüngel um JSH gehörte, die dafür sorgen wollte, dass ein ihr unliebsames Buch gar nicht publiziert würde.

Dafür gab JSH die Stallorder aus: «Unser Ziel muss es sein, dass sie (Binswanger, Red.) auswandern kann.» Eine unappetitliche Umgebung, in der sich Hollenstein aufhielt.

Das machte nochmal Schlagzeilen, als er nach seinem zackigen Abgang bei CH Media wieder ein trockenes Plätzchen fand. In der Kommunikation des Bundes. Die nächste Stufe der Karriereleiter hochgestolpert: Kommunikationschef von Bundesrätin Karin Keller-Sutter.

Dort werkelte Hollenstein gut bezahlt zwei Jahre vor sich hin, bis es zum nächsten Belastungstest kam: der krachend gescheiterte Zoll-Deal mit den USA. Mit Präsident Trump.

Da hatte sich seine Chefin in den Vordergrund gedrängelt, als amtierende Bundespräsidentin. Sie habe irgendwie den Draht zu Trump gefunden, fabulierte sie. Und liess durchblicken, dass die Verhandlungen schon gut kämen, nicht zuletzt dank ihr. Kommt halt davon, wenn man sich von Hollenstein beraten lässt.

Bevor man in höchster Not zum Telefon greift und den US-Präsidenten anruft, gibt es in jeder Anfänger-Kommunikation eines: Varianten durchspielen. Trump lässt sich besänftigen? Wunderbar. Trump wird aggressiv und sauer? Wie reagieren? Wie den Selenskyj-Effekt vermeiden? Wording. Rollenspiel, nasty questions, Keywords, das Einmaleins halt. Aber doch nicht mit Hollenstein.

Der dürfte wichtigtuerisch zu Belehrung und Schulmeisterei geraten haben. So wie er sie in seinen Kommentaren betrieb, als er das noch durfte.

Sei nächster kommunikativer Geniestreich: als es dann eine schallende Ohrfeige setzte, ruderte KKS mit Höchstgeschwindigkeit zurück. Schliesslich habe nicht sie, sondern das Seco, das Staatssekretariat für Wirtschaft von Kollege Parmelin, die Verhandlungen geführt.

Eine Ausrede, vor der sie jeder Anfänger im Kommunikationsbereich unbedingt hätte abhalten sollen. Aber wer seinen eigenen Abgang bei CH Media mit dem launigen Satz kommentierte «Arbeit wird überschätzt», dem ist halt alles zuzutrauen. Nur keine sinnvolle Arbeit.

Meinungs-Karikatur

Silvan Wegmann zeichnet und schreibt. Vielleicht sollte er eins von beidem lassen.

Eine spitze Feder ist eine gute Sache, wenn man Cartoons verfertigt. Aber mancher ist schon an Multitasking gescheitert. Wegmann darf im Kopfblattsalat von CH Media eine «Medienkolumne» füllen. Immerhin, ein Lebenszeichen der komatösen Medienkritik in der Schweiz.

Da fühlt sich ZACKBUM angesprochen, liest – und ist nicht amüsiert.

Es gäbe viel zu schreiben zu diesem Thema. Der klägliche Niedergang des Kopfblattsalats bei Tamedia. Die Herrschaft des Coninx-Clans, des Ringier-Clans und des Wanner-Clans. Über die Leserverarsche, für weniger Angebot mehr Geld zu verlangen und das als angebliche Qualitätssteigerung zu verkaufen. Und dafür noch um staatliche Subventionen betteln.

Aber wieso in die Nähe schweifen, das Ferne liegt so nah. Ein wenig Trump-Bashing ist wohlfeil. Interessiert in den USA keinen, Schweizer Leser nur mässig.

Da hat CBS die «Late Night Show» mit Stephen Colbert nach über dreissig Jahren abgesetzt. Colbert who? Das ist einer der Nacht-Talker, die mit spitzer Zunge und unterstützt von einer ganzen Crew jeden Abend ihr Publikum mit bissigen Kommentaren bespassen.

Und dabei nicht schlecht verdienen. So kassierte Colbert rund 90’000 Dollar pro Show, mal 168 macht runde 15 Millionen pro Jahr.

Das ist bedauerlich. Wäre aber vielleicht Anlass, sich zu fragen, wieso es in der Schweiz nichts Vergleichbares gab und gibt. Roger Schawinski: abgesägt. Viktor Giacobbo und Mike Müller: versendet. Deville? Abgesetzt, wohl nicht zuletzt wegen krampfhaft müden Scherzen.

Und würde es jemand wagen, so wie Colbert, Maher, Oliver oder früher Letterman über alles herzufallen, ohne Rücksicht auf Bedenklichkeiten oder Verluste, es würde nicht mal ein Pilot ausgestrahlt.

Wieso ergreift der Besitzer der meisten Privatradio- und TV-Stationen da nicht die Initiative? Oh, der heisst Wanner, ganz falscher Ansatz.

Mindestens so falsch wie die Gaga-Titelzeile: «Lachen über Donald Trump ist verboten». Aber immerhin: darüber darf herzlich gelacht werden.

So fällt Wegmann über den sich dafür anbietenden Mann mit der interessanten Frisur her. Als Waffe setzt er seinen gesunden Menschenverstand ein:

«CBS begründete die Absetzung finanziell. Sie habe nichts mit dem Inhalt der Sendung zu tun. Präziser gesagt: Was wir meinen, mit unserem gesunden Menschenverstand her­leiten zu können, entspricht nicht der Wahrheit. Kann sein, aber der fade Beigeschmack bleibt.»

Deutsche Sprache ist schwieriger als Zeichnen. Seine hergeleitete Meinung entspricht also nicht der Wahrheit?

Fade und mit Geschmäckle breitet Wegmann seine Verschwörungstheorie aus:

«Was seine «Brothers» Xi, Putin oder Erdogan können, das will der Donald auch. Kuschende Medien und keine Witze über ihn.»

Trumps «Brothers», und Trump wird zum kollegialen Donald? Auch Vergleiche sollten gekonnt sein.

Aber eine so dünne These trägt nicht weit, das sieht selbst Wegmann am Schluss ein. Im Unterschied zu diesen drei autokratischen Herrschern gibt es nämlich in den USA Ausweichmöglichkeiten, die der ebenfalls abgesägte Tucker Carlson zum Beispiel mit grossem Erfolg benützt.

Oder wie es der Medienmeinende formuliert: Im Keller könne man sich  diese Satiriker auf dem Bildschirm weiter gönnen, «auf dem wir uns die Colberts, Jon Stewarts, John Olivers und wie sie alle heissen über«Schwarze-Humor-Streaming-Kanäle» genüsslich reinziehen können».

Also ist es doch, zumindest in den USA, ganz einfach. Gibt es genügend Publikum, das Colbert sehen will – und via Werbung oder Abo das Angebot finanziert –, dann kann der Satiriker noch dreissig Jahre weitermachen, wenn er lustig drauf ist.

Mindestens so lange müssen wir darauf warten, dass sich Wegmann mal sein eigenes Medienhaus zur Brust nimmt. Oder es mit einer Schweizer Medienkritik versucht. Statt mutig über den Atlantik Richtung USA zu wäffeln und sich dafür Schulterklopfen von Gesinnungsgenossen abholen. Die es niemals wagen würden, beispielsweise die Schweizer Regierung so gnadenlos ranzunehmen, wie es in den USA – mit oder ohne Colbert – Gang und Gebe ist.

Meinen darf man immer. Aber seiner Meinung hätte geholfen, wenn er das eine oder andere Beispiel von Colberts amüsanten Aperçus zitiert hätte. Dafür müsste er seine Sendung halt mal geschaut haben. Und Englisch können.

SRG – Sender ruht gut

Hörerschwund im Radio. Na und?

SRF 1, SRF 2 Kultur, SRF 3: täglich eine halbe Million weniger Zuhörer. Insgesamt in allen Landessprachen ein Verlust von fast einem Viertel der Hörerschaft.

Das ist eine Katastrophe – und hausgemacht. Durch die vorgezogene Abschaltung von UKW seit Anfang Jahr. Bei jedem Privatradio würde das für rote Köpfe sorgen – und für Köpferollen.

Aber doch nicht beim Gebührenfunk SRG. Der vermeldet die Zahlen trocken und weist nicht mal darauf hin, dass natürlich die Privaten gewaltig davon profitieren. 188’400 mehr Zuhörer, täglich. Dafür bedankt sich vor allem CH Media, denen inzwischen die meisten Privatstationen gehören. Und auch Ringier freut sich. Endlich mal positive Zahlen bei der Einschaltquote. Die «Blick»-Familie wird ganz neidisch.

Gleichzeitig kündigt SRG mit grossem Trara angeblich gewaltige Einsparungen an. Mitsamt Entlassungen. Dabei sind die Sparmassnahmen in der Höhe von ein paar Millionen lächerlich – im Vergleich zum Jahresbudget von rund 1,5 Milliarden.

Die eigentliche Absicht ist klar: schon die Gebührenreduktion zwingt uns zu schmerzlichen Einschnitten. Stellt euch nur vor, wie schlimm das wird, sollte die 200-Franken-Initiative angenommen werden. Ja nicht.

Für einen Betrieb, der von Kommunikation lebt, ein Trauerspiel. Die ehemalige Nachrichtensprecherin und Kulturredaktorin Susanne Wille zeigt: sie kann’s genauso wenig wie ihr Vorgänger. Es scheint niemand im Haus in der Lage zu sein, eine Kommunikationsstrategie zu entwickeln,

So sad, würde Trump sagen. Der zwar im zweiten Satz häufig das Gegenteil vom ersten behauptet, aber damit bislang durchkommt.

Die Auftritte und Erklärungsversuche von Wille in den Medien waren zum Fremdschämen. Etwas Manager-Bullshit-Bingo, nicht einmal ein Erklärungsversuch, wieso trotz eisernem Sparwillen mitsamt Stellenabbau die Work Force letztes Jahr fröhlich zugenommen hat.

Keine Erklärung, wieso nicht am Unfug sparen, dass auf jeden journalistisch Arbeitenden bei der SRG zwei Sesselfurzer kommen, die verwalten, administrieren und Akten ablegen.

Kein klares Wort dazu, ob es nun scheibchenweise weitergehen soll – oder vielleicht ein Plan dahinterstecken könnte.

Genau die Methode, mit der man die Belegschaft verunsichert und demotiviert. Zudem: sollte es tatsächlich dann mal zu Massenentlassungen kommen (die einzige Möglichkeit, den grössten Budgetposten abzubauen), was machen dann die Arbeitslosen?

Wer sich nicht in die Frühpensionierung retten kann, wird auf dem RAV und anschliessend in der Sozialhilfe enden. Also nicht mehr dem Gebühren-, sondern dem Steuerzahler zur Last fallen.

Dass Wille für diese lausige Leistung mit über 500’000 Franken im Jahr mehr als ein Bundesrat verdient: nun, es braucht halt attraktive Gehälter, um die Besten zu finden.

Falsche Entscheidung mit katastrophalen Folgen, falsch kommuniziert, anschliessend die Behäbigkeit eines Zwangsgebührenapparats, dem Erfolg am Markt eigentlich schnurz ist.

Roger Schawinski, der alte Pirat, hatte lautstark, mit guten Argumenten und auf allen Kanälen davor gewarnt, UKW abzuschalten. Während die Privatradios, Buebetrickli, durchaus wohlwollend gefasst auf diese Fehlentscheidung reagierten. Denn sie wussten natürlich, dass ihnen das ungeahnte Mengen von Hörern zutreiben wird. Je mehr Hörer, desto höhere Werbeeinnahmen, so einfach ist das.

Also muss man an der meist lausigen Qualität der Inhalte vieler Dudelfunks nicht verbessern. Im Gegenteil, auch hier kann noch durch Zusammenlegungen und Ausdünnung gespart werden. Wenn einem der Platzhirsch ein solches Geschenk macht.

Es ist wohl in der ganzen Radiogeschichte einmalig, dass sich ein Sender freiwillig und ohne Not einfach mal so von einem Viertel seiner Zuhörer verabschiedet. Und ihnen empfiehlt, doch auf DAB+ umzusteigen. Was teuer und letztlich sinnlos ist, weil sich auch dieses Übertragungsmodell dann einmal verabschieden wird.

In den vielen Tunnels der Schweiz gibt es kein UKW mehr. Und am Ende des Tunnels ist kein Licht erkennbar, sondern es bleibt zappenduster.

Muss man mal hinkriegen. Vorausgesetzt, man gehört nicht zu den erbitterten Gegnern des Zwangsgebührenfunks. Die Devise scheint zu sein: wenn wir uns schon verzwergen, dann aber richtig falsch.

Kalte Dusche

Es regnet und ist eher frisch. Blöd gelaufen für die Medien.

Wenn man in der Datenbank SMD unter dem Stichwort «Hitze» sucht, bekommt man im letzten Monat 5372 Treffer. «Hitzesommer» ergibt 214 Resultate, «Klimawandel» wurde in 2220 Werken beklagt und beschrieben.

«Gerade schwappt eine weitere Hitzewelle über ganz Europa. Prognostiziert ist ein extremer Hitzesommer – vielleicht erwartet uns sogar der heisseste seit Messbeginn. Das sind die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels», prognostiziert der «Blick».

«Während der Hitzetage verwandeln sich einige Drämmli in eine Sauna», schwitzt die «Basler Zeitung». «Die Kerntemperatur des Körpers wird entscheidend», diagnostiziert CH Media. «Was steigende Wassertemperaturen für unsere Seen bedeuten», sorgt sich der «Zürcher Oberländer».

«AKW Beznau stellt wegen der Hitze einen seiner Reaktoren ab», alarmieren diverse Medien. Und srf.ch resümiert:
«Lokal wärmster und sonnigster Juni seit Messbeginn».
Dazu gab es natürlich Unmengen von Tips und Ratschlägen, wie man diese brütende Hitze überleben kann. Welche Wassermengen sollte man zu sich nehmen, nützt Glacé oder schadet sie, welche Kleidung braucht’s, sollte man sich noch sportlich betätigen, welchen Einfluss hat die Hitze aufs Hirn, kann man arbeitsfrei oder hitzefrei verlangen? Ist schwitzen gesund, und wenn nein, warum nicht? Kann man heisse Luft unbeschadet einatmen?
So haben es auch Fische nicht leicht: «35 Grad im Anmarsch – in Gewässern beginnt der Überlebenskampf», berichtet «20 Minuten» von der Kriegszone Gewässer. srf.ch geht dem weiter auf den Grund: «Geht Äschen und Forellen bald der Sauerstoff aus?« Und eifrig warnt auch der Bund vor Gesundheitsrisiken wegen Wärme. Von Hautkrebs und anderen schweren Schäden durch Sonneneinstrahlung ganz zu schweigen.
Immerhin, Zol-Online hat wenigstens einen originellen Ratschlag auf Lager: «Jammern hilft gegen Hitze». Tamedia hingegen überrascht mit: «Städtische Hitze: Überraschung im Hitzesommer: Bäume kühlen mehr als gedacht». Das dürfte bei der Fraktion der Klimawandel-Beklager für heisse und rote Köpfe gesorgt haben.
Und dann das. Es regnet, Temperatursturz, blöd aber auch. «Das Wetter war ein richtiges Arschloch», sagte Steven Spielberg über die Dreharbeiten zum «Weissen Hai».
Gerade, wo sich die Medien in Sachen Hitzesommer so richtig warm gelaufen hatten, mit Angstschweiss auf der Stirne eine unerträgliche und kontinuierliche Hitze über Europa, über der Schweiz verkündeten, kommt eine kalte Dusche.
Es ist halt für die Journaille ein zunehmend ernster werdendes Problem, dass sich die Wirklichkeit nicht so verhalten will, wie ihr unablässig angeraten wird. Trump, Putin, Teheran, Israel, niemand und nichts tut ihnen den Gefallen, innezuhalten, in sich zu gehen, ein Einsehen zu haben und endlich mal Besserung zu geloben.
Auf nichts ist mehr Verlass, nicht mal aufs Wetter.

 

 

Bombenstimmung

Kaum ist mal kurz weg, dreht die Journaille wieder im roten Bereich.

War es nun der «wohl erfolgreichste Militärschlag aller Zeiten» (Trump) oder ein Flop. Wurde damit Irans Potenzial, eine Atombombe zu bauen, zerstört?

Oder ist es eine üble Verschwörungstheorie von CNN und der «New York Times», daran herumzumäkeln (auch Trump)? Die beiden Medien stützen sich immerhin auf einen Bericht der US-Geheimdienste, dass die Bombardierung von nuklearen Aufbereitungsanlagen im Iran durch gigantische Sprengkörper, über die nur die USA verfügen, diesen Bau höchstens etwas verzögert hat.

Während 400 kg hochangereichertes Uran längst in Sicherheit gebracht wurden.

Da gilt in den Medien mal wieder: wenn man nichts Genaues weiss, hat man wenigstens eine Meinung. Und hat man nicht mal die, hilft der «Experte».

Richtig scheisse lief es für die Sonntagspresse. Der GAU. Alle Werweissereien, ob die USA nun in den Krieg zwischen Israel und dem Iran eingreifen, scheiterten an der Deadline und dem blöden Zufall, dass nach Redaktionsschluss etwas passierte, was nicht bekannt war.

Selten waren die Sonntagszeitungen diesbezüglich so schnell Altpapier wie letzten Sonntag.

Inzwischen hat die erste Aufregung etwas gelegt, also muss der «Nachzug» ran. «Haben die Mullahs Trump ausgetrickst?», fragt sich bang der «Blick». «Achse Moskau–Teheran: warum die israelisch-amerikanischen Militärschläge Putin in eine heikle Lage bringen», wechselt die NZZ den Blickwinkel.

«Es wäre besser gewesen, das iranische Atomprogramm stärker zu zerstören», schulmeistert  Tamedia in typisch deutscher Manier. Kein Wunder, die Leihmeinung stammt von einschlägig als Fehlprognostiker bekannten Tomas Avenarius von der «Süddeutschen Zeitung».

CH Media hat offensichtlich eine Telefonleitung angezapft: «Ein wutentbrannter Trump massregelt Netanyahu und erreicht vorerst eine Feuerpause». Sagt aber eigentlich nur Trump. Also das mit der Feuerpause.

In solchen Fällen, wenn mangels Kompetenz keiner im deutschen Sprachraum was Genaueres weiss, helfen nur die Fragezeichen-Artikel. War’s das nun mit der iranischen Atombombe? Wollen die Ayatollen tatsächlich verhandeln? Kommt es in Teheran zu einem Regimewechsel, und wenn ja, wer übernimmt die Macht? Gar der Sohn des Schah?

Oder verstärken die Mullahs nun ihre Bemühungen, eine Atombombe zu bauen, weil nur sie einem Schurkenstaat wie Nordkorea die Sicherheit vor einer Invasion verschafft? Hat Israel mit der Drohung, sonst die eigenen Atomwaffen einzusetzen, die USA zum Eingreifen gezwungen? Wird die gegenseitige Beschiessung mit Raketen weitergehen?

Werden Bodentruppen eingesetzt? Wird aus dem Iran ein zweiter Irak? Gab es eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung, die nach Völkerrecht einzig einen Präventivschlag legitimiert? Reicht die ewige iranische Drohung, den Staat Israel auslöschen zu wollen, dafür aus?

Stimmt mal wieder der Satz von Bertolt Brecht am Schluss vom «guten Mensch von Sezuan»: «Wir stehen selbst enttäuscht und sehen betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen»?

Erklärt die Schwarzweissmalerei «Netanyahu gut, Ayatoller böse» die Situation? Darf der Überfall Russlands auf die Ukraine mit dem Überfall Israels auf den Iran verglichen werden?

Bei all dem Gehampel kommt der Journaille etwas entgegen, was in solchen Fällen journalistisches Gold wert ist. Ein näherliegendes, eher hässliches Problem. Kosten die zu einem angeblichen Fixpreis gekauften neuen Flieger doch ein paar hundert Millionen mehr? Und wenn ja, wieso ist in unserer Landesregierung kein Sesselfurzer in der Lage, das Kleingedruckte in den Verträgen richtig zu lesen und zu interpretieren – obwohl es genügend Warnungen gab?

Muss nun die sauknapp ausgegangene Volksabstimmung wiederholt werden? Ist es nicht ein neues Trauerspiel, wie die Linken, einerseits durchaus aufrüstungswillig, das lauthals fordern? Während SVP, die Mitte und die FDP herumeiern?

Da wäre der zahlende Konsument durchaus dankbar, wenn er eine geldwerte Leistung für sein Abo kriegen würde. Statt Gedöns und weitgehend faktenfreie Meinung. Denn die hat er schon selber, und erst noch gratis.

Torkelnder Kommentar

Auch Niklaus Vontobel von CH Media will Trump zeigen, wo der Hammer hängt.

Der Wirtschaftsredaktor von CH Media tischt dem Leser gross auf: «Trump torkelt von Idiotie zu Idiotie – was soll da schon schiefgehen

Dann tut er dem US-Präsidenten die Knöpfe rein. Den von Trump als «Tag der Befreiung» angepriesene 2. April dieses Jahres müsse man so sehen:

«Trump beschädigte damals das Ansehen der USA und des Dollars zugleich – und die USA stehen heute noch lädiert da. Das Vertrauen in den Dollar ist angeschlagen.»

Schuld daran ist Trump, dessen Regierung «so unseriös und chaotisch» agiere. Dabei ist der Dollar nach wie vor Weltwährung Nummer eins, US-Staatspapiere gehören zu den sichersten und am meisten nachgefragten Schuldpapieren der Welt, und solange die Anleger nicht ihr Vertrauen verlieren, lassen sich noch so absurde Staatsschulden problemlos refinanzieren.

Dann zitiert Autor Niklaus Vontobel  ausgerechnet «Ökonomen der Bank J. Safra Sarasin», um seine Ansicht zu untermauern.

Das ist die ehemalige Basler Privatbank, deren letzter Vertreter deutschen Milliardären wie Maschmeyer oder Drogerie-Müller im Cum/Ex-Skandal Spekulationspapiere andrehte. Und nach der Übernahme durch die Safra-Sippe sich standhaft weigerte, nach dem Totalschaden, als dieses illegale Verdienstmodell explodiert war, ihre Verluste zurückzuzahlen. Bis sie dazu gezwungen wurde.

Also eine sehr vertrauenswürdige Quelle zwecks Untermauerung der eigenen Ansicht.

Vontobel zitiert weiter: «Die Bank J. Safra Sarasin schreibt daher: «Der Dollar ist eine Risikowährung.»»

Dass dem so sei, will Vontobel mit weiteren wilden Behauptungen unterstreichen. Das Wirken von Elon Musk, mit dem Präsident Donald Trump inzwischen in einem schmutzigen verbalen Krieg verhakt ist, habe mit seinen Sparversuchen Folgendes bewirkt: «In der Entwicklungshilfe hat sein Wirken nach einer Schätzung über 100’000 Erwachsene und 200’000 Kinder das Leben gekostet. Dann enthüllte die «New York Times», was Musk nebenbei massiv konsumiert: Ketamin, Ecstasy, psychedelische Pilze.»

Dabei ist die Reduzierung der Geldverschleuderung von USAID das einzig Sinnvolle, was Musk zustande gebracht hat. Und der angebliche Drogenkonsum von Musk, der von ihm dementiert wird, ist eine haltlose Unterstellung, die auf anonymen Aussagen aus seinem Umfeld beruht.

Nach diesem wilden Herumhüpfen und dem Zitieren sehr vertrauenswürdiger Quellen nimmt sich Vontobel noch die erratische Zollpolitik von Trump zur Brust und schliesst mit dem weisen Satz, voll verunglückter Ironie: «Was soll da schon schiefgehen

Das ist tatsächlich die Frage. Eine Tatsache ist allerdings, dass sich CH Media mit solchen wirren Kommentaren keinen Gefallen tut.

Dass Trump und Musk viel dafür tun, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, ist die eine Sache. Dass ein Medienkonzern, der mit x Kopfblättern seiner Tageszeitungen einen guten Teil der deutschsprachigen Leserschaft in der Schweiz beschallt, mit solchen Kommentaren seine eigene Glaubwürdigkeit gegen die Wand fährt, eine andere.

Mangels Masse und Kompetenz verlegen sich die zu Tode gesparten Elendsmedien immer mehr darauf, den überlebenden Redaktoren freien Auslauf zu gewähren, damit sie ihren Lesern beim Betrachten des eigenen Bauchnabels ihr Leid an der Welt klagen können.

Das verkommt mehr und mehr zu einer Ersatzhandlung für Einordnung und Analyse. Für diese Leistung auch noch Geld zu verlangen, ist nichts weniger als eine Frechheit.

ZAV jubiliert

150 Jahre seit Gründung. Eigentlich berichtenswert.

Der Zürcher Anwaltsverband (ZAV) hat das zum Anlass genommen, eine Jubiläumsvernissage durchzuführen. Gleich zwei Broschüren wurden für diesen Feierakt hergestellt.

Die bedeutendere beschäftigt sich mit der langen Geschichte und wirft einen Blick zurück. Der Autor, RA Dr. Matthias Schwaibold, überraschte die Gäste, indem er sein Referat in Reimform vortrug. Eine Glanzleistung. Unglaublich, dass Anwälte auch über einen poetischen Muskel verfügen. Er lieferte zudem eine Fleissarbeit ab, denn er stieg tief ins Archiv des ZAV, um möglichst genau die Entwicklung des Verbands nachzuzeichnen.

Er wolle mit seinem Beitrag sowohl der Informations- wie das Unterhaltungsbedürfnis befriedigen, schreibt er im Vorwort. Das ist ihm gelungen.

Die zweite Broschüre widmet sich einem der aktuellen Genderlage geschuldeten Thema: «Die Rechtsanwältinnen». Es ist tatsächlich so, dass der ZAV ungebührlich lange brauchte, bis er überhaupt weibliche Mitglieder aufnahm. Und deren Marsch durch die Institutionen bis in den Vorstand dauert dann auch noch eine ganze Weile.

Dagegen will die Autorin Claudia Keller stellen, dass sie sich als Mitinitiatorin des «Netzwerks women@WV» für «mehr Sichtbarkeit von Frauen innerhalb und ausserhalb» ihrer Kanzlei einsetze. Auch vor dem ZAV macht die woke Welle nicht Halt. Denn sind Anwältinnen wirklich unsichtbar? Wir könnten Beispiele fürs Gegenteil nennen.

Gregor Bühler, der Vizepräsident des ZAV, führte launig und eloquent durch den Abend und sorgte für aufgeräumte Stimmung.

Dieses Jubiläum ist sicherlich nicht so weltbewegend wie der Ukrainekrieg oder die israelischen Kriegsverbrechen im Gazastreifen. Vom US-Präsidenten ganz zu schweigen.

Aber über 90 Prozent der im Kanton Zürich praktizierenden Anwälte sind Mitglied beim ZAV. Sie leisten ihren Beitrag dazu, dass der Rechtsstaat funktioniert. Mit all seinen Unzulänglichkeiten. Nicht immer wird Gerechtigkeit hergestellt. Aber er ist unsere letzte Bastion gegen Willkür und Barbarei.

Was passiert, wenn er nicht vorhanden ist, können wir in den meisten Ländern der Welt beobachten, auch in Europa.

Daher es ist bezeichnend und blamabel für den Zustand der Medien, dass der extra ausgelobte «Point de Presse» von haargenau einem einzigen Journalisten wahrgenommen wurde.

ZACKBUM konnte sich deswegen besonderer Aufmerksamkeit und Fürsorge erfreuen und auch Antworten auf einige juristische Fragen einholen.

Aber das Qualitätsorgan «Tages-Anzeiger», ein Vertreter von CH Media, wenigstens die SDA, «20 Minuten» oder gar der «Blick»? Keine Zeit, kein Geld, keine Lust. Dabei gab es genügend zu trinken und auch etwas zu futtern, was normalerweise Journalisten anzieht. Dazu wurde sogar noch ein DJ aufgeboten.

Besondere Erwähnung verdient die Abwesenheit der NZZ. Wenigstens die alte Tante hätte doch einem Mitarbeiter einen schnuckeligen NZZ-Regenschirm zur Verfügung stellen können und ein Trambillett. Oder gar ein Taxi, aber diese Zeiten sind wohl auch an der Falkenstrasse vorbei.

Daher ist das Medienecho genau null. Abgesehen von diesem Leuchtturm des aufmerksamen Journalismus. Obwohl Juristerei nicht zu den Kernkompetenzen von ZACKBUM gehört. Ausser, diese medienkritische Plattform wird ihrerseits juristisch bedroht. Was wir aber bislang überlebt haben.

Die vielen anwesenden Herren und die nicht so vielen anwesenden Damen verfielen in angeregte Plauderei, während Häppchen gereicht wurden und der Alkohol nicht zur Neige ging. Der Aspekt «muss ich den kennen oder muss der mich kennen» war zwar vorhanden, aber angenehm klein.

Ein bekannter Medienanwalt benützte sogar die Gelegenheit, dem ZACKBUM-Redaktor sein Leid zu klagen. Er sei auch ein Mensch aus Fleisch und Blut, es habe ihn verletzt, dass ZACKBUM aus gebotenem Anlass ihn mit Namensnennung kritisiert habe. Er vertrete schliesslich nur die Interessen seiner Mandanten.

Dass dazu auch Typen gehören, die zwar über genügend Finanzkraft verfügen, um sich ihn leisten zu können, die man aber nicht mal mit der Beisszange anfassen möchte, scheint ihn nicht zu stören. ZACKBUM ist auch menschlich berührt und verzichtet hier auf eine Namensnennung.

Der ZAV hatte sich grosse Mühe gegeben und in der ehemaligen Cigarettenfabrik am Sihlquai ein Eventlokal gefunden, das den Wunsch nach Moderne perfekt verkörperte.

Es gibt die vernichtende Theaterkritik von Alfred Kerr: «Das Stück dauerte drei Stunden. Als wir herauskamen, regnete es. Auch das noch.» Hier regnete es bei der Ankunft, und herausgekommen ist man durchaus beschwingt.

Allerdings peinlich berührt, mal wieder das Elend der Medien vorgeführt bekommen zu haben.