Maschinengewehr Köppel
Der Mann, der schneller schreibt als er denkt.
Lucky Luke schiesst schneller als sein Schatten. Der Besitzer, Herausgeber, Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche» hat das Problem, dass wie bei von ihm verehrten US-Präsidenten Checks and Balances fehlen, die ihn von Schnellschüssen abhalten.
Schreibt Roger Köppel los, kann ihn niemand auf halten. Natürlich erregt er sich über die Ermordung des US-Polemikers Charlie Kirk. Zunächst verklärt er ihn als Lichtgestalt, als «Kulturkämpfer». Dann kritisiert er völlig zu recht die teilweise widerlichen Reaktionen aus dem linken Lager.
Daraufhin sondert er eine nötige Packungsbeilage ab: «Es gibt auch rechte Ideologen, Spinner und Gutmenschen, die zur Waffe greifen.» Das ist natürlich nur die Einleitung zu: «Doch verharmlost und tabuisiert wird nach wie vor die viel häufigere Gewalt von links.»
Wie immer wackelig ist sein Ausflug in die Ideengeschichte: «Im Marxismus ist die christliche Vorstellung, es gebe ein Paradies im Jenseits, zum politischen Gebot verweltlicht worden, dieses Paradies im Diesseits zu verwirklichen. So sehen sich linke und grüne Politiker, selbst wenn sie sich nicht offen auf marxistische Ideen beziehen, als Vollstrecker heilsgeschichtlicher Erwartungen im konkreten Leben.»
Vielleicht könnte es bei einer Kritik am Marxismus helfen, ihn verstanden zu haben. Aber das scheint für Köppel, den bekennenden Christen, völlig überflüssig zu sein.
Auch von Kirk weiss Köppel nicht viel, gesteht sogar, ihn vor seiner Ermordung nicht gekannt zu haben: «Er soll Millionen junger Amerikaner für traditionelle und christliche Werte begeistert haben.» So kann man das auch formulieren, wenn man die Positionen von Kirk nicht kennt.
Ein paar Beispiele:
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Nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 verbreitete Kirk mehrfach die unbelegte These von massenhaftem Wahlbetrug zugunsten Joe Bidens.
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Er forderte u. a. dazu auf, Wahlmänner aus «umstrittenen» Bundesstaaten nicht anzuerkennen. Das wurde von Gerichten und Wahlaufsichtsbehörden widerlegt.
- Er verbreitete Zweifel an Impfstoffen und sprach von «Zwangsimpfungen», obwohl es keine generelle Impfpflicht gab.
- Er benutzte den Begriff «Great Replacement» bzw. argumentiert in dessen Nähe (die Behauptung, weisse US-Amerikaner würden absichtlich «ersetzt»).
- Er bezeichnete den Klimawandel wiederholt als «Schwindel» oder «übertrieben» und lehnte Klimaschutzvorgaben ab.
In diesem Sinne holt auch Köppel den Zweihänder heraus:
«Der Mordfall Kirk ist ein besonders abscheuliches Beispiel linker Cancel-Culture in den Vereinigten Staaten.»
Diese Ermordung sei Bestandteil der Cancel-Kultur? Bevor über den Attentäter und seine Motive auch nur das Geringste bekannt ist?
Aber Köppel galoppiert weiter ins Gestrüpp: «Diese Gewalt ist der verbrecherische Ausfluss eines Denkens, das Konservative automatisch als „Nazis“ abstempelt, damit zu Massenmördern entmenschlicht. Auf der rechten Seite findet sich kein Kampfbegriff, der auch nur annähernd diese verleumderische Kraft entfaltet.»
Natürlich ist der inflationäre Gebrauch des Begriffs Nazi ungefähr gleich bescheuert wie das Schwingen der Antisemitismus-Keule.
Aber es gebe rechts keine verleumderischen Kampfbegriffe gegen Linke? Wie wäre es mit diesen hier:
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Gutmensch
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linksgrün versifft
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Ökospinner, Klimahysteriker
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Woke-Sekten
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Staatsfunker (für Medienschaffende)
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Volksverräter
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Vaterlandsverräter
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Linksextremist
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68er-Verseuchter
Insbesondere der Volks- oder Vaterlandsverräter hat eine lange Tradition bei der Rechten, der sich wohl auch Köppel zurechnen würde. Der argumentenfreie, keifige Ton, die Warnungen vor Untergang und Niedergang, würde man Forderungen von «linken Spinnern» folgen, das ist genauso Bestandteil des groben Rüpelns im politischen Raum wie linke Denunziationen von angeblichen oder echten Nazis.
Das politische Attentat hat in den USA eine lange und unselige Tradition. Rechte wie Linke wurden schon Opfer. Und reflexartig verurteilt die andere Seite ein solches Attentat als Ausfluss einer hasserfüllten Debattenunkultur, an der natürlich nur die anderen, hier also die «Cancel-Culture», schuld sei.
Solche Behauptungen tragen nichts zu einer Versachlichung der Debatte bei. An seiner Imitation eines elder Statesmen mit gepflegt-bürgerlichem Ton muss Köppel noch viel üben und arbeiten. Aber wer hilft ihm dabei?











