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Hubert Wetzel ranzt und raunt

Der Fehlanalytiker und Fehlprognostiker darf weiterhin …

Nach dem Wahlsieg Trumps raunte er: «So sterben Demokratien». Er wiederholt sich, ZACKBUM wiederholt sich: Die Masseinheit ein Wetzel steht für die maximale Distanz zwischen einer Formulierung und der Wirklichkeit.

Nach diesem Prinzip geht er das Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum an. Wie viele waren es genau? Wie viele wurden abgeschossen? Waren die Drohnen bewaffnet oder nicht? War es bewusste Provokation oder Unfähigkeit auf russischer Seite? Genaues weiss man nicht.

Pardon, Wetzel weiss alles. Besser.

Am 12. September meint er in der «Süddeutschen Zeitung»: «Putins erster Streich». Brav dackelt Tamedia am 13. September hinterher: «Dies war Putins erster Streich. Doch der zweite…».

Die überdotierte und unterqualifizierte Auslandredaktion an der Werdstrasse waltete auch ihres Amtes. Heisst es im Original: «Die Verteidigung ihrer Ostflanke ist keine Milchmädchen-Rechnung – bei allem Respekt für alle Milchmädchen, sofern es die noch gibt –, auf der sich simple Geldbeträge gegenüberstehen», so wurde das tapfer eingeschweizert: «die Verteidigung ihrer Ostflanke ist keine Milchbüechli-Rechnung, auf der sich simple Geldbeträge gegenüberstehen».

Der Respekt für die Milchmädchen musste über die Klinge springen. Aber das sind nur lustige Nebensächlichkeiten.

Denn Wetzel geht ganz streng mit der NATO ins Gericht: «Wenn das ein Test war, dann hat die Nato versagt.» 19 Drohnen, so weiss Wetzel es als einziger genau, seien angeflogen. «Aber nur drei oder vier werden vom Himmel geholt – eine verheerend schlechte Abschussquote

So geht das nicht, donnert Wetzel:

«Wenn 19 Drohnen das Staatsgebiet und die Bewohner eines Nato-Mitglieds bedrohen, und das tat jedes dieser wackeligen Objekte, müssen alle 19 Drohnen abgeschossen werden.»

Nehmt das, ihr unfähigen NATO-Militärs. Aber, da gerät Wetzel vor Erregung leicht ins Stottern: Die NATO «kann mit enormem technischem Aufwand ein paar Drohnen abwehren, indem sie mit den sprichwörtlichen Kanonen auf die sprichwörtlichen Spatzen schiesst. Aber kann sie sich auch verteidigen, wenn nicht 19, sondern 190 Drohnen an einem Tag angreifen? Oder 1900 in einer Woche? »

Da fehlen einem sprichwörtlich die Drohnen, äh, Worte. Ja kann sie das? Muss sie das können? Reicht das deutsche Sondervermögen von 500 Milliarden Euro dafür aus? Also militärisch sieht das alles sehr wackelig aus, wenn der Iwan seine Drohnenschwärme losschicken würde.

Aber politisch sei’s auch nicht viel besser. Regierungschefs europäischer NATO-Länder hätten immerhin «Entrüstung» (statt Aufrüstung?) gezeigt. Aber was ist denn mit ihm? «Am Dienstagabend amerikanischer Zeit, als die Drohnen über Polen flogen, sass er (Präsident Trump, Red.) in einem Washingtoner Restaurant. Erst am Mittwochabend europäischer Zeit meldete er sich mit einer kryptischen Nachricht zu Wort. Was das denn nun sei mit diesen Drohnen, schrieb er. Und dann: «Here we go!» Jetzt gehts los! Wer oder was losgeht und wohin, das schrieb Trump nicht.»

So geht das ja auch nicht. Wohin’s gehen soll, das im Unklaren zu lassen, das darf nur Wetzel.

Für die Leser, die’s noch nicht kapiert haben, legt er noch eine Schippe drauf: «In einer Situation, in der Kampfjets unter Nato-Flagge zum ersten Mal in der Geschichte der Allianz mit scharfer Munition auf russisches Militärgerät schossen, das in feindseliger Absicht angeflogen kam, war der US-Präsident also mit seinem Dinner ausgelastet

Statt die Gabel fallenzulassen und sofort in den Situation Room unter dem Weissen Haus zu eilen und Gegenschläge vorzubereiten. Schliesslich lassen sich Hamburger doch auch liefern, wozu muss man sich dafür in ein Restaurant setzen.

Aber dieser Mann ist ja dermassen fahrlässig: «Auch scheint es Trump nicht zu kümmern, dass Russland und Belarus soeben ihr Militärmanöver «Sapad 2025» begonnen haben.» Das tun die zwei zwar alle vier Jahre, welche spezielle Kümmernis sollte das bei Trump auslösen?

Wir fassen kurz zusammen: die NATO, militärisch ein Haufen Vollversager. Von 19 Drohnen lediglich eine Handvoll abgeschossen. Während die anderen schlichtweg vom Himmel trudelten und weniger Schaden als die abgeschossenen anrichteten.

Die NATO, politisch führerlos. Nun nähert sich Wetzel mal wieder dem Höhepunkt, allerdings der Absurdität. Denn er schaut noch schnell ins Oberstübchen des Kreml-Herrschers und diagnostiziert: «Sollte der russische Diktator Wladimir Putin sich gefragt haben, wie wichtig Donald Trump die Verteidigung des Nato-Gebiets durch die USA ist, dann kann er aus dem Verhalten des US-Präsidenten durchaus eine Antwort ableiten: nicht so wichtig wie ein Steak mit Ketchup

Da erhebt sich die Frage: Hat Wetzel das recherchiert? Woher weiss er das? War’s wirklich ein Steak? Mit Ketchup? Kein Hamburger? Wieso fehlt die Angabe, ob das Steak well done oder medium rare serviert wurde? Und mindestens so wichtig: was ass oder trank Putin, während er sich diese Frage stellte?

Und was schliesst Wetzel aus dem Steak mit Ketchup? «Niemand sollte sich daher wundern, wenn Putins nächster Test bald folgt

Weder Trump noch Putin sind dafür bekannt, über einen ausgeprägten Sinn für Humor zu verfügen. Sollten sie aber dieses Stück Flachsinn lesen, würden sich beide die Lachtränen abwischen müssen.

 

Keiner stoppt Häsler

Er warnt, mahnt und fordert. Ungehört, aber unermüdlich.

«Georg Häsler ist Oberst der Schweizer Armee, eingeteilt im Heeresstab. Er war zuvor Kommandant einer Festungsminenwerferkompanie und Kommandant Stellvertreter der Artillerieabteilung 10.» Vielleicht trägt er nun nicht nur bei Pressekonferenzen, sondern auch im Berner Stadtrat, in den er gewählt wurde, seine schmucke Uniform. Oder auch an seinem Arbeitsplatz bei der NZZ.

Dass es sich hier um eine demokratische Wahl handelte, würde wohl nicht mal Rabauke Häsler bestreiten. In anderen Regionen Europas sieht er das kritischer:

«In Budapest, in Bratislava und wohl bald auch in Wien regieren erklärte EU-Gegner. Dieser neue Nationalismus nützt Russland. Europa muss von innen heraus resilienter werden

Stoppen und müssen und resilient, so führt man als Oberst – in die sichere Niederlage, wenn diese Wortblasen geplatzt sind. Aber man soll Häslers Bildungsniveau nicht unterschätzen. Diesen Aufruf, diese Befehlsausgabe beginnt er mit einer Kurzzusammenfassung von Robert Musils «Mann ohne Eigenschaften», der in Kakanien lebt, das Wort für die untergehende k. u. k. Herrlichkeit Österreich-Ungarns.

Aber ach je, das scheint doch das Abladen von überflüssigem Bildungsballast gewesen zu sein: «Natürlich ist die EU nicht Kakanien.» Tja, dann halt nicht.

Welches Wort aus dem kleinen Wörterbuch des Flachdenkens fehlt noch? Genau, die «Belastungsprobe», hier gar die «echte Belastungsprobe», im Unterschied zur unechten. Vor einer solchen steht die österreichische Demokratie. Wieso das? Nun, weil dort demokratisch die FPÖ zur stärksten Partei gewählt wurde. Das ist aber ganz schlimm: «Die Institutionen müssen einen Kanzler aushalten, der Österreich umgestalten will.»

Himmels willen, statt dass ein Kanzler kommt, der einfach so weitermacht wie bisher, was ja toll geklappt hat.

Aber das Unheil ist ja nicht auf die Alpenrepublik beschränkt, Häsler sieht da die grossen Zusammenhänge: «Gemeinsam mit dem ungarischen Ministerpräsidenten und dem ehemaligen tschechischen Präsidenten Andrej Babis unterschrieb er im Juni 2024 ein «patriotisches Manifest», das vor einem «europäischen Superstaat» warnt und eigentlich einen Rückbau der europäischen Institutionen fordert.»

Wie kann Kickl nur, und höchstwahrscheinlich haben diese drei bösen Buben auch nicht Häsler vorher um Erlaubnis gefragt, ob sie das tun dürfen. Wahrscheinlich nicht mal anständig salutiert, Sauhaufen.

Schlimmer Sauhaufen, denn: «Ein EU-Gegner als österreichischer Kanzler nützt deshalb vor allem Russland. Die gestärkten Schaukelstaaten treiben zunächst einen Keil in die europäische Abwehrfront gegen den Krieg als Mittel der russischen Machtpolitik.» Wussten wir’s doch, alles Diversanten, Saboteure, Fünfte Kolonne, früher hätte man gesagt: Moskau einfach.

Häsler schwant wieder einmal Schlimmes, aber ganz sicher ist er sich doch nicht: «Gegenwärtig fehlt die Basis für ernsthafte Prognosen.» Aber das kann natürlich einen Oberst nicht erschüttern. Wenn es keine Basis für Prognosen gibt, dann gibt es, Moment, wir schlagen im Wörterbuch nach, genau, dann gibt «Szenarien». Gleich ganze drei zaubert Häsler aus seinem Offiziershut. Und lässt sie zackig aufmarschieren. Es handelt sich um das Trio «Stagnation, Konfrontation, Erosion Europas».

Was wird’s denn sein? Da hält sich der Seher bedeckt: «Der geopolitische Blindflug dürfte in den nächsten Monaten anhalten. Kurzfristig könnte die Lage tatsächlich stagnieren ...» Schön, wenn man jemandem beim Backen von heisser Luft zuschauen darf.

Aber natürlich ist die Zukunft kein Ponyhof: «Jede weitere Stärkung des kakanischen Schaukelblocks beschleunigt die gefährlichste Entwicklung: die Erosion Europas, welche zu neuen Konflikten führen könnte.» Kakanien, Leitmotiv, aber hallo.

Doch, dann sind wir aber fast am Ende des Wörterbuchs, was fehlt denn noch? Na, was ist schon wieder bei Krisen? Genau: «Es besteht auch die Chance, dass sich die EU von innen heraus stärkt.» Jede Krise ist eine Chance, dass man das immer wieder sagen muss.

Aber wie stärkt man denn genau? Da gibt der Oberst einen klaren Marschbefehl aus: «Vor allem müssen die neuen Europäer aus dem Nordosten raus zu den Menschen – wohl ganz besonders in der Mitte Europas.» Raus zu den Menschen draussen im Lande, genau, eines der hohlsten Politikerworte aller Zeiten.

Wie endet der begabte Dampfplauderer seine Befehlsausgabe für Europa? Na, natürlich mit einer Klammer, am Schluss zurück zum Anfang. Auch wenn er hier mal wieder, ist so eine Marotte von ihm, recht dunkel in der Bedeutung wird. ZACKBUM zumindest ist zu blöd, um den Sinn dieses Schlussatzes zu begreifen:

«Kakanien, das versunkene Phantasieland, hat eine bessere Erinnerung verdient als den Nationalismus des Untergangs.» Sachdienliche Angaben mit militärischem Rang des Senders bitte an diese Redaktion.

Aller schlechten Dinge sind drei

Vielleicht sollte ZACKBUM Georg Häsler nicht reizen. Denn der Mann dreht im roten Bereich.

Kann man noch einen drauflegen, nachdem Häsler sich  mit einem «Panzermann» in den Armen gelegen ist und davon fantasiert hat, dass die NATO Bodentruppen in die Ukraine einmarschieren lässt und warnende Stimmen als Fünfte Kolonne Moskaus denunziert?

Wenn man ein Oberst mit Uniform, aber ohne Krieg ist, alleweil. Denn was bleibt noch, wenn man die NATO dazu aufgefordert hat, keine Rücksichten mehr zu nehmen und nicht nur russisches Territorium bombardieren zu lassen, sondern wie weiland der irre General in «Dr. Seltsam» (grossartig gespielt von George C. Scott, so martialisch wird Häsler nie aussehen, trotz Operettenuniform) davon fantasiert, was man mit Entschlossenheit und Kampfgeist alles erreichen könnte?

Nun, einerseits sich ein sicheres Plätzchen im Atomschutzbunker zu suchen und den Notvorrat aufzustocken. Andererseits völlig durchzudrehen:

Man denkt zuerst, das sei Satire. Dann sieht man, wer der Autor ist, und weiss: ist es nicht, es ist einfach nur irre. Häsler legt gleich voll los: «Russland testet in der Ukraine den Atomkrieg. Im russischen Fernsehen werden Ziele für Luftangriffe in der EU diskutiert. Sabotageakte gegen kritische Infrastrukturen in der Ostsee und anderswo häufen sich. Gleichzeitig verbreiten Mittelsmänner des Kremls Warnungen an den Westen – sehr deutlich auch in der Schweiz: Akzeptiert den Willen Wladimir Putins, sonst droht der dritte Weltkrieg.»

Es ist zwar vergeblich, aber versuchen wir, den Mann vorsichtig an die Realität heranzuführen. Russland testet in der Ukraine nicht den Atomkrieg (wie sollte das auch gehen). Im russischen TV wird viel gequatscht, genauso wie im westlichen TV Ziele in Russland nicht nur diskutiert, sondern applaudiert werden, wenn dort Marschflugkörper einschlagen. Den grössten Sabotageakt in der Ostsee haben nachweislich ukrainische Agenten durchgeführt, indem sie die Pipeline North Stream II in die Luft jagten. Und wer nicht mit Schiesspulver gurgelt und Kriegsschreie ausstösst, sondern vor einem atomaren Schlagabtausch warnt, ist auch kein «Mittelsmann des Kreml» sondern jemand, der im Gegensatz zu Häsler keinen nuklearen Holocaust erleben möchte.

Sollte der eintreten und Häsler ihn überleben, dann hat er das alle sicher nicht so gemeint, nicht so gewollt, konnte doch nicht ahnen – und er wird ähnlichen Bruch von sich geben wie alle Kriegstreiber, wenn der Krieg dann mal verloren und zu Ende ist. Schwamm drüber, ist erledigt, wir schauen in die strahlende Zukunft.

Für die hatte Bertolt Brecht nach dem Zweiten Weltkrieg in einem kleinen Gedicht die richtige Antwort:

«Und die da reden von Vergessen und die da reden von Verzeihn –
All denen schlage man die Fressen mit schweren Eisenhämmern ein

Aber noch ist es nicht so weit; Häsler zieht den Helm tief über die Augen und lugt ins Dunkle: «Die Schweiz ist mit angegriffen, aber der Bundesrat schweigt.» Himmels willen, stell dir vor, es ist Krieg, und niemand schaut hin. Nur Häsler, der einsame Warner und Rufer, lädt bereits sein Sturmgewehr durch.

Aber sonst sind nur Defätisten, Putin-Versteher, Angsthasen, Pazifisten unterwegs: «Die Schweiz erhöht mit ihrem mangelnden Willen zur Aufrüstung die Opportunität eines Angriffs.» Mangelnder Wehrwillen, pfuibäh. Was tun? Na, da hilft ein Blick ins «Führungsreglement der Schweizer Armee». Ähm, ist das nicht militärischer Geheimnisverrat, wenn Häsler daraus zitiert? Aber gut, es empfiehlt «bei deutlicher oder sich mindestens abzeichnender Lageveränderung» waseli was? Na – «einen Lagerapport durchzuführen».

Hui, Feind hört mit; nun besitzen alle diese Geheimwaffe, die zuvor von allen Führungskräften der Armee strikt im Giftschrank gelagert wurde. Nun werden alle «Lagerapporte» durchführen, und das könnte das Ende der Schweiz  bedeuten. Wenn nicht, ja wenn nicht endlich auf Häsler gehört wird:

«Eine Sofortmassnahme wäre die Beschleunigung der Nachrüstung. Mittelfristig braucht es einen Plan zur gezielten Aufrüstung.» Gut, er ist nur Oberst, aber hat nicht jeder den Marschallsstab im Tornister? Im Fall Häslers den Generalstab, sozusagen.

Aufgepasst, Frau Bundespräsidentin: «Die Lage wird sich deshalb eher verschlechtern. Der Kreml wird sein Ziel nicht aufgeben, Europa zu spalten und zu beherrschen.» Das wollte der Iwan schon von altersher. Nur willfährige Putinversteher können behaupten, dass in der jüngeren Geschichte seit Napoleon Russland dreimal überfallen wurde, während der Bolschewik und Untermensch so abgefeimt ist, dass er seine Absicht, «Europa zu spalten und zu beherrschen», noch nie militärisch umgesetzt hat.

Aber nicht nur, wer Hitlers Angriffs- und Vernichtungskrieg zum Präventivschlag umlügt, ist auch zu jeder anderen Geschichtsklitterung in der Lage.

Wieso gebietet God Almighty Eric Gujer dieser als militanter Journalist verkleideten Abrissbirne nicht endlich Einhalt? Wenn der so weitermacht, imitiert er noch den anderen General Kubricks (Jack D. Ripper wird nicht minder genial gespielt von Sterling Hayden), der wegen Wahnvorstellungen den Dritten und letzten Weltkrieg auslöst.

Da können wir echt froh sein, dass die Schweiz nicht über Atomwaffen verfügt und Häsler nicht mehr Macht hat, als die Bundespräsidentin (natürlich vergeblich) aufzufordern, «schonungslos über den Krieg» zu sprechen. Als ob es nicht reichen würde, dass er das ständig tut.

Zerstreuungszentralen

Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Vertrauen. Bereicherung. Wenn nix davon existiert …

Die deutschsprachige Schweiz wird von drei Medienhäusern plus einem kleinen Leuchtturm beschallt, im Tageszeitungsgeschäft.

Was nicht zu Tamedia gehört, gehört CH Media, mit abnehmender Bedeutung wankt Ringiers «Blick» durch die Medienlandschaft. Und dann gibt es noch die NZZ, die leider gelegentlich schwächelt.

Daneben gibt es nur noch wenige kleine Guerilleros und den in der zweiten Generation langsam abgebenden Somedia-Verlag in der Südostschweiz. Über all dem schweben die staatlichen Übermedien von SRF.

Alles andere ist Randgruppenprogramm, vielleicht noch mit Ausnahme der «Weltwoche» und ab und an der WoZ.

Nun sollte es die vornehmste Aufgabe der sogenannten Vierten Gewalt sein, politisches und gesellschaftliches Geschehen zu kontrollieren, darüber zu informieren und dem mündigen Leser die Möglichkeit zur eigenen Meinungsbildung zu geben.

Dabei sollte zwischen der eigentlichen Nachricht und der Kommentierung sorgfältig unterschieden werden. Die persönliche Befindlichkeit des Boten, des Journalisten, sollte dabei keine Rolle spielen, seine Meinung höchstens dann, wenn er etwas Qualifiziertes zum Thema beizutragen hat.

Bei konfliktiven Themen sollten verschiedenen Meinungen und Standpunkten die Möglichkeit eingeräumt werden, sich in diesen Quasi-Duopolmedien zu äussern.

Zudem sollte es ihre vornehmste Aufgabe sein, möglichst umfassend und kompetent über Themen zu berichten, die der Bevölkerung, zumindest der Leserschaft, unter den Nägeln brennen. Also beispielsweise das Thema Altersversorgung und Pensionskassen. Situation auf dem Mietermarkt. Einwanderung. Schulsystem. Kriminalität. Überlastete Infrastruktur. Entwicklung des Verhältnisses zur EU. Sanktionen gegenüber reichen Russen. Um nur die wichtigsten Themen zu nennen.

Konjunktiv.

Seit etwas mehr als vier Jahren beobachtet ZACKBUM diese Medienlandschaft und hat 3550 Beiträge veröffentlicht, die knapp 14’000 Kommentare auslösten, plus diverse direkte Kontakte.

ZACKBUM kann also behaupten, einen gewissen Überblick über die Entwicklung in den letzten vier Jahren und den aktuellen Zustand dieser Medien zu haben.

Dabei sind folgende Fakten augenfällig:

  1. Anfänglich befleissigten sich noch einige Journalisten, auf Anfragen von ZACKBUM zu reagieren oder gar zu antworten. Das hat sich radikal geändert. Entweder gibt es keine Antwort mehr, oder die Frage wird zwecks Veredelung an die Medienstelle weitergeleitet. Die gerne mitteilt: Redaktor xy möchte hierzu keine Stellung nehmen.
  2. Besonders auffällig war das Verhalten der 72 erregten Tamedia-Mitarbeiterinnen. Sie wurden mehrfach mit konkreten Fragen um Stellungnahmen gebeten und allesamt angeschrieben. Reaktion: keine Reaktion.
  3. Der Informationsfluss von Whistleblowern ist ziemlich ausgetrocknet. Das liegt wohl daran, dass die Angst um den eigenen Arbeitsplatz deutlich zugenommen hat, was angesichts der unablässigen Sparwellen auch kein Wunder ist. Zudem haben viele kritische Geister die skelettierten Medien verlassen.
  4. Ausser dem Ausschlachten von gestohlenen Geschäftsunterlagen, die sich in Papers, Leaks und Flops verwandelten, ist kaum nennenswerte Recherchiertätigkeit entfaltet worden.
  5. Die Behandlung der Corona-Epidemie hat gewaltigen Schaden an der Reputation, Glaubwürdigkeit und Werthaltigkeit des Inhalts der Tageszeitungen angerichtet. Vor allem Tamedia verstand sich als Sprachrohr der Regierung oder der Task Force. Kritiker an staatlichen Massnahmen wurden teilweise übel beschimpft («potenzielle Massenmörder»), es wurden hysterische Untergangsszenarien für das Gesundheitssystem entwickelt, von bis zu 100’000 Toten gefaselt, die Wirksamkeit der Impfung unkritisch bejubelt. Kritische Stimmen wurden ignoriert oder beschimpft. Diverse dafür völlig unqualifizierte Journalisten verwandelten sich in wahre Amokläufer und forderten sogar eine Zwangsimpfung für alle. Ein Trauerspiel.
  6. Nicht in diesem Ausmass, aber in einem ähnlichen wiederholt sich das bei der Berichterstattung über die Invasion der Ukraine. Auch da stört vor allem, dass starke Meinungen mit schwachen Kenntnissen eine unappetitliche Melange eingehen.
  7. In diesen vier Jahren ist eine bedenkliche Zunahme von Artikeln zu verzeichnen, die sich ausschliesslich mit Nabelschau des Schreibenden befassen. Sein Befindlichkeiten, seine Weltsicht, seine Ängste und Befürchtungen werden thematisiert. Ohne Rücksicht darauf, dass das die meisten Leser überhaupt nicht interessiert.
  8. Wohl bedingt durch die deutlich abnehmende Relevanz und Bedeutung der Tageszeitungen macht sich zunehmend eine verbissene, oberlehrerhafte Befehlsausgabe bemerkbar. Der Journalist ordnet nicht nur alle Ereignisse auf der Welt nach seinem Gusto, er teilt auch dem Leser mit, wie der sich zu verhalten habe. Insbesondere in Sachen Umweltschutz oder korrekte Anwendung von Sprache.
  9. Obwohl sämtliche Meinungsumfragen beweisen, dass der überwältigenden Mehrheit der Leser Sprachvergewaltigungen mit Gender-Sternchen, Binnen-I und ähnlichem Unfug schwer auf den Zeiger gehen, sehen viele Medien auch hier eine Erziehungsaufgabe. Das gilt auch für faschistoide Sprachreinigungsmassnahmen wie beispielsweise das Verbot, das Wort Mohr zu verwenden.
  10. Angesichts der Social Media und anderen Werbemöglichkeiten (sowie Einnahmen, die nicht bei Schweizer Verlagshäusern anfallen), wirken die Verlagsmanager wie Droschkenfahrer, die verkniffen auf ihrem Bock hockenbleiben und finster beobachten, wie Automobile sie überflüssig machen. Aber der Droschkenfahrer musste sich dann eine neue Einkommensquelle suchen. Die Vollversager in den Geschäftsleitungen der Medienhäuser brauchen das (noch) nicht zu fürchten.
  11. Last, but not least: es ist ein weiterer Niveauverlust zu verzeichnen. Sprachbeherrschung, Hintergrundwissen, Kultur, Geschichte, die Wüste lebt und wird Immer grösser.