Schmierenjournalismus
Es ist die übelste Form von Demagogie und Denunziation.
Man nennt es Kontaminieren durch Übertragung. Es gehört zu den ältesten von üblen Demagogen angewandten Methoden. Semantische Vergiftung, leicht gemacht: «Neutralitätsinitiative»? Ach was, «Putin Initiative». Restriktive Migrationspolitik? Ach was, «Trump-Politik» oder inzwischen vergangen, «Orbanisierung».
Forderung nach Friedensverhandlungen mit Putin? Ach was, «Putins Geschäft betreiben». Ablehnung verschärfter Klimapolitik? Ach was, «Klimaleugung». Als ob jemand das Klima leugnen würde. Kritik an islamistischen Fundamentalisten? Ach was, «Islamophobie». Steuersenkung für Unternehmen? Ach was, «Geschenke an die Reichen». Direkte Demokratie gegen internationale Verpflichtungen? Ach was, «Rosinenpickerei». Von allen Themen, die mit Gender-Wahnsinn oder Sprachreinigung («Mohrenkopf») zu tun haben, ganz zu schweigen.
Natürlich kann das von allen Seiten angewendet werden. Der Begriff «notwendige Regulierung» ist neutral bis positiv. «Bürokratieausbau» ist bereits negativ. «Verbotskultur» noch stärker. Höhepunkt wäre hier «DDR-Methoden». Das gilt verschärft für den Einsatz der Nazikeule («erinnert an braune Zeiten, ist Ausdruck von faschistoidem Denken»).
Kontaktschuld, wer mit einem Gottseibeiuns auch nur redet oder ihn zu Wort kommen lässt, ist sein Helfershelfer. Schuld durch Assoziation, so heisst dieses Drecksspiel.
Es wird in letzter Zeit massiv von Kopfblattsalat aus dem Haus der Qualitätsmedien Tamedia betrieben. Und, leider, auch von der NZZ.
ZACKBUM hat sich bereits ausführlich dazu geäussert. Besonders bedauerlich dabei das Blatt der Dichter und Denker. Das ist zwar von der Meinungsfreiheit gedeckt, sorgt aber – als ob das noch fehlte – zu einer weiteren Verluderung der politischen Debatte. Man nehme eine politische Position oder Forderung, und verbinde sie mit den negativen Eigenschaften eines bösen Begriffs. Et voilà.
Die Methode hat einen unbestreitbaren Vorteil. Sie enthebt den Schmierenjournalisten von jeglicher Verpflichtung zur Argumentation. So nach alter Väter Sitte: Da sagt einer das. Das ist aber falsch, weil. Nach der korrekten Wiedergabe müsste eigentlich ein Argumentarium folgen, wieso diese Aussagen oder Positionen falsch sind. Wie in den Dialogen Platons, aber wer kennt die schon noch.
Der zweite Vorteil besteht im Ausnützen des heute grassierenden funktionalen Analphabetismus. Nach OECD-Erhebungen ist bereits jeder fünfte Schweizer zwischen 15 und 65 nicht in der Lage, mehr als kurze Texte zu verstehen, und nur, wenn die Information darin klar und einfach formuliert ist. Von einem längeren Text oder einem Satz mit einem oder zwei Nebensätzen ganz zu schweigen.
Dass es inzwischen viele Nachrichtentexte in sogenannter vereinfachter Sprache gibt, ist ein untrügliches und bedauerliches Zeichen dafür. Diese Demagogie hingegen ist häufig begleitet von einer mehr als mangelhaften Beherrschung der deutschen Sprache. Schiefe Bilder, falsche Kausalität, blasses Denken, Geholper in kurzen Hosen.
Die Lufthoheit über Debatten hat man noch nie mit Sätzen wie «es handelt sich hier um ein Diskursproblem, wo verschiedene Systeme im luhmannschen Sinn aufeinanderprallen, wozu schon Baudrillard ganz richtig bemerkte ...» erobert. Das ist schon immer etwas für die «happy few» (Stendhal) gewesen, wo an selbstentzündeten Lagerfeuern Intellektuelle Kriegstänze aufführen, sich verbal auf die Brust schlagen und vor eigener Bedeutsamkeit kaum geradeaus laufen können.
Eingesetzt werden sie von allen, vor allem in den USA. «Yes, we can» gegen «Make America great again». Zwei völlig inhaltsleere Slogans, die zudem völlig austauschbar sind und auch für Erektionshilfen eingesetzt werden könnten.
Aber parteiliche politische Propaganda sollte etwas anderes sein als die Aufgabe des Journalismus, durch Einordnung und Analyse den Lesern Entscheidungshilfen beim Verstehen der überkomplexen Welt zu liefern. Wo nur eins sicher ist: es gibt kein Schwarzweiss. Es gibt nur bunt, vielschichtig, kompliziert und widersprüchlich.
Nur ganz selten, wie im Fall des Hitlerfaschismus oder der Gräueltaten im Sudan (und wer spricht schon von der Menschheitskatastrophe dort, falscher Ort, falsche Hautfarbe der Betroffenen), gibt es nur Schwarzweiss. Aber auch hier trägt eine fulminante Verurteilung nicht viel zum Erkenntnisgewinn bei. Und nur der, wir danken der Aufklärung auf Knien, führt zu Fortschritt.
Was sich in der allgemeinen Orientierungslosigkeit seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers abspielt, ist aber das Stolpern im Durcheinandertal (Dürrenmatt). Während früher den Linken vorgeworfen wurde (auch von der SVP und ihrem Vorgänger BGB), die Fünfte Kolonne Moskaus, Helfershelfer der drohenden Gefahr aus dem Osten zu sein, widerfährt das inzwischen sogar der SVP selbst.
Christoph Blocher wird sich wundern, dass ihm im fortgeschrittenen Alter irgendwann noch «Moskau einfach» entgegengebrüllt wird. Das hat etwas Absurd-Komisches, ist aber in Wirklichkeit erbärmlich.
Bezeichnend ist auch, dass in der angeblichen Forumszeitung Tamedia (oder CH Media oder NZZ) niemals (oder in der NZZ ganz, ganz selten) die Gegenposition zu Wort kommen darf, die nicht in die eigene ideologische Gesinnungsblase passt.
Neben dieser miesen Demagogie wird ebenfalls immer direkter und hemmungsloser auf den Mann (und auf die Frau und auf everybody beyond) gespielt. Da äussert nicht einfach einer eine – möglicherweise falsche – Meinung. Nein, damit zeigt er, wessen Geistes Kind er ist. Es geht nicht um seine Meinung, sondern um seine Haltung. Und die ist verachtenswert. Also ist er ein verachtenswerter Mensch, der zum Schweigen gebracht werden muss. In der Schweiz bislang glücklicherweise nur mit Zensur oder der Vernichtung seiner bürgerlichen Existenz. Wie im Fall Baud und anderen.
Um ins gleiche Horn zu stossen: all die Schmierfinken, die dem Vorschub leisten, sollten mit Schreibverbot belegt werden. Aber wir äussern diese Forderung nur, weil wir wissen, dass sie völlig illusorisch ist. Kommt aber von Herzen.


























