Lieblos
Nashörner, Nilpferde und Tagi-Journalisten haben prinzipiell schlechte Laune.
Valentinstag, da bemüht sich jede Redaktion, wenigstens etwas verliebten Kitsch zu produzieren. Oder den Leser zum x-ten Mal zu belehren, dass das angeblich vom heiligen Valentin von Rom komme, der verbotenerweise Liebespaare nach christlichem Ritus traute. Und dafür am 14. Februar 269 u.Z. hingerichtet wurde.
Mehr biologistisch sah man es im Mittelalter: der 14. Februar sei der Beginn der Paarungszeit der Vögel. Also auch für Menschen ein Signal …
Später gaben dann die Produzenten von Glückwunschkarten und vor allem Floristen kräftig Gas. Also sagen wir mal so: besser als Halloween ist’s auf jeden Fall, mitmachen muss ja keiner.
Richtig finster drauf ist aber Sofiya Miroshnyk vonTamedia:

«Keine Eifersucht, keine Kompromisse, keine Körperausdünstungen». Hm. Männer sind offenbar nicht nur Schweine, sondern riechen auch so. Jedenfalls für diese verpeilte Journalistin.
Eine Kommentatorin bringt es eigentlich auf den Punkt: «So viel Klischee und so wenig Witz. Hat KI mitgeholfen?» Wahrscheinlich nicht, denn KI hat ansatzweise schon etwas mit Intelligenz zu tun.
Das Problem von Listicals, abgesehen davon, dass sie ausserhalb von «Watson» so was von gähn sind, besteht darin, dass man den Ball nicht allzu weit ins Feld werfen sollte. Für Anfänger sollte die Aufzählung von zehn Gründen reichen. 20 sind schon gewagt, 33 absolute Todeszone ohne Sauerstoff.
Gleich am Anfang versucht es Miroshnyk mit einer Packungsbeilage, das sei dann «kein allgemeines Männerbashing», im Fall. Worauf dann ein mässig lustiges Männerbashing folgt.
Sie behauptet einleitend: «Am Valentinstag ist Selbstbestimmung manchmal erfüllender als jeder Heiratsantrag.» Das mag so sein, gilt allerdings sowohl für Weiblein wie für Männlein. Schon der erste Grund scheint auf eine erlittene Verletzung hinzuweisen: «Niemand entliebt sich plötzlich von Dir oder verlässt Dich.» Schnief. Richtig, wenn man allein ist, kann das nicht passieren. Der zweite Grund ist schon schwerer verständlich: «Du isst nach Appetit und nicht nach langwieriger Verhandlung.» Hä?
Schon ab dem sechsten Grund geht der Autorin deutlich spürbar die Luft aus: «Du musst keine Körperausdünstungen ertragen, die nicht von dir stammen.» Bitte? Wonach dünsten denn die Männer, die die Dame kennt oder mal kannte? Alles Anhänger des Prinzips «einmal duschen pro Woche reicht, und dann wird auch die Unterwäsche gewechselt»?
Es scheint sich auch um senile Bettflüchter gehandelt zu haben: «Du wirst morgens um sechs nicht geweckt durch ein «Schläfst du noch?».» Also ihre Partner (oder Partnerinnen) hatten offensichtlich ein gravierendes Hygieneproblem: «Deine Wohnung riecht nach Lavendel und nicht nach 3-in-1 Duschgel.»
Auch hier scheinen offensichtlich Therapiestunden nichts genutzt zu haben: «Du musst keinen Mann daten, der öffentlich Bikinibilder fremder Frauen auf Instagram liked – und sich wundert, warum Du das bemerkst.» Echt jetzt? Da gäbe es offenbar einiges aufzuarbeiten: «Du musst Dich nicht schämen, wenn Dein Mann «harmlos» mit Deinen Freundinnen flirtet – es ist nicht mehr Deiner.» Wieso muss sich Frau dafür schämen?
Der Verdacht verdichtet sich, dass die Autorin eine unselige Vorliebe für viel ältere Partner hatte: «Niemand vergisst Deinen Geburtstag – vor allem nicht nach mehrmaligem Erinnern.» Indiz zwei: «Du musst keine Männer mit Bindungsangst daten, bei denen längst schon die Geheimratsecken eingesetzt haben.»
Und die letzten beiden «Gründe» sind so meschugge, dass man sich wünschte, die Autorin hätte es bei 31 bewenden lassen: «Du kannst tun und lassen, was du willst und wann du willst. Und vor allem: Du musst Dich nicht ständig dafür rechtfertigen, dass Du einfach nur du selbst bist.»
Nein, so zu sein, das braucht keine Rechtfertigung. Das ist selbsterklärend.
Nun könnte man als mildernden Umstand anführen, dass das vielleicht ironisch oder gar satirisch gemeint sei. Dafür ist es aber schlichtweg zu blöd, denn ein gewisser Witz muss da schon dabeisein. Wenn diese Aufzählung repräsentativ dafür sein soll, was Miroshnyk für Konversation zwecks möglicher Anbahnung einer Beziehung hält, ist es wohl tatsächlich besser, wenn sie Single bleibt.
Ob sie das allerdings als «luxuriösen Zustand voller Freude und Freiheit» empfindet? So viel miesepetrige Bitterkeit, übellaunige Männerphobie, das ist bedauerlich. Für die Autorin und den Leser.
