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Knüppeldick

Verpasst die NZZ der «Republik» den Todesstoss?

Es rächt sich, dass die «Republik» so arrogant wie hochnäsig über alle und alles hergezogen ist, geradezu reflexartig «Sexismus» krähte, bei anderen Medienhäusern gleich «strukturelle Probleme» sah.

«‹Damit sie nicht sagen können: Herrgott, wenn wir das gewusst hätten!›» So lautete der Zitat-Titel einer vernichtenden Darstellung der Affäre Roshani aus Sicht des angeblichen weiblichen Opfers in der «Republik». Nicht nur, dass sich die «Republik» hier mal wieder vergaloppierte, weil ihr Gesinnungsjournalismus die Sicht auf die Wirklichkeit vernebelte. Das Organ der guten Denkungsart behauptete zudem, bei Tamedia würden «Hilferufe» aus der Belegschaft ignoriert, die Führungsetage maure.

Das alles kommt nun wie ein Bumerang zurückgeflogen. Denn auch die Führungsetage der «Republik» will nichts von nichts gewusst haben, das Gleiche behauptet auch die WoZ. Das sind Schutzbehauptungen, die sich noch rächen werden. Sie wurden gerade in einem länglichen Artikel in der NZZ weiter demontiert. Wobei man wieder mal sagen muss: so sehr, wie sich Journalisten für Journalisten interessieren, das ist schon obsessiv und wird von den Lesern nicht goutiert. Ausser hier, aber wir sind ja auch ein Medienorgan für Medienschaffende.

Sollte man exemplifizieren, wie die Revolution ihre Kinder frisst, hier wäre das Paradebeispiel. Auch bei Tamedia, aber vor allem in der WoZ und in der «Republik» wurde ein geradezu mittelalterlich-puritanischer Umgang mit angeblichen verbalen sexuellen Übergriffen gepredigt. Lächerliche Listen von anonymen, nicht verorteten, angeblichen verbalen Übergriffigkeiten wurden ehrfürchtig zitiert, als bare Münze genommen, als Beleg dafür, wie abgründig sexistisch, frauenverachtend, demotivierend es bei anderen Redaktionen zuginge. Aber nicht in der eigenen.

Dort fehle eben die Sensibilität für solche Themen, würde man diese Unterdrückungsmechanismen von Frauen nicht konsequent genug angehen, donnerte die «Republik» vom hohen Ross.

All dieses Gequatsche fällt nun der «Republik» auf die Füsse; die WoZ kann sich zurzeit im Windschatten dahinter verstecken und über einen angeblichen Rechtsrutsch in den Schweizer Medien perseverieren, weil das Thema Sexismus in den Medien zurzeit nicht wirklich sexy ist.

Die bislang bekannt gewordenen Vorwürfe sind zwar unappetitlich, aber letztlich lachhaft. Da soll ein bekokster und/oder besoffener linker Starreporter, der sich irgendwie für eine Kreuzung zwischen Hunter S. Thompson und Charles Bukowski hielt, derbe Anspielungen über den Zustand seines Gemächts gemacht und typischen Männerfantasien freien Lauf gelassen haben. Die davon betroffenen Frauen sollen so eingeschüchtert, schockiert, traumatisiert gewesen sein, dass sie Jahre brauchten, um sich endlich gemeinsam zur Wehr zu setzen.

Zudem steht ein Vorwurf eines «massiven sexuellen Übergriffs» im Raum, wobei auch der nicht genauer beschrieben ist. Chatprotokolle und Screenshot scheinen vorzuliegen, der Rest ist mal wieder «er sagt, sie sagt». Aber diesmal ist es anders.

Es hat zwei Organe getroffen, die sich als Gralshüter der modernen, genderkorrekten, inkludierenden, Frauen achtenden Weltsicht sahen, somit ausgerüstet mit unbezweifelbarer moralischer Überlegenheit, die den Organen das Recht gab, über alle anderen abzuledern und herzufallen, die sich nicht so tugendhaft, korrekt, anständig und alle modernen Benimmregeln befolgend benahmen wie «Republik» und WoZ.

Und nun das. Alles drin. Jahrelanges einschlägiges Verhalten. Natürlich haben es alle gewusst, das kann in den klatschsüchtigen Redaktionen gar nicht anders sein.

Nun hätte die «Republik» ein Beispiel setzen können, wie man mit einer solchen Affäre korrekt umgeht. Aber bislang hat sie’s vom Gröbsten versemmelt. Der Betroffene wurde mal kurz vorverurteilt und freigestellt. Vorangegangen war ein wochenlanges Nichtstun, das angeblich von aussen auferlegt worden war. Nur scheibchenweise wird eingestanden, dass vielleicht, unter Umständen doch der eine oder andere etwas gehört, vermutet, mitbekommen haben könnte.

Da macht ein Reporter über Jahre hinweg Redaktionskolleginnen mit derben Sprüchen an – und niemand wusste was? Das ist so lachhaft, wie wenn Tom Kummer behaupten würde, er hätte eine sich nur an der Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit orientierende Reportage geschrieben.

Das Problem ist: dass ein solches Verhalten auch in den anständigsten Organen vorkommt, wer wollte da den Stab brechen. Aber wie damit umgegangen wird, wenn es an die Öffentlichkeit kommt, das ist der Lackmustest. Wenn grün bedeutet, dass alles gut ist, rötlich, dass es schlecht ist, dann ergibt die Messung bei «Republik» und WoZ die Farbe Dunkelrot.