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Schmierenjournalismus

Es ist die übelste Form von Demagogie und Denunziation.

Man nennt es Kontaminieren durch Übertragung. Es gehört zu den ältesten von üblen Demagogen angewandten Methoden. Semantische Vergiftung, leicht gemacht: «Neutralitätsinitiative»? Ach was, «Putin Initiative». Restriktive Migrationspolitik? Ach was, «Trump-Politik» oder inzwischen vergangen, «Orbanisierung».

Forderung nach Friedensverhandlungen mit Putin? Ach was, «Putins Geschäft betreiben». Ablehnung  verschärfter Klimapolitik? Ach was, «Klimaleugung». Als ob jemand das Klima leugnen würde. Kritik an islamistischen Fundamentalisten? Ach was, «Islamophobie». Steuersenkung für Unternehmen? Ach was, «Geschenke an die Reichen». Direkte Demokratie gegen internationale Verpflichtungen? Ach was, «Rosinenpickerei». Von allen Themen, die mit Gender-Wahnsinn oder Sprachreinigung («Mohrenkopf») zu tun haben, ganz zu schweigen.

Natürlich kann das von allen Seiten angewendet werden. Der Begriff «notwendige Regulierung» ist neutral bis positiv. «Bürokratieausbau» ist bereits negativ. «Verbotskultur» noch stärker. Höhepunkt wäre hier «DDR-Methoden». Das gilt verschärft für den Einsatz der Nazikeule («erinnert an braune Zeiten, ist Ausdruck von faschistoidem Denken»).

Kontaktschuld, wer mit einem Gottseibeiuns auch nur redet oder ihn zu Wort kommen lässt, ist sein Helfershelfer. Schuld durch Assoziation, so heisst dieses Drecksspiel.

Es wird in letzter Zeit massiv von Kopfblattsalat aus dem Haus der Qualitätsmedien Tamedia betrieben. Und, leider, auch von der NZZ.

ZACKBUM hat sich bereits ausführlich dazu geäussert. Besonders bedauerlich dabei das Blatt der Dichter und Denker. Das ist zwar von der Meinungsfreiheit gedeckt, sorgt aber – als ob das noch fehlte – zu einer weiteren Verluderung der politischen Debatte. Man nehme eine politische Position oder Forderung, und verbinde sie mit den negativen Eigenschaften eines bösen Begriffs. Et voilà.

Die Methode hat einen unbestreitbaren Vorteil. Sie enthebt den Schmierenjournalisten von jeglicher Verpflichtung zur Argumentation. So nach alter Väter Sitte: Da sagt einer das. Das ist aber falsch, weil. Nach der korrekten Wiedergabe müsste eigentlich ein Argumentarium folgen, wieso diese Aussagen oder Positionen falsch sind. Wie in den Dialogen Platons, aber wer kennt die schon noch.

Der zweite Vorteil besteht im Ausnützen des heute grassierenden funktionalen Analphabetismus. Nach OECD-Erhebungen ist bereits jeder fünfte Schweizer zwischen 15 und 65 nicht in der Lage, mehr als kurze Texte zu verstehen, und nur, wenn die Information darin klar und einfach formuliert ist. Von einem längeren Text oder einem Satz mit einem oder zwei Nebensätzen ganz zu schweigen.

Dass es inzwischen viele Nachrichtentexte in sogenannter vereinfachter Sprache gibt, ist ein untrügliches und bedauerliches Zeichen dafür. Diese Demagogie hingegen ist häufig begleitet von einer mehr als mangelhaften Beherrschung der deutschen Sprache. Schiefe Bilder, falsche Kausalität, blasses Denken, Geholper in kurzen Hosen.

Die Lufthoheit über Debatten hat man noch nie mit Sätzen wie «es handelt sich hier um ein Diskursproblem, wo verschiedene Systeme im luhmannschen Sinn aufeinanderprallen, wozu schon Baudrillard ganz richtig bemerkte ...» erobert. Das ist schon immer etwas für die «happy few» (Stendhal) gewesen, wo an selbstentzündeten Lagerfeuern Intellektuelle Kriegstänze aufführen, sich verbal auf die Brust schlagen und vor eigener Bedeutsamkeit kaum geradeaus laufen können.

Eingesetzt werden sie von allen, vor allem in den USA. «Yes, we can» gegen «Make America great again». Zwei völlig inhaltsleere Slogans, die zudem völlig austauschbar sind und auch für Erektionshilfen eingesetzt werden könnten.

Aber parteiliche politische Propaganda sollte etwas anderes sein als die Aufgabe des Journalismus, durch Einordnung und Analyse den Lesern Entscheidungshilfen beim Verstehen der überkomplexen Welt zu liefern. Wo nur eins sicher ist: es gibt kein Schwarzweiss. Es gibt nur bunt, vielschichtig, kompliziert und widersprüchlich.

Nur ganz selten, wie im Fall des Hitlerfaschismus oder der Gräueltaten im Sudan (und wer spricht schon von der Menschheitskatastrophe dort, falscher Ort, falsche Hautfarbe der Betroffenen), gibt es nur Schwarzweiss. Aber auch hier trägt eine fulminante Verurteilung nicht viel zum Erkenntnisgewinn bei. Und nur der, wir danken der Aufklärung auf Knien, führt zu Fortschritt.

Was sich in der allgemeinen Orientierungslosigkeit seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers abspielt, ist aber das Stolpern im Durcheinandertal (Dürrenmatt). Während früher den Linken vorgeworfen wurde (auch von der SVP und ihrem Vorgänger BGB), die Fünfte Kolonne Moskaus, Helfershelfer der drohenden Gefahr aus dem Osten zu sein, widerfährt das inzwischen sogar der SVP selbst.

Christoph Blocher wird sich wundern, dass ihm im fortgeschrittenen Alter irgendwann noch «Moskau einfach» entgegengebrüllt wird. Das hat etwas Absurd-Komisches, ist aber in Wirklichkeit erbärmlich.

Bezeichnend ist auch, dass in der angeblichen Forumszeitung Tamedia (oder CH Media oder NZZ) niemals (oder in der NZZ ganz, ganz selten) die Gegenposition zu Wort kommen darf, die nicht in die eigene ideologische Gesinnungsblase passt.

Neben dieser miesen Demagogie wird ebenfalls immer direkter und hemmungsloser auf den Mann (und auf die Frau und auf everybody beyond) gespielt. Da äussert nicht einfach einer eine – möglicherweise falsche – Meinung. Nein, damit zeigt er, wessen Geistes Kind er ist. Es geht nicht um seine Meinung, sondern um seine Haltung. Und die ist verachtenswert. Also ist er ein verachtenswerter Mensch, der zum Schweigen gebracht werden muss. In der Schweiz bislang glücklicherweise nur mit Zensur oder der Vernichtung seiner bürgerlichen Existenz. Wie im Fall Baud und anderen.

Um ins gleiche Horn zu stossen: all die Schmierfinken, die dem Vorschub leisten, sollten mit Schreibverbot belegt werden. Aber wir äussern diese Forderung nur, weil wir wissen, dass sie völlig illusorisch ist. Kommt aber von Herzen.

 

Vom Aussterben bedroht

Was ist der Unterschied zwischen einer Zeitungsredaktion und dem RAV?

Im Prinzip existiert keiner. Ausser, dass es auf den Redaktionen (noch) mehr Journalisten gibt.

Wie viele genau? Da hört’s mit der vielgepriesenen Transparenz schon mal auf. Nur CH Media veröffentlicht die Zahl von 650 Redaktoren. Während Tamedia früher auch die Gesamtzahl auswies, spricht der TX-Konzern inzwischen nur noch von einer 300-köpfigen Redaktion, die die Einheitssauce über den Kopfblattsalat des Medienhauses ausgiesst.

Nach diversen Rausschmiss-Runden zur Qualitätssteigerung dürften es insgesamt in allen Redaktionen von TX  ungefähr rund 740 sein. Bei Ringier, allerdings weltweit tätig, handelt es sich um 900 bis 1000. Und die NZZ schliesslich hat zwischen 320 bis 350 Nasen auf der Payroll.

Also alles in allem rund 2700. In den letzten fünf Jahren wurden die Stellen von rund 750 Journalisten eingespart. Diese Zahl enthält nicht die freiwilligen Abgänge, also Redaktoren, die einsahen, dass sie es bis zur Frühpensionierung nicht schaffen werden.

Abbau-King ist, wie könnte es anders sein, Tamedia; zusammen mit «20 Minuten» wurden in den letzten fünf Jahren rund 200 Stellen rasiert. Zudem trennte man sich von fast allen Freien ausserhalb der Verichtungsboxen im Newsroom.

Täglich werden bis zu 8 Artikel aus der «Süddeutschen Zeitung» übernommen, an Wochenenden bis zu 12. Das Auslandressort wird zur Hälfte von SZ-Autoren bespielt. Dazu kommen noch die Agenturmeldungen von SDA, dpa, Reuters oder AFP. Die machen online alleine schon bis zu 45 Prozent des Inhalts aus. Also kann man bei Tamedia Print von ca. 45 Prozent gesamtem Fremdanteil ausgehen, online bis zu 60 Prozent.

Fürs volle Programm (Classic Plus, sieben Tage Print plus online) verlangt der «Tages-Anzeiger» den stolzen Preis von 846 Franken im Jahr. Dafür ist aber auch die «Spiele-App» inbegriffen, und man kann Artikel «verschenken». Womit man sich allerdings bei der gebotenen Qualität nicht unbedingt Freunde macht.

Während es 2010 noch täglich bis zu 80 Printseiten waren, ist das inzwischen auf 36 bis 44 geschrumpft. Online werden rund 150 Beiträge täglich rausgepustet, darunter bis zu 70 Agenturmeldungen, bis zu 25 Beiträge der SZ und maximal 35 eigene Werke.

2010 kostete das gleiche Abo noch 580 Franken. Also eine Preissteigerung von 46 Prozent für rund die Hälfte des damaligen Angebots. Wobei 2010 erst ganz vereinzelt Beiträge aus der SZ übernommen wurden.

Gleichzeitig holzte CEO Peppel-Schulz Regionalausgaben zusammen und sparte beim kostenintensiven Lokaljournalismus. Wobei sie nun als Zukunftsperspektive «wir müssen Lokaljournalismus neu denken» ausgibtAber nicht etwa, indem wieder mehr lokale Büros oder Stellen geschaffen werden. Sondern: «Wir können nicht mehr in Büros denken und investieren, wir investieren in Reichweite vor Ort. Nähe zu den Menschen, das schafft Vertrauen – ergänzt um Hyperlokalität mithilfe von KI».

Nähe durch Reichweite und «Hyperlokalität» durch KI, absolut unverständliches Geplapper. Hyperlokalität, ein neuer Modebegriff Liga «Resilienz», würde bedeuten, dass viele Lokalreporter ans Werk gingen. Denn KI kann nicht an einer Gemeinderatssitzung teilnehmen, mit Anwohnern sprechen, Missstände recherchieren oder lokale Netzwerke aufbauen. Also all das nicht, was Lokalität oder halt auch Hyperlokalität ausmacht.

Die Einnahmen gehen runter, der Online-Werbekuchen ist nach wie vor fest in der Hand von Google & Co., die redaktionellen Eigenleistungen gehen senkrecht runter. Genährt durch Bedeutungsverlust und Existenzangst nimmt dafür Meinung, Belehrung und Rechthaberei exponentiell zu. Ebenso das Schreiben in einer Gesinnungsblase unter Luftabschluss.

Dafür – und das soll die wichtigste Einnahmequelle bleiben – gehen die Abopreise durch die Decke. Nach dem schönen Prinzip: weniger Inhalt, weniger Qualität, weniger Rücksicht auf den Leser – dafür wird der schamlos gemolken.

Man muss nicht den Black Belt in Accounting oder einen HSG-Abschluss haben, um klar zu prognostizieren: im September kommt das nächste Rausschmeissen. Dann wird die Sonntagsausgabe auf den Samstag verlegt. Dann wird der tägliche Print-Rhythmus in Frage gestellt. Und irgendwann macht der Letzte das Licht aus, nachdem er seinen letzten Meinung- und Belehrungsartikel geschrieben hat.

Schweizheute. Hä?

Ein neues Newsportal. Schaut jemand hin?

Zur Feier des 1. August (ohne Feuerwerk, schnief) eine erste Analyse des neuen Portals schweizheute.ch. Es wurde vor zwei Monaten von CH Media aus der Taufe gehoben und verzeichnet bereits hohen Zuspruch.

Oder auch nicht. Denn es sind keinerlei Zahlen über Nutzer oder Besucher vorhanden. CH Media, WEMF, Mediapuls, Similarweb, Semrush? Nix, keine Angaben.

Es ist eine typische Schreibtischidee von Managern, denen bis heute zur sinnvollen Nutzung des Internets oder zum Ausschalten des Mittelsmanns bei Inseraten nichts einfällt.

Bündelung der Arbeit von 350 Journalisten aus dem verzweigten Redaktionsnetzwerk der 18 CH-Media-Tageszeitungen. Von der Aargauer Zeitung bis zum Zofinger Tagblatt, von der Appenzeller Zeitung bis Urner und Zuger Zeitung. Alle Inhalte zweitverwertet.

Grosses Gedöns, wie immer: «Zudem investierte CH Media gezielt in die Redaktion. In den vergangenen Monaten wurde die Inlandredaktion neu aufgestellt: Lea Hartmann und Michael Graber übernehmen gemeinsam die Leitung. Anna Wanner und Doris Kleck fokussieren sich auf neue publizistische Aufgaben. Mit Fabian Schäfer von der «NZZ» und Céline Zahno vom «Blick» wurde die Redaktion zusätzlich verstärkt.» Zwei Nasen geholt, Wahnsinn.

Wobei Schäfer grummelnd abging, weil er mit der dann nicht erfolgten Anstellung von Dominik Feusi nicht einverstanden war. Und Zahno ist ein 25-jähriger Jungspund mit einem Jahr Erfahrung beim «Blick».

Es ist zudem nicht so, dass dieser Markt jungfräulich und der Eroberung harrend wäre. Da hätten wir SRF News, Blick, Tamedia, NZZ, «20 Minuten», blue news oder sogar «watson» aus dem gleichen Haus, aber nicht Teilnehmer an schweizheute.

Die Zahl der monatlichen Unique User aller CH-Newsportale zusammen wird nicht veröffentlicht. Es ist nach wie vor ein Dschungel im Online-Angebot.

Was soll nun schweizheute bieten, was ein Besuch der bisherigen Online-Portale von CH Media nicht böte? Es soll sich auf übergeordnete Themen wie Schweizer Politik, Wirtschaft, Ausland, Kultur und Sport konzentrieren, dazu natürlich «Hintergrundberichte und Analysen» sowie «ausgewählte regionale Geschichten».

Ein erster Blick aufs Angebot zeigt: Aufgewärmtes und Rezykliertes ist die Devise. Das ist auch kein Wunder, denn es gibt keine eigenständige Redaktion, sondern nur Abfüllgehilfen, die aus dem vorhandenen Angebot schöpfen. Das bei übergeordneten Themen sowieso schon von einer Zentralredaktion in Aarau stammt, die die gleiche Sauce in alle 18 Blätter giessen, die das dann noch mit ein paar lokalen Themen anreichern.

Auch dieses Angebot dürfte nicht allzu viel begeisterte Nachfrage finden:

Was interessiert den Leser der «Aargauer Zeitung», was die «Thurgauer Zeitung» Regionales bietet? Oder umgekehrt? Ernüchternde Ansage: null, nichts, nada.

Wie unausgegoren die Idee ist, zeigt noch ein weiterer Fakt. CH Media hat sich in den letzten Jahren 11 Radiosender und 7 TV-Stationen zusammengekauft und ist damit nach SRF unbestritten der grösste Anbieter. Statt einfach das Print- oder vorhandene Zeitung-Onlineangebot nochmals auf einer neuen Plattform zu bündeln, wäre es höchstens sinnvoll, das mit den elektronischen Medien zu verschmelzen.

Wie altmodisch das Denken der Manager ist, zeigt sich auch in der Werbestrategie. Traffic is king im Web, und wie schaufelt man Traffic auf eine völlig neue Seite, damit sie möglichst schnell eine kritische Masse erreicht, die sie für Werbung attraktiv macht? CH Media setzt hier auf die bestehenden Leser der Regionaltitel, interne Verlinkungen und als modernstes der Gefühle auf Push-Mitteilungen der App.

Social-Media-Strategie, wo man wenn schon junge Leser abholen könnte? Was ist das, wäre die Antwort der Manager aus dem Wanner-Clan.

Die zentrale Frage bei einem neuen Produkt ist immer: was ist die USP, was macht es einzigartig, was unterscheidet es von der existierenden und etablierten Konkurrenz, was ist sein Mehrwert, was löst «muss haben» aus.

Da lautet bislang die einzige Antwort von schweizheute: neu. Damit sieht man schnell einmal alt aus.

 

Die Wanner-Zeitungen

CH Media hat den Kopfblattsalat perfektioniert.

CH Media ist in der heutigen Form im Jahr 2018 entstanden. Wenn man die Gesamtauflage Print vergleichen will, muss man also für das Jahr 2000 AZ Medien und NZZ Regionalmedien zusammenzählen. Das ergäbe dann rund 550’000 tägliche Exemplare. Dazu gehören unter anderem die Aargauer Zeitung, die Luzerner Zeitung, das St. Galler Tagblatt usw.; insgesamt sind es heute 18 regionale Blätter.

Im Jahr 2018, Gründung von CH Media, ist die Gesamtauflage bereits auf knapp 370’000 geschrumpft. Heute sind es noch 250’000. Also ein Rückgang um grob 60 Prozent.

Fokussieren wir auf eines der Stammblätter, die Aargauer Zeitung. Sie hatte 2000 eine Printauflage von rund 125’000 Exemplaren. 2026 sind das noch 45’943. Ein Rückgang um 63 Prozent. Damals löhnte man am Kiosk rund 2 Franken für 60 bis 80 Seiten, heute sind es Fr. 5.- für 28 bis maximal 40 Seiten. Also auch hier: halber Umfang, mehr als doppelter Preis.

Eine aktuelle Front sieht dann so aus:

Was sofort auffällt, ist die konsequente Fokussierung auf das Regionale, bzw. Kantonale. Und dass sich der Oberchefredaktor Patrik Müller nicht zu schade ist, sich am Allerweltsthema «ist aber auch heiss heute» zu beteiligen. Das Aufmacherbild, der Aargauer Grosse Rat verpflegt sich mittags im Schlossgarten, ist allerdings an Banalität schwer zu überbieten.

Ansonsten der Pflichtstoff Fussball, irgend etwas ist immer «unter Druck», hier ist’s mal nicht Putin oder Trump, sondern sind es die Schweizer Festivals. Plus natürlich der tote Junge in der Reuss.

Auf Seite zwei überfällt dann Henry Habegger den unschuldigen Leser mit einem Thema von ewiger Gültigkeit:

Die Bundesanwaltschaft habe von ihrer Aufsichtsbehörde diesbezüglich einen Rüffel kassiert, ist der Aufhänger. Soweit, so schlecht. Dass die BA aber vor allem dafür zu kritisieren wäre, dass sie absurde Prozesse um vor vielen Jahren im fernen Ausland angeblich stattgefundene Verbrechen gegen die Menschlichkeit führt und hier Millionen an Steuergeldern verbrät, das ist Habegger keine Zeile wert.

Eine ganze Seite widmet das Blatt dann der welterschütternden Frage: «Gehört Manzambi in die Startelf?» Dazu sagt ZACKBUM: keine Ahnung, wieso auch nicht.

Dann kommt die Seite mit extrem hohem Nutzwert:

Da kann man im Stehsatz in die Vollen greifen, das Thema ist jedes Jahr gut.

Anschliessend, muss man CH Media lassen, eine nicht unlustige Idee, aus dem Schlamassel auf dem Bürgenstock noch eine Sideline herauszumelken:

So nach der Devise: wenn über die Speisen schon alles geschrieben wurde, dann frage doch den Kellner, was er beim Servieren so empfunden hat.

Etwas überraschend ist dann die Wahl der Titelfigur im Ressort «Wirtschaft»:

Immerhin, der Einstige ist nicht unlustig: «Evangelos Eleftheriou ist ein typischer Schweizer – in gewisser Weise.» Aber ausser, dass er für den europäischen Erfinderpreis nominiert ist, gibt es für den Artikel eigentlich keinen Anlass. Oder: immer noch besser als eine leere Seite.

So geht’s auch weiter; fällt dir in der Wirtschaft gar nichts ein, beklage das: «Zu wenig Frauen in der Luft». Noch immer ist die Geschlechterparität nicht überall hergestellt. Wobei die Frage bleibt, ob das überhaupt ein erstrebenswertes Ziel ist.

Einem heissen Thema widmet sich dann «Kultur & Leben»:

Da hat der Recherchierjournalist Bruno Knellwolf knallhart bei Meteo Schweiz nachgefragt. Und die Antwort bekommen, um den länglichen Artikel auf den Punkt zu bringen: ja.

Dann noch ein bissl Lokalpolitik und die übliche Jö-Geschichte:

Da freut sich ZACKBUM, dass es denen vögeliwohl ist.

Es folgen je nach Kopfblatt regionale Geschichten von überall aus dem Einzugsgebiet. Schliesslich auch hier der Sport, und tschüss.

ZACKBUM fasst zusammen. Eine gewisse unaufgeregte Fokussierung auf das Regionale ist das Rezept, mit dem CH Media seine Printprodukte retten will. Immerhin hat es der Wanner-Clan geschafft, bislang seinen Stellenabbau und seine allgemeinen Schrumpfmassnahmen ohne grosses Gebrüll über die Bühne zu bringen, dazu ist er skandalfrei.

Auf der anderen Seite, wir müssen uns wiederholen: halber Umfang, doppelter Preis. Migros oder Coop kämen nicht im Alptraum auf die Idee, einen halben Liter Milch zum doppelten Preis eines ganzen Liters von früher anzubieten. Medienhäuser finden das völlig okay. Weil auch hier dem Management nichts einfällt.

Reine Panik

Den Gegnern der 10-Millionen-Initiative geht inzwischen der Arsch auf Grundeis.

Das ist ein schöner teutonischer Ausdruck, mindestens so sympathisch für den Schweizer wie «ich krieg‘ dann noch ein Bier».

Die Geschichte wiederholt sich als Farce. Es gab mal eine Kampagne, die an Bescheuertheit schlecht zu überbieten war:

Ein Willy Tell mit dysfunktionaler Armbrust, der nicht etwa die benützt, sondern mit einer Zeitung (!) auf eine Mauer (!) eindrischt, auf die «Fake News» gesprüht wurde. Das und die Geldgier der Medienclans Coninx und Ringier sorgte dafür, dass die schon sicher geglaubte Subventionsmilliarde flöten ging.

Nach anfänglicher, überheblicher Sicherheit breitete sich immer mehr Panik aus, als das Abstimmungsdatum näher rückte.

Genau das gleiche Phänomen lässt sich wenige Tage vor der Abstimmung über die SVP-Initiative zur Begrenzung der Wohnbevölkerung beobachten.

Einmal mehr klafft ein ziemlicher Spalt zwischen der Position der meisten Parteien und Medien und der Meinung der Bevölkerung. Ausser der SVP natürlich sind die anderen Parteien deutlich oder weniger deutlich dagegen. Natürlich ist Tamedia ausgesprochen dagegen, «Blick», CH Media oder NZZ eiern herum, sind aber zumindest chefredaktionell auch dagegen. Vom Schweizer Farbfernsehen ganz zu schweigen.

Auch hier war die Werbekampagne eine ganze Zeitlang eher staatsmännisch:

Plakate müssen plakativ sein und eine Botschaft möglichst einfach transportieren. Dieses Sujet war etwas leblos, also wurde Tell durch Helvetia ersetzt:

Aber mit zunehmender Panik wurde mehrere Gänge hochgeschaltet und ein neuer Kampfbegriff geboren und in den Vordergrund geschoben:

Das folgt dem guten, alten Propagandaprinzip: hau einen möglichst negativen Begriff raus und untermaure ihn mit unbewiesenen, aber Ängste schürenden Behauptungen. Sollte die Initiative angenommen werden, bräche Chaos aus. Keine Behandlung oder Betreuung mehr in Spitälern.

Schlimmer noch:

Dass sich ein Ständerat für den Schwachsinns-Slogan «Unsere Polizei würde blind» hergibt, bedenklich.

Hier versucht man’s mit einem schlechten KI-Bild und dem gleichen Topos. Allerdings, ein Polizist mit Haarproblemen von hinten, der auf einen leeren Bildschirm starrt, statt Verbrecher zu fangen, na ja. Wieso das dysfunktionale Schengen-Regime, das nicht einmal mehr von unserem grossen Nachbarn im Norden befolgt wird, für weniger Kriminalität sorgen sollte, ist allerdings schleierhaft.

Natürlich darf diese Angstmacherei nie fehlen:

Und wer verantwortet diesen Quatsch?

Die ««Allianz «NEIN zur Chaos-Initiative», c/o FDP. Die Liberalen Schweiz». Der ehemals liberalen Kraft scheint es nichts auszumachen, mit der SP und allen linken Kräften im gleichen Boot zu sitzen. Und kräftig gegen die eigene Wählerschaft anzurudern.

Es ist nun möglich, dass diese jämmerliche Kampagne von ausländischen Kommunikationskräften konzipiert wurde. Es ist aber auch möglich, dass Schweizer Nichtskönner am Gerät sind.

ZACKBUM wartet und hofft darauf, dass im Schlussspurt ein Wilhelm Tell hereinströmende Ausländer begrüsst, mit einem Juchzer willkommen heisst und ihnen einen Apfel offeriert. Oder so.

 

Panik macht sich breit

Keiner zu klein, Meinungsträger zu sein.

Es ist wie beim Referendum gegen die schon auf sicher geglaubte Subventionsmilliarde für reiche Medien-Clans. Zuerst überhebliches Grinsen, dann ernste Gesichter und schliesslich reine Panik beim Schlussspurt. Eine bescheuerte Werbekampagne mit einem Wilhelm Tell, der mit einer Zeitung eine Mauer kaputthaut. Haben wir gelacht.

Bei der 10-Millionen-Initiative spielt sich sehr Ähnliches ab. Zuerst meinten die Gegner, das Massieren der Anti-SVP-Reflexe, plus ein Sprutz «alles Rassisten und Fremdenfeinde», plus Panikmache (wenn ihr das annehmt, gibt es in den Spitälern kein Personal mehr; dann ist eure Rente futsch), das würde doch locker reichen.

Aber dann, ja dann, ergaben die Meinungsumfragen, dass sich doch tatsächlich eine Mehrheit abzeichnet. Nun geht’s wieder los. Die Medien tun ihr Möglichstes, die Menge der Befürworter der Initiative zu steigern.

Zunächst, das ist gefürchtet bei Freund und Feind, griff Tamedia-Chefredaktorin Raphaela Birrer in die Tasten und warnte: «Achtung: Die SVP will Sie täuschen». Die Täuschung bestand allerdings darin,  dass es sich hier um einen Leitartikel mit Sinn und Verstand handeln sollte.

Auch das Hausgespenst bei Ringiers gibt Laut und Frank A Meyer empfiehlt den Lesern seiner Besserwisserkolumne im SoBli, dass sie gefälligst ein Nein in die Urne zu legen hätten.

Nun kommt noch Stefan Schmid von CH Media. Stefan who? Bitte schön, der Mann am Fenster beim St. Galler Tagblatt, dessen Einzugsbereich ebenfalls die Weltblätter Werdenberger & Obertoggenburger umfasst. Der darf in der immerhin auflagenstärksten Zeitung «Schweiz am Wochenende» seine Erkenntnisse auf den Leser regnen lassen.

Allerdings braucht der keinen Regenschirm und dürfte sich schon beim Titel leicht indigniert abgewandt haben: «Die Schweiz sitzt auf einem hohen Ross». Ach was, wie macht das denn die Schweiz?

Nun, so: «Nur wir Schweizer debattieren über volle Züge, Wohnungsknappheit und Expats, die das Bier auf Englisch bestellen. Luxusprobleme in einem der reichsten Länder Europas». Hm, interessant, in keinem anderen Land Europas wird über Dichtestress, Wohnungsknappheit und Masseneinwanderung debattiert?

Ist es ein Wunder, dass in der Schweiz lebhaft debattiert wird? Nein, aber dazu müsste der IQ leicht angehoben sein, weil erstens im Gegensatz zu allen anderen Ländern im Haus Europa in der Schweiz Volksabstimmungen ständig stattfinden. Und zweitens, weil sich die Wohnbevölkerung Deutschlands in den letzten 5 Jahren um 1 Prozent gesteigert hat, in der Schweiz um 17 Prozent.

Aber wieso soll man sich durch Fakten Geschwurbel kaputt machen lassen.

Dann will sich Schmid didaktisch in die Kurve legen: «Man muss Wachstumsschmerzen ernst nehmen. Die Schweiz wächst schnell und die Politik ist langsam. Der Wohnungsbau etwa ist ungenügend». Aber das wäre dann doch zu verständnisvoll, also fährt er fort: «ein freilich selbst gemachtes Problem, das wir nicht den Asylbewerbern in die Schuhe schieben können». Was eigentlich auch keiner tut, aber was soll’s.

Dann spricht Schmid eine Binse gelassen aus: «Ein Ja zur 10-Millionen-Initiative würde man in unseren Nachbarstaaten nicht als freundeidgenössischen Wink über den Gartenhag interpretieren.» Nein, würde man nicht. Nur: na und?

Aber wenn Schmid schon bei Banalitäten und Plattheiten verweilt, wieso nicht noch eine: «Europa wird der vom Wohlstand verwöhnten Eidgenossenschaft nicht entgegenkommen.» ZACKBUM wiederholt sich: na und? Erwartet das jemand?

Dann erhebt er die Banalität des Gedankens zur Weltordnung:

«Wir riskieren stattdessen ausgerechnet in einer Zeit, in welcher man sich mit den Nachbarn lieber gut stellt, weil auf andere kein Verlass mehr ist, politische und wirtschaftliche Verwerfungen. In der Konsequenz gar das Ende der bilateralen Verträge. Das wäre unklug.»

Die Schweiz soll sich also mit den verlässlichen Nachbarn Frankreich, Deutschland oder Italien gutstellen? Mit Liechtenstein vielleicht, warum nicht.

Aber was sind Banalitäten ohne einen guten Schuss reinen Schwachsinns? «Aber Deutschland, dessen Bürger bitte nicht in die Schweiz emigrieren sollen, darf uns dann wenigstens vor Russland schützen. Widersprüche noch und nöcher.» Deutschland schützt die Schweiz vor Russland? Weil sonst der Alptraum aller kalten Krieger von anno dazumal wahr würde und der Iwan käme? Und nicht mehr länger der Deutsche droht, das kleine Stachelschwein im Rückzug einzunehmen?

Aber auch hier gilt: Zum Glück oder zum Pech ist mal der Platz alle, also hurtig noch eins draufgesetzt aus den wilden Gefilden von Absurdistan: «Ein Kleinstaat, selbst ein reicher wie die Schweiz, sollte demütig bleiben, solidarisch auch, freundlich zu den anderen. Erfolg ist nicht gottgegeben. Man kann herunterfallen, wenn man nicht aufpasst, vom hohen Ross.»

Lustigerweise nennt man diese Sprachmarotte Rechtsversetzung. So kann ZACKBUM nur demütig bitten: ist denn niemand so freundlich, Schmid vor sich selbst zu schützen?

Möge sie überdauern

Margrit Sprecher wird 90. Und bleibt neugierig.

Was gab das für ein Gewäffel, als Sprecher Alice Weidel porträtierte. Statt von der Altmeisterin zu lernen, wie man eine Person beschreibt, wurde gemeckert, dass sie nicht das tat, was heute im Elendsjournalismus die Regel ist: zuerst die These, dann die Herrichtung und Hinrichtung.

Heute analysiert sie mit Distanz und kühl: «Ich wurde tatsächlich von einem Geburtstag ausgeladen: «Wir haben deinen Text gelesen – du passt nicht mehr ganz zu uns.» Viele Kolleginnen und Kollegen, vor allem aus dem linken Spektrum, haben sich von mir distanziert. Die «WoZ» schrieb, es sei «zum Kotzen». Kritik lässt mich freilich kalt, wenn ich überzeugt bin, mein Bestes gegeben zu haben. Noch heute würde ich keine Zeile ändern. Journalisten sollen nicht urteilen, sondern berichten. Die Bewertung überlasse ich den Lesern, denn die sind mündig.»

Patrik Müller, der Oberchefredaktor von CH Media, hat die Reporterin besucht und interviewt. Das ehrt beide. Eigentlich müsste man allen Journalisten (und solchen, die sich dafür halten) empfehlen, ihre Antworten auswendig zu lernen und zu beherzigen. Aber das wird nicht passieren.

Während das meiste, was heute publiziert wird, von einer KI billiger, besser und schneller geschrieben werden könnte, wäre das bei ihr nicht möglich: «Schreiben ist die pure Qual, Recherchieren hingegen ein Vergnügen: unterwegs sein, Menschen kennenlernen, neue Welten entdecken. Aber wenn ich zu Hause in mein vollgekritzeltes Notizbuch schaue – ich schreibe alles von Hand –, wird mir fast schlecht.»

Wenn jemand von der einsamen Höhe von 90 Jahren auf seine Entwicklung zurückblicken kann, ergeben sich interessante Einblicke. Wenn man über sich selbst so reflektiert sprechen kann wie sie über andere schreibt:

«Als junge Journalistin hatte ich oft spontanere, kreativere Einfälle – überraschende Vergleiche etwa. Das ist weniger geworden. Heute erfasse ich dafür stärker szenische Zusammenhänge und erkenne Details, in denen sich auf exemplarische Weise das grosse Ganze zeigt. Zudem fühle ich auch mehr Verantwortung, nicht zuletzt den Menschen gegenüber, über die ich schreibe. Ich brauche länger, bis ein Text so ist, wie ich ihn haben will

Dabei spricht sie auch simple, aber entscheidende Dinge gelassen aus: «Wichtig ist halt, als Reporter oder Reporterin hinzugehen, selbst vor Ort sein.» Da mögen manchem Kindersoldaten in seiner Verrichtungsbox in der Hölle des Newsroom die Tränen kommen. Oder aber, er fragt sich: wieso soll man wohin gehen? Ist doch alles virtuell heute.

Es gibt auch eine kleine Lektion, was Anstand im Journalismus ist: «Ich halte mich strikt an Abmachungen. Und alle Zitate schicke ich stets zur Autorisierung, mit etwas Kontext. Aber nie den ganzen Text.»

Ein weiteres Kleinod ist ihre Definition eines wichtigen Unterschieds:

«Neugier ist Boulevard – ein bisschen Schlüsselloch-Perspektive. Wer aber aus echtem Interesse fragt, gelangt oft auf unerwartete Gebiete – und dort beginnt die eigentliche Geschichte. Dann entsteht etwas Neues, etwas, das Google oder die KI nicht liefern kann

Natürlich gelingt ihr auch eine Schlusspointe in diesem Interview. Auf die Frage, wie sie denn ihren 90. feiere: «Ich habe noch nie Geburtstag gefeiert. Warum auch? Ich habe ja nichts dafür geleistet

Und natürlich kann man ihrer Aussage über die Qualität ihrer Texte nur zustimmen: «Ich glaube, sie sind zumindest nicht schlechter geworden. Und ich hoffe, das bleibt noch eine Weile so.»

Ist das ein Fan-Artikel? Aber ja, bedingungslos, schamfrei, in tiefer Bewunderung.

Die Zocker-Lobby

Die UBS lobbyiert im roten Bereich.

Eigentlich geht es nur um eine Winz-Witz-Eigenkapitalerhöhung von 20 Milliarden Franken, bei einer Bilanzsumme von 1600 Milliarden. Peanuts, viel zu wenig bei dem systemischen Risiko, das von dieser Monsterbank ausgeht, die ein viel grösseres Rad als das gesamte BIP der Schweiz dreht (einsamer Weltrekord).

Weil aber vom gehebelten EK der Bonus abhängt, wehren sich CEO Sergio Ermotti & Co. mit Händen und Füssen gegen dieses symbolische Pflästerchen. Und setzen Lobbying in einer für die Schweiz bislang ungenannten Dimension ein. Drohen sogar mit Wegzug, als ob sie anderswo eine Gratis-Staatsgarantie (von wegen too big to fail) kriegen würden.

Natürlich ist es auch eine mediale Schlacht, mit interessanten Kampflinien. Dass ein Dumpfschwätzer wie Markus Somm auf die UBS-Propaganda reinfällt, nun ja, bedauerlich, nicht überraschend, so what.

Bedenklicher ist schon, dass die NZZ sich plötzlich zum Sprachrohr der UBS aufschwingt und einen kritischen Kommentar nach dem anderen veröffentlicht, dass diese durch Aktienausgabe kinderleicht zu finanzierende Kapitalerhöhung eigentlich des Teufels sei und unbedingt vermieden werden müsse.

Sonst drohe mehr oder minder der Untergang der Eidgenossenschaft. Sogar ehemalige UBS-Direktoren dürfen hier als «Experte» verkleidet dagegen anstänkern.

Währenddessen ist der «Blick» das Sprachrohr der Kritiker der UBS geworden, wo wahre Experten wie Marc Chesney die dürftigen Argumente der UBS zerpflücken dürfen und sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter in gewählten Worten über die Propagandaschlacht der UBS erregen darf: «Es entspricht aber nicht dem gängigen Stil, dass man so dezidiert gegen unsere Institutionen antritt. Das ist ein eher neuer Stil im Umgang eines Unternehmens mit dem Staat.»

Chesney geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert die nächste Bankenkrise. Aus einem einfachen Grund. US-Präsident Donald Trump lockert wieder einmal die Regulierungsvorschriften für Banken in den USA: «Erste Erleichterungen sind bereits in Kraft, die zentralen Punkte wie eine tiefere Eigenkapitalquote sollen bis Anfang 2027 folgen. Darüber hinaus werden die Aufsichtsbehörden zurückgebunden und wird ihr Personalbestand erheblich gekürzt», fasst der «Blick» zusammen. Chesney setzt noch einen drauf: «Die Zutaten für die nächste akute Krise sind vorhanden, die Frage ist nur, wann sie kommt.»

Denn die letzte von 2008 begann genau mit solchen Lockerungsübungen.

Aber auch Gegner der Kapitalerhöhung wie der emeritierte Bankenprofessor Martin Janssen kommen zu Wort, er spricht gar von «einer Erpressung des Parlaments». Allerdings nicht durch das Lobbying der UBS, sondern durch die Finanzministerin.

Die NZZ unkt: «Keller-Sutter droht eine Niederlage im Parlament». Auch Beat Balzli steuert einen seiner verpeilten Kommentare bei: «Die UBS-Phobie oder warum die reine Fixierung auf das Kapital von gestern ist».

Tamedia tut das, was das Qualitätshaus an der Werdstrasse am besten kann: es eiert herum und interviewt. Auch CH Media ist sich nicht sicher, ob sich der Wannerclan das Wohlwollen der UBS verspielen will oder nicht. «Scharfe UBS-Regulierung würde Kredite verteuern», darf hier der Gastkommentator Urs Furrer schreiben. Er ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und offenbar von Finanzkenntnissen eher unbeleckt.

Redaktorin Florence Vuichard flüchtet sich ebenfalls in ein gepflegtes Einerseits-Andererseits: «Der Bundesrat verschärft die Eigenkapitalvorschriften für die Grossbank, macht aber auch Konzessionen.» Ist das gut oder schlecht? Eben, einerseits, andererseits.

Und «20 Minuten» macht ebenfalls das, was das Pendlerorgan am besten kann: es zitiert Artikel der anderen. So habe die «Financial Times» geschrieben, «Parlamentarier hätten führenden UBS-Managern zugesichert, die strengen neuen Vorschriften würden abgeschwächt».

Was die UBS hier tut, ist tatsächlich ein professionelles, nicht gerade billiges Lobbying mit allen Schikanen. Direktkontakte zu Parlamentariern und Medienschaffenden. Einsatz von Verbänden als Multiplikatoren. Drohung mit Abstrichen bei der Parteienfinanzierung.

Zugleich werden die Narrative gesetzt («Schweiz verliert Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalregeln gefährden Jobs»). Dazu typisches Framing. Diese Reform gefährde die Schweiz (weniger Kredite, teurere Hypotheken, Schwächung Finanzplatz). «Experten» werden mobilisiert, Reputations- und Elitennetzwerke aktiviert.

Klare Drohungen werden umgeschminkt (Vermeidung des Worts Bestrafung, Ersatz durch «Überdenken» von Optionen).

Bei den Medien ist die Drohung mit Inserateboykott bei unbotmässiger Berichterstattung Vergangenheit. Heute kommen andere Formen von Sponsoring zum Einsatz:

  • Konferenz-Sponsorings (Wirtschaftsforen, Debattenformate)
  • Content-Partnerschaften / Thought Leadership
  • Podcast- und Video-Sponsoring
  • Beilagen, Themen-Specials, Roundtables

Die Drohung mit einem Streichen dieser Anlässe wirkt genauso …

All das belegt ironischerweise genau das, was die Monsterbank abstreitet: sie hat offensichtlich viel zu viel politische Macht, weil sie systemrelevant ist.

Iran? Äh …

Wenn die Grossanalysten mal wieder rudern.

Es war wieder mal ein klassischer TACO. Statt wie angekündigt eine ganze Zivilisation sterben zu lassen, ersparte der US-Präsident Donald Trump der Welt dieses Kriegsverbrechen. Vorläufig.

Während die israelische Regierung fortfährt, im Libanon ihre verbrecherische Politik wie im Gazastreifen fortzusetzen: totale Zerstörung. Sozusagen im Windschatten des grösseren Konflikts.

Diese nicht ganz unerwartete Wende wäre Gelegenheit für alle Kenner, Spezialisten und Grossstrategen in den Medien, mal zu zeigen, wie das ist, wenn sie ihren analytischen Muskel anspannen. Denn schliesslich erwarten sie für diese Leistung entsprechende Zahlungen, sollten also eine geldwerte Gegenleistung bieten.

Was man in Wirklichkeit sieht, ist allerdings jämmerlich und erbärmlich. Es braucht schon ein Selbstbewusstsein, das in seiner Grösse demjenigen des US-Präsidenten nicht nachsteht, um mit Denkerpose Flachsinn von sich zu geben.

«Ein Krieg, der für Trump nicht zu gewinnen ist», «Trumps Rückzieher», hämt der «Spiegel», der sich für ein Mal nicht mit Beziehungsproblemen und haltlosen Anschuldigungen in einem Scheidungskrieg befasst.

«Die Mullahs können sich als Sieger fühlen», verkündet die FAZ. Die «Süddeutsche Zeitung» wird ganz streng: «Wer droht, eine Zivilisation auszulöschen, darf nicht damit durchkommen». Und wenn Autor Boris Herrmann dafür den letzten Buchstaben hergeben müsste.

Auch Tamedia kennt kein Pardon: «Nichts passiert? Die Drohung war schon schlimm genug!», stellt Charlotte Walser «aus Washington» den US-Präsidenten in den Senkel. Vielleicht sauer darüber, dass sie bis spätnachts aufbleiben musste, um trotz Zeitverschiebung zu liefern. Auch sie stellt eine Art Ultimatum: «Auch wenn den bangen Stunden ein Aufatmen folgte: Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen

Keine Ahnung, wer sich daran gewöhnen wollte …

CH Media kümmert sich um die praktischen Fragen: «Trumps Waffenstillstand mit Iran: Hat am Ölmarkt der Schrecken nun ein Ende? Werden Tanken und Fliegen nun billiger?» Hinter der Bezahlschranke gibt’s die Antworten, hier sind sie gratis: zweimal nein.

Der «Blick» geht auf Du mit seinen verbliebenen Lesern: «Das musst du zum plötzlichen Waffenstillstand wissen». Und verbreitet Pessimismus: «Nach der Kehrtwende dürfte es nur noch schlimmer werden».

«20 Minuten» erteilt dem «Geopolitik-Experten Klemens Fischer» das Wort. Das ist so ein Allrounder, der auf der Kurzwahltaste fast jeder Redaktion liegt. Der gefällt sich in einem gepflegten Einerseits-Andererseits, das den Leser, den armen Tor, so klug zurücklässt wie zuvor: «Trump wird die Einigung natürlich als Sieg werten – und das ist sie auch. Auf der anderen Seite konnte aber auch der Iran sein Gesicht wahren, denn der iranische Vorschlag ist jetzt die Basis für weitere Verhandlungen.»

Kühl neutral berichtet die NZZ: «Donald Trump verkündet eine zweiwöchige Waffenruhe. Und Iran feiert einen Etappensieg».

Und eigentlich alle Qualitätsorgane lassen einen «Live-Ticker» laufen, die Bankrotterklärung jedes einordnenden, Mehrwert bietenden Journalismus.

Nicht, dass ZACKBUM das liefern könnte, aber wir verlangen ja auch kein Geld. Wer das tut, sollte aber vielleicht etwas mehr bieten als die Wiederholung des Faktischen, die jeder gratis im Internet abholen kann. Plus die übliche Portion Trump-Beschimpfung.

Zudem überrollen die Ereignisse die kompetenten Spezialisten. Da Israel ungehemmt weiterbombt und zerstört, scheint der Iran die Strasse von Hormus wieder gesperrt zu haben. Ob der Waffenstillstand auch die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung im Libanon umfasst oder nicht, daran scheiden sich die Geister.

Wieso halten sich China, Indien und Russland betont zurück? Wer traut sich nach diesen Ausfällen Trumps, aus der erhöhten Warte westlicher Werte noch den russischen Präsidenten Putin zu beschimpfen? Wieso wird nur am Rande erwähnt, dass die israelische Regierung mit ihren Kriegsverbrechen im Libanon ungeniert fortfährt? Ist das eine Zwischenetappe fortgesetzter Kriegshandlungen? Welche Seite wird mehr von ihren Forderungen durchkriegen?

Das wären ein paar Fragen, deren Beantwortung vielleicht etwas Mehrwert bieten würde. Aber das ersparen die Medien-Koryphäen sich und ihren Konsumenten.

 

Patrik Müller wird Chef von allem

Exklusiv und nur hier: der Rettungsplan des Verlegerverbandes.

Die Tageszeitungen darben, das ist kein Geheimnis. Den überbezahlten und unterqualifizierten Medienmanagern der grossen Verlagshäuser fällt nichts ein, wie das geändert werden könnte.

Ausser, nach Subventionen, nach Steuergeldern zu krähen. Schliesslich seien sie die Vierte Gewalt im Staat, unverzichtbar für das Funktionieren der Demokratie. Oder für ihre Rettung, wenn man die Welt wie die «Republik» sieht.

Besondere Situationen brauchen besondere Massnahmen. In strikter Geheimhaltung wurde daher eine unternehmensübergreifende Rettungsmassnahme beschlossen. Denn der grösste Kostenfaktor ist weiterhin die Payroll der Angestellten. Wobei hier gilt: je höher in der Hierarchie, desto teurer.

Bereits bis anhin gibt es vier Oberchefredaktoren in den vier grossen Verlagen. Eric Gujer bei der NZZ, Raphaela Birrer bei Tamedia (oder Simon Bärtschi oder Jessica Peppel-Schulz, das ist nicht so ganz klar), Rolf Cavalli (oder Sandro Inguscio oder Ladina Heimgartner, das ist auch nicht so klar) beim «Blick», und Patrik Müller bei CH Media.

Daneben gibt es noch Roger Köppel, das Maschinengewehr mit Mission, der Verleger, Herausgeber, Besitzer und Chefredaktor der «Weltwoche». Aber der läuft für sich.

Die acht Nasen bei den grossen Verlagen verdienen zusammen geschätzte 2,5 Millionen Franken im Jahr. Die Teppichetage obendrüber noch viel mehr, aber das ist natürlich unantastbar.

Wie ZACKBUM aus sicheren, voneinander unabhängigen, aber ungenannt bleiben wollenden Quellen erfahren hat, wird hier ab heute, am 1. April, eine Sparmassnahme umgesetzt, wie sie die Schweizer Medienlandschaft noch nicht gesehen hat. Die Verlagshäuser einigten sich auf einen einzigen Oberchefredaktor für sämtliche Tageszeitungen. Erkoren wurde Patrik Müller, der bislang skandalfrei und behaftbar wie eine Teflonpfanne den Wannerclan glücklich machte.

Alle übrigen Führungskräfte wurden in die Frühpensionierung geschickt oder dürfen sich mit dem neuen Titel «besondere Aufgaben» schmücken.

Gleichzeitig werden auch die Redaktionen zusammengelegt, wobei jedes Verlagshaus seine Stärken ausspielt und das jeweilige Ressort beherbergen wird. Also der Sport kommt integral zum «Blick», das Regionale zu CH Media, Ausland und Wirtschaft natürlich zur NZZ, während das Inland weiterhin aufgesplittert bleibt. Bei Tamedia, die sonst leer ausginge, wird Feuilleton und Kultur angesiedelt, allerdings mangels eigenen Kräften durch Zugänge aus den anderen Verlagen.

Gleichzeitig wird ein Gefäss deutlich beschnitten. Pro Organ und Tag darf es maximal einen einzigen Kommentar geben. Nabelschau und Selbstbespiegelung sind dabei verboten.

Mit diesen Massnahmen wollen die Verlage die Weiterexistenz ihrer Tageszeitungen garantieren.

«Ich fühle mich geehrt, danke für das Vertrauen und schaue der neuen Aufgabe optimistisch, aber auch mit Respekt entgegen», wird Müller in der Pressemitteilung zitiert, die später am Tag publiziert wird.

Auf jeden Fall ein gewagtes Experiment, man wird sehen, ob es von Erfolg gekrönt ist oder im völligen Chaos endet.